„Der Giftcocktail“

Dieser Kommentar von mir erschien bei t-online.de:

Na, denken auch Sie darüber nach Bitcoins zu kaufen? Verdenken kann ich es Ihnen nicht, hört man doch überall von den phänomenalen Gewinnen, die in kurzer Zeit erzielt wurden. 10.000 Prozent in vier Jahren sind wirklich beeindruckend.

Die dahinter liegende Technologie ist interessant und könnte in der Tat unser Geldwesen und viele Geschäftsprozesse radikal verändern. Dennoch sollten Sie die Finger davon lassen. Niemand kann Ihnen sagen, was Bitcoins wirklich wert sind. Sie können morgen auf 100.000 Dollar steigen – aber genauso gut auf 100 Dollar fallen.

Die Bitcoin-Manie ist ein besonders deutliches Symptom für das, was falsch läuft an den Finanzmärkten. Denn nicht nur Bitcoins sind deutlich teurer geworden, fast alle Vermögenswerte sind es in den letzten Jahren: von Immobilien über Kunst bis zu den Aktienmärkten. Wohin man auch blickt, wird für Vermögenswerte so viel gezahlt, wie nur vor den großen Krisen an den Finanzmärkten wie 1929 und 2001. Alles ist „zur Perfektion“ bepreist. Nichts darf schiefgehen, droht sonst der große Knall.

Die Liste der Warnzeichen ist lang:

  • Die Anleger in den USA sind so stark investiert wie seit 30 Jahren nicht mehr.
  • Die Schwankungen an den Börsen sind so gering wie nur selten seit Beginn der Aufzeichnungen.
  • Zugleich spekulieren immer mehr Anleger auf einen weiteren Rückgang dieser Volatilität.
  • Die Unternehmen – vor allem in den USA – haben sich in den letzten Jahren stark verschuldet, vor allem, um Aktienrückkäufe und Übernahmen zu finanzieren.
  • Noch nie wurden so viele Aktien an der Wall Street auf Kredit gekauft wie heute.
  • Die Anleihen von hoch verschuldeten europäischen Unternehmen erbringen weniger Zinsen als zehnjährige US-Staatsanleihen.
  • Chronische Pleitekandidaten wie Argentinien können 100-jährige Anleihen ausgeben.

Egal, welchen Indikator man auch verwendet, die Märkte sind teuer. Nun warnt sogar die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die Notenbank der Notenbanken, vor der hohen Bewertung an den Märkten und der Sorglosigkeit der Anleger.

Der Grund für diese Entwicklung ist offensichtlich: Es ist die bis heute nicht bewältigte Finanz- und Eurokrise. Hohe Verschuldung führte zur Krise und diese haben wir mit noch mehr Schulden bekämpft. Mit immer billigerem Geld wurde der Schuldenturm vor dem Einsturz bewahrt. Dummerweise haben wir aber noch weitere Stockwerke oben draufgesetzt.

Damit sind wir gefangen in einer Politik tiefer Zinsen. Und genau dieses billige Geld dient allen Optimisten als Argument dafür, weiter in die Märkte einzusteigen. Sei es doch „alternativlos“. Nach dieser Logik ist fast jeder Preis für Immobilien und Aktien gerechtfertigt. Diese Überlegung ist allerdings nicht in sich konsistent. Tiefe Zinsen können dauerhaft nur in einem Umfeld Bestand haben, in dem es geringes Wirtschaftswachstum gibt. Wer also bei der Bewertung von Vermögenswerten den Abzinsungssatz senkt, muss zwingend auch die Erwartungen für künftiges Ertragswachstum reduzieren.

Wie weit wir von normalen Zinsen entfernt sind, zeigt das Beispiel Deutschland. Eigentlich müssten bei uns angesichts von Fast-Vollbeschäftigung und moderater Inflation die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen bei rund fünf Prozent liegen, nicht bei 0,5 Prozent.

