Notenbank unschuldig an der Un­gleichheit?

Sind die Zentralbanken schuld an der zunehmenden Ungleichheit? Offensichtlich. Ihre asymmetrische Reaktion auf Krisen jeder Art ermutigte zur Aufnahme von Schulden und zur Spekulation. Die dadurch erhöhte Anfälligkeit des Finanzsystems führte zu mehr Interventionen und damit wieder zu mehr Spekulation. Simpel.

Aber natürlich gibt es Verteidiger. So Kenneth Rogoff von der Harvard University in einem Beitrag für die FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • “In jüngster Zeit wurde die Politik der Zentralbanken in einem steten Strom von Kommentaren zum Haupttreiber der Ungleichheit erklärt. Die Logik dahinter ist, dass die Preise von Aktien, Häusern, Kunst, Jachten und so gut wie allem anderen durch die extrem niedrigen Zinsen angeblich gnadenlos in die Höhe getrieben wurden. Davon würden die Wohlhabenden und besonders die Ultrareichen überproportional profitieren. Auf den ersten Blick scheint dieses Argument überzeugend zu sein, doch einer genaueren Untersuchung hält es nicht stand.” – bto: Das ist doch mal eine Aussage des ehemaligen IWF-Chefökonomens.
  • “Wenn niedrige Zinsen vor allem der Geldpolitik geschuldet sind, wird die Inflation irgendwann steigen. Aber heute gibt es weitere wichtige Faktoren, die die Zinsen nach unten drücken, darunter eine alternde Bevölkerung, ein geringes Produktivitätswachstum, eine steigende Ungleichheit und die schleichende Angst, dass wir in einem Zeitalter mit immer mehr Krisen leben. Namentlich letzterer Faktor begünstigt ‘sichere Häfen’, wo das Geld selbst in einer globalen Rezession noch erhalten bleibt.” – bto: Das ist die These des Ersparnisüberhangs, die in einer Welt, die auf Kreditwachstum beruht, etwas komisch ist.
  • “Natürlich könnte das Fed (oder jede andere Zentralbank) spontan damit beginnen, die Zinsen zu erhöhen. (…) Würde das Fed dies tun, gäbe es allerdings mit ziemlicher Sicherheit eine enorme Rezession, die unter Geringverdienern für Arbeitslosigkeit sorgen würde; die Mittelklasse wiederum könnte dabei zusehen, wie der Wert ihrer Häuser und Pensionen zusammenbricht.” – bto: Das ist die besagte Sackgasse.
  • “Darüber hinaus macht die globale Dominanz des Dollars die Schwellen- und Entwicklungsländer sehr verletzlich für steigende Dollarzinsen (…) Würde so ein Land nach dem anderen an den Rand des Bankrotts gedrängt, verlöre zwar das oberste Einkommensprozent in den Industrieländern Geld, doch die Hunderte Millionen Menschen in armen und einkommensschwachen Ländern würden noch viel stärker leiden.”

Zwischenfazit: Bis hierher hat er nicht belegt, dass die Notenbanken unschuldig sind und nur beschrieben, was wir immer sehen: nämlich, dass die Notenbanken gefangen sind.

  • Viele Progressive in den reichen Ländern, so scheint es, haben wenig Zeit, sich über die 66% der Weltbevölkerung Gedanken zu machen, die ausserhalb der Industrieländer und Chinas leben. Tatsächlich richtet sich dieselbe Kritik auch an die aufkeimende akademische Literatur über Geldpolitik und Ungleichheit. Vieles davon beruht auf amerikanischen Daten und verschwendet keinen Gedanken an Menschen ausserhalb der USA.” – bto: Das stimmt in zweierlei Hinsicht. Zum einen sehen wir es bei dem Thema der Ungleichheit, die in der Tat vor allem ein US-Problem ist. Zum anderen zeigt es sich an der Klimapolitik, die ebenso einseitig ist.
  • “(…) die Anpassung der Zinsen ist für die konventionelle Geldpolitik ein viel zu plumpes Mittel, um in der Linderung der Ungleichheit eine führende Rolle zu spielen. Haushaltspolitische Massnahmen – wie Steuern, Subventionen und gezielte Staatsausgaben – sind viel effektiver und robuster.” – bto: damit die Notenbanken weiter machen können wie bisher.
  • “Eine mögliche Lösung des Problems der Wohlstandsungleichheit, die bemerkenswerterweise von den Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman von der Universität Berkeley empfohlen wird, ist eine Vermögenssteuer. Obwohl dies keinesfalls eine verrückte Idee ist, ist es schwer, eine solche Steuer fair zu gestalten, und in den Industriestaaten wurden damit nicht unbedingt gute Erfahrungen gemacht. Wahrscheinlich gibt es einfachere Ansätze, etwa die Reform der Erbschaftssteuer oder die Erhöhung der Kapitalertragssteuer, die zum gleichen Ergebnis führen könnten.” – bto: Es ist immer wieder eine sehr komplexe Lösung, weshalb es in der Tat vor allem bei Immobiliensteuern bleiben wird.
  • “Während in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Ländern die extreme Armut zurückgegangen ist, wurde die Ungleichheit zur wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderung. Aber die Ansicht, die Zinspolitik einer Zentralbank könne und solle die Hauptmassnahme für eine grössere Einkommensgleichheit sein, ist unabhängig davon, wie oft sie geäussert wird, verblüffend naiv. Besonders durch Regulierungsmassnahmen können Zentralbanken sicherlich mehr gegen das Problem der Ungleichheit tun, aber nicht alles. In dieser wichtigen Debatte sollten wir bitte nicht die anderen zwei Drittel der Menschheit ignorieren.” – bto: Das sehe ich auch so, aber vor allem beim Klimathema.

fuw.ch: „Sind Zentralbanken schuld an wachsender Ungleichheit?“, 18. August 2021

Kommentare (35) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Alexander
    Alexander sagte:

    Eigentumsökonomie ehemals sozialistischer Staaten, Grenzöffnung & ausländische Investitionen waren Hauptursache für den Aufstieg armer Gesellschaften, deren allmählicher Wohlstand ab 1989 erlaubt war….

    Die Zinssenkungen dagegen beschädigten die Entwicklungsländer ähnlich, wie die emmittierenden Volkswirtschaften (FED, EZB, BoJ, BoC) und zwar durch Spekulationsblasen, die mehr Rendite versprachen wie kontinuierliche Arbeit / Geldanlage – allen voran die Immobilienmärkte. (Südamerika, Asien, Türkei)

    Schlimmster side effect des Nullzins Zeitalters ist Zombifizierung, d.h. Metastasen in allen Sektoren ohne Auissicht auf Heilung. Hier trifft Rogoff wieder die Realität, der Patient liegt auf der Palliativstation und erwartet den goldenen Schuß – um ohne Schmerzen zu verscheiden.

