Bei der Inflation haben wir das Schlimmste hinter uns

Es gibt viele Theorien zur Inflation, die mehr oder weniger aussagekräftig sind. Manche Ökonomen sehen Inflation als Folge von Kostendruck. Steigen in der Lieferkette die Kosten, geben Unternehmen das weiter, bis sich der Effekt in der allgemeinen Preissteigerung niederschlägt.

Andere wiederum, vor allem die Keynesianer (Ökonomen, die die gesamtwirtschaftliche Nachfrage als die entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung ansehen) betonen Schwankungen in der Nachfrage und setzen auf deren Steuerung.

Wieder andere Ökonomen heben hervor, dass die Inflationsrate nicht richtig gemessen wird und vor allem die steigenden Preise bei Vermögenswerten – insbesondere Immobilien – in die Inflationsmessung einbezogen werden müssten. Und dann gibt es noch diejenigen, die der Globalisierung und Deglobalisierung und der Demografie eine wichtige Rolle zumessen.

Jede dieser Inflationstheorien hat in der Vergangenheit funktioniert, aber eben nicht immer. Das gilt auch für eine Theorie, die in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Einfluss verloren hat: den Monetarismus. Nach Vorstellungen des wirtschaftlichen Konzepts sorgt schon eine Ausweitung der Geldmenge durch eine expansive Finanzpolitik allein für Inflation. In modernen Theorien spielen die Erwartungen eine entscheidende Rolle.

Kritiker der Geldmengenlehre der Inflation betonen zu Recht, dass die Korrelation zwischen dem Wachstum der Geldmenge und der Inflationsrate in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen hat.

Inflation: Renaissance des Monetarismus

Dahinter stehen neben einem deutlichen Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes die Faktoren Globalisierung und Demografie und der Aspekt der deutlich gestiegenen Kreditvergabe zum Erwerb von Vermögenswerten. Die anderen Theorien waren einfach besser.

2020 dürfte das Jahr gewesen sein, in dem der Monetarismus zu einer Renaissance ansetzte. Wer auf die Entwicklung der breiten Geldmengen achtete, konnte sehen, dass die Inflation kräftiger und nachhaltiger zurückkehren würde.

In der Spitze wuchs die Geldmenge M2 in den USA mit einer Jahresrate von 27,5 Prozent. M2 beinhaltet das umlaufende Bargeld und die täglich fälligen Einlagen bei den Geschäftsbanken (M1) sowie Termineinlagen und Spareinlagen.

In der Euro-Zone war das M2-Wachstum mit 11,5 Prozent deutlich niedriger, aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie in den Jahren davor. Dieses Geld fachte die Nachfrage an, was in Kombination mit den Problemen auf der Angebotsseite zwangsläufig zu höherer Inflation führen musste.

Und wie geht es nun weiter? Schon seit Jahresanfang 2022 sind die Raten des Geldmengenwachstums deutlich gesunken. Das spricht dafür, dass die Inflationsraten schon bald ihren Höhepunkt erreichen und wir zu normalen Werten zurückkehren.

Natürlich gibt es wie bei jeder Prognose Risiken. Es kann länger dauern, bis der Geldüberhang abgebaut ist, es drohen weitere Angebotsschocks. Letztere dürften aber eher die Konjunktur gefährden, als dass sie der Inflation einen weiteren Schub geben.

Die Notenbanken, die die Grundlage für die Inflation gelegt haben, laufen Gefahr, eine Wirtschaft weiter zu bremsen, die sich ohnehin bereits im Abschwung befindet.

handelsblatt.com: “Bei der Inflation haben wir das Schlimmste hinter uns”, 20. Mai 2022

Kommentare (57) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. jobi
    jobi sagte:

    @M.Stöcker

    Zur BOJ schreiben Sie:
    Es „gelingt“ ihr nur deshalb, WEIL die langfristigen Zinsen durch den MARKT auf 50 Basispunkte taxiert werden. Auch hier nichts weiter als Illusionstheater.”

    Wenn es so wäre, wozu dient dann das Illusionstheater ?

    Solange ich mich erinnern kann, war der Yen bei abschwächendem globalen Wachstum immer besonders stark.
    Was hat sich also fundamental geändert, dass JPYUSD in 3 Monaten um 15% gefallen ist ?

    Für mich gibt es dazu nur eine schlüssige Erklärung: Die neuerdings divergierenden Notenbankpolitiken BOJ vs. Fed. Weil YCC den Marktkräften eine Anpassung über den Zins versperrt, suchen sie sich eben ein anderes Ventil.

    Die wirklich interessante Frage ist für mich aber nicht, welchen Anteil QE oder Psychologie an der Wirkung von Notenbankpolitik hat, sondern die Frage, wie lange die BOJ gegen die Marktkräfte agieren kann oder allgemeiner wie lange die Notenbanken das globale Geldsystem kontrollieren können, auch wenn sie es nie wirklich konnten.

    Antworten
    • jobi
      jobi sagte:

      @M.Stöcker

      Zu einem anderen kontroversen Thema Geldkreisläufe/Bankreserven:

      Es gibt eine Korrelation zwischen der Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes und der Reservehaltung im US-Bankensystem. Die war zuletzt sogar so stark, dass marktnahe Protagonisten der CoL bereits vom “Idiot’s guide for trading equities” sprechen.
      https://youtu.be/hPns3Ch6IZU?t=42

      Hierzu würde mich mal ernsthaft Ihre Meinung interessieren.

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ jobi

        Wie Sie selber schreiben: Korrelation! Auch ganz ohne QE wären die Zinsen dort, wo sie jetzt sind. Fallende Zinsen bewirken ein Rebalancing der Asset Klassen. Zudem: Steigende Assetpreise gab es schon lange vor QE. Und Japan ist nun gerade das Paradebeispiel, dass auch ganz ohne QE eine Assetblase entstanden ist, die 1989 platzte.

        Wie sagte Mervin King kürzlich so prägnant: „a failure of the economics profession”. Das Fatale dabei ist allerdings: King ist selber Teil dieser “profession“. Was nicht heißt, dass alles falsch ist, was er sagt. Im Gegenteil: Das meiste ist völlig korrekt; bis zu dem Punkt, bei dem es um QE und Inflation geht: https://youtu.be/B6Zb_AvxT8g

    • Michael Stöcker
      Michael Stöcker sagte:

      @ jobi

      „Wenn es so wäre, wozu dient dann das Illusionstheater ?“

      Es dient dazu den Glauben aufrecht zu erhalten, dass die ZBen tatsächlich den Zins und somit die Inflation steuern könnten. Das können sie aber nachweislich nicht. Sie können sich immer nur den Marktentwicklungen anpassen.

      „Was hat sich also fundamental geändert, dass JPYUSD in 3 Monaten um 15% gefallen ist ?“

      Meine Einschätzung hierzu: Insbesondere der Lockdown in China. Das japanische Finanzzentrum war ist und bleibt bis auf weiteres via London die Drehscheibe für den chinesischen Eurodollar Markt (mehr dazu bei Jeff Snider oder auch hier: https://asia.nikkei.com/Opinion/Japan-s-banks-suddenly-hold-huge-leverage-over-China-s-economy).

      Das chinesische Wachstum ist massiv gefährdet und somit auch die Forderungen der japanischen Großbanken. Das ist das ZUSÄTZLICHE japanische Risiko, das über das allgemeine global dollar shortage Problem hinausgeht und den Yen deutlich stärker getroffen hat als Euro et al. Mit YCC-Theater der BoJ oder den rate hikes der Fed hat das alles nichts zu tun. Dagegen spricht zusätzlich das deutlich angestiegene Inflationsdifferential, das durch die Zinserhöhungen nur teilweise kompensiert wurde.

      „Die wirklich interessante Frage ist für mich aber nicht, welchen Anteil QE oder Psychologie an der Wirkung von Notenbankpolitik hat, sondern die Frage, wie lange die BOJ gegen die Marktkräfte agieren kann oder allgemeiner wie lange die Notenbanken das globale Geldsystem kontrollieren können, auch wenn sie es nie wirklich konnten.“

      Die BoJ agiert nicht gegen die Marktkräfte, sondern vielmehr mit den Marktkräften. Da der größte Teil des (globalen) Geldsystems privater Natur ist, haben die ZBen hierauf aber keinen wirklichen Einfluss.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    @ Michael Stöcker

    >(@ DT: Sie müssen sich nicht wiederholen. Ich habe Ihre Einschätzung hierzu verstanden, teile sie aber nicht).>

    Es geht nicht um unterschiedliche Einschätzungen.

    Es kann durchaus sein, dass wir bei der Einschätzung des Angebots (Energieknappheit, Produktionsausfälle durch Riss von Lieferketten, etc.) BEIDE richtig liegen, wenn wir – was der Fall ist – für diese Inflationsfaktoren (ICH) oder Nicht-Inflationsfaktoren (SIE) in absehbarer Zeit einkehrende Normalität annehmen.

    Es geht vielmehr darum, ob sich Ihre Meinung, dass es keine Inflation gibt, so BEGRÜNDEN lässt, wie Sie sie begründen.

    Ich behaupte:

    Sie können NICHT sagen, i. e. begründen, dass man von Inflation nicht reden könne, weil in 1 -2 Jahren obige Einflussfaktoren auf der Angebotsseite verschwunden sind.

    Warum können Sie es nicht?

    Sie können es nicht, weil die Aussage darüber, WAS DER Fall IST (Inflation) oder NICHT IST (keine Inflation) – und zwar festgestellt als eine Preisänderung in der Vergangenheit, z. B. „von vor einem Jahr bis heute“ – NICHT von SACHVERHALTEN in der ZUKUNFT abhängen kann.

    Ihre Begründung, dass es sich bei den Angebotsfaktoren nur um „relative Preisänderungen“ handle, ist daher völlig IRRELEVANT – JEDER Begründung dafür wäre irrelevant und zwar auch dann, wenn der ausgedrückte Sachverhalt RICHTIG ist.

    Selbst wenn es so etwas wie ein Naturgesetz gäbe, dem zufolge mit absoluter Sicherheit die Angebotsfaktoren in 1 – 2 Jahren wieder bei der Normalität sind, ist Ihre Begründung irrelevant.

