bto zu den Folgen der EZB-Politik zur Eurorettung im aktuellen Cicero

„Zehn Jahre geht das nun schon. What­ever it takes, hatte der Chef der Europäischen Zentralbank den Akteuren auf den Finanzmärkten zugerufen – er werde tun, was immer nötig sei, den unter schwerstem Druck stehenden Euro im Zuge der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite zu retten. Whatever it takes, das hieß am Ende: viel, sehr viel Geld. Vor allem das Geld der Sparer. Mario Draghis Niedrigzinspolitik, verbunden mit dem massiven Aufkauf von Staatsanleihen der EU-Krisenstaaten, ließ das Spargeld auf den Konten verschimmeln. Auf etwa 320 Milliarden Euro werden allein die Zinsverluste der deutschen Privatsparer veranschlagt, 600 Euro pro Jahr und Kopf der Bevölkerung.

Unser Titelautor Daniel Stelter nimmt den scheidenden EZB-Chef dennoch gegen Kritik in Schutz. Präziser: Er legt dar, dass der Italiener der Politik lediglich Zeit gekauft hat – die aber verplempert wurde. Draghi ist so gesehen der Vampir, der für andere Blut saugt. Denn eine Politik, so Stelter, die Schulden durch billiges Geld weniger gewaltig macht, sei zwingend eine Politik zulasten der Sparer. An die Stelle des großen Knalles, also des Crashs, trete die schleichende Enteignung der Sparer.“ – bto: so die Einführung des Chefredakteurs des Cicero in meine aktuelle Titelgeschichte für das Heft, dem die Redaktion ein besonders schönes Cover gegönnt hat.

Quelle: CiceroOktober 2018

Der Artikel selbst wird nicht bei bto erscheinen. Er findet sich nur im Heft oder im zahlungspflichtigen Bereich von Cicero.de. Dennoch an dieser Stelle der Hinweis auf den Beitrag, mit einer für bto-Leser bekannten Argumentation.

→ cicero.de: „Graf Draghila“, 25. September 2018

 

26 Kommentare
  1. Michael Stöcker sagte:

    „Denn eine Politik, so Stelter, die Schulden durch billiges Geld weniger gewaltig macht, sei ‚zwingend eine Politik zulasten der Sparer‘.“

    Das ist so nicht richtig. Die Sparer können ja nur so viel sparen, WEIL sich andere verschulden. Würde sich keiner verschulden, dann könnte auch keiner sparen. Und die Geschichte von der Konsumverzichtsprämie ist halt eins: Eine nette Story, die in Zeiten knapper Ressourcen durchaus ihre Berechtigung hat, in einer Überflussgesellschaft aber jede Daseinsberechtigung verloren hat.

    Oder um mit Keynes zu sprechen, was passiert, wenn der Staat nicht auf die gestiegenen Ersparniswünsche reagiert:

    „Der Bestand an Kapital und das Niveau der Beschäftigung werden folglich schrumpfen müssen, bis das Gemeinwesen so verarmt ist, daß die Gesamtersparnis Null geworden ist, so daß die positive Ersparnis einiger Individuen oder Gruppen durch die negative Ersparnis anderer aufgehoben wird. In einer unseren Annahmen entsprechenden Gesellschaft muß das Gleichgewicht somit unter Verhältnissen des laissez-faire eine Lage einnehmen, in der die Beschäftigung niedrig genug und die Lebensbedingung genügend elend ist, um die Ersparnisse auf Null zu bringen.“

    Die negativen Zinsen passen übrigens perfekt in die österreichische Konjunktur- und Zinstheorie. Einer der wenigen deutschen Kapitalmarktexperten mit internationalem Renommee hatte dies klar und deutlich herausgearbeitet: https://zinsfehler.com/2016/06/22/kapitalismus-in-der-krise/

    LG Michael Stöcker

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  2. Michael Stöcker sagte:

    Off topic:

    Bislang waren mir nur zwei Personen aus dem linken Lager bekannt, die über ökonomischen Sachverstand verfügen, der weit über dem Parlamentsdurchschnitt liegt: Gregor Gysi und Sarah Wagenknecht. Eine echte Bereicherung für den Bundestag ist Fabio De Masi, der der irrlichternden AfD die Bedeutung der TARGET-Salden erläutert. Bis auf zwei kleinere/unbedeutende Ungenauigkeiten alles richtig erklärt: https://youtu.be/s6cpchPo4HA

    LG Michael Stöcker

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      • Christoph Naujoks sagte:

        Hallo Herr Stöcker

        vielen Dank für die Verlinkung. Zwei kleine Anmerkungen habe ich, die, wie mir scheinen, die Situation der Salden der lokalen Notenbanken in den USA mit denen in der EURO-Zone bzgl. der Target-Salden nicht oder nur begrenzt vergleichbar machen:

        1. Wenn ich mich recht erinnere, gleichen die lokalen Notenbanken in den USA die Salden regelmässig untereinander aus. Dabei werden sie Salden nicht vollkommen ausgeglichen, sondern nach einem gleitendem Durchschnitt der abgelaufenen Periode.
        2. Die lokalen Notenbanken in den USA haben ihre Edelmetallreserven an die FED übertragen. In der EURO-Zone müssten die nationalen Notenbanken ihre Goldreservern an die EZB übertragen, damit diese beiden Systeme vergleichbar wären.

        Ich will hier gar nicht an der Rede rumnörgeln…

        Vielleicht können Sie die Anmerkungen kommentieren?

        Freundliche Grüße

        Christoph Naujoks

      • Michael Stöcker sagte:

        „Vielleicht können Sie die Anmerkungen kommentieren?“

        Könnte ich, aber das hatte ja schon vor vier Monaten Gerald Braunberger gemacht und die fehlerhaften Ausführungen hierzu von Sinn und Wollmershäuser offen gelegt: http://blogs.faz.net/fazit/2018/06/25/verkanntes-vorbild-target-2-amerika-10073/. Wenn danach noch Fragen offen sind, dann gehe ich darauf gerne ein, sofern ich dazu etwas sagen kann.

        Aber statt auf die Goldmarie herein zu fallen, sollten wir doch wirklich besser den Vorsachlägen von Stelter/Schick/Masi et al. folgen und mehr für Bildung und Infrastruktur tun.

        LG Michael Stöcker

      • Michael Stöcker sagte:

        Ungenau ist De Masi bei Minute 3:30, weil die deutschen Banken keine Kredite an Spanier vergeben haben, sondern diese sich in aller Regel bei ihren heimischen Banken verschuldet haben. Die deutschen Banken haben sodann bis 2008 die hieraus resultierenden Salden aus den LB-Ungleichgewichten über den Interbankenmarkt refinanziert. Refinanzierung und originäre Kreditvergabe sind aber zwei grundsätzlich unterschiedliche Sachverhalte.

        Und ab Minute 5:30 spricht er davon, dass die Bundesbank bilanzieren kann wie sie will. Das ist natürlich kompletter Unsinn; auch die Zentralbanken müssen sich an die geltenden Bilanzierungsregeln halten. Allerdings setzt er diese Aussage in den unmittelbaren Zusammenhang mit einem negativen Eigenkapital; und da hat er natürlich wieder völlig recht.

        LG Michael Stöcker

    • Christoph Naujoks sagte:

      Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen, Herr Stöcker!