    Hoffnungslosigkeit verbreiten war schon vor der Pandemie große Mode, ihre Propheten haben alle eines gemeinsam – keine Zukunft.

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  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Sind die Zentralbanken schuld an der zunehmenden Ungleichheit? Offensichtlich.>

    Das ist eine Behauptung, die zwar richtig, aber zugleich auch DEFIZITÄR und damit IRREFÜHREND ist.

    Einfache Analogie, die verdeutlicht, dass man mit „schuld sein“ nicht so umgehen kann, dass „offensichtlich“ UMSTANDSLOS behauptet werden kann:

    Wenn bei einer schweren Krankheit Medikamente verabreicht werden, die diese Krankheit hindert, den Tod des Patienten zu VERURSACHEN, aber ZUGLEICH unerwünschte oder sogar schlimme Nebenwirkungen haben, dann ist es zwar nicht falsch, zu behaupten, dass diese Medikamente „schuld“ an den Nebenwirkungen sind.

    Es ist aber IRREFÜHREND zu unterschlagen, dass diese Nebenwirkungen in Ermanglung anderer Medikamente die BEDINGUNG dafür sind, dass die als „höheres Ziel“ erachtete Rettung oder Verlängerung des Lebens erreicht wird.

    Genau darauf verweist Rogoff auf angemessene Weise:

    >Während in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Ländern die extreme Armut zurückgegangen ist, wurde die Ungleichheit zur wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderung.>

    Das könnte man ausdifferenzieren.

    Denn die Notenbankpolitik hat auch dafür gesorgt, dass Menschen mit einem auskömmlichen Leben nicht in Armut gefallen sind, weil sie schwere Rezessionen oder gar eine Depression verhindert haben. Es geht in einer globalisierten Wirtschaft bei der Notenbankpolitik NICHT nur um die anderen zwei Drittel der Menschheit.

    Was vorliegt:

    Der Fokus wechselt von der Rettung des Lebens auf die unerwünschten NEBENWIRKUNGEN.

    Warum nicht, solange man dabei NICHT unterschlägt, dass die Nebenwirkungen nicht zu vermeiden sind, wenn man das als SCHLIMMSTES Angesehene verhindern WILL.

    Antworten
    • Felix
      Felix sagte:

      Hallo Herr Tischer,

      heute vergleichen sie eine Rezession mit dem Tod eines Patienten. Ich stimme Ihnen zu, dass sehr viele Menschen wirtschaftliche Krisen verhindern wollen. Aber das ist zugleich das Problem, dass es zu lösen gilt: die Krise ist das reinigende Fieber, das benötigt wird, um die Krankheit zu vertreiben. Wer keine Krise aushalten will, begeht Selbstmord aus Angst vor dem Leben.

      Politiker, die diese negativen Eigenschaften, die Menschen nun einmal haben, gehören in kein Amt.

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  3. weico
    weico sagte:

    @Richard Ott

    “Es ist noch viel schlimmer. Offensichtlich werden amerikanische “progressive” Policy Papers auf Deutsch (oder für die bergdeutschen Mitleser: “Unterrichtssprache”) übersetzt und dann an die linksgrünen Parteien und deren Vorfeld-NGOs geschickt, die das dann als ihre politischen Forderungen übernehmen. Auch dann, wenn das Thema im europäischen Kontext überhaupt keine Relevanz hat, wie zum Beispiel “Ureinwohner””

    Fast schon komisch bzw. irrational wird es, wenn ein US-Afroamerikanischer Autor einen “Disclaimer” ,in der DEUTSCHEN Ausgabe SEINES Romans ,anbringen muss.

    WELT: Was anderes: Die deutsche Ausgabe von „Harlem Shuffle“ kommt mit einer Art Disclaimer daher. Er lautet: „Den Wünschen des Autors entsprechend, wurde die Sprache Amerikas in den Fünfziger- und Sechzigerjahren historisch getreu wiedergegeben.“ Natürlich geht es dabei um das elende N-Wort. In der amerikanischen Ausgabe gibt es diesen Hinweis nicht.

    Whitehead: Amerika hat in den Sechzigern begonnen, seine rassistische Geschichte aufzuarbeiten. Europa holt jetzt auf und durchlebt seine eigenen Konvulsionen, und mein deutscher Verleg kriegt Briefe, in denen sich Leute über das N-Wort beschweren, und das tut mir schrecklich leid. Ein Verleger hat so viele Sachen auf dem Schirm, dass er nicht auch noch Briefe aufmachen muss, in denen er von irgendwem gemaßregelt wird, der nicht begreift, dass ein historischer Roman die dazugehörige Sprache verwenden muss. Die Diskussion darüber ist ziemlich komisch, aber jedes Land arbeitet seine rassistische oder koloniale, imperiale Vergangenheit in anderen Raten auf. Aber ich schaffe es gerade so, mich mit Amerikas verrücktem, kaputten rassistischen Scheiß auseinanderzusetzen. Für den deutschen oder den holländischen reicht es einfach nicht.”

    https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article233311501/Colson-Whitehead-Harlem-Shuffle-spielt-mit-vollem-Einsatz.html

    Antworten
  4. weico
    weico sagte:

    ” In dieser wichtigen Debatte sollten wir bitte nicht die anderen zwei Drittel der Menschheit ignorieren.” – bto: Das sehe ich auch so, aber vor allem beim Klimathema.”

    Dieses “ignorieren” ist dem westlichen Globalisierungswahn geschuldet und bringt ,ob ökonomisch oder kulturell, zunehmend die verdrängten Probleme zu Tage. Dieses ignorieren des EIGENEN, wird langsam zum Spaltpilz von Staatenbünden,Staaten, Gesellschaft,Kultur usw. werden !

    Einerseits werden an den EU-Aussengrenzen Grenzzäune im Akkord gebaut…anderseits will man die Welt mit “Globalisierung” und “westliche Kulturbindung mit westlicher Wertegesellschaft” beglücken.Irrsinn !

    Der langsame Zerfall der EU nimmt desweilen langsam Fahrt auf…
    https://www.dw.com/de/ungarn-versus-eu-will-orban-den-huxit/a-58906543

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ weico

      Was ist denn, wenn wir den „westlichen Globalisierungswahn“ abschwören?

