Lösung für Türkei-Krise?

Letzte Woche habe ich meine Sicht der Türkei-Krise bei Cicero Online und bei bto erläutert. In der New York Times macht kein geringerer als Paul Krugman einen Vorschlag zur Lösung der Krise:

  • „Diejenigen von uns, die viel Zeit mit dem Versuch verbracht haben, die asiatische Finanzkrise vor zwei Jahrzehnten zu verstehen, fragen sich schon eine ganze Weile, ob die Türkei die ganze Show wohl erneut aufführen würde. Und es scheint so, als könnte dies tatsächlich geschehen.“ – bto: Ja, allerdings mit mehr politischem Getöse.
  • „Zu Beginn sehen wir ein Land, das – aus welchem Grund auch immer – zu einem Lieblingskind ausländischer Kreditgeber wurde und sich einige Jahre lang über einen erheblichen Zufluss fremden Kapitals freuen konnte. Entscheidend dabei ist, dass die daraus entstehenden Schulden nicht in inländischer, sondern in ausländischer Währung verbucht werden.“ – bto: was allerdings die Frage aufwirft, ob die Kreditgeber die Schuld tragen oder doch mehr die Schuldner, die da eine Party feiern? Wir hatten das ja auch in Spanien, Irland, Griechenland, …
  • „Irgendwann kommt nun aber der Moment, an dem die Party zu Ende ist. Die Kredite aus dem Ausland hören auf zu fließen. Was nun genau der Grund dafür ist, spielt dabei keine große Rolle: Es können interne Ereignisse sein, wenn etwa der Schwiegersohn zum Chef der Wirtschaftspolitik ernannt wird. Es können steigende US-Zinsen sein, oder gar eine Krise in einem anderen Land, in dem die Investoren ähnliche Entwicklungen vermuten.“ – bto: Natürlich ist es eine Kombination. Es dürfte aber auch an der Verwendung der Mittel liegen! Wenn man das Geld intelligent einsetzt und damit die Wirtschaftskraft steigert, gibt es das Problem nicht.
  • „Der Vertrauensverlust führt dazu, dass die Währung in den Keller geht. Dadurch wird es immer schwerer, die Fremdwährungskredite zurück zu zahlen, was wiederum der Realwirtschaft schadet und das Vertrauen weiter beschädigt, wodurch die Währung weiter abrutscht, und so weiter.“ – bto: Ja, so ist das bei der gefährlichsten aller Spekulationen, der kurzfristigen Verschuldung in Fremdwährung!
  • „Was dann letztlich geschieht, ist, dass das Verhältnis der Auslandsschulden zum BIP explodiert. In Indonesien etwa lag die Höhe die Auslandsschulden vor der Finanzkrise der 1990er Jahre bei weniger als 60 Prozent des BIP, was mit der Türkei Anfang dieses Jahres vergleichbar ist. Bis 1998 sorgte die abstürzende Rupie aber dafür, dass die Schuldenquote auf fast 170 Prozent des BIP stieg.“ – bto: q. e. d.
  • „Wenn die Politik nicht effektiv reagiert, fällt die Währung ins Bodenlose, und die Schulden, gemessen in der eigenen Währung, gehen so weit durch die Decke, dass alle, die bankrottgehen können, bankrottgehen. An diesem Punkt löst die schwache Währung dann einen Exportboom und enorme Handelsüberschüsse aus, und so kann die Wirtschaft beginnen, sich wieder zu erholen.“ – bto: Und das ist nicht den Ausländern zuzuschreiben, sondern der eigenen verfehlten Politik.
  • „Um die Folgen der Krise abzumildern, müssen kurzfristig außergewöhnliche Maßnahmen getroffen werden, während gleichzeitig auf glaubwürdige Weise versprochen wird, langfristig zur Orthodoxie zurückzukehren. Und so funktioniert das: Vorübergehende Kapitalflusskontrollen sorgen dafür, dass die Explosion der Schuldenquote beendet und die panische Kapitalflucht gestoppt wird. Vielleicht kann auch die Rückzahlung eines Teils der Fremdwährungsschulden verweigert werden. Unterdessen muss das Land die Voraussetzungen dafür erfüllen, nach der Krise wieder zu einem nachhaltigen Staatshaushalt zurückkehren zu können. Wenn das alles gut geht, wird nach und nach wieder Vertrauen geschaffen, und schließlich sind die Kapitalflusskontrollen nicht mehr nötig.“ – bto: Er sagt eindeutig, dass es ohne Schuldenschnitte nicht geht. Er spricht aber nur von Staatshaushalt, dabei sind die privaten Schulden das viel bedeutsamere Problem.
  • 1998 hat Malaysia genau dies getan. (…) Auch Argentinien hatte im Jahr 2002 Erfolg mit einer heterodoxen Politik – und damit, ein paar Jahre später letztlich die Rückzahlung von zwei Dritteln seiner Schulden zu verweigern. Aber die Kirchner-Regierung wusste nicht, wann sie aufhören und wieder zur Orthodoxie zurückkehren musste, und bereitete so den Weg für eine neue Krise.“
  • „Vielleicht zeigt dieses Beispiel auch, wie schwer es ist, mit dieser Art von Krise umzugehen. Man braucht eine Regierung, die nicht nur flexibel ist, sondern auch verantwortungsbewusst. Und sie muss technisch kompetent genug sein, um außergewöhnliche Maßnahmen treffen zu können – und ehrlich genug, um diese Maßnahmen umzusetzen, ohne dass sie von massiver Korruption begleitet werden.“ – bto: also, Anleger in der Türkei. Weiter mit der Panik!

