Buchtipp: „Umverteilung statt Wohlstand für alle“

Heute ist – soweit ich mich erinnern kann – eine Premiere bei bto. Ich verweise auf ein Buch, das ein anderer Autor als ich verfasst hat. Ein Buch, welches eine ideale Ergänzung zu meinem „Märchen vom reichen Land“ darstellt, weil es sich aus einem anderen Blickwinkel mit der Entwicklung des Wohlstands der Deutschen beschäftigt. Die meisten Themen waren mir bekannt und dürften es auch für Leser dieser Seiten sein – Kosten für Euro, Migration, Soziales. Zugleich dürften die Kosten zum Teil noch überraschen.

Das Buch trägt den unscheinbaren Titel Umverteilung statt Wohlstand für alle“ und ist bei Amazon erhältlich. Der Autor, Guido Bruch, ist Ökonom und Unternehmensberater. Deshalb hat er auch sehr schön vernetzt die Wirkung und Zusammenhänge der einzelnen Maßnahmen zusammengefasst. Diese Abbildung zeigt sehr gut, um was es geht. Vor allem auch, dass beim Bürger sehr viele Minuszeichen ankommen:

Quelle: „Umverteilung statt Wohlstand für alle“

Im Untertitel steht dann auch: „Der detaillierte Nachweis, dass Euro und Finanzkrise jeden Bürger mit 1.000 bis 4.000 Euro p. a. belasten“. Eine ähnliche Rechnung also, wie auch ich versucht habe, zu erstellen.

Insgesamt, so Bruch, werden 175 Milliarden Euro pro Jahr unbemerkt umverteilt. Einiges davon kennt man, ich denke nur an die Zinsersparnis des Staates, die dieser für Sozialleistungen verwendet. Die Verlierer dabei sind die Mittelschicht, die in Sparbuch und Lebensversicherung spart.

Doch damit nicht genug. Wie schon ich (→ Zehn Gründe, warum die Deutschen nicht die Gewinner des Euros sind ) rechnet Bruch vor, dass der Euro für den Durchschnittsbürger ein Zuschussgeschäft ist: „So sank der Wert des Euros gegenüber dem US-Dollar seit 2008 um etwa 30 %. Diese Entwicklung hat dazu beigetragen, dass Deutschlands Handelsbilanz-Überschuss 2018 um rund 40 % über dem Vorkrisenjahr 2007 lag und in Deutschland Vollbeschäftigung herrscht. Die Vollbeschäftigung haben sich die Arbeitnehmer allerdings teuer erkauft. So wie die Unternehmen bei ihren Exporten vom für sie sehr günstigen Wechselkurs profitieren, haben die Bürger als Folge des für ihren Urlaub oder ihre Importe (Lebensmittel, Elektronik, Kraftstoffe, Kleidung) zu ungünstigen Wechselkurses erhebliche finanzielle Nachteile. Diese Nachteile gelten auch für den innergemeinschaftlichen Verkehr. Würde der Euro morgen abgeschafft, würde eine deutsche Währung stark zweistellig gewinnen, während eine italienische Währung zumindest einstellig gegenüber dem heutigen Euro verlieren würde. Er erscheint durchaus realistisch, dass Deutsche dann rund 25 % günstiger in Italien ihren Urlaub verbringen könnten. Italien wäre dann wieder das, was heute beispielsweise München, die teuerste Stadt Deutschlands, für Schweizer ist: Ein günstiges Einkaufsparadies.“ – bto: So ist es. Es ist auch nicht so, dass Bruch und ich die Einzigen sind, die das erkennen. Ich erinnere an Michael Pettis, den ich ebenfalls bei bto zitiert habe. → Michael Pettis explains the euro crisis (and a lot of other things, too)

Der Verfasser hat zur Ermittlung der Kosten des Euros und der Finanzkrise für den deutschen Bürger unterstellt, dass die Auslandsreisen der Deutschen als Folge der Wechselkurseffekte heute um 20 Prozent teurer sind, als sie bei einer eigenständigen deutschen Währung wären. Bezogen auf die relevanten durchschnittlichen Ausgaben für Auslandsurlaube ergibt sich eine jährliche Belastung von rund 200 Euro/ Person. Auf die Ausgaben für Importe ergibt sich eine Mehrbelastung von rund 900 Euro/Person und Jahr. Diese Mehrausgaben stellen für den Verfasser eine Umverteilung vom Bürger an die Unternehmen dar, die massiv profitieren und ihre Waren im Ausland zum Teil günstiger als Zuhause anbieten und so Marktanteile erkaufen. So ist es auch! Es ist ein Subventionsprogramm für unsere Exportindustrie, das wir selber bezahlen!

