Italien: gefangen in der Schuldenfalle

Roger Bootle von Capital Economics wurde dadurch bekannt, dass er den Wolfson-Preis für das beste Konzept einer ordentlichen Abwicklung des Euro gewann. Er schreibt jeden Montag im Telegraph. Hier beschäftigt er sich mit den Aussichten für Italien. Motto: gefangen in der Schuldenfalle.

  • „Contrary to much received wisdom, in most circumstances, the level of a government’s budget deficit and the accumulated stock of its debt have hardly any impact on the yield on its bonds. As long as the markets are confident (…).“ bto: Das konnten wir auch in Griechenland sehen. Das Land war lange schon bankrott, bevor es zu Zinsanstieg und damit der offiziellen Pleite kam.
  • But if investors think that there is going to be a default, then this factor will effectively overwhelm everything else. There is nothing more guaranteed to concentrate an investor’s mind than the prospect of losing all his money.“ bto: banal, aber klar. Sobald es Zweifel gibt, ist die Pleite da.
  • The economists Carmen Reinhart and Kenneth Rogoff examined the interplay between government debt, financial crisis, and recession. They argued that for the ratio of government debt to GDP, 90pc is the critical level. Beyond this point, debt ratios tend to get out of control and to produce a financial crisis that often ends in economic disaster.“ bto: Dies gilt aber so direkt nicht, siehe Italien und vor allem Japan.
  • „When it comes to the prospect of default, over and above the debt ratio, three key factors are important – the underlying rate of economic growth, the rate of inflation, and having your own currency. This last factor can be critical. It allows you to issue and redeem debt in a currency that you issue. And it gives you the ability to set your own interest rates.“ bto: Wenn man sich das Geld selber drucken kann, gibt es per Definition keine Gefahr eines offenen Bankrottes.
  •  „During the 19th century, the UK managed to work down its ratio of government debt to GDP from over 200pc after the Napoleonic wars to below 30pc on the eve of the First World War. It did this through a combination of sustained economic growth, fiscal restraint and sustained low interest rates. In the years after the Second World War it achieved a similar feat by similar methods, although this time helped by significant inflation.“ bto: Und die wollte auch die EZB genau deshalb erzeugen!
  • „The ratio of Italian public debt to GDP is running at over 130pc. Tellingly, this ratio is higher than it was before the global financial crisis. All these years of austerity during which the Italian public finances have been kept on a tight rein have brought no progress– in fact, the reverse. The reason is easy to fathom. Since Italy joined the euro, the Italian economy has experienced next to no growth. Meanwhile, the rate of inflation has been ground downto nugatory levels.“ bto: Das nominale Wachstum in Italien war ganz einfach zu tief für die Schuldenlast und das Zinsniveau.
  • „How to get out of this trap? I suppose it is just about possible that Italy, like the UK in the past, could grow its way out of this problem. If the eurozone were to grow rapidly, and if inflation were to be higher than it has been recently, then the growth rate of Italian money GDP could exceed the rate by which the debt is rising, and hence bring the debt ratio down.“ bto: Das halte ich angesichts der demografischen Entwicklung und des geringen Produktivitätswachstums für eine Illusion.
  • „What marks Italy out as a smouldering source of debt crisis is that, unlike Japan, the United States and the UK, Italy does not have the ability to issue debt, nor to redeem it, in a currency that it issues. Nor does it have control of its own interest rates. This puts it in just about the worst of all possible positions. Indeed, it is in a similar position to many emerging market countries that, in the past, have been forced to borrow in dollars.“ bto: Das bedeutet nichts anderes, als dass Italien in der Falle zu hoher Schulden, schwachen Wachstums und des Euros steckt.
  • „Not only is the new Italian government intending to launch measures that will increase the deficit, but last week the ECB confirmed that it intends to stop its programme of buying eurozone government bonds, including Italian ones, by January. This will remove a vital prop for the Italian bond market.“ bto: Es ist noch abzuwarten, ob es die EZB wirklich tut. Noch sind es ja nur Drohungen.
  • „Some people say that there can’t be an Italian bond market crisis because the majority of Italian government debt is held by Italians. This judgment is completely misplaced. If Italian individuals and institutions start to believe that their government will default, or partially default through re-denominating the debt into a new currency, then they will not be wanting to hold the stuff when the balloon goes up (…).“ bto: Die Kapitalflucht ist doch schon länger in vollem Gange.