→ ipg journal.de: „Feiern, als sei es 1998“, 20. August 2018

24 Kommentare
  1. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „also, Anleger in der Türkei. Weiter mit der Panik!“

    Richtig, das ist wie bei einem Unternehmen. Solange der Vorstandsvorsitzende mit Prestigebauten, überteuerten Fusionen und „Heilige-Kuh-Geldverbrennungs-Sparten“ Kapital vernichtet, sind neue Kredite oder Kapitalerhöhungen der falsche Weg. Politische Führung auf großer Breite (inkl. Parlamentarier und Spitzenbeamte) auswechseln, glaubwürdig um Vertrauen werben, unbeliebte Maßnahmen verkünden und es gibt eine Perspektive. Vorher eben nicht, sondern: Panik.

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  2. Veking sagte:

    bto: Er sagt eindeutig, dass es ohne Schuldenschnitte nicht geht. Er spricht aber nur von Staatshaushalt, dabei sind die privaten Schulden das viel bedeutsamere Problem

    Vorher hieß es, daß alle, die bankrottgehen können, bankrottgehen. Ich vermute, daß damit die privaten Schulden gemeint sind. Allerdings wird das ja gerne hinausgezögert, weil es von beiden Seiten nicht gewünscht ist – Abschreibungen auf der Gläubigerseite und schlechtere Lebensbedingungen auf der Schuldnerseite.

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  3. Dietmar Tischer sagte:

    Krugman, mein spezieller Freund, mit einer LÖSUNG – da steigt die Spannung, welcher Schuss es dieses Mal ist, der in den Ofen geht.

    >Vielleicht kann auch die Rückzahlung eines Teils der Fremdwährungsschulden verweigert werden.>

    VERWEIGERN – warum denn nicht?

    Das ist leider etwas schwierig, weil die anderen bei diesem Thema hartleibig sind und mit Gegenverweigerung drohen.

    Kein Problem allerdings, wenn man erst einmal BANKROTT ist.

    Ist man das, kann auch nichts mehr zurückgezahlt werden und zwar OHNE Verweigerung.

    Ohne Verweigerung – das ist der Trick.

    Den wird es vermutlich für die Türkei nicht geben, weil

    a) gerade die Europäer ihn zu verhindern suchen werden eigener Verluste und Risiken wegen (wie bereits diskutiert)

    und

    b) die politische Führung in der Türkei (Erdogan) nicht daran denkt, sich im Interesse der Türkei von Sockel zu stoßen.