Neben den erwähnten geringen Zinserträgen aus Sparbuch und Lebensversicherungen gehört zum negativen Effekt der Niedrigzinspolitik im gewissen Umfang die Entwicklung der Immobilienpreise samt Mietpreissteigerungen. Diese Preissteigerungen sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: dem allgemeinen Drang in die Großstadt, dem Wunsch Gutsituierter nach einem Zweitwohnsitz in einer Metropole, den niedrigen Zinsen wie auch dem Zuzug von EU-Ausländern nach Deutschland. Der Verfasser unterstellt, dass von der höheren Mietquote etwa zwei Drittel auf die Effekte Euro, Finanzkrise und Zuzug aus dem Ausland zurückzuführen sind. Bezogen auf das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen ergibt sich hieraus ein Mehraufwand von knapp 1.700 Euro/Jahr. Wird dieser Mehraufwand mit der Anzahl der Mietwohnungen (etwa 20 Millionen) multipliziert, ergibt sich ein Betrag von 34 Milliarden Euro p. a. Das ist zwar eine andere Art der Umverteilung von Mietern zu Vermietern, wie Bruch schreibt, jedoch trifft es natürlich die unteren Einkommensschichten überproportional.

Was dann zu dieser zusammenfassenden Rechnung führt:

Aufwandsart     Prämisse
Private Importe incl. Steuer

1.097

20 % (für D. zu niedriger Wechselkurs) des Anteils der Verbraucher an den dt. Einfuhren (über 1.000 Mrd. € p. a.).
Urlaub

183

20 % der relevanten Ausgaben Auslandsurlaub
Wechselkurs

 

1.280

 
Zinsverlust

410

(Ø Zins – Inflationsrate) x Ø Sparvermögen
Staatliche Rente

100

Konservative Annahme – künftige Kosten der heutigen SGB-2-Bezieher aus Osteuropa (erwerben kaum Rentenansprüche, d.h. sie benötigen später die Grundsicherung)
Betriebliche Rente

600

Annahme auf Basis des heutigen Niveaus abzügl. geringerem Garantiezins/ erwarteter Verzinsung
Lebensversicherung

600

Finanzen/ Altersvorsorge

 

1.710

 
Mieten

1.678

Bundesweiter Anstieg des Mietaufwandes am Nettoeinkommen von 2008 bis 2018 um sechs Prozentpunkte auf 34 %. Von diesen 6 Prozentpunkte werden pauschal 2/3 (also 4-%-Punkte) als relevant betrachtet (Effekt Niedrigzinsen, Zuzug als Folge der Wirtschaftskraft, die ohne den zu niedrigen Wechselkurs so nicht gegeben wäre) x Ø-Jahresnetto-Einkommen von 42.000 €.
Mieten

 

1.678

 
Kosten

 

4.668

 

Quelle: „Umverteilung statt Wohlstand für alle“

Wird die Einwohnerzahl Deutschlands um die weniger betroffenen Personengruppen Senioren, Kinder, Arbeitslose, Asylbewerber reduziert, ergibt sich grob eine Menge von 50 Millionen Menschen, die direkt von den Mehrausgaben betroffen ist. In Summe hat diese Bevölkerungsgruppe Kosten von 175 Milliarden Euro zu tragen, die dem Staat und den Unternehmen zu Gute kommen.

„Zusammenfassend bewirken Euro, die Niedrigzinspolitik und auch die Zuwanderung eine sehr große und kontinuierliche Umverteilung von der Mittelschicht, dem Rückgrat der sozialen Marktwirtschaft an den Staat und die Unternehmen. Die Umverteilung wird fragmentiert zwar immer wieder diskutiert, in ihrer Gesamtheit aber nicht erfasst“, so Bruch.

bto: Bei dieser Einschätzung kann ich Bruch nur zustimmen. Das Buch ist schnell gelesen, enthält viele interessante Fakten und Zahlen und ist zudem durchaus plausibel. Das Problem dürfte nur sein, dass es wiederum nicht von denen gelesen wird, die an den Entscheidungshebeln sitzen und erst recht nicht von jenen, die täglich zur Kasse gebeten werden. Schade und frustrierend.

Kommentare (25) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Dieter Krause sagte:

    Private Importe incl. Steuer – 1.097 – 20 % (für D. zu niedriger Wechselkurs) des Anteils der Verbraucher an den dt. Einfuhren (über 1.000 Mrd. € p. a.).

    Die Schätzung, die ich kenne, geht sogar von einem für Deutschland um ein Drittel – also 33% – zu niedrigen Wechselkurs aus! Im übrigen frage ich mich, warum alle Weichwährungsländer wie Italien, Spanien, Griechenland und Portugal unbedingt mit in den Euro wollten? Die haben doch mit einer Inflationsrate von bis zu 20% jährlich (Griechenland, Italien) ganz gut gelebt oder? Mit so einer Inflationsrate haben diese Staaten jährlich gut ihren Haushalt finanzieren, auch ihr Schwarzgeld – also ihren informellen Sektor – gut mit besteuern und die Investitionen (Italien!) hoch halten können! Waren die alle vor Einführung des Euro blöd? Für mich steht im übrigen auch fest, dass keiner nach Einführung des Euro die Geldströme danach (aus Deutschland – nach USA, Spanien und Irland zur Finanzierung des dortigen Immobilienbooms) wirklich vorhergesehen hat. – Vieles ist hier eben wirklich nur Kaffeesatzleserei: „Hätte, hätte, Fahrradkette…“ (Peer Steinbrück)

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    Dieter Krause sagte:

    Deutschland boomt dank günstigem Euro-Kurs und niedriger Zinsen. Nutznießer sind neben dem Staat (Zinsersparnis/ höhere Steuereinnahmen) die Unternehmen, die als Exportweltmeister mehr Geld als zuvor verdienen. Zugleich verliert die Mittelschicht. Stichworte wie hohe Mieten, Wertverlust der Altersvorsorge sowie weitere nicht bewusste, im Buch aber berücksichtige Faktoren sind der Grund. Das Buch rechnet auf Basis zahlreicher anerkannter und häufig verlinkter Quellen (Bundesbank, Handelsblatt, Wirtschaftswoche) detailliert vor, wieviel der Einzelne jährlich verliert – es sind schnell mehr als 1.000 € und – je nach individuellen Gegebenheiten (Konsum, Vermögen, Wohnort, Beschäftigung) in der Spitze über 4.000 €. Denn während Unternehmen dank niedrigem Euro Exportvorteile haben, hat der Reisende höhere Ausgaben bei seinem Urlaub zu tragen oder auch für Lebensmittel, die importiert werden. Aus diesem Grund ist die Schweiz – hat eigene Währung – mittlerweile für Deutsche unbezahlbar, während jedes Wochenende Tausende Schweizer nach München fahren um in der teuersten Stadt Deutschlands für ihre Verhältnisse günstig einzukaufen und zu essen. Die enthaltenen Musterrechnungen werden plausibilisiert und mit den Gewinnen des Staates und der Unternehmen abgeglichen, so dass sich der Kreis schließt. Der Autor weist nach, dass p.a. etwa 175 Mrd. Euro umverteilt werden – Jahr für Jahr.

    So, so – der Schweiz mit dem Franken geht es also besser als Deutschland mit dem Euro! Seit 2011 beläuft sich der Wechselkurs des Franken zum Euro übrigens auf fast konstant 1,10 bis 1,20 Euro – auch weil er von den SNB (mit niedrigeren Zinsen als die EZB!) konstant auff dem Niveau 1,20/1,10 Euro gehalten wird, um den Schweizer Exporten in die Euro-Zone (EU ist der wichtigste Handdlespartner der Schweiz) nicht massiv zu schaden (gilt im übrigen auch für den Tourismus IN DIE Schweiz). WENN Deutschland noch die DM hätte, wäre
    – diese ganz sicher beständig aufgewertet worden (auch durch Hot Money aus der ganzen Welt – so wie in der Schweiz),
    – wären ganz sicher eine bis zwei Millionen Arbeitsplätze von der deutschen Industrie im europäischen Ausland (sprich: Nicht-DM-Zone) geschaffen worden,
    – wäre die Arbeitslosenquote in Deutschland wohl fast doppelt so hoch wie heute (September 2019 ca. 5,1% Arbeitslose) bzw. würde der Niedriglohnsektor noch mehr boomen (wäre dann aber keine Mittelschicht mehr oder?)
    https://ap-verlag.de/arbeitslosenquote-2019-klima-auf-dem-arbeitsmarkt-noch-gut/54301/
    – würde der DM-Zinssatz wohl noch niedriger(!) wie heute beim Euro liegen (siehe dazu nur den gegenwärtigen SNB-Zinssatz) – schon um Deutschland nicht zu deindustrialisieren
    – würde es heute wohl Staatsschulden um die 100% des BIP geben, weil es signifikant höhere SOZIALAUSGABEN und signifikat HÖHERE ZINSEN auf Bundesanleihen gegeben hätte. Wenn freilich die Bundesbank hier massiv gegensteuern würde (bis hin zu NEGATIVZINSEN!), würde es auch für Sparer in Deutschland mit einer DM düster aussehen. – Im übrigen kann man das alles nicht wirklich seriös vorhersagen. Es gab ja auch gute ÖKONOMISCHE Gründe für Deutschland, den Euro mit einzuführen oder? Die werden aber alle bis heute gern vergessen – auch von Herrn Stelter! Auch der kann eine monatäre Zukunft ohne Euro seit dem Jahr 2000 – also weiter mit der DM – für Deutschland nicht seriös vorhersagen. Am Ende alles Kaffeesatzleserei wie die Frage: Wie ginge es heute Deutschland ohne den Zweiten Weltkrieg? Und wie gar ohne den Ersten? Vielleicht wäre Deutschland dann sogar Weltmacht???

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Dieter Krause

      >Deutschland boomt dank günstigem Euro-Kurs und niedriger Zinsen. Nutznießer sind neben dem Staat (Zinsersparnis/ höhere Steuereinnahmen) die Unternehmen, die als Exportweltmeister mehr Geld als zuvor verdienen. Zugleich verliert die Mittelschicht.>

      Ihre WIEDERHOLUNGEN machen das Buch nicht besser.

      Wenn Deutschland boomt, müssen Menschen als Arbeitnehmer davon profitiert haben und dies in großer Zahl.

      Die Beschäftigungszahlen belegen das und die gewachsenen Arbeitseinkommen der letzten Zeit ebenfalls.

