Die Zukunft liegt im Wett­bewerb der Geldanbieter

Bitcoin und andere Kryptos erreichten in der letzten Woche neue Rekordstände. Ob diese Euphorie gerechtfertigt ist und ob sich die Erwartungen der Optimisten erfüllen werden, die bereits für das kommende Frühjahr eine weitere Verdoppelung sehen, mag ich nicht beurteilen. Ich halte es mit Isaac Newton. Der erklärte 1720, nachdem er viel Geld in der Südseeblase verloren hatte, er könne „die Bewegungen der Himmelssterne berechnen, aber nicht den Wahn der Menschen“.

Inflationsängste und Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems, das von den Notenbanken in eine Sackgasse geführt worden ist, werden als Gründe für die spektakuläre Entwicklung angeführt. Dass gleichzeitig Gold, seit rund 6000 Jahren aus ähnlichen Gründen geschätzt, in diesem Jahr im Minus liegt, wird mit dem Hinweis abgetan, dass Millennials lieber auf moderne Technologie setzten.

Beide – Gold wie Kryptos – mögen der Wertaufbewahrung dienen, eine Teilhabe an der produktiven Entwicklung der Welt bieten sie nicht. Das unterstreicht auch das gern von Gold-Fans angeführte Beispiel, dass man für den Wert einer Unze im antiken Rom eine gute Toga bekam und heute einen guten Anzug. Relativ zur Wirtschaftsleistung wurden Anzüge deutlich günstiger.

Die Funktion von Geld erfüllen beide wegen zu hoher Transaktionskosten nur unzureichend. Dennoch geben die Kryptos einen entscheidenden Impuls für eine Neugestaltung unserer Geldordnung, die 50 Jahre nach dem Ende der Goldbindung des US-Dollars und angesichts der offensichtlichen Probleme – Rekordschulden, Blasen, Interventionsspiralen – mehr als überfällig ist. Hier könnten Amazon, Apple, Google & Co. ansetzen und kostengünstige globale Alternativwährungen schaffen.

Staaten und Notenbanken fürchten die Konkurrenz privaten Geldes, verschafft das staatliche Monopol doch Macht und Gewinne. Das steht hinter den Bemühungen, mit digitalem Zentralbankgeld privaten Initiativen zuvorzukommen. Ähnlich wie bei der Diskussion zur Umstellung auf ein Vollgeldsystem sehen die Befürworter darin eine Möglichkeit, das Finanzsystem zu stabilisieren und den Bürgern ausfallsicheres Geld in die Hand zu geben, statt einer Forderung gegen ihre Bank. Die Rede ist gar von einem modernen Bargeld.

Es ist aber kein Bargeldersatz. Es wäre eine Welt, in der es keine Geheimnisse gäbe. Jeder Bürger wäre mit seinem Verhalten transparent. Unerwünschtes Verhalten wie Alkoholkonsum oder zu hoher CO2-Verbrauch ließen sich nicht nur erfassen, sondern auch sanktionieren. Die Politik der Marktmanipulation und Enteignung durch Negativzinsen ließe sich noch effektiver umsetzen. Die Tradition des Missbrauchs des Geldmonopols träte in eine neue Phase.

Wir sollten die Gestaltung der neuen Geldordnung nicht jenen überlassen, die es schon jetzt schlecht machen. Die Zukunft muss im Wettbewerb der Geldanbieter liegen.

handelsblatt.com: “Die Zukunft liegt im Wettbewerb der Geldanbieter”, 12. November 2021

Kommentare (37) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. foxxly
    foxxly sagte:

    @ geldanbieter im wettbewerb??
    sind hier verschiedenes geld/ währung innerhalb eines landes gemeint?
    wie soll ein wettbewerb des geldes im gleichen lande/ zb europa funktionieren?
    soll der wettbewerb seinen gegner vernichten und damit die geldmenge wieder reduzieren?
    oder, wie sonst soll sich das bessere geld durchsetzen?
    und wenn sich das bessere durchgesetzt hat, ist es dann nicht auf dem gleichen fahrwasser, wie unser aktuelles?

    es ist nicht entscheidend, welches geld da ist.
    woran liegt der haupfehler in unseren schuldgsystem?

    der größte fehler liegt m.m. darin, dass die realwirtschaft von der finanzwirtschaft und daher auch die gelddrucker-banken völlig seperat agieren.
    dies muss unausweichlich im laufe der zeit zu größten verwerfungen führen, so wie wir es aktuell erleben.

    dieser dissenz muss gelöst werden und nicht die frage nach einem anderen geld, oder geld im wettbewerb.

    ja, es wäre eine systemänderung, wenn finanzwirtschaft incl den banken voll integrativer bestandteil wäre.
    dass dabei nicht automatisch unmengen an neuem geld gedruckt werden dürfen, muss entsprechend geregelt werden.
    regeln haben wir ja heute auch, aber viele sind falsche regeln, welche in den unvermeidlichen crash führen müssen.
    kein geld, keine regierung, keine gesellschaft, kann nachhaltig überleben, solange wir ein schuldgeldsystem haben und nutzen !!

