Die Maßnahmen gegen den Klima­wandel führen zu er­heb­lichen Bewer­tungs­risiken

Dieser Kommentar von mir erschien im Januar bei manager-magazin.de. Er passt gut zum Thema des morgigen Podcasts, wo es um das Thema des „nachhaltigen Investierens“ geht: 

Der Kampf gegen den Klimawandel bietet den idealen Ansatz für Notenbanken, Staaten direkt zu finanzieren, um so das ökonomische Problem von Stagnation und Überschuldung zu lösen. Nun hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eine Studie veröffentlicht, die sich mit den Folgen des Klimawandels für das Finanzsystem und die Rolle der Notenbanken beschäftigt. In dem sehr lesenswerten Paper werden die besonderen Risiken des Klimawandels – aber auch der Maßnahmen dagegen – für das Finanzsystem intensiv beleuchtet.

Risiken für das Finanzsystem

Ausführlich geht die BIZ auf die Risiken für das Finanzsystem ein. Dabei stehen zwei Arten von Gefahren im Vordergrund:

  • Die „physischen Risiken“, also tatsächliche Schäden durch Sturm, Überschwemmung, Hitze. Diese reichen von Zerstörung von Vermögenswerten und Leben bis hin zu geringerer Arbeitsproduktivität und einer Verschiebung von Ressourcen von der Investition in die Zukunft zur Behebung von Schäden.
  • Die „Übergangsrisiken“, zum Beispiel durch einen schneller als erwarteten Umstieg von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien, der zu einer Abwertung der Vermögen der Unternehmen führt, die fossile Brennstoffe fördern und nutzen.

Beide Arten von Risiken sind deshalb so gefährlich, weil das Weltfinanzsystem auch zehn Jahre nach der Krise, wie bereits von mir hier erläutert, immer noch mit geringem Eigenkapital und hohem Risiko operiert. Kommt es beispielsweise zum Konkurs eines großen Ölproduzenten, führt dies zu erheblichen Kreditausfällen, die die Kreditgeber nicht verkraften würden. Der scheidende Chef der Britischen Notenbank, Marc Carney, spricht in diesem Zusammenhang von einem „grünen Minsky-Moment“. Als Minsky-Moment bezeichnet man den Zeitpunkt, an dem kreditfinanzierte Blasen platzen, es also zum ultimativen Margin Call kommt. Ein weltweiter Crash wäre die unvermeidliche Folge. Leider wäre dieser umso wahrscheinlicher, je schneller wir Fortschritte in Richtung einer klimaneutralen Wirtschaft machen.

Damit nicht genug. Selbst ohne Crash sehen die Experten der BIZ das Risiko steigender Rohstoffpreise, weil Lieferketten zusammenbrechen und es damit wahrscheinlich zu unerwarteten und starken Preisschüben bei wichtigen Vorprodukten käme. Alternativ könnten die Preise für CO2 in Folge von Naturkatastrophen und politischen Reaktionen explodieren. „Dramatische“ Verteilungskonflikte zwischen, aber auch innerhalb von Ländern wären die Folge, so die BIZ.

Ausführlich diskutieren die Experten mögliche Ansatzpunkte durch bessere Regulierung, Modellierung von Szenarien und Änderung der Rechnungslegung von Unternehmen, um diese Risiken in den Griff zu bekommen. Doch auch nach der Lektüre dieser denkbaren Maßnahmen bleibt der ungute Eindruck, dass die nächste Finanzkrise hier ihren Ursprung haben könnte.

Eigentlich müssten höhere Eigenkapitalquoten und geringere weltweite Verschuldung durchgesetzt werden. Die BIZ diskutiert dies – wenig verwunderlich – nicht, denn schon der Versuch, die Schulden im System zu reduzieren, würde ausreichen, um den Crash, der vermieden werden soll, auszulösen. Hier rächt sich, dass wir uns um das Bereinigen der Exzesse vor der Finanzkrise bis heute herumgedrückt haben.

CO2-Preis genügt nicht

Auch in anderer Hinsicht ist das Papier der BIZ ernüchternd. Während die meisten Ökonomen – ich zähle mich ausdrücklich dazu – in einem weltweit einheitlichen und steigenden CO2-Preis die ökonomisch beste Variante zur Reduktion des CO2-Ausstoßes sehen, befürchten die Experten der BIZ, dass dies nicht genügen wird.

Sie sprechen gar von einem „Marktversagen“. Zwar erwarten sie auch, dass Unternehmen und Haushalte bei einem CO2-Preis die richtigen Entscheidungen treffen, die den CO2-Ausstoß verringern. Doch dies genügt nach Auffassung der Experten nicht, die dafür zwei wesentliche Ursachen sehen:

  • Dieser Ansatz wird zwar seit Jahrzehnten diskutiert, aber gehandelt wird nicht in ausreichendem Umfang. Die Regierungen haben schlichtweg darin versagt, entsprechende Preise durchzusetzen. (Was ich allerdings nicht „Marktversagen“, sondern „Politikversagen“ nennen würde). Aufgrund dieses Versäumnisses steigt die Gefahr von Klimaereignissen mit entsprechenden Verlusten.
  • Die Unsicherheit ist für Unternehmen und Haushalte so groß, dass sie die Szenarien nicht bewerten können. Deshalb trifft die nötige tief greifende Änderung auf Widerstand und die Kosten einer Verhaltensänderung für den Einzelnen stehen letztlich einem abstrakten und unsicheren Nutzen für die Weltbevölkerung gegenüber. Folge: Es passiert nichts.

Aus diesem Grunde kommt die BIZ zu der Schlussfolgerung, dass es ohne stärkere staatliche Einmischung nicht geht. So sollten die Staaten durch mehr Investitionen in die Infrastruktur den Umstieg auf alternative Technologien fördern.

Bevor unsere eher interventionistischen Politiker in Berlin sich jetzt bestärkt sehen, erlaube ich mir den Hinweis, dass wohl niemand ernsthaft das deutsche Vorgehen beim Thema Klimaschutz als Vorbild ansehen kann. Im Irrglauben, es besser zu wissen als die Märkte, hat unsere Politik in den letzten Jahren Milliarden in eine Energiewende gesteckt, ohne einen positiven Effekt für das Klima zu erzielen. Als Beispiel mag die Förderung der Photovoltaik dienen, die bisher 82 Milliarden gekostet hat, ungefähr zu einer Einsparung von zwei Prozent des hiesigen CO2-Ausstoßes beiträgt und zum Aufbau einer Photovoltaik-Industrie in China geführt hat. Wenn wir so weitermachen, kostet es 4.000 Milliarden Euro, um klimaneutral zu werden. Wenn schon staatliche Hilfe, dann bitte intelligent.

