Sind die 80 Milliarden für den Kohleausstieg doch sinnvoll?

Man schreibt mir:

Stelter: Dort wurde plakativ vorgerechnet: Im Kohlesektor arbeiten 20.000 Leute. Wenn wir jedem eine Million geben, kostet das 20 Milliarden Euro. Da frage ich mich ganz ehrlich: Wäre es nicht sinnvoller, jedem diese Million zu geben? Dann wäre das Thema erledigt.

Nein, wäre nicht sinnvoller, Herr Stelter! Grund – siehe Anhang!“ – bto: Na, dann schauen wir uns mal an, wie sinnvoll das wirklich ist:
  • „Mit dem Ausstieg aus der Kohle will Deutschland seine Klimaziele erfüllen. Doch er bedeutet für die betroffenen Regionen auch: Arbeitsplatzverlust und Strukturwandel. Letzterer soll mit insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro vom Bund unterstützt werden. Die Kohlekommission schlägt 1,3 Milliarden Euro pro Jahre über 20 Jahre lang für konkrete Projekte vor. Dazu sollen den vier Braunkohleländern 0,7 Milliarden pro Jahr bereitgestellt werden, die nicht an Projekte gebunden sind. Obendrauf kommen zur Verbesserung des Verkehrs ein ‘Sonderfinanzierungsprogramm’ und ein Sofortprogramm bis 2021 im Umfang von 1,5 Milliarden Euro, die bereits im Bundeshaushalt bis 2021 eingeplant sind. In ihrem Bericht hat die Kohlekommission bereits einige konkrete Projekte vorgeschlagen (…)“ – bto: was ich als ökonomischen Wahnsinn kritisierte.

Doch was sind denn nun die Projekte? Hier das Beispiel Leipzig:

  • Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorte: (…) das Mitteldeutsche Revier ‘durch seine Nähe zu den erstarkenden Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorten Leipzig, Halle an der Saale, Merseburg, Magdeburg und Jena geprägt’. (…) solle (…) Teil einer Region sein, die zu den führenden Metropolregionen Mitteleuropas zählt, sowohl durch ihre Wirtschaftskraft und ihre exzellente Bildungslandschaft, als auch durch ihren kulturellen Reichtum und ihre hohe Lebensqualität.“ – bto: Das ist Blabla und vor allem entspricht es nicht der wirtschaftlichen Realität im Osten. Leipzig entwickelt sich sehr gut, dennoch bleibt ein großer Gap zu dem, was hier versprochen wird. Wieso macht man das erst, wenn die Kohle wegfällt? Könnte und sollte man doch auch so tun. Hat also mit dem Ausstieg nichts zu tun.
  • Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Für neue Wirtschaftsimpulse setzt die Kohlekommission stark auf Verkehrsprojekte, dadurch sollen neue Unternehmen angesiedelt werden. Geplant ist etwa ein ‘Verdichtungsraum Halle-Leipzig’. Zunächst soll es eine ‘Machbarkeitsstudie’ geben sowie ‘eine bauliche Umsetzung’ grundsätzlicher Neustrukturierungen und Neubauten des Schienenfernverkehrs in Leipzig und im Großraum Leipzig.“ – bto: Bauen ist bekanntlich ein Bereich mit besonders tiefer Produktivität und hat deshalb einen Arbeitskräfteeffekt. Doch wird diese Buddelei das nachhaltige Wachstumspotenzial heben? Da sind Zweifel mehr als berechtigt!
  • Bessere Bahn-Anbindungen:  Unter anderem sollen Orte, die um das Mitteldeutsche Revier liegen, besser an Leipzig angebunden werden. Taktverdichtungen werden unter anderen vorgeschlagen für die Strecken BornaLeipzig, ChemnitzLeipzig, Delitzsch-Leipzig sowie LeipzigDöbeln. (…) Zudem soll es eine Machbarkeitsstudie zur Elektrifizierung der Strecke LeipzigGrimma geben. Als Projekt wird auch eine mögliche S-Bahn-Strecke Gera-Zeitz-Pegau-Leipzig genannt.“ – bto: Und dies in einer Region, die, wie der Rest Deutschlands vor einem deutlichen Bevölkerungsrückgang steht? Wäre es nicht besser, in Digitalisierung zu investieren?
  • City-Tunnel II: (…) Die Kohlekommission schlägt zumindest eine Machbarkeitsstudie für eine Erweiterung des bestehenden Tunnels und den Bau eines ‘Citytunnel II’ vor, also eine unterirdische Ost-West-Verbindung.“ – bto: Was hat das mit dem Ausstieg aus der Kohle zu tun?
  • Flughafen Leipzig/Halle: Bereits im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung war eine Aufwertung des Flughafens Halle/Leipzig vorgesehen. Nun könnte der Ausbau noch größer werden. Die Kohlekommission schlägt Vorfelderweiterungen vor, außerdem neue Rollwege und den Aufbau eines Adhoc-Cargo-Charters einschließlich ‘nachgelagerter Wertschöpfungsketten’. Profitieren könnte davon vor allem DHL.“ – bto: Ich finde es auch logisch konsistent, aus Umweltgründen die Kohle abzuschalten, dafür aber den klimaschädlichen Flugverkehr zu fördern.
  • Tieferlegung der B2 am Agra-Park: Der Agra-Park südlich von Leipzig ist eigentlich ein idyllischer Ort, wäre da nicht die B2-Brücke mit ihrer starken Verkehrsbelastung. Die Kommission nennt die Brücke einen ‘massiven städtebaulichen Missstand’ und schlägt eine ‘Tieferlegung’ vor (…)“ – bto: Wieder soll gebuddelt werden. Was ändert das an dem Potenzial BIP/Kopf in Deutschland zu erwirtschaften?
  • Schließung Mittlerer Ring: (…) Die Idee dahinter ist die Entlastung der innenstadtnahen Straßen, falls der Verkehr in Leipzig weiter zunehmen sollte.“ – bto: wieder Bauen, wieder nur ein Geschenk an die Stadt. Fein, aber was hat das mit Zukunftssicherung zu tun?
  • Elster-Saale-Kanal: Eine viel ältere Idee könnte mit den Kohlemilliarden ebenfalls noch realisiert werden: der Elster-Saale-Kanal. ‘Angestrebt wird die Kanalentwicklung in zwei Ausbaustufen’ (…)“ – bto: Wenn es einen ökonomischen Sinn hätte, würde man es auch ohne Kohlemilliarden machen. Wahnsinn.
  • Neue Veranstaltungshalle: Bereits im November 2018 am Rande des Olympiaballs sagte OB Jung: ‘Wir träumen in der Tat von einer großen, neuen Ballsporthalle. Das ist kein Hirngespinst.’ Die Pläne finden sich nun auch in den Projektvorschlägen der Kohlekommission wieder – und könnten theoretisch für das nötige Kleingeld sorgen.“ – bto: Das ist also die Investition von Mitteln, um die Wirtschaft in der Region voranzubringen!
  • Musik-Campus LeipzigSchon seit mehreren Jahren kooperieren das Forum Thomanum und die Musik-Hochschule . Die Kohlekommission schlägt nun erneut einen Musik-Campus vor. Aufbau und Betrieb sollten unter Beteiligung des Musik-Hochschule geschehen.“ – bto: Ich liebe Musik und Kultur. Es ist aber nicht das, was ich unter Stärkung der Wirtschaftskraft verstehe.
  • Naturkundemuseum: Der Umzug des Naturkundemuseums auf die Spinnerei war zuletzt gescheitert. Wie es weitergeht, ist bisher unklar. Falls das Museum Mittel aus dem Strukturförderprogramm der Bundesregierung erhalten würde, könnten sich aber neue Möglichkeiten ergeben.“ – bto: dito.
  • Filmakademie und Filmpreisgala: Bereits jetzt gilt Leipzig – zumindest in Mitteldeutschland – als Medienstandort. Etwa durch das Dok-Filmfestival oder den MDR-Standort. Die Kohlekommission schlägt nun eine Stärkung des Medienstandortes vor: So soll eine Filmakademie mit Filmzentrum entstehen.“ – bto: dito.
  • Ausbau der Medizin: Die medizinische Forschung der Uni Leipzig soll gestärkt werden, dazu soll ein ‘3-D-Druck Zentrum Personalisierte Medizin’ entstehen. Forschungsfelder sollen Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Personalisierte Chirurgie und Materialien sein. Die Kommission spricht von ‘Synergien für einen hochentwickelten Life-Science-Cluster, der sich insbesondere im Bereich E-Health, Biotech und KI-basierter Diagnostik als besonders leistungsfähig erweist’.“ – bto:  Das kann man als vernünftige Verwendung der Mittel ansehen.
  • Logistikhub und Forschungsstandort: Laut Kommission bietet sich die Region Leipzig als Standort für die Erforschung neuer Antriebssysteme an. ‘Dies schließt die Entwicklung von neuen Antriebskonzepten (Batteriezellen, wasserstoffbasierte Brennstoffzelle etc.) – auch im Hinblick auf die Biologistik – ebenso mit ein wie die Entwicklung neuer Verkehrs-, Elektromobilitäts- und Logistikkonzepte’, heißt es. Das Mitteldeutsche Revier biete aufgrund seiner zentralen Lage ideale Voraussetzungen für den weiteren Ausbau als europäischer Logistikhub.“ – bto: Auch da mag man noch einen Sinn erkennen.