    Was zukünftig ist, kann NICHT darüber entscheiden, was in darauf bezogen, in der Vergangenheit der Fall war.

    Es gibt NUR ein EINZIGES Kriterium, an dem die Aussagen „IST Inflation“ bzw. „IST NICHT Inflation“ verifiziert werden können:

    Es ist die MESSUNG der Preise einer definierten Warenart und Warenmenge zu signifikant unterschiedlichen Zeitpunkten.

    Die Messungen der Preise der Güter und Dienstleistungen im Warenkorb ermöglichen es in einem year-to-year-Vergleich eine der beiden Aussagen zu verifizieren.

    Es gibt demnach Inflation oder es gibt keine.

    Und dies OHNE Begründung, warum es die Inflation gibt bzw. nicht gibt!

    Etwas ganz ANDERES ist es, aufgrund von Einschätzungen Aussagen über ZUKÜNFTIGE Sachverhalte, hier: Inflation oder nicht, abzugeben.

    Das ist, anders als bei ERFOLGTEN Messungen, PRINZIPIELL offen.

    Antworten
    • Christian Anders
      Christian Anders sagte:

      @DT

      Hm. Hmm… Hm!

      Ich bin mir sehr unsicher, ob ich eine Ihrer Aussagen richtig verstehe. So, wie ich sie verstehe, möchte ich Ihnen widersprechen. Das hat nichts damit zu tun, ob ich einer der beiden Position von MS oder Ihnen zuneige.

      Folgende Aussage:

      „Sie können NICHT sagen, i. e. begründen, dass man von Inflation nicht reden könne, weil in 1 -2 Jahren obige Einflussfaktoren auf der Angebotsseite verschwunden sind.“

      krankt m. M. n. Und zwar daran, dass Sie und MS sich immer noch nicht darauf geeinigt haben, ob Inflation jetzt jedwede Steigerung des VPI ist, oder doch anders aufgefasst werden muss.

      Als ich ihr Beispiel weiter unten aufgegriffen hatte, hatte ich per Gedankenexperiment eine Situation geschaffen, die das sehr schön illustriert. Konkret:

      Wir nehmen wegen Vereinfachung der Rechnung den hypothetischen Fall eines Jahres, in dem alle Monate identisches Preisniveau hatten und betrachten nun das Folgejahr:
      Falls in diesem Folgejahr durch eine EINMALIGE Preissteigerung eines wichtigen Rohprodukts wie bspw. Energie der VPI insgesamt im Januar um x% steigt und sich ferner diese Preisänderung NICHT zurückbildet, sehen wir 12 Monate lang eine Inflation von +x%. JEDEN Monat.
      Kommt dann der nächste Januar und die Preissteigerung hat sich immer noch nicht zurückgebildet, fällt die Inflation wieder auf 0%. Obwohl die gesteigerten Preise konserviert wurden.

      Das ist per Definition wegen unseres Rechenansatzes so, Monatssteigerungen immer auf dieselben Vorjahresmonate zu beziehen.

      Das heißt logisch, dass uns etwas Einmaliges, dass ICH (als persönliche Meinung) durchaus als „bloße“ Relativpreisänderung auffassen würde, 12 mal Monatsinflation bescheren kann. Alle hyperventilieren und nach 12 Monaten scheint der Spuk komplett vorbei, obwohl sich schon seit einem Jahr nichts geändert hat.

      Ich bin mir sehr unsicher, ob man DAS als sinnvollen Rahmen nutzen kann, um Inflation anzugeben. Ein stabiles Vorjahr und schon macht einem ein einzelner exogener Schock 12 Monatsinflationen. Oder 52 Wocheninflationen. Oder… das ist irgendwann nicht mehr seriös vermittelbar.

      Ich hatte Inflation immer als eine SICH FORTSETZENDE positive Preisänderung verstanden – etwas, dass sie als Monatsinflation angegeben aber wegen unserer Berechnungsmethode nicht sein muss.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Ich versuche es aufzulösen:

        >Folgende Aussage:

        „Sie können NICHT sagen, i. e. begründen, dass man von Inflation nicht reden könne, weil in 1 -2 Jahren obige Einflussfaktoren auf der Angebotsseite verschwunden sind.“

        krankt m. M. n. Und zwar daran, dass Sie und MS sich immer noch nicht darauf geeinigt haben, ob Inflation jetzt jedwede Steigerung des VPI ist, oder doch anders aufgefasst werden muss.>

        Es ist nicht „Inflation“ als BEGRIFF, d. h. ein Wort mit einem Konzept dahinter, etwa auf die Verursachung abhebend, was ich in diesem Kontext meine.

        Ersetzen Sie „Inflation“ mit „gemessene Preissteigerungen“.

        Es ist dann ein SACHVERHALT, von dem man reden kann, weil er empirisch ermittelt wurde – oder es ist eben keiner, wenn keine Preissteigerungen gemessen wurden. Dann redet man auch nicht darüber.

        Dem wird M. Stöcker zustimmen können.

        Wenn wir uns einig sind, WAS wir messen – den FIXIERTEN Warenkorb −, dann ist die Frage:

        WIE messen wir (natürlich nicht verstanden, welches Preisschild muss man in welchem Laden ablesen)?

        Ihr hypothetischer Fall:

        >Falls in diesem Folgejahr durch eine EINMALIGE Preissteigerung eines wichtigen Rohprodukts wie bspw. Energie der VPI insgesamt im Januar um x% steigt und sich ferner diese Preisänderung NICHT zurückbildet, sehen wir 12 Monate lang eine Inflation von +x%. JEDEN Monat.>

        Wir messen (sehen) in diesem Jahr in JEDEM MONAT eine Preisänderung von + x% − BEZOGEN auf WAS?

        Es kommt auf den Bezug an, denn:

        Wir sehen GENAU diese Preisänderung von + x% bezogen auf JEDEN Monat des Vorjahres, weil es in allen Monaten des Vorjahrs keine Preisänderungen gegeben hat.

        Wir sehen GENAU diese Preisänderung von + x% im Februar des Jahres, also einen Monat nach der Januar-Messung.

        WIR sehen KEINE Preissteigerung im März des Jahres, also zwei Monate nach der Januar-Messung, wenn der BEZUG der Februar des Jahres ist.

        Denn IM Februar hat es KEINE Preissteigerung gegeben.

        >Kommt dann der nächste Januar und die Preissteigerung hat sich immer noch nicht zurückgebildet, fällt die Inflation wieder auf 0%. Obwohl die gesteigerten Preise konserviert wurden.>

        Nicht notwendigerweise.

        Es kommt auf das Zeitintervall an ab einem Datum y:

        Wenn es ab nächsten Januar KEINE Preisänderungen mehr gäbe, dann hätte man BEZOGEN auf den Januar, an dem +x% festgestellt wurde, bis in alle EWIGKEIT +x% Preissteigerung.

        Damit sind wir beim Punkt:

        Man muss sich auf ein Zeitintervall FESTLEGEN, das LEBENSRELEVANT aus Sicht der meisten Betroffenen ist, damit eine Messung der Preise als SIGNIFIKANT angesehen wird.

        M. Stöcker hat Recht, dass ein solches Zeitintervall WISSENSCHAFTLICH nicht definiert ist.

        Es ist aber PRAKTISCH yty anerkannt und die Wissenschaft rechnet damit wie mit einer Definition, wobei JEDEN Monat gemessen wird und JEDES MAL der gleiche Monat des Vorjahrs der Bezug ist für die Preisänderung.

        Insofern:

        >Ich hatte Inflation immer als eine SICH FORTSETZENDE positive Preisänderung verstanden – etwas, dass sie als Monatsinflation angegeben aber wegen unserer Berechnungsmethode nicht sein muss.>

        Ja, sich fortsetzende Messungen, aber nicht als „Monatsinflation“ des gleichen Jahres verstanden, sondern IMMER auf das zurückliegende Jahre bezogen.

        Die Wissenschaft nutzt natürlich auch MULTIPL der jährlichen Preisänderungen, um bestimmte Aussagen, meistens Korrelationen zu anderen volkswirtschaftlichen Größen darzulegen. Das ist aber eine anderes Thema.

        Ich hoffe, ich konnte darlegen, dass man im Prinzip zwar mit EINEM beliebigen Zeitintervall operieren kann für Aussagen zu Preissteigerungen, aber nicht mit WECHSELNDEN Zeitintervallen.

        Diese Ausführungen betreffen nicht das Begründungsproblem, das ich @ Michael Stöcker oben dargelegt habe.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @DT

        „WIR sehen KEINE Preissteigerung im März des Jahres, also zwei Monate nach der Januar-Messung, wenn der BEZUG der Februar des Jahres ist.“

        Ja, WENN. Ist er aber nicht. Sondern der März des Vorjahres.
        Mein Beispiel war zwar mit hypothetischen Zahlen gewählt, aber der tatsächlichen Berechnungsmethode.

        Mit konkreten Zahlen:
        – Preisstabiles Jahr J0.
        – Jan. J1 +10%, ab diesem Preissprung bleiben die Preise dann wieder stabil
        – Wenn so, dann SEHEN wir +10% für jeden einzelnen der 12 Monate in J1
        – In Jan. J2 sinkt das dann auf 0%, wenn die Preise weiterhin stabil sind.

        Ergo: Einzelereignis in Jan. 1 ergibt für folgende 12 Monate jeweils 10% Inflation pro Monat. Weil der Bezug immer der Vorjahresmonat desselben Namens ist. Aus demselben Grund „verschwindet“ diese Inflation dann nach 12 Monaten wieder.

        Ergo: Man kann 12 aufeinanderfolgende Monate mit hoher Inflation SEHEN, obwohl es in 11 davon keinerlei Preisentwicklung gibt. Weil die Methode das hergibt.

        Dass die Wissenschaft versteht, was dieses Zahlenwerk bedeutet und was nicht und dass sie zum Einordnen einfach auch mal als Bezug den direkten Vormonat angeben kann (macht destatis z. B.) bestreite ich nicht.

        Ich bestreite, dass es SINNVOLL ist, einzelne Monatsinflationen anzugeben, wenn der Bezugszeitraum sich mitverschiebt. Dass man es mathematisch sauber kann – geschenkt.
        Dass man als Experte kein Problem damit hat, dieses kontraintuitive Zahlenwerk korrekt zu durchblicken – auch geschenkt.