Intelligent wäre beispielsweise – wie es auch die BIZ vorschlägt –, Grundlagenforschung, Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und private Investitionen zu fördern. Was genau dann gemacht wird, sollte aber der Markt entscheiden und nicht Politiker oder Bürokraten.

Geld- und Fiskalpolitik Hand in Hand?

Damit stellt sich die Frage nach der Finanzierung dieses gigantischen Umbaus. Ein Problem vor dem nicht nur Ursula von der Leyen steht, die zwar eine Billion versprochen, aber noch nicht aufgetrieben hat.

Hier kommt die BIZ mit einem für diese Institution doch sehr überraschenden Gedanken um die Ecke: Es wäre nötig, über eine engere Abstimmung von Geld- und Fiskalpolitik nachzudenken. Klartext: Die BIZ sieht ausdrücklich den Weg, über den ich in meinem Beitrag am Montag nachgedacht habe.

Dabei spielt es keine Rolle, dass die Statuten der Notenbanken den Kampf gegen den Klimawandel nicht beinhalten. Die EZB hat offiziell nur ein Ziel: Preisstabilität. Die BIZ zeigt sich da flexibel. Schon in der Vergangenheit hätte sich das Mandat der Notenbanken je nach Umständen flexibel entwickelt und in der Finanzkrise wäre es ja auch nicht um Preisstabilität, sondern um Systemrettung gegangen. Vorschläge für „grüne Geldpolitik“ wären demnach nur ein Erweitern der Verantwortlichkeiten der Notenbanken.

Die Autoren verweisen auf die „schnell wachsende Literatur“, die eine bessere Koordination von Geld- und Fiskalpolitik fordert. Vor allem aus den USA kommen Stimmen, die einen „Green New Deal“ vorschlagen und die direkte Finanzierung des Staates ausdrücklich fordern. Führende Vertreterin ist Stephanie Kelton, die in der „Modern Monetary Theory“ (MMT) die Lösung aller Probleme sieht. Diese ist weder „monetär“ noch „modern“, da es letztlich um höhere Staatsausgaben über die Notenpresse geht – ein schon in der Weimarer Republik bekanntes Vorgehen. Dennoch findet sie zunehmend Gehör bei Politikern, die nicht nur angesichts der finanziellen Herausforderungen des Klimawandels, sondern auch der oft leeren Kassen, zu gern nach neuen Geldquellen suchen. Die BIZ sieht die Risiken und betont: „(…) numerous experiments in the history of hyperinflation in advanced economies and mostly in developing countries show that, while outright default in a country’s own central bank currency might be avoided, the value of domestic assets including money could be reduced to almost zero.”  

Ganz so weit sollen die Notenbanken demnach nicht gehen. Doch könnten sie durch anhaltend billiges Geld sicherstellen, dass die Zinsen unter der nominalen Wachstumsrate liegen, was nicht nur die bestehenden Schulden stabilisiert, sondern es auch erlaubt, sich immer höher zu verschulden. Statt der direkten Finanzierung also die Garantie, dass die Zinsen nie mehr steigen und wenn nötig, wieder gesenkt werden, sollte das Wachstum weiter zurückgehen. Letztlich ist es nichts anderes als die direkte Staatsfinanzierung über Umwegen. Der Unterschied zum offenen MMT liegt darin, dass die Notenbanken entscheiden, wie viel Geld sie zur Verfügung stellen und nicht die Politik. Ein wohl nur theoretischer Unterschied, steht die Unabhängigkeit der Notenbanken doch schon länger und nicht nur durch Donald Trump in Frage.

Ganz nebenbei könnte – so die BIZ – der Kampf gegen den Klimawandel dabei helfen, das andere „Rätsel“ in den Industrieländern zu lösen: das geringe Wachstum und die geringe Inflation trotz deutlich gesunkener Arbeitslosigkeit. Gelingt es, Wachstum und Inflation durch den Kampf gegen den Klimawandel nach oben zu bringen, wäre das allemal besser als andere Versuche, die auf mehr Konsum der privaten Haushalte setzen, so die BIZ. Genau die Doppelstrategie, die sich für Europa bereits abzeichnet, wie ich am Montag darlegte.

Damit ist die BIZ die letzte der namhaften Institutionen nach IWF, OECD und Weltbank, die das Tor aufmacht zum großen monetären Endspiel. Ausgang: offen.

Kommentare (29) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    foxxly sagte:

    ……. die maßnahmen gegen den klimawandel, sind in aller erster linie ein deutsches ideologisches und politisches problem. insofern bricht deutsche wirtschaft zusammen, aber davon nicht die weltwirtschaft. im gegenteil, von diesen deutschen wahnsinn profitiert die welt.
    nun, verstärken sich die probleme weltweit durch corona, klimawandel, wohlstandswanderungen und die hoch ausgereizte, rationalisierte wirtschaft, welche an seine wachstumsgrenzen gelangt ist, vorallen durch den implizierten „ur“-zins. das exponentielle wachstum lässt sich in dieser wachstumsgeschwindigkeit nicht ewig fortsetzen.
    das problem ist das kreditgeldsystem! bei mehrjährigen wirtschaftsabschwung, gepaart mit den wachstumsgrenzen und corona etc. wird eine implosion unvermeidlich sein. besonders, weil mit den rettungsmaßnahmen enorm viel neues kapital in die wirtschaft gepumpt wird, welches anschließend einen noch viel höheren zinsanspruch nachzieht, bei verringerter nachfrage an konsumgütern etc., höhere arbeitslosigkeit mit dann einer sozialistischen agierenden politik. nun, die politik wird dann in eine diktatur übergen, was die lage am ende noch schlimmer macht.gerade die corona-plandemie (sie ist nicht der auslöser der fehlerhaften entwicklung) macht deutlich und beschleunigt, dass unternehmen pleite gehen werden und die arbeitslosenzahlen steil ansteigen werden. damit werden viele finanzierungen schlagend, für unternehmen und private. die spirale der unlösbaren probleme beschleunigt sich bis die fliehkräfte alles zerfetzen. krieg, oder kriegs-ähnliche zustände werden viel zerstören, – und anschließend beginnt wieder der wiederaufbau. und die hauptursache für diese dramatische entwicklung ist, dass wir und dem kreditgeldsystem auf gedeih und verderb ausgeliefert haben. dieses system ist klarer weise ein elite- macht system, dass die untergebenen noch dazu freiwillig unterstützen.
    mein lösungsansatz u.a.: es darf nur soviel neues geld gedruckt werden, so viel wie das wirtschaftswachstum ist und muss dann den bürgern zinslos zur verfügung gestellt werde. dazu muss es obergrenzen in einkommen und vermögen geben. banken dürften kein eigeninteressen am gelde haben dürfen.

