Aktueller War Index von Gunnar Heinsohn

Gunnar Heinsohn und seine Erkenntnisse zu den demografischen Treibern von Bürgerkrieg, Krieg und Terror war schon öfters Thema auf diesen Seiten. Zuletzt: → Wer den War Index nicht versteht, kann nur die falsche Politik machen

Hier die aktualisierten Zahlen. Kein Grund zur Entwarnung!

 

 

 

 

 

Kommentare (25) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    mg sagte:

    Der Warindex von Gunnar Heinsohn ist rein deskriptiver Natur und genügt in keinster Weise den Ansprüchen der schliessenden Statistik. Aus den Zahlen lassen sich die Wahrscheinlichkeiten zukünftiger Entwicklungen oder Ereignisse (d.h. Krieg oder Bürgerkrieg) nicht ablesen.

    Womit Heinsohn Recht behält: Kriege auf fremden Boden zu führen, gegen Menschen, die ihre Familien und ihr Land verteidigen, ist aussichtslos, verlustreich und letztendlich völlig bescheuert. Irgendwann wird diese Erkenntnis auch zu den jungen Männern durchdringen, die sich bisher von alten Männern haben in den Krieg schicken lassen.

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      ikkyu sagte:

      @mg

      Zitat:
      „Der Warindex von Gunnar Heinsohn ist rein deskriptiver Natur und genügt in keinster Weise den Ansprüchen der schliessenden Statistik.“

      Was Heinsohn macht ist eine Korrelationsanalyse, also deskriptive Statistik.

      Aus einer vorliegenden Korrelation kann man natürlich nicht direkt auf eine Kausalität schließen.
      Aber es ist ein Hinweis, dass eine Kausalität vorliegen könnte und somit ein guter Ausgangspunkt für weitere Forschung.

      Mit inferentieller Statistik (Signifikanztests) hat das nichts zu tun.

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        mg sagte:

        @ikkyu:
        > Was Heinsohn macht ist eine Korrelationsanalyse

        Ist das so? Womit korreliert der „Warindex“ denn und wie ausgeprägt?

        > Aus einer vorliegenden Korrelation kann man natürlich nicht direkt auf eine Kausalität schließen. Aber es ist ein Hinweis, dass eine Kausalität vorliegen könnte und somit ein guter Ausgangspunkt für weitere Forschung.

        Der Auffassung würde ich mich gerne anschliessen. Haben Sie zufällig eine Originalarbeit von Heinsohn zur Hand, welche eine lineare Korrelation von der Messgrösse „Warindex“ zur Messgrösse „Kriegstote/verletzte“ aufzeigt? Oder eine nicht-lineare Korrelation von „Warindex“ und dem Zustand „Krieg ja/nein“?

        Im Übrigen könnte ich mir vorstellen, dass die Kausalität genau anders herum läuft: nachdem die Russen, der Westen bzw. die jeweiligen Verbündeten den Iran (via Proxy), Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien niedergebombt habe, steigen dort trotz (oder gerade deswegen) die Geburtenraten stark an.

        Oder am Beispiel des offenbar unlösbaren Nahostkonfliktes: ein Palästinenserleben hat keinen Wert? Dann macht es Sinn mehr Palästinenser in die Welt zu setzen und diese als lebende Waffe einzusetzen. Hätten die Palästinenser eine Perspektive, würde sie sehr vermutlich anders handeln.

        Wenn dem so wäre, würden Heinsohns Arbeitgeber solche Schlussfolgerungen vermutlich lieber in der Schublade verschwinden oder hinter verschlossenen Türen diskutiert sehen.