        Die Temperaturanomalie bei der Erderwärmung wird ähnlich angegeben. Da ist aber klar: „Anomalie“ heißt, zum Zeitpunkt t um x größer als Wert y. Und die Bezugsperiode für y verschiebt sich nicht auf der Zeitachse. Warum auch?

        Bei Inflation denkt man aber nicht „zum Zeitpunkt t um x größer als Wert y“, sondern man denkt an eine Entwicklung „gestiegen um“. Schon alleine, weil sie in % angeben wird statt absolut. Trotzdem ist erstes richtig und zweites falsch.
        Das kann man als Experte beim Denken alles rauskürzen. Wie viele Nichtexperten aber sollten das mit der Inflation verstehen? Ich würde sagen, dringend viel mehr, als etwas von Physik verstehen müssen. Aus gesellschaftlichen Gründen.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        Korrektur:

        „Ich bestreite, dass es SINNVOLL ist, einzelne Monatsinflationen anzugeben, wenn der Bezugszeitraum sich mitverschiebt.“

        Das Problem ist nicht das Verschieben des Bezugs. Das Problem ist, dass Inflation ein „ist um… größer als…“ misst, und KEIN „steigt um… verglichen mit…“.
        Dass die gemessene Preissteigerung auch in den Betrachtungszeitraum für die Inflation fällt, ist nämlich überhaupt nicht zwingend.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >Das Problem ist nicht das Verschieben des Bezugs. Das Problem ist, dass Inflation ein „ist um… größer als…“ misst, und KEIN „steigt um… verglichen mit…“.>

        MUSS „steigt um … verglichen mit“ gemessen werden?

        Es muss nicht gemessen werden, weil es aus den Messungen „ist um … größer als …“ ERKENNBAR ist.

        Das VERSCHIEBEN des BEZUGS macht die Erkenntnis möglich.

        >Ergo: Man kann 12 aufeinanderfolgende Monate mit hoher Inflation SEHEN, obwohl es in 11 davon keinerlei Preisentwicklung gibt. Weil die Methode das hergibt.>

        Die Aussage müsste auf VOLLSTÄNDIGKEIT abhebend lauten:

        Man kann 12 aufeinanderfolgende Monate mit hoher Inflation SEHEN und ZUGLEICH erkennen, dass sich 11 Monate lang die hohe Inflation NICHT verändert hat.

        Die Methode gibt es her.

        Und sie gibt auch her, dass im gesamten J1 auch FALLENDE Preise die Inflation bestimmen.

        Ich glaube, dass die MONATLICHEN BOTSCHAFTEN, die sich daraus ergeben können:

        – Preise gestiegen gegenüber gleichem Monat des Vorjahrs

        – Preis gleich gegenüber gleichem Monat des Vorjahrs

        – Preise gefallen gegenüber gleichen Monat des Vorjahrs

        von denjenigen Menschen, die sich dafür interessieren, verstanden werden können.

        Die TENDENZ und die GRÖSSE der VERÄNDERUNG der Preise sind sehr RELEVANT für die Lebensgestaltung.

        Wenn dann noch gesagt wird, die Preise welcher Güter und Dienstleistungen hauptsächlich für Preisänderungen ursächlich sind, können die Menschen schon etwas damit anfangen.

        Und gesagt wird es ja auch.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @DT

        „MUSS „steigt um … verglichen mit“ gemessen werden?“

        Nein. Es muss gemessen werden, was man vorher als Messgröße definiert hat.

        „Es muss nicht gemessen werden, weil es aus den Messungen „ist um … größer als …“ ERKENNBAR ist.“

        Erkennbar? Ohne Analyse per Excel der ganzen Zeitreihe erkennt man gar nix. Die DYNAMIK der akuten Entwicklung des VPI in einem Monat („steigt um… ) ist mit der STATISCHEN Inflation bezogen auf den Vorjahresmonat ( „ist um… größer als…) nicht korreliert:

        https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?operation=ergebnistabelleUmfang&levelindex=1&levelid=1653540564291&downloadname=61111-0002#abreadcrumb

        Sie können negative Preisentwicklungen bei gleichzeitig deutlicher Inflation haben, umgekehrt, gleichlaufend, alle denkbaren Mischungen.

        Destatis selbst definiert „VPI-Entwicklung“ und „Inflationsrate“ folgerichtig als zwei verschiedene Dinge. Erstes gibt die Dynamik an, zweites einen statischen Vergleich.

        Die „Inflation“ (ohne -rate) ist dann ein drittes Ding(!), schwammig definiert mit „länger anhaltendem Anstieg des Preisniveaus“. [1]

        Übersetzt: Ist die monatliche Inflationsrate deutlich länger als ein Jahr positiv (wie lange genau steht nirgendwo), ergibt sich daraus etwas, das „Inflation“ genannt wird. Länger als ein Jahr MUSS sein, wegen des Effekts, den ich dargestellt hatte und den die Tabelle auch zeigt. Sonst ist es logisch inkohärent.

        Herr Tischer, haben Sie das Empfinden, dass das so klar ist, wie es für einen gesellschaftlichen Diskurs bei einem solchen Thema nötig wäre? Dass die Artikel über Inflation das abdecken oder die Journalisten selbst es gar verstehen?

        Klar, KANN man das so definieren und dann als Fachmann sich in intellektueller Selbstbefriedigung üben.

        Aber ich bestreite, dass das sinnvoll ist. Für Wissenschaftskommunikation ist das ein Debakel.

        Konkret: „Die Leute“ denken bei Inflationsrate und Inflation an dasselbe und bei diesen dann an die letzte Spalte aus der Tabelle, nicht die davor. Was alles sachlich genau falsch ist.

        Das ist bei gesellschaftlich zu recht heißdiskutierten Themen suboptimal und aufgeklärt wird auch nichts. Oder verpasse ich das?
        Die potentiellen Aufklärer sind ja nicht mal einig.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        Und ich stelle fest, dass ich nach der Definition von destatis die InflationsRATE im ersten Teil meines Kommentars zwei mal „Inflation“ genannt habe – was per Definition falsch ist.

      • PW
        PW sagte:

        @ Christian Anders
        „Konkret: „Die Leute“ denken bei Inflationsrate und Inflation an dasselbe und bei diesen dann an die letzte Spalte aus der Tabelle, nicht die davor. Was alles sachlich genau falsch ist.“

        Sind sie auf der Suche nach einem Problem für ihre Lösung?

        Die Leude und der allgemeine Hausverstand denken allenfalls praktischer als Sie. Die Planung und Rechnung in Jahreszyklen ist in Unternehmen, Staat, und privat fast jedem vertraut. Keiner wundert sich darüber, dass eine einzelne Mieterhöhung im Januar anschließend tatsächlich jeden Monat im Kontostand Spuren hinterlässt.
        Die folgende Nebenkostenabrechnung wird mit dem Vorjahr verglichen, was sonst? Die Kosten für den Sommerurlaub, der Spargelpreis, die EKStSumme, …

        Die offiziöse Inflationsratenbestimmung für Deutschland leistet freilich letztendlich der Maßpreis für das Oktoberfest:-)

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Ich habe mich wohl nicht genau genug ausgedrückt oder bestimmte Sachverhalte als unstrittig vorausgesetzt.

        >Es muss gemessen werden, was man vorher als Messgröße definiert hat.>

        Ja, und zwar gemessen werden muss der Preis in EUR von 650 Güterarten lt. destatis.de wie von Ihnen verlinkt:

        „Beim Berechnen des Verbraucherpreisindex bzw. der Inflationsrate verwenden wir einen “Warenkorb”, der 650 Güterarten umfasst und sämtliche von privaten Haushalten in Deutschland gekauften Waren und Dienstleistungen repräsentiert.“

        Destatis sagt (schließt daraus?):

        „Der Verbraucherpreisindex misst monatlich die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland für Konsumzwecke kaufen.“

        Auch wenn wir ausblenden, dass 650 Güterarten NICHT alle Waren und Dienstleistungen umfassen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen, ist diese Aussage falsch.

        Denn daraus, d. h. aus den Messungen dieser 650 Güter in EUR kann der der Verbraucherpreisindex nur BERECHNET werden, weil die GEWICHTUNG der Güterarten NICHT (mit) gemessen wird – wie sollte sie auch.

        Davon bin ich in der Diskussion immer ausgegangen.

        Weiter bin ich davon ausgegangen, dass NUR der Verbraucherpreisindex bzw. die Änderungen des Verbraucherpreisindexes relevant sind für Aussagen zur Inflation bzw. Inflationsentwicklung.

        Das ist jedenfalls die Praxis.

        >Ohne Analyse per Excel der ganzen Zeitreihe erkennt man gar nix.>

        Wenn Sie damit meinen, dass es ohne die angesprochene Berechnung des Verbraucherpreisindexes nichts erkannt werden kann, was ihn und die Indexveränderungen betrifft, haben Sie Recht.

        Die Begründung dafür, dass man „gar nix erkennt“ – wenn es denn eine sein soll – trägt nicht:

        >Die DYNAMIK der akuten Entwicklung des VPI in einem Monat („steigt um… ) ist mit der STATISCHEN Inflation bezogen auf den Vorjahresmonat ( „ist um… größer als…) nicht korreliert:>

        Korrekte Aussage, aber irrelevant für das, WAS man ERKENNEN will, nämlich die ÄNDERUNG des Preisniveaus des gütergewichteten Warenkorbs.

        >Sie können negative Preisentwicklungen bei gleichzeitig deutlicher Inflation haben, umgekehrt, gleichlaufend, alle denkbaren Mischungen.>

        Wo ist das ERKENNTNISPROBLEM, wenn ich auf das Preisniveau bzw. die Änderung des Preisniveaus des gesamten Warenkorbs abhebe?

        Ich sehe keines, wenn es um die BESTIMMUNG des Preisniveaus bzw. dessen Änderungen geht, aber nicht um eine ERKLÄRUNG dafür, warum – bezogen auf die Komponenten des Warenkorbs – es ist wie es ist bzw. es sich verändert hat, wie es sich verändert hat.