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    Thomas M. sagte:

    Marktversagen ist so ein Mode-Wörtchen… Der Markt liefert fleißig alles vom Konsumenten Bestellte (z.B. Smartphones, Hi-Speed-Internet) oder auch von der Politik Bestellte (z.B. Solaranlagen, Windkraftwerke). Insofern handelt es sich um Konsumenten- und Politik-Versagen. Die haben einfach die letzten 4 Jahrzehnte* lang keine CO2-Reduktion bzw. CO2-freie Maschinen bestellt.

    Letztlich liegt Medienversagen vor. Denn die hatten es die letzten Jahrzehnte nicht geschafft, die Konsumenten und Politiker beim wichtigen Thema Klima auf die richtige Spur zu setzen. Und das auch noch global inklusive Schwellenländer.

    Mein Modell:
    Medienversagen -> Konsumenten- und Politikversagen -> Marktversagen

    *Ich datiere mal salopp 4 Jahrezehnte, weil ich just ein SF-Buch von Anfang 1980 gelesen hab, in dem die Klimakatastrophe als Zukunftsszenario skizziert war. Da schien es also schon verfügbares Wissen / Hypothese zu sein. Wir hatten damals thematisch sauren Regen mit kaputten Wälder und umgekippte Seen in der Schule. Waren also gedanklich noch sehr lokal unterwegs.

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      Richard Ott sagte:

      @Thomas M.

      „Letztlich liegt Medienversagen vor. Denn die hatten es die letzten Jahrzehnte nicht geschafft, die Konsumenten und Politiker beim wichtigen Thema Klima auf die richtige Spur zu setzen. Und das auch noch global inklusive Schwellenländer.“

      Medienversagen? Die Medien, inklusive der sozialen Medien, sind schon lange nicht mehr der Wahrheit verpflichtet, sondern sie betreiben Propaganda im Sinne einer Agenda, die ihnen von anderen vorgegeben wird. Schauen Sie sich an, wie die Berichterstattung über die Korruption in der Familie Biden von Facebook und Twitter zensiert wird, dann wissen sie, wem die Medien freundlich gesinnt sind und wem feindlich.

      „Ich datiere mal salopp 4 Jahrezehnte, weil ich just ein SF-Buch von Anfang 1980 gelesen hab, in dem die Klimakatastrophe als Zukunftsszenario skizziert war. Da schien es also schon verfügbares Wissen / Hypothese zu sein.“

      Orson Welles hat 1938 die berühmte Science-Fiction-Romanvorlage „Krieg der Welten“ von 1898 über eine Alien-Invasion auf der Erde als Hörspiel umgesetzt. Folgt daraus etwa, dass es damals schon „verfügbares Wissen“ war, dass es Außerirdische gibt?

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Thomas M.

      ERKLÄRUNGEN für Veränderungen müssen auf WIRKMECHANISMEN verweisen, wenn sie substanziell beachtlich sein sollen.

      Man muss aber aufpassen, auf was man sich dabei einlässt.

      Mitunter gibt es Ereignisse, die ursächlich geradezu ZWINGEND sind, etwa der Fall des Eisernen Vorhangs, der EXTERNE Schocks auslöste u. a. auf dem Arbeitsmarkt, bei den Investitionen und der Nachfrage.

      Ein ENDOGENER Schock hingegen war die Schaffung des Euro.

      NORMALERWEISE ist es eine ÄNDERUNG der Systemparameter und/oder der Systemkonfiguration, die durch MEHRERES bedingt sind, sich über LÄNGERE Zeit dahinzieht und bezüglich der EFFEKTE irgendwann die KRITISCHE Masse erlangen, um in den MITTELPUNKT der Aufmerksamkeit, der REAKTIONEN und politischen MASSNAHMEN zu rücken.

      Dann, aber erst DANN, stehen sie im MITTELPUNKT dem medialen MAINSTREAMS.

      Das trifft m. A. n. auf die Globalisierung zu.

      Daher nutze ich gern „Megatrends“ als Begriff für derartige Entwicklungen.

      Demnach ist Medienversagen KEINE Ursache, durch die irgendetwas losgetreten wird.

      Ich weiß, ehrlich gesagt, auch nicht, WAS Medienversagen sein soll.

      Medien WIDERSPIEGELN gesellschaftliche INTERESSEN durch Akteure, die sogenannten Medienschaffenden, die wiederum durch INTERESSEN geprägt wurden bzw. sich ihnen verpflichtet fühlen (durch die Erziehung, in den Hochschulen, von den Parteien und deren charismatische Figuren, wie etwa W. Brandt etc.)

      Meine Vermutung ist, dass Sie von heute ZURÜCK in die Vergangenheit blicken und sich sagen:

      Wenn damals die Medien ANDERS thematisiert hätten, dann wäre wir heute bei einer anderen KLIMATHEMATIK – auch bezüglich unseres WOLLENS und HANDELNS.

      Das ist zwar richtig, blendet aber aus, dass die Medien damals NICHT anders hätten thematisieren können, OHNE als Medien zumindest Relevanz verloren zu haben oder unbeachtlich geworden zu sein.

      Derartige Verluste wollte niemand.

      ANDERES war DAMALS wichtiger als das Klima und daher BEACHTLICHER.

      HEUTE ist MAINSTREAM-medial ANDERES wichtiger als z. B. der demografische Wandel.

      Wenn MORGEN die Rentenfinanzierung MAINSTREAM-medial wichtig ist, dann blendet sie wiederum ANDERES aus – sagen wir einfach mal eine sich am Horizont abzeichnende dramatische inflationäre Entwicklung.

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      Alexander sagte:

      @Thomas M.

      Medienversagen nur in Hinsicht bürgerlichen Vertrauens darin, dass man bedingungslos der Wahrheit folgt, d.h. das inoffizielle Versprechen als vierte Gewalt im Staat erfüllt wird.