Nun zeichnen sich für das kommende Jahr dennoch steigende Zinsen ab. Nicht, weil die Realwirtschaft so gut dasteht, sondern, um wieder Munition für geldpolitische Maßnahmen zu haben, wenn es das nächste Mal kriselt. Das könnte sich angesichts der oben genannten Faktoren als Killer für die Börsen und die hoch verschuldete Weltwirtschaft erweisen. Zehn der letzten 13 Phasen, in denen die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöht hat, führten zu einer Rezession. In drei Fällen kam es zu einer Krise in den Schwellenländern. Diesmal könnte beides die Folge sein, warnen doch Experten schon seit Langem vor der hohen US-Dollar-Verschuldung der Schwellenländer.

Dies würde die Weltwirtschaft und vor allem die Finanzmärkte hart treffen. Die Zinsen würden dann zusätzlich steigen, weil das Ausfallrisiko, das vom Markt derzeit konsequent verdrängt wird, prominent in das Bewusstsein rücken würde. Die Unternehmen kämen dann von mehreren Seiten unter Druck: höhere Finanzierungskosten, Verluste im eigenen Wertpapierportfolio – alleine die größten 30 US-Unternehmen haben 1200 Milliarden in Anleihen angelegt – und sinkende Gewinne. Ein Giftcocktail erster Ordnung für Aktien.

Natürlich werden die Notenbanken im Zuge der nächsten Krisenphase die Geldschleusen erneut und noch drastischer öffnen, vielleicht im Versuch, einen globalen Neustart zu ermöglichen. Davor muss die Krise – und damit die Panik an den Märkten – jedoch so offensichtlich sein, dass die Notenbanken einen Vorwand haben, so zu handeln. Setzen sie damit doch die eigene Existenz aufs Spiel.

Selbst ohne Einbruch sind in einer Welt, in der die meisten Assets hoch bewertet sind, nur noch magere Renditen möglich. Was die berechtigte Frage aufwirft: Soll man angesichts der beschränkten Chancen und des deutlichen Risikos überhaupt auf diesem Niveau noch mitspielen oder doch lieber Chips vom Tisch nehmen und die Cashquote erhöhen? Die Opportunitätskosten sind gering.

Das letzte Mal, als US-Aktien in der Summe der Indikatoren so hoch bewertet waren, war im Jahre 1997. Wer damals ausstieg, erkannte die Fehlbewertung zwar richtig, verpasste jedoch weitere zweieinhalb Jahre Aufschwung mit 60 Prozent Kursgewinn. Dass es innerhalb von 20 Jahren zweimal zu einer historischen Blase kommt, ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Darauf setzen würde ich nicht.

→ t-online.de: „Der Giftcocktail“, 6. Dezember 2017

23 Kommentare
  1. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    Ich sehe kurzfristig noch keine Probleme, aber langfristig. Noch ist der wesentliche Treiber aktiv auf Zusatzverschuldung gepolt:
    http://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/Kreditflut-in-China-verstaerkt-sich-2017-bringt-neuen-Rekord-1010940333
    Ich zitiere daraus: „Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt voraus, dass die Verschuldung Chinas bis 2022 auf 300 Prozent des Bruttoinlandproduktes steigen kann. 2016 waren es 242 Prozent.“
    Im nächsten Jahrzehnt aber wird das Ganze m.E. mathematisch irgendwann weltweit zu einer problematischen Situation führen, wohl so ca. um das Jahr 2025 herum plus minus einiger Jahre.