      Glauben Sie wirklich, dass dann KEINE Probleme zu Tage treten?

      Man kann unterschiedliche Positionen einnehmen, muss aber dann auch die KOSEQUENZEN voll ANERKENNEN.

      Heißt für Sie angesichts Ihrer Problemdiagnose:

      Gegen die Probleme, die auftreten, wenn wir dem Globalisierungswahn abschwören, müssen wir uns wappnen, etwa gegen die Migrationsprobleme derart:

      Nordafrikanische Staaten in Stellung bringen, die EU/Europa mit einer ersten Verteidigungslinie vor Eindringenden zu schützen.

      EU/Europa beteiligt sich nicht mehr an Militäreinsetzen in der Welt, sondern rüstete so auf, dass es sich im Mittelmeer und an seinen Grenzen gegen unerwünschte Migranten wirkungsvoll verteidigen kann.

      So EHRLICH sollten Sie sein, wenn Sie hier vollmundig darlegen, wem die Probleme dieser Welt geschuldet sind.

      Antworten
      • weico
        weico sagte:

        @DT

        “EU/Europa beteiligt sich nicht mehr an Militäreinsetzen in der Welt, sondern rüstete so auf, dass es sich im Mittelmeer und an seinen Grenzen gegen unerwünschte Migranten wirkungsvoll verteidigen kann.”

        Verteidigen ist das richtige Wort.

        Es gibt ja genügend Länder in (Ost)Europa, die KEINE untertänigen US-Vasallen sind und jeden US-Blödsinn mitmachen und nacheifern wollen ,wie z.B. Deutschland.

        Wer seine Grenzen nicht verteidigen will, der kann sie ja gleich abschaffen.
        Die EU scheitert ja nur schon daran, ihre Aussengrenze wirkungsvoll zu schützen und einheitlich zu den Problemen zu stehen.

        Wenn dann doch “Flüchtlinge” in die EU kommen ,sind die EU-Staaten zudem völlig unfähig Diese dann “gerecht in der “Union” zu verteilen.

        Herr Kickl hat Gestern passen, zum “Afghanistan-Problem”, die VERANTWORTLICHKEIT dargelegt:
        https://youtu.be/t2bF2rjKZf8?t=2667

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ weico

        Die Unfähigkeit der EU bei GEGENWÄRTIGEN Problemen etc. steht nicht zur Debatte und auch BANAL-Weisheiten wie

        >Wer seine Grenzen nicht verteidigen will, der kann sie ja gleich abschaffen.>

        sind zu billig, um ERNSTHAFT über die Konsequenzen, die ich Ihrer Auffassung entnehme, zu diskutieren.

        Es geht darum, WAS uns bzw. der EU abverlangt wird angesichts der Probleme, die auftreten, wenn man dem westlichen Globalisierungswahn abschwört.

        Ich habe Extremfolgen angenommen und ein Reaktionsszenario dargelegt, das ihnen m. A. n. an-gemessen wäre.

        Man kann natürlich „Abschwören des westlichen Globalisierungswahns“ so verstehen, dass diese Extremfolgen möglicherweise auszuschließen sind.

        Was ich mit meiner Antwort zu Ihrer Position sagen will:

        Selbst wenn wir die Globalisierung ANDERS verstehen und dementsprechend ANDERS handeln würden, müssten wir uns Problemen stellen – anderen natürlich, aber auch EXTREMEN Problemen.

        Denn die Welt ist in einer Situation, in der die UNS betreffenden Probleme immer schneller und immer massiver ZUNEHMEN, auch wenn man das Klimaproblem nicht mit einrechnet.

        Das hat etwas mit der wachsenden Anzahl von Menschen zu tun und auch damit, dass die EU/USA in absehbarer Zeit nicht mehr über die Ressourcen verfügen werden, die uns betreffende Welt wie in den letzten 500 Jahren nach unseren Vorstellungen zu gestalten.

        Und das unter den Bedingungen, die es IMMER gab:

        Es gibt keine REGELBASIEREND gestaltete Weltordnung, sondern immer NUR das „Gesetz des Stärkeren“.

        Wenn Sie Ihre Position ehrlich vertreten wollen, sollten Sie sich dazu bekennen, dass nicht nur irgendwelchem Wahn abgeschworen wird, sondern auch dazu, dass die EIGENE Bevölkerung sich auf GROSSE VERZICHTLEISTUNGEN vorbereiten und am besten sogleich damit beginnen sollte, wenn sie ihren unmittelbar EIGENEN Interessen bestmöglich dienen will.

        Das vermisse ich bei Ihnen und anderen, die immer nur erzählen, was falsch gemacht wird.

      • weico
        weico sagte:

        @DT

        “Wenn Sie Ihre Position ehrlich vertreten wollen, sollten Sie sich dazu bekennen, dass nicht nur irgendwelchem Wahn abgeschworen wird, sondern auch dazu, dass die EIGENE Bevölkerung sich auf GROSSE VERZICHTLEISTUNGEN vorbereiten und am besten sogleich damit beginnen sollte, wenn sie ihren unmittelbar EIGENEN Interessen bestmöglich dienen will.”

        Grosse Verzichtleistungen..?

        Sie verwechseln schlicht ,dass man durchaus mit anderen Ländern im Austausch stehen kann ( Handel usw.) OHNE diese Länder gleich mit den eigenen arroganten westlichen Werten zu “beglücken”.

        Das Afghanistan-Debakel zeigt einmal mehr auf, wie solches “westliche Denken” schlicht zum Scheitern verurteilt ist.
        Deutschland wird an dieser gescheiterten US-Mitläuferpolitik wohl noch lange “zu kauen” haben und einen sehr hohen “Preis” bezahlen …!

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Gegen die Probleme, die auftreten, wenn wir dem Globalisierungswahn abschwören, müssen wir uns wappnen, etwa gegen die Migrationsprobleme derart: Nordafrikanische Staaten in Stellung bringen, die EU/Europa mit einer ersten Verteidigungslinie vor Eindringenden zu schützen.”