Und, was schließen wir daraus? 90 Prozent (oder mehr!) fließt in Projekte, die zwar die Lebensqualität steigern mögen, sonst aber auch gar nichts dazu beitragen, künftigen Wohlstand zu sichern. Im Gegenteil entstehen erhebliche Folgekosten. Dafür 80 Milliarden? Wahnsinn!

→ lvz.de: „Diese Projekte schlägt die Kohlekommission für Leipzig vor“, 13. Februar 2019

46 Kommentare
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    Klaudia sagte:

    @Richard Ott:

    „Aber der Wirkungsgrad der Technik ist so schlecht, dass ein Großteil der Bevölkerung sich die dann massiv verteuerte Energie nicht mehr leisten können würde, jedenfalls nicht ohne erhebliche Einschränkungen bei ihrem Lebensstandard.“

    Der Wirkungsgrad der Technik ist SO schlecht, daß damit keine technische Zivilisation bestehen kann.

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      troodon sagte:

      @ Klaudia, Richard Ott
      Der Wirkungsgrad von PtG wird sich verbessern.

      Wie beurteilen Sie diese Meldungen:

      „Es hat gezeigt, dass Hochtemperaturelektrolyse und Methanisierung als gemeinsamer Power-to-Gas-Prozess mit einem Wirkungsgrad von über 75 % im Technikumsmaßstab möglich sind.“
      https://www.internationales-verkehrswesen.de/power-to-gas-mit-hoeherem-wirkungsgrad/

      „Der Wirkungsgrad der Elektrolyse wird der Analyse zufolge von heute 59 bis 82 Prozent bis 2030 auf 70 bis 93 Prozent ansteigen. Bis 2050 wird in den Studien ein Wirkungsgrad zwischen 76 und 93 Prozent prognostiziert. Der Prozessschritt der Methanisierung erreiche heute schon einen Wirkungsgrad zwischen 70 und 83 Prozent. Bis 2030 werden zwischen 84 und 89 Prozent erwartet, bis 2050 bis zu 90 Prozent.“
      https://www.euwid-energie.de/power-to-gas-wirkungsgrad-steigt-und-kosten-sinken/

      „Wettbewerbsfähigkeit gegenüber fossilem Gas

      Abschließend wurden die Experten um eine Einschätzung gebeten, wann eine Wettbewerbsfähigkeit von PtG-Anlagen gegenüber fossilem Gas bei einer Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen erreicht werden könne. Vor dem Hintergrund der unsicheren Preisentwicklung von Erdgas fiel es vielen der Befragten hier schwer eine Angabe zu machen. Fünf von neun Experten
      legten sich schließlich auf den Zeitraum 2020-2030, zwei weitere auf 2030-2040 fest. Ein Experte setzte Wettbewerbsfähigkeit mit Gleichpreisigkeit gleich und gab an, dass diese im Fall einer CO2-Besteuerung und einer Verteuerung des Gaspreises auf 6-8 Cent ab 2020 bis 2030 zu erwarten sei.“
      https://zukunft.erdgas.info/fileadmin/public/PDF/Politischer_Rahmen/Delphi_Kurzstudie_Praxis_und_Potenzial_von_Power-to-Gas.pdf

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        Richard Ott sagte:

        @troodon

        „Wie beurteilen Sie diese Meldungen:
        [irgendwelche Umfragen oder „Metaanalysen“ über die erzielbaren Wirkungsgrade von Technologien in 30 Jahren]“

        Kennen Sie diese lustigen Fernsehsendungen, wo Leute bei Wahrsagerinnen anrufen können und sich dann „beim Universum superviel Geld bestellen“ oder beraten werden, welche Zauberkristalle am besten zu ihrer Aura passen?

        Die sind genau so seriös.

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        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        Beim ersten Link geht es um bereits Erreichtes…
        Ihre Antwort liest sich für mich wie : Weil die Prognose nicht garantiert werden kann, verzichte ich auf sie und bleibe einfach bei dem, was heute gilt. Genau diese Einstellung fällt z.B. den D-Autobauern auf die Füße…

        Gesunde Skepsis ist immer angebracht, aber, wenn man sich nicht mit dem zukünftigen Entwicklungen rechtzeitig beschäftigt, hat dies eben u.U. sehr negative Auswirkungen auf Unternehmen bzw. man lässt mögliche Chancen liegen. Siehe z.B. die Technolgie-Dominanz der US-(und China) Unternehmen im Vergleich zu den europäischen.

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    Dietmar Tischer sagte:

    @ ikkyu, Richard Ott, Jochen Römisch, troodon

    Sie diskutieren über Technik:

    Schwierig, so nicht machbar und zudem noch oder überhaupt unbezahlbar.

    Als Klimafreund würde ich Ihnen antworten:

    Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und die Industrielle Revolution ab der Dampfmaschine auch nicht über Nacht beendet. Die Energiewende braucht Zeit, wir haben ja gerade erst angefangen. Zukünftige Technik wird die Probleme lösen.

    Das ist argumentativ das Beste, was von dieser Seite vorzubringen ist.

    Es ist aber nicht hinreichend, weil es einen wesentlichen Teil der Gesamtproblematik ausblendet.