      Die Geschichte der Medien lehrt etwas anderes, als es uns die Erziehung zu freiheitlichen Demokraten an Medienkritik erlaubt.

      Medien sind über die vermittelte Realität als „Meinungsschaffende“ die Legalisierungswerkzeuge unserer Massendemokratien.
      Sie sind so unabhängig wie die Zentralbanken oder Gerichte und natürlich wie Abgeordnete einzig ihrem Gewissen verpflichtet. Damit sind die Medien ein Teil unserer freiheitlichen Demokratie, die von massenhaftem Vertrauen lebt.

      Half die New York Times … Stalin den Holdomor an 7.000.000 Ukrainern zu vertuschen, weil man das Sowjetmodell für die USA wünschte? https://youtu.be/-o7VoM1jlOs
      Im Zweifel war es der Kommentar eines Mitarbeiters und stellt nicht die Meinung des Verlages dar: de.wikipedia.org/wiki/Walter_Duranty

      „Fool me once, shame on you.
      Fool me twice, shame on me. “

      Welcher vernichtende Kraft von Nachrichten ausgeht, wenn ihr Wahrheitsgehalt nur eine Sicht der Dinge darstellt – wage ich bei dem Projekt Decarbonisierung/Co² Neutralität einer Verbrennungsgesellschaft nicht zu erfragen….

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      Thomas M. sagte:

      Oops. Da ist mein Humor / Seitenhieb nicht rübergekommen. In erster Linie wollte ich den Vorwurf des Marktversagens ins Lächerliche ziehen, indem ich ein auf die Schnelle ebenso plausibles Modell bastele, was mit den Finger auf die drei Parteien zeigt, die gerne vom Marktversagen sprechen und sich dabei ausblenden.

      @Hr. Ott: Ihr Vergleich hinkt. Der SF war von einem Wissenschaftler geschrieben und ich hab daraus lediglich abgeleitet, dass es das Thema globale Erwärmung schon zu dem Zeitpunkt gab, weil ich keine Primärquellen recherchiert hab. Damit ist nicht gesagt, dass es Klimaerwärmung gibt oder nicht gibt, aber zumindest die Möglichkeit war bekannt und man konnte sich damit beschäftigen. Das Gleiche trifft auf die Aliens zu. Nur vermute ich mal, gab es Anfang der 80er schon mehr wissenschaftliche Publikationen zum Klima als zu Orwells Zeiten zu Marsianern ;)

      @Hr. Tischer: Das von mir beschriebene Medienversagen ist das Analogon zum Marktversagen. Wenn man von Marktversagen spricht, wenn der Markt nicht in die Zukunft blickt und Folgeschäden mit einkalkuliert, dann kann man mit der gleichen Einfachheit von Medienversagen sprechen, da die Medien uns nicht rechtzeitig alarmiert haben. War mit Sarkasmus gemeint.

      Mal wieder ernsthaft: Zum einen ist es in der Tat der klassische Rückschaufehler, wie sie es beschrieben. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

      Markt- / Medienversagen sind subjektive Bewertungen basierend auf Präferenzen. Andere Präferenzen, andere Klassifikation, wann und wie stark einer oder etwas versagt. Ich bin mir recht sicher, dass nicht wenige sagen würden? Marktversagen? Wieso, läuft doch dufte für mich.

      Interessanter ist da schon die Frage, ob denn der Beschuldigte überhaupt hätte liefern können, wenn man ihm Versagen attestiert.

      Mir gefällt folgendes aus dem römischen Recht ausgesprochen gut: „ultra posse nemo obligatur“ – niemand wird über sein Können hinaus verpflichtet. Meint den Grundsatz, dass eine Verpflichtung zu einer Leistung, die unmöglich ist, nicht bestehen kann.

      Ich würde sowohl Markt als auch Medien in Bezug auf globale Erwärmung „ultra posse nemo obligatur“ zugestehen.

      Die Medien liefern, was die Leser lesen wollen. Der Markt liefert, was Konsumenten kaufen wollen. Im Falle der Medien haben wir zumindest noch Autoren, die auch was anderes schreiben könnten – wenn man sie denn lässt. Im Falle des Marktes gibt es noch nicht einmal etwas / einen Handelnden; es handelt sich um einen Mechanismus, der nix wollen kann. Insofern kann man ihm also auch keine Schuld geben, dass er die Zukunft nicht berücksichtigt.

      @Alexander: Hmmm… Ich denke wir können getrost festhalten, dass zumindest eine Menge Medien regelmäßig darin versagen, neutrale Informationen bereitzustellen. Ihr historischer Verweis zeigt: Nichts Neues unter der Sonne. Wie Mark Twain schon sagte (oder auch vielleicht nicht): If You Don’t Read the Newspaper You Are Uninformed, If You Do Read the Newspaper You Are Misinformed.

      Tja, am Ende müsste man eine Menge lesen und sich einarbeiten, um eine balanciert Meinung zu bilden. Realistisch kann man das nur für einen kleinen Ausschnitt der Realität leisten.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        Das war schon etwas hoch gehängter Humor.

        Aber was soll‘s, kein Drama.

        >Im Falle des Marktes gibt es noch nicht einmal etwas / einen Handelnden; es handelt sich um einen Mechanismus, der nix wollen kann.>

        Das ist so einfach zu begreifen, dass man darüber nicht einmal groß nachdenken muss.

        Dennoch:

        Wir werden immer wieder und überall hören, dass Marktversagen vorliege.

        Warum?

        Auch ganz einfach:

        Die Leute sind nicht so dumm, als dass sie darauf verzichten könnten, einen SCHULDIGEN präsentiert zu bekommen, dem angehängt werden kann, was nicht so läuft, wie man es gern hätte.

        Ist er benannt, können die als erforderlich angesehenen Maßnahmen ergriffen werden, selbst wenn sie heftig ausfallen.

        Bei „Marktversagen“:

        Das gesamte Wirtschaften auf den Kopf stellen.

        Derart „Schuld“ zu begründen, um die Legitimation für alternatives Handeln zu schaffen, ist auch ein Mechanismus.

        Wie wir gesehen haben, FUNKTIONIERT er unabhängig von Bildung, Medium oder Anlass.

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        Alexander sagte:

        @Thomas M.

        Wenn der Medienauftrag – Legitimation politischer Entscheidungen – ist, wie die Politik selbst nur durch „ihre Verfahren“ Legitimation zu schöpfen versucht (vgl. Luhmann, degruyter.com/view/journals/sosys/22/1-2/article-p331.xml ) dann hat der Wähler keinen Einfluss auf den Gang der Dinge.

