Der „digitale Euro“ kommt – und es gibt mehr Gründe als die Kontrolle

Verlust an Anonymität, leichtere Enteignung und Verhindern von Steuerhinterziehung sind Kernprobleme von digitalen Zentralbankwährungen – zumindest sind es die Punkte, die in der allgemeinen Diskussion zu dem Thema aufkommen. Dabei geht es um viel mehr. Ich denke, es ist die Vorbereitung für den großen Reset: die Umstellung auf Vollgeld. Doch dazu demnächst mehr.

Heute der Blick von Martin Sandbu von der FINANCIAL TIMES (FT), der begeistert vom digitalen Euro spricht – und vermutlich auch an den Reset denkt.

  • „There is a first-mover advantage for countries that pioneer official e-money, first because it contributes to an environment in which local businesses can invent related financial technology that piggybacks on to a digital payment system and, second, because users are likely to adopt more convenient payments solutions as soon as they are available (for international payments in particular). No central bank would want to be seen as a drag on fintech competitiveness or witness its constituents opt for alternative currencies en masse.“ – bto: Also es ist die Sorge, dass die Bürger tagtäglich ein anderes, ich würde sagen “besseres”, Geld nutzen können. Eine solche Flucht aus dem Euro muss natürlich verhindert werden. Man stelle sich nur vor, in Süddeutschland wird lieber mit digitalen Franken bezahlt. Dann würde man nur die Euro annehmen, die man braucht, um die Steuern zu bezahlen. Es geht also um Verhinderung von Wettbewerb!
  • „Now the European Central Bank has shown its hand, too. (…) The bank itself says it is a matter of ‘if’ not ‘when’. But it is an “if” of some urgency. When I spoke to Fabio Panetta, an ECB executive board member and author of the report, he explained the central bank’s intention was to be ready to provide a digital currency if and as soon as the people of the eurozone decided they wanted one.“ – bto: Es ist deshalb dringend, weil man die Flucht aus dem Euro angesichts der bevorstehenden Maßnahmen um jeden Preis verhindern möchte.  
  • „That does not mean the ECB is calling for such a currency today. But reading the report, it is hard to resist the thought that the euro’s central bankers have come round to thinking it would be a good idea. The report makes explicit references to the central bank’s legal duty to ensure that payments systems work smoothly and to ‘support the general economic policies in the Union’, including promoting the international role of the euro.“ – bto: eben die Durchsetzung deutlich negativer Zinsen ohne Fluchtmöglichkeit.  
  • „Still, the first-mover advantage seems to weigh on minds in Frankfurt. ‘There is a clear dimension of sovereignty in having your own currency used by people in your own jurisdiction.’ He pointed to one possible scenario set out in the report: ‘A digital currency issued by a foreign central bank becomes a means of payment that people want to use (…) that could weaken your sovereignty (…) a CBDC [central bank digital currency] increases asymmetries in the international monetary system by reducing monetary policy autonomy in foreign economies, but not domestically, suggests that introducing a CBDC sooner rather than later could give rise to a significant first-mover advantage.” bto: Es ist glasklar, worum was es geht. Es geht darum, das staatliche Geldmonopol zu verteidigen. Jede Flucht aus dem künftig massiv inflationierten Euro soll verhindert werden. Passend dazu werden wir Goldverbote sehen.  
  • “To regulate the supply and demand for such a digital euro, they proposed a ‘tiered’ interest rate on digital euros. Individuals would be guaranteed a zero or higher rate on balances used for regular payment needs, for example set at the average household’s net monthly income of €3,000. For these sorts of regular transaction needs, the digital euro would always be at least as advantageous as cash. For balances above this level, the rate could track the ECB’s policy rate even into negative territory (…).” – bto: Das ist logisch und konsequent. Nur aus diesem Blickwinkel macht die Aktion Sinn.
  • „(…)  the evidently serious preparation for the public debate, makes me think that an official digital euro will soon be a reality. How soon? (…) let me stick my neck out and predict an official digital euro will come to an e-wallet near you by the end of 2025.“ – bto: Viel Zeit hat die EZB auch nicht angesichts der geldpolitischen Handlungen, die in den kommenden Jahren bevorstehen.

Was aber eigentlich interessant ist, ist dies: Sobald wir ein digitales Zentralbankgeld für jedermann haben, könnten wir auch den Schritt in Richtung Vollgeld gehen. Dieser Schritt würde zu einem erheblichen Notenbankgewinn führen – durch die faktische Monetarisierung aller Schulden im Euroraum und damit zu einem einzigen massiven Schuldenschnitt. Hier schon vor Jahren diskutiert. Die Vorbereitungen laufen!

Thomas Mayer stimmt mir zu: Ohne Vollgeld stirbt der Euro

ft.com (Anmeldung erforderlich): „A Digital Euro is on its way“, 8. Oktober 2020

Kommentare (45) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Gerhard Gurdmann

      Im verlinkten Artikel lese ich:

      „Ziel der EZB ist es deshalb, ein europäisches, risikofreies digitales Zahlungsmittel bereitzustellen. Und damit eine stabile Alternative zu einem weltweiten privaten Zahlungsmittel zu bieten. Denn das könnte laut EZB aus regulatorischer Sicht bedenklich sein. Auch Risiken für die Finanzstabilität und den Verbraucherschutz sieht die EZB dabei.“

      GENAU SO werden die Dinge den Leuten verkauft:

      PRIVATE Zahlungsmittel, auch oder gerade wenn sie digital genutzt werden können, sind risikobehaftet.

      Zentralbankgeld als digitales ZAHLUNGSMITTEL ist RISIKOFREI.

      Es dient daher dem Verbraucherschutz.