Abruptes Fazit: „Government bond issuance may be national but default is international.“ bto: Und das stimmt.

Kommentare (23) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Hoffentlich nicht zu sehr Off-Topic: https://www.welt.de/wirtschaft/article177927368/Griechenland-Rettung-Deutschland-verdiente-an-Zinsgewinnen-fast-drei-Milliarden.html

    Ich kann mich nicht entscheiden ob ich die im Artikel aufgemachte Rechnung einfach nur dumm oder richtig dreist finden soll:

    „Über 270 Milliarden Euro bekam Griechenland zur Rettung seines überschuldeten Staatshaushalts an Krediten. (…) Seit dem Jahr 2010 hat Deutschland insgesamt rund 2,9 Milliarden Euro an Zinsgewinnen verdient. Damit ist Deutschland einer der großen Profiteure der Milliardenhilfen zur Rettung Griechenlands. (…) Der Grünen-Haushaltsexperte Sven-Christian Kindler forderte wegen der Gewinne Schuldenerleichterungen für Athen. ‚Entgegen allen rechten Mythen hat Deutschland massiv von der Krise in Griechenland profitiert‘, sagte Kindler. ‚Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung mit Milliarden an griechischen Zinsgewinnen den deutschen Haushalt saniert‘, kritisierte er.“

    Rechnen wir mal nach: Grob überschlagen 25% deutscher Haftungsanteil von 270 Milliarden Euro Kreditsumme sind 67,5 Milliarden Euro; 2,9 Milliarden Euro entsprechen 4,30 Prozent Zinsertrag nominal über 8 Jahre, also 0,54% Verzinsung p.a. Die HICP-Gesamtinflation in der Eurozone im gleichen Zeitraum 2010-2018 war ungefähr 11%, reale Rendite damit -6,7% insgesamt oder -0,84% p.a. Wir können uns gerne darüber streiten, welche Inflationsrate hier „die Richtige“ ist und ob die Zins- und Kreditsummen stimmen, aber in keinem Fall kommt beim Nachrechnen der angebliche „massive Profit“ heraus, den die Grünen hier entdeckt haben wollen.

    Kann mir jemand erklären, wie jemand wie Kindler, der solchen offensichtlichen Schwachsinn erzählt, Haushaltsexperte bei den Grünen werden konnte?

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      SB sagte:

      @Richard Ott:

      „Kann mir jemand erklären, wie jemand wie Kindler, der solchen offensichtlichen Schwachsinn erzählt, Haushaltsexperte bei den Grünen werden konnte?“

      Ich versuche es mal: Kindler konnte Haushaltsexperte bei den Grünen werden, weil (auch dort) kein Haushaltsexperte im objektiven Sinne des Wortes gesucht wird, sondern ein „ideologischer Haushaltsexperte“, der Ergebnisse liefert, welche die Politik der Grünen unterstützen. Ob Kindler tatsächlich nicht besser rechnen kann, wissen wir natürlich nicht. Schaut man sich den Geisteszustand und die Ausbildung der grünen Führungsspitze aber an, darf man aber mutmaßen, dass auch Kindler nicht nur nicht richtig rechnen darf, sondern nicht richtig rechnen kann.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Richard Ott

      Auch wenn Off-Topic, sehr lehrreich.

      Die von Kindler vorgetragene Logik ist nämlich beeindruckend:

      Wir haben PROFITIERT, weil das RISIKO eines griechischen Defaults, also der Verlust von Mrd. 67,5 EUR für uns, unbeachtlich ist.

      Das ist so, weil Griechenland nicht pleitegehen kann.

      Das kann es beim besten Willen und mit den größten Anstrengungen nicht, weil die Kredite und gegebenenfalls noch mehr Kredite garantiert jede Pleite verhindern.

      Als Ausgleich für den Profit von Mrd. 2,9 EUR können wir doch mit einem Akt der Fairness auf einen Teils unseres Anteils von Mrd. 67,5 verzichten – Schuldenerleichterung also.

      Die wird es geben, Zinszahlungen und Tilgungen werden weiter in die Zukunft verschoben.

      Alles bestens also?

      Ja, vordergründig.