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      Johannes sagte:

      „…wohl so ca. um das Jahr 2025 herum plus minus einiger Jahre.“

      An anderer Stelle hier im Forum wurde anhand eines externe Beitrags das Jahr 2022 für das Eintreten einer „problematischen Situation“ (netter Euphemismus) genannt. Inzwischen scheinen die Prognosen, was diese problematische Situation anbetrifft auf diese Zeit +/- hin zu konvergieren. Das gilt natürlich nur, solange
      a) kein „Unfall“ eintritt
      b) keine neuen „Rettungs-Instrumente“ ge- oder erfunden werden und zum EInsatz kommen (müssen)

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    Michael Stöcker sagte:

    Ehrliche Worte eines Bankers:

    „Ohne die staatlichen Rettungsmaßnahmen hätten die oberen fünf Prozent der Bevölkerung sehr viel Geld verloren. Und die hat man gerettet, weil man Angst hatte, dass die anderen 95 Prozent dann ihre Arbeitsplätze verlieren. Auf diese Weise hat man aber die Reichen reicher gemacht, und an diesem Problem kranken wir bis heute, weil es den moralischen Impetus der Marktwirtschaft unglaubwürdig gemacht hat. Dadurch entsteht diese latente Unzufriedenheit mit den Eliten in der westlichen Welt.“ http://www.fnp.de/nachrichten/wirtschaft/Die-Ursachen-der-Finanzkrise-und-die-Lehren-daraus;art686,2849752

    LG Michael Stöcker

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      Dietmar Tischer sagte:

      >Ohne die staatlichen Rettungsmaßnahmen hätten die oberen fünf Prozent der Bevölkerung sehr viel Geld verloren. Und die hat man gerettet, weil man Angst hatte, dass die anderen 95 Prozent dann ihre Arbeitsplätze verlieren.>

      Das ist Käse.

      Vernünftige Politiker und seriöse Ökonom glauben nicht ernsthaft, dass man die 5% retten muss, damit die 95% ihre Arbeitsplätze nicht verlieren.

      Man muss vielmehr das SYSTEM retten, damit die 95 % nicht Ihre Arbeitsplätze verlieren.

      Allerdings sind die 5% per Kopf mit erheblich mehr Vermögen im System beteiligt als die 95%.

      Richtig ist es so:

      WEIL man Angst hat, dass die 95% und nicht die 5% eine Gesellschaft auf den Kopf stellen können, wurde die Politik verfolgt, die wir erlebt haben und immer noch erleben:

      Nachfrage schaffen durch immer mehr Verschuldung.

      Denn NUR Nachfrage erhält und schafft Arbeitsplätze.

      Eine FOLGE war, dass die oberen 5% reicher wurden.

      Wir kranken an diesem Lauf der Dinge.

      Wir kranken hauptsächlich daran, dass die Perspektiven für die 95% nicht mehr so sind, wie sie einmal für deren Eltern waren.

      Der zunehmende Reichtum der 5% lindert natürlich die Krankheit nicht, ist aber auch nicht das große Übel, das per se die Gesellschaft auf den Kopf stellt.

      Und vor allem:

      Mit dem Reichtum der 5 % kann man nicht die Krankheit HEILEN.

      Man kann sie lindern, in dem man Anreize setzt, den Reichtum HIERZULANDE zu investieren statt anderswo.

      Solange anderswo durch billige Arbeit eine höhere Rendite als mit unserer teureren Arbeit erwirtschaftet werden kann, muss die Attraktivität für Investitionen hierzulande die HÖHERE QUALIFIKATION der Arbeitskräfte sein.

      Sie zu erreichen ist allerdings sehr schwierig in einer sich anderswo immer mehr qualifizierenden Welt.

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        SB sagte:

        @DT:

        „Sie zu erreichen ist allerdings sehr schwierig in einer sich anderswo immer mehr qualifizierenden Welt.“

