Zum Stress in den Schwellenländern

Meine Kritiker haben recht: Ich irre mich regelmäßig. Nicht nur ist eine erneute Krise bisher ausgeblieben, auch mit der Geldanlage bin ich nicht zu betrauen. So habe ich mehrfach in den letzten zwölf Monaten betont, die Märkte in den Schwellenländern, Japan und Europa seien viel attraktiver als die USA, die furchtbar teuer waren und sind. Oh je, sie wurden relativ gesehen noch teurer und der Rest der Welt fällt immer dramatischer zurück. Das fasst auch John Authers von der FT erneut sehr gut zusammen. Allerdings macht er es noch extremer, in dem er vorrechnet, was es gebracht hätte, auf fallende Kurse in den Schwellenländern und steigende Kurse in den USA zu setzen: „Using exchange traded funds, this is how you could have done by shorting emerging markets (through the EEM ETF) and putting the proceeds into the S&P 500 (through SPY) at the bottom of the US market in March 2009.“ – bto: Das Land, das den Ausgangspunkt für die Finanzkrise darstellt, hat alle geschlagen! Und wie:

Quelle: FT

 

  • „(…) when all the world’s stock markets rose together, that looks like the outlier in the post-crisis environment. Using indices, here is how the S&P 500 has performed relative to FTSE’s indices for Europe and for the rest of the world, over the past 10 years — a period starts almost exactly on the eve of the Lehman Brothers collapse.“ – bto: Auch das ist ein beeindruckendes Bild. Einfach so hat man in den USA eine Outperformance, die es in sich hat.

Quelle: FT

  • „There are good reasons for US outperformance. The most important, of course, is that most of the large technology companies that are attracting most investor interest happen to be based in the US. Also, there is overlap with the strength of the dollar. With the US further advanced than other countries in the process of attempting to return its monetary policy to something like normal after the crisis, it is natural that the dollar has been strengthening, and thereby helping the US stock market to outperform.“ – bto: Umgekehrt steht der stärkere Dollar hinter den Problemen in den Schwellenländern.
  • „But can this pattern continue without so damaging emerging markets economies that the US finds that it has lost important demand for its products? The JPMorgan Emerging Markets FX index has set (yet another) all-time low. South Africa’s rand is currently under the greatest pressure, after the Turkish lira and Argentine peso, which have been in full-blown crisis mode for a while. And emerging bond markets are now beginning to show the strain as well. JPMorgan’s EMBI index is now at its widest spread since the brief dose of horror which greeted the election of Donald Trump as US president in 2016:“ – bto: Das ist der maximale Stress im Weltfinanzsystem.

Quelle: FT

  • The word crisis has to be used sparingly, but this is now a very serious dose of pressure for emerging markets, which the strength of the US seems to be exacerbating.“ – bto: Und dann haben wir sie wieder, die Krise, ausgelöst durch zu viele Schulden …
  • „(…) it’s clear that both fear and greed are simultaneously at work in global financial markets. (…)  periods when both fear and greed are at work in global markets are rare and do not persist.“ – bto: was zu der Frage führt: Wer folgt wem? These: eher die USA dem Rest als umgekehrt. Wenn ich mich irre, umso besser für uns alle!
  • „(…) money supply has not tightened the way it is at present since the crisis. And the tightening has been drastic:“ – bto: Hm, man beachte mal die letzten Zeitpunkte, wo es unter fünf Prozent fiel.

Quelle: FT

  • „The US is not in a full-blown bubble, and the emerging world outside Turkey and Argentina is not in crisis. It would be good for everyone if the dichotomy between the US and the rest could be resolved without getting to those extremes first.“ – bto: Ja, wir können uns das wünschen. Nur was machen wir mit der Geldmenge? Einfach wieder Gas geben und noch mehr Schulden machen? Ja, so wird es wohl kommen.

ft.com (Anmeldung erforderlich): „Authers’ Note: All around the world“, 6. September 2018

10 Kommentare
  1. Rohstoffe im Superzyklus sagte:

    Das allgemeine Problem ist, daß es in den Entwicklungs- und Schwellenländern keine Unternehmen von globaler Bedeutung jenseits des Rohstoffbereiches gibt. Und der Rohstoffsektor läuft seit 2011 mit einer kurzen Zwischenerholung im Jahr 2016 sehr schlecht. Das war anders von 2000 bis 2007, wo infolge des wirtschaftlichen Aufstiegs von China Rohstoffunternehmen prosperierten („BRIC“), derweil beispielsweise die heute wieder glückliche Firma Microsoft im Kurs gesunken ist trotz laufend weiter wachsender Umsätze und jährlichen Gewinnen:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/timeline/3fa73ef79ced3f95c4f536b1bd6023bf.png

    https://www.boerse.de/historische-kurse/Microsoft-Aktie/US5949181045

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  2. Johannes sagte:

    Der Stress in dem Schwellenland Türkei steigt gerade einen heftigen „Tacken“ an:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/tuerkei-immobiliengeschaefte-duerfen-nur-noch-in-lira-erfolgen-a-1227862.html

    “ Nur noch Lira
    Türkei verbietet Immobiliengeschäfte in Euro und Dollar“

    Der türkische Präsident vermag offenbar nicht, seine Landleute zum Tausch „Dollar/Gold“ gegen türkische Lira zu animieren (wobei offen ist, ob mit gutem Beispiel voran geht) und erhofft sich wohl auf diesem Weg einen Zugang zu harten Devisen.

    „Immobilienverträge, die in einer ausländischen Währung wie Euro oder Dollar abgeschlossen werden, sind in der Türkei weit verbreitet.“

    Bin gespannt, wie der Immobilienmarkt in der Türkei darauf reagiert…

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  3. Timo sagte:

    Zum ersten : Eine Aussage wird nicht dadurch falsch, daß die Märkte sie nicht umsetzen. Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent, wusste schon John Templeton.
    Zweitens : Ja, der amerikanische Markt hat die anderen Märkte in den letzten zehn jahren outperformt und EM hat in den letzten zehn Jahren nur 22%(Total return) gegenüber 126% des S%P erbracht.
    Aber wie siehts in den Jahren davor aus ?
    1999-2007 EM 420,1% S&P 37,5%
    Über einen Zeitraum von 30 Jahren hat EM 11% jährlich gebracht, der S&P 10,2%( Quelle: awealthofcommonsense.com)
    Momentan hat EM ein Jahresminus von ca. 20% und eine Investition in diesen hochvolatilen Markt erfordert starke Nerven. In der Vergangenheit hat sich jedoch meist ausgezahlt, nach starken Rückgängen, in diesen Markt zu investieren.

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  4. Wolfgang Selig sagte:

    Machen Sies ich zu Ihren Prognosen keine Gedanken, Herr Dr. Stelter. Daran beißen sich schon seit Jahrhunderten hochgelehrte Köpfe die Zähne aus…:

    „Ich kann zwar die Bahn der Gestirne auf Zentimeter und Sekunde berechnen, aber nicht, wohin eine verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann.“

    Sir Isaac Newton (1643 – 1727), englischer Mathematiker, Physiker und Astronom

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  5. ikkyu sagte:

    Exakte Prognosen liefern nur die Klimaforscher! :-)

    Alles andere ist Esoterik.

    Allerdings stellt sich die Frage, warum jemand, der die Fähigkeit besitzt, ein nichtlinear gekoppeltes System mit teilweise unbekannten Einflußgrößen und einem Parameterspace im Bereich von 1 Mio. zu prognostizieren, in einem Klimaforschungsinstitut für 6000,-€ brutto arbeitet, anstatt an der Börse Mio. zu verdienen.

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