        Dennoch haften Wähler für gespendete Legitimation, wie jeder Bundesbürger für die Verbrechen der beiden Weltkriege (u.a.) haftbar ist.

        Die demokratische Legitimation von Krieg ändert leider nichts am Verbrechen selbst einen Krieg zu führen. Unsere Sicht der Dinge ist weniger maßgeblich, als die Sicht derer deren Heimat durch Krieg/Sanktion/Intervention/… zerstört wird – besonders, dann wenn dieselbe Zielgruppe als Einwanderer nach demokratischer Legitimation willkommen sind. Missverständnisse wie jenes von gestern in Paris sind unausweichlich.

        In Sachen Klimawandel/Decarbonisierung/Co² Neutralität ist die demokratische Legitimation ebenso gegeben, durch mediale und politische Verfahren – wobei die Opfer der Entscheidungen wir selbst sind. Noch überwiegen die subventionierten Renditen, aber der Scheitelpunkt zum Abbau von Wohlstandreserven ist längst überwunden. Mit dem ersehnten Wachstumsende müssen die diversen Schneeballsysteme scheitern, auf deren Grundlage unsere Sozialsysteme zahlungsfähig waren.

        Anders als Sie haben afrikanische Freiheitskämpfer keine Hemmung Konsequenzen zu ziehen. Für jederman verständlich erklärt man „Bücher für Sünde“ und legitimiert sich für alles weitere – boko haram. https://www.achgut.com/artikel/boko_haram_buecher_sind_suende_und_nigerias_bruderkriegsindex

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        ruby sagte:

        Doch, gestern geschrieben

        @ Thomas M
        Inte3ressant, so wird der Spiegel mit Preflexionen zurückgezogen.
        Damit müßte es Versagungsmedien lauten, die in 40 Jahren entwertet sind.
        Und das alles innerhalb desselben Systemdrehpunktes, Demokratiesmehrheit : „Schaffen das Wir.“
        Gespiegelte Zentralbankenbilanzen in verschrumpfte negative Zehntrillionen mit Banken für nationale Zahlungsdifferenzen.
        Beim negativen Bevölkerungswachstumsideal wird in neue Dimensionen von Inräumen zurückgeschritten bis in den Poetischen Materialismus.
        Dort tauchen auch die fiktiven Buchstaben letztlich unter : Versprechenkaserne.

        Nur was können die Menschen ändern?

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        @Hr. Tischer: Ich hatte sofort ein schlechtes Gewissen, weil man einen Beitrag wie Ihren nicht mal eben in 5 Minuten schreibt (gehe ich zumindest einmal von aus).

        Zur Wiedergutmachung hatte ich ihn wiederholt gelesen und über die Beschreibungen und Argumente nachgedacht!

        >>Im Falle des Marktes gibt es noch nicht einmal etwas / einen Handelnden; es handelt sich um einen Mechanismus, der nix wollen kann.>
        >Das ist so einfach zu begreifen, dass man darüber nicht einmal groß nachdenken muss.

        Sollte man meinen, aber bei dem was ich so les, hab ich häufiger den Eindruck, dass der Markt personifiert wird. Und dann kann man es „ihm“ mal so richtig zeigen.

        Zum Stichwort „Sündenbock“. Früher mussten bestimmte Bevölkerungsgruppen aufgrund sozialem Stand, Nationalität, Religion herhalten. Da sind wir heute anscheinend weiter und können Abstraktes beschuldigen. Hat zumindest den Vorteil, dass es sich nicht wehren kann.

        Ich bin gespannt, wohin die Megatrends Immigration, Wirtschaftswende (Energie, ESG), Finanzierung (MMT) und neuerdings Hygienekultur führen. So richtige Aufbruchsstimmung kommt da bei mir nicht auf. (Obwohl schon, aber anders als vermutlich gewünscht ;-)

        @Alexander: Ich schätze, dass Leute wie Sie und ich sehr wohl Konsequenzen ziehen. Diese äußern sich teilweise subtil (Leistungsbegrenzung und Investitionen in die Zukunft sind solch Punkte) und schlummern teilweise als Handlungspotenzial. Letztlich sind Kulturen halt auch der Evolution unterworfen. Fehlendes Nationalbewusstsein / ein gestörtes Verhältnis zur Nation sind sicherlich keine Selektionsvorteile.

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        @Ruby: Ich kann Ihren Beitrag leider nur teil-decodieren…
        >Nur was können die Menschen ändern?
        Ich würde sagen: Wie immer: Adaptieren… Gestaltung der großen Dinge ist wenigen vorbehalten. Auch in Demokratien. Aber im Kleinen kann man sich durchschlagen.

      • Avatar
        ruby sagte:

        @ Thomas M
        „adaptieren“
        bedeutet anpassen, nur an etwas gegebenes.
        Es geht jedoch genau darum, wer oder was das Gegebene ist, wie es in Welt des Menschen herein kommt.
        Für „durchschlagen“ gilt selbiges auf persönlicher Ebene.
        Was aktuell stattfindet ist anderes, Medien – ďiese haben mit der Tatsache, daß sie Vorgefertigtes austragen/verkünden, ihre Funktion als Subsystem/Findungsdrehscheibe einer Gesellschaft verloren/abgegeben. Die kann ich nicht mehr konsumieren, daherdrin existiert keine Information mehr, Doktrinationen.
        Ich lese, höre, sehr, spreche woanders. Erst, wenn dortheraus eine neue Funktionalität sich entwickelt, kann diese zum Medium wiedererschaffen werden.
        Bundestag, ÖRRundfunk, Wirtschaftsunternehmen, Rechtswesen, Polizei/Militär alle erfüllen nicht mehr ihre Aufgaben. Es wurde bis zur untersten Subsistenz der Beendigungsmodus mechanisiert.
        Alexander denke ich beschreibt dieses Zerreissen der Kettenreaktionen am Weitesten blickend.
        Betrachtet man die Räumlichkeit als Handlungsaspekt, so ist folgerichtig, daß es keine Zentralität mehr zur Akzeptanz geben kann. Denn das ist die Kehrseite der Komplexitätsvernichtung durch Einzeltestung, für was auch immer, der Zerfall endet in Mikrokosmus eines Virus.
        Der Abpfiff ist verklungen.
        Und ganz ehrlich, ich gewinne dem keine Nachteile ab, weil der Kern oder das innere Wesen der Dinge, Aktionen/Akteure folgt offen und unmittelbar..
        Die Reisen gehen bis zu den Erfahrungswahrnehmungen der erste Situationen unseres Intellektes. Das werden grausame, einfache, natürliche Empfindungen werden.
        Wirklichkeitsignoranz in alle Richtungen gehört zu diesem durchschlagenden Überleben, denn das ist keine Inszenierung eines Schauspiels oder weiterer Trillionen Luftgeldes ohne Verwendungsrealität.
        Mein Kaffeeladen hat nur noch 3 von 7 Sorten aus Mittelamerika und Afrika geliefert bekommen und Weihnachten ist der Lagervorrat auf Null. Dann fahre ich nicht mehr dort hin, stelle auf heimische gesammelte Kräutertees um.
        Der theoretische Traum eines jedes Ökoaktivisten, die praktische Hölle des freien Marktwirtschafters.
        Die Ägypter hatten sieben Kornkammern zu unterhalten, um den vielen Gefahren zu trotzen, zeigte das Museum mit der Nofrete in Berlin in einer Sonderausstellung. Jede der sieben Kammern erfüllte eine notwendige Herrschaftsfunktion dieser Gesellschaftsstruktur. Mit aufgeschlossenen Augen für den Zustand der unserigen, kann jeder sein Urteil des Ist fällen.