      Was dabei untergeht:

      Der Betrag in Einheiten des ZAHLUNGSMITTELS – wenn er aufgrund eines Kreditvertrags mit einer privaten Bank auf dem Konto des Kreditnehmers gutgeschrieben wurde und von da auf das Konto bei der Zentralbank überwiesen wurde -, ist NICHT risikofrei.

      Wenn die private Bank einen Titel gegen ihren Schuldner erwirkt, wird sie selbstverständlich auf das Guthaben im „e-wallet“ bei der EZB zugreifen können.

      Soviel zu den Basics für Ignoranten.

      Aber halt, da ist ja noch etwas für die ganz Schlauen, steht so im Artikel:

      Der digitale Euro würde als elektronische Form von Zentralbankgeld starten.

      Ich weiß nicht, ob das so sein wird.

      Wenn so, dann ist STARTEN lediglich das, was wir von den Privatbanken kennen:

      EINMALIGE Gutschrift als PRÄMIE für den WECHSEL der Bank.

      Wie gehabt also:

      Mit Speck fängt man Mäuse.

      Die EZB sagt dazu nichts in ihrer Pressemitteilung zur Arbeit am digitalen Euro,
      hier

      https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2020/html/ecb.pr201002~f90bfc94a8.de.html

      Da steht lediglich:

      „Der Euro ist ein öffentliches Gut für die Menschen: ein freier Zugang zu einem einfachen, allgemein akzeptierten, risikofreien und verlässlichen Zahlungsmittel“

      ZUGANG zu, aber mehr ist auch ein „e-wallet“ NICHT.

      Daran anschließend:

      „Ein digitaler Euro würde dafür sorgen, dass dieses öffentliche Gut erhalten bleibt.“

      Ob TATSÄCHLICH risikofrei oder nicht, sei dahingestellt.

      Aber richtig:

      Man müsste mit dem Zugang zum „e-wallet“ der Notenbanken für die Vorteile des digitalen Zahlens NICHT das Risiko in Kauf nehmen, das private Banken – in der Schuldnerposition gegenüber ihren Kontoinhabern als Gläubigern – nun einmal aufweisen.

      Wollen die Zentralbanken NUR dieser Fürsorglichkeit wegen einen digitalen Zahlungsverkehr in IHRER Währung etablieren?

      Natürlich nicht.

      Im Anfangszitat aus dem verlinkten Artikel wird gesagt, was das Problem ist aus Sicht der Notenbanken:

      Würden sie es nicht tun, bestünde die GEFAHR des KONTROLLVERLUSTS.

      Und das heißt nach Lage der Dinge AUCH:

      RISIKEN für die Finanzstabilität, wenn der Zahlungsverkehr weit ÜBERWIEGEND über PRIVAT betriebene digitale Zahlungssysteme AUSSERHALB der Privatbanken, auf die die Zentralbanken KEINEN regulativen Zugriff hätten, abliefe.

      Im verlinkten Pressetext der EZB steht dazu:

      >Mit den richtigen Strategien bei der Gestaltung der digitalen Währung kann das Eurosystem diese Herausforderungen aber meistern.>

      Aber ja doch, wie ich es schon gesagt habe:

      Die AUSSTATTUNG der „e-wallets“ muss stimmen.

      Das sollte kein Problem sein, einfach von den Privatbanken lernen.

      Fazit:

      Der Artikel ist bei weitem nicht die ganze Wahrheit.

      Er ist aber auch nicht nur Propaganda.

      Ausdruck eines Bündnisses GEGEN das eigene VOLK ist er schon gar nicht.

      Die Lage und die Entwicklungen im Finanzsystem sind viel KOMPLIZIERTER und RISIKOREICHER, als Sie sich das anscheinend vorstellen, wenn Sie so urteilen.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Der Euro ist ein öffentliches Gut für die Menschen: ein freier Zugang zu einem einfachen, allgemein akzeptierten, risikofreien und verlässlichen Zahlungsmittel“

        Es ist wie beim Endspiel in einem Poker-Turnier. Wer schlechte Karten hat, schiebt seine ganzen Chips in die Mitte und geht „All-In“, um vielleicht doch noch zu gewinnen.

        Auch wenn das Werben mit der angeblichen „Risikofreiheit“ nur ein Bluff ist. Aber wenn der auffliegt, hat man halt verloren, und dann ist auch egal, welche eigene Stärke man vorher nur gespielt hat.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Gerhard Gurdmann

      Ich habe mir gerade den von Herrn Stöcker weiter unten verlinkten Vortrag von Brunnermeier reingezogen.

      Sollten Sie auch tun.

      Sie müssen nicht alles verstehen, habe ich auch nicht.

      Sie werden aber begreifen, dass die Digitalisierung mit und ohne Notenbanken enorme Auswirkungen auf das Geldsystem hat.

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  1. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Die ganze Diskussion bringt mich auf eine gar ketzerische Frage:

    Sind die Großbanken eigentlich immer noch „systemrelevant“ und müssten bei der nächsten Finanzkrise unbedingt wieder „gerettet“ werden, wenn doch bald die Zentralbank bereit steht, um sämtlichen Zahlungsverkehr für alle mit ihrer eigenen digitalen Währung abzuwickeln?

    Eine unersetzbar große Bedeutung für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs haben die Großbanken offensichtlich nicht mehr.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Richard Ott

      Ihre Frage ist überhaupt nicht ketzerisch.

      Meine Antwort ist:

      Ja, sie sind noch systemrelevant und dürfen nicht kollabieren, weil sie AUCH Schuldner sind.

      Der Zahlungsverkehr hat damit DIREKT nichts zu tun.

      Selbst wenn der Zahlungsverkehr nicht mehr von den Großbanken wahrgenommen würde – FAKTISCH nicht vorstellbar, aber einmal gedacht –, BLEIBEN sie Schuldner.

      Würden Sie kollabieren, also ihre Schulden nicht mehr bedienen, kollabierte aufgrund der Kaskadeneffekte das gesamte System.