      Bei ein paar Stellen der Rede tun sich mir Zweifel auf, vielleicht können Sie diese ins richtige Licht rücken, oder Wissenslücken füllen.
      1. bei Minute 3:05 sagt Herr De Masi „Target2 sagt nichts über Risiken aus“.
      Mein bisheriges Verständis ist, dass Target2-Salden kein Problem darstellen, solange kein Land die Euro-Zone verlässt. Verlässt ein Land die Euro-Zone, stellen die Target2-Salden Verbindlichkeiten der ZB des ausgetretenen Landes gegenüber der EZB dar. Sehen Sie das ähnlich? Wäre es demnach angemessen zu sagen, dass Herr De Masi hier übermässig verkürzt/geschönt die Situation dargestellt hat?
      2. bei Minute 5:19 sagt Herr de Masi (bezogen auf den Austritt eines Landes) „Target2-Salden bestehen weiter, entweder in EUR oder in einer neuen Währung. Das führt zu einem Wechselkursrisiko….“ wobei er nicht sagt, für wen.
      Folgende Ungereimtheit vermute/unterstelle ich hier: Tritt ein Land aus, blieben seine Verbindlichkeiten gegebüber der EZB resultierend aus den Target2-Salden in Euro denominiert. Das Wechselkursrisiko hätte das austretende Land zu tragen, nicht die EZB (letztere nur in Form von einer erhöhten Zahlungsausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners). Mir scheint es logisch falsch zu sein, dass es zu einem Wechsel der Währung der ausstehenden Verpflichtungen – zumal ohne Zustimmung des Gläubigers, der EZB – kommen (können) soll.

      Von diesen Details abgesehen: Ja, die Linke ist in ihren Analyse gut, besser als der Rest allemal. Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass alles nur Symptombekämfung ist, solange nicht genügend Menschen das Geldsystem verstanden haben. Zu ärgerlich, dass auch meine Uni den Geldschöpfungsprozess falsch gelehrt hat. Aber wo wären wir hingekommen, wenn die Studenten schon in der Einführungsvorlesung die Systemfrage gestellt hätten?

      Davon abgesehen möchte ich Sie ermutigen, Ihr Vorhaben Ihrer Version des „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ umzusetzen. Das ist einfach viel zu wichtig, um nicht in Endlosschleife wiederholt zu werden.

      HG

      Christoph Naujoks

      Antworten
  3. Alexander sagte:

    @ Würde sich keiner verschulden, dann könnte auch keiner sparen.

    Keynes war kein Mickey Mouse Ökonom.

    Niemand spart 100% seiner Einnahmen und Steuerzahlungen werden hauptsächlich konsumiert, durch den Schuldner der ersten Instanz – den Staat.

    Gespart wird nicht um des Sparens Willen, sondern um später größere Investitionen tätigen zu können. Aus moral hazard Gründen sind Ersparnisse (=Schulden anderer) zwingend erforderlich, wenn Greti und Pleti ins Immobiliengeschäft eintauchen.

    Die Ersparnis ist nicht das Problem der Zeit und war es nie. Das Problem ist die Rettung fauler Kredite und einem Ausfallrisiko nicht angemessen niedrige Zinsen. Auch auf diesem Weg kommen sinnlose Ersparnisse aus der Welt, aber das will niemand…

    „Fälschung und Lüge wird auch dann nicht Wahrheit, wenn Regierungssprecher sie wiederholen. „

    Antworten
    • Michael Stöcker sagte:

      „Die Ersparnis ist nicht das Problem der Zeit und war es nie.“

      Sofern es um reale Ersparnis geht: Völlig d’accord. Bei monetärer Ersparnis ist diese generalisierende Aussage falsch. Keynes hatte das verstanden (siehe Zitat oben).

      „Das Problem ist die Rettung fauler Kredite und einem Ausfallrisiko nicht angemessen niedrige Zinsen.“

      Das ist völlig richtig und hatte ich vor 5 Jahren wie folgt kommentiert:

      „Der Fehler liegt also nicht im Zins an sich begründet, sondern in der missbräuchlichen Verwendung eines zukünftigen Zinsertragsanteils für eine heutige Vertragsabschlusshonorierung (Abschlussprovision) und eben nicht für die Risikovorsorge für ein potenzielles Scheitern der Vertragserfüllung. Dummerweise wurden die hierfür notwendigen Rückstellungen nur unzureichend gebildet und stattdessen fiktive Gewinne als reale Dividenden, Boni, Provisionen und überhöhte Gehälter ausgezahlt. Mit seriöser Buchhaltung ehrbarer Kaufleute (daher mutierte der Bankier ja auch zum Banker) hat das alles nichts zu tun und es geht seit 2007 nur noch darum, wie die Finanzbranche ihr eigenes Versagen auf den Steuerzahler abwälzt. Ein gesellschaftspolitisches Desaster sondergleichen, das die freiheitlich demokratische Grundordnung unterminiert (FREIHEIT wird großgeschrieben, verantwortung klein). Und wenn dann auch noch der Bock zum Gärtner gemacht wird, muss sich keiner wundern, wenn der Gärtner eine finanzielle Haushaltswüste zurücklässt (hier ein weiterer Bock, der zum Gärtner gemacht wurde).“ https://zinsfehler.com/2013/08/21/zinsmythen/