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        @ruby: Danke für den Reply. Ich würd‘ die Dysfunktionalität nicht so 0-1 einstufen… in vielen Bereichen gibt’s Kratzer, Dellen und Teilausfälle, aber alles in allem ist die Fregatte Germania noch ganz gut unterwegs. Gefühlt mit Maschinenschaden in den Sonnenuntergang, aber hat noch Fahrt. Wenn’s im Supermarkt meinen Kaffee nicht mehr gibt, werde ich auch knüttrig das Ende proklammieren ;-)

  3. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Ich finde, dass das MUSTER des vor uns liegenden Geschehens relativ einfach zu verstehen ist:

    1) Die „physischen Risiken“ betreffen das Zerstörungspotenzial als FOLGE des Klimawandels und die daraufhin erforderliche Schadensminimierung großer Teile der Wirtschaft.

    2) Die „Übergangsrisiken“ betreffen das Zerstörungspotenzial durch die ABWEHR des Klimawandels mittels des Umbaus der gesamten Wirtschaft.

    1) TREIBT 2) bzw. 2) wird antizipatorisch VOR 1) GEZOGEN.

    Wie auch immer:

    BEIDE führen allein oder in praktizierter Kombination zu unübersehbaren REALWIRTSCHAFTLICHE Effekten, die heute m. A. n. noch nicht einmal annähernd erkennbar sind und von denen niemand weiß, ob sie beherrschbar sein werden.

    3) Die Effekte treffen UNMITTELBAR auf ein Finanzsystem, das bereits am Abgrund steht.

    Das Dramatische dabei:

    Die realwirtschaftlichen und finanzwirtschaftlichen Akteure sind sozusagen als OPFER des Geschehens NICHT in der Lage, KOMPENSATORISCH die Leistungen zu erbringen, die Stabilität versprechen würden.

    Dazu der BegründungsMYTHOS auf durchgehend ALLEN kommunikativen Ebenen wie heute schon eingeübt:

    Marktversagen.

    Nur FOLGERICHTIG:

    4) Der Staat MUSS die Aufgabe übernehmen.

    Das verlangt VOR allen möglichen Eingriffen in die Realwirtschaft:

    Er muss FINANZIEREN können.

    Das kann er in HINREICHENDEM Maß NUR mittels seiner Notenbank.

    Dies hieße bei LEGITIMER Vorgehensweise wie die BIZ verschämt UMSCHREIBT:

    >Schon in der Vergangenheit hätte sich das Mandat der Notenbanken je nach Umständen flexibel entwickelt und in der Finanzkrise wäre es ja auch nicht um Preisstabilität, sondern um Systemrettung gegangen. Vorschläge für „grüne Geldpolitik“ wären demnach nur ein Erweitern der Verantwortlichkeiten der Notenbanken.>

    Richtig, es geht um SYSTEMRETTUNG.

    Von der und für die EZB wird die dafür ERWEITERTE VERANTWORTLICHKEIT bereits GEFORDERT, wie Frau Schnabel verdeutlicht hat (siehe Thread vom 5.10. „Wie die EZB ihre Rolle im Klimaschutz begründet“), OHNE am Mandat etwas entwickeln zu wollen – was ja nur die dazu nicht fähige Politik tun könnte –, sondern durch ÜBERTRETUNG des bestehenden Mandats.

    Die Begrenzung der Staatsverschuldung ist DE FACTO bereits GEFALLEN und wird durch die Wahrnehmung von neuer Verantwortung durch die Notenbanken funktional gesichert ELIMINIERT.

    Siehe u. a. die heute bekannt gewordenen Zahlen zum VERSCHULDUNGSANSTIEG des Staatshaushalts der USA. Es besteht noch erhebliches Steigerungspotenzial, wenn es zu einer Biden-Regierung kommt. Siehe auch den am Blog besprochenen Policy-Wechsel der Fed.

    >Ganz nebenbei könnte – so die BIZ – der Kampf gegen den Klimawandel dabei helfen, das andere „Rätsel“ in den Industrieländern zu lösen: das geringe Wachstum und die geringe Inflation trotz deutlich gesunkener Arbeitslosigkeit.>

    Die BIZ träumt, wenn sie von „Lösung“ redet:

    Was oben mit 1) und 2) benannt wird und durch 4) kompensiert werden soll, löst KEIN Rätsel, sondern schafft – bestenfalls, wenn alles einigermaßen gut geht – NEUE Probleme:

    Es wird zukünftig starke INFLATIONSTENDENZEN geben, die vermutlich nicht nur auf einzelne Länder und Regionen begrenzt sein werden, weil ALLE Notenbanken im GLEICHSCHRITT agieren.

    Und nicht nur das:

    Sie agieren NICHT konjunkturell orientiert und damit zeitbegrenzt, sondern STRUKTURELL fixiert KONTINUIERLICH.

    Das wird in einer neuen, bisher unbekannten DIMENSION global Probleme schaffen, die tendenziell ZERSTÖRERISCH wirken – hoffentlich weitgehend friedlich.