    Krugman ist ein Träumer.

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  4. mg sagte:

    Da wir auch in Deutschland immer wieder Menschen – meistens im Besitz der deutscher Staatsbürgerschaft – zur Kenntnis nehmen müssen, deren Kernqualifikation in der Ausgrenzung von „anderen“ besteht*, wäre ich vorsichtig mit Prognosen, die in Deutschland politische Verhältnisse wie in der Türkei ausschliessen. So etwas führt zwar nicht zwangsläufig zu Leistungsbilanz- und Währungskrisen, ist für sich genommen aber schlimm genug. Eine Verschlechterung der welt-wirtschaftlichen Lage wird die Probleme, die wir mit den Nazis haben leider nicht verbessern.

    *
    http://www.spiegel.de/video/chemnitz-rechte-neonazis-und-linke-demonstrieren-video-99020278.html
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-ausschreitungen-hass-ist-keine-selbstjustiz-kommentar-a-1225328.html
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/oekonomen-warnen-fremdenhass-wird-zum-standortnachteil-a-1225356.html

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      • mg sagte:

        @SB: na, dann verdächtigen Sie mal schön. Wie ich der Presse entnehmen musste, ermittelt die SOKO Chemnitz bereits:

        https://www.der-postillon.com/2018/08/soko-chemnitz.html

        Dass die Medien nicht immer fair sind und häufig oberflächlich recherchieren, mag zutreffen. Aber auch mit viel Wohlwollen lassen die vom Spiegel gefilmten Herrschaften keine Umsturzabsichten erkennen. Über würden Sie sagen „doch diese aufrechten deutschen Bürger wollen einen Unrechtsstaat umstürzen“?

      • SB sagte:

        @mg: Mich beschleicht ein weiterer Verdacht ;-)… Nämlich der, dass Sie den Postillion ernst nehmen.

        „Aber auch mit viel Wohlwollen lassen die vom Spiegel gefilmten Herrschaften keine Umsturzabsichten erkennen.“

        Im Herbst 1989 gab es auch keine Umsturzabsichten. Die demonstrierenden DDR-Bürger haben für mehr Freiheiten demonstriert. Mit dem Sturz des Systems konnte niemand rechnen und den hat deshalb auch niemand – zumindest niemand von den Demonstranten – beabsichtigt. Es ist auch in diesem Land nicht nötig, dass Umsturzabsichten Voraussetzung für eine Demonstration sind.

      • mg sagte:

        *lach* – wenn Sie mir x unterstellen (bzw. mich x verdächtigen) und ich Ihnen y unterstelle, kommen wir vermutlich nicht besonders weit.

        Deswegen würde ich gerne nochmal auf meinen ursprünglichen Post zurück kommen und Sie bitten, zu erläutern mit welchem Satz ich wen abgestempelt haben soll? Bei der Gelegenheit könnten Sie auch erläutern, was Nazis – die extra aus dem restlichen Bundesgebiet angereist sind und in Chemnitz Jagd auf ausländische Mitbürger gemacht haben – mit den Demonstranten im Herbst 1989 zu tun haben?

        > Es ist auch in diesem Land nicht nötig, dass Umsturzabsichten Voraussetzung für eine Demonstration sind.

        Bei aller gut gemeinten Rabulistik, den Vergleich Chemnitz-2018 und DDR-1989 haben Sie ins Spiel gebracht.

      • SB sagte:

        @mg: Ich stelle bei Ihnen eine einseitige Wahrnehmung, hervorgerufen durch Merkel-Mainstream-Medienkonsum. Darauf deuten jedenfalls Ihre drei SPON-Links hin, die Sie in Ihrem ersten Beitrag gebracht haben.

        Ansonsten ein Lesetipp: http://www.egon-w-kreutzer.de/005/tk180829.html

        Mitnichten sind in Chemnitz nur Nazis aufgelaufen, so wie es auf allen Mainstream-Medien dargestellt wird. Es haben auch viele ganz normale Leute friedlich gegen die tödlichen Folgen von Merkels unbegrenzter Willkommenskultur demonstriert. Diese Menschen sind, wenn es nach SPON etc. pp. geht, „der braune Mob“. Und Sie gehen diesen Linksextremisten auch noch auf den Leim.