        Sträflich ist, dass die hiesige Politik den Vorsprung in der Qualifikation der eigenen Bevölkerung ganz bewusst durch gezielte Zerstörung des vormals sehr leistungsfähigen Bildungssystems – im Wege verschiedenster Maßnahmen – zunichte gemacht hat und immer noch zunichte macht (ich denke, das ist unstreitig). Es muss keine Anpassung nach unten geben (sie ist keine Gesetzmäßigkeit), aber sie ist politisch gewollt. Das es anders geht, zeigen die Länder, die im Bildungsstandard stark aufstrebend sind oder D sogar schon überholt haben. Wir haben schlicht keine vernünftigen Politiker, die mit Verstand für diejenigen arbeiten, die sie gewählt haben. Und das ist auch in Sachen Qualifikation der entscheidende Wettbewerbsnachteil, denn die Politik in den bildungstechnisch aufstrebenden Ländern handhaben das ganz offenbar anders.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Ich weiß nicht, was Sie mit „selbst zu diesem Fazit gekommen meinen“, gehe aber davon aus, dass Sie folgende Aussage meinen und Erbschaften den 5% zurechnen:

        >„Mit dem Reichtum der 5 % kann man nicht die Krankheit HEILEN.
        Man kann sie lindern, in dem man Anreize setzt, den Reichtum HIERZULANDE zu investieren statt anderswo.

        Es erben nicht nur die 5%, sondern in mehr oder weniger bescheidenem Umfang auch die 95%. Klar, dass kann man mit Freigrenzen beheben, wobei man einmal mehr bei der leidigen Gerechtigkeitsdebatte ist.

        Wie auch immer, ich bin kein großer Freund der Erbschaftssteuer.

        Dabei geht es mir nicht vorrangig um die Standardargumente dagegen wie:

        Hohe Kosten der Erhebung bei vergleichsweise geringen Mehreinnahmen des Staats, nochmalige Besteuerung sowie Gefährdung der Arbeitsplätze.

        Mir geht es darum, dass der GLEICHHEITSGRUNDSATZ, den ich gesellschaftlich als „Möglichkeit für alle, ihre Fähigkeiten zu entwickeln“ ansehe und nicht durch „gleiche Startbedingungen für alle“ ersetzt sehen will.

        Das ist systemwidrig.

        Im Kapitalismus sind der Besitz von und Einkommen durch Kapital sowie das Risiko, es zu verlieren, ebenso LEGITIM wie Arbeit einzusetzen und sie zu verlieren.

        Das macht u. a. sein Innovationsvermögen für Wohlstandsgewinnung aus.

        Speziell M. Stöcker betreffend:

        Ich habe mich in der Vergangenheit auch bezüglich der Erbschaftssteuer gegen ihn gewandt, weil er diesbezüglich ein Rosinenpicker ist: Es ging um J. S. Mill, der für die Erbschaftssteuer war und ihm dadurch einen liberalen Anstrich erlaubt, wobei allerdings andere Aspekte seines Liberalismus nicht in gleicher Weise gewürdigt wurden. Zum anderen halte ich die vielfach vertretene Auffassung für falsch, dass die Gesellschaft den Zusammenhalt verliert, wenn nicht MEHR umverteilt wird.

        Dennoch bin ich auch für Umverteilung, weil ich glaube, dass die Gesellschaft sich OHNE sie, d. h. ohne ein Minimum von Umverteilung – was immer das ist – schwerwiegend destabilisieren würde.

        Ein Minimum statt immer mehr: Das ist ein anderes Ziel für die Rechtfertigung von Umverteilung.

        Für DIESES Ziel würde ich auch die Erbschaftssteuer in Betracht ziehen, wenn es keine anderen, besseren Lösungen gäbe.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Unter „gleiche Startbedingungen für alle“ verstehe ich das gesellschaftlich anzustrebende Ideal „gleiche materielle Ausstattung und mit gleichem Aufwand entwickelte Fähigkeiten“, sagen wir als Einstieg ins Erwerbsleben.

        Das führte in der Tat zu von mir nicht gewollter Instabilität, weil es mit einem Ressourcen-Transfer verbunden wäre, der m. A. n. kontraproduktiv für die Schaffung von Wohlstand ist. Zu viele müssten ungewollt etwas abgeben und es nicht mehr als lohnend ansehen, Wohlstand zu erreichen. Die Empfänger wiederum wären tendenziell der Mühe enthoben, vorrangig durch Erfahrung und Umsicht zu Wohlstand zu gelangen.