      Was aber – weiter gedacht – der Fall sein KÖNNTE, wenn der Zahlungsverkehr der Privatwirtschaft AUCH über deren „e-wallets“ bei den Zentralbanken laufen würde:

      Die privaten Kontoinhaber könnten der Zentralbank signalisieren „Liquidität geht aus, Einstellung des Schuldendienstes steht bevor“ und DARAUFHIN könnte die Zentralbank das „e-wallet“ wieder soweit füllen, dass der Schuldendienstes gewährleistet wäre – alles natürlich nach SOZIALVERTRÄGLICHEN Algorithmen.

      Dadurch würden die Banken nicht durch Kreditausfälle in Schwierigkeiten kommen.

      DENKBAR sage ich und meine damit AUCH:

      Wenn es so ablaufen würde, wären wir in einem VÖLLIG anderen System.

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  2. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >No central bank would want to be seen as a drag on fintech competitiveness or witness its constituents opt for alternative currencies en masse.“>

    Das sind die Befürchtungen von Zurückgebliebenen.

    Die chinesische Zentralbank (PBOC) ist da mal wieder weiter mit ihrer Digitalen Währung (CBDC):

    Der PRIVATE Zahlungsverkehr kann über ein Konto bei der PBOC digital abgewickelt werden und bedarf daher insoweit KEINES Kontos bei einer Privatbank.

    Das System ist schon in der Erprobung.

    Absehbar:

    Der Zugang und die Leistungen dieser Digitalwährung werden so attraktiv ausgestattet sein, dass sie in großer Zahl angenommen werden wird, insbesondere angesichts der SICHERHEIT der Depositen, die nur eine Zentralbank leisten kann.

    Dass sich die Kontoinhaber mit ihren Daten der Staatsmacht ausliefern, dürft kein Hindernis sein.

    Hier:

    http://www.chinabankingnews.com/2020/06/29/chinas-central-bank-digital-currency-could-drive-disintermediation-of-bank-accounts-jd-com-fintech-researcher/

    >… to provide a digital currency if and as soon as the people of the eurozone decided they wanted one.“ >

    Die Bevölkerung soll mal wieder entscheiden.

    Das ist eine erprobt gute Idee, denn da weiß man, was angesichts der „großen Erfolge“ des Euros entsteht. ;)

    Und dann auch noch das:

    >… suggests that introducing a CBDC sooner rather than later could give rise to a significant first-mover advantage.” >

    Da lachen sich die Chinesen doch kaputt.

    >… let me stick my neck out and predict an official digital euro will come to an e-wallet near you by the end of 2025.“ >

    Eher optimistisch als realistisch scheint mir dieses Datum – aber egal, da lachen sich die Chinesen nochmals kaputt.

    Offizielle Digitalwährungen im WETTBEWERB wird zeigen, wo die Eurozone/EU WIRKLICH stehen.

    Denn es wird NICHT beim Zahlungsverkehr mit diesen Währungen bleiben.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Der Zugang und die Leistungen dieser Digitalwährung werden so attraktiv ausgestattet sein, dass sie in großer Zahl angenommen werden wird, insbesondere angesichts der SICHERHEIT der Depositen, die nur eine Zentralbank leisten kann.

      Dass sich die Kontoinhaber mit ihren Daten der Staatsmacht ausliefern, dürft kein Hindernis sein.“

      Die Auswertung der Zahlungsverkehrsdaten ermöglicht eine Fülle von Erkenntnissen, die eine Kommunistische Partei früher nur durch personalintensive Observation hätte gewinnen können.

      Stellen Sie sich zum Beispiel mal vor, ein Mann kauft jedes Wochenende über sein PBOC-Konto in einer anderen Stadt als der, wo seine Meldeanschrift ist, Kondome, während die Partei gleichzeitig weiß, dass seine Ehefrau schwanger ist, weil sie Umstandskleider bestellt und die Rechnung für die Schwangerschaftsuntersuchung auch vor kurzem abgebucht wurde…

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich stelle mir bezüglich eines PBOC-Kontos überhaupt nichts vor.

        Ich stelle mir allerdings vor, was mit den Daten eines EZB-Kontos auch ohne kommunistische Partei erfolgen kann, das – weil es im Wettbewerb mit einem PBOC-Konto bestehen muss – ebenfalls sehr attraktiv ausgestattet sein wird.

        Es dürfte für die ängstlichen Deutschen nichts so verlockend sein, wie ein Konto bei der Deutschen Bundesbank zu haben.

        Ich mache mal unbezahlte Werbung, geht aus dem Handstand, weil es so einfach ist.

        (Headline):

        Ein Konto bei der DEUTSCHEN BUNDEBANK: Dein Geld ist sicher.

        (Signet mit Slogan):

        DEUTSCHE BUNDESBANK.
        Garantiert.

        Dieses Sicherheitsversprechen wird selbst die legendäre Blümsche Rentenplakatierung spielend leicht übertreffen.

        Denn solange es keine spürbare Inflation gibt, ist die Deutsche Bundesbank die Institution, der die Deutschen am MEISTEN vertrauen (mit oder sogar noch vor dem BVerfG).

        Ein Konto bei der Deutschen Bundesbank zu haben, ist ein Selbstläufer.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Es dürfte für die ängstlichen Deutschen nichts so verlockend sein, wie ein Konto bei der Deutschen Bundesbank zu haben.“

        Vor der Euro-Einführung war das bestimmt so. Heute schon längst nicht mehr.

        „(Headline):

        Ein Konto bei der DEUTSCHEN BUNDEBANK: Dein Geld ist sicher.

        (Signet mit Slogan):

        DEUTSCHE BUNDESBANK.
        Garantiert.“

        Und dann untendrunter das Wort „EUROSYSTEM“ und ein Bild von einer Banknote mit dem Signet von Madame Lagade?