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        ikkyu sagte:

        @mg

        Über die „Youth bulge -Theorie“ gibt es schon einige empirische Studien:

        https://tinyurl.com/ycqbswt9

        “The study finds robust support for the hypothesis that youth bulges increase the risk of domestic armed conflict, and especially so under conditions of economic stagnation. Moreover, the lack of support for the youth bulge hypothesis in recent World Bank studies is found to arise from a serious weakness in the youth bulge measure employed by World Bank researchers.”

        https://tinyurl.com/yctu8d5z

        “Countries in which young adults made up a large proportion of the adult population—40 percent or more—were more than twice as likely to experience an outbreak of civil conflict during the 1990s as those below this
        benchmark. These youth-bulge countries are in the developing world, where youth unemployment rates are generally three to five times that
        of adults.”

        http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Jugend_und_Kriegsgefahr/Warum_entstehen_Kriege.pdf

        „Es existiert ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Jugendanteil einer Bevölkerung, der Säuglingssterberate (als Repräsentation des sozioökonomischen Entwicklungsstandes) und der Wahrscheinlichkeit von gewaltsamen Konflikten. In der für den Zeitraum 1975 bis 2000 durchgeführten Analyse war dabei der Einfluss beider Variablen auf die Konfliktwahrscheinlichkeit genau gleich groß.”

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        Thomas sagte:

        Die Paper findet man über das Stichwort youth bulge (gibt’s auch auf wikipedia den Eintrag). Die Theorie / Beobachtung ist auch nicht von Heinsohn; die gibt es schon längere Zeit und auch mit englischen Papern dazu. Er hat es aber hier in Deutschland wohl medienwirksam publik gemacht.

        Auf Wikipedia ist ein Paper verlinkt, wo zusammen mit ökonomischen Faktoren gerechnet wird.

        Das soziologisch interessante an der youth bulge-These ist für mich, dass sie davon ausgeht – ganz kurz zusammengefasst -, dass die religiösen, ethischen, politischen Gründe vorgeschoben sind, um das biologisch motivierte Töten zum Erlangen höheren sozialen Status zu rechtfertigen / rationalisieren (im Sinne von vertretbar machen vor dem Hintergrund der eigenen Werte oder dem Überwinden der Tötungshemmung).

        Ist schon schwere Kost. Aber der Blick in die Abgründe des Menschen gehört zur Aufklärung dazu.

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        rob.he@web.de sagte:

        @mg

        Exemplarisch einige Studien zur „Youth Bulge-Theorie“ mit logistischer Regressionsanalyse:

        https://tinyurl.com/ycqbswt9

        “The study finds robust support for the hypothesis that youth bulges increase the risk of domestic armed conflict, and especially so under conditions of economic stagnation. Moreover, the lack of support for the youth bulge hypothesis in recent World Bank studies is found to arise from a serious weakness in the youth bulge measure employed by World Bank researchers.”

        https://tinyurl.com/yctu8d5z

        “Countries in which young adults made up a large proportion of the adult population— 40 percent or more—were more than twice as likely to experience an outbreak of civil conflict during the 1990s as those below this
        benchmark. These youth-bulge countries are in the developing world, where youth unemployment rates are generally three to five times that
        of adults.”

        http://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Jugend_und_Kriegsgefahr/Warum_entstehen_Kriege.pdf

        „Es existiert ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Jugendanteil einer Bevölkerung, der Säuglingssterberate (als Repräsentation des sozioökonomischen Entwicklungsstandes) und der Wahrscheinlichkeit von gewaltsamen Konflikten. In der für den Zeitraum 1975 bis 2000 durchgeführten Analyse war dabei der Einfluss beider Variablen auf die Konfliktwahrscheinlichkeit genau gleich groß.”

      • Avatar
        mg sagte:

        > Auf Wikipedia ist ein Paper verlinkt, wo zusammen mit ökonomischen Faktoren gerechnet wird.

        Auch ich habe manchmal Probleme mit Satzbau und Grammatik, da schliesse ich mich auch von der Seite her nicht aus.

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    Thomas sagte:

    So interessant und stimulierend das auch ist; man muss immer wieder daran denken: Der War-Index ist ein einzelner Faktor und nicht die einzige Erklärvariable – er lässt ökonomische und kulturelle Aspekte komplett außen vor.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Also ich finde den Index im Vergleich zu 1950 bzw. 1970 eher beruhigend. Die Atommächte Pakistan und Indien sind zwar noch nicht im grünen Bereich, aber die schwierigsten Staaten sind militärisch eher unbedeutend. Man stelle sich einen Index von größer 4 für die Volksrepublik China vor; das wären unfassbar große Probleme.