    Antworten
    • Dr. Lucie Fischer
      Dr. Lucie Fischer sagte:

      @foxxly
      Es kann sich gar nichts ändern, so lange omnipräsente Gehirnwäsche per Medien- Framing/ Nudging -Propaganda” noch geschluckt” wird.
      Dazu kommt: massive Reizüberflutung und das Schüren von Omnipotenz-Träumen,
      ” wir-retten-die-Welt-what-ever-it-takes” etc.
      Interessant finde ich, dass der Bitcoin symbolisert wird als GOLDENE Münze.
      Warum machen die das? Warum wird die Mär des ominösen ” Erfinders” Satoshi Nakamoto von sonst klugen Leuten ohne weitere Fragen einfach so hingenommen, geglaubt ?
      Professor Wilhelm Hankel hat in einer seiner YT Vorlesungen darauf hingewiesen, dass auf den Euro-Scheinen nur fiktive Gebäude abgebildet sind: sie symboliseren ganz offen den Fake-Wert-der Scheine, wer nimmt daran Anstoss?
      Die DZ-Bank macht derzeit sogar mit den fiktiven -Wert-Symbolen Werbung:
      https://www.youtube.com/watch?v=fxRV9900dxA
      Die 1457 gegründete Universität Freiburg hat als Wahlspruch auf dem Kollegiengebäude 2 das Zitat von Joh. 8, 32:
      ” Die Wahrheit wird euch frei machen”.
      Das Motto könnte auch gelöscht werden, Gender-talk ist zur universitären Pflicht geworden. Kritische Reflektion gegen vom RKI-Tierarzt und dem fachfremden-Bankkaufmann Spahn propagierte Massen-Injektionen findet nirgendwo statt.
      Dabei gilt gerade/ Abwandlung Zitat:
      Die Wahrheit wird euch das Leben retten.
      #Verantwortung und Haftung verjähren nicht#

      Antworten
      • Thomas M.
        Thomas M. sagte:

        >Interessant finde ich, dass der Bitcoin symbolisert wird als GOLDENE Münze.

        Gut beobachtet. Ich hatte das zwar wahrgenommen, mir aber nicht viel dabei gedacht. Auch bei Bitcoin wird also mit dem originalen Schema von Geld gearbeitet: der Edelmetallmünze. Unsere täglichen Blech-Münzenen (€, DM) sind sicherlich deswegen auch verkupfert oder silbrig gestaltet, um Wertigkeit deutlicher zu *symbolisieren*.

        >Warum machen die das?

        Um die Bitcoin bewusst attraktiver in Szene zu setzen und/oder weil man den Wert der Bitcoin symbolisieren möchte. Das geht am einfachsten und bequemsten mit der Edelmetallmünze. Irgendwie inkonsequent, sofern man sich deutlich von der altmodischen Edelmetallmünze differenzieren will.

      • Thomas M.
        Thomas M. sagte:

        @Hr. Ott: Kurios… Hmmm… ob sich dann Bitcoin gegen Ethereum als Zahlungsmittel durchsetzt, weil Gold anders als Diamanten leicht teilbar und veräußerbar wirkt? ;-)

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        Also wenn man nach dem Branding geht, wird es in der Crypto-Welt auf einen Dreikampf zwischen Bitcoin, Cumrocket und Dogecoin hinauslaufen.

        Das sind quasi die 3 Urgewalten des Finanz-Marketings: Gold, Sex und ein lustiger niedlicher Hund – bei solcher Konkurrenz ist die Diamantenwährung chancenlos. ;)

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        Gerade die Cumrocket wird (Achtung, super Wortwitz!) der Rendite-BOOSTER für jedes Portfolio, die wussten gar nicht, wie genial ihr Branding ist als sie es entwickelt hatten. ;)

      • Dr. Lucie Fischer
        Dr. Lucie Fischer sagte:

        Richard Ott, 14:35
        Wieder einmal erweisen Sie sich als treffsicherer Analytiker unbewusster Prozesse,
        Sie haben die Psychodynamik der ” BOOSTER”-Strategen erfasst.
        Mahnt Österreichs Bundeskanzler aktuell vorwurfsvoll . plump vom ” Stich”/
        ( Stecher ) wird BOOSTERN euphorisch ,weil sexy- konnotiert:
        Wiederholungen begehrt , je mehr, desto vitalisierender :
        ” Hurra, ich krieg meine BOOSTER-Impfung, Min. 1:02
        https://www.youtube.com/watch?v=n_1gHrhlfqc

      • Tom96
        Tom96 sagte:

        @ Thomas M. & Richard “von” Ott
        Vielleicht unterschätzen Sie die Lustigkeit der Schwarzelöcher Cryptostromillusionisten bei der Konzipierung ihrer terminierten und limitierten Lockangebote, Währungsmittel in ihren eigenen Taschen rechtsbefreit und unangreifbar zu versenken – ich erweitere:
        Gier und & Wollust schalten die Gehirne aus!
        Es zeigt sich ein weiteres mal die Bestandskraft der Todsünden-Autoren.

  2. Stoertebekker
    Stoertebekker sagte:

    >Die Rede ist gar von einem modernen Bargeld.

    Es ist aber kein Bargeldersatz. Es wäre eine Welt, in der es keine Geheimnisse gäbe. Jeder Bürger wäre mit seinem Verhalten transparent.<

    Wir alten Männer – nur ne grobe Ahnung (auch nach eigenem Bekunden), aber doch ne dezidierte Meinung.

    Das kann so kommen wie beschrieben. Technisch MUSS es aber NICHT so kommen. Diverse Nerds arbeiten an Lösungen, in denen digitales Geld komplett anonym zur Verfügung steht.