      Wenn das Kind im Brunnen liegt, dann sollte man aber nicht auch noch hinterher springen. Die Links vor Ort zu den „Böcken/Gärtnern“ führen übrigens zu Ackermann und Asmussen.

      LG Michael Stöcker

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  4. Dietmar Tischer sagte:

    >Unser Titelautor Daniel Stelter nimmt den scheidenden EZB-Chef dennoch gegen Kritik in Schutz. Präziser: Er legt dar, dass der Italiener der Politik lediglich Zeit gekauft hat – die aber verplempert wurde.>

    Das ist richtig und nur zu verständlich.

    Denn nicht verplemperte Zeit hieße:

    Realwirtschaftliche Anpassungen auf Basis erleichterter Finanzierungsbedingungen durch die EZB.

    Diese waren nicht hinreichend durchsetzbar und sie werden es auch in Zukunft nicht sein.

    Übrigens: auch in Deutschland nicht.

    >An die Stelle des großen Knalles, also des Crashs, trete die schleichende Enteignung der Sparer.“>

    Das ist nur insoweit richtig, wie es den großen Knall – das Auseinanderfallen der Eurozone – dank der EZB nicht gegeben hat.

    Falsch ist, dass es anstatt die schleichende Enteignung der Sparer gegeben habe (während der Zeit bis heute, in der Draghi den großen Knall abwenden konnte).

    Wenn man unter Sparern das versteht, was gemeinhin verstanden wird, nämlich „Geldsparer“, also Menschen, die über Bankeinlagen verfügen, gilt:

    Aufgrund der Geldpolitik der EZB wurden ihre Ersparnisse zwar geringer als in normalen Zeiten verzinst, aber GLEICHZEITIG war die Inflation so gering, dass sie praktisch keine Kaufkrafteinbußen ihrer Geldersparnisse zu beklagen hatten.

    Sie hatten unterm Strich keine Verluste zu erleiden, wurden also auch nicht enteignet.

    Wenn man die EZB kritisieren will, muss man die Kritik anders begründen.

    Was in der Zukunft passiert ist offen.

    Antworten
    • Richard Ott sagte:

      „Aufgrund der Geldpolitik der EZB wurden ihre Ersparnisse zwar geringer als in normalen Zeiten verzinst, aber GLEICHZEITIG war die Inflation so gering, dass sie praktisch keine Kaufkrafteinbußen ihrer Geldersparnisse zu beklagen hatten. “

      Herr Tischer, so pauschal stimmt das nicht. Die Preise für Konsumgüter sind zwar annähernd gleich geblieben, aber die Preise für Immobilien, Aktien, Annuitäten und auch die Mieten sind durch die Geldpolitik der EZB und der anderen westlichen Zentralbanken deutlich gestiegen. Dort manifestierte sich „die Inflation“, vergessen Sie das nicht.

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich habe nur von den Geldsparern gesprochen und dem Effekt der Geldpolitik bezogen auf den Vorwurf, sie seien enteignet worden.

        Dass die Geldpolitik auch andere Effekte hat, bestreite ich nicht.

        Die Inflationierung der Sachwerte gehört dazu.

        Auch hier muss man genau hinschauen.

        Nehmen wir einen Geldsparer, der sich in der Zeit der Niedrigzinspolitik vom bis dahin Ersparten eine Immobilie kaufen will:

        Er kann sie aufgrund der Niedrigzinspolitik mit einem deutlich günstigeren Kredit finanzieren, d. h. der höhere Kaufpreis relativiert sich durch die niedrigeren Zinsen für die höhere Kreditsumme.

        Abgesehen davon, dass es auch hier nicht um Enteignung geht, kann von Schlechterstellung durch die Geldpolitik prinzipiell keine Rede sein.