        Darauf kam Silvio Berlusconi schon vor über 10 Jahren:

        “Relations between Berlusconi and Gaddafi are strong, based on booming business ties and repression of immigrants. Under a much-criticised deal struck two years ago [der Artikel ist von 2010, der Deal war also 2008], Italian border patrols in the Mediterranean are turning back thousands of migrants at sea. They are returned to Libya without being screened for legitimate political asylum cases.
        (…)
        The Rome-Tripoli accord has decreased the numbers of illegal migrants coming into the EU. According to one set of EU figures, the number of illegal immigrants last year fell by more than three quarters to 7,300.”
        https://www.theguardian.com/world/2010/sep/01/eu-muammar-gaddafi-immigration

        Hat auch gut funktioniert, bis der amerikanische Friedensnobelpreisträger Obama (damals mit Joe Biden und Hillary Clinton im Kabinett) auf die Idee kam, Gaddafi im Namen der Demokratie und der Menschenrechte wegzubomben und Libyen zurück in die Anarchie zu schicken.

        “Wenn Sie Ihre Position ehrlich vertreten wollen, sollten Sie sich dazu bekennen, dass nicht nur irgendwelchem Wahn abgeschworen wird, sondern auch dazu, dass die EIGENE Bevölkerung sich auf GROSSE VERZICHTLEISTUNGEN vorbereiten und am besten sogleich damit beginnen sollte, wenn sie ihren unmittelbar EIGENEN Interessen bestmöglich dienen will.”

        Welche “Verzichtsleistungen”?

        Die Kosten dafür (und zwar für ganz Europa) waren ein Bruchteil von dem, was Deutschland alleine jedes Jahr an Hartz4 für die Millionen arbeitslosen Asylmigranten in unserem Land ausgibt. Und anders als der Erodgan-Deal funktionierte der Gaddafi-Deal sogar sehr gut, solange er in Libyen an der Macht war.

        Allerdings müssten bei der Strategie die Gutmenschen in Europa auf eine Gelegenheit zur moralischen Selbstüberhöhung und unsere Sozial- und Flüchtlingsindustrie auf viele Umsatzbringer verzichten – meinen Sie das vielleicht mit der “großen Verzichtsleistung”?

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ ott 07:58
        (ist kein angriff gegen sie) …… bei der migranten-bewegung, wird sträflich vergessen, dass es eine riesige flüchtlings-industrie gibt.
        nahezu keine branche, welche nicht direkt, oder indirekt davon profiertet.

        politisch ist es klar: sie wollen die zuwanderung in berlin und brüssel.
        ….. die politiker sind ja auch handlanger der industrie!

        dass die migration selber nicht funktioniert, spielt beim geschäfte-machen keine rolle.
        bezahlt wird dies durch die sozialkassen und steuern.

        unsere gewerkschaften, sozialverbände und kirchen sind so indoktriniert, dass diese die ausbeutung der arbeitnehmerschaft noch für gut finden und das geschäft (der klassenfeinde ) durch die zuwanderung, dernoch befeuern.

        warum bezahlen die profiteure nicht selber die zuwanderung?
        der profit läßt nicht wahrhaben, dass die migration in der anzahl und in der kurzen zeit, niemals klappen kann.
        diese erkenntnis ist nicht neu und wird aber ständig bewiesen.

        das argument der schrumpfenden demographie ist schizophren:
        die wirtschaft und das kapital brauchen stets wachstum, – ohne gehen sie kaputt.
        was aber, wenn klimawandel und EWF (klaus schwab – und andere) offen davon sprechen, die wirtschaft runter zu fahren und die bevölkerung dezimieren zu wollen?

        vielleicht ist corana bereits ein mittel zu diesen zweck?

        wie kann die wirtschaft mit ihren wachstumszwang dies verkraften und bewerkstelligen??

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @foxxly

        “nahezu keine branche, welche nicht direkt, oder indirekt davon profiertet.”

        Meine Branche in der Industrie profitiert kaum, für mich kommt durch die unkontrollierte Migration der Unqualifizierten eindeutig ein Verlust heraus, wenn ich die höheren Steuern und Abgaben dagegen rechne. Für Sozialkonzerne wie die Caritas oder Immobiliengroßvermieter im Hartz4-Segment sieht die Rechnung natürlich komplett anders aus, aber deren Gewinne bezahle ich über meine Steuern mit.

        “was aber, wenn klimawandel und EWF (klaus schwab – und andere) offen davon sprechen, die wirtschaft runter zu fahren und die bevölkerung dezimieren zu wollen? vielleicht ist corana bereits ein mittel zu diesen zweck? wie kann die wirtschaft mit ihren wachstumszwang dies verkraften und bewerkstelligen??”

        Ich denke, am ehesten bekommt man einen Zugang zur Denkweise vom Davos-Klaus und seinen Freunden, wenn man sich dieses dämliche John-Lennon-Lied wirklich zu Herzen nimmt: “Imagine there’s no countries”.

        Global betrachtet wächst die Bevölkerung ja immer noch, aber langsamer als noch vor einigen Jahrzehnten, und dass die Bevölkerung zum Beispiel in Europa schrumpft, lässt sich ja durch Migration ausgleichen. Das zerstört zwar die nationale Identität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Zielländer, aber das ist kein Problem, wenn Sie nationale Identitäten und irgendwelche lokalen Sozialgefüge sowieso nicht interessieren, oder?

        Der andere Punkt ist: Die Davos-Clique will die Wirtschaft nicht in erster Linie “herunterfahren” sondern *umbauen*, und zwar so, dass der Pöbel möglichst kein Eigentum mehr hat und sich alles mietet oder leiht. So ähnlich wie die Bauern im Mittelalter, aber in einem modernen, hoch technisierten Überwachungsstaat – und mit internationalen Konzernen und von ihnen abhängigen (der Westen) oder mit ihnen verflochtenen (China) Politikern an der Spitze des Systems an Stelle von einem König.

        Und im Feudalismus gibt es keinen “Wachstumszwang” mehr; dieses System kann jahrhundertelang stagnieren, im Zweifelsfall bekommt man die Schulden halt dadurch los, dass man gegenüber den Kreditgebern mit Hilfe der Priesterkaste einen Bann ausspricht oder sie auf dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrennt, die Geschichte des Mittelalters hält da genügend Inspirationen bereit.

        “Bevölkerung dezimieren” funktionierte früher zuverlässig über Krieg, aber seit der Verbreitung der nuklearen Abschreckung können die Großmächte keinen Krieg mehr gegeneinander führen ohne sich gegenseitig auszulöschen, also geht das nur noch über die langwierige Beeinflussung der Geburten- und Todesraten.