      Teile der Mittelschicht sind unter den Beschäftigten der Automobilindustrie zu finden, die u. a. mit Gewinnbeteiligungen bis durchschnittlich hoher vierstelliger Beträge vom Boom profitiert haben.

      Und wenn der Staat höhere Steuereinnahmen hat, haben Menschen auch von seinen Mehrausgaben profitiert.

      Gibt es BERECHNUNGEN dazu in dem Buch?

      Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es die nicht gibt.

      Anders wäre nicht zu verstehen, dass Dr. Stelter in seinem Beitrag keine aufgeführt hat.

      Wenn nicht, wird KEIN Nachweis geführt – und ein detaillierter schon gar nicht -, dass der Euro jeden Bürger belastet. Die Finanzkrise ist als vermeintlich oder tatsächlich belastende auch ursächlich, hat aber nichts mit dem Euro zu tun.

      >WENN Deutschland noch die DM hätte, wäre…>

      Was immer an ihren Ausführen dazu richtig sein mag, Sie wechseln das Thema.

      Die Gewinn-/und Verlustrechnung „Deutschland mit DM statt Euro vs. Deutschland mit Euro statt DM“ ist ein anderes Thema als das des Buchs, das sich auf „Deutschland IM Euro“ bezieht.

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      troodon sagte:

      @ Dieter Krause
      Interessant wie Sie schaffen, innerhalb weniger Zeilen, beide Seiten abzudecken… Eine hätte dann bestimmt gepasst…
      „– würde der DM-Zinssatz wohl noch niedriger(!) wie heute beim Euro liegen“…“signifikat HÖHERE ZINSEN auf Bundesanleihen gegeben hätte.“

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    moinchen sagte:

    Ich bin auch kein „Fan“ von Robotik.
    Sie aber sehr.
    Ganz natürlich treffen wir einander.
    Machen Sie ihrs draus, Herr Stelter. Kein Problem.

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    Starchild sagte:

    Bin auch für Umverteilung
    und zwar von den 1% Ultra-Mega-Reichen die die Welt im Hintergrund regieren
    zu den 99% welche von jenen weiter schleichend enteignet, versklavt und dezimiert werden.
    Viele Grüße von George Orwell

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    Dietmar Tischer sagte:

    Ich bin bekanntlich kein EU/Euro-Jubler und auch kein Befürworter einer ungehemmten Umverteilung.

    Ich bin jedoch der Meinung, dass diejenigen, die gegen die Eurozone mit dem Kostenargument argumentieren, mehr liefern müssen als G. Bruch es mit seinem Buch tut (wenn es im Wesentlichen das beinhaltet, was in diesem Beitrag aufgeführt wird).

    Schon der Titel ist – zurückhaltend ausgedrückt – irreführend:

    Er suggeriert fälschlich, dass ohne Umverteilung in der EU Wohlstand für ALLE möglich wäre.

    Das ist natürlich Unsinn, ein seriöser Ökonom sollte wissen, dass er sich damit disqualifiziert.

    Größtes Manko ist, dass die Gewinnseite für die Bevölkerung völlig ausgeblendet wird, sondern Gewinne angeblich NUR woanders angefallen sind:

    >In Summe hat diese Bevölkerungsgruppe Kosten von 175 Milliarden Euro zu tragen, die dem Staat und den Unternehmen zu Gute kommen.>

    „Bevölkerungsgruppe“ bezieht sich auf 50 Millionen Menschen.

    Obige Summe wird im Untertitel gefeiert als:

    >„Der detaillierte Nachweis, dass Euro und Finanzkrise jeden Bürger mit 1.000 bis 4.000 Euro p. a. belasten“>

    Der „detaillierte Nachweis“ wird mit z. T. WILLKÜRLICHEN Annahmen geführt, wie
    >Der Verfasser unterstellt, dass von der höheren Mietquote etwa zwei Drittel auf die Effekte Euro, Finanzkrise und Zuzug aus dem Ausland zurückzuführen sind.>

    Es ist nichts dagegen zu sagen, dass mit Annahmen gearbeitet wird.

    Wenn sie aber nicht besser fundiert sind als mit einer zwar richtigen, aber gleichwohl quantitativ völlig unsubstantiierten Aufzählung wie

    >Diese Preissteigerungen (der Mieten, D.T) sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen: dem allgemeinen Drang in die Großstadt, dem Wunsch Gutsituierter nach einem Zweitwohnsitz in einer Metropole, den niedrigen Zinsen wie auch dem Zuzug von EU-Ausländern nach Deutschland. >

    sind derartige Annahmen wertlos.

    Kurzum:

    Das Buch ist ein Machwerk der billigen Sorte.

    Die gravierenden Nachteile insbesondere der Eurozone für uns müssen benannt werden.

    M. A. n. ist das in erster Linie der unterbewertete Euro-, der uns absolut notwendiger Produktivitätssteigerungen und Innovationen enthoben hat.

    Spätestens wenn die Eurozone zerfällt, werden wir die Rechnung für die dann fehlende Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten präsentiert bekommen.

    Solange das nicht der Fall ist, können wir die deutsche Mittelschicht dazu beglückwünschen, dass sie auskömmliche Jobs hat und sich den währungsbedingt etwas teureren Urlaub locker leisten kann.