        Kurzum:

        Man kann der Geldpolitik der EZB kritisch gegenüber stehen, sollte ihr aber nicht Dinge ankreiden, die es nicht gibt.

        Sie ist zwar ursächlich verantwortlich für die geringere Verzinsung auf dem Sparbuch, hat damit den Sparern aber nicht geschadet.

      • Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Es soll durchaus Sparer geben, die auf den Kauf von Immobilien oder ihre Altersversorgung hin sparen. Sie glauben also wirklich, dass ein deutscher Sparer, der auf ein Haus spart, nicht von der EZB-Politik teilweise enteignet wurde, weil er durch die derzeit niedrigen Zinsen mehr Schulden aufnehmen kann um sich ein teureres Haus auf Kredit kaufen zu können als wenn die Zinsen höher wären? Gilt das immer und uneingeschränkt?

        Was passiert wenn
        a) die Zinsbindung ausläuft und die Zinsen steigen während das Haus noch nicht abbezahlt ist
        oder b) die Nachfrage nach Immobilien in Deutschland steigt weil Sparer aus den Euroländern mit massiv überschuldetem Bankensektor versuchen, ihre Guthaben dadurch in Sicherheit zu bringen dass sie Immobilien in Deutschland dafür kaufen?

        Ich glaube, in beiden Fällen (B ist schon eingetreten, zusätzlich A ist zumindest ein mögliches Szenario) ist der deutsche Haus-Sparer durch die EZB-Politik deutlich schlechter gestellt als er es sonst wäre.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Es gilt natürlich nicht immer und uneingeschränkt.

        Es lassen sich immer Fälle finden oder u. U. eintretende konstruieren und als Gegenbeweis ins Feld führen.

        „Auslaufen der Zinsbindung“ und „Ausländer bringen Guthaben in Sicherheit“ sind Szenarien, die es gibt oder geben wird, aber eben auch solche, die nicht mehr der ursprünglichen Argumentationsbasis zuzurechnen sind.

        Die Argumentation bezog sich auf die GELPOLITIK der EZB und nicht darauf, mit welcher Zinsbindung eine Immobilie finanziert wird und auch nicht darauf, was geschieht, wenn Menschen aus anderen Ländern ihr Geld in Deutschland in Sicherheit bringen.

        Selbstverständlich kann jemand dadurch Verluste erleiden.

        Es sind aber nicht Verluste, die er durch die Geldpolitik der EZB erleidet, sondern dadurch, dass er sein und andere ihr Geld auf eine BESTIMMTE Weise eingesetzt hat.

        Die Geldpolitik der EZB ist nicht verantwortlich dafür, dass Menschen Immobilien kaufen.

      • Richard Ott sagte:

        Das Argument kann ich einfach umdrehen und zurückspielen. Dann wird daraus:

        „Es sind Verluste, die der Sparer durch die Geldpolitik der EZB erleidet, und zwar dadurch, dass er sein und andere ihr Geld nicht auf eine BESTIMMTE Weise eingesetzt haben.“

        Was ist mit dem Annuitäten-Beispiel, das ich gebracht habe? Da ist doch unstreitig, dass sich ein Sparer, der sich für einen Fixbetrag eine jährliche Rentenzahlung kauft um sein Langlebigkeitsrisiko abzusichern, durch die EZB-Politik deutlich schlechter gestellt wird, oder?

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Sie drehen das Argument nicht um, sondern formulieren eine Aussage von mir um.

        Meine Aussage, auf die Sie sich beziehen, bedeutet, dass MENSCHEN auf der Basis der EZB-Geldpolitik Verluste erleiden können, wenn sie auf bestimmte Weise handeln.

        Was tun Sie mit der Umformulierung?

        Sie sagen nicht anderes.

        Insofern sind wir uns einig.

        Ich habe mit meiner Aussage lediglich darauf hinweisen wollen, dass es argumentativ – mit Blick auf die Aussage von Dr. Stelter – nicht darauf ankommt, ob auf Basis der EZB-Geldpolitik das HANDELN von MENSCHEN ihnen Verluste beschert oder nicht.