      Aber NICHT ehrlich und nicht nachhaltig:

      Durch die dauernden Schuldenerleichterungen verzichten wir de facto auf den ANSPRUCH auf die Griechenland gewährten Kredite, ohne die VERLUSTE eines Schuldenschnitts im Haushalt verbuchen zu müssen.

      Der Tag der Wahrheit kommt dennoch, dann nämlich, wenn sich die Eurozone nicht mehr stabilisieren lässt.

      Dann haben freilich andere Schuld, die Italiener z. B. oder die Finanzmärkte, nicht die Kreditgeber.

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        Richard Ott sagte:

        @Dietmar Tischer

        Um die Verbindung zu Italien herzustellen: Dann ist ja alles super in der Eurozone – Italien hat fast zehnmal so viele Schulden wie Griechenland also könnte Deutschland mit der gleichen Rettungs-Strategie dort zehnmal so viel Profit machen! (Wir müssen nur die unvermeidbaren Schuldenschnitte in der Berechnung ignorieren…)

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Ott: Gern. Er unterschlägt Ihre realen Fakten und passt damit zur Ideologie der Mehrheit der Grünen. Patriotismus oder Realismus schaden einer Karriere bei den Grünen.

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  2. Avatar
    Bakwahn sagte:

    Ich bin ratlos. Ich verstehe das alles nicht mehr.
    Hier wird seit Monaten und Jahren über diverse Euro-Katastrophen diskutiert. Nach Meinung von Stelter und Co. hätten schon seit langem etliche Debakel und Verhängnisse der fatalsten und bedrohlichsten Art geschehen müssen – z.B. Griechenlandaustritt, Italienpleite, diverse Bankenzusammenbrüche etc. usw.. Aber nichts ist passiert.
    Stattdessen wird überall in den Nachrichten und in den Medien voller Zuversicht von der Einigkeit Deutschlands und Frankreichs berichtet zu einem europäischen Euro-Zonen-Budget. Von irgendwelchen sich anbahnenden Desastern ist nirgendwo Nachricht.
    Außerdem entscheidet die Eurogruppe über das Ende des Kredit- und Reformprogramms für Athen. Die stehen finanziell wieder auf eigenen Beinen. Hurra!!!
    In den Medien überall nur Optimismus. Ist doch alles bestens!

    Kann mich jemand über diesen Widerspruch aufklären?

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Bakwahn

      Es gibt keinen Widerspruch.

      Denn bei dem, was wir hier am Blog diskutieren, geht es meinem Verständnis nach unterm Strich um das Verständnis der PROZESSE, die „beyond the obvious“ im Gang sind und zu diesen oder jenen Ergebnissen führen.

      Die Medien befassen sich mehr mit den tagesaktuellen Ereignissen und Ergebnissen.

      Auch da kann von „überall nur Optimismus“ keine Rede sein.

      Es liegt schon ein Hauch von Endzeitstimmung über dem Geschehen.

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        Bakwahn sagte:

        @Tischer
        Die richtigen und angemessenen Interpretationen und Einschätzungen von Prozessen und Entscheidungen; genau, deshalb lese ich diesen Blog.

        Der Rest jedoch ist eine völlige Fehleinschätzung ihrerseits.

        In den Medien herrscht das genaue Gegenteil von „Endzeitstimmung“.
        Die jubeln über Griechenland:
        Die umfangreichen Hilfsaktionen waren erfolgreich.
        Jetzt ist Griechenland auf einem guten Weg… usw.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bakwahn

        Ich will mich mit Ihnen nicht darüber streiten, ob in den Medien „überall nur Optimismus“ ist und jetzt (nur) über Griechenland gejubelt wird, ODER ob in den Medien ein „Hauch von Endzeitstimmung“ zu finden ist.

        Das ist im Wesentlichen eine Frage, WIE die Medien gesehen und interpretiert werden.

        Insofern ist das erst einmal nur Meinung.

        Man müsste einmal feststellen, wie sich die HÄUFIGKEIT von Begriffen wie „Krise“, „Sorge“, „Uneinigkeit, „Gefahr“ etc. bei den maßgebenden Themen über die Zeit geändert hat.

        Das Ergebnis könnte wenigsten ansatzweise helfen, eine belastbare Antwort zu finden.