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    Alexander sagte:

    Da sich der Index für die BRD zwischen 2017-2030 steigert, stellt also auch Gunnar Heinsohn ein gestiegenes Potential für Gewalt in Buntland fest.
    Die Massenzuwanderung von jungen, mobilen, hungrigen, risikobereiten, mutigen und initiativen Männern wird das Land verändern.

    Danke, Herr Heinsohn!

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      Johann Schwarting sagte:

      @Alexander

      Ich schließe mich dem

      „Danke, Herr Heinsohn!“

      sehr gerne an – die letzten Sätze meiner vorgestrigen Ausführungen finden damit einen wissenschaftlichen Beleg. Die Politik kann endgültig in den Vollmodus der Schaffung totaler Sicherheit und Überwachung einsteigen. Medial läuft das Verlangen nach Aufrüstung im Inneren auf vollen Touren – Trump hat sich auch schon zu Wort gemeldet, und unser aller Vorbild China ist mit seinem ‚Sozialkredit-System‘ schon sehr viel weiter. Die Süddeutsche Zeitung berichtete gestern, dass China massenhaft Uiguren und Kasachen aus der Provinz Xinjiang, die im strategischen Plan einer „Neuen Seidenstraße“ eine zentrale Rolle spielt, in Lagern umerziehen lässt.

      Das ist ja gerade der Witz, dass die Militarisierung nach innen und außen die europäische Einheit erzwingen soll – und wird. Der Ruf nach überordneten europäischen Instanzen ist unüberhörbar. Alles muss (vor)finanziert werden – die Aussichten auf Wirtschaftswachstum sind hervorragend.

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        Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        Zustimmung – aber:
        Beinhaltet ihr Gedankengang auch das Potential welches von solchen nach Kriterien des „Sozialkredit-System“ umerzogenen Gesellschaften ausgeht?

        Seit wann sind Arbeitssklaven kreativ? Vor Jahren beklagte Winterkorn den Innovationsmangel trotz der Einstellungsoffensive junger Ingenieure(innen)…

        Gleichgeschaltete Gesellschaften sind Fukushima näher als dem Nachfolger des Verbrennungsmotors, auch weil sich Leistungsfähige ins innere Exil zurück ziehen. Die Kernschmelze der dt. Autoindustrie läuft und läuft ….

        Erfolgt aus Angst ein Ruck nach „rechts“ und wird militarisiert, wer soll die Uniformen in Europa tragen? Die Berliner Polizei führte vor wie es nicht geht und die Bundeswehr hat gigantische Qualitätsprobleme beim Personal… ein Polizeistaat mit Migrationshintergrund?

        Ich würde Heinsohn darum bitten wollen, seinen Index soziologisch aufzuschlüsseln, denn die absolute Zahl stimmt nur für homogene Gesellschaften. Europa wandelt sich z.Zeit in eine heterogene mit „null Gewaltfähigkeit bei Indigenen“ und „totaler Gewaltbereitschaft“ bei von Chancen ausgeschlossenen Zuwanderern + Migrationshintergrund /Schulversagern. Ziegenhirten schaffen die Karriere nur ins Sozialsystem, vgl. die Probleme Frankreichs mit den Maghrebzuwanderern.

        Die Massenakademisierung spaltet weiter und dient keineswegs der Qualitätssteigerung. Selbst wenn die demokratische Mehrheit einer Energiewende zustimmt, es bleibt ein physikalisches Fiasko (vgl. Tumult 2/18 – Das Ende der Reichlichkeit).

        Nichts bringt uns verlorenes Humankapital zurück, das ist die eigentliche Tragödie – mit oder ohne Orwell.

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        Johann Schwarting sagte:

        @Alexander,

        vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Darüber

        „Seit wann sind Arbeitssklaven kreativ?“

        wird in Singapur intensiv nachgedacht: Wie kann Kreativität erzeugt und gefördert werden. Die Quelle finde ich leider nicht mehr.