        Die EZB setzt mit der Geldpolitik BEDINGUNGEN, weist aber Menschen nicht an, wie sie daraufhin handeln SOLLTEN.

        Die EZB ist somit – ich wiederhole mich – nicht verantwortlich für die Gewinne oder Verluste, die mit deren Handeln verbunden sind.

        Dr. Stelter weiß das natürlich und behauptet daher auch nicht, dass Geldanleger, die bei gegebener Geldpolitik der EZB auf bestimmte Weise so oder so handeln, keine Verluste erleiden (können) bzw. Verluste erleiden müssen.

        Seine Auffassung ist:

        Die Geldpolitik der EZB enteignet schleichend die Sparer.

        Heißt:

        Alles ist, wie es ist – meine konkretisierende Annahme bezog sich auf den klassischen Fall von Bankeinlagen –, die EZB ändert die Geldpolitik zu einer Niedrigzinspolitik und (allein) DADURCH verringern sich die Bankeinlagen, was Enteignung ist.

        Richtig ist:

        Es verringert sich der nominale Zuwachs der Bankeinlagen, wenn aufgrund dieser Geldpolitik der EZB die Zinsgutschriften niedriger sind.

        Das ist streng genommen nicht Enteignung.

        Wenn man präzise sein will, spielt alles andere für die Beurteilung der Aussage von Dr. Stelter keine Rolle.

        Wenn man die Auffassung aufweicht und MEINT, dass etwas weniger Zuwachs an Zinsen eine Enteignung sei, kann man dem entgegnend darauf verweisen, dass die Inflation durch die Geldpolitik der EZB niedrig gehalten wird und somit ein kompensatorischer Effekt wiederum durch die EZB auftritt.

        Das habe ich mit meiner Kritik getan.

        Kurzum, bezüglich der Argumentation gilt IMMER:

        Es geht um die Geldpolitik der EZB und NUR um die Geldpolitik der EZB.

        Wer über etwas anderes diskutiert, diskutiert nicht mehr über die Aussage von Dr. Stelter.

      • Richard Ott sagte:

        „Meine Aussage, auf die Sie sich beziehen, bedeutet, dass MENSCHEN auf der Basis der EZB-Geldpolitik Verluste erleiden können, wenn sie auf bestimmte Weise handeln.“

        Herr Tischer, da sind wir uns noch einig. Aber dann geht der Dissens los.

        Die Bedingungen und damit auch die Anreize, die die EZB setzt, machen einen Teil der Aktivitäten, die wir noch vor kurzem als „sparen“ bezeichnet haben, unmöglich, weil automatisch verlustbringend. Sie würden wahrscheinlich argumentieren, dass auch unter der aktuellen EZB-Politik immer noch jemand auf einen kleinen Konsumgegenstand wie ein Handy oder einen Gebrauchtwagen sparen könnte und es deshalb kein Problem sei, dass Sparen zum Zweck der selbstverantwortlich organisierten Altersvorsorge oer zum Immobilienerwerb durch die Anreize der EZB immer unattraktiver bis unmöglich wird? Ein wohlfeiler Tausch, Sie gehen der „Enteignung“ (wir können auch „finanzielle Repression“ sagen, wenn Ihnen das besser gefällt) und geben dafür nur einen Teil Ihrer persönlichen Freiheit auf. Sie können das gerne machen, ich will es grundsätzlich nicht akzeptieren.

        Zum Thema „kompensatorische Effekte“: Wenn Sie sich den Chart von Inflation und Bundesanleihenzins (10-jährige Laufzeit, den nehme ich einfach mal als Beispiel für eine Anlagemöglichkeit mit sehr hoher Sicherheit) seit den 1990ern ansehen, dann werden Sie feststellen, dass ihr Kompensationseffekt viel kleiner ist, als Sie sich das vielleicht vorstellen. Seit 2016 liegt die Inflationsrate bei ungefähr 2% und die Verzinsung der 10-Jahres-Bundesanleihe bei ungefähr 0,4%. Das ist die Enteignung der Sparer, von der ich spreche, einen Kompensationseffekt gibt es seit 2016 nicht mehr.