    Ich verweise auf die Gelbwesten in Frankreich mit allem was dazugehört:

    Der Auslöser war STEUERHÖHUNG für die Finanzierung von Umweltvorhaben.

    Gelbwesten in Deutschland (nicht in irgendeiner Schmuddelecke der Republik, sondern in Stuttgart, wo die vermutlich anständigsten Bürger des Landes leben):

    Über Nacht ein Gesetz, das ihnen und anderen Dieselfahrern wieder die Fahrt in die Städte erlaubt (indirekt auch ein KLIMATHEMA)

    Kurzum:

    Die EMPIRIE zeigt bereits jetzt, am Anfang der Entwicklung, dass es anders abläuft, als es mit der Industriellen Revolution abgelaufen ist:

    Die Bevölkerung wird keine Verarmung durch die Energiewende dulden, geschweige denn eine Verelendung, bis der Wohlstand irgendwann vielleicht so sehr zugenommen hat, dass man die Energiewende und ihre Technik akzeptieren kann (was sowieso hypothetisch ist).

    Vor allem wird übersehen:

    Die Industrielle Revolution hat zwar auch Jobs vernichtet und Strukturen verändert, aber nicht derart schnell und radikal, wie es die angesteuerte Energiewende tun wird, wenn sie so wie von vielen verlangt, umgesetzt wird (die Zeit drängt ja!):

    Wenn die alten, gut bezahlten Jobs wegbrechen, ist der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar und damit werden wir eine unkalkulierbar andere Gesellschaft.

    Dann reden wir nicht mehr über Energiewende-Technik, sondern wie wir vielleicht gerade noch eine akzeptable gesellschaftliche Wende hinkriegen – auf dem Trümmerfeld, das sie uns beschert hat.

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      troodon sagte:

      @ D.T.
      Wenn es nach dem BMWi geht hat die Energiewende einen positiven Einfluss auf BIP und Beschäftigung. Etwas anderes können die natürlich auch nicht schreiben… Aber auch die Preise steigen durch die Energiewende. (S.76 bzw S. 88 im pdf der Studie)
      https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/gesamtwirtschaftliche-effekte-der-energiewende.pdf?__blob=publicationFile&v=8

      Hat sich irgendjemand hier mit der Studie ernsthaft beschäftigt?

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut und die Industrielle Revolution ab der Dampfmaschine auch nicht über Nacht beendet. Die Energiewende braucht Zeit, wir haben ja gerade erst angefangen. Zukünftige Technik wird die Probleme lösen.
      Das ist argumentativ das Beste, was von dieser Seite vorzubringen ist.“

      Das funktioniert aber nur, wenn die zukünftige Technik, die sich die Klimafreunde herbei wünschen, auch existieren kann. Was machen Sie, wenn die Gesetze der Physik dem entgegen stehen und auch keine neue Technologie erfunden werden kann, die unsere Fähigkeiten im Rahmen der Grenzen, die die Naturgesetze nun einmal setzen, erweitern?

      Wir könnten sicherlich auch das Verkehrsproblem in unseren Städten ganz einfach und zur Zufriedenheit aller Klimafreunde lösen, wenn nur jemand einen Teleporter erfinden könnte, der so funktioniert wie das „Beamen“ auf dem Raumschiff Enterprise. Aber ich glaube nicht, dass so eine Technologie existiert.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Das funktioniert aber nur, wenn die zukünftige Technik, die sich die Klimafreunde herbei wünschen, auch existieren kann.>

        Das ist natürlich richtig.

        Man würde Ihnen aber antworten:

        Wir kennen noch nicht alle Gesetze der Physik bzw. nicht alles, was sie uns technisch erlauben, also nicht DIESES Wenn.

        Das ist auch richtig.

        Deshalb habe ich mich gefragt, wie mache ich die Position der Gegenseite argumentativ so STARK wie möglich, um dann etwas dagegen zu setzen.

        Es ist m. A. n. die völlige Blindheit gegenüber den politischen Entwicklungen, die aufgrund der wirtschaftlichen keine Akzeptanz erwarten lassen.

        Es ist z. B. klar, dass die E-Mobilität allein in Deutschland Arbeitsplätze in sechsstelliger Zahl kosten wird. Dazu Ausstieg aus der Braunkohle etc.

        Das ist letztlich der GRUND, warum wir unsere selbst gesetzten Klimaziele schon heute nicht erreichen.

        Wenn wir ein tolles Wachstum hätten, wäre es nur eine Frage, wohin die Leute wechseln müssten.

        Haben wir aber nicht und der Bau neuer Stromleitungen ist keine Kompensation.

        Ich bin mittlerweile der Meinung, dass die Energiewendebefürworter so fixiert, ja geradezu in Selbstsuggestion verfangen sind, dass sie die Realität nicht mehr angemessen einschätzen können.

        Es ist ja auch kein Wunder, wenn als Verstärker jeden Tag Klimakatastrophen und Demonstrationen über den Bildschirm laufen.

      • Avatar
        D. Krämer sagte:

        Hallo,
        also in Punkto Speicherung Power-to-X bzw. CO2-to-X wird relativ viel geforscht.
        Ich war auf der ProcessNet Jahrestagung. (https://processnet.org/Veranstaltungen/JT2018_+10__13_09_2018/Programm.html) Leider habe ich keine Vorlesungsfolien die das stützen, aber was ich mitgenommen habe aus den Vorträgen: Die Langzeitspeicherung in regenerativ erzeugtem Erdgas/Methanol/Zucker ist technisch möglich, aber gerade noch zu teuer. Hier muss man natürlich wirtschaftlicher werden (größere Anlagen etc). Aber rein TECHNISCH ist das Problem gelöst.

        Bei aller Kritik und berechtigter Befürchtung einer Dunkelflaute.
        Wie soll Deutschland seine Energieversorgung gestalten ohne Treibhausgase zu emitieren? Das beantwortet hier keiner.
        Meine Vision wäre in Afrika und Saudi-Arabien solarerzeugtes Erdgas.

        Eine optimistische aber faktenbasierte Sicht zu den Potentialen der Solarenergie vom Professor für Physik an der Freien Universität Berlin:
        https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/energiewandel-das-versprechen-der-solarenergie

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Krämer, Herr Tischer

        „rein technisch ist das Problem gelöst“

        Das stimmt schon. Wenn Geld und Stromkosten keine Rolle spielen, dann könnten wir sogar schon heute 100% erneuerbare Stromerzeugung und Speicherung mit Power-to-Gas haben. Aber der Wirkungsgrad der Technik ist so schlecht, dass ein Großteil der Bevölkerung sich die dann massiv verteuerte Energie nicht mehr leisten können würde, jedenfalls nicht ohne erhebliche Einschränkungen bei ihrem Lebensstandard.

        Und ob der Wirkungsgrad der Speichertechnik so weit verbessert werden kann, dass sie mit fossiler Erzeugung zu derzeitigen Preisen konkurrieren kann, ist pure Spekulation. Sie versuchen hier, das Optimierungspotential einer neu entwickelten Technologie einzuschätzen und den Punkt vorher zu sagen, an dem die Technologie dann voll durchoptimiert ist, und daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass es dann irgendwann eine tolle, günstige, massenmarktgeeignete Technik sein wird. Das ist Wunschdenken.