    Und auch ein kurzer Blick in die Vergangenheit lässt zumindest die Idee von anonymem digitalem Geld erahnen. Für alle, die noch Telefonkarten kennen – eine solche Telefonkarte war de facto eine Geldbörse mit digitalem Geld. Wenn neben den Telefonzellen diese Karten auch noch in Getränkeautomaten, bei Kartenlesegeräten usw. einsetzbar gewesen wären, hätten wir damals schon die digitale DM als Bargeldersatz gehabt.

    Am Ende hängt es davon ab, was der Staat zulässt und was nicht. Ob das über Wahlen steuerbar ist 🤷‍♂‍. Großen Einfluss wird die maximal erlaubte Höhe des ggfs. anonym erlaubten Bargeldersatzes haben. Aber eine Verschärfung dieser Regeln erleben wir beim Bargeld ja ohnehin schon.

    PS Bei der Kreierung von Bitcoin ging es um DEMOKRATISIERUNG des Geldes, nicht um Digitalisierung.
    PS2 Und wieder einmal Douglas Adams, wobei es heute besonders gut passt:

    I've come up with a set of rules that describe our reactions to technologies:
    1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.
    2. Anything that's invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.
    3. Anything invented after you're thirty-five is against the natural order of things.

    Antworten
    • Hans Severin
      Hans Severin sagte:

      @ Stoertebeker 3. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.

      Da bin ich zum Glück anders. Allerdings habe ich meine Prinzipien:

      Wenn ich einen Mann sehe, der einen Kinderwagen schiebt, denke ich, wie unnatürlich ist das denn, noch schlimmer, wenn er das Kind vor dem Bauch trägt.

      Wenn Leute den Kaffeebecher vor sich her tragen, denke ich, was hat sich bloß geändert, früher liefen die Leute mit dem Gesangbuch, sprich Sursum Corda, zur Kirche, das hatte was und war normal, allerdings nur am Sonntag.

      Wenn die Leute und besonders wenn ganz großgewachsene Typen auf diesen (Müll-) E-rollers sich zum Affen machen, denke ich etwas wehmütig an die Zeiten, als immer mal wieder der Zirkus in der Kleinstadt gastierte, und die richtigen Affen Fahrrad fahren durften.

      Wenn ich die Frauen mit Kopftüchern sehe, denke ich, früher gab es davon mehr, es waren aber nur die älteren Frauen.

      Wenn ich Frauen in Burkas sehe, früher gab es die auch und auch ganz in schwarz, waren alles Witwen.

      Und wenn die Leute auf der Straße mit sich selber laut reden und gestikulieren, denke ich, nun ist bald Hopfen und Malz verloren.

      Oder wenn die Leute auf einer belebten Treppe zum U-Bahnsteig einfach stehen bleiben und auf ihr Handy starren egal wie viel Leute um sie herum nach unten oder oben drängen.

      Antworten
  3. Felix
    Felix sagte:

    Der Wettbewerb um das beste Geld wurde schon vor 2.500 Jahren entschieden und von Aristoteles finalisiert. Es ist GOLD. SILBER kam auf Platz zwei – erinnert nicht von ungefähr an Olympia.

    Nur die Unfähigkeit vieler Regierungen läßt immer wieder neue Versuche aufkommen, die im Grunde genommen Betrug sind. Es handelt sich in allen Fällen ohne Ausnahme um legalisiertes Geldfälschen. Ein gutgeführtes Betrugsunternehmen (alte Bundesbank) schaut zwar besser aus, als ihre unorganisierten Wettbewerber, aber das Ergebnis ist immer gleich: Umverteilung nach oben durch Inflation.
    Hayek hatte Recht, als er sagte, dass die Menschen begreifen müssen, dass man nicht ein bißchen Inflation haben kann. Ein bißchen Inflation führt mit unnachgiebiger Gesetzmäßigkeit zu immer mehr Inflation.
    Es mag lange Zeit gutgehen, aber das ist kein würdiger Maßstab für eine so wichtige Sache. Das Geld muss so angelegt sein, dass es zumindest theoretisch ewig funktionieren kann.

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  4. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Die Funktion von Geld erfüllen beide wegen zu hoher Transaktionskosten nur unzureichend. Dennoch geben die Kryptos einen entscheidenden Impuls für eine Neugestaltung unserer Geldordnung, … Hier könnten Amazon, Apple, Google & Co. ansetzen und kostengünstige globale Alternativwährungen schaffen.>

    Amazon, Apple, Google & Co. könnten ein Mittel schaffen, mit dem Forderungen beglichen werden können. Dies betrifft die Zahlungsfunktion in einem Währungsraum, also das, was Geld mit einer Teilfunktion leisten kann. Ob sinnvoll oder nicht für sie, technische Herstellung und Funktionalität sind kein Problem.

    Aber die NEUGESTALTUNG unserer GELDORDNUNG schaffen?

    Ein Geldordnung muss mehr beinhalten, als nur ein Zahlungsmittel bereitzustellen.

    Es muss u. a. auch für dessen ALLGEMEINE Verbindlichkeit sorgen, d. h. für eine Annahmeverpflichtung – und nicht nur für das.

    Was immer das Leistungserfordernis, das an eine Geldordnung gestellt wird bzw. werden muss im Einzelnen auch ist, es bedarf dafür einer gesellschaftlich legitimierten AUTORITÄT.