        2011 bis 2014 waren Verzinsung und Inflation übrigens ungefähr gleich, und von der Wiedervereinigung bis 2011 war die Verzinsung immer höher als die Inflation, auch in allen Krisenzeiten.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich habe mit meinem letzten Satz im letzten Diskussionsbeitrag gesagt, dass es NUR um die Aussage von Dr. Stelter geht und demnach NUR um Enteignung mit Bezug auf die Geldpolitik der EZB.

        Sie machen mit „Anreizen“ „unmöglich“, „unattraktiv“ und „Freiheit aufgeben“ sowie mit Zeitperioden weiter, die nichts mit der EZB zu tun haben , weil es die noch nicht gab.

        Das können Sie, müssen es aber ohne mich tun.

        Ich bin an Klärung interessiert.

        Die kann es aber nicht geben, wenn wir – wie von Ihnen betrieben – von einem Thema zum anderen meandern.

      • Richard Ott sagte:

        Wenn Sie nur über die Zeitperiode sprechen wollen, in der die EZB existierte, dann halten Sie doch die linke Seite des Chart, den ich verlinkt habe, entsprechend zu.

        Schauen Sie sich den Chart an. Wo erkennen Sie seit 2011 und verschärft seit 2016 „Kompensationseffekte“ für niedrigere Zinsen durch angeblich niedrigere Inflation? Was ich sehe, ist eine Enteignung von Sparern durch negative Realrenditen.

        Ich halte es für ausgesprochen billig, um nicht zu sagen sophistisch, zu behaupten, Sparer würden nur deshalb nicht enteignet, weil sie ja auf den Kauf von Gegenständen sparen könnten, deren Preis nicht gestiegen ist.

  5. Alexander sagte:

    @ reale Ersparnis & monetäre Ersparnis

    Bei den Bankenrettungsaktionen, dem EFSF, hat niemand unterschieden welche Art „Erparnis“ gerrettet wird, man rettete auch kein Geld sondern die sich daraus ableitenden (debitistischen) „Machtstrukturen“ und nennt das Systemstabilität.

    Gerne werden solche Rettungsaktionen mit der Furcht vor „verarmten Gemeinwesen“ kombiniert, auch wenn nur wenige Punkte „upper class“ provitieren.

    Das war schon zu Zeiten von Keynes so, denn in UK mussten die Nachfrage von Rüstungsgütern nach dem Krieg ersetzt werden und die angesammelten Gewinne der Industriellen durften nicht Marktgesetzen preisgegeben werden. Keynes hatte auch seine Vorgesetzten, wie Draghi.

    Wir haben ein mehrstufiges Geldsystem, aber spätestens seit der Lehmann Kernschmelze macht keine Zentralbank mehr Unterschiede. Die Sicherheitsschleifen sind sämtlich GEBRÜCKT.

    Antworten
  6. Axel sagte:

    Ist das nicht so, daß bei steigenden Zinsen zwar das Ersparte besser verzinst wird, aber gleichzeitig auch die Staatsschulden steigen? Das hieße doch nur, daß ich zwar mehr auf dem Sparbuch habe, aber gleichzeitig, im selben Maßstab, die Staatsverschuldung pro Kopf steigt?
    Ich hätte genauso viel Mehr Geld auf dem Konto, wie ich ein Mehr an Verpflichtungen gegenüber dem Staat habe.
    Wenn Schulden nie mehr zurück gezahlt werden sollten, hab ich gut Lachen und kann das Verzinste ausgeben. Sollten die Bürger aber an „Ihren“ Schulden eines Tages wirklich direkt beteiligt werden, ist das mit den hohen und den niedrigen Zinsen doch eh ein Nullsummenspiel. Oder?

    Antworten
    • Alexander sagte:

      @ Wenn die Schulden nie mehr zurückbezahlt werden

      …hat das Geld seinen Wertaufbewahrungscharakter verloren. Dann ist das Guthaben auf dem Konto des kleinen Mannes zwar nicht weg, aber er kann seiner Frau nichts davon kaufen….oder wer würde dafür arbeiten gehen?