        Was schon kleine, staatlich verordnete, Preiserhöhungen bei Energie auslösen können, sehen wir ja bei den Gelbwesten in Frankreich.

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    Thierry sagte:

    Hier mein Lektürevorschlag:

    „Die Energiewende fällt aus“ von Günter Köchy, ISBN 978-3-74484-114-6

    Dem Buch hätte ein professioneller Lektor gut getan, aber das ändert nichts an der Qualität der Argumente und Schlussfolgerungen.

    Wer nach Lektüre nicht schnellstens Kerzen kauft, wird es nie verstehen!

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    ikkyu sagte:

    Für Interessierte die „VGB-Studie: Windenergie in Deutschland und Europa“

    Zitat:
    „Die intuitive Erwartung einer deutlichen Glättung der Gesamtleistung in einem Maße, das einen Verzicht auf Backup-Kraftwerksleistung ermöglichen würde, tritt allerdings nicht ein. Das Gegenteil ist der Fall, nicht nur für ein einzelnes Land, sondern auch für die große Leistungsspitzen und -minima zeigende Summenzeitreihe der Windstromproduktion 18 europäischer Länder.
    …..
    Windenergie trägt damit praktisch nicht zur Versorgungssicherheit bei und erfordert 100 % planbare Backup-Systeme nach heutigem Stand der Technik.“

    https://www.vgb.org/studie_windenergie_deutschland_europa_teil1.html

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    Jochen Römisch sagte:

    @ troodon
    Ich hatte einfach mal nach „Solarspeicher“ gegoogelt. Natürlich haben Sie recht, dass es etwas günstiger geht. Aber auch mit 100 US-Dollar/kWh kommt man für zwei Wochen Dunkelflaute auf 100 mal 70 Mio.kWh mal 336 auf ca. 2352 Milliarden Dollar. Selbst bei diesen Zahlen ist es wesentlich günstiger, einen Teil des Stroms wegzuwerfen und Gaskraftwerke vorzuhalten.
    Und nicht vergessen, wir sprechen hier nur über den Sektor Strom, welcher ca. ein Drittel am Primärenergieverbrauch beeinflusst.
    interessanter link: https://www.bmwi.de/Navigation/DE/Themen/themen.html?cl2Categories_LeadKeyword=energiespeicher
    Insgesamt nichts Greifbares, von Zahlenwerten ganz zu schweigen.
    Wenn man sich in ein Abenteuer „Energiewende“ stürzt, ist es vorher absehbar, dass wegen fluktuierender Erzeugung Speicher benötigt werden. Wenn man dazu dann keinen Plan hat, ist das schon mehr als grob fahrlässig. Ich bin immer wieder überrascht, dass die Industriebosse, statt von Anfang an die Wahrheit zu sagen, lieber auf der „Ökowelle“ surfen und glauben, dass man durch das Abgreifen von Subventionen auf Dauer überleben kann. (Damals die Energiewirtschaft, im Augenblick die Automobilindustrie)
    Übrigens muss man in Gesprächen immer wieder betonen, dass die unvorhersehbar produzierten kWh aus Sonne und Wind in keinster Weise mit konventionell erzeugter elektrischer Energie mithalten können, da hier nach Bedarf erzeugt werden kann.
    Bei den Kostenangaben für Fotovoltaik und Windkraft müssten die Speicher für einen fairen Vergleich mit einbezogen werden, zumindest sobald man mehr als wenige Prozent des Gesamtstrombedarfs auf diese Weise erzeugen will.

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      troodon sagte:

      @ Jochen Roemisch
      „Selbst bei diesen Zahlen ist es wesentlich günstiger, einen Teil des Stroms wegzuwerfen und Gaskraftwerke vorzuhalten.“
      Leider geht es ja aber nicht um „günstiger“ oder wirtschaftlicher, sondern man hat eine Agenda, die man umsetzen will…

      „wir sprechen hier nur über den Sektor Strom, welcher ca. ein Drittel am Primärenergieverbrauch beeinflusst.“
      Das vergesse ich nicht, wobei ich dachte, dass es sogar nur rd. ein Fünftel ist. Wodurch das Ganze noch schwieriger wird.

      „Wenn man sich in ein Abenteuer „Energiewende“ stürzt, ist es vorher absehbar, dass wegen fluktuierender Erzeugung Speicher benötigt werden. Wenn man dazu dann keinen Plan hat, ist das schon mehr als grob fahrlässig. “
      Das ist ja genau mein Thema. Irgendwie müssen die doch wenigstens einen theoretisch Plan haben, auch wenn dieser aus heutiger Sicht komplett unwirtschaftlich ist… Also werde ich mich durch etliche Artikel/Videos kämpfen müssen, wie z.B. dieses
      https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/w-wie-wissen-video-228.html
      und hinterher hoffentlich etwas schlauer sein, um nicht ganz so unwissende Fragen stellen zu müssen…

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        Richard Ott sagte:

        „Ich hatte einfach mal nach „Solarspeicher“ gegoogelt. Natürlich haben Sie recht, dass es etwas günstiger geht. Aber auch mit 100 US-Dollar/kWh kommt man für zwei Wochen Dunkelflaute auf 100 mal 70 Mio.kWh mal 336 auf ca. 2352 Milliarden Dollar. Selbst bei diesen Zahlen ist es wesentlich günstiger, einen Teil des Stroms wegzuwerfen und Gaskraftwerke vorzuhalten.“

        „Irgendwie müssen die doch wenigstens einen theoretisch Plan haben, auch wenn dieser aus heutiger Sicht komplett unwirtschaftlich ist“

        Manche von den Politikern sind wahrscheinlich wirklich einfach zu blöd, um das Problem zu begreifen. Die Intelligenteren glauben fest daran, dass in Zukunft irgendwelche neuen Wunder-Technologien erfunden werden oder die Effizienz bestehender Technologien so weit verbessert werden kann, dass es irgendwie funktioniert. Es kann ja tatsächlich sein, dass wir Glück haben und das klappt – aber der fanatische Glaube an die Entwicklung irgendwelcher Wunderwaffen hat Deutschland schon einmal ins Verderben geführt, und ersetzt meiner Meinung nach keine durchdachte und realistische Strategie sondern ist pure Verzweiflung.

        In Wirklichkeit würde so ein riesiger „Deutschland-Speicher“ noch viel mehr kosten als 2,35 Billionen Dollar – denn Sie bräuchten dafür so viele Rohstoffe, dass Sie damit die Preise für diese Materialien nach oben drücken würden. Wenn jedes Land auf der Welt diese Strategie fahren würde, dann würden die geeigneten Rohstoffe auf dem Planeten nicht einmal reichen, egal welchen Preis Sie bereit wären zu bezahlen.

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        Jochen Römisch sagte:

        @ troodon
        Ich habe den Eindruck, unsere Sicht der Dinge unterscheidet sich nur unwesentlich, was evtl. diesem Kommunikationsmedium geschuldet ist.
        Leider ist es aber so gut wie unmöglich, weniger interessierten Zeitgenossen diese Zusammenhänge plausibel zu machen. Selbst gestandene Handwerksmeister glauben das „Märchen von der Energiewende“. Vielleicht sollten wir mal ein Buch schreiben.