        „Ich stelle mir allerdings vor, was mit den Daten eines EZB-Kontos auch ohne kommunistische Partei erfolgen kann, das – weil es im Wettbewerb mit einem PBOC-Konto bestehen muss – ebenfalls sehr attraktiv ausgestattet sein wird.“

        Diesen Wettbewerb gibt es aber (noch) nicht. China hat Kapitalverkehrskontrollen, man kann in den Währungsraum nicht einfach so Geld hinein- oder heraustransferieren.

        Übrigens: Gefängnisse gehören zu den sichersten Orten überhaupt, da kommt üblicherweise niemand raus oder rein, ohne dass es die Gefängnisleitung mitbekommt…

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich sehe das mit dem Vertrauen in die Deutsche Bundesbank anders als Sie.

        Darüber sollten wir aber nicht streiten.

        Interessanter ist das Bild, zu dem ich mich nun doch noch äußern muss, nachdem ich das Spiel
        angefangen habe.

        Also:

        „Eurosystem“ deutlich, aber klein, sehr klein.

        Denn damit verbindet sich hierzulande zu viel welsche Unzuverlässigkeit.

        Nichts gegen das Aussehen von Frau Lagarde, aber sie kann nicht die „Hüterin“ deutscher Konten sein – das wäre abschreckend.

        Dann doch Weidmann, der genau die richtige Ausstrahlung hat:

        Vertrauenswürdig, wenn auch so bieder, dass er nichts bewirken kann.

        Unverzichtbar ist der handschriftliche Name zur Abbildung.

        Wenn man bei Bauwerken bliebe, wäre das Brandenburger Tor viel passender als z. B. der Reichstag, wo Vertreter der Parteien sitzen, denen (vor Corona) 50% der Bevölkerung die Kompetenz absprach, Lösungen für die Probleme zu finden.

        O.K. so weit ist es noch nicht mit Wettbewerb offizieller digitaler Währungen.

        Ich weiß es nicht, vermute aber, dass die chinesische Regierung die Kapitalverkehrskontrollen runterfährt, wenn Chinas Währung attraktiver wird – und das wird sie werden.

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        Markus sagte:

        @RO:
        „Übrigens: Gefängnisse gehören zu den sichersten Orten überhaupt, da kommt üblicherweise niemand raus oder rein, ohne dass es die Gefängnisleitung mitbekommt…“

        Deswegen gibt es auch in den USA so viele davon…

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        Richard Ott sagte:

        @Markus

        Man munkelt ja, auch in Europa seien manche Staaten wie Gefängnisse geführt worden. Aber sagen Sie das nicht zu laut, sonst kommen sofort Alt-Stalinisten von der Linkspartei und regen sich über Sie auf…

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      Renée Menéndez sagte:

      Hallo Herr Tischer,

      eigentlich müßte man sich hier am Blog scheckig lachen über die Naivität, mit der Sandbu uva. an dieses Thema herangehen. Denn wenn er schreibt:

      „…let me stick my neck out and predict an official digital euro will come to an e-wallet…“

      dann grinst einen die weitverbreitete Unfähigkeit von englisch schreibenden Autoren an, zwischen Schuldrecht und Sachenrecht differenzieren zu können. Sehr schön plastisch wird einem das vor Augen geführt, wenn in dem englischen Wikipedia Artikel über Abstraction principle (law) zu lesen ist:

      „Critics say that what German legal scholars call Verpflichtungsgeschäft and Verfügungsgeschäft (i.e. undertakings vs. conveyance) are actually the same thing, but expressed in other words.“

      Diese „critics“ hätten sich mal bei den Kaupthing etc. Kunden umhören können, um zu erfahren, daß eine Verpflichtung der Bank zu zahlen zwar ganz schön ist, aber wenn das mit der Erfüllung nicht klappt, kann man sich seine Forderung an die Wand nageln.

      Der Punkt ist: bislang ist die Konzeptionierung eines „e-wallet“ nichts anderes als ein digitaler Kontoauszug, wobei das Konto bei der Zentralbank geführt wird. Wie in meinem Beitrag ausgeführt wird, handelt es sich hierbei ebenso um ein Weisungsrecht (und NICHT um einen „digital euro“) wie gegenüber einer Geschäftsbank. Wozu da überhaupt noch irgendwas „geforscht“ wird ist nicht verständlich, weil die Technologie, einen papierlosen Bargeldverkehr zu organisieren, inzwischen seit Jahrzehnten bekannt und erprobt ist. Daß es sich hier um eine Zentralbank handelt, welche die Konten von Bürgern führen möchte, ist ein technologischer „home-run“. Außerdem würde so etwas, wie es sich in Deutschland gehört, von einer Tochtergesellschaft der Bundesbank durchgeführt werden, so daß man in etwa eine KfW für Zahlungsdienstleistungen zu erwarten hat.

      Das eigentliche (politische) Problem bei der Geschichte besteht darin, daß – sobald die Zentralbanken anfangen private Kontoführung anzubieten – sie ganz massiv anfangen, in das Kerngeschäft der Banken einzusteigen und das noch mit dem unschlagbaren Wettbewerbsvorteil, daß es bei Zentralbanken kein Liquiditätsrisiko gibt. Der Wettbewerbskommissar müßte schon bei dem Gedanken an derartige Wettbewerbsverzerrungen schlaflose Nächte haben. Und die Wirtschafts- und Finanzminister könnten sich schon mal überlegen, mit welchen „Programmen“ die Ertragsausfälle bei den Geschäftsbanken aufgefangen werden könnten, oder alternativ, welche „Umschulungsmaßnahmen“ man den überflüssig werdenden Bankangestellten zukommen lassen möchte. Erzieher werden gebraucht, oder Altenpfleger…

      Ich würde eher sagen: never change a running system!