        Zum Schluss: Mit dem Argument „nicht erkennbare Umsturzabsichten“ sind Sie zuerst gekommen. Wenn Sie es anders meinten, als ich es verstanden habe, müssen Sie es noch einmal erklären.

      • mg sagte:

        Der Umstand, dass Nazis Demonstrationen zum „Ausländer-Klatschen“ (deren Wortwahl) missbrauchen und ansonsten unbescholtene Bürger das Treiben verbal unterstützen, erfüllt mich in der Tat mit Sorge.

        > Mit dem Argument „nicht erkennbare Umsturzabsichten“ sind Sie zuerst gekommen. Wenn Sie es anders meinten, als ich es verstanden habe, müssen Sie es noch einmal erklären.

        Gemeint war: ich sehe keine Ähnlichkeit zwischen Chemnitz-2018 und DDR-1989. Offenbar sehen Sie Ähnlichkeiten. Welche? Umsturzabsichten, da sind wir uns offenbar einig, ja nun nicht. Also was dann? Einen Regierungswechsel? Die nächste Bundestagswahl kommt bestimmt.

        „Die Mauer muss weg.“ -> klingt für mich wie ein Wunsch nach offenen Grenzen

        „Ausländer raus.“ -> wo raus? aus Chemnitz? aus Sachsen? aus Deutschland? oder runter von Mallorca? Meinen Sie die Spanier haben Lust auf besoffene, übergewichtige, pöbelnde, glatzköpfige Deutsche?

        Und um nochmal auf mein Ursprungspost und meinen einleitenden Satz zurück zu kommen… wenn der bürgerliche Mitte sich mit Nazis gemein macht… wenn die Presseberichte also nicht alarmistisch, sondern weitgehend zutreffen sind… dann haben wir ein Problem. Ich halte es jedenfalls nicht für ausgeschlossen, dass eine solche(!) bürgerliche Mitte einen deutschen Regierungschef vom Schlage Erdogan wählt. Und das halte ich nicht für erstrebenswert.

      • mg sagte:

        und noch etwas:

        mit der Entscheidung von Dr. Stelter hier nicht nur über wirtschaftliche Themen zu schreiben, welche selbstverständlich Geldpolitik, Demografie und technologischen Wandel umfassen, sondern auch das Thema Flüchtlinge aufzugreifen (haben ja auch wirtschaftliche Konsequenzen), hat die Qualität des hiesigen Forums deutlich nachgelassen.

        Wie man an der CO2-Diskussion mit mehr als 120 Diskussionsbeiträgen sehr deutlich sehen konnte, sind offenbar viele Teilnehmer der Ansicht eine angebliche „Klima-Verschwörung“ erkennen und aufdecken zu können, nur das es die nicht gibt. Ich sage ausdrücklich nicht, dass es keine politischen Verschwörungen seit Julius Cäsar mehr gegeben hat. Aber genau diese „Diskussion“ – wenn man sie denn mangels Argumenten überhaupt so nennen darf – hat sehr deutlich gemacht, dass Vorurteile, Glauben und Desinformation nicht geeignet sind um Entscheidungen, zumal solche mit grosser Reichweite, zu treffen.

        Und ich schreibe es nochmal… Herr Stöcker ist der einzige, der sich erkennbar mit der Modern Money Theory beschäftigt hat. Nein, die MMT ist keine Privattheorie. Man mag seinen Lösungsvorschlägen zum Matthäus-Effekt nicht folgen, man mag auf Gold, Aktien oder Immobilien schwören, aber Fakt ist, dass Herr Stöcker neben Herrn Dr. Stelter am tiefsten in der Materie drin ist.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ mg

        >Aber genau diese „Diskussion“ – wenn man sie denn mangels Argumenten überhaupt so nennen darf – hat sehr deutlich gemacht, dass Vorurteile, Glauben und Desinformation nicht geeignet sind um Entscheidungen, zumal solche mit grosser Reichweite, zu treffen.>

        Na gut.