        >Destatis selbst definiert „VPI-Entwicklung“ und „Inflationsrate“ folgerichtig als zwei verschiedene Dinge. Erstes gibt die Dynamik an, zweites einen statischen Vergleich.>

        Zusammengenommen genügt es für das, was der VERBRAUCHER wissen WILL und die Entscheider auch wissen MÜSSEN (für die es aber nicht genügt, weil sie auch das WARUM wissen müssen, um zielgerichtete Maßnahmen beschließen zu können).

        >Herr Tischer, haben Sie das Empfinden, dass das so klar ist, wie es für einen gesellschaftlichen Diskurs bei einem solchen Thema nötig wäre?>

        INSOWEIT: JA.

        Und das hat mit intellektueller Selbstbefriedigung NICHTS zu tun, sondern mit LEBENSRELEVANTER Information für Menschen, die Verbraucher sind.

        destatis.de:

        Man SPRICHT von.

        Muss man NICHT, wenn man „VPI-Entwicklung“ und „Inflationsrate“ für ein allgemein ANERKANNTES Zeitintervall betrachtet.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Ich habe das ungute Gefühl, dass mein letzter Beitrag nicht befriedigend für Sie ist.

        Ich ziehe die Sache daher einmal anders auf.

        1. Was ERMITTELT, d. h. gemessen und berechnet wird

        a) Es werden kontinuierlich jeden Monat die Preise der 650 Güterarten im Warenkorb gemessen und unter Einbeziehung der Gewichtung wird für diesen Monat ein Preisniveau errechnet.

        b) Das ermittelte Preisniveau wird mit dem des Vorjahresmonats verglichen und daraus eine Änderung des Preisniveaus berechnet in % zum Vorjahresmonat.

        2. Was informell gesellschaftlich VERSTANDEN wird auf Basis von 1.

        a) Der Bezug zum jeweiligen Vorjahresmonat wird als relevant für die Verbraucher angesehen.

        b) Die Änderung des Preisniveaus wird als Inflationsrate bezeichnet.

        c) Ist sie positiv signifikant dem allgemeinen Verständnis nach, sagt man „Es gibt Inflation“.

        3. Was man WISSEN kann auf Basis von 1. und 2.

        a) mit Blick auf 2b) in jedem Monat wie HOCH der Kaufkraftverlust war in den letzten 12 Monaten.

        b) mit Blick darauf, WIE sich die Inflationsrate ab dem Vorjahresmonat ENTWICKELT hat, betrachtet man die Veränderung der monatlichen Inflationsraten ab dem Vorjahresmonat.

        c) mit Blick darauf, WELCHE Preisänderungen URSÄCHLICH waren für die Veränderung der Inflationsrate in den letzten 12 Monaten, betrachtet man die Änderung des Preises eines jeden der 650 Güterarten mit deren Gewichtung für jeden Monat ab dem Vorjahresmonat.

        d) mit Blick auf den GEGENWÄRTIGEN Trend der Inflationsrate betrachtet man die beiden letzten monatlichen Inflationsraten und vergleicht sie.

        Mein Fazit:

        Für die Konsumenten ist 3a) am wichtigsten, weil sie daraus z. B. ableiten können, welche Lohnsteigerung sie erzielen müssen, um den Kaufkraftverlust der letzten 12 Monate zu auszugleichen.

        Für insbesondere diejenigen Konsumenten, die Anschaffungen planen ist auch 3d) wichtig.

        Das ist HINREICHEND für den durchschnittlichen Konsumenten bezogen auf sein Zeitbudget und seine Lebensgestaltung.

        Wissenschaftler und andere werden sich mit 3b) und in der Tiefe auch mit 3c) beschäftigen.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @DT @PW

        Was Sie sagen ist ja alles richtig. Und ich sehe möglicherweise ein Problem, das es nicht gibt.

        Ich sehe aufgrund anekdotischer Evidenz (Stichprobe im breiten privaten Umfeld, gar nicht so arg klein), dass der Terminus „Inflation von 10% pro Monat“ (bei mehreren Monaten) aufgefasst wird als:

        „Shit, ich habe diesen Monat SCHON WIEDER 10% Kaufkraft verloren“

        und nicht als:

        „Shit, ich habe IMMERNOCH 10% weniger Kaufkraft als letztes Jahr um dieselbe Zeit.“

        Ersteres ist falsch, denn 10% von etwas, dass schon zuvor um 10% usw…Aber es ist die mir breit vorgetragene Ansicht darüber, was die Inflationszahlen bedeuten.

        Ich habe das zu einem Problem gemacht, weil ich derlei Unklarheit im gesellschaftlichen Diskurs bei solchen Themen für schädlich halte. Kann aus mehrerlei Gründen falsch sein. Auch die anekdotische Evidenz kann ein Klumpen sein, der nicht repräsentativ ist.

        Aber Geldentwertung sorgt für Stimmung und Stimmung beeinflusst praktische Politik. Da wäre mir wohler, wenn die Stimmung sich auf einem Verständnis dessen bildet, was eine Zahl wirklich aussagt, und nicht auf einem Missverständnis.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Das Problem, das Sie sehen, gibt es, wenn auch in Abstufungen.
        Und das nicht nur bei Unterbelichteten.

        Ich würde sagen, dass JEDER von uns – Ausnahmen sind genehmigt – schon behauptet hat, „Inflation gibt es“, OHNE sich dabei bewusst zu sein, was dies genau MEINT.

        Das ist so im Kontext von Diskussionen, bei anderen Thematiken übrigens auch.

        Ich glaube, dass dies nicht zu ändern ist, weil a) viele Sachverhalte relativ komplex sind, b) die Vorbildung, Zeit und Geduld für Tiefe fehlt, und c) bei zu vielen das psychische Bedürfnis, Recht haben zu müssen, zu groß ist.

        >… Geldentwertung sorgt für Stimmung und Stimmung beeinflusst praktische Politik.>

        So ist es, leider.

        Das wirklich Schlimme daran ist, dass die Politik NICHT aufklärerisch WIRKT.

        Wegen a) bis c) etc. können PARTIKULARINTERESSEN verfolgt werden, die dem Verständnis der Sache und darauf mit vernünftigen Maßnahmen zu agieren, die im Sinne der Konsensbefriedigung wünschenswert sind, nicht dienen.

  3. Felix
    Felix sagte:

    Fürs Erste sollten wir wieder die früheren Begriffsdefis verwenden:

    1. Inflation ist die Ausweitung der Geldmenge.
    2. Teuerung beschreibt steigende Preise.

    Und die Schlussfolgerung für die Politik:
    Da die Welt sehr komplex ist, und alles mögliche passieren kann, hat es sich seit sehr langer Zeit als vernünftig erwiesen, keine Inflation in diesem Sinne zuzulassen, sondern solides Geld zu verwenden.

    Antworten
  4. Matthias Blum
    Matthias Blum sagte:

    Wenn diejenigen Boomer, die in Geldwerten gespart haben — nicht wenige haben es täglich verfügbar — in Panik geraten kann die Umlaufgeschwindigkeit alles andere überkompensieren.

    Da seitens Erzeugerpreisen, Lieferkettenproblematik, importierter Inflation und Lohnanstieg jeweils noch etwas Inflation zu erwarten ist kann das durchaus noch passieren.

    Antworten
  5. Alliban
    Alliban sagte:

    Wenn man es einfach betrachtet, ist unsere derzeitige Inflationsrate die der Schweiz (2.5%) plus dem Verfall des Euro ggü. dem Schweizer Franken. Da die EZB offenbar noch im “Winterschlaf” im Hinblick auf Maßnahmen gegen die Inflation ist, wird der Beitrag des Euroverfalls zur Inflation m.E. anhalten oder gar steigen. In ein paar Monaten kommt dann noch der Beitrag unserer Politiker dazu (z.B. alternative Beschaffung von Rohstoffen). Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Inflation auch 2023 nicht zurückgehen wird. Es ist letztendlich die Frage, was mit “normalen Werten” gemeint ist.

    Antworten
  6. Beobachter
    Beobachter sagte:

    Wenn eine Erhöhung der Geldmenge auf ein knappes Angebot trifft und die Preise so ins unermessliche steigen, dass Leute sich kein Bier mehr leisten können (siehe Venezuela), dann setzt dies eine negative Spirale in Kraft. Politiker mahnen zur „Vernunft“ bei Abschlüssen, erhöhen aber den Mindestlohn um 25%. Und Trotzdem finden Aldi und Lidl keine Mitarbeiter, die unter 14 EUR die Stunde arbeiten wollen. Musste man früher für 2000 Eur 235 Std Arbeiten, so sind es heute bei Aldi nur noch 142 Stunden. Das wird sich das Handwerk und die Mittelschicht so nicht lange anschauen, zumal jede Steigerung von der kalten Progression überproportional verschluckt wird. Das wird ein gaaaaaanz heißer Tanz.

    Antworten
  7. Tom96
    Tom96 sagte:

    “Das Wichtigste am Verkauf von russischem Öl an Indien ist, dass es in Rubel verkauft wird und nicht mehr in Dollar. Der gesamte Ölhandel ist jetzt entdollarisiert. Er wird in Rubel, in chinesischen Yuan und in anderen Währungen abgewickelt. Aber der Dollar wird außen vor bleiben. Die ganze Idee der Dollar-Diplomatie, des Freifahrtscheins des Dollars und des Währungsimperialismus ist zu Ende.”
    Michael Hudson
    im Gespräch
    https://uncutnews.ch/michael-hudson-das-interview-mit-rt/
    Und hier wird spekuliert, ob morgen auf dem Teller zwei-drei Erbsen mehr oder weniger serviert werden im demnächst geschlossenen Affenstall mit Kriegs- und Todestrieben privater und getarnt-öffentlicher Besatzungs-Insolvenzverschlepper einer Luftökonomie mit Fiktiv-Geld und irrealen Krediterfüllungsketten.

    Antworten
  8. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >2020 dürfte das Jahr gewesen sein, in dem der Monetarismus zu einer Renaissance ansetzte. Wer auf die Entwicklung der breiten Geldmengen achtete, konnte sehen, dass die Inflation kräftiger und nachhaltiger zurückkehren würde.>

    Die Zunahme der „breiten Geldmenge“ ist eine empirisch fundierte Begründung für Inflation.