        Mein Eindruck ist, dass bei den verschiedenen Fraktionen der Davos-Clique kein Konsens darüber besteht, welche Bevölkerungszahl für die Erde eigentlich optimal wäre. Aber man muss auch gar nicht zu einer bestimmten Zielgröße für die Bevölkerung hin arbeiten, wenn man der Bevölkerung ihren Lebensstandard hinreichend absenken kann ohne dass sie dagegen ein Mittel zur Gegenwehr hat – und diese Aussicht befriedigt dann auch die westliche Davos-Fraktion mit echten Klimaneurosen.

    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ weico

      >Sie verwechseln schlicht ,dass man durchaus mit anderen Ländern im Austausch stehen kann ( Handel usw.) OHNE diese Länder gleich mit den eigenen arroganten westlichen Werten zu “beglücken”.>

      Ich verwechsle nichts und rede nicht davon, dass wir jemanden mit unseren Werten beglücken sollten.

      Ich bestreite auch nicht, dass wir unseren Zielen nach gescheitert sind in Afghanistan und anderswo.

      Ich sage nur, auch wenn wir ALLES richtig machen würden mit Handel und was auch immer, AUCH dann von uns ein „hoher Preis“ zu bezahlen sein wird in einer situativ ANDEREN Welt.

      Es ist zwar richtig, dass das wiederholte westliche Scheitern schwerwiegende Folgen hat und grundsätzlich zu überdenken ist, aber es ist FALSCH auf die Auffassung von Rogoff und Dr. Stelter, dass die anderen zwei Drittel der Menschheit nicht ignoriert werden sollten, zu antworten:

      >Dieses “ignorieren” ist dem westlichen Globalisierungswahn geschuldet und bringt ,ob ökonomisch oder kulturell, zunehmend die verdrängten Probleme zu Tage.>

      Man kann ja feststellen, dass der Westen FALSCH, weil im Wahn gehandelt hat, aber NICHT, das er ignoriert hätte.

      Denn man kann durchaus mit sachlicher Begründung feststellen, dass er TROTZ erheblicher Fehleinschätzungen und falschem Handeln zwar nicht optimal, aber POSITIV gehandelt hat angesichts der Tatsache, dass Millionen dem Existenzminimum entkommen konnten.

      Der Verweis darauf und der auf unsere FEHLER sowie daraus folgend hoffentlich die Reduzierung solcher Fehler erlauben jedenfalls NICHT die Schlussfolgerung, dass wir – der Westen – sich ZUKÜNFTIG nicht mit enormen Problemen KONFRONTIERT sehen wird.

      Was sie suggerieren mit

      >Dieses ignorieren des EIGENEN, wird langsam zum Spaltpilz von Staatenbünden,Staaten, Gesellschaft,Kultur usw. werden !>

      ist schlichtweg ILLUSIONÄR mit Blick darauf, dass die Spaltung der Welt auch und möglicherweise noch MEHR mit der Konzentration aufs Eigene zunehmen wird.

      Damit sage ich nicht, dass wir nicht unsere unmittelbar eigenen Interessen stärker beachten sollten.

      Aber NUR sie stärker zu beachten, ist mehr als FRAGWÜRDIG, weil ganz sicher NICHT zielführend, unsere zukünftigen Probleme zu MINIMIEREN.

      Antworten
      • weico
        weico sagte:

        “Man kann ja feststellen, dass der Westen FALSCH, weil im Wahn gehandelt hat, aber NICHT, das er ignoriert hätte.”

        Falsch.

        Der Westen ignoriert ständig, mit ihrer “Wertebeglückung” , die Kultur, Lebensweise, “Werte” usw. von anderen Ländern .

        China geht da pragmatisch und ohne “Wertemission” oder “Altruismus-Heuchelei” an die Sache. Motto: HANDEL statt “HILFE”.

        Dieses westliche “ignorieren” und die Kontraproduktivität dieser vermeintlich positiven Hilfe, wird von vielen afrikanischen Ökonomen schon seit Jahrzehnten angeprangert .

        https://www.dw.com/de/shikwati-die-chinesen-sind-aufrichtiger/a-16358391

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ weico

        Es ist doch keine Frage, dass der Westen Fehler gemacht hat und nach Vietnam, Irak und Afghanistan endlich erkennen muss, dass er seine Werte nicht beliebig mit noch so viel Geld in andere Kulturen transferieren kann.

        Darum geht es aber bei Ihrer Widerrede zu Rogoff und Dr. Stelter nicht.

        Es geht vielmehr um IHRE Auffassung, dass der Westen weg vom Globalisierungswahn und sich aufs EIGENE konzentrieren müsse, damit es in der Welt weniger sie spaltende Probleme gäbe.

        DIESE Auffassung – die völkische von Höcke & Co. in der von Ihnen hier hochgejubelten AfD – ist falsch.

        EGAL, was wir tun, es wird große Probleme in der Welt geben, vermutlich sogar zunehmend große verglichen mit denen nach WK II, und wir werden davon betroffen sein INSBESONDERE auch dann, wenn wir uns nur noch aufs unmittelbar Eigene konzentrieren.

        Es geht daher nur darum, WIE wir uns bezüglich der Globalisierung verhalten und agieren, ohne in einen Rückzug aufs EIGENE – das krasse Gegenstück zur verhängnisvollen Wertebeglückung – zu verfallen.

        Lenken Sie nicht von Ihrer Position ab und verkaufen Sie uns hier nicht für dumm.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Es ist doch keine Frage, dass der Westen Fehler gemacht hat und nach Vietnam, Irak und Afghanistan endlich erkennen muss, dass er seine Werte nicht beliebig mit noch so viel Geld in andere Kulturen transferieren kann.”

        Wenn die Erkenntnis tatsächlich käme, müssten unsere westlichen Regierungen als Schlussfolgerung daraus ihre “regime change”-Politik sofort einstellen, und zwar auch in Syrien, Weißrussland, Iran, und so weiter.

        Sehen Sie dafür irgendwelche Anzeichen?

        Ich nicht. In Syrien schicken wir sogar weiter “humanitäre Hilfe” an die salafistischen Islamisten in Idlib, die mit den Taliban in Afghanistan verbündet sind. Trotz Geheule darüber, wie schrecklich die Taliban in Afghanistan angeblich für die Frauenrechte und die Kinder und so weiter sind. Da bekommt der Schwachsinn System.

        “Es geht vielmehr um IHRE Auffassung, dass der Westen weg vom Globalisierungswahn und sich aufs EIGENE konzentrieren müsse, damit es in der Welt weniger sie spaltende Probleme gäbe.”

        Ich verstehe weico so, dass wir im Westen uns auf unsere eigenen Probleme konzentrieren sollten – und auch anderen Ländern zugestehen, dass die ihre Probleme auf ihre Art lösen können.