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      Horst sagte:

      „Ich bin bekanntlich kein EU/Euro-Jubler und auch kein Befürworter einer ungehemmten Umverteilung.“

      Bekanntlich nicht, stattdessen sind Sie eher der Untergangsprophet:

      „Spätestens wenn die Eurozone zerfällt,…“

      „Er suggeriert fälschlich, dass ohne Umverteilung in der EU Wohlstand für ALLE möglich wäre.“

      Eben das suggeriert der Titel des Buches NUR Ihrer Ansicht nach.

      „Umverteilung statt Wohlstand für alle“ ist – zusammengefasst – die KONKLUSION des Autors auf Grundlage der von diesem zusammengetragenen Fakten mit Verweis auf den von der Politik und den Gesellschaften Europas bevorzugten und eingeschlagenen Weg.

      LESEN UND VERSTEHEN hilt mehr statt zu DEUTEN.

      Das ganze Buch zu lesen, ebenfalls. Wenn Sie dann auch zu dieser Konklusion kommen „Das Buch ist ein Machwerk der billigen Sorte.“, können Ihre Aussagen ernsthaft diskutiert werden.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Zusammengetragene FAKTEN?

        Es sind Berechnungen, keine Fakten.

        Wären es Fakten, hätte Dr. Stelter in der Tabelle nicht „Prämisse“, sondern „Fakten“ geschrieben.

        Sie kennen den Unterschied nicht.

        Konklusion – welche KONKLUSION?

        Selbst wenn G. Bruch NACHGEWIESEN (!!) hätte – was nicht der Fall ist -, dass die durchschnittliche Belastung irgendwo zwischen 1.000 bis 4.000 Euro liegt, müsste er WEITERHIN nachweisen, dass dies mit „Wohlstand für alle“ gleichzusetzen ist. Erst dann kann man von Konklusion mit Blick auf den Untertitel reden.

        Er hat dies nicht nachgewiesen, kann es auch nicht nachweisen.

        Niemand kann es.

        Denn wer auch nur etwas vom Kapitalismus versteht und weiß, was „alle“ bedeutet, weiß auch, dass es im kapitalistischen System KEINEN Wohlstand für alle geben kann, auch wenn die denkbar BESTE andere Politik realisiert worden wäre.

        G. Bruch wiederholt das Geschwätz von L. Erhard.

        Wenn es in neuerer Zeit jemals etwas für alle gegeben hat, dann war es die Armut im Sozialismus.

        Ich vertraue darauf, dass Dr. Stelter die Qualität des Buches hinreichend belegt hat und werde es mir daher nicht antun, es zu lesen.

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        Horst sagte:

        Ihr Kommentar ist eine Machart der billigen Sorte.

        Aber ja, wenn Sie nicht fünf Kommentare je Tag auf diesem Blog in die Welt hinausschreien, die von Zerfall, Instabilität etc. schwadronieren, erreichen sie wohl nicht den gewünschten Blutdruck.

        Für den Autor sind es Fakten, wenn sich diese ergeben aus seinen Berechnungen, auf diesen dann wiederum Prämissen abgeleitet werden, die zu einer Konklusion, also dem Titel des Buches, führen.

        Armut für ALLE im Sozialismus?

        Es scheint Ihnen schwer zu fallen, den intellektuellen Spagat zwischen ALLEN und JEDER zu erfassen.

        Denn: Sowohl im Kapitalismus als auch im Sozialismus kann jeder arm oder reich sein, aber nicht alle. In diesem Fall sind sich Kapitalismus und Sozialismus so gleich wie eineiige Zwillinge. Das hat die Empirie hinreichend bewiesen.
        Im Umkehrschluss kann also gesagt werden dass sowohl im Kapitalismus als auch im Sozialismus weder alle arm oder alle reich sein können.

        Am Rande: Das ständige Gefasel von Kapitalismus und Sozialismus lenkt von den wesentlichen Themen ab.

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      Guido Kayser sagte:

      Herr Tischer, ich sehe – nach Lektüre des Buches – das Ganze ein wenig anders. Ich habe „Wohlstand für alle“ mit Ludwig Erhard assoziiert, nicht mit der Vorstellung, dass ein Wohlstand in der EU für alle möglich wäre.

      Im Buch wird auf die Vorzüge der EU durchaus hingewiesen, wie z.B. Normungen (Stromstecker auf Reisen oder Abschaffung von Roaming-Gebühren). Aber die Gewinne sollte man separat betrachten und nicht vermengen. Eine Verkäuferin im Supermarkt partizipiert anders als der Exportleiter eines Maschinenbauers eben kaum von den finanziellen Vorteilen.

      Es stimmt, die Annahme 2/3 der Mietsteigerungen werden als relevant berücksichtigt, ist nicht absolut „wasserdicht“. Andererseits gibt es die Niedrigzinspolitik und einen sehr starken Zustrom von qualifizierten EU-Ausländern in die deutschen Städte, den es zu einem beachtlichen Teil nur deshalb geben dürfte (nun eine Annahme meinerseits), weil Deutschland als Folge des sehr niedrigen Euros so boomt. Könnte Italien noch so wie früher abwerten, ginge es dem Land heute vermutlich besser und junge Menschen hätten nicht die Notwendigkeit auszuwandern.