    >Und wie geht es nun weiter? Schon seit Jahresanfang 2022 sind die Raten des Geldmengenwachstums deutlich gesunken. Das spricht dafür, dass die Inflationsraten schon bald ihren Höhepunkt erreichen und wir zu normalen Werten zurückkehren.>

    Was sind „normale Werte“ der Inflationsraten?

    Sind es die VOR 2020, wenn die Raten des Geldmengenwachstums auf das Niveau von vor 2020 sinken?

    Oder:

    Kann es nicht sein, dass ZUKÜNFTIG auf einem NACHHALTIG höheren Inflationsniveau sowie spürbaren Preissteigerungen die konventionelle Geldpolitik der Notenbanken, i. e. Steuerung der „breiten Geldmenge“, URSÄCHLICH nur GERINGE Wirkung auf diese Preissteigerungen ausübt?

    Niemand weiß es.

    Aber auszuschließen ist ein nachhaltig höheres Inflationsniveau nicht.

    Ich will nicht wieder alles aufzählen, angefangen von der Risikominderung der
    Energieeinfuhren, die unweigerlich mit höheren Energiekosten verbunden ist für uns …

    Zur Erbauung vielmehr etwas NEUES:

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wie-die-cdu-den-mindestlohn-schneller-erhoehen-will-18051207.html

    Daraus:

    „Die SPD hatte 12 Euro versprochen, die Ampel bringt es nun auf den Weg – aber der Union ist das inzwischen zu wenig. Sie will zusätzlich der Mindestlohnkommission ein höheres Tempo vorgeben, damit der Lohn in Zukunft schneller steigt.

    Wie neue Vorgaben für die Kommission aus Sicht der CDU aussehen könnten, hat der Chef ihrer Arbeitnehmergruppe im Bundestag, Axel Knoerig, schon skizziert: Die Alterssicherung oder die Entwicklung des sozialrechtlichen Existenzminimums könnten als gesetzliche Maßstäbe hinzutreten.“

    NEUES Denken ist angesagt:

    GESETZLICHE MASSSTÄBE kommen als INFLATIONSTREIBER hinzu.

    Hat irgendjemand gesagt, dass die den Mindestlohn betreffenden die EINZIGEN sein werden?

    Hat niemand gesagt, kann auch niemand sagen im ÜBERBIETUNGSWETTBEWERB der Parteien.

    Antworten
  9. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    „Die Notenbanken, die die Grundlage für die Inflation gelegt haben, laufen Gefahr, eine Wirtschaft weiter zu bremsen, die sich ohnehin bereits im Abschwung befindet.“

    Das waren nicht die Notenbanken (einer der wenigen Punkte, bei denen wir wohl nicht übereinkommen), sondern es waren insbesondere die Fiskalpolitik, Covid sowie der Krieg als Beschleuniger. Der Markt bestimmt die Zinsen, nicht die ZB. Die ZB ist IMMER reaktiv; d. h. sie passt sich immer den Marktentwicklungen an. Oftmals zu früh oder zu spät, ausnahmsweise auch schon mal korrekt (wohl eher Zufallstreffer bei den völlig unzulänglichen DSGE-Modellen). Aktuell wohl wieder mal zu spät. Wegen der kurzen Zeit (1 – 2 Jahre) sollten wir von daher auch nicht von Inflation sprechen, sondern von einer außergewöhnlichen Anpassung der relativen Preise.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Genosse Stöcker

      “Wegen der kurzen Zeit (1 – 2 Jahre) sollten wir von daher auch nicht von Inflation sprechen, sondern von einer außergewöhnlichen Anpassung der relativen Preise.”

      Jaja, und der Papagei ist auch gar nicht tot, der ruht sich nur ein bisschen aus…
      https://www.youtube.com/watch?v=UE0Jk0KqKRc

      Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      >Wegen der kurzen Zeit (1 – 2 Jahre) sollten wir von daher auch nicht von Inflation sprechen, sondern von einer außergewöhnlichen Anpassung der relativen Preise.>

      Sie WISSEN, dass es NUR eine „außergewöhnliche Anpassung der relativen Preise ist“ und dass diese Anpassung NUR 1 − 2 Jahre dauern wird?

      DUMME Frage, Ihr Wissen zu bezweifeln.

      Wenn man an J. Snider GLAUBT, weiß man das eben.

      Antworten
    • Rolf Peter
      Rolf Peter sagte:

      Immerhin steigt das Preisniveau. Handelte es sich nur um Relativpreisaenderungen, muessten manche Preise steigen, andere sinken.
      Sie haben aber Recht, man muss zwischen (mehr oder weniger) einmaligen Preisniveauaenderungen und Inflation unterscheiden. Um was es sich bei den derzeit beobachtbaren Veraenderungen handelt, wissen wir noch nicht.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Rolf Peter

        >Um was es sich bei den derzeit beobachtbaren Veraenderungen handelt, wissen wir noch nicht.>

        Erlauben Sie mir bitte, dass ich dazu sage:

        UNSINN.

        Wenn wir über die Änderung der Verbraucherpreise reden, dann
        ist per Definition BESTIMMT und allgemein ANERKANNT, dass die RELEVANTEN Änderungen der Preise jene sind, die für die IN den Warenkorb gewichtet aufgenommenen Güter und Dienstleistungen gemessen werden.

        Was derzeit im JAHRESVERGLEICH gemessen wird, ist eine SIGNIFIKANTE Erhöhung der Preise von Gütern und Dienstleistungen im Warenkorb.

        Daher GIBT es eine INFLATION der Verbraucherpreise.

        Punkt.

        Wenn Preisänderungen einmalig sind, werden sie auch nur einmalig gemessen und bestimmen auch nur einmal die Änderung der Preise im Intervall der Messungen.

        Beispielhaft:

        Messung 1. Mai 2021 und Messung 1. Mai 2022.

        Wenn sich ein Gut oder eine Dienstleistung im Warenkorb innerhalb dieses Zeitintervalls einmal geändert hat, wird diese Änderung EINMAL gemessen, d. h. fließt die Änderung EINMAL in die Messung des 1. Mai 2022 ein.

        Wenn es sich im gleichen Zeitintervall FÜNFMAL geändert hat, fließt der SALDO der fünfmaligen Änderungen in die Messung am 1. Mai 2002 ein.

        Heißt:

        Einmalige Preisniveauänderung eines relevanten Gutes bzw. einer relevanten Dienstleistung ist etwas, das EINFLIESST und BESTIMMT.

        Was man machen könnte:

        Man könnte der SIGNIFIKANZ von Preisänderungen ANDERE Intervalle zuordnen.

        Beispielsweise könnte man übereinkommen, dass es Inflation NUR dann gibt, wenn die Preise innerhalb von DREI Jahren signifikant gestiegen sind, d. h. einjährige und zweijährige Preissteigerungen bleiben UNBEACHTLICH, wie stark sie auch sein mögen.

        Dafür gibt es KEIN Übereinkommen, weil es die Lebenswirklichkeit der Menschen außer Acht ließe.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Rolf Peter

        Genau, die Fristigkeit ist das Thema. Als in 2020 die Kraftstoffpreise brutal gefallen sind, hat auch niemand von Deflation geredet, sondern das als der Situation geschuldet angesehen. Jetzt läuft es andersrum und alle rufen laut.

        Und dass wir aktuell relativ breit Preissteigerungen haben, liegt halt an den Auswirkungen der Energiepreise, die sich durch die allermeisten Wertschöpfungsketten fressen.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @DT

        Die hohen Zahlen bei den Steigerungen des VPI sind momentan aber eben noch kein Jahresvergleich, sondern ein Monatsvergleich. Wenn man sagt: Im April stiegen die Preise um x% ist damit gemeint, dass der Warenkorb x% mehr kostet als als im April des Vorjahres. Nicht im Vergleich zum Vormonat März.

        Wo am Ende des Jahres der VPI von gesamt 2022 verglichen mit 2021 liegen wird, weiß noch keiner.

        Will man Lohnsteigerungen mit dem Preisauftrieb begründen, MUSS man auch einen Betrachtungszeitraum wählen und diesen dann kongruent zum Zeitraum des Lohnabschlusses wählen. Fristigkeit ist also tatsächlich ein relevantes Thema – platt gefragt: Ab wann ist Inflation eine Inflation? Ist eine echte Frage. Sie hat keine eindeutige Antwort sondern verlangt nur, dass man sich auf eine gemeinsame Definition einigt, sonst kommt man nirgendwo hin. So, wie man schon mit der Schwammigkeit des Begriffs „Inflation“ nirgendwo hinkommen kann.

      • weico
        weico sagte:

        @Christian Anders

        “Ab wann ist Inflation eine Inflation? Ist eine echte Frage. Sie hat keine eindeutige Antwort sondern verlangt nur, dass man sich auf eine gemeinsame Definition einigt, sonst kommt man nirgendwo hin. So, wie man schon mit der Schwammigkeit des Begriffs „Inflation“ nirgendwo hinkommen kann.”

        Klar.

        Ist ja sehr ähnlich, wie beim Thema Klimawandel oder Wetter.

        WIe sagt die weise Bauernregel :
        “Wenn der Hahn kräht auf dem Mist,ändert sich das * Wetter * oder bleibt,wie es ist ”

        Statt * Wetter *, kann man auch die beliebten Begriffe wie “Inflation” oder “Klima” einsetzen……!!!

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @weico

        Sie haben wie meistens bei diesem Thema Unrecht. Bei Klima und Wetter HAT man sich auf konkrete Definitionen geeinigt, die auch verbindlich genutzt werden. Schon vor Jahrzehnten. Zu sagen, dass sei nicht so, ist die Leugnung eines Faktums.