        Das funktioniert natürlich nicht, wenn man sich selbst im Besitz überlegener und universell geltender Wahrheiten und Werte wähnt und daraus auch noch die Pflicht ableitet, sie über den Rest der Welt zu verbreiten.

        (Wenn Sie von “spaltenden Problemen” schreiben, scheinen Sie ja zu glauben, dass wir alle irgendwie als große glückliche Menschheitsfamilie vereint sein könnten, wenn wir unsere Probleme nur lösen. Das glaube ich allerdings nicht – es wird immer unterschiedliche Interessen geben, die dafür sorgen werden, dass sich unterschiedliche Gruppierungen bilden. Das ganze Geheule über “Spaltung” ist reine Zeitverschwendung und basiert auf einer völlig naiven Sicht auf die Welt.)

        “DIESE Auffassung – die völkische von Höcke & Co. in der von Ihnen hier hochgejubelten AfD – ist falsch.”

        Diese harmlose Position halten Sie schon für “völkisch”??

        Wenn das so ist, werden Sie “völkisches Gedankengut” in jeder Partei finden können, dafür reichen ja nach Ihrer wirren Definition schon globalisierungskritische und interventionismuskritische Auffassungen.

        Das ist dann nur verzweifeltes Prügeln mit der Nazikeule und keine sinnvolle politische Auseinandersetzung mehr.

      • weico
        weico sagte:

        @DT

        “Es geht vielmehr um IHRE Auffassung, dass der Westen weg vom Globalisierungswahn und sich aufs EIGENE konzentrieren müsse, damit es in der Welt weniger sie spaltende Probleme gäbe.”

        Man kann sich durchaus auf das EIGENE konzentrieren und ANDERES ,am Rande, im Auge behalten.

        Sie sind in ihrem europäischen UNIONSdenken wohl so “gefestigt” und von der westlichen US-Führerschaft so überzeugt, dass sie schlicht nicht von ihre unsinnigen Auffassungen abweichen können.
        Sie trauen Deutschland schlicht nicht mehr zu ,EIGENSTÄNDIG zu handeln. Schade.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ tischer 12:09
        “” Es geht daher nur darum, WIE wir uns bezüglich der Globalisierung verhalten und agieren, ohne in einen Rückzug aufs EIGENE – das krasse Gegenstück zur verhängnisvollen Wertebeglückung – zu verfallen””
        …… damit reden sie den sozialistischen EU-zentraismus das wort. wollen sie dies wirklich?
        bedenken sie, was deutschland wirklich hoch gebracht hat, – das war kein zenralismus und sozialimus.
        die deutschen werte sind in ihren augen wohl falsch?
        merken sie, dass diese art von globalismus ausgedient hat?

        ….. dies war und ist eine konstruktion für schönes wetter, mehr nicht.
        dessen fanatiker haben maßlos überzogen und viel schaden angerichtet!

  5. foxxly
    foxxly sagte:

    …. welch eine eingangasfrage?
    die notenbanken, aber auch die gesetzgeber, sind verantwortlich für die systemischen rahmenbedingungen.

    und dieses kredigeldsystem ist systemisch auf expansion angewiesen. dies bedeutet wachstumszwang und die arbeitsleistung wird zur kreditschuld.

    dies ist ein exponentielles system in dessen es zwangsweise eine umverteilung mit einseitiger anhäufung von kapital und vermögen gibt.

    die politik kann nur durch zusätzliche gesetze die geschwindigkeit verringern und dadurch die sozialen härten etwas abfedern.
    aber, er kann die wachsende ungleichheit mit diesen system niemals verhindern, solange er selber per gesetz dieses geldsystem schützt.

    es ist schon mehr als pervers, dass sich die gesetzgeber ein system geben, welches nach einigen jahrzehnten, sich systemisch selbst vernichtet und die gesellschaften zerstören.
    dieses kreditgeldsystem ist inhuman, wider der menschlichkeit (wäre ein internationaler straftat-bestandteil), und kriminell.
    staatlich geschützt.

    dieser ungleich-entwicklung könnten zum großteil, die genossenschaftsformen mit eigenen banken und im großen stil (regionen/länder etc.), spürbar entgegenwirken.

    oder noch besser:
    der zins im wirtschaftssystem ist notwendig. (aber auch wieder katastrophal). deshalb müsste das wachstumsvolumen in geld (BIP) incl den zinskosten, jährlich pro kopf an die konsumenten zurückbezahlt werden. und so würde der exponentielle kredit-induzierte wachstumszwang, eliminiert werden.

    mir ist auch klar, dass diese lösung gegen die herrschaft- und elite-kaste durchgesetzt werden müsste.
    freiwillig passiert hierzu nichts, weil dieses system nicht nur vom wachstum profitiert, sondern auch von der unausweichlichen zerstörung.

    Antworten
  6. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    Rogoff: “Natürlich könnte das Fed (oder jede andere Zentralbank) spontan damit beginnen, die Zinsen zu erhöhen. (…) Würde das Fed dies tun, gäbe es allerdings mit ziemlicher Sicherheit eine enorme Rezession, die unter Geringverdienern für Arbeitslosigkeit sorgen würde; die Mittelklasse wiederum könnte dabei zusehen, wie der Wert ihrer Häuser und Pensionen zusammenbricht.”

    Oh mein Gott!

    Der Wert der Häuser würde einbrechen, genauso wie er durch die Niedrigzinsen in den vergangenen Jahren erstmal aufgeschäumt wurde? Der Nutzwert von so einem Haus bleibt übrigens gleich, es ist weiterhin genau die gleiche Anzahl Quadratmeter Wohnfläche, wenn man von ein bisschen jährlicher Abnutzung mal absieht, die vielleicht den Wohnwert ein bisschen schmälert.

    Und wieso soll “der Wert von Pensionen” zusammenbrechen, wenn die Zinsen steigen? Das ist vermutlich irrefühend aus dem Englischen übersetzt und bezieht sich auf langfristig festverzinslich oder in Aktien angelegte betriebliche oder private Altersvorsorge (“pensions”), aber nicht auf deutsche Beamtenpensionen oder Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Erstere sind in den letzten Jahren auch gerade durch die Niedrigzinspolitik heftig gestiegen und deutsche Beamtenpensionen und gesetzliche Renten sind so lange “sicher” wie der deutsche Staat bereit und in der Lage dazu ist, sie zu zahlen beziehungsweise zu bezuschussen.