        Die einzige Informationsquelle, mit der ich schon einige Mitmenschen auf die Probleme aufmerksam machen konnte, ist das „Agorameter“ auf der Seite Agora, Energiewende. Diese Seite ist wohl unverdächtig, da sie selbst die Energiewende propagiert.
        https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/power_generation/01.02.2019/01.03.2019/
        Es ist sehr erhellend, wenn man die verschiedenen Energieträger anklickt und farblich darstellen lässt. Besonders der enorme Beitrag unserer Pumpspeicherkraftwerke :-)
        Man sieht sehr gut, dass die Windkraft bei entsprechenden Wetterlagen sehr viel (teilweise über 50%) beisteuern kann. Leider ist bei Windstille auch dreißigtausend mal fast Null immer noch fast Null.
        Die Bevölkerung wird hier mit gemittelten Werten hinters Licht geführt.
        Auch jeder, der Ökostromtarife bucht, bekommt Kohlstrom.
        Bei der Windkraft hängt die Leistung eben leider von der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ab, d.h. 1/3 Windstärke gegenüber voller Leistung ergibt noch 3,7% der Leistung. Da können wir noch zehnmal soviele Windkraftanlagen aufstellen, es reicht doch nicht. Und die Aussage: „irgendwo weht immer Wind“ gilt vielleicht weltweit, aber nicht mal immer für Europa: https://www.eike-klima-energie.eu/2017/01/11/der-wind-weht-ueberhaupt-nicht-immer-irgendwo-ein-nachtrag-zum-maerchen-von-der-wind-grundlastfaehigkeit/
        Wenn man sieht, wieviele Waldflächen (auch in Naturschutzgebieten) für die Windkraft geopfert werden, die Verluste bei Vögeln und Fledermäusen bedenkt und : https://www.welt.de/wirtschaft/article190400675/Insektensterben-Welche-Schuld-tragen-Windraeder.html
        muss man sich schon fragen, ob diese Art der Stromerzeugung umweltfreundlich ist, zumal wir uns ja hier die doppelte Infrastruktur leisten.
        Übrigens zur Kohle:
        https://www.derwesten.de/wirtschaft/neues-geschaeftsmodell-rag-exportiert-ihre-kohlekraftwerke-id9744014.html

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Römisch

        Ich glaube, diese Daten kommen von den Stromnetzbetreibern in Deutschland. Ähnlich aufbereitet aber mit mehr Details und schöneren Auswertungsmöglichkeiten findet man sie hier: https://energy-charts.de/index_de.htm

        Dort gibt es auch sehr schöne Diagramme um Ihr Argument von der Unzuverlässigkeit der Windenergie zu illustrieren:
        https://energy-charts.de/ren_share_de.htm?year=2018&source=wind-share&period=daily
        (Es gibt auch minutengenaue Auswertungen, aber dann wird es sehr schnell unübersichtlich, wenn man nicht an die Darstellung gewöhnt ist.)

        Ich sehe das ganz genau so, die Berichterstattung über die Jahresdurchschnittswerte der „erneuerbaren Energie-Erzeugung“ verschleiert das Problem der kurzfristigen extremen Schwankungen, die dann wiederum die teuren Stromspeicher erforderlich machen, wenn man viele Grünen-Politiker aber keine grundlastfähigen Kraftwerke mehr hat.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ ikkyu, Richard Ott, Jochen Römisch
        Danke für die Links. Werde es hoffentlich schaffen bis zum nächsten Energie Post von Dr.Stelter mir mehr Wissen angeeignet zu haben ;)

        Windenergie onshore sehe kaum mehr deutliches Potential in D. Wenn man dann noch die heftigen Schwankungen berücksichtigt, dann wird es kaum die Lösung für die Energiewende sein.

        Bzgl. Ausbau Photovoltaik bin ich deutlich optimistischer, aber evtl. ändert sich das ja nach der Durchsicht der Links. Und man muss auch nicht gleich so optimistisch sein wie
        https://www.neueenergie.net/wissen/solar/potenzial-fuer-200-gigawatt-solarstrom-in-deutschland :
        „Der US-Elektroauto- und Speicherhersteller Tesla, dessen Ankündigung des Heimbatteriesystems „Powerwall“ der Speicherbranche einen merkbaren Schub versetzt hat, rechnet damit, dass die Speicherkosten in Zukunft ein Preisniveau von fünf Cent pro Kilowattstunde (kWh) erreichen können.Auf Grundlage einer Kostenstudie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme erwartet Agora Energiewende auch bei den Stromgestehungskosten der Photovoltaik (PV) ein künftiges Preisniveau von fünf Cent/kWh. In Summe lägen die Kosten für PV-Speicher-Systeme damit bei zehn Cent/kWh und damit um zwei Drittel niedriger als die heutigen Kosten von etwa 30 Cent.“
        Mit dann wiederum neuen Themen;
        „Auch auf Politik und Verbraucher kämen im Falle eines Solar-Speicher-Booms Veränderungen zu. Erreichen PV-Anlagen ohne Speicher typischerweise einen Eigenverbrauchsanteil von bis zu 30 Prozent, erhöht sich dieser laut Agora Energiewende in Verbindung mit Speichern auf bis zu 70 Prozent. Damit steige unter anderem auch das Risiko einer Kostenumverteilung bei der EEG-Umlage und Netzentgelten. Auf die Verbraucher, die ihren Strom weiterhin aus dem Netz beziehen, kämen höhere Kosten zu, schlussfolgern die Autoren.“

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        ikkyu sagte:

        @ troodon

        Zitat:
        „Der US-Elektroauto- und Speicherhersteller Tesla, dessen Ankündigung des Heimbatteriesystems „Powerwall“ der Speicherbranche einen merkbaren Schub versetzt hat, rechnet damit, dass die Speicherkosten in Zukunft ein Preisniveau von fünf Cent pro Kilowattstunde (kWh) erreichen können.“

        Dazu ein interessantes Video über die Akku-Kosten beim Tesla 3:

        Investors Get Burned After Betting on Electric-Car Metals

        https://www.wsj.com/articles/investors-get-burned-after-betting-on-electric-car-metals-11550404801

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        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Zum Thema Photovoltaik: Die Statistiken sind nur 1 Klick entfernt, schauen wir sie uns doch einfach mal an.

        https://energy-charts.de/ren_share_de.htm?year=2018&source=solar-share&period=daily

        Anders als bei Windkraft schwankt die Energieerzeugung aus Photovoltaik nicht nur von Tag zu Tag, sondern die Ausbeute ist im Sommer auch noch fast 10-mal so hoch wie im Winter. Das liegt nicht nur daran, dass im Sommer in Deutschland öfter und länger die Sonne scheint, sondern auch daran, dass aufgrund der Neigung der Erdachse die Strahlungsintensität der Sonne pro Quadratmeter Fläche auf unseren Breitengraden der Nordhalbkugel deutlich höher ist als im Winter.