        >Wenn es in den kommenden Jahren zu positiven Rückkopplungseffekten kommt (Albedoabnahme, Methanfreisetzung aus Permafrost, höhere Anteil von Wasserdampf in der Atmosphäre, usw.) werden wir uns selbstverständlich anpassen und verändern müssen.>

        Meinen Sie, dass „anpassen und verändern MÜSSEN“ kein Vorurteil ist und daher als eine geeignete Auffassung zu gelten hat, Entscheidungen mit großer Reichweite zu treffen?

        Ich frage Sie, weil es Ihre Auffassung ist.

        Hier, 2. Kommentar:

        https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/umweltschutz-die-co2-theorie-ist-nur-geniale-propaganda/

      • SB sagte:

        @mg: Mein erster Beitrag in Ihre Richtung war schon richtig, wie sich in Ihrer Argumentation zeigt. Sie sollten sich eventuell einmal mit dem Prinzip von Ursache und Wirkung beschäftigen und dabei zumindest versuchen, nicht beides zu vertauschen. Sie sollten sich in diesem Zusammenhang und mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen auch unbedingt mit dem Begriff Rechtstaat auseinandersetzen.

        „wenn der bürgerliche Mitte sich mit Nazis gemein macht… wenn die Presseberichte also nicht alarmistisch, sondern weitgehend zutreffen sind… dann haben wir ein Problem.“

        Ihre Annahme, die Pressebericht wären zutreffend, ist unzutreffend: https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20182/die-berichterstattung-ueber-chemnitz-macht-mich-wuetend/

        Aber macht nichts, denn die Realität interessiert sie ja gar nicht. Sie wollen von den Mainstream-Presseberichten nur ihr Weltbild bestätigt sehen. Nicht „wir“ haben ein Problem, sondern Sie und Ihre linksgrünen Gesinnungsgenossen. Nämlich das, dass der geisteskranke Unfug, zuvorderst, aber nicht nur den Multi-Kulti-Wahn betreffend, von den Wählern immer mehr als solcher erkannt und entsprechend gegengesteuert wird.

        Zum Schluss etwas Grundsätzliches: Wenn es nach mir ginge, würde ich mit Leuten wie Ihnen keine gemeinsames System, also keinen gemeinsamen Staat, betreiben. Sie könnten dann Ihre Weltsicht umsetzen und ich meine. Jedenfalls habe ich keinerlei Interesse, mich an den aus meiner Sicht allein negativen Folgen der Umsetzung Ihrer Weltsicht zu beteiligen. Wenn Sie diese Folgen als Gewinn sehen, ist das Ihr gutes Recht (Toleranz!). Nur sollen dann eben auch nur Sie davon getroffen sein. Ich würde mich den aus meiner Sicht ungewollten Folgen entziehen. Und das wiederum wäre mein gutes Recht. Warten wirs ab. Vielleicht kommt es ja sogar soweit. Ich würde es mir wünschen.

      • mg sagte:

        >> Wenn es in den kommenden Jahren zu positiven Rückkopplungseffekten kommt (Albedoabnahme, Methanfreisetzung aus Permafrost, höhere Anteil von Wasserdampf in der Atmosphäre, usw.) werden wir uns selbstverständlich anpassen und verändern müssen.
        > Meinen Sie, dass „anpassen und verändern MÜSSEN“ kein Vorurteil ist und daher als eine geeignete Auffassung zu gelten hat, Entscheidungen mit großer Reichweite zu treffen?

        Es ist kein Vorurteil sondern eine Binsenweisheit und in dieser allgemeinen Form selbstverständlich nicht geeignet konkrete Entscheidungen zu treffen.

        Aber das wissen Sie doch, oder nicht?

      • mg sagte:

        > Wenn es nach mir ginge, würde ich mit Leuten wie Ihnen keine gemeinsames System, also keinen gemeinsamen Staat, betreiben.

        Wie es der Zufall so will, müssen Sie das auch nicht. :-)

        > Warten wirs ab. Vielleicht kommt es ja sogar soweit. Ich würde es mir wünschen.