      Die Angaben zu den Mehrausgaben für Importe als Folge des schwachen Euros basieren übrigens auch auf Zahlen des statistischen Bundesamtes. In Summe wird auf über 250 Quellen verwiesen, gerade auch zu Immobilien.

      Bezüglich der Innovationen würden Sie sich wiederfinden: Im Buch wird auf eine Untersuchung von Porter verwiesen, wonach deutsche Unternehmen als Folge des früher hohen Lohndrucks immer wieder gezwungen waren neue, produktivere Maschinen anzuschaffen. Diese wurden zunächst für den deutschen Markt entwickelt und dann exportiert.

      Das Buch ist sicherlich keine „Bibel“, aber doch eine sinnvolle Diskussionsgrundlage.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Guido Kayser

        Ich habe geschrieben:

        >Er suggeriert fälschlich, dass ohne Umverteilung in der EU Wohlstand für ALLE möglich wäre.>

        Das ist missverständlich, weil nicht klar ist, ob damit „ohne Umverteilung in der EU → Wohlstand für alle in Deutschland“ gemeint oder „ohne Umverteilung → in der EU Wohlstand für alle Bürger möglich wäre“- gesagt werden soll.

        Es ist aber klar, dass Bruch ersteres meint und mit dem Bezug auf L. Ehrhard habe ich ausgedrückt, dass auch ich die erste Lesart meine.

        Die zweite Lesart ist auch zu abwegig.

        >Aber die Gewinne sollte man separat betrachten und nicht vermengen.>

        Wieso?

        Sie haben zwar mit Folgendem recht:

        >Eine Verkäuferin im Supermarkt partizipiert anders als der Exportleiter eines Maschinenbauers eben kaum von den finanziellen Vorteilen.>

        Es ist aber nicht nur keine Begründung dafür, dass man die Gewinne separat betrachten soll, sondern vor allem keine, dass sie AUSGEBLENDET werden und behauptet wird, dass sie WOANDERS, nämlich beim Staat und den Unternehmen angefallen sind.

        Und selbst wenn es so wäre – haben die Menschen NICHTS davon gehabt?

        Zu den Mehrausgaben für Importe und Reisen als Folge des schwachen Euro muss man erst einmal fragen:

        Wie viele Menschen hätten ohne den schwachen Euro einen schlechter bezahlten oder vielleicht keinen Job gehabt und wären damit nicht in der Lage gewesen in nennenswertem Umfang ÜBERHAUPT Importe zu kaufen oder zu verreisen.

        Die 250 Quellen mögen die Aussage von Dr. Stelter unterstützen, dass PLAUSIBILITÄT für die Annahmen und Berechnungen vorliegt.

        Aber wenn der Ansatz nicht stimmt, kann nichts gerettet werden bezüglich eines „detaillierten NACHWEISES“.

        Nochmals:

        Die Rechnung muss aufgemacht werden, weil die Minuszeichen alles andere als unbeachtlich sind.

        Wenn sie aber so einseitig aufgemacht wird, macht man es anderen, die gegenteiliger Meinung sind, nicht nur zu leicht, sondern man verliert GLAUBWÜRDIGKEIT.

        Für eine Diskussionsgrundlage ist das keine gute Basis.

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      Alexander sagte:

      @ Dietmar Tischer

      – in erster Linie der unterbewertete Euro-, der uns absolut notwendiger Produktivitätssteigerungen und Innovationen enthoben hat.

      Ich möchte diesem Punkt widersprechen, denn im verarbeitenden Gewerbe sind pysikalische Grenzen der Produktivität erreicht. Was an Innovation noch Produktivität steigert, muss viel teurer erkauft werden, als billigere Kostenstandorte – außerhalb der Euro-Zone, in Ost-Europa bieten.

      Das ist seit DM Aufwertung im Jahr 1993 so.

      Europa verliert an Konkurrenzfähigkeit nicht wegen Produktivität sondern aufgrund struktureller Kosten. D.h. China hat keine besseren Anlagen, sondern NUR niedrigere Kosten, angefangen beim Strom. Osteuropa wird durch Brüssel subventioniert und profitiert von der Entwicklung, vgl. negatives EK der CNB..

      Im Jahr 2019 kommt noch ein Auslastungseinbruch hinzu, so dass Kosten noch schwerer auf dem gesunkenen Umsatz lasten. Nur Idioten investieren gegen diesen Trend, der alles verschlingt was sich der Realität verweigert.

      Die keynesiansiche Versuche europäischer Regierungen durch Intervention verbliebene Kapazitäten nach gusto zu fördern haben nichts verbessert und ausschließlich Abhängigkeit von staatlichen Mittel gefördert, vgl. Italien – fast 30 verlorene Jahre – output unterhalb 1990.

      Strukturelle Versäumisse unfähiger Politikdarsteller, dem vielbeschworenem Mittelmaß der 1990er.