        Unter „Möglichkeit für alle, ihre Fähigkeiten zu entwickeln“ verstehe ich einen Ansatz, der zwar materielle Ungleichheit akzeptiert, aber dennoch Chancen bietet, ihr im Wettbewerb mit anderen zu entgehen – durch eigene Anstrengungen aufgrund erworbener und eingesetzter Fähigkeiten.

        Das sollte die Stabilität der Gesellschaft erhöhen.

        Wenn aber eine Gesellschaft bereits in der Verfassung ist, dass sie diesen Ansatz als DESTABILISIEREND ansieht, dann ist ihr aus meiner Sicht in einem globalen kapitalistischen System nicht mehr zu helfen.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Das stimmt m.E. so nicht. Herr Dr. Stelter äußert sich dazu in früheren Beiträgen mehrfach glasklar, nämlich mit dem „ewigen Portfolio“: ein Viertel Gold, ein Viertel Aktien, ein Viertel Immobilien, ein Viertel Cash. Allerdings international in Qualität gestreut. Wenn Sie es konkretisieren wollen, würde ich das aktuell so interpretieren: Schweizer Franken oder norwegische Krone als Cash, niedrig bewertete japanische Aktien mit stabilem cash flow und Preissetzungsmacht, Gold physisch in sicheren Ländern mit hohem Respekt vor Privateigentum wie z.B. Singapur, erneut Schweiz oder Australien, Immobilien in politisch und demografisch sicheren Regionen, also z.B. auch an ausgewählten Standorten in Europa und den USA, wobei das durchaus bei einem vernünftigen Mietenvervielfältiger eine Logistikhalle für den Onlinehandel in South Carolina sein kann und nicht die gehypte überteuerte Wohnung am New Yorker Central Park oder in Münchena am Herzogpark. Im Gegenzug Finger weg von Bitcoin und langlaufenden Anleihen in Währungen mit „expansiver“ Geldpolitik.

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        Contumax sagte:

        Es fällt nicht schwer, Ihnen und Dr. Stelter zuzustimmen. Aktuell schwächelt mal wieder der Goldpreis; die sich darin ausdrückende, überwiegende Mißachtung des atavistischen Metalls scheint mir ein guter Kontraindikator zu sein.
        Das mutmaßliche Platzen von Blasen datieren zu wollen ist aussichtlos, zumindest aber riskant; es wird auch nicht darum gehen etwas zu gewinnen, sondern die unvermeidlichen Vermögensschäden erträglich zu gestalten. Die Risiken sind Legion.

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        Jacques Picard sagte:

        Ich würde das nicht so eng sehen.
        Gerade physisches Gold in akzeptablen Mengen in Singapur lagern ist auch für Vermögendere kein Ding der Leichtigkeit. Falls sie da Tipps haben, geben sie dir gerne weiter. Ich bevorzuge aktuell lieber Xetra Gold da es günstig und liquide ist.
        Immos würde ich überhaupt nicht in Betracht ziehen, da auch hier hohe Kosten anfallen können.
        Im Aktienmarkt gibt es immernoch interessante Investitionsmöglichkeiten. Setzen Sie auf Unternehmen mit Makro Trend, dieses Jahr war Intel ein unglaubliches Schnäppchen. Nachdem Intel Mobileye geschluckt hatte, kriegt man nun durch Intel ein gut aufgestelltes Unternehmen für die nächsten 20 Jahre zu einem aktuell günstigen Preis. Es gibt auch noch genug andere defensive Titel mit denen Sie sicherlich deutlich günstiger und attraktiver fahren als mit Immobilien.

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        Ralph Klages sagte:

        Da gab es vor ein paar Jahren mal einen Dr.Stelter, der sagte: Glauben Sie keinen Tipps.
        Kann man nachlesen hier bei bto.

