Demografie, Überschüsse und Zinswende – Update

Die Frage der Gründe für die tiefen Zinsen habe ich bei bto immer wieder diskutiert:

Tiefe Zinsen passen zum Kondratieff-Zyklus

Warum sind die Zinsen so tief?

Wesentliche Gründe scheinen die demografische Entwicklung und die Ersparnisüberhänge/Handelsungleichgewichte zu sein. Das könnte sich aber jetzt ändern, meint Vincent Deluard von INTL FCStone:

  • „Three mountains of excess savings (the petrodollar glut, the German glut, and the Chinese glut) caused the fall in global yields (…) in 1999, when three seemingly unrelated events created the greatest economic imbalance of our time: oil prices rebounded from a secular low of $9.6 a barrel, the Euro replaced the Deutsche Mark, and China and the U.S. signed the bilateral WTO agreement. 17 years later, these three events had engendered a savings glut of $8 trillion and $14 trillion in negative-yielding debt. bto: damit also ein weltweites Angebot an Ersparnissen, das die Zinsen drückt. Allerdings muss man dabei einwenden, dass man ja nicht sparen muss, um Kredite vergeben zu können. Insofern könnte die Kausalität auch genau anders herum sein.
  • „I believe that 2018 will be the mirror opposite of 1999. A triple squeeze will drain global excess savings: the U.S. will become the world’s largest oil producer, Germany will abandon its policy of budget surpluses, and India’s economic growth will outstrip China’s. The three gluts arose together, and together they will vanish.“ bto: was dann doch spannend wäre. Wenn diese Logik stimmt, wächst der Kapitalbedarf, während das Angebot sinkt. Wobei man auch sagen könnte, es wollen mehr und relativ bessere Schuldner an den Kredittopf. Wenn das so wäre, würden die Zinsen tatsächlich steigen.

Quelle: INTL FCStone, FT

  • Who will supply the world’s capital after the retirement of these massive hoarders? It will take much higher yields to convince Americans and other impecunious borrowers to quit their decade-long addiction to foreign savings. Hence, my answer to the original question is that yields will rise much higher, and that the bond bear market will last much longer.“ bto: Dann hätten wir unsere drastische Zinswende nach oben wie schon mehrfach in der Geschichte: → Studie: Kommt die Zinswende, dann kommt sie schnell und  den Margin Call in der Wirtschaft, den sich keiner leisten kann.

FT (Anmeldung erforderlich): „Authers’ Note: Market displacement derangement syndrome“, 18. Februar 2018

5 Kommentare
  1. Dietmar Tischer sagte:

    Ich verstehe die saving glut so:

    Vor allem durch die Globalisierung, durch die demografische Entwicklung und z. T. auch durch die Warensättigung wurde in Teilen der Welt, insbesondere in den reifen Volkswirtschaften der westlichen Welt zu WENIG konsumiert und zu WENIG investiert.

    Daher gab es in diesen Teilen der Welt zu wenig Wirtschaftswachstum und weltweit zu tiefe Zinsen.

    Ob die Zinsen steigen, weil der KAPITALBEDARF wächst, d. h. die Investitionen zunehmen, ist m. A. n. eine offene Frage.

    Ich glaube, dass er in Teilen der Welt stetig steigen wird, in China und Indien z. B., wobei ich mögliche starke Wirtschaftseinbrüche dort einmal ausblende.

    Bei uns und USA wird er weniger steigen als in diesen Ländern, insbesondere auch in Abhängigkeit von der technologischen Entwicklung, die im Trend steigende Bedarfsbefriedigung mit vergleichsweise wenig Kapital ermöglicht (Runterladen mit marginalen Kosten gegen null).

    Ich halte es aber für möglich und sogar wahrscheinlich, dass steigende Konsumausgaben in Verbindung mit Transfers – erforderlich für die Stabilitätssicherung von Nationen und Wirtschaftsräumen – zu einem steigenden FINANZIERUNGSBEDARF und höheren Zinsen führen können.

    Kommt es zu höheren Zinsen, was sich bereits erkennbar andeutet, werden auch die Notenbanken nicht mehr so akkommodierend auf die Zinsen einwirken.

    Kurzum:

    Zinssteigerungen und ein insgesamt höheres Zinsniveau sind durchaus denkbar.

    Ich meine aber, dass man dies anders begründen muss als der Autor in der FT.

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  2. Wolfgang Selig sagte:

    Vincent Deluard lässt die Notenbanken hier aber ganz elegant links liegen. Nach den Erfahrungen der letzten 10 Jahre glaubt doch jetzt niemand wirklich, dass die Politik eine Reihe großer Staatspleiten aufgrund deutlich steigender Zinsen mal einfach so zur Bewahrung der reinen geldpolitischen Lehre zulassen würde, oder?

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