        Bis dahin alles Gute. Und das meine ich genauso wie ich es schreibe.

        In gewisser Weise finde ich Ihre Gedankenspiele sogar interessant. Lasst doch die Reichsbürger einen kleinen Freistaat gründen, in unbebautem und unerschlossenem Gebiet und dann mal los. Oder einen Freistaat Sachsen, der sich vom restlichen Bundesgebiet lossagt. Würde man dafür in Chemnitz eine Mehrheit finden? Die dort lebenden deutschen Bürger mit Migrationshintergrund und die dort lebenden Ausländer würden vermutlich schon vor den ersten Gesetzesinitiativen ihre Sieben Sachen packen und sich wo anders niederlassen.

        Aber anschließend nicht jammern und nach finanzieller und technologischer Unterstützung verlangen. Oder nach Überflugrechten für Ihre frei-staatliche Airline. Vielleicht stellen wir ein paar Steine und Zement zur Verfügung, damit Sie Ihre Grenzen auch ohne Waffen sichern können. Wobei, Mauer allein reicht vielleicht nicht. Wer weiss, ob übereifrige Ausländer Tunnel in Ihr Staatsgebiet buddeln!

      • SB sagte:

        @mg:

        „Aber anschließend nicht jammern und nach finanzieller und technologischer Unterstützung verlangen.“

        Jetzt weiß ich auch, dass Sie ein kleiner Scherzkeks sind. ;-) Womit wollen Sie mich denn unterstützen? Mit Know-how aus der Sozial- und Asylindustrie (für die Sie dann aber nicht mehr viel Geld haben werden), mit E-Autos, die keine 20 km weit kommen, mit Windrädern, die mal Strom und mal keinen liefern, oder mit Fachkräften, die keine sind? Ich bin gespannt…

      • mg sagte:

        Ich dachte dabei an Röhrenfernseher von Grundig, Tastenmobiltelefone fürs D-Netz von Siemens und Computer von Nixdorf. Außerdem an kabelgebundene Wählscheiben-Fernsprechtischapparate, VHS- und Betamax-Videorekorder, Sony Walkmen, 20MB grosse 5-1/4-Zoll-Festplatten und Klappfahrräder aus Holland. Früher war nicht alles schlecht. Ach ja, und an eine Spiegelreflexkamera mit Diapositivfilmen sowie eine Super-8-Filmkamera. Zur Dokumentation von illegalen Grenzübertritten.

        Klo(pp)-Papier aus Echtholz, bei dem Recyclingscheiss machen Sie hoffentlich nicht mit, und Glasflaschen (braunes Glas, keine grünes, keine Sorge) zum Transport von alkoholischen Flüssigkeiten.

  5. Lenz sagte:

    Wie sieht das den real in der Türkei aus?
    Laut Presse ist ja im wesentlichen der NICHT Staatsbereich verschuldet, haften da Banken, die „mittig“ im Kreditvertrag hängen (zwischen Ausländer und türk. Kreditnehmer)?
    Die X/Y AG kann ja Konkurs anmelden und wenn der Insolvenzverwalter alles verkauft hat, startet die Firma neu und die Schulden sind weg.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Lenz

      Wenn die X/Y AG Konkurs anmeldet und Insolvenzmasse nicht zur Deckung der Verbindlichkeiten bei der Bank ausreicht, muss die Bank Abschreibungen vornehmen.

      Sind sie zu hoch, muss die Bank Konkurs anmelden und die Gläubiger verlieren Geld – mit Bankeinlagen ist man Gläubiger.

      Da Banken sich gegenseitig Kredite geben, kann es zu einer Kettenreaktion kommen und eine Bank nach der anderen muss schließen (übergreifend auch auf Banken in der EU).

      Dann tritt Schockstarre in der Realwirtschaft ein.

      troodon hat am anderen Thread darauf hingewiesen, dass der Staat – wenn er nicht selbst zu hoch verschuldet ist, was in der Türkei der Fall ist – die Banken rekapitalisieren kann indem er die Abschreibungsverluste mit Eigenkapital ausgleicht, d. h. Bankanteile kauft und das Geld der Bank zukommen lässt statt deren Eigentümern.