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      Alex sagte:

      Herrn Tischer hat eine gute Erklärung mit dem Blog-Namen „beyond the obvious“ geliefert. Nachrichten sind selten komplett. Es gibt mannigfaltige Pro- und Contra-Argumente und Extrapolationen in die Zukunft. Ob diese Eintreffen ist schwierig da es ganz klar Gegenkräfte gibt. Ein gutes Beispiel ist ein Blog-Beitrag im Fazit – das Wirtschaftsblog vom 19.06.2018:
      http://blogs.faz.net/fazit/2018/06/19/wir-koennen-uns-keine-neue-krise-leisten-10035/

      Übrigens gibt es auch in der Medienwelt (FAZ, Die Zeit, Welt, Spiegel, Tagesschau) auch Nachrichten über Probleme im Bereich des Euro die entstehen könnten. Leider nicht so sehr detailliert wie ich es mir wünschen würde.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >„Some people say that there can’t be an Italian bond market crisis because the majority of Italian government debt is held by Italians. This judgment is completely misplaced.>

    Das stimmt.

    Es wird diese Krise italienischer Staatsanleihen geben, wenn die EZB das tut, was sie angekündigt hat, nämlich keine Staatsanleihen mehr zu kaufen.

    Wenn das so ist – und es wird vermutlich so sein, weil bei mittlerweile 2% Inflation in der Eurozone der EBZ die BEGRÜNDUNG fehlt, sie weiter zu kaufen –, dann kauft sie nur noch wer?

    Die Italiener werden sie nicht kaufen und Institutionen auch nicht, sondern die Teilnehmer in den Kapitalmärkten.

    Heißt:

    Entweder die neue Regierung zieht ihr Programm durch und PRODUZIERT damit aufgrund ihres finanziellen Mehrbedarfs eine Krise bei italienischen Staatsanleihen oder sie finanziert es über eine Parallelwährung mit letztlich einer KRISE des Eurosystems – ODER sie gibt ihr Programm auf und produziert damit eine POLITISCHE Krise, die letztlich wiederum in einer Finanzkrise und/oder einer Krise des Eurosystems münden wird.

    Ich sehe nichts anderes, weil die alternativen Optionen nicht realistisch sind:

    Einen Rettungsschirm kann es für Italien nicht geben und eine hinreichende Finanzierung durch Transfers wäre in den Geberländern angesichts deren eigener Probleme nicht durchsetzbar und sie wären nicht hinreichend.

    Und – letzte Option – das Wunder eines italienischen Macron wird es nicht geben. Nicht in diesem Land.

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      Alexander sagte:

      @ Dietmar Tischer

      > wenn die EZB das tut, was sie angekündigt hat, nämlich keine Staatsanleihen mehr zu kaufen.

      Ich frage mich ob die EZB jemals Staatsanleihen gekauft hat, oder ob das EZB System den Ankauf der italienischen Notenbank nur verbucht hat – Käufer war die eigenständige Notenbank v. Italien.

      Diese Idee leite ich aus dem Aufsatz von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger über das Märchen einer Europäischen Zentralbank im Notenbankkostüm ab. Leider finde ich keinen zweifelsfreien Link auf ein pdf.

      Zitat:

      –>Nichts hat die EZB mit der alten Bundesbank oder ihrem Vorgänger BdL ge-
      mein. Ebenso wenig entspricht ihre Rolle der Machtstellung der Federal Reserve
      Bank of New York, die im US-Notenbanksystem die Geldpolitik des Zentralbank-
      rats ausführt und der sich die elf anderen Notenbanken unterordnen. Schlimmer
      noch, der EZB fehlen alle entscheidenden Attribute einer Notenbank.
      Ein Blick in die Bücher der EZB vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2001
      zeigt auch einem Bilanz-Laien, daß sie keine Notenbank, sondern das streng überwachte Töchterlein der zwölf NZBen ist. Eine wirkliche Notenbank hat auf ihrer Aktivseite erstklassig besicherte Forderungen gegen handverlesene – „zentralbankfähige“ – Geschäftsbanken. Auf ihrer Passivseite erscheinen entsprechend die an die Geschäftsbanken herausgegangenen Banknoten sowie Guthaben dieser Banken bei ihr. Die EZB hingegen hat auf ihrer Aktivseite weder Forderungen gegen Geschäftsbanken in Europa noch gar – wie es die Ökonomen Sinn und Siebert glauben – gegen ihre NZB-Mütter im Euroraum. <–

      Der Italiener Draghi kann der italienischen Notenbank gar nichts befehlen, im Notfall kann Rom machen was es will.