        Das wiederum bedeutet, dass Sie die Energie aus dem Photovoltaikanlagen monatelang (!) speichern müssten wenn Sie damit den Energiebedarf Deutschlands über das Jahr hinweg in einem nennenswerten Anteil decken wollen. Alternativ können Sie natürlich auch fossile Kraftwerke vorhalten und nur im Winter zuschalten (die müssen Sie aber trotzdem erstmal bauen und instandhalten und die Betriebskosten pro Betriebsstunde sind dann ensprechend hoch wenn sie nur in den Wintermonaten arbeiten) oder so grotesk viele Photovoltaik-Module aufstellen (grob geschätzt das 25-fache bis 50-fache der aktuell installierten Leistung), dass Sie den Winterbedarf damit abdecken und im Sommer den Strom an jeden verschenken der ihn abnehmen will (extrem teuer).

        Hier funktioniert diese Technologie einfach nicht für die Stromversorgung. In der Wüste von Arizona (niedrigerer Breitengrad, mehr Sonnenstunden im Winter, daher gleichmäßigere Stromproduktion im Sommer wie im Winter) mag das anders aussehen, aber wir sind nun mal nicht in Arizona und können Strom auch nicht einfach mal so von dort importieren.

        Zum Thema Powerwall: Laut Tesla-Webseite kostet eine Powerwall mit 13,5kWh Kapazität in Deutschland insgesamt 8800 Euro, zuzüglich Installationskosten. Garantie 10 Jahre.

        Wenn wir ganz großzügig annehmen, dass die Lebensdauer der Anlage 15 Jahre ist, bevor sie ersetzt werden muss weil die Akkus nicht mehr funktionieren (das kennen Sie ja zum Beispiel von Ihrem Handy) dann kommen wir auf umgerechnet 587 Euro Kosten pro Jahr für die Fähigkeit, eine Strommenge, die für einen Haushalt ungefähr 1-2 Tage ausreicht, speichern zu können.

        Viel zu teuer.

        Und denken Sie an das Problem mit der winterlichen Strahlungsleistung, das ich oben beschrieben habe. Vermutlich ist Ihr Grundstück nicht einmal annähernd groß genug, um es mit genügend vielen PV-Modulen vollzupflastern so dass Sie im Winter tagsüber genügend Strom produzieren können um über die 16 Stunden pro Tag Dunkelheit durchhalten zu können. Alternativ könnten Sie natürlich auch einfach 200 Powerwalls kaufen und installieren, dann hätten Sie 2700 kWh Speicherkapazität und kämen auch mit der Überproduktion einer normal dimensionierten PV-Anlage locker durch den Winter. Investionskosten dafür wären läppische 1,76 Millionen Euro alle 15 Jahre, zuzüglich Installationskosten.

        Ein tolles Produkt, oder?

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        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        Ich bin doch völlig bei Ihnen, das AKTUELL Batteriespeicher für Solarenergie noch zu teuer sind.
        Deshalb der Hinweis auf die (sehr optimistische) Aussage:
        “ dass die Speicherkosten in Zukunft ein Preisniveau von fünf Cent pro Kilowattstunde (kWh) erreichen können“
        Dann wäre es definitiv etwas anderes…

        Und für den einzelnen Haushalt betrachtet, nicht gesamtwirtschaftlich ! , lohnt sich PV auf dem eigenen Dach auch jetzt bereits. Und da wäre deutliches Potential. Aber es würde dann eben auch zu Steuerausfällen und Verteilung der EEG Umlage auf einen kleineren Kreis führen, wenn jedes EFH-Dach mit PV bepflastert würde. Bei einem deutlichen Rückgang der Steuereinnahmen durch einen Wirtschaftsabschwung ist da ganz schnell Schluss mit der Regelung, dass man den beim Eigenverbrauch den Unterschied zum eigentlichen Strompreis einspart…

        Aber selbst in D sieht es für große Solarparks offensichtlich nicht so schlecht aus:
        https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/brandenburg-enbw-plant-deutschlands-groessten-solarpark/23954564.html

        Und europaweit ist das längerfristige Potential für Solarenergie erheblich:
        https://www.sciencemediacenter.de/alle-angebote/research-in-context/details/news/das-photovoltaik-potenzial-wird-in-prognosen-sehr-oft-unterbewertet/

        Und Münchener Rück und Allianz investieren auch nicht nur zum Spaß in Solarparks in Spanien und Portugal.
        https://www.allianz.com/de/presse/news/finanzen/beteiligungen/181218-Allianz-erwirbt-Solarpark-Portugal.html
        https://www.private-banking-magazin.de/suedspanien-meag-investiert-in-subventionsfreien-solarpark/?utm_source=newsletter&utm_campaign=pbm-Mon-KW-02-2019&utm_medium=email&UID=20,016,270&utm_source=Newsletter&utm_campaign=aa91e126ba-EMAIL_CAMPAIGN_2018_08_16_07_33_COPY_01&utm_medium=email&utm_term=0_0436dc2616-aa91e126ba-150051513

        Selbstverständlich ist das Thema Speicher damit weiterhin wichtig und ich habe inzwischen begriffen, dass Batterien im großem Maßstab wirtschaftlich keinen Sinn ergeben. Aber man sollte das immense Potential von Solarenergie deshalb nicht außer Acht lassen.

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    Jochen Römisch sagte:

    @troodon
    „Energiespeicher“? Welche denn? Ich meine jetzt auch welche Energieformen?
    Die Speichertechnologien für elektrische Energie sind einfach prinzipiell limitiert: Am effizientesten mit 70-80% Wirkungsgrad wären natürlich Pumpspeicher. Wir haben davon in D 35. Allein um den zur Zeit produzierten Solar- und Windstrom über das Jahr zu glätten bräuchten wir davon Tausende (ist übrigens durchgerechnet vom ifo: Hans Werner Sinn: Energiewende ins Nichts usw.)
    Power to Gas ist um ein mehrfaches teurer als importiertes Erdgas. Falls man aus dem Gas wieder Strom machen will, kommt man auf Gesamtwirkungsgrade von 25-33%, d.h. selbst ohne Investitions- und Abschreibungskosten verdreifacht sich der Strompreis mindestens.
    Batteriespeicher sind in diesen Größenordnungen weder verfügbar noch bezahlbar.
    Gerade bei der Batterietechnik gibt es eben auch theoretische chemisch bedingte Grenzen der Energiedichte. vgl.: https://www.eike-klima-energie.eu/2018/10/01/90-millionen-us-dollar-fuer-eine-tesla-batterie-in-sued-australien-28-224-milliarden-eur-dafuer-in-deutschland/
    Die „Batterielösung“ für Solarstrom im selbstgenutzen Haus gibt es ja schon: kurz gegoogelt: 12kWh-Speicher für ca. 6000 EUR. Also 500 EUR pro kWh, d. h. bei 30 Cent pro kWh und kostenlosem Eigenstrom muss ich den Speicher nur 1667mal photovoltaisch laden und wieder entladen… Wieviele Jahre brauche ich dafür? Aber macht nix, Kollegen von mir machen das trotzdem, da es ja über die KfW gefördert wird.
    Aber 500 EUR pro kWh ist ja auch für ganz Deutschland kein schlechter Anfang: Kurz überschlagen: 70 GW Leistung mal für eine ! Stunde gespeichert macht 70 mal 1 Mio. mal 500 EUR sind nur 35 Milliarden. Wir können zwar auch mal 14 Tage Dunkelflaute haben (336 Stunden) und der Speicher ist dann vielleicht auch nicht ganz voll…
    Alles kein Problem, wenn die Batteriepreise noch um einige Größenordnungen fallen.