    Schon interessant, wer plötzlich alles aus seinen Löchern kommt und vorgibt, sich für die Mittelschicht zu interessieren, wenn den überschuldeten Bänkern und Staaten die Zinsen erhöht werden könnten.

    Antworten
    • foxxly
      foxxly sagte:

      @ ott
      “”wie der deutsche Staat bereit und in der Lage dazu ist, sie zu zahlen beziehungsweise zu bezuschussen. “”
      immer wieder der gleiche fehler, bzw. falsch-berichte:

      die gesetzliche rentenversicherung wird zwar mit ca 100 Mrd.€ bezuschusst, aber der selbe staat holt durch versicherungsfremde leistungen, 130 Mrd € wieder raus.

      die gesetzl rentenbeitragszahler und rentner, subvenionieren den statt und steuerzahler!
      das ist auch eine umverteilung !!

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @foxxly

        “die gesetzliche rentenversicherung wird zwar mit ca 100 Mrd.€ bezuschusst, aber der selbe staat holt durch versicherungsfremde leistungen, 130 Mrd € wieder raus.”

        Ein Buchhaltungstrick, der vor allem darauf beruht, dass die Witwenrente (ohne Genderstern, in fast allen Fällen sind es ja tatsächlich Witwen, die übrig bleiben, wenn ein Ehepartner stirbt) zu den “versicherungsfremden Leistungen” gezählt wird, weil es eine Bedürftigkeitsprüfung gibt und reiche Witwen nix bekommen:

        “Den weitaus größten Teil machen Witwen- und Witwerrenten aus. Sie galten bis 1986 als versicherungseigene Leistung. Seitdem werden allerdings die Einkünfte des hinterbliebenen Ehepartners auf die Witwenrente angerechnet. Diese Rentenart sei damit ‘von einer Versicherungsleistung zu einer Fürsorgeleistung’ geworden, die nur noch bei Bedürftigkeit gezahlt wird, sagen die Wirtschaftsforscher.”
        https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-versicherungsfremde-leistungen-7380.htm
        [das ist die gewerkschaftsnahe Böckler-Stiftung, also werfen Sie mir ja nicht vor, dass ich eine “neoliberale” Quelle rausgesucht hätte oder so]

        Die Witwenrente könnten wir ganz abschaffen, schon wegen der “Gleichberechtigung”, aber dann käme sicher nicht nur von versorgungssuchenden Feministinnen sondern auch von der Groko-Kernklientel ein Aufschrei.

        Oder, noch paradoxer: Wenn die Witwenrente wieder ohne Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt würde (was an der Auszahlsumme nicht viel ändern würde), dann wäre sie keine “versicherungsfremde Leistung” mehr und das scheinbare Ausplündern der Rentenkasse durch den Staat würde schlagartig aufhören.

      • troodon
        troodon sagte:

        @foxxly
        “die gesetzliche rentenversicherung wird zwar mit ca 100 Mrd.€ bezuschusst, aber der selbe staat holt durch versicherungsfremde leistungen, 130 Mrd € wieder raus.”

        …und darauf folgt wieder die Ergänzung: FALLS die Daten der Teufel Liste stimmen…
        Es gibt keine allgemeingültige Definition von “versicherungsfremden Leistungen”.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ ott 10:06
        erstaunlich, dass sie fast 20 jahre alte daten benutzen !

        (aus wikipedia)
        In der Gesetzlichen Rentenversicherung existieren zahlreiche versicherungsfremde Leistungen. Hierzu gehören beispielsweise Ersatzzeiten, Renten nach dem Fremdrentengesetz, Anrechnungszeiten, die Höherbewertung der Berufsausbildung und der Sachbezugszeiten, die Rente nach Mindesteinkommen, abschlagsfreie Renten vor Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters oder besondere Regelungen in den neuen Bundesländern. Einige Autoren zählen auch die Hinterbliebenenrenten dazu.[1][2][3]

        Während für die schon vor dem 1. Juli 2014 anerkannten Kindererziehungszeiten gilt, dass die Renten dafür aus Steuermitteln gezahlt werden, wird die für die von diesem Termin an berücksichtigte “Mütterrente”, d. h. der zweite Entgeltpunkt für die vor dem 1. Januar 1992 geborenen Kinder, bislang noch aus dem Beitragsaufkommen berechnet. Gemäß Sozialbeirat gehören „Renten aus den Erziehungszeiten der vor dem 1. Januar 1992 geborenen Kinder … der Finanzierungsverantwortung des Bundes zugeordnet.“ Demzufolge plädiert er dafür, dass „die geplante Ausweitung der Anerkennung von Kindererziehungszeiten durch Bereitstellung der dafür zusätzlich erforderlichen Mittel aus dem Bundeshaushalt finanziert wird. Vor allem würde so vermieden werden, dass die zusätzlichen Rentenleistungen für Erziehungszeiten vor 1992 geborener Kinder, die auch ansonsten nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherten Personengruppen (Selbständige, Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke) zugutekommen, allein von den rentenversicherungspflichtigen Beschäftigten und ihren Arbeitgebern zu finanzieren wären.“[4]

        …………dies relativiert ihre aussage dazu schon sehr!

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @foxxly

        Noch erstaunlicher, dass Sie bei politischen Themen Wikipedia benutzen.

        Ich hab mich ja immer über Annalena Baerbock lustig gemacht, aber dann ihren Wikipedia Eintrag gelesen. Wussten Sie, wie toll und kompetent die ist, und bloß ein Opfer von ganz schlimmer rechter Hetze, die ihre überragende Qualifikation in Frage stellt? ;)
        https://de.wikipedia.org/wiki/Annalena_Baerbock

        troodon hat es schon richtig erklärt, es gibt keine allgemeingültige Definition von “versicherungsfremden Leistungen”. Ich glaube auch nicht, dass sie besonders relevant ist – letztendlich kommt es darauf an, was das Wahlvolk als “zur Rente dazugehörig” sehen will (das ist eine politische Kategorie, keine versicherungsmathematische), und das sind mittlerweile so üppige Leistungen, dass das bei rund 20% Rentenversicherungsbeitrag nicht ohne Zuschüsse aus dem Staatshaushalt finanzierbar ist.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ ott 11:01
        zur info:
        versicherungsfremde leistungen befinden sich auch in der gesetzlichen krankenversicherungen !

        schlimm, dass der staat diesen trick überhaupt macht!