      Antworten
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    Johannes sagte:

    bto: „Das Problem dürfte nur sein, dass es wiederum nicht von denen gelesen wird, die an den Entscheidungshebeln sitzen…“

    Ich bin ziemlich sicher. Die meisten derjenigen, die an den Entscheidungshebeln sitzen, sympathisieren stillschweigend mit den im Buch beschriebenen Folgen für die Mittelschicht. Es entbindet sie selbst von unpopulären Entscheidungen und nachfolgend noch unpopuläreren Handlungen.

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    troodon sagte:

    “ … und ist bei Amazon erhältlich.“

    Muss Werbung für Amazon jetzt wirklich sein? Ich gehe mal davon aus, dass das Buch auch in jeder normalen Buchhandlung vor Ort zu bestellen ist und dann am nächsten oder übernächsten Tag abholbereit ist.

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    • Avatar
      Wolf Palmer sagte:

      @ troodon
      „Muß Werbung füer Amazon wirklich sein?“

      Ja, muß sein.
      Denn das Buch erhält man als elektronisches Kindle-Buch innerhalb 10 Sekunden zum Preis von 2,99 €.
      Das Taschenbuch im fantastischen Buchhandel kostet fast 15 €.

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        troodon sagte:

        @ Wolf Palmer
        „Ja, muß sein.“
        Na wenn Sie meinen.

        Es gibt noch Menschen, die bevorzugen ein gedrucktes Exemplar.
        „Das Taschenbuch im fantastischen Buchhandel kostet fast 15 €.“
        Ach, und als gedruckte Ausgabe kostet es über Amazon ebenfalls 15 €.

      • Avatar
        Wolf Palmer sagte:

        @ Troodon

        Mein Irrtum:
        Das angeblich billige Kindle-Buch zum Preis von 2,95 €
        ist lediglich eine Zusammenfassung des Taschenbuchs.

        Also warte ich auf das Audible-Hörbuch, das man manchmal schon für 2.95 € bei Promotions zu erhalten ist.

        Schont die Augen und trainiert die Ohren.

    • Avatar
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @troodon:

      Sehe ich ähnlich. bto hat es m.E. nicht nötig, für amazon zu werben und sollte es auch unterlassen.

      Antworten
      • Avatar
        Guido Bruch sagte:

        Frau Finke-Röpke,
        ich bin Autor des Buches und möchte bto in Schutz nehmen: Amazon wird erwähnt, weil ich es im Self Publishing dort verlegt habe. Ich hatte es zuvor bei drei Verlagen eingereicht, aber keine Resonanz erfahren.
        Dies kann ich nachvollziehen, erhalten Verlage doch sehr viele Manuskripte und haben nur eine begrenzte Anzahl an Lektoren. Zudem ist das Thema nicht ganz einfach. Daher Amazon.

      • Avatar
        Tobias W. sagte:

        Hahaha.

        Da muss ich aber mal laut lachen. Tolles Eigentor. Und aus der Ferne der US Westküste, ungefähr als eine halbe Autostunde von Amazons HQ entfernt, fühlt sich die Kritik an Amazon auch herzlichst deutsch an. Das deutsche Not-Invented-Here Syndrom.

        Erst mal die Frage: warum sind anonyme deutsche Buchhandelsketten wie Thalia besser als Amazon? Weil die Ladengeschäfte betreiben? Oder weil Sie im Irrglauben sind, Thalia wäre weniger am Aussterben der Tante Emma Buchläden Schuld als Amazon?

        Tatsache ist, dass Amazon sogar als Buchhändler innovativer ist, als der traditionelle Buchhandel. Der Beweis ist Gegenstand Stelters Beitrag – ein Buch, das es ohne Amazon nie in den Druck geschafft hätte.

        Es ist außerdem köstlich, dass sich hier in einem Forum Menschen aus ideologischen Gründen über einen innovativen Marktteilnehmer erregen, während die Mehrzahl sich hier gleichzeitig eher für den „homo economicus“ hält, der sich rational entscheidet und Marktmechanismen rational wahrnimmt und beurteilt. Ich finde es grenzwertig lächerlich, sich einerseits über „grüne Taliban“ und verbotsgetriebene Wirtschafts- und Umweltpolitik aufzuregen, während man sich als Konsument irrational einem Anbieter am Markt verweigert, der ganz klar innovativer und wettbewerbsfähiger ist als die einheimische Konkurrenz, die sich schlicht und einfach nicht weiterentwickelt und bestenfalls durch „me too“ Angebote nachziehen kann.

        Das ist im Kern schon das ganze Problem der deutschen Wirtschaft: ein Anspruchsdenken „Wir sind die besten“, ohne dass die entsprechende Innovation das belegen kann. Die großen Sprünge, die die nächsten Jahrzehnte definieren werden, finden nicht in Deutschland statt. Da hilft auch die kindische Ablehnung Amazons nicht.

        Beste Grüße aus Seattle :)

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        troodon sagte:

        @ Tobias W
        Offensichtlich haben Sie einen Hass auf den deutschen Mittelstand. Wir hatten die Diskussion schon einmal… Fa hatten Sie dann nicht mehr geantwortet…

        “ ein Anspruchsdenken „Wir sind die besten“

        Das behauptet jetzt wer hier genau in diesem Blog?