      Antworten
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        Markus sagte:

        „Und die Wirtschafts- und Finanzminister könnten sich schon mal überlegen, mit welchen „Programmen“ die Ertragsausfälle bei den Geschäftsbanken aufgefangen werden könnten, oder alternativ, welche „Umschulungsmaßnahmen“ man den überflüssig werdenden Bankangestellten zukommen lassen möchte. Erzieher werden gebraucht, oder Altenpfleger…

        Ich würde eher sagen: never change a running system!“

        Kommt drauf an, wie unnütz tatsächlich die Banker wären. Wenn wirklich die Zentralbank einen Großteil der Aufgaben des privaten Bankensektors übernehmen kann, ohne einen großen Mehraufwand an Personal zu haben, dann wäre es schon sinnvoll, diese (damit geouteten) Bullshitjobs zu reduzieren. Natürlich dürfte man den Prozess nicht Schlecker-mäßig durchführen, sondern müsste (irgendwie?) eine langsamere Transformation hinbekommen.

      • Avatar
        ruby sagte:

        @Herr Stöcker
        Danke für den erst zum Ende hin sehr interessanten Brunnermeier-Vortrag!
        Zwei Highlights, die Bilanzstrukturwirkungen bzw. – Verschiebungen und zweitens der Laplace Liquiditätsfaktor zur Stärkenauswirkungsdarstellung, -messung.
        Lustig, wie die Zuhörer bestimmt mit viel mehr offenen Fragen zurückgelassen wurden…

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        Zum Stichwort „Wettbewerb“…

        Konten für alle Bürger und Unternehmen bei der EZB hört sich für mich *langfristig* eher nach einem weiteren Schritt zur Machtzementierung auf dem Schritt zum EU-Superstaat an.

        Wenn man dann noch Bargeld abschafft, kann man auch mal ordentlich Steuern eintreiben in diversen Ländern.

        Verschwörungstheorie? Vielleicht. Vielleicht aber auch „vom Ende her groß gedacht“. Generell fällt mir auf, dass viele der Beiträge sehr technisch an Themen wie Geld herangehen und die machtpolitische Betrachtung ausblenden. Wer was kontrolliert, dürfte immer eine Rolle bei solchen Überlegungen spielen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Renée Menéndez

        Dachte mir schon, dass Sie sich zum Thema melden.

        Sie bringen es auf den Punkt.

        >Der Punkt ist: bislang ist die Konzeptionierung eines „e-wallet“ nichts anderes als ein digitaler Kontoauszug, wobei das Konto bei der Zentralbank geführt wird. Wie in meinem Beitrag ausgeführt wird, handelt es sich hierbei ebenso um ein Weisungsrecht (und NICHT um einen „digital euro“) wie gegenüber einer Geschäftsbank.>

        Weil das so ist, habe ich auch in meinem Kommentar geschrieben:

        >… bedarf daher insoweit KEINES Kontos bei einer Privatbank.>“

        „Insoweit“ heißt auch:

        Die GELDSCHÖPFUNG der Privatbanken ist davon – durch das WEISUNGSRECHT an die kontoführende Zentralbank – NICHT tangiert.

        Das wird auch so bleiben, weil NUR die Privatbanken die Bonität feststellen können, nach der sie Kredite gewähren.

        Allerdings:

        Es wird – worauf Sie hinweisen – bei den Privatbanken erhebliche Probleme auslösen, wenn die Zentralbanken den Zahlungsverkehr in großem Umfang an sich ziehen.

        Falsch ist es unter „DIGITALER Euro“ eine ANDERE Währung zu verstehen.

        Ich habe Digitalwährung gesagt, was zumindest missverständlich ist.

        Das ist der überschaubare, nicht spekulative Aspekt eines „e-wallet“ bei der Zentralbank.

        DARÜBER hinaus:

        Es würde NICHT bei lediglich einer Aufteilung der Privatkonten zwischen Zentralbank und Privatbanken BLEIBEN, sondern diese ADDITIVE Funktionalität m. A. n.. erhebliche, auch SYSTEMISCH relevante Folgeeffekte auslösen.

        Zentralbanken und Geschäftsbanken sind im Schuldgeldsystem schließlich NICHT im Wettbewerb miteinander, sondern in einem komplementären Verhältnis.

        Dr. Stelter sagt:

        >Ich denke, es ist die Vorbereitung für den großen Reset: die Umstellung auf Vollgeld.>

        Kann, muss aber nicht sein.

        PS:

        In UK klappt es IMMER mit der Erfüllung, wenn den Privatbanken eine Weisung erteilt wird ;)

        Insofern gibt es dort zurecht keinen Unterschied zwischen Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        >… viele der Beiträge sehr technisch an Themen wie Geld herangehen und die machtpoliti-sche Betrachtung ausblenden. Wer was kontrolliert, dürfte immer eine Rolle bei solchen Überlegungen spielen.>

        Bin ganz bei Ihnen.

        Die TECHNIK bestimmt das VERFAHREN, wenn es als vorteilhaft von den es potenziell nutzen könnenden Menschen angesehen wird.

        Die „INHABER“ der Technik bestimmen die KONDITIONEN, denen die Nutzer unterworfen sind.

        ERSCHEINEN sie denen nicht zu negativ, ist das Verfahren per Saldo ATTRAKTIV für sie.

        So bezahlen sie eben mit persönlichen Daten für die Bequemlichkeit digital zu kaufen und die Rechnung zu begleichen.

        So wird es auch sein, wenn das Bargeld abgeschafft ist und der Zahlungsverkehr nur noch digital erfolgt.

        Der Staat ist HERR dieses Geschehens und wird die Konditionen setzen.