      Unser Geldsystem ist ein Nullsummenspiel, profitieren kann nur der Gewaltmonopolist. Nur der Staat kann mich dazu zwingen für schlechtes Geld zu arbeiten und meine frühere Leistung zugleich auf Null zurücksetzen.

      Damit Gewaltmonopole nicht gegen kleine Leute missbraucht werden, gibt es libertäre Barbaren, die nicht aufhören vor unendlicher Machtausdehung durch unendlichen Kredit für alles was Politik beliebt (*) zu warnen.

      (*) z.B. Krieg in Afghanistan, Syrien, Türkei, Irak, Lybien, Ukraine, Georgien, Tschetschenien, Jugoslawien, Somalia, Kuweit, Mali, Eritrea, Sierra Leaone, Panama, Vientnam, Korea…..

      Antworten
      • Wolfgang Selig sagte:

        @Alexander: ein Teil Ihrer Kriegsbeispiele ist sicher auch zu einem gewissen Teil auf Machtausdehnung durch unendlichen Kredit zurückzuführen (z.B. die Aggression der USA gegenüber Vietnam mit anschließend nötiger Aufhebung des Goldstandards), ein anderer Teil aber wohl eher nicht. Wenn Sie die Invasion der Sowjetunion nach Afghanistan 1979 ansehen, dürfte das Kreditexpansionsthema für Generalsekretär Breschnew relativ unwichtig gewesen sein. Historisch interessanter sind die neueren Kriege, die in großem Umfang auf einer Abkehr des Antipoden zu den USA vom US$ beruhen, z.B. bei Hr. Gaddafi in Libyen oder im Irak. Allerdings dürften da noch einige Informationen fehlen, um sich in Mitteleuropa als Normalbürger ein Gesamtbild machen zu können. Mir sind die libertären Barbaren grundsätzlich sympathisch, solange ein Land nicht schon den Karren in den Dreck gefahren hat; dann allerdings sind sie mir als Dogmatiker zu unflexibel.

        Um eine Analogie zu bemühen: Einem erwachsenen Nichtschwimmer, der ins Wasser gefallen ist und unterzugehen droht, werfe ich einen Rettungsring zu. Ich schreie ihn nicht an, dass er gefälligst wie alle anderen einen Schwimmkurs machen soll; so etwas mache ich erst, wenn er aus dem Wasser rausgezogen ist und sich ausgehustet hat…

      • Alexander sagte:

        @ Wolfgang Selig

        >Afghanistan 1979
        …was habe ich mich seinerzeit gefreut, als wir durch den „Spiegel“ erfuhren, dass die mudschaheddin endlich mit modernen stinger Luftabwehrsystemen ausgerüstet wurden um sich gegen die fliegenden Festungen der „p“ösen Russen zu „verteidigen“. Synchron konnten Vergnügunssüchtige in den Kinos durch „Rambo 3“ sehen, wie der Westen zum Krieg wird – für die gerechte Sache. Waffen finanziert durch freundlichen Unterstützung von Saudi Arabien, zufällig Sponsor vom ISIS, too.

        Wikipedia klärt auf, warum das britische empire überhaupt ein Interesse an seiner Kolonie Afghanistan hatte, vgl. „the great game“ welches sich 1:1 mit den Interessen von 1979 und ff. deckt. Zum „great game“ gehören auch die Opiumkriege gegen China aufgrund von Handelsbilanzdefiziten….

        Wie die Russen selbst ihr Afghanistandesaster bewerten, kann man in dieser Verfilmung sehen: https://www.youtube.com/watch?v=TFEICwGHHNw

        —-

        Ich möchte ihrer drastischen Darstellung vom Ertrinken widersprechen. Noch ist Zeit sich auf unserer Titanic um einen Rettungsring zu kümmern. Leider fällt ausgrenzen, diffamieren und lügen leichter als Verzicht, das einzige Heilmittel der Reaktionären. Weil die Zeit abläuft muss der Ton rau sein, sonst wird man geflissenlich überhört…wie ein Boeringer im Bundestag.

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