    Ich sehe nicht, wie man der großen Linie nach zu einer grundlegend ANDEREN Auffassung bezüglich der uns bevorstehenden Entwicklungen kommen kann, wenn man unterstellt, das „Unfälle“ vermieden werden können und Schwarze Schwäne nicht auftreten.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „1) Die ‚physischen Risiken‘ betreffen das Zerstörungspotenzial als FOLGE des Klimawandels und die daraufhin erforderliche Schadensminimierung großer Teile der Wirtschaft.
      (…)
      Nur FOLGERICHTIG:

      4) Der Staat MUSS die Aufgabe übernehmen.“

      Was ist, wenn die hinter (1) steckende Annahme falsch ist und das angebliche Zerstörungspotential des „Klimawandels“ in Wirklichkeit kleiner ist als die Kosten für die durchgeführten Projekte zur Schadensminimierung?

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Die Annahme 1) kann NICHT falsch sein.

        Denn es wird immer nur so viel Schaden minimiert bzw. beseitigt, wie ENTSTANDEN ist.

        Auf was Sie vermutlich hinauswollen:

        Es mag sein, dass das Zerstörungspotenzial des Klimawandels deutlich geringer ist als vielfach angenommen, wenn man es am BESTAND des gesamten Sachkapitals und KONVEN-TIONELLER kompensatorischer Maßnahmen bemisst sowie – unwahrscheinlich zwar, aber einmal angenommen – es auch SO REALISTISCH bewerten würde statt es quasi zum Welt-untergang zu erklären.

        Dann würde – unterstellt – MEHR 2) erfolgen.

        Das ist jedenfalls nach heutiger Lage (wissenschaftliche Erkenntnisse, Klimakonferenzen mit verpflichtenden Zielvereinbarungen, öffentliche Diskussionen, Druck der Straße,) sowie dem bereits praktizierten HANDELN (Energiewende) sowie den ABSICHTSERKLÄRUNGEN von Regierungen und Parlamenten (nationale und EU-Ebene) sowie maßgebenden Institutionen (EZB und Gerichte) nach die ANNAHME.

        Zumindest für unser Land und auch die EU ist das ein Megatrend.

        Ich kann NICHTS anderes erkennen.

        Die PRAKTISCHEN Ausprägungen und demnach auch die Kombination zwischen 1) und 2) sind NICHT bestimmbar, genauso wenig wie das RETARDIERENE Moment, wenn die von Wohl-standsverlusten BETROFFENEN – sei es durch die Schäden des Klimawandels, sei es durch dessen Bekämpfung – WIDERSTAND leisten werden.

        3) und 4) stehen für mich außer Frage.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Die Annahme 1) kann NICHT falsch sein. Denn es wird immer nur so viel Schaden minimiert bzw. beseitigt, wie ENTSTANDEN ist.“

        Falsch. Die Beseitigung eines Schadens kann ein Vielfaches teurer sein als der Schaden selbst.

        Sie kennen das Konzept. Wenn das bei einem Unfallfahrzeug passiert ist, nennt man es „wirtschaftlichen Totalschaden“.

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        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        Bei gewissen Schäden spielt die ökonomische Dimension möglicherweise nicht die entscheidende Rolle.

        Oder glauben Sie, wenn es einen Beweis gäbe, dass man Manhattan im Jahr 2200 günstiger aufgeben kann als es zu schützen, wird das dann einfach gemacht? (nur als Beispiel).

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        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        „Oder glauben Sie, wenn es einen Beweis gäbe, dass man Manhattan im Jahr 2200 günstiger aufgeben kann als es zu schützen, wird das dann einfach gemacht? (nur als Beispiel)“

        Ja, klar. Das Mittelmeer ist voll von alten versunkenen Hafenanlagen, die gebaut wurden, als der Meeresspiegel niedriger war als heute.

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        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        Werden Sie immer ausfällig, wenn die Realität nicht mit Ihren grünnaiven Geld-Ausgabe-Wünschen übereinstimmt?

        Oder haben Sie heute nur einen schlechten Tag?

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        Sie haben den schlechten Tag.
        Der Unterschied zwischen Städten aus Zeiten, in denen zur Aufgabe der Siedung keine Alternative außer Ertrinken zur Verfügung stand und der Jetzt-Zeit, in der Alternativen dazu existieren, führt nirgendwo hin.

        Die Frage war, wie wohl HEUTIGE(!) Menschen mit Schutzmöglichkeiten sich entscheiden würden, wenn sie sicher wüssten, dass die Schutzkosten die Umsiedlungskosten übersteigen.

        Rein ökonomisch gedacht entscheiden sie sich für Umsiedlung – alldieweil: Genau das bezweifele ich erheblich.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        „Die Frage war, wie wohl HEUTIGE(!) Menschen mit Schutzmöglichkeiten sich entscheiden würden, wenn sie sicher wüssten, dass die Schutzkosten die Umsiedlungskosten übersteigen.

        Rein ökonomisch gedacht entscheiden sie sich für Umsiedlung – alldieweil: Genau das bezweifele ich erheblich.“

        Ach, die entscheiden sich bestimmt für „Schützen“, solange sie sicher sein können, dass irgendjemand anderes den Großteil der Kosten dafür trägt, finanziert zum Beispiel durch eine massive Erhöhung der Steuern auf Energie.

        Aber davon abgesehen?

        Schauen Sie sich New York an, derzeit eine der bedeutendsten Küstenstädte auf der Welt. Vor 400 Jahren exisitierte die Stadt noch nicht, es gab damals überhaupt nichts Wichtiges dort. Woher wollen Sie heute wissen, ob es in 200 Jahren noch einen guten Grund gibt, an diesem Ort zu leben? Langfristige Schutzmaßnahmen für New York lohnen sich aber nur, wenn Sie sich sicher sind, dass es an diesem Ort auch etwas gibt, das langfristig schützenswert ist.

        Die derzeitigen Einwohner von New York kehren der Stadt ganz schnell den Rücken, wenn dieser heute schon superteure Ort nicht mehr attraktiv genug zum Leben ist. Sie haben es dieses Jahr gesehen, ganz ohne Flutwellen. Es hat schon gereicht, dass die Restaurants und Geschäfte alle wegen Corona zumachen mussten oder nur noch sehr eingeschränkt öffnen durften, dazu noch ein paar „Black-Lives-Matter“-Randale und opportunistische Plünderungen – und schon ging die Landflucht der New Yorker los.