        Bei „Inflation“ herrscht hingegen tatsächlich babelsches Sprachgewirr. Ich hebe deshalb direkt auf den VPI ab. Jeder darf sagen, dies sei ja gar keine Inflation – es ist aber die relevante Messgröße, mit der argumentiert wird. Will man was anderes messen (könnte ja gute Gründe haben), muss man das vorher begründen. Dann führt man allerdings eine andere Diskussion.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        “Ab wann ist Inflation eine Inflation? Ist eine echte Frage. Sie hat keine eindeutige Antwort sondern verlangt nur, dass man sich auf eine gemeinsame Definition einigt”

        Ich finde es sehr amüsant, wie viel Zeit Sie plötzlich mit dem Wegdefinieren von Problemen verbringen wollen, sobald eine Regierung im Amt ist, die für Ihren Geschmack ausreichend linksgrün ist. :D

        Schauen Sie mal hier, die Entwicklung des Verbraucherpreisindex in der Türkei:

        https://cms.zerohedge.com/s3/files/inline-images/turkey%20CPI%20funds%20have%20moved%20from%20growth%20to%20value.jpg?itok=yh7_3-Wj

        Die Anhänger des prächtigen tükischen Sultans fragen da auch gerne ganz pseudowissenschaftlich:

        “Ab wann ist Inflation eine Inflation? Ist eine echte Frage. Sie hat keine eindeutige Antwort sondern verlangt nur, dass man sich auf eine gemeinsame Definition einigt” :D :D :D

        Ich als Praktiker würde Ihnen sagen: Mit der Inflation ist das wie mit der Pornographie. Die meisten Leute könnten das Konzept nicht präzise oder gar rechtssicher definieren. Aber fast alle Leute erkennen sie, wenn sie welche sehen. Faszinierend, wie das funktioniert, oder? ;)

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        Sie haben völlig zielsicher mal wieder zu 100% daneben getroffen. Selbst wenn Sie den Inhalt meiner Kommentare raten müssten, würde die Statistik mittlerweile dafür sorgen, dass Sie manchmal ins Schwarze treffen. Sie treffen nie.

        Absicht? Kann ja schlecht was anderes sein:

        „Wegdefinieren von Problemen“

        Darum geht es nicht. Nicht mal am Rand. Nicht mal… hm, wie erklär ich das für Dreijährige:

        Sich auf eine Begriffsdefinition zu einigen ist eine NOTWENDIGE Grundlage für Wissenschaft. Darüber, ob etwas ein „Problem“ ist, sagt das exakt NICHTS aus.

        „Problem“ ist nichtmal eine wissenschaftliche Kategorie. Dass Sie mir unterstellen, ich würde definieren wollen, was ein Problem ist und was nicht, ist zu 100% neben dem, was ich geschrieben habe. Und weil ich es so geschrieben habe, wie ich es geschrieben habe, habe ich es auch so gemeint.

        Würde ich meinen, etwas wäre kein Problem, hätte ich DAS geschrieben.
        Habe ich aber nicht. Ich habe was anderes geschrieben. Was meinen Sie, woran das liegt?

        Und witzigerweise, bezogen auf Ihr Beispiel:
        WÜRDE jemand eine wissenschaftliche Abhandlung über Pornographie schreiben wollen, die der wissenschaftlichen Methode genügt, MUSS er was machen?
        Richtig: Mindestens für seine Veröffentlichung eine konkrete und eindeutige Definition von dem aufstellen, was sein Untersuchungsobjekt sei, in dem Fall „Pornographie“.
        Was andere woanders „einfach so erkennen“, ist dafür völlig egal.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        “Sich auf eine Begriffsdefinition zu einigen ist eine NOTWENDIGE Grundlage für Wissenschaft. Darüber, ob etwas ein „Problem“ ist, sagt das exakt NICHTS aus.”

        Wie kommen Sie darauf, dass wir hier “Wissenschaft” betreiben und nicht etwa eine politische Debatte führen?

        Ich weiß schon, es ist Ihre Masche, Ihre persönlichen politischen Forderungen mit pseudowissenschaftlichen Rechtfertigungen zu garnieren, weil Sie die Erwartung haben, dass das deren Chancen auf Realisierung erhöht, aber in bestimmten Situationen stößt diese Methode an ziemlich offensichtliche Grenzen. Dem Busfahrer werden Sie nicht überzeugend erklären können, wieso es vielleicht gar keine “Inflation” ist, wenn die Lebensmittel in seinem Einkaufskorb immer teurer werden…

        “WÜRDE jemand eine wissenschaftliche Abhandlung über Pornographie schreiben wollen, die der wissenschaftlichen Methode genügt, MUSS er was machen?”

        Oh Gott, wer *WILL* das denn? Haben Sie so viele schwer vermittelbare Quotenfrauen an der Uni, die sich anders nicht beschäftigen lassen?

        “Was andere woanders „einfach so erkennen“, ist dafür völlig egal.”

        Wenn Sie sich auf einer, nunja, “nichtwissenschaftlichen” Basis mit Pornographie beschäftigen wollen -aus welchem Grund auch immer- ist es aber plötzlich das wesentlichste Merkmal zur Klassifizierung des Phänomens. Es passiert viel öfter als Sie glauben (oder anerkennen wollen…), dass in der Gesellschaft Diskussionen über Dinge geführt werden, die nicht präzise definiert sind.

        Sie kennen das auch, Sie denken bloß gerade nicht daran, vielleicht weil das Porno-Beispiel Sie so sehr abgelenkt hat. Finden Sie eigentlich, dass “Gerechtigkeit” eine relevante Kategorie für politische Debatten sein sollte? Vermutlich schon, der Begriff kommt ja auch in der Klimahysterie-Propaganda andauernd vor. Definieren Sie ihn doch mal. ;)

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        „Wie kommen Sie darauf, dass wir hier “Wissenschaft” betreiben und nicht etwa eine politische Debatte führen?“

        Ich „betreibe“ hier WEDER Wissenschaft, NOCH führe ich eine politische Debatte.
        Ich habe unter einem Beitrag kommentiert, indem es darum geht, inwiweit die VWL wissenschaftlich ist. Ein Anspruch, den die VWL an sich selber hat und nach außen auch darzustellen versucht.

        „Ihre persönlichen politischen Forderungen mit pseudowissenschaftlichen Rechtfertigungen zu garnieren, […]“

        Ich habe keinerlei politische Forderung gestellt. Ich habe einen methodischen Fehler der VWL benannt und wie man ihn abstellt. Mehr nicht.

        „[…] stößt diese Methode an ziemlich offensichtliche Grenzen.“

        Ich habe keinerlei politische Forderung gestellt. Ich habe einen methodischen Fehler der VWL benannt und wie man ihn abstellt. Mehr nicht.

        „[…] dass in der Gesellschaft Diskussionen über Dinge geführt werden, die nicht präzise definiert sind.“

        Das sind dann keine „wissenschaftlichen“ Diskussion. Es sind „gesellschaftliche“. Das ist eine andere Diskursform.
        Die VWL WILL aber wissenschaftlich(!) diskutieren. Und dazu ist festzustellen:

        Ich habe einen methodischen Fehler der VWL benannt und wie man ihn abstellt. Mehr nicht.

        Dazu passt Ihr eigenes Beispiel:
        „Dem Busfahrer werden Sie nicht überzeugend erklären können, wieso es vielleicht gar keine “Inflation” ist, wenn die Lebensmittel in seinem Einkaufskorb immer teurer werden…“

        Muss ich auch nicht. Dem Busfahrer kann und wird egal sein, wie „Inflation“ in der Wissenschaft definiert wurde, um das System Wirtschaft zu beschreiben. Er hat ein Problem mit steigenden Preisen seines täglichen Bedarfs. Das ist real. „Problem“ ist nur keine Kategorie, die Wissenschaft interessieren kann.

        Wissenschaft als Methode beobachtet/misst und findet die Gesetzmäßigkeiten, die jene Beobachtungen/Messungen am besten erklären und dafür die minimal mögliche Anzahl an Eingangsparametern brauchen.

        Ob ein so erschlossener Befund ein Problem ist oder nicht, ist keine wissenschaftliche Fragestellung. Es ist eine gesellschaftliche, die in einer völlig anderen Diskursform – nach einer völlig anderen Methode, wenn Sie so wollen – erschlossen wird.

        Der Busfahrer bekommt aber wahrscheinlicher Probleme, wenn die Wissenschaft namens VWL diese Trennung nicht macht und entsprechend fehlerhafte Empfehlungen an die Gesellschaft richtet.
        Wie er persönlich Inflation definiert, ist für diesen Umstand völlig wumpe. Eine bessere Wissenschaft in Sachen Volkswirtschaft sorgt weniger wahrscheinlich dafür, dass er etwas erdulden muss, was für Ihn ein Problem ist, c. p. .
        Die VWL macht das aber nicht gut, denn:

        Ich habe einen methodischen Fehler der VWL benannt und wie man ihn abstellt. Mehr nicht.

        „Finden Sie eigentlich, dass “Gerechtigkeit” eine relevante Kategorie für politische Debatten sein sollte?“

        Unbedingt!

        „Definieren Sie ihn doch mal.“

        Kann ich nicht. Ich kenne auch niemanden, der das kann. Das dürfte der Grund sein, dass über Gerechtigkeit „politisch“ debattiert wird, nie „wissenschaftlich“ im Sinn, wie ich ihn oben genannt habe.

        Und nein, wenn Klimawissenschaftler über Gerechtigkeit reden, betreiben sie keine Wissenschaft und reden auch nicht wissenschaftlich.
        Das heißt nicht, dass sie nicht wann anders Wissenschaft betreiben.

        ( Hat die Mehrfachnennung des Inhalts meines Beitrages Ihnen geholfen, mehr wörtlich und mit viel weniger Fantasie zu lesen, was ich schreibe? UND es dann evtl. sogar zu verstehen? )

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >Die hohen Zahlen bei den Steigerungen des VPI sind momentan aber eben noch kein Jahresvergleich, sondern ein Monatsvergleich.>

        Es gibt KEINE Steigerungen des VPI „momentan“.

        Es gibt immer nur Steigerungen oder auch Minderungen in einem ZEITRAUM.

        Sie sagen es ja selbst und Sie nennen auch den ZEITRAUM, der als RELEVANT anerkannt ist:

        >Im April stiegen die Preise um x% ist damit gemeint, dass der Warenkorb x% mehr kostet als als im April des Vorjahres.>

        Genau das habe ich ja auch in meinem Beitrag @ Rolf Peter mit >Messung 1. Mai 2021 und Messung 1. Mai 2022.> gesagt.