    Auch wenn Amazon, Apple, Google & Co. aufgrund praktischer Dominanz des Zahlungsverkehrs eine solche Autorität theoretisch erreichen könnten, werden sie sie nicht erreichen:

    Deren REALWIRTSCHAFTLICHE Aktivitäten werden so REGULIERT werden, dass sie nicht in die Lage kommen, eine neue Geldordnung zu etablieren.

    >Die Zukunft muss im Wettbewerb der Geldanbieter liegen.>

    Da muss sie nicht liegen und da wird sie ganz gewiss nicht liegen.

    Antworten
    • Renée Menéndez
      Renée Menéndez sagte:

      @ Dietmar Tischer

      “Ein Geldordnung muss mehr beinhalten, als nur ein Zahlungsmittel bereitzustellen.”

      Genau dieses Thema hatten wir vor gut einem Jahr, wo es darum ging, daß man eine “Geldordnung” nicht so einfach über eine Gesellschaft stülpen kann, weil die “alte Geldordnung” ein soziales Geflecht hervorgebracht hat, welches aus unzähligen Schuldverhältnissen besteht, deren Existenz nicht mit einem Schlag aus der Welt geschafft werden kann. (Das funktioniert nur nach verlorenen Kriegen, die Sieger müssen mit dem Schlamassel leben.) Man kann sich das Problem dadurch verdeutlichen, wenn man an das naive “Pleite gehen lassen” einer Bank denkt. Eine Bank ist keine Jeansfabrik, bei der von einem auf den anderen Tag keine Jeans mehr produziert werden und der Betrieb stillgelegt wird, sondern besteht aus eben jenen Schuldverhältnissen, deren Abwicklung gelegentlich schon mal 10 oder 20 Jahre dauern kann. Deswegen gibt es ja nur die Alternativen verkaufen oder – wenn sich die Verwertung für andere nicht lohnt – weiterführen mit der Maßgabe, daß der bestehende Verwaltungsapparat seine eigene Liquidierung ausführt. Bei letzterer Alternative muß er dann leider soweit “gerettet” werden, daß er operativ weiterlaufen kann. Vor diesem Hintergrund ist der Versuch gleich an einer gesamten Geldordnung herumzuexperimentieren wohl eher das, was Hayek als “Anmaßung von Wissen” bezeichnet hat. (Daß ich mich mal auf Hayek beziehen würde…)
      https://think-beyondtheobvious.com/deutschland-hat-keine-teflon-wirtschaft/#comment-162047

      Im übrigen hat ja der Staat auch bei der Herausbildung des Finanzwesens nicht wirklich eine führende Rolle gespielt, sondern sich im wesentlichen darauf beschränkt das zu kodifizieren, was sowieso schon gelebte Praxis war. Ich hatte ja letztens kommentiert, daß es schwer vorstellbar ist, daß ein Jurist im stillen Kämmerlein sich das Wechselgesetz ausgedacht hat, woraufhin die Kaufleute freudig die neuen Möglichkeiten angewendet haben. Umgekehrt wird ein Schuh draus, denn der Staat hat Entwicklungen der Wirtschaft sich dann zunutze gemacht, als sie bereits da waren. Daß die Wechsel-Banknoten die Grundlage für die heutigen Geldscheine sind, hat auch niemand geahnt bis vor rund 50 Jahren die forderungslosen Geldscheine – aus der Notlage eine Pleite nicht zugeben zu müssen – aus der Taufe gehoben wurden. Die Möglichkeiten, die sich daraus ergaben und die wir heute sehen sind ja auch erst nach Jahrzehnten erkannt worden.

      Von daher halte ich die Vorstellung, der Staat könne eine wirklich NEUE Geldordnung entwickeln für einen feuchten Traum, der sich der Komplexität der Materie nicht einmal bewußt ist. Heißt: alles was als “neue Geldordnung” verkauft wird ist nicht viel mehr als ein marginales Herumschrauben an Einzelaspekten. Und Währungskonkurrenz gibt es ja bereits: der Dollar hat Lateinamerika relativ fest im Griff, der EURO breitet sich in Osteuropa und – via Frankreich – in Afrika aus und der Renmimbi streckt seine Fühler inzwischen ganz ungeniert in Südostasien und gegen Rußland aus. Daneben gibt es noch haufenweise kleinteilige “Regionalwährungen”, deren Hauptbeschäftigung es ist um ihr Überleben zu kämpfen – die meisten verlieren nach ein paar Jahren. Bei den Kryptos gibt es ja auch schon einen recht stattlich bestückten Friedhof… deadcoin(dot)info Da gibts auch einen toten Tesla-Coin…

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Renee Menendez

        “Man kann sich das Problem dadurch verdeutlichen, wenn man an das naive ‘Pleite gehen lassen’ einer Bank denkt. Eine Bank ist keine Jeansfabrik, bei der von einem auf den anderen Tag keine Jeans mehr produziert werden und der Betrieb stillgelegt wird, sondern besteht aus eben jenen Schuldverhältnissen, deren Abwicklung gelegentlich schon mal 10 oder 20 Jahre dauern kann. Deswegen gibt es ja nur die Alternativen verkaufen oder – wenn sich die Verwertung für andere nicht lohnt – weiterführen mit der Maßgabe, daß der bestehende Verwaltungsapparat seine eigene Liquidierung ausführt. Bei letzterer Alternative muß er dann leider soweit “gerettet” werden, daß er operativ weiterlaufen kann.”