        Die Begründung – Sie haben auf sie verwiesen – kommt aus der Schublade und zieht immer:

        VERBRAUCHERSCHUTZ

        Und zukünftig noch wichtiger und daher auf gleicher Höhe damit:

        SOZIALE GERECHTIGKEIT.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        „… viele der Beiträge sehr technisch an Themen wie Geld herangehen und die machtpoliti-sche Betrachtung ausblenden. Wer was kontrolliert, dürfte immer eine Rolle bei solchen Überlegungen spielen.“

        Das liegt in der Natur der Sache in einem Forum mit dem Fokus auf volkswirtschaftliche Fragestellungen, so wie diesem hier.

        Es ist trotzdem unbedingt nötig, auf die machtpolitischen Auswirkungen hinzuweisen, wann immer sie relevant werden. Aus genau dem Grund bin ich sowohl gegen den „digitalen Euro“ wie auch gegen MMT – sie würden bestimmten Akteuren (Zentralbanken beziehungsweise der Regierung) eine so große Machtfülle verleihen (über Zahlungsverkehrs-Daten beziehungsweise über aus dem Nichts schöpfbares Geld), dass damit unsere demokratische Grundordnung ins Kippen gerät.

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    Zweifler sagte:

    @SFR

    Ich meinte, daß für smarte Investoren ein digitaler Euro und ein Goldverbot ziemlich bedeutungslos wären. Die haben ihr Vermögen nicht in Euros(Cash) am Konto oder als Gold im Schließfach wie der kleine, naive Herr Biedermann um die Ecke, der sich vor dem digitalen Euro und Goldverbot fürchten muß.
    Die sind in Sachwerten wie Aktien, Immobilien, Grundstücke usw. investiert. Denen droht vielleicht eine höhere Besteuerung, aber kein Verbot und keine Hyperinflation.
    Die diskutieren auch nicht lautstark herum, was kommen wird, sondern bringen ihre Schäfchen still und leise ins Trockene. Deshalb sind sie ja auch reich geworden.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Zweifler:

      Das glaube ich auch. Vor allem glaube ich, dass solche Leute auf blogs wie diesen nicht schreiben, sondern diese eher nur gelegentlich lesen und im Zweifelsfalle mit ihrem Vermögensberater diskutieren. Die haben anschließend nämlich via Family Office gelegentlich Privatvermögen umzudisponieren. Dieses Problem haben hier – ich hoffe, ich trete dabei niemandem zu nahe – aktive Foristen (so wie ich selbst) eher seltener…^^

      Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Zweifler

      Ich widerspreche Ihnen nicht, soweit Sie über das VERHALTEN vermögender Investoren reden.

      Ich halte aber die Auffassung, dass ein digitaler Euro für Sie ziemlich bedeutungslos wäre, nicht für richtig.

      Eine Währung ist schließlich nicht NUR Zahlungsmittel.

      Wenn sie schwach wird, betrifft das auch die Sachwerte, die in dieser Währung bepreist und gehandelt werden.

      Das können diese Anleger nicht verhindern.

      Aber Sie können darauf ganz anders reagieren als Kleinanleger.

      Das ist dann natürlich der ENTSCHEIDENDE Unterschied.

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      Thomas M. sagte:

      @all: Nicht zu vergessen, dass man die Sachwert-„Gewinne“ aufgrund der schwächer werdenden Währung noch versteuern muss…

      Bzgl. Verbot wäre ich mir nicht so sicher. Seit 1-2 Jahren kann man als Privatperson im Ausland keine Nicht-UCITS-Fonds und -ETF mehr kaufen. Damit ist z.B. das Anlegen von Geld außerhalb der EU massiv erschwert, weil ein US-Broker nicht für ein paar EU-Kleinanleger die ganzen UCITS-Wertpapier bereitstellt – die wiederum die US-Bürger nicht kaufen dürfen. Begründung hierzu: Aus Verbraucherschutzgründen. (Aha. Mehr hab ich dazu nicht gefunden.) Ich fand hoch-interessant, dass selbst die US-Unternehmen sich dem beugen (müssen). Naiv dachte ich vorher noch, dass die EU so weit nicht reicht. Und noch naiver: Warum sollte die EU regulieren, welche Wertpapiere ich im Ausland halten möchte – solange ich ordentlich versteuere? Ist ja nicht so, dass die nicht eh sehen können, wo Geld hingeht.

      Wenn’s mal kritisch wird, könnte man aus „Verbraucherschutzgründen“ auch internationale Geld-Transfers unterbinden. Z.B. wegen Kursrisiko, wenn der Euro abraucht, oder generell Auslandskonten verbieten, wegen Geldwäsche und so Sachen.

      Für Unternehmen und professionelle Anleger gilt das dann vermutlich nicht. (So wie jetzt auch schon bei der Non-UCITS-Regelung.) Insofern werden die Türen für das große Kapital womöglich offen bleiben, während der Durchschnittbürger, für den Familiy Office höchstens Kindergeschrei von nebenan im Conference-Call bedeutet, mit seinem Geld schön da bleibt, wo er ist.

      (Und klar: Es gibt immer Alternativen, aber die werden halt weniger und schwieriger.)

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    ruby sagte:

    Gerade hat mein Freund vom Totalausfall seines Hausakkus von LG (Samsung, Süd Korea, US Base) für die Solaranlage seiner Werkanlagen und das Privathaus nach 4 Jahren und zwei Monaten erzählt. Der 10 Jahre Garantievertrag enthält eine kleingedruckte Klausel, daß nur der Zeit-/Schrottwert geedeckt ist. Fazit : ein nicht entsorgungsmöglicher Riesenakku, Abschaltung der Solaranlagennutzer, Abschreibungen, jederzeitiges Ausfallrisiko bei Ersatzbeschaffung und Wirtschaftlichkeitsrechnung total im Arsch!
    Nein es gibt keinen ElektrowahnsinnsEuro.