        Jedoch:

        >Nicht im Vergleich zum Vormonat März.>

        Das ist auch ein Zeitraum, aber KEIN relevanter. weil kein lebensrelevanter.

        Wenn z. B. der Ölpreis innerhalb eines Monats „explodiert“, weil Fördereinrichtungen in Saudi-Arabien ausgefallen sind und dieser Preis sich in den Kosten für Heizöl oder Kraftstoff niederschlägt, würden die damit verbundene Erhöhung des Warenkorbpreises INNERHALB dieses Monats niemand als Inflation bezeichnen, obwohl er technisch, d. h. als gemessene Preiserhöhung selbstverständlich ein Beitrag zum höheren Preis des Warenkorbs ist.

        >Wo am Ende des Jahres der VPI von gesamt 2022 verglichen mit 2021 liegen wird, weiß noch keiner.>

        Wie auch.

        Was man aber weiß:

        In den VERGANGEN 12 Monaten − Messung 1. Mai 2021 und Messung 1. Mai 2022 – hat es eine spürbare Erhöhung der Verbraucherpreise gegeben.

        >Will man Lohnsteigerungen mit dem Preisauftrieb begründen, MUSS man auch einen Betrachtungszeitraum wählen und diesen dann kongruent zum Zeitraum des Lohnabschlusses wählen.>

        Richtig.

        Die Gewerkschaften könnten sagen, dass sie einen AUSGLEICH für den Preisauftrieb der LETZTEN 12 Monate haben möchten und fordern daher x Prozent Lohnerhöhung, um in Verhandlungen DIESEN Kaufkraftverlust mit Abschluss eines neuen Tarifvertrags auszugleichen.

        Mit dem höheren Einkommen wird die Abgabenlast größer, so dass die Kaufkraft REAL trotz eines adäquaten Lohnabschlusses sinkt. Sie wird z. T. durch staatliche Transfers ausgeglichen – Spielfeld der Politik.

        >Fristigkeit ist also tatsächlich ein relevantes Thema.Ab wann ist Inflation eine Inflation?>

        „wann“ ist doppeldeutig, daher diese Antwort (für die verbrauchsrelevanten Güter und Dienstleistungen):

        a) wenn Preissteigerungen des definierten Warenkorbs in einem ANERKANNTEN lebensrelevanten Zeitraum festzustellen sind – sinnvollerweise wie es geschieht mit yty

        und

        b) wenn sie SIGNIFIKANT sind, wie innerhalb des letzten Jahres (Mai – Mai).

        Beides ist der Fall.

        Es GIBT daher Inflation.

        Unter all denen, die sich ERNSTHAFT damit beschäftigen, weil sie die PRAKTISCHEN Wirkungen für sehr ERHEBLICH halten, gibt es keinen Dissens darüber.

        Allerdings gibt es erheblichen DISSENS darüber, was GENAU die Inflation bewirkt, und noch weniger eine darüber, WIE sie sich weiterentwickelt.

        Von der MEINUNG darüber hängen die MASSNAHMEN ab, die auf Interessen EINWIRKEN und daher umstritten sind.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Vorletzter Satz muss lauten:

        … und noch mehr einen darüber, WIE sie sich weiterentwickelt.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @DT

        Zeitraum und nicht ab „wann“: Richtig, muss anders formuliert werden. Ich meinte es tatsächlich in ZeitRÄUMEN gesprochen, nicht in ZeitPUNKTEN.

        Ein Problem, das ich adressieren wollte, ist, dass im breiten Allgemeinwissen (so anekdotisch aus meinem breiten Umfeld) mit einer Inflation von +x% im Mai assoziiert wird, dass die Preise x% höher sind als noch im April.

        Das ist doppelt problematisch:
        Erstens ist es sachlich falsch, zweitens erzeugt es Folgefehler. Beispiel:
        Steigt wie in ihrem Beispiel INNERHALB eines Monats der Ölpreis so, dass im Nachgang im Folgemonat der VPI um +x% steigt (weil Öl als Basisprodukt sich durch die Produktpallette „frisst“), sieht man für diesen Folgemonat eine Inflation von x%.

        Waren im Vergleichsjahr, dem Vorjahr also, die Monate alle sehr stabil, weil die Entwicklung des VPI in diesem Jahr durchgängig einen niedrigen Wert hatte, sieht man im aktuellen Jahr jetzt so lange ca. +x% Inflation jeden Monat, wie der durch den einmaligen Ölschock ausgelöste einmalige Preisauftrieb des VPI nicht zurückgeführt wurde.

        Folgefehler ist dann, dass „die Leute“ denken, jeden weiteren Monat würde alles teurer, da ja für jeden weiteren Monat +x% minus ein paar Gequetschte Inflation angegeben werden müssen.

        Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass Fristigkeit tatsächlich relevant ist – und falls sie in der praktischen Politik nicht als relevant wahrgenommen wird, dies ein Fehler ist.

        So viel auch nochmal dazu, wieso ich das konkrete Definieren für wichtig halte, sogar oder INSBESONDERE dann, wenn es an der Wahrnehmung vieler Leute vorbeigeht. Naja, IHNEN muss ich das ja nicht erklären…

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        D’accord.

        Sie betonen sehr richtig, dass die MENSCHEN falschen Einschätzungen unterliegen, wenn ihnen die Fristigkeit, insbesondere die von Ereignissen nicht bewusst ist.

        Das ist der Knackpunkt.

        Wenn etwas nicht im Sinne von Wissenschaft definiert, aber „als ob definiert“ ANERKANNT wird, ist das unter sich professionell damit Befassenden vergleichsweise harmlos.

        Die Politiker sehen das m. A. n. sehr viel realistischer.

        Das Problem ist, wie mit anderen „Phänomenen“ auch:

        Es werden Sachverhalte, die vielen unklar sind, INSTRUMENTALISIERT, um Interessen durchzusetzen.

        Am besten eignen sich dafür EINZELSCHICKSALE, die in der TV-Talkshow VERALLGEMEINERT werden auf Bevölkerungsgruppen bis hin zu Kohorten.

        Und dann natürlich immer wieder die Notenbanken …

    • jobi
      jobi sagte:

      @M.Stöcker

      “Das waren nicht die Notenbanken ..”

      Was wäre die Fiskalpolitik ohne die Notenbanken? In Euroland hätten wir schon die nächste Staatsschuldenkrise.

      Antworten
    • Andrea Saalburg
      Andrea Saalburg sagte:

      „Der Markt bestimmt die Zinsen, nicht die ZB.“

      Diese Einstellung ist schlicht nicht nachvollziehbar, da ja nun wirklich genug Fakten dazu vorliegen. Die Zentralbanken haben durch die Manipulation der Zinsen die Marktkräfte außer Kraft gesetzt und rühmen sich ja geradezu damit, dass sie die Zinsen über alle Laufzeiten hinweg kontrollieren können. Wo bitte ist da noch ein freies Spiel von Angebot und Nachfrage?

      Die Zentralbanken sind verantwortlich für die Inflation (Ausweitung der Geldmenge) und könnten diese auch sofort wieder beenden. Natürlich kann niemand behaupten, dass dies SCHMERZFREI gelingen wird.

      Antworten
      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Andrea Saalburg

        Legen Sie die Kurven von Marktzins und Zentralbankzins der letzten 20 Jahre übereinander. Sie werden sehen, dass die ZB-Zinsen die Marktzinsen NICHT beeinflussen. Das gilt für die FED, die BOJ oder auch die EZB. Man glaubt es erst nicht, aber es ist so. (und auch jetzt steigen bei uns die Marktzinsen ja schon wieder, obwohl die EZB nix gemacht hat).

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @Stoertebekker

        Mathelogische Frage: Woran sehe ich denn die Nichtbeeinflussung einer Größe durch eine andere, indem ich die Kurven einfach übereinanderlege?

        Es bräuchte schon die Angabe eines Korrelationsfaktors. Die Abwesenheit jeglicher Korrelation, sowohl direkt als auch gegenläufig, würde die Nichtbeeinflussung eines durchs andere indizieren.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Andrea Saalburg

        >Die Zentralbanken haben durch die Manipulation der Zinsen die Marktkräfte außer Kraft gesetzt>

        Dazu liegen genug Fakten vor?

        Ich bitte Sie.

        Schauen Sie sich an, wie die Langzeitzinsen sich über die letzten 30 Jahre entwickelt haben.

        Niemand wird sagen, dass die Notenbanken während dieser Zeit nix gemacht haben.

        Die Zinsentwicklung ist aber eine, die von MÄRKTEN gemacht wurde, d. h. Angebot der Kreditgewährung von Banken und Nachfrage nach Kreditgewährung durch Unternehmen sowie sich daraus ergebend der Zins als Preis bei dem sich Angebot und Nachfrage ausgeglichen haben.

        Dazu kam mit einem gewissen, nicht zu vernachlässigenden Einfluss die zunehmende Verschuldung der Staaten.

        Die Zentralbanken haben für all dies auf Seiten der Banken BEDINGUNGEN gesetzt, aber NICHT die Zinsen manipuliert in dem Sinn, dass sie URSÄCHLICH das Zinsniveau bestimmt haben.

        Davon abweichen muss man das Zinsniveau für die Staatsverschuldung insbesondere hoch verschuldeter Staaten im Euroraum sehen.

        Das ist ein SPEZIELLER Teil des Ganzen, der aber den großen anderen Teil nicht grundsätzlich verfälscht.

      • jobi
        jobi sagte:

        @Andrea Saalburg

        „Der Markt bestimmt die Zinsen, nicht die ZB.“

        Die langfristigen Zinsen werden von den Inflations- und Wachstumserwartungen des Marktes bestimmt. Das ist soweit unstrittig.

        Einige Kommentatoren halten allerdings hartnäckig an ihrer Behauptung fest, dass der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken KEINERLEI Einfluss auf die Marktzinsen hätte. Das hat hier am Blog schon zu hitzigen Diskussionen geführt.
        Den Beweis dafür ist man allerdings schuldig geblieben.