      Das war z. B. in Deutschland bei der Commerzbank der Fall.

      Das Problem der Türkei:

      Die Verschuldung der Unternehmen ist hoch, es sind Schulden in Dollar und der Anteil der Ausländer unter den Gläubigern ist hoch.

      Der Staat kann also erst einmal nicht direkt in die Unternehmensverschuldung eingreifen und wenn er die Banken retten muss, ist die Frage, ob er das hinreichend genug kann, wenn der Finanzsektor insgesamt in die Bredouille kommt, weil zu viele Unternehmen zu sehr in die Bredouille gekommen waren.

      Antworten
    • jobi sagte:

      Mit der Insolvenz der Schuldner ist es ja leider nicht getan.
      Es hängen heute immer so viele mit drin – wer genau, das zeigt sich erst, wenn die Ebbe einsetzt ( frei nach Buffett )
      Dann schlägt die Stunde der „Retter“. Es wird getrickst und geblendt, Reserven werden zweckentfremdet, Probleme werden in die Zukunft verschoben – immer und vorzugsweise zulasten Dritter, manchmal sogar unter deren Applaus.
      Frau Nahles lässt grüßen.

      Antworten
  6. Dietmar Tischer sagte:

    @ mg

    >Aber das wissen Sie doch, oder nicht?>

    Was ich weiß, ist Folgendes:

    Wenn es zu positiven Rückkopplungseffekten kommt mit Verstärkung des Klimawandels, haben wir diese 3 Optionen:

    a) nichts tun, Folgen ertragen (KEINE Anpassung und Veränderung unsererseits)

    b) den Rückkopplungen bzw. deren Effekten entgegenwirken (Anpassung)

    c) uns auf die Folgen der Rückkopplungseffekte vorbereiten (Anpassung)

    Wir MÜSSEN uns für a), b) oder c) entscheiden (oder eine Kombination davon), aber NICHT – wie Ihre Formulierung es behauptet – NUR für b) oder c).

    Da Sie a) so bestimmt ausschließen, diskutieren Sie mit einem Vorurteil.

    Es mag schwer für Sie sein, es einzusehen, aber es ist nun einmal so:

    KEINE Position ist VORURTEILSLOS.

    Es ist daher falsch, jemanden vorzuwerfen, er habe Vorurteile.

    Neben der Entwertung von falschen Sachaussagen kommt es vielmehr darauf an, Vorurteile zu bewerten nach den KONSEQUENZEN, die damit verbunden sind, und die Vorurteile ANZUNEHMEN, auf deren Basis wir zu den für uns vorteilhaftesten Ergebnissen kommen.

    Antworten
  7. Dietmar Tischer sagte:

    DARAUF scheint die Lösung der Türkei-Krise hinauszulaufen:

    https://www.wsj.com/articles/as-turkey-teeters-germany-considers-offering-a-financial-lifeline-1535459427

    Priorität hat die Systemstabilität der EU, die infrage steht, wenn in der Türkei eine Insolvenzlawine ins Rollen kommt.

    Wieder einmal und quasi schon die Regel:

    Es geht immer um das System, wenn etwas zu retten ist.

    Partikularinteressen stehen bei Rettungsaktionen hintenan.

    Aber:

    Es sind Partikularinteressen, die das System destabilisieren.

    Bemerkenswert dabei:

    Es spielt überhaupt keine Rolle, wie man miteinander umgegangen ist – Erdogans Beleidigungen („Nazi-Praktiken“ in Berlin) sind noch nicht vergessen – und auch nicht, was Sache ist, etwa ob Deutsche festgehalten werden oder nicht.

    Daher wirkt es auch immer hohler, wenn von Werten die Rede ist.

    Man sollte sich nicht wundern, dass die Menschen bei der Politik Verlässlichkeit vermissen und daher auch ihr Vertrauen in sie abnimmt.

    Antworten

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