        Ganz normale Insolvenzverfahren mit Liquidation dauern auch in Deutschland oft viele Jahre oder mehr als ein Jahrzehnt.

        Haben Sie wirklich überhaupt keine Kenntnisse beispielsweise vom deutschen Insolvenzrecht? Der Insolvenzverwalter kann den bestehenden “Verwaltungsapparat” durchaus weiter arbeiten lassen, wird sich aber oft schon aus eigenem finanziellen Interesse dafür entscheiden, mit seinen eigenen Ressourcen die restlichen Assets zu verwerten, im Extremfall, indem er die langfristigen Schuldverhältnisse so lange weiter hält bis die sämtlich ausgelaufen sind.

        “Operativ weiterlaufen” kann das Konstrukt schon dadurch, außer bei einer Einstellung des Insolvenzverfahrens mangels Masse (was bei einer Bank nie vorkommen sollte, außer wenn die Bankenaufsicht korrupt war oder jahrelang komplett geschlafen hat), dass sämtliche Forderungen *AN DIE* insolvente Kapitalgesellschaft aus dem Zeitpunkt vor Eintritt der Insolvenz im Insolvenzverfahren angemeldet werden müssen und dann nur zu einem Bruchteil bedient werden und gleichzeitig sämtliche Forderungen *VON DER* Kapitalgesellschaft, egal zu welchem Zeitpunkt, bei ihren Schuldnern eingetrieben werden.

        Das funktioniert in der Praxis völlig anders, als Sie sich das vorstellen.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Renée Menéndez

        >Im übrigen hat ja der Staat auch bei der Herausbildung des Finanzwesens nicht wirklich eine führende Rolle gespielt, sondern sich im wesentlichen darauf beschränkt das zu kodifizieren, was sowieso schon gelebte Praxis war.>

        Das ist auch meine Meinung.

        Das Finanzwesen, insbesondere seine rechtlichen, d. h. regulatorischen Aspekte, sind ein „Überbau“ der Realwirtschaft (selbstverständlich mit Rückwirkungen auf sie).

        Wenn es Sie bei dem Gedanken an Hayek leicht schüttelt, dann mich bei diesem, weil ich damit bei Marx bin (seine Theorie aber gleichwohl als widerlegt ansehe).

        >Von daher halte ich die Vorstellung, der Staat könne eine wirklich NEUE Geldordnung entwickeln für einen feuchten Traum, der sich der Komplexität der Materie nicht einmal bewußt ist.>

        Auch damit bin ich einverstanden. Wenn das aus meinem Kommentar anders zu lesen ist, habe ich mich wohl nicht klar genug ausgedrückt.

        Was mir darüber hinaus wichtig erscheint:

        Nehmen wir einmal an, IRGENDWIE und IRGENDWANN hat sich eine andere „gelebte Praxis“ entwickelt, die so dominant ist, dass die Gemeinschaft/der Staat sie als CODIERUNGSFÄHIG ansieht und in einem Rechtssystem codiert.

        Ohne bis in die Tiefen des Geldsystems einen Nachweis führen zu können, bin ich überzeugt, dass die Codierung ADDITIVE Nutzungsregularien festlegen wird.

        Der Grund:

        Bei den Nutzern besteht das SICHERHEITSBEDÜRFNIS, wenigstens mit rechtlich verankerten SANKTIONEN reagieren zu können auf „Unfälle“ beim Gebrauch des Geldsystem, zu dem wie Sie immer feststellen u. a. auch Schuldverhältnisse mit Abwicklung über längere Zeitverläufe gehören.

        Nachteilige Unfälle für die Nutzer sind zwar nicht zu vermeiden in einem sich wandelnden Wirtschaftssystem, aber es ist vorteilhaft, wenn Normen etabliert worden sind, wie damit geordnet umzugehen ist.

        Näherungsanalogie:

        Ein wilder Fluss, der relativ gefahrvoll mit Logistikvorteilen befahren werden kann, wird zu einer ATTRAKTIVEREN Verkehrsader, wenn er durch Begradigung, Ausbaggern und Eindämmung „domestiziert“ wird.

        Das kann der Fluss NICHT selbst schaffen.

        Damit sind wir nahe beim Böckenförde-Diktum:

        „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“

        Er gilt m. A. n. abgeändert auch für das Geldsystem.

    • Bauer
      Bauer sagte:

      @ D.Tischer

      Sie über Edelmetalle: “… Die Funktion von Geld erfüllen beide wegen zu hoher Transaktionskosten nur unzureichend.”

      Dieses Problem wurde schon zu Zeiten des Gold/Silber-Standards so gelöst, dass kaum mehr Metall bewegt werden musste, natürlich mit den Mitteln der Zeit. Heute könnte das mit IT und evtl. blockchain elegant gelöst werden. Aber das will niemand, weil dann die Möglichkeiten der ZB zur wunderbaren Geldvermehrung nicht mehr bestünden. Sic!

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        Der Satz ist von Dr. Stelter, ich hatte ihn nur zitiert.

        Ich glaube schon, dass er Recht hat, wenn er die Transaktionskosten von Edelmetallen und denen von unserem gebräuchlichen Geld bezüglich der Zahlungsfunktion vergleicht.