      Schlimmstenfalls sieht die Welt, dass der Eurokaiser nackt ist (obiger Aufsatz), sobald alle machen was sie müssen um gesellschaftliche Schocks zu verhindern.

      (Vielleicht hat sich seit dem Aufsatz etwas grundsätzlich geändert…)

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        Hans-Peter Stumpf sagte:

        Das ist ein sehr interessanter Aspekt.
        Die EZB-Bilanz bzw. GuV für 2017 weist gerade einmal eine Bilanzsumme von rund 414 Mrd aus (Deutsche Bank glaube ich über 2 Billionen) und einen Gewinn von rund 1,2 Mrd aus.
        Vielleicht wäre das ein eigenes Thema wert.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        Der Aufsatz auf den Sie sich beziehen, enthält Aussagen über die EZB von 1999 bis 2001.

        Seitdem hat es eine Finanzkrise, eine anhaltende Eurokrise und Käufe von Anleihen durch die EZB gegeben, darunter in erheblichem Umfang auch Staatsanleihen.

        Das ist unbestreitbar.

        >Der Italiener Draghi kann der italienischen Notenbank gar nichts befehlen, im Notfall kann Rom machen was es will.>

        Es stimmt zwar, dass Draghi der italienischen Notenbank nichts befehlen kann, es ist aber falsch, dass die italienische Notenbank machen kann, was sie will.

        Wer de facto kauft, also welche Notenbank mit welcher Geschäftsbank einen Kauf abschließt, ist sekundär im SYSTEM der nationalen Notenbanken.

        Entscheidend ist, dass ALLE Notenbanken im EZB-Rat mitentscheiden, WIEVIEL von WAS durch das System EZB gekauft wird.

        Das heißt im Umkehrschluss:

        KEINE nationale Notenbank kann kaufen, WAS und WIEVIEL sie will.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „What ever it takes“ ist Legitimation & Prophezeiung zugleich.

        H.W. Sinn beklagt begründet die Stimmenmehrheit der Krisenländer im Zentralbankrat….und wir kennen seine Versuche vor den Eisbergen zu warnen.

        Über die Querschüsse konnte man in den Jahren der Griechenlandkrise die Eskapaden der griechischen NB anschaulich verfolgen…

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        Man kann nicht so drüber bürsten wie Sie.

        „Whatever it takes…“ war gebunden an das OMT-Programm, das via den ESM mit politisch gewollten Strukturanpassungsverpflichtungen verknüpft war.

        Es musste nie eingesetzt werden, weil die Märkte vor der EZB stramm gestanden haben.

        Das war 2012.

        Jetzt sind wir sechs Jahre weiter.

        Ich sage nicht, dass die EZB bei einer dramatischen Euro-Krise die Hände in den Schoß legen würde.

        Es ist aber nicht so einfach, wie es einmal war, vor allem weil sich die politische Landschaft dramatisch geändert hat.

        Hier eine Betrachtung aus Sicht der Kapitalmärkte:

        https://www.boerse-online.de/nachrichten/meinungen/whatever-it-takes-ist-nicht-mehr-glaubwuerdig-1001793252

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        Alexander sagte:

        @ Diemtar Tischer

        Die Russlandsanktionen haben Europa seit 2014 ~ 30 Milliarden an Umsatz gekostet (z.B. aus der Welt), genau soviel pumpt die EZB seit Januar 2018 monatlich in Aufkaufprogramme….zuvor 60 Milliarden im Monat.

        Nachdem es keine große EZB Reform gegeben hat, bleibt die Aussage von Heinsohn/Steiger bestehen, dass das EZB System (Sitz in Frankfurt) nur Tochter seiner nationalen Zentralbanken ist – und nicht umgekehrt.

        Es gibt keine Durchgriffsrechte für den Vorsitzenden, ganz im Gegenteil wirkt sich die Stimmenmehrheit der Südländer bestimmt nicht zuungunsten Italiens aus.

        Europa scheitert an den handwerklichen Fehlern seiner Konstrukteure.

        Aber ich mache es mir zu einfach? Bürsten? Klar, Problem erkannt.

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