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    Heinz sagte:

    Der digitale Euro kommt, der Blackout auch. Das wird bestimmt lustig. Den Dollar hingegen werden sie niemals digitalisieren. Schon allein wegen der Tatsache, dass in der USA jedes Jahr zur Hurrikansaison es große flächendeckende Stromausfälle gibt. Und ich kann mir vorstellen, dass zur Zeit in Kalifornien es auch nicht so gut klappt mit der Stromversorgung. Also werde ich meine Euroscheine in Dollarscheinchen umtauschen. Ich denke, das werden viele so machen.

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      Richard Ott sagte:

      @Heinz

      „Der digitale Euro kommt, der Blackout auch. Das wird bestimmt lustig.“

      Dann müssen Claudia Roth und Peter Altmaier im Keller der Bundesbank auf die Heimtrainer und fleißig treten um den nötigen Strom zu erzeugen. Ich würds den ganzen Tag im Livestream gucken, wenn ich eine Stromzuteilung bekomme um es anschauen zu können. ;)

      Es ist schon faszinierend, dass die weitreichendsten Forderungen nach einer total stromabhängigen Infrastruktur ausgerechnet von denjenigen kommen, die unsere Stromversorgung gleichzeitig immer instabiler machen. Die Regierung in Kalifornien will ja auch alle Verbrennungsmotoren verbieten, und gleichzeitig haben die schon heute an Nachmittagen nicht mehr genug Strom für alle Haushalte.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Es geht also um Verhinderung von Wettbewerb!“

    Richtig, vor allem um die Verhinderung von Währungswettbewerb gegen „solide“ Währungen wie vergleichsweise den Schweizer Franken. Aber das wird kolossal in die Hose gehen. Der Unterschied im Warenangebot wird wie 1948 vor und nach Einführung der D-Mark sein und nachhaltig einbrechen, denn für die abgehalfterte Reichsmark wollte auch keiner seiner schönen Waren mehr hergeben. Sehr schön zu beobachten bereits in Berlin, wo die Einführung des sog. „Mietendeckels“ die aus dem früheren Ostberlin bekannte Mietwohnungsknappheit sofort beschleunigt hat und das ist im Vergleich zur geplanten Währungsrepression noch eine sozialistische Witznummer. Martin Sandbu kommt mir vor wie der Zauberlehrling in Goethes Gedicht, der keine Ahnung hat, welche Geister er da loslässt. Denn was ist die Alternative ab einer bestimmten negativen Realverzinsung? Jeder tauscht sofort alle verfügbaren Mittel gegen etwas irgendwie noch sachwertgebundenes dauerhaft Werthaltiges, egal wie sinnvoll das ist, Hauptsache es ist zu bekommen und nicht so leicht zu verbieten (z.B. Whiskyflaschen, eine Dachrenovierung oder Heizungserneuerung, ein Auto, Wohnmobil oder Wohnwagen oder Silberbesteck). Was auch immer. Und dann: Fehlallokationen im ganz großen Stil, ein starker Anstieg der Transaktionskosten, verdeckte Arbeitslosigkeit, Vertrauensverlust, das ganze Programm des Sozialismus halt.

    Tja, dann muss ich es halt mit den Lehrern meiner Enkel künftig wieder so machen wie seinerzeit die Mutter meines ebenfalls zwölfjährigen männlichen Banknachbarn (kein Überflieger, aber zu Hause auch heftig körperlich eingebunden in die Landwirtschaft, nix smartphone…^^) mit unserem einzigen karg bezahlten Dorfschullehrer: 20 Eier, etwas Brennholz und ein schöner Schinken im Frühjahr. Und schon war das Jahreszeugnis für den Jungen geritzt. Wollen wir das wirklich?

    bto: „eben die Durchsetzung deutlich negativer Zinsen ohne Fluchtmöglichkeit.“

    Es gibt immer eine Fluchtmöglichkeit, legal oder illegal. Der Schwarzmarkt wird in einem Maße aufblühen, wie wir es seit Untergang der DDR nicht mehr gesehen haben. Dann führen wir halt wieder den guten alten Naturaltausch ein: Deine Bohrmaschine gegen meine gebrauchten Winterreifen. Und jedes digitale Geld sofort gegen etwas Beständigeres. Selbst ein Goldverbot wird das Problem nicht lösen, denn die Ökonomie wird ohne funktionierende Währung einbrechen. Sieht man gerade schön in der Türkei und in fortgeschrittenem Stadium in Argentinien und Venezuela. Das Problem ist nur, dass dann ganz viele Leute den Großteil ihrer Zeit mit Umgehungsstrategien beschäftigt sein werden anstelle von produktiver Arbeit.

    Ich werde mich an den ganz alten Tipp halten: der Optimist kauft Gold und Silber, der Pessimist Konservendosen. Ich neige im Gegensatz zu früher zunehmend zum Pessimismus.Oder glaubt irgendjemand, dass massiv kaufkraftverlierende Soldaten, Richter und Polizisten weiterhin so brav ihren Dienst verrichten wie in den letzten Jahrzehnten? Ich glaube das noch nicht. Quis custodiet custodies, fragten in solchen Situationen die alten Römer. Wer bewacht die Wächter?

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Bernd Naumann:

        Was meinen Sie mit Blei? Bleigewichte? Munition für meine nicht vorhandene Schusswaffe? Bleiaktien? Verstehe ich nicht.

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      markus sagte:

      „Jeder tauscht sofort alle verfügbaren Mittel gegen etwas irgendwie noch sachwertgebundenes dauerhaft Werthaltiges, egal wie sinnvoll das ist, Hauptsache es ist zu bekommen und nicht so leicht zu verbieten (z.B. Whiskyflaschen, eine Dachrenovierung oder Heizungserneuerung, ein Auto, Wohnmobil oder Wohnwagen oder Silberbesteck). Was auch immer. Und dann: Fehlallokationen im ganz großen Stil“

      Das passiert doch jetzt schon. Wer momentan Geld hat (reicher „Normalos“) kauft sich eine eigengenutzte Immobilie und eine kleine zu vermietende Wohnung. einkommensstarke aber vermögensarme Mitbürger haben weniger Alternativen, aber der Kauf langlebiger Konsumgüter (Autos) ist eine Möglichkeit.