        „während man sich als Konsument irrational einem Anbieter am Markt verweigert,“
        Wie kommen Sie auf die absolut absurde Idee? Sie scheinen sich da in Ihrem Köpfchen einiges zurechtgelegt haben und lassen dann immer wieder raus, wenn es Ihnen passt…

        „dass sich hier in einem Forum Menschen aus ideologischen Gründen über einen innovativen Marktteilnehmer erregen“
        Wird immer besser…

        Wo ist der Vorteil, wenn ich ein normales Buch zum gleichen Preis bei Amazon kaufe anstatt in der Buchhandlung vor Ort? Die Bezahlung der Amazon MA im Logistikcenter wird es wohl kaum sein…

        Und, verbrennen Sie wenigstens ihr Geld bei Firmen wie WeWork? Sie waren doch bestimmt vorbörslich rechtzeitig dabei. Die sind doch so innovativ… Oder sind Sie schon so konservativ, dass es nur für Unternehmen wie Amazon, Alphabet und Microsoft reicht ?

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        Tobias W. sagte:

        @trodoon

        Ich habe keinen „Hass“ auf den deutschen Mittelstand – ich bin nur der Meinung, dass der Wohlstandsbeitrag des deutschen Mittelstands massiv überbewertet wird, die Ansprüche, die der Mittelstand an sich stellt und durch politische Lobbyarbeit untermauert nicht gerechtfertigt sind. Es hat schon einen Grund, dass es Unternehmungen wie Amazon, Google, Facebook, Microsoft, IBM, Oracle, Netflix, AirBnB usw. nicht in Deutschland gibt. Wie auch Stelter mehrfach anmerkt: in Deutschland konzentriert sich die Wirtschaft (und deren Mittelstand) auf Industrien, die noch aus der Kaiserzeit stammen.

        Was gefällt Ihnen an Amazon eigentlich nicht, dass Sie sich über einen Verweis auf Amazon beschweren?

        Und dass Amazon deutlich komfortabler für Kunden ist, lässt sich nicht von der Hand weisen. Während Sie ins Auto oder die S-Bahn steigen, das Buch im Buchladen im Regal finden oder bestellen müssen, eventuell ein zweites Mal zum Abholen zur Filiale fahren müssen, bestelle ich das Buch mit einem Klick auf meinem Telefon und bekomme es innerhalb von zwei Tagen zu Hause geliefert. Das Thema eBook hätte ohne Amazon gar so schnell einen Durchbruch gehabt (Kindle). Ganz zu schweigen davon, dass Amazon mittlerweile neben seinem Retail Geschäft ebenfalls das größte IT Unternehmen der Welt ist und im Alleingang nicht nur den Retail Markt umgekrempelt hat, sondern ebenfalls Cloud Computing zum Durchbruch geholfen hat. Man mag in einem einfachen Versandhandel nichts Innovatives erkennen, aber die Art und Weise, wie Amazon sein Retail Geschäft aufgebaut hat, ist den allermeisten Mitbewerbern überlegen.

        Und was mein Geld angeht: ich verbrenne kein Geld. Nicht mit WeWork, nicht mit Uber und auch nicht mit anderen überbewerteten „Einhörnern“. Mit Microsoft, Amazon und anderen Papieren habe ich einen guten Schnitt gemacht. Schauen Sie sich einfach die Wertentwicklung von Microsoft an. Die Rendite meiner Anlagen ist seit mehr als fünf Jahren zweistellig.

        Wie ich an anderer Stelle bereits mehrfach geschrieben habe: es wird darauf hinauslaufen, dass einige wenige große Unternehmen sich als globale Plattformanbieter in kritischen Innovationsbereichen (Public Cloud, 5G/Edge Compute, AI/ML, IoT, Quantencomputer) positionieren, von denen quasi alle anderen Branchen abhängig werden, wenn sie nicht den Anschluss in Sachen Digitalisierung verlieren wollen. Sich an diesen Anbietern finanziell zu beteiligen, ist kein Glücksspiel, sondern eine ziemlich gut kalkulierte Wette auf die Zukunft. Amazon, Microsoft, Google und andere sind Teil dieser illustren Gruppe. Wer nicht den Unterschied zwischen Schaumschlägern wie WeWork und IT Branchenriesen wie Amazon oder Microsoft sieht, dem kann ich auch nicht helfen.

    • Avatar
      Guido Bruch sagte:

      @troodon,
      ich bin Autor des Buches und möchte bto in Schutz nehmen: Amazon wird erwähnt, weil ich es im Self Publishing dort verlegt habe. Ich hatte es zuvor bei drei Verlagen eingereicht, aber keine Resonanz erfahren.
      Dies kann ich nachvollziehen, erhalten Verlage doch sehr viele Manuskripte und haben nur eine begrenzte Anzahl an Lektoren. Zudem ist das Thema nicht ganz einfach. Daher Amazon.

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        troodon sagte:

        @ Guido Bruch
        Vielen Dank für die Erläuterung. Das Buch ist dann nicht in einer normalen Buchhandlung zu bestellen?

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