        Man kann darüber streiten, ob er mit „unzureichend“ den richtigen Begriff gewählt hat.

        Ich würde eher sagen „leicht nachteilig“.

        Wie auch immer:

        Ich bin insoweit bei Ihnen, dass DIES kein Grund ist, Edelmetalle als „integrierten Anker“ aus dem Geldsystem zu verweisen.

        Sie benennen richtig, warum man sie aus dem Geldsystem verbannt hat.

  5. Johann Schwarting
    Johann Schwarting sagte:

    @ all

    “… die Konkurrenz privaten Geldes, …” bedeutet, dass das Geld von konkurrierenden Privatbanken emittiert wird.

    Wegen der zwingend notwendigen Wettbewerbsgleichheit sind Friedrich August von Hayeks, des wichtigsten Theoretikers eines Privatgeldes, Vorstellung von ‘freien, kompletten, symmetrischen’ Informationen in dem neuen Bankensystem nicht durchführbar, da Banken nichts über Kreditwürdig- und -fähigkeit ihrer Kunden veröffentlichen dürfen. Das wäre aber erforderlich, da ein Banken-‘Privatgeld’ von ihnen passiviert werden müsste – wie bei jeder Zentralbank – und die Banken-Passivseiten nur so ‘gut’ sein können, wie ihre Aktivseiten – eben wo die Kredite bzw. ‘assets’ stehen.

    Das Problem der Recheneinheit (‘numeraire’) ist auch nicht zu lösen. Auf was sollen die ‘Privatgelder’ lauten? Am Ende gibt es so viele Recheneinheiten, wie es Banken gibt (jede hat ‘ihr’ Geld – den DB-Schilling, den CoB-Taler, den Ostfriesenbank-Gulden).

    Das stellt den Nicht-Banken-Sektor vor kaum lösbare Probleme. In welchem privaten ‘Konkurrenzgeld’ soll denn jetzt die staatliche Steuerforderung beglichen werden? Sind die Probleme mit dem Steuerzahlungs- und dem Gesetzlichen Zahlungsmittel lösbar? Wird dann die Bank mit dem letztendlich übrigbleibenden besten Privatgeld vom Staat zur Zentralbank erklärt – und alles beginnt von Neuem?

    Antworten
  6. Wilfried Goss
    Wilfried Goss sagte:

    Münzverschlechterung

    es ist ungefähr 10 Jahre her, da boten die Münzprägeanstalten 10-Euro Silbermünzen mit einem Silbergehalt von einer halben Unzen an.
    Der Silberpreis ist inzwischen gestiegen und für die Ausgabe von 10-Euromünzen zu teuer.
    Nun gibt die Münze Österreich 10-Euro Kupfermünzen zum Nennwert aus und bei der aktuellen Entwicklung mit steigenden Rohstoffpreisen und fallenden Wert der Währungen werden wir eines Tages wieder Aluminiummünzen sehen.
    Was das mit einer neuen Geldordnung zu tun hat ?
    Edelmetalle werden immer ein Maßstab und vielleicht auch Grundlage für eine zukünftige Währung sein.

    Antworten
  7. Hansjörg Pfister
    Hansjörg Pfister sagte:

    Die vermehrten Beiträge hier und auch anderswo (dort z.T. euphorisch) zeigen mir, dass es wohl so langsam an der Zeit ist (wieder mal) auszusteigen, also in Tether oder Fiat – Geld zu gehen. Dann abwarten bis kaum noch einer drüber spricht und dann dann wieder rein….
    Von den über 13000 Cryptos werden nur wenige am Ende übrigbleiben (Bitcoin wird vermutlich nicht dazugehören), diese versprechen dann aber saftige Gewinne, wenn man nur früh genug investiert war. Ein Geldwettbewerb unter den Cryptos kann ich bis jetzt nur in Ansätzen ausmachen, es handelt sich nach wie vor um einen Tummelplatz für Spekulanten.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Pfister

      “Die vermehrten Beiträge hier und auch anderswo (dort z.T. euphorisch) zeigen mir, dass es wohl so langsam an der Zeit ist (wieder mal) auszusteigen”

      Als ob wir hier irgendwie mainstreamig und dadurch ein Indikator für Spekulationsblasen wären! Wenn Sie ein Gefühl dafür bekommen wollen, sollten Sie sich woanders umsehen, die Diskussionen hier sind meistens doch sehr speziell. Da müsste Dr. Stelter schon bei Lanz direkt Werbung für Bitcoin machen (und Robin Alexander und Karl Lauterbach müssten ihn dabei tatsächlich ausreden lassen..) um den Mainstream auch nur an seinen Rändern zu erreichen.

      Ihre Idee ist eigentlich gar nicht schlecht, die hatte ich auch mal. Was mich damals im Jahr 2017 bärisch für Bitcoin werden ließ, waren 2 Dinge:

      1. Der völlig lächerliche “Darknet”-Tatort “Borowski und das dunkle Netz” aus dem Frühjahr 2017, wo die bösen Hacker in Darknet (Aus dem Film: “das sind Seiten, die können Sie nur mit einem speziellen Browser benutzen”) natürlich auch mit Bitcoin bezahlen…
      https://www.youtube.com/watch?v=zKaL4pihiVI

      2. Als im November/Dezember 2017 die irre SPIEGEL-ONLINE-Kinderseite “bento” für genderverwirrte Linksradikale (mittlerweile eingestellt) anfing, jeden Tag über bitcoin zu berichten.