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    Zweifler sagte:

    „ Jede Flucht aus dem künftig massiv inflationierten Euro soll verhindert werden. Passend dazu werden wir Goldverbote sehen“

    Es müssen ja nicht Euro oder Gold sein. Die Flucht aus dem Euro in Sachwerte wie Aktien oder Immobilien wird kaum verboten werden. Etwas mehr besteuert vielleicht. Ich versteh diese Goldverbotshysterie nicht. Gold spielt im Anlagevehalten eine relativ geringe Rolle, außer bei den immer denselben Untergangsschreiern
    Die großen Investoren oder „die Reichen“ sind nicht in Euro oder Gold investiert, so dumm sind die nicht. Denen wäre ein Goldverbot völlig egal. Es sind die kleinen, naiven Anleger, die Euros am Konto und Gold im Schließfach haben, die fürchten sich berechtigterweise vor dem digitalen Euro und dem Goldverbot.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Zweifler:

      Doch, auch die „Reichen“ sind in Euro und in Gold investiert. Nur halten Sie ihre „Euro“-Anlagen idR in Immobilien, Aktien und evtl. noch ein paar Anleihen sowie ihr Gold in sichereren Ländern wie Singapur, Australien, Kanada, der Schweiz oder früher mal Hongkong. Einfach mal mit Leuten von Incrementum u.ä. reden, die solche Leute betreuen. Zum Einstieg:

      https://en.wikipedia.org/wiki/Ultra_high-net-worth_individual

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        Zweifler sagte:

        @SFR

        „Nur halten Sie ihre „Euro“-Anlagen idR in Immobilien, Aktien…“

        Sag ich ja!

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Zweifler: bitte um Verzeihung, aber dann ist es doch noch keine Flucht aus dem Euro, oder? Oder reden Sie von der Flucht aus Anleihen oder Cash? Verstehe ich im Moment nicht.

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    Richard Ott sagte:

    Doppelt gefährlich:

    „How soon? (…) let me stick my neck out and predict an official digital euro will come to an e-wallet near you by the end of 2025.“

    Das wird die CDU-Wählerklientel in Deutschland nachhaltig aufschrecken…

    „Es geht darum, das staatliche Geldmonopol zu verteidigen. Jede Flucht aus dem künftig massiv inflationierten Euro soll verhindert werden. Passend dazu werden wir Goldverbote sehen.“

    … und die Jüngeren könnten sich auf die Suche nach anderen, besseren Währungen machen. Die gibts ja auch schon digital.

    „Verhindern von Steuerhinterziehung“

    Illegale Aktivitäten werden auch in Zukunft über nicht nachverfolgbare Ersatzwährungen abgewickelt werden. Wie viele schwarz arbeitende Escort-Damen und Drogendealer in Berlin machen eigentlich eine Steuererklärung? ;)

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Richard Ott:

      Hm, auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen, aber falls Drogen haltbar sein sollten (ich kenne mich damit nicht aus), wäre das natürlich ein sehr guter Wertspeicher, da hohe Wertdichte auf kleinem Raum, leicht zu verstecken und dann in der Krise wohl auch wieder relativ leicht zu veräußern. Und da jede Wertaufbewahrung ohne Negativverzinsung dann sowieso illegal sein wird, ändert sich am Strafmaß wohl nicht mehr so viel im Vergleich zu Gold o.ä.. Ich hoffe, es kommt nicht so weit, das wäre ein noch düsterere Zukunftsvision als ich sowieso schon habe. 1946 und 1947 waren es die legalen Drogen Schnaps und Zigaretten, das andere kannte man noch nicht. Nicht ausgeschlossen, denke ich, aber wohl nur für einen Teil der Bevölkerung.

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        Hansjörg Pfister sagte:

        @Susanne Finke-Röpke, Eine Kollegin (Informatikerin aus der Ukraine) hat von ihrer Mutter beigebracht bekommen, wie man aus Süßigkeiten und anderem in der heimischen Küche mit Hilfe eines alten Kessels Wodka produziert. Auch nicht schlecht.

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        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        Als einfühlsamer Mann mit viel Lagerfläche werde ich Menstruationsprodukte horten. Die haben zwar keine hohe Wertdichte, aber einen unglaublich hohen Nutzwert für den Bevölkerungsteil der Menstruierenden. Konstante Nachfrage garantiert.

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        ruby sagte:

        @ Hallo Herr Pfister
        Inspiriert von Ihren Abwägungen sehe ich dunkle Wolken über Horst Lünings Versandhandellagerhäuser aufzuziehen.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott:

        Bei Ihnen bin ich mir manchmal unsicher, ob Sie jetzt witzig, sexistisch oder ernst sein wollen. So wie bei diesem Beitrag. Sie werden hoffentlich verstehen, dass ich über dieses Thema nicht mit Ihnen diskutieren möchte.

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        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        „Bei Ihnen bin ich mir manchmal unsicher, ob Sie jetzt witzig, sexistisch oder ernst sein wollen.“

        Dreimal ja.

        Menschliche Tragödien sind der Kern von jedem guten Witz, sexistisch ist bei den feministischen Berufsopfern mittlerweile jeder banale Mist und garantiert auch viele meiner Kommentare und zum Beispiel aus dem Jugoslawienkrieg wissen wir, welche Alltagsprodukte auf dem Schwarzmarkt plötzlich viel Wert sind, wenn die Versorgung zusammenbricht. Tampons und Binden gehören da definitiv dazu.

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