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    Rolf Peter sagte:

    Merkel: Wir machen eine Energiewende und reduzieren unseren CO2-Ausstoß um 80% bis 2050.
    BTO: Wir sind nur 2%! Die Chinesen sind schuld! Klimataliban!
    V. der Leyen: Wir machen eine europ. Lösung.
    BTO: Die Chinesen sind immer noch schuld! Die EU funktioniert nicht! Und überhaupt: wir brauchen eine weltweite Loesung.
    Schwab (Davosmann): Wir brauchen eine weltweite Lösung!
    BTO: Kreisch! Weltregierung! Demokratie abschaffen!
    Loriot: Bitte sagen Sie jetzt nichts!

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Wer Notenbanken Klimapolitik machen lassen will, kann auch Fischzüchter zur Fahrradproduktion verpflichten.

    Beides hängt einfach gar nicht miteinander zusammen. Das ist dann aber nicht die Schuld der Fischzüchter, wenn das zappelige Produkt keine Reifen hat…

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Ich glaube nicht, dass Ihre Analogie das VERHALTEN der Notenbanken trifft.

      Die Notenbanken betreiben keine Klimapolitik in dem Sinn, in dem sie bestimmen:

      DIESE Maßnahmen und NICHT jene sollen durchgesetzt werden.

      Bei uns ist das, grob gesagt, Sache nationaler Politik (Maßnahmen: „Klimapaket“, „Klimaprogramm“), der EU-Kommission („Mittelverteilung“) und des EU-Parlaments („ESG“)

      DARAUFHIN passen die Notenbanken m. A. n. ihre Geldpolitik an, was in erster Linie nach wie vor heißt:

      Die RISIKEN der Transformation in die „grüne Wirtschaft“ müssen BEHERRSCHBAR bleiben.

      Dazu die am Blog bereits verlinkte Rede von Frau Schnabel vom 28. Sept. 2020:

      https://www.ecb.europa.eu/press/key/date/2020/html/ecb.sp200928_1~268b0b672f.en.html

      Kurzum:

      Der Paradigmenwechsel der POLITIK zieht einen wirtschaftlicher Aktivitäten (Investitionen, Güterherstellung) und der Finanzierung (Kreditgewährung, Anleihen) NACH sich, den die EZB mit ihren Möglichkeiten der Geldpolitik unterstützt.

      Die Notenbanken BLEIBEN Institutionen für die Geldpolitik und ÄNDERN „lediglich“ die AUSRICHTUNG der Geldpolitik.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Dietmar Tischer:

        Vielen Dank für Ihren Einwand, den ich aber nicht teile. Ich glaube nicht, dass die Arbeitsteilung so funktionieren wird und die Notenbank bei der Beurteilung „grün oder nicht-grün“ außen vor bleiben kann, weil sie nur politische Beschlüsse ausführt. Die Komplexität solcher sozialistischen Planungsexperimente ziehen immer einen Bürokratieaufbau auf allen Seiten nach sich, weil die Komplexität des Marktes durch die Komplexität der Planung ersetzt werden muss. Zumindest wird es versucht werden.

        Ein Beispiel: Das Erneuerbare-Energiengesetz in der Fassung von 2017 hat 104 Paragraphen, der Vorgänger von 2000 kam noch mit einem Bruchteil aus. Dennoch hat die Energiewende ihre Ziele verfehlt. Und das gleiche wird auch bei allen anderen sozialistischen Regulierungsversuchen passieren, von der Verkehrs- bis eben zur Geldpolitik, die sich auch noch administrativ extrem ausweiten wird. Oder plakativ gesprochen: Mit einer Axt kann ich keine Uhr reparieren, da helfen dann auch zwölf Äxte nichts.

        Sehr schön können Sie das Ganze gerade bei den PKWs erleben. Während verbrennungsgetriebene Kleinwagen mit real niedrigen Benzinverbräuchen immer mehr zurückgedrängt werden, weil sie auf dem Papier abgastechnisch nicht gut aussehen, wachsen die Marktanteile von Hybrid-Fahrzeugen gerade massiv an, weil sie auf dem Papier sparsamer sind. Ist natürlich bodenloser Unsinn, wenn ein 240 PS starkes 2-Tonnenfahrzeug mit 40 km Stromreichweite faktisch überwiegend 10 Liter Sprit verbraucht, aber theoretisch günstiger fährt als ein 900 kg-Wagen mit reinem Verbrenner und 50 PS, der nur 5 Liter braucht. Aber auf dem Papier ist alles gut. Nur die Tankstellen machen komischerweise mehr statt weniger Umsatz und die CO2-Bilanz will immer noch nicht besser werden.

        Genauso wird es mit den „grünen“ Anleihen passieren. In allen Instanzen, von der EU-Kommision über die Finanzagentur des Bundes und der Bundesbank bis zur EZB werden sich Leute mit „grünen“ Anleihen beschäftigen. Und der Effekt auf die Umwelt wird Jahre später überhaupt nicht messbar sein. Weil die Finanzierungsvor- und nachteile im Vergleich zum Marktzins überhaupt niemand mehr vernünftig berechnen kann.

        Ich sehe nur eines voraus: Investitionsruinen, die mit grünen Anleihen finanziert sind, die der Staat aufgenommen hat und zum Nominalwert an die EZB verkauft, die diese wertlosen oder wertgeminderten Assets solange auf ihre Bücher nehmen kann, bis das Vertrauen in sie verschwunden sein wird. Dann wird der Exit aus dem Euro beginnen, so wie es aktuell die Türken mit der Lira erleben. Und dann besinnt sich Mitteleuropa eben auf die Marktwirtschaft zurück oder endet wieder in der Armut des Sozialismus, in der sich nur die Nomenklatura ostasiatische und US-amerikanische Luxusprodukte wird leisten können.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        Ich glaube, wir reden aneinander vorbei.
        Wir sind beide der Meinung, dass das, was veranstaltet wird, zu keinem guten Ende führt.

        Ich würde nur sagen:

        Das „Projekt“ wird mit einer sich gegenseitig unterstützenden ARBEITSTEILUNG betrieben.

        Heute die EZB-Chefin:

        https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ezb-lagarde-bringt-permanenten-aufbaufonds-ins-gespraech-17009084.html

        Es geht ihr – als CHEFIN der EZB – ALLEIN um die Finanzierung.

        Wie ANDERE das Geld verwenden, ist kein Thema, zu dem sie sich OFFFIZIELL äußern wird.

        Sie wird aber gewiss sagen:

        WENN es so oder so verwendet wird, erkennen wir da oder dort FINANZIELLE Risiken – und greifen gegebenenfalls auch ein.

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