        „Vor Jahren beklagte Winterkorn den Innovationsmangel trotz der Einstellungsoffensive junger Ingenieure(innen)… Die Kernschmelze der dt. Autoindustrie läuft und läuft ….“

        Es wird berichtet, dass die Qualität der in China produzierten Volvos-Autos mittlerweile sehr hoch ist – vielleicht sogar besser als die, die in Schweden hergestellt werden:

        https://www.motor1.com/news/241866/chinese-factories-better-than-europe/

        Andererseits habe ich vor kurzem medial aufgeschnappt – und ich kann es kaum glauben: Mehr als 50% der ‚Hidden Champions‘ weltweit sollen in Deutschland, der Schweiz und in Österreich beheimatet sein! Im Hinblick auf
        Ihre Ausführungen

        „Europa wandelt sich z.Zeit in eine heterogene mit „null Gewaltfähigkeit bei Indigenen“ und „totaler Gewaltbereitschaft“ bei von Chancen ausgeschlossenen Zuwanderern + Migrationshintergrund /Schulversagern. … Die Massenakademisierung spaltet weiter und dient keineswegs der Qualitätssteigerung. … Nichts bringt uns verlorenes Humankapital zurück, das ist die eigentliche Tragödie – mit oder ohne Orwell.“

        stimmen auch die Inhalte der Beiträge des Fadens mit dem Posting

        http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=397419

        von @Ashitaka sehr sehr nachdenklich.

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        Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        Bestimmt stimmen wir überein, dass es für Schüler einer Meisterklasse leichter ist bestehende Abstände zum „Meister“ zu verringern, als für den Ausbilder diese Abstände durch Fortschritt aufrecht zu halten. Das eigentliche Ziel wäre ein -gemeinsames-, dass durch Stabwechsel der Fortschritt selbst vorangebracht wird … ein Stück wenigstens.
        Ist der Abstand nur ein geringer und herrscht globaler Preisvergleich, wird es für den Meister sehr+sehr+sehr+sehr schwer seinen auf wesentlich höherer Bezahlung basierenden Lebenswandel zu rechtfertigen.

        (Eine japanischen Messuhr/0.01mm (Mitutoyo) aus chinesischer Fertigung kostet ~120€, eine ebay Messuhr 0.01mm (MututDyD) aus chinesischer Fertigung incl. Versand 10.78€.)

        Hidden Champions ist ein dankbarer Mythos zur Beruhigung von ängstlichen Gemütern. Selbstverständlich gibt es diese Unternehmen, aber es sind Nischen die vor allem China -noch nicht- zum Schwerpunkt erklärt hat, wie z.B. Maschinenbau, Kfz-Industrie u.a. Das kommt noch.
        Bei den hidden Champions möchte ich unterteilen in umsatzstarke / beschäftigungsarme (z.B. Software, Chemie) und umsatznormale / beschäftigungsintensive. Wo der Fachkräftemangel zubeißt ist klar, trotz Massenakademisierung, zugleich das Problem des Wettbewerbes.

        In jeder Branche wo globaler Wettbewerb herrscht und die Fertigung in kostengünstige (Energie, Personal, Regulierung, Steuern) Ausländer verlegt werden kann, verliert Europa.

        Was vor 30 Jahren noch gesetzt war (auch hidden Champions), hat sich seit dem Mauerfall still und heimlich gewandelt. BBW wählt zu 30% deshalb grün, weil aus dem Mittelstand längst ein bezahlter Sektor des öffentlichen Dienstes wurde. Namhafte Mittelständler (hidden Champions) haben Schulungszentren eröffnet um für die Arbeitsverwaltung im Auftrag Ausbildung zu verkaufen…. Nicht ohne Grund überwiegt der Staat als Wunscharbeitgeber einer Mehrzahl der Studierenden… Der Rest hängt zu 50% an den Autoindustrien.

        Für die Schweiz und Österreich gilt dasselbe. Obwohl traumhafte Qualitäten möglich sind, erklären mir Verkäufer die Preise als „Liebhaberei“. Vom Leid durch Währungsschwankungen berichten unsere Medien nichts, von der Überregulierung in Österreich ebenso wenig. Dabei haben beiden Länder ihre Kreditblasen und Immobilienmonster errichtet….überall.