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @foxxly

        Tja, wenn der Staat unkontrolliert wuchert und zur Beute der Parteien- und Beamtenkaste wird, dann werden die finanziellen Verflechtungen immer komplizierter, damit keiner mehr durchblickt.

        Ich bin übrigens privat krankenversichert und finde es ganz furchtbar, dass ich über meine Steuern die gesetzliche Krankenversicherung quersubventionieren muss.

    • weico
      weico sagte:

      @Richard Ott

      “Schon interessant, wer plötzlich alles aus seinen Löchern kommt und vorgibt, sich für die Mittelschicht zu interessieren, wenn den überschuldeten Bänkern und Staaten die Zinsen erhöht werden könnten.”

      Richtig.

      Interessant ist immer wieder, dass man Hier im deutschsprachigen Raum … den Aussagen von US-“Experten” so viel Gewicht gibt.

      US-“Experten” die aus einem Land kommen, dass immens hoch verschuldet ist und riesige Sozial -und Rassenprobleme hat und ….ein völlig anderes politisches System dazu, sollte man HIER nicht zu ernst nehmen, wenn Sie LÖSUNGEN und RATSCHLÄGE für “andere reiche Länder”
      suchen / geben.

      Nebenbei:
      Herr Kickl hat diesen Ansatz…. “IM EIGENEN LAND LÖSUNGEN” suchen … Gestern im ORF-“Sommergespräch” wunderbar hervorgehoben.

      https://www.youtube.com/watch?v=t2bF2rjKZf8

      Man beachte die entspannte und angenehme Gesprächskultur dieses informativen “Sommergespräches” und ziehe einen Vergleich, mit einem ARD- oder ZDF- “Sommerinterview” !

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @weico

        “US-“Experten” die aus einem Land kommen, dass immens hoch verschuldet ist und riesige Sozial -und Rassenprobleme hat und ….ein völlig anderes politisches System dazu, sollte man HIER nicht zu ernst nehmen, wenn Sie LÖSUNGEN und RATSCHLÄGE für “andere reiche Länder” suchen / geben.”

        Es ist noch viel schlimmer. Offensichtlich werden amerikanische “progressive” Policy Papers auf Deutsch (oder für die bergdeutschen Mitleser: “Unterrichtssprache”) übersetzt und dann an die linksgrünen Parteien und deren Vorfeld-NGOs geschickt, die das dann als ihre politischen Forderungen übernehmen. Auch dann, wenn das Thema im europäischen Kontext überhaupt keine Relevanz hat, wie zum Beispiel “Ureinwohner”:

        “(…) verpflichten wir uns mit diesem Beschluss zur Unterstützung des Kampfes für Gerechtigkeit von BIPoCs und allen betroffenen Gruppen von ungerechtfertigter Polizeigewalt.”
        Fußnote aus der Quelle: “BIPoC steht für Black, Indigenious [sic – nicht nur ohne Gehirn übersetzt sondern auch noch falsch geschrieben] and People of Colour. Es ist eine Selbstbezeichnung der Community und inkludiert alle nicht-weißen Gruppen, die von der Erfahrung systematischen Rassismus betroffen sind.”
        https://gj-sachsen.de/aktuelles/2020/07/14/black-lives-matter-fuer-konsequenten-antirassismus-in-sachsen/

        Ich weiß nicht genau, ob die Grünen die slawische Minderheit der Sorben hier in Sachsen als “nicht-weiß” sehen, aber sie sind die einzige Gruppe, die man hier mit ganz viel gutem Willen als “Ureinwohner”-Minderheitengruppe definieren könnte.

        Probleme mit Polizeigewalt haben die allerdings nie (außer sie gehen auf Corona-Demos…) – und besonders viel Solidarität mit schwarzen Drogendealern ist von ihnen auch nicht zu erwarten…

    • Thomas M.
      Thomas M. sagte:

      @Hr. Ott:

      >Würde das Fed dies [Zinserhöhung] tun, gäbe es allerdings mit ziemlicher Sicherheit eine enorme Rezession, die unter Geringverdienern für Arbeitslosigkeit sorgen würde; die Mittelklasse wiederum könnte dabei zusehen, wie der Wert ihrer Häuser und Pensionen zusammenbricht.

      Darüber war ich auch direkt gestolpert. Sofern er nicht davon ausgeht, dass alleine die wirtschaftliche Rezession das erklärt. Tut er vermutlich nicht, denn er bezieht die negativen Folgen in Form von Arbeitslosigkeit ja auf die Geringverdiener. Wenn steigende Zinsen Kurse fallen lassen, folgt daraus, dass sinkende auch zumindest in Teilen steigende Kurse bedingen. Wenn man nicht extra-komplizierte Mechanismen unterstellt.

      Wir hatten es ja schon 1.000x hier. Niedrige Zinsen sind bedingt durch langfristige wirtschaftlich-gesellschaftliche Trends und auch durch die ZB-Maßnahmen, damit der Turm nicht einstürzt.

      Bin mal gespannt, ob / wann wir in den USA nominale Negativzinsen bei Staatsanleihen sehen. Real, also inflationsbereinigt sind sie das ja schon. Aber vielleicht dauert das deutlich länger, weil erst mal viele Staaten Unmengen an US-Anleihen sukzessive im Rahmen der De-Dollarisierung verkaufen, was die Kurse drückt?

      Bzgl. Pensions: Genau wie sie sagen. Die trennen drüben nicht wie hier mit dem Begriff Pensions zwischen öffentlichen und privaten Sektor.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        So funktioniert das Geschäft in den staatlichen Mitesser-Branchen halt. Laut schreien, wenn Verluste drohen, aber vorher die dicken Gewinne einstreichen und dazu schweigen…

        “Bzgl. Pensions: Genau wie sie sagen. Die trennen drüben nicht wie hier mit dem Begriff Pensions zwischen öffentlichen und privaten Sektor.”

        Dann muss es aber wenigstens der Übersetzer tun, wenn Rogoff einen Beitrag für eine deutschsprachige Zeitung verfasst, die sogar noch Leser in 3 verschiedenen Staaten mit 3 verschiedenenen Rentensystemen hat.

    • Felix
      Felix sagte:

      Herr Ott, Sie liegen richtig. Die jetzige Nullzins- und Geldmengenausweitungspolitik zerstört alle Renten und Pensionen, in dem sie deren Kaufkraft senkt. Nur Sachwerte profitieren und das auch nur in Geldeswert gerechnet.
      Mit einer realistischen Inflation abgezinst, haben wir seit Jahrzehnten Stillstand bis Niedergang zu verzeichnen.

      Antworten

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