    Objektiv gesehen müsste man natürlich in die Forschung der Kernfusion die Milliarden stecken, anstatt in „Windmühlen“. Auch die Kernspaltung hätte man nicht so leicht aufgeben sollen: Russland will jetzt Reaktoren bauen, deren Abfall „nur“ noch einige hundert Jahre strahlt.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Jochen Römisch

      >Objektiv gesehen müsste man natürlich in die Forschung der Kernfusion die Milliarden stecken,>

      Es ist schon klar, was Sie damit meinen.

      Aber:

      Objektiv ist nur das, was man auf der Basis gesicherter Sachverhalte richtig berechnet.

      Daraus ist aber kein „MÜSSTE“ im Sinn einer politischen gebotenen Zielverfolgung abzuleiten.

      Letztlich können wir zwischen Optionen wählen und SOLLTEN dabei nicht nur Kosten, sondern auch Risiken einbeziehen.

      Was z. B. Russland baut oder bauen will, ist sicher interessant, kann aber nicht maßgebend sein.

      Ich plädiere mit diesen Aussagen nicht gegen und nicht für Kernenergie.

      Im Augenblick stellt sich die Frage bei uns nicht.

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      troodon sagte:

      @ Jochen Römisch
      Wie Sie schon richtig ausgeführt haben, geht es mir um elektrische Energie.
      Wenn die Energiewende nun einmal politisch gewollt umgesetzt wird, egal was Sie und ich davon halten, ist es meine Erwartung, dass man sich von politischer Seite auch darüber Gedanken macht, wie Wind- und Solarstrom gespeichert werden kann. Da es in D eben nicht genügend Pumpspeicher gibt, muss es folglich andere Lösungen geben.
      Zu dem Thema Batterien habe ich folgende Frage. Was ist der Grund, dass Batterien für Stromspeicher „500 EUR pro kWh“ kosten, während man bei Batterien für Elektroautos offensichtlich schon Ende 2017 deutlich niedrigere Kosten erreicht hat? Technische Anforderungen?
      „Lithium-Ionen-Speicher – die aktuell verbreitetste Akkuart bei Elektro-Pkw – kosten einer Auswertung von Bloomberg New Energy Finance nach derzeit durchschnittlich 209 US-Dollar pro Kilowattstunde (kWh) – 24 Prozent weniger als vor einem Jahr. Um einen Boom von Elektroautos zu ermöglichen, müssen die Preise laut den Analysten bis 2025 noch auf unter 100 US-Dollar fallen.“
      https://ecomento.de/2017/12/12/umfrage-elektroauto-batterien-erreichen-neues-preistief/

      Was ist mit Forschungsgeldern bzgl. Feststoffbatterie ? Denn Lithium ist offensichtlich nicht der Weg in der Zukunft…
      https://www.elektronikpraxis.vogel.de/die-mischung-machts-forscher-entwickeln-schnellladefaehige-feststoffbatterie-a-743815/

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    MFK sagte:

    Bei den Themen Europa, Klimapolitik und Einwanderung sind sachliche Diskussionen nicht mehr möglich. Das ganze wird letztendlich politisch geklärt und hierfür versucht man mit dem noch zur Verfügung stehenden Geld Einfluss zu gewinnen. Letztendlich nutzt das nicht, wenn das Geld zum Fenster rausgeschmissen wird. Der Staat hat noch nie produktive Arbeitsplätze geschaffen. Man darf sich also nicht wundern, wenn ein deutscher Donald Trump aus dem Karton springt und das ganze zurückdreht.

    Antworten
  8. Avatar
    Haferflocke sagte:

    Wenn ich den Beitrag richtig interpretiert habe sind es überwiegend Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen in Leipzig und Umgebung. Die Kohlereviere sind dort aber nicht. Konnte in dem Beitrag keine Perspektive vor Ort für die Ansiedelung von zukunftsfähiger Industrie vor Ort. Oder sollen dort Brennstoffzellenfabriken entstehen? Was ist an Umschulungsmaßnahmen für die Kumpel geplant?

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      Richard Ott sagte:

      Doch doch, auch im Umland von Halle/Leipzig gibt es noch aktive Braunkohletagebaue. Meines Wissens 3 verschiedene Abbaureviere, eines in Sachsen und zwei in Sachsen-Anhalt.

      In dem Artikel geht es offenbar nur um Projekte für Halle/Leipzig. Was in der Lausitz passieren wird, ist allerdings viel interessanter. Der Strukturwandel dort wird viel schwieriger und die böse AfD ist dort schon jetzt viel stärker.

      Antworten
  9. Avatar
    troodon sagte:

    „Wäre es nicht besser, in Digitalisierung zu investieren?“

    Interessant finde ich beim Thema Digitalisierung/Internetgeschwindigkeit, dass D bekanntermaßen nicht in der weltweiten Spitzengruppe rangiert, aber trotzdem vor dem UK liegt. Zumindest dann, wenn diese Liste stimmt: https://www.speedtest.net/global-index

    Und ja, es sollte in D definitiv mehr in Digitalisierung investiert werden. Ebenso in den Bereich Energiespeicher. Ohne hohe Investitionen in diese Bereiche ist das Märchen vom reichen Land schneller zu Ende, als es sich die Geldverteiler wünschen.
    .

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      Das G5-Netz ist eine Investition in die Digitalisierung.

      Da kommt man nicht mehr drumherum, die gamer generation versteht keinen Spaß, wenn hier nichts passiert.

      Die interessante Frage ist, was mit den Versteigerungserlösen geschieht.

      Im Augenblick streitet sich Berliner Politik um alles, nur nicht um weitere Investitionen in Zukunftstechnologien.

      Ich bin gespannt.

      Antworten
  10. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Die hier dargelegten Maßnahmen offenbaren das Denken, das uns beherrscht.

    Nur einmal herausgegriffen:

    >(…) das Mitteldeutsche Revier ‘durch seine Nähe zu den erstarkenden Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorten Leipzig, Halle an der Saale, Merseburg, Magdeburg und Jena geprägt’. (…) solle (…) Teil einer Region sein, die zu den führenden Metropolregionen Mitteleuropas zählt, sowohl durch ihre Wirtschaftskraft und ihre exzellente Bildungslandschaft, als auch durch ihren kulturellen Reichtum und ihre hohe Lebensqualität.“>

    >bto: Das ist Blabla und vor allem entspricht es nicht der wirtschaftlichen Realität im Osten.>

    Ruhig bleiben, Dr. Stelter, SOLL doch erst noch mit den Mrd. aus dem Kohleausstieg….

    Die Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorte, von denen hier die Rede ist, erstarken nicht im WETTBEWERB mit anderen Regionen.

    Sie holen etwas auf von immer noch vergleichsweise niedrigem Niveau.

    Leipzig und Jena kann man als Ausnahmen anerkennen.

    Das vorgetragene Wunschdenken verkennt Folgendes:

    1) Selbst die modernsten Infrastrukturmaßnahmen sind nicht hinreichend, einen Aufschwung zu generieren. Es gibt kaum blühende Landschaften im Osten nachdem die dortige Infrastruktur mit einem finanziellen Kraftakt ohnegleichen auf das zeitgemäß hohe Niveau gebracht wurde. Daran wird sich nichts ändern.