        Kein Gegenbeweis, aber ein aktuelles Beispiel:

        Die japanische Zentralbank betreibt Yield-Curve-Control. Erklärtes Ziel ist es, die langfristigen Zinsen bei 50 Basispunkten zu fixieren. Und das gelingt ihr auch, weil sie der größte Akteur im Markt ist ( hält 50% aller Anleihen des Staates ) Sie kann so viele Anleihen kaufen, wie notwendig ist, um den “Marktzins” unter der veranschlagten Marke zu halten.

        Ewig wird sie das nicht durchhalten können, denn diese Marktmanipulation hat Nebenwirkungen. (z.B. Yen-Verfall, Inflation )

        Aber die Behauptung, das Ziel würde ausschließlich durch psychologische Beeinflussung (guidance) erzielt, ist nicht glaubwürdig.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Ch Anders

        Mir reicht es zu sehen, dass der Leitzins mal den Bewegungen des Marktzinses voranschreitet, mal hinterherläuft und mal entgegengesetzt reagiert.

        Für mich geht es um die Erkenntnis, ob die ZBs die Marktzinsen in der von ihnen behaupteten (!) Art beeinflussen. Das ist nicht zu erkennen. (Dafür müsste der Marktzins den Leitzinsen in irgendeiner zeitlichen Sequenz immer nachlaufen. Meinetwegen auch der Ankündigung der Änderung der Zinsen.)

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @jobi

        Bzgl. der Wirkung von QE auf die Marktzinsen hatte ich hier schon mehrfach auf die Zeitreihen von QE der FED vs Realzins der 10jährigen US-Treasuries verlinkt. Da gibt es keinen Zusammenhang (im von der FED behaupteten Sinne).

        Andere mag es geben, die sind wegen der Vielzahl der sonstigen Einflussfaktoren aber nicht auf QE zurückführbar.

      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ jobi

        „Einige Kommentatoren halten allerdings hartnäckig an ihrer Behauptung fest, dass der Ankauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken KEINERLEI Einfluss auf die Marktzinsen hätte.“

        Sie sollten schon Ross und Reiter beim Namen nennen. „Einige“ ist wohl maßlos übertrieben. Ich vertrete diese These bereits seit 2012 und hatte hierzu 2013 einen eigenen Blogpost geschrieben (Allmachtsfantasien zur Zinssetzungshoheit).

        „Die langfristigen Zinsen werden von den Inflations- und Wachstumserwartungen des Marktes bestimmt. Das ist soweit unstrittig.“

        Das SOLLTE eigentlich unstrittig sein. Fakt ist jedoch, dass sehr viele immer noch dem QE Illusionstheater auf den Leim gehen.

        Hier am Blog ist es bislang nur Stoertebekker, der dieser Position gefolgt ist sowie Dietmar Tischer hinsichtlich der langfristigen Zinsen; und jetzt wohl auch Sie.

        „KEINERLEI Einfluss“ wäre allerdings doch ein wenig zu vermessen. Einen marginalen Einfluss kann dieses Illusionstheater via kollektivem Glaubensbekenntnis temporär durchaus haben. Aber selbst die größten Optimisten bei der Fed können in ihren Untersuchungen einen maximalen Einfluss in Höhe von lediglich 50 Basispunkten bei sehr massiven Käufen feststellen.

        Es kommt aber noch viel schlimmer: Die Macht der Fed endet nicht erst bei den langfristigen Zinsen, sie schafft es nicht einmal in der sehr kurzen Frist von 4 Wochen die Zinsen nach ihren Wünschen zu steuern. Eigentlich sollte nach den Vorstellungen der Fed RRP eine absolute Untergrenze für die kurzfristigen Zinsen sein. Die reale Welt sieht allerdings ganz anders aus. Auch beim Thema RRP (0,8 %) ist die Fed REAKTIV und dann auch noch erfolglos hinsichtlich des Bodens (SOFR 0,78 % und die 4-week Treasury bills sogar bei 55 Basispunkten.

        Und woran liegt es? Hierzu hatte Powell am 14. Juli 2021 die völlig korrekte Antwort gegeben:

        „You could say there is a shortage of safe short assets…So, yeah, that’s why that’s happening, there’s a shortage of T-bills, not a lot of T-bills…” https://zinsfehler.com/2021/08/31/qe-mythen/

      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        Und dann schreiben Sie:

        „Die japanische Zentralbank betreibt Yield-Curve-Control. Erklärtes Ziel ist es, die langfristigen Zinsen bei 50 Basispunkten zu fixieren. Und das gelingt ihr auch, weil sie der größte Akteur im Markt ist ( hält 50% aller Anleihen des Staates ) Sie kann so viele Anleihen kaufen, wie notwendig ist, um den “Marktzins” unter der veranschlagten Marke zu halten.“

        Es „gelingt“ ihr nur deshalb, WEIL die langfristigen Zinsen durch den MARKT auf 50 Basispunkte taxiert werden. Auch hier nichts weiter als Illusionstheater. Sie schlussfolgern nämlich völlig korrekt:

        „Ewig wird sie das nicht durchhalten können, denn diese Marktmanipulation hat Nebenwirkungen. (z.B. Yen-Verfall, Inflation )“.

        Es hätte dann Nebenwirkungen, wenn die Marktzinsen höher sein müssten und sodann die Flucht aus dem Yen starten würde (siehe Ingo Sauer). Damit würde die BoJ dann aber gegen ihr Mandat handeln. Das könnte durchaus denkbar sein. Die Marktkräfte kann sie damit aber nicht außer Kraft setzen.

        Conclusio: Der Markt bestimmt die Zinsen, nicht die ZB.

        Wer’s immer noch nicht glauben mag, hier geht’s zu den Fakten: https://alhambrapartners.com/2022/05/23/rrp-use-hits-2t-sofr-like-t-bills-below-rrp-rate-what-is-really-going-on/

        Im Gegensatz zu DT werde ich jedenfalls auf die brillanten Analysen von JS nicht verzichten.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Michael Stöcker
        “Aber selbst die größten Optimisten bei der Fed können in ihren Untersuchungen einen maximalen Einfluss in Höhe von lediglich 50 Basispunkten bei sehr massiven Käufen feststellen.”
        Ich meine mich zu erinnern, dass die Bundesbank vor Jahren, bei noch nicht vollem QE, für die Eurozone auf rd. 0,7% kam.
        Die Allianz kommt im Maximum auf eine Reduzierung der Term-Premium durch QE bei 10y Bunds von über 2%. Anfang 2022 sollen es dann noch rd. 1,85% gewesen. Das ist schon eine andere Hausnummer…
        https://twitter.com/PatrickKrizan/status/1484141576708317187?s=20&t=n487gZWCI-A-ezpxNPym9g

  10. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    bto: “Und wie geht es nun weiter? Schon seit Jahresanfang 2022 sind die Raten des Geldmengenwachstums deutlich gesunken. Das spricht dafür, dass die Inflationsraten schon bald ihren Höhepunkt erreichen und wir zu normalen Werten zurückkehren.”

    Glaubt denn jemand tatsächlich, dass die westlichen Regierungen und Notenbanken mit ihren per Gelddruckmaschine finanzierten gigantischen Ausgabenprogrammen für schwachsinnige Projekte einfach aufhören werden?

    Die Ukraine hat ungefähr 40 Millionen Einwohner und hatte vor dem Krieg eine Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung auf dem Niveau von Albanien.

    Da kann der Westen locker ein Vielfaches der “Corona-Wiederaufbauhilfen” verballern, als kleines Appetithäppchen möchte die Ukraine gerne 50 Milliarden US-Dollar Sofort-Wirtschaftshilfe (nicht Militärhilfe, die zählt extra, ist aber verblüffenderweise exakt die gleiche Größenordnung):

    https://www.zerohedge.com/markets/g7-countries-pledge-nearly-20bn-keep-ukraines-wartime-economy-afloat

    Antworten
    • Wolfgang Selig
      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Ott:

      “Glaubt denn jemand tatsächlich, dass die westlichen Regierungen und Notenbanken mit ihren per Gelddruckmaschine finanzierten gigantischen Ausgabenprogrammen für schwachsinnige Projekte einfach aufhören werden?”

      Natürlich glaubt das niemand ernsthaft. Solange wir eine Demokratie in Kombination mit finanziell ungebildeten Wählerschichten in Ländern wie Deutschland oder Frankreich haben, hört das gelddruckfinanzierte Regieren mit Wahlgeschenken natürlich nicht auf. Allerdings haben wir schon eine Zeitenwende, was die Verbraucherpreise betrifft. Während die Asset Inflation bis letztes Jahr für ein Lächeln bei den Wohlhabenden, für Enttäuschungen im Mittelstand und für Schulterzucken in armem Bevölkerungskreisen gesorgt hat (“was interessiert mich als Hartz-4-Empfänger der Kurs von Kilogoldbarren, alten Kunstwerken oder Aktienpaketen?”), ist eine Verbraucherpreisinflation schon eine andere Hausnummer. Jetzt wachen auf einmal Gewerkschaften, populistische Politiker, kriminelle Instinkte, der Mittelstand, Ruheständler, Journalisten und Wissenschaftler auf, die die Inflation am eigenen Leib spüren. Das kann schon mehr Dynamik bekommen, wenn wir nach Einführung der italienischen Geldpolitik durch Draghi vor 10 Jahren jetzt auch eine italienische Tarifpolitik bekommen sollten. Daher traue ich dem rückgängigen Geldmengenwachstum noch nicht so recht. Ich denke, wir müssen hier mindestens noch ein Jahr beobachten.

      Sehr interessant sind die Lohnideen, 8,2 % ist eine Hausnummer:

      https://www.igmetall.de/tarif/tarifrunden/eisen-und-stahl/tarifkommissionen-beschliessen-forderung

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Es muss URSÄCHLICH nicht das Geldmengenwachstum sein, das die Inflation bewirkt.

        Es kann auch der Staat sein, der AGIERT (Regulierung mit Subventionen, Sozialtransfers, Investitionen) – und dann laufen die Notenbanken mit der akkommodierenden Geldmenge hinterher, u. a. wenn sie Staatsanleihen aufkaufen.

        Inflation KORRELIERT mit der Geldmenge.

        Das ist nicht falsch, besagt aber per se nichts über die URSÄCHLICHKEIT von Inflation.

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