        Das grundlegende Problem bleibt: Geld wirft derzeit keine Rendite ab, von den Tischer- Kartoffeln und meinem Olivenöl mal abgesehen.

        Der Sparer – ich nenne ihn Anleger- wird betrogen um seine Zukunft(-sicherung).

        DAS ist zumindest ein Resümee meiner obigen Frage.
        Und niemand wehrt sich, @ Johannes vielleicht.

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      Carsten Pabst sagte:

      Hallo Herr Klages,
      eine Antwort hat Ihnen Herr Selig ja schon gegeben. Dem ist nicht viel hinzuzufügen was die Diversifikation des Vermögens angeht. Leider wird meiner Meinung nach in diesem Forum immer sehr materiell gedacht, was auf der einen Seite verständlich ist, da die Themen gerade dazu einladen. Aber ich denke, das Vermögen eines Menschen besteht nicht nur aus materiellen Dingen. Investieren Sie in Erinnerungen und Bildung. Eine Reise in ferne Länder, das Kennenlernen anderer Kulturen oder das Lernen einer neuen Sprache kann Ihnen kein Staat der Welt besteuern. Und wenn Ihnen Ihre Tochter/Sohn/Enkel an Weihnachten ein Lied auf dem Klavier vorspielt, finanziert durch Ihre jahrelangen Zahlungen des Unterrichts, haben Sie Alles richtig gemacht. Und sie werden feststellen, es war das Investment Ihres Lebens mit der höchsten Rendite. Da spreche ich aus Erfahrung.
      Freundliche Grüße und vielen Dank an die sehr guten Beiträge hier in diesem Forum.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Pabst: ein wichtiger Hinweis, denn das materielle ist m.E. nicht das wichtigste. Aber das sehen selbst manche Turbokapitalisten so, wie meinen Kollegen und mir Anfang der 90er André Kostolany, der Altmeister der Spekulation, persönlich erklärt hat: „Sie fragen mich nach dem besten Investment? Es gab und gibt zu allen Zeiten nur eines: die Erziehung bzw. Ausbildung Ihrer Kinder!“ Dem kann ich nichts hinzufügen.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Carsten Pabst + Wolfgang Selig

        Ich bin mit Ihnen einig, dass das vorrangige ZIEL die Erziehung und Ausbildung der Kinder sein muss.

        Aber können wir gesamtgesellschaftlich gesehen dafür so INVESTIEREN, wie es erforderlich wäre?

        Ich habe große Zweifel, wenn ich einfach nur mal das zur Kenntnis nehme:

        http://www.spiegel.de/politik/deutschland/leseschwache-schueler-die-neue-klassengesellschaft-a-1183282.html

        Wenn wir das, was hier dargelegt wird, konsequent zum Besseren ändern wollen, müssten wir nicht nur die Schulen aufrüsten, sondern die Eltern müssten sich FUNDAMENTAL umorientieren:

        Nicht mehr einen zweiten Job in der Familie haben und nicht mehr die Kinder in die Grippe und anschließend in ein überfordertes Schulsystem stecken, sondern sie müssten sich um sie intensiv kümmern. Denn Erziehung ganz sicher und Bildung zu einem erheblichen Teil ist meiner Erfahrung und meinem Verständnis nach ein MITEINANDER und FÜREINANDER, das nicht durch die Vermittlung von Wissen und Techniken zu ersetzen ist.

        Kurzum:

        Investition in die Kinder als das begreifen, was es ökonomisch notwendigerweise ist –

        KONSUMVERZICHT.

        Wo soll die Einstellung dafür herkommen?

        Individuelle Einsicht und Erkenntnis wie hier am Blog und auch anderswo gibt es sicherlich, ich sehe aber nicht wie sich daraus eine gesellschaftlich relevante kritische Masse entwickeln könnte.

