«Der US-Aktienmarkt ist klar überbewertet» – nicht nur der

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Heute Morgen habe ich über die gestiegenen Aktienkäufe auf Kredit und damit die Anfälligkeit für Kurseinbrüche berichtet. Hier nun ein Interview mit Nobelpreisträger Robert Shiller. Highlights:

  • „Der US-Aktienmarkt ist klar überbewertet. (…) Für die nächsten zehn Jahre erwarte ich für den S&P 500 rund 2 bis 3 % realen Ertrag pro Jahr. Das ist nicht schlecht, aber weniger als das, was Aktien historisch abgeworfen haben. Allerdings sehen die Alternativen auch nicht besser aus. Wegen der Tiefzinspolitik der Zentralbanken ist heute fast alles überbewertet.“
  • „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Zinsen noch eine Weile niedrig bleiben. Über 140 Jahre haben sie sich in langen Auf- und Abwärtszyklen bewegt. Seit der damalige Fed-Chef Paul Volcker 1981 der Inflation das Genick gebrochen hat, zeigt der Trend in den Zinsen nach unten, unabhängig davon, was auf der Welt passiert ist. Dieser Abwärtstrend wird enden, das sagen die Gesetze der Physik.“
  • „Diesmal scheint an den Finanzmärkten einfach alles überteuert zu sein, weil die Zinsen so tief sind. Auch der hohe Stand an Lombardkrediten, im Jargon Margin Debt genannt, ist ein Warnsignal.“
  • „Voraussetzungen für eine Blase: Die Kurse müssen steigen, die steigenden Kurse müssen breite Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und es muss der Glaube an ein neues Zeitalter vorhanden sein. Die ersten beiden Punkte sind heute erfüllt. Das häufigste Argument für ein neues Zeitalter ist der Glaube an die dauerhaft tiefen Zinsen.“
  • „Sogar die US Pension Benefit Guaranty Corporation, die für Pensionskassen mit Leistungsprimat garantiert, rechnet immer noch mit über 6 % Ertrag für ein gemischtes Portfolio. Das ist unrealistisch. Ich fürchte, die Behörde legt ihrer Prognose einfach die historisch erzielten Renditen zugrunde und berücksichtigt dabei nicht, dass sämtliche Anlageklassen überbewertet sind. Weil die zu erwartenden Erträge gering sind und die Lebenserwartung hoch ist, müssen Anleger auch mehr sparen. Der Markt wird es nicht richten.“

FINANZ und WIRTSCHAFT: «Der US-Aktienmarkt ist klar überbewertet», 29. August 2014

Shiller ist mit seiner Warnung nicht alleine. Wie schon öfter geschrieben, ist Jeremy Grantham vom Bostoner Fondmanager GMO ebenso kritisch. Die FT berichtet:

  • In einem von den Notenbanken manipulierten Finanzmarkt ist rationales Investieren unmöglich.
  • Es gab auch früher schon Blasen in einzelnen Märkten, aber zugleich immer noch Bereiche, die günstig bewertet waren und demzufolge Chancen boten.
  • Heute ist das anders: Es gibt keine Assetklasse mehr, die billig ist, und die eine Rendite von fünf Prozent in den kommenden Jahren abwerfen wird.
  • Die Ausnahme könnten Gewerbeimmobilien in England sein.

Die Reaktion der Märkte: mit mehr Schulden arbeiten, um die Rendite zu steigern. Wie gefährlich dies ist, zeigte die Pleite des Hedgefonds LTCM im Jahre 1998. Ein großes Rad mit minimen Margen zu drehen, geht selten gut.

FT (Anmeldung erforderlich): Yield chasers cross the beta desert at their peril, 31. August 2014

1 Antwort

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  1. […] Natürlich wurden auch im September interessante Beiträge aus anderen Quellen verlinkt und kommentiert. Angesichts der immer höheren Bewertung an den Finanzmärkten mehren sich die warnenden Stimmen. Viele Anzeichen sprechen für einen sehr turbulenten Herbst. Risiko reduzieren ist angesagt! → Der US-Aktienmarkt ist klar überbewertet […]

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