Chinas Auslandsschulden

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Chinas Auslandsschulden? Im Unterschied zu den Krisenländern Europas hat China doch keine Schulden, sondern sehr große Forderungen an das Ausland. Immerhin mehr als 1,5 Billionen in US-Staatsanleihen. Da kann es doch kein Schuldenproblem geben – mag man denken. Dennoch widmet die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich den Schulden von Banken und Unternehmen Chinas einen eigenen Report. Hintergrund ist das enorme Wachstum und dass es sich um Schulden in Fremdwährung, vornehmlich US-Dollar handelt. Erinnerungen an die Asienkrise von 1998 werden wach, als ausländische Investoren ihr Geld wieder abzogen und eine ganze Region, die zuvor vom massiven Zufluss ausländischer Gelder profitiert hatte, in die Krise stürzten. Die Kernpunkte:

  • Seit 2009 haben sich die Auslandsschulden mehr als verdreifacht, von 270 auf 880 Milliarden US-Dollar.
  • Begünstigt wurde die Kreditvergabe durch die Politik des billigen Geldes im Westen – die Investoren suchten nach Rendite. In der Folge ist das Geld überall zu billig (weit unter dem gemäß Taylor-Rule erforderlichen Niveau)
  • Wie gefährlich das ist, zeigte sich vor einigen Monaten, als die Währungen und Finanzmärkte der aufstrebenden Volkswirtschaften unter Druck gerieten, weil die Fed andeutete, weniger schnell zu drucken – um sich dann umso rasanter zu erholen, als die Geschwindigkeit der Druckerpresse unverändert blieb.
  • Sollte es aber zu einem Rückfluss der Gelder kommen, könnte es wie 1998 zu einer Dollarknappheit in der Region kommen. Denn: Fremde Währungen kann man nicht selber drucken (was auch das exorbitante Privileg der Amerikaner erklärt, welches schon de Gaulle kritisierte).
  • 1998 hat die Fed in Folge der Krise die Geldpolitik gelockert – was die Dotcom-Blase befeuert hat. Kaum auszudenken, was heute die Folge wäre. 100 statt 85 Milliarden US-Dollar pro Monat oder doch eher 150?
  • China selbst dürfte nicht so anfällig sein für einen Abfluss von US-Dollar-Krediten (gerade auch wegen der bestehenden Guthaben und der Kapitalverkehrsbeschränkungen). Dennoch könnte eine Dollarkrise die unbestrittenen Probleme der Kreditblase der letzten Jahre verstärken. Zur Erinnerung: Die inländischen Kredite Chinas sind seit 2008 von 125 Prozent auf immerhin 200 Prozent des BIP gewachsen.

Auch wenn der offizielle Titel sich auf East Asia bezieht, ist es viel mehr eine Analyse der Nebenwirkungen der globalen Gelddruckaktivitäten. Vereinfacht kann man sagen, dass sich überall neue Blasen auftun und es den Politikern und den Notenbanken so ergeht wie Goethes Zauberlehrling. Sie kriegen ihre Schöpfung nicht mehr in den Griff.

Hier der Link zur Studie der BIZ:

BIZ: Transmitting global liquidity to East Asia: policy rates, bond yields, currencies and dollar credit, Oktober 2013

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