      Da dachte ich, wenn der Ultra-Mainstream und die spezialisierten Webangebote für junge Doofe schon davon wissen, ist es für einen Einstieg längst zu spät.

      Schauen Sie mal auf den Langfrist-Chart von Bitcoin, dann sehen Sie, was seitdem tatsächlich passiert ist.

      Antworten
      • Hansjörg Pfister
        Hansjörg Pfister sagte:

        @Herr Ott
        Ich schaue durchaus auf den Mainstream, aber ich habe das Gefühl, dass diesmal die dicke Kohle von professionellen Investoren kommt. Letztes Mal bin ich ausgestiegen als meine Kollegen eingestiegen sind. Punktlandung. Wann glauben Sie denn, kommen wir in den Bärenmarkt?

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Pfister

        “Ich schaue durchaus auf den Mainstream, aber ich habe das Gefühl, dass diesmal die dicke Kohle von professionellen Investoren kommt”

        Den Eindruck habe ich auch – aber dazu kommen noch eine Menge Anfänger, die erst seit Anfang 2020 überhaupt investieren, nachdem sie verblüffenderweise -für ihre Maßstäbe- dicke Schecks von der Regierung im Briefkasten hatten.

        “Letztes Mal bin ich ausgestiegen als meine Kollegen eingestiegen sind. Punktlandung.”

        Da haben Sie tolle Kollegen und sollten ihnen unbedingt weiter zuhören. ;)

        “Wann glauben Sie denn, kommen wir in den Bärenmarkt?”

        Einen “normalen” Bärenmarkt, also -20%, bei Bitcoin? Jederzeit möglich. Den letzten Bärenmarkt hatten wir doch erst im Herbst 2021, ungefähr 1 Monat lang im September! Ich habe keine Ahnung, wie man die timen kann, aber von cost averaging beim Einkaufen abgesehen habe ich auch keinen Ehrgeiz, das zu tun. Ich bin ja kein Trader, sondern Unternehmer, und meine normalen Unterehmungen sind schon aufregend und riskant genug.

        In richtige langfristige Schwierigkeiten mit einer jahrelang negativen Kursentwicklung käme Bitcoin erst, wenn die großen Zentralbanken mit Gelddrucken und “QE”-Programmen und Nullzinspolitik aufhören. Aber dieses Szenario rückt jeden Tag in immer weitere Ferne – vielleicht gibts ja in diesem Corona-Winter sogar schon die nächste Runde “stimulus cheques”? Wir alle ahnen, was dann wohl passieren wird…

    • Stengah
      Stengah sagte:

      Dieser Kommentar ist wirklich wirr. Börsentechnisch sollte Momentum nicht unberücksichtigt werden, was dagegen spricht, auszusteigen, weil es kein Geheimtip mehr ist.
      Auch die Bewertung der Cryptos als Spekulantenwiese ist mehr als fragwürdig. Vor allem zahlreiche der Altcoins haben einen tatsächlichen inneren Wert und produzieren Cashflow. Wer mit Vorurteilen und ohne Offenheit für neue Technologien investiert, wird kaum erfolg haben.

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  8. David
    David sagte:

    Anstatt einem Wettbewerb um das beste Geld zu ermöglichen, versucht die EZB selbst einen digitalen Euro auf den Weg zu bringen. Damit ist jedoch nichts gewonnen, da der Benutzer weiter unter der Fuchtel der EZB verbleibt. Besonders in der Kryptowelt gibt es viele Alternativen, die besser als Bitcoin sind (oder dem e-Euro), weil sie ohne das energieintensive Schürfen auskommen und keine Gebühren verlangen. So kann man die Umwelt schützen und trotzdem neues Geld nutzen. Ein Beispiel aus Berlin: https://www.iota.org/foundation/vision-and-mission

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  9. Bauer
    Bauer sagte:

    > “Dass gleichzeitig Gold … in diesem Jahr im Minus liegt, …” ist ein Märchen. Es liegt heute bei +6.4 %, wobei dieser Anstieg in den letzten fünf Wochen zu verzeichnen war, solange eben auch die Inflation in aller Munde ist. Bis dahin hat es sich wacker um +-0 gehalten, wobei anerkanntermaßen der Goldpreis schon seit langem systematisch nach unten manipuliert wird.

    Mein erstes Gold habe ich am 23.09.1973 (lt. Flugbuch) in Zürich um rd. 8.000 CHF/kg gekauft. Heute nach 48 Jahren ist es rd. das 13-fache wert, macht rd. 5.5% Zuwachs pro Jahr. Da ich die Dellen im Goldpreis nicht ausgesessen, sondern aktiv ‘bewirtschaftet’ habe, dürfte der reale Zuwachs eher bei 7-8% liegen. Mein Aktienportfolio war da kaum besser.

    > “… dass man für den Wert einer Unze im antiken Rom eine gute Toga bekam und heute einen guten Anzug. Relativ zur Wirtschaftsleistung wurden Anzüge deutlich günstiger.” So darf man nicht rechnen, denn man braucht ja nur den einen Anzug. Dass die heutige Wirtschaftsleistung 10’000 Anzüge (Konfektionsanzüge, nicht Maßanzüge!) auf den Markt werfen kann, ist ebenso irrelevant wie “die Teilhabe an der produktiven Entwicklung”. Man kann auch unverändert täglich nur eine Kalbshaxe verdrücken und eine gute Flasche Wein dazu trinken, da selbst dieses schon eher lebensverkürzend wäre.