    2) Die Fachhochschulen und Hochschulen, die in der Vergangenheit wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, führen zumindest teilweise zu Fehlallokationen. Es wird sehr viel für Wissen ausgegeben, was nicht gebraucht wird oder wenn doch, nicht die Beschäftigungs- und Produktivitätsschübe auslöst, die erforderlich wären. Die Studierenden fehlen woanders, im Handwerk z. B. Außerdem gehören diese Universitäten, wie alle in Deutschland nicht zur internationalen Spitzenklasse.

    3) Der politische Druck ist schon heute da, die Mittel „gerecht“ zu verteilen. Heißt: Das Geld wird nicht so ausgegeben, dass möglichst viel Wohlstand entsteht, sondern so, dass möglichst viel sozialer Friede erhalten bleibt. Hier:

    https://www.welt.de/wirtschaft/article189765457/Sachsen-Co-Wissenschaftler-schreiben-laendlichen-Raum-im-Osten-ab.html

    Fazit:

    Gesundbeterei, um die Leute ruhigzustellen.

    Der Abstieg lässt sich damit nicht aufhalten.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Dietmar Tischer: Vielen Dank für den link aus der „Welt“. Es scheint so, als ob weder die ostdeutschen Politiker noch die meisten ihrer Wähler hören wollen, was einem die Mathematik sagt. Erinnert mich an einen Kindergarten: ganz fest die Augen zu machen, dann muss ich nicht sehen, was kommt…

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Ich habe jetzt die obige Liste der geplanten Investitionen in Ruhe studiert. Geht es nur mir so oder findet auch sonst dort niemand etwas zum Thema Energie? Ich dachte, wenn man Kohleabbaugebiete schließt und Kohlekraftwerke abschaltet, benötigt man neue Quellen der Stromerzeugung oder -speicherung?

    Es sei denn, der oben genannte Elster-Saale-Kanal soll Wasserkraftwerke neu schaffen, die es bisher dort noch nicht gibt. Weiß ich nicht. Dafür brauche ich aber doch nicht die Bereiche zwischen Kraftwerken für die Schifffahrt ausbauen, oder? Für mich stellt sich die Frage, wo der Strom künftig herkommen soll, wenn die Kohlekraftwerke ausgeschaltet sein werden. Damit mich keiner hier falsch versteht: ich bin nicht generell ein Gegner des Kohleausstiegs, aber die Logik der Ersatzinvestitionen erschließt sich mir überhaupt nicht. Vielleicht geht die Politik aber auch davon aus, dass so viele Menschen und Arbeitsplätze aus der Region verschwinden werden, dass der Strombedarf sowieso sinken wird. Dann sollte man das aber kommunizieren, finde ich.

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      • Avatar
        Johannes sagte:

        @ RO: „Nein. Das Netz speichert den Strom. Das ist alles ausgerechnet. (A. Baerbock, Grüne)“

        Das ist die Tragik der Grünen und Frau Baerbock schafft es malitiös diese in einem einem einzigen Satz zu beschreiben: Unwissenheit gepaart mit Arroganz, flankiert von eine Haltung, die wie ein Panzer gegen den gesunden Menschenvertand wirkt.

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        Richard Ott sagte:

        @Johannes

        Ich hab mal versucht, einer ansonsten durchaus intelligenten Grünen-Funktionärin das Akku-Energiespeicherproblem zu erklären und ihr sogar vorgerechnet wie groß entsprechende Speicher dimensioniert werden müssten. Das war, wie einer Kuh vom Fliegen zu erzählen. Sie hat es nicht begriffen. In der Tat auf persönlicher Ebene tragisch, aber wir werden den angerichteten Schaden alle mit ausbaden müssen sobald die Grünen-Ideen an der Realität scheitern.

  12. Avatar
    Mr. Dave sagte:

    Da geht es ja auch nicht um Wohlstandssicherung, sondern zu 90% um die Bedienung der politischen Klientel (Baubranche als Parteienspender und Künstlerzirkus als Wählergruppe). Der Kohleausstieg als Dekoration der Verpackung wäre sonst ja tatsächlich eine verpasste Chance die politischen Klientel zu bedienen. Auch wenn die Politiker ev. nicht die hellsten Köpfe sind, so kann ich trotzdem keinem unterstellen, so dumm zu sein, eine solche Chance wie das Kohlenausstiegsetikett nicht wahrzunehmen.

    Empfehlenswerte Literatur dazu: „The dictator‘s handbook: Why bad behaviour is almost always good politics“ von Bruce Bueno de Mesquita.

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  13. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    Auch auf die Gefahr hin, mich zu dem Thema zu wiederholen. Es geht nicht um den Kohleausstieg, der ist nur der Aufhänger. Es geht um den auslaufenden Solidarpakt Ost!

    Da der 2. Solidarpakt jetzt 2019 ausläuft und sich die neuen Bundesländer an diese über den Länderfinanzausgleich gehenden Zahlungen seit ihrer Gründung gewöhnt haben, braucht es eine Ausrede für die bundespolitische (= Altbundesländer) finanzielle Unterstützung über 2019 hinaus. Vor allem, wenn der finanzierende Solidaritätszuschlag in Gefahr ist. Die Kohle ist ein prima Aufhänger. Und der Druck dieser Länder ist deshalb groß, weil die Länder-CDU-Vereinigungen den Bund mit der drohenden Beteiligung der AFD an Landesregierungen und einer Mitwirkung im Bundesrat erpressen können. Das ist gelebter Föderalismus. Wird aber nicht viel ändern, da dieses Geld bei den wirklich wichtigen Investitionsvorhaben natürlich fehlen wird und eine weitgehende Fehlallokation vorprogrammiert ist. D.h., die Leute werden sich bei verfehlter Politik natürlich trotzdem von den etablierten Parteien abwenden, aber vielleicht nicht so schnell. Und das reicht den Entscheidungsträgern für so einen Unfug aus. Denn sie wollen eines vermitteln, dass dieser Geldsegen aber nicht bringen wird: Hoffnung. Die entsteht aber so nicht. Das merken aber die betroffenen Bürger erst mit Zeitversatz, wenn nämlich ihre wenigen verbleibenden Kinder halt trotz Citytunnel, Musikcampus und Ballsporthalle wegen fehlender Arbeitsplätze wegziehen müssen. Aber die versammelten Sozialisten von CDU, SPD und Konsorten bei Wählern und Gewählten wollen es so und daher wird es so kommen. Leider.

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    • Avatar
      MFK sagte:

      Politik wird heute gemacht von Leuten, die keinen Bezug mehr zur Arbeitswelt haben. Diese IYI denken wirklich, man könne gut bezahlte Arbeitsplätze in der Automobilindustrie, in Stahlwerken, im Bergbau durch solche im Kulturbetrieb, der Pflege, Sozialarbeit etc ersetzen. Die Folgen sieht man sehr deutlich im Ruhrgebiet. Nun passieren solche Umbrüche in freien Marktwirtschaften, wenn sie allerdings dadurch ausgelöst werden, dass der Staat die Rahmenbedingungen verschiebt, führt dies lediglich dazu, dass Drittländer diese Industrien übernehmen. Dann wird Stahl in China produziert, Kernkraft in Frankreich, Kohle in Polen, Autos mit Verbrennungsmotor wohl auch woanders.

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