        Selbst, wenn ich einmal unterstelle, dass zukünftig durch die Digitalisierung in der Gesellschaft weniger Arbeit gebraucht und entsprechend mehr Zeit zur Verfügung stünde für Erziehung und Ausbildung der Kinder, sehe ich das nicht anders:

        Die Medienverwahrlosung in der Gesellschaft erfährt meiner Beobachtung nach auf Basis der Digitalisierung einen derartigen Wachstumsschub, dass ich nicht erkennen kann, wie sich daraus eine Tendenz zu mehr Erziehung und Bildung bilden könnte.

        Selbstverständlich wird es auch in Zukunft eine gewisse Anzahl von gut erzogenen und gut gebildeten bzw. ausgebildeten Menschen geben.

        Nicht zuletzt auch zunehmender Komplexität wegen wird es aber eine große bis sehr große Anzahl junger Menschen geben, die Ihrer kindlichen I like-Mentalität nicht entwöhnt werden und mit dieser durchs ganze Leben gehen – und so auch wiederum ihre Kinder durchs Leben zu schicken.

        Zugegeben, ich habe die Latte hoch gelegt.

        Aber sie muss auch hoch liegen – gerade auf diesem Feld ist QUALITÄT durch nichts zu ersetzen.

  3. Avatar
    Carsten Pabst sagte:

    @Wolfgang Selig
    Hallo Herr Selig, vielen Dank für die Rückantwort. Ich muss schon gestehen, ich bin schon etwas neidisch auf Sie, das Sie Herrn Kostalany persönlich getroffen haben. Auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön an Sie und @Dietmar Tischer für die immer wieder sehr lesenswerten und zum nachdenken anregenten Beiträge. Immer wieder ein Freude, ihre Einträge zu lesen. Und an @Herrn Tischer: Sie haben vollkommen Recht, Investitionen in Kinder bedeutet Konsumverzicht. Und den Willen zum Konsumverzicht kann ich gesellschaftlich auch nicht erkennen. Aber, und da spricht der Optimist aus mir, wird die kommende Krise vielleicht ein umdenken innerhalb der Gesellschaft erbringen/erzwingen. Denn dann werden die Brötchen sprichwörtlich sehr klein gebacken und man wird sich hoffentlich wieder Dingen zuwenden, die wichtiger sind: Gemeinschaft und Gemeinwohl, Disziplin und Pflichtbewußtsein, Familie anstatt Selbstoptimierung… um nur einige zu nennen. Aber vielleicht ist das auch nur ein Wunschdenken meinerseits.
    Auf diesem Weg wünsche ich Ihnen, Herr Tischer und Herr Selig, Herrn Stelter und allen Foristen eine besinnliche Adventszeit und ich freue mich schon auf interessante Artikel und Einträge auf dieser Seite im nächsten Jahr.

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Carsten Pabst

      Danke für die freundlichen, anerkennenden Worte.

      Auch ich wünsche Ihnen sowie Herrn Dr. Stelter, allen Lesern und aktiven Foristen eine besinnliche, Einsichten fördernde Adventszeit.

      > … der Optimist aus mir, wird die kommende Krise vielleicht ein umdenken innerhalb der Gesellschaft erbringen/erzwingen.>

      Eine Krise wird ein Umdenken, treffender: einen Mentalitätswandel bewirken.

      Ich bin sicher, weil ich eine Krise miterlebt habe – die unmittelbare Zeit nach dem 2. Weltkrieg.

      Da ist vieles schief gelaufen, gerade auch in der Kindererziehung.

      Aber es war eine Ernsthaftigkeit und ein Miteinander, das heute für mich nicht zu erkennen ist.

      Allerdings:

      Auf „Optimismus“ würde ich verzichten, weil die Zeit davor eine ungeheuerliche, alles umfassende Katastrophe war.

      Das durchaus Positive danach war teuer, für mein Verständnis zu teuer erkauft.

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