    Im übrigen ist die Perspektive falsch bei Betrachtung des Goldpreises. Nicht Gold wird teurer, sondern der Dollar – und Fiatgeld ganz allgemein – wird entwertet. Meine Ausgangsbasis ist schon längst der Goldpreis als Konstante. Dann sieht man auch, dass seit dem 1.10.2016 (Beitritt Chinas zum IMF) der Dollar 30 % seines damaligen Wertes in nur fünf Jahren verloren hat, was auch in etwa den realen Verhältnissen entsprechen dürfte. Die offiziell ausgewiesenen Inflationsraten sind schon längst nur noch gezielte Augenauswischerei.

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    • Felix
      Felix sagte:

      @ Bauer

      Ich stimme Ihnen zu. Nur bei der Sache mit der Flasche Wein sind Sie im Irrtum. Es ist im Gegenteil gar nicht möglich, ohne eine tägliche Wein gesund alt zu werden.

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      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        Wer will ohne eine tägliche Flasche Wein (na gut, ne halbe Flasche reicht vielleicht auch) überhaupt alt werden?

  10. Peter PaHn
    Peter PaHn sagte:

    d.h. die Realrendite (Rendite – Inflation) von Gold = 0
    Bitcoins Realrendite hingegen in der gleichen Periode = +125%

    Schönen Tag noch.

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    • Bauer
      Bauer sagte:

      @ Peter PaHn

      Ist Ihnen der Unterschied klar zwischen real und virtuell?

      Die reale Goldmünze kann ich in die Tasche stecken und mich damit weltweit unter allen denkbaren Umständen, auch unter chaotischen durchschlagen.

      Das Virtuelle jeder Art wird da schnell am Ende sein.

      Wer einmal Chaos erlebt hat, vergisst es sein Leben lang nicht. Der andere wird erst seine Erfahrungen machen müssen. Wohl auf denn!

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      • Axel
        Axel sagte:

        @Bauer
        “Die reale Goldmünze kann ich in die Tasche stecken und mich damit weltweit unter allen denkbaren Umständen, auch unter chaotischen durchschlagen.”

        Wenn es hart auf hart kommt, verläßt keine Münze Gold legal mehr das Land. Bitcoin schon eher. Die knappen Waren (Nahrungsmittel) bekommt aber jedoch nicht der mit dem “besten Geld”, sondern der Agressivste, bzw. der mit der größten Knarre…

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Axel (in Anlehnung an @Bauer)

        Wer einmal in der DDR gelebt hat, das Land nicht verlassen durfte, JEDE staatliche/staatlich überwachte Stelle mit einem Grundmisstrauen betrachtet, vergisst das sein Leben lang nicht.

        Kryptos (jedenfalls die meisten) sind überwachbar und die Wechselstuben in irgendwas, womit man auf dem Markt einkaufen kann, auch.

        Insofern – Spekulationen mit Kryptos sind ja völlig ok. Für den Notfall sollte man aber auch noch was anderes haben.

        Die junge Generation setzt viel zu viele Dinge als gegeben voraus, die ganz schnell vorbei sein können. (u.a. Reisefreiheit, überhaupt nur die Ausstellung eines Passes, Verfügung über das eigene Vermögen, Kapitalverkehrsfreiheit, nicht überwachte Gespräche mit Freunden/der eigenen Familie, …)

        Und, nein, wenn Waffenbesitz verboten oder de facto unmöglich ist, werden die knappen Waren im Tauschhandel verteilt. Meine Großmutter ist nach dem Krieg (allein, ohne Waffe und ohne männlichen Besitand) mit Butter nach Berlin zum Tauschen, meine eigenen Erinnerungen reichen für Räucheraal, Trabant-Ersatzteile und so was.

        Gold hatte schlicht so gut wie niemand, für Zahngold hat man Familienschmuck oder Eheringe der Großeltern abgegeben.

      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ Axel

        >> “… verläßt keine Münze Gold legal mehr das Land.”

        Ich schätze, Sie sind blauäugig. Auch ein nationales Goldverbot wie schon gehabt wäre heute nicht mehr durchsetzbar.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        “Wer einmal in der DDR gelebt hat, das Land nicht verlassen durfte, JEDE staatliche/staatlich überwachte Stelle mit einem Grundmisstrauen betrachtet, vergisst das sein Leben lang nicht.”

        Sowas könnte schneller wiederkommen als Sie glauben, der Reichsmoralrat lässt schon erste Testballons steigen:

        Der Humangenetiker und Medizinethiker Wolfram Henn, Mitglied im Deutschen Ethikrat, fordert Reisebeschränkungen für Ungeimpfte innerhalb der EU. “Die 2G-Regel sollte beim Überschreiten der EU-Binnengrenzen generell gelten. Das wäre epidemiologisch sinnvoll und ethisch gerechtfertigt”, sagte Henn der “Rheinischen Post”. An Flughäfen könne eine solche Regel besonders gut überprüft werden. “Hier sollten lückenlose Kontrollen sichergestellt sein.”

        https://www.n-tv.de/panorama/Ethiker-fordert-Reisebeschraenkungen-fuer-Ungeimpfte-article22932456.html

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