        Für die hungrigen Tigerstaaten Asiens bin ich gespannt, wie lange deren Energie vorhält. Genau wie bei uns neigt der Mensch zu Dekadenz, wenn er ein paar gute Jahre erleben darf. Ob die alle die Probleme niederringen, an denen sich Japan und Europa die Köpfe einrennen – ich bezweifle es.

        Mein Rezept bleibt das europäische. Individualität statt Uniformität. Viele, viele, viele Unternehmen – welche mit geringen staatlichen Hürden flexibel Marktchancen suchen. Nicht staatliche Bildung ist Speerspitze der Entwicklung, sondern mit Problemen konfrontierte Fachleute.

        Die Verstaatlichung von Forschung ist anfangs billig und scheitert, denn beamtete Professoren sind marktfern und Parteien ideologisch motiviert.

        Das größte Armutszeugnis in Sachen Naturwissenschaft für die BRD ist die Energiewende! Von so einem Land muss man einen Bogen machen. Die 68er sind Leitkultur geworden, das erklärt alles.
        Aus der BdK: https://youtu.be/PHfA2qnaHE8
        13 Thesen zur Energiewende v. H.W.Sinn:
        https://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/policy/Sinns-Corner/Sinn-Juni2014-14-Thesen-zur-Energiewende.html

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        Johann Schwarting sagte:

        @Alexander,

        in Ihrem Satz

        „Was vor 30 Jahren noch gesetzt war (auch hidden Champions), hat sich seit dem Mauerfall still und heimlich gewandelt.“

        spiegelt sich mein Denken in zeitlichen Zyklen wider, wie es im letzten Jahrhundert in Deutschland etwa alle 25 Jahre geschehen ist. 1914: WKI, 1939: WKII; 1961: Mauerbau/Ende Adenauer-Restauration, 68er-Leitkultur; 1989: Mauerfall/Ende DDR; 2016: asiatisches Zeitalter. Der 25-jährige Zyklus wird von einem (rund) übergeordneten 50-jährigen Zyklus eingefasst: 1815 Wienerkongress-Restauration der alten Ordnung; 1871: Bismarck/Kaiserreich; 1918: Ende des Kaiserreiches/Versailles; 1968: gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche 68er-Leitkultur

        Heute befinden wir uns im einem interessanten Übergang eines 25- und 50-jährigen Zyklus zu einem neuen Abschnitt – das System steht vor ‚Goldenen Punkten‘ und durchschreitet mit uns eine doppelte ‚Goldene Tür‘.

        „Die Goldenen Punkte sind wie „Spalten in Zeit und Raum“ die möglichen Aus- und Einstiegspunkte innerhalb der System-Gebundenheit. Im Zusammenwirken mit ihren Bezugssystemen sind sie die symbolischen Quellen aller kreativen Phänomene.“

        http://www.sectioaurea.at/

        Die infrage kommenden ‚Goldenen Punkte‘ können wir jetzt selber bestimmen.

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        Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        > Der 25-jährige Zyklus wird von einem (rund) übergeordneten 50-jährigen Zyklus eingefasst

        Martin Armstrong verfolgt einen ähnlichen Gedanken und selbstverständlich ernten wir, was wir sähen. Der 25/50 Jahre Zyklus spiegelt Entscheidungen wieder, die Menschen aufgrund von Erwartungen treffen und deren Folgen sie selbst noch erleben. Ereignisse wechselwirken auf Erwartungen….

        Für den aktuellen „Goldenen Punkt“ bin ich nicht hoffnungsfroh gestimmt, denn Europa verzichtet auf Fähigkeiten, die nicht durch einen Technologiesprung abgelöst werden – sondern aufgrund preisgünstigerer Mitbewerber. Unternehmerisch wäre diese Tatsache ein fatales Urteil.

        Von daher möchte ich gerne alle Relativierer der Grenzöffnung in private Haftung nehmen, wenn die Auswirkungen nach 25 Jahren nicht banal sind. Umkehren kann man die Tatsachen heute schon nicht mehr.

        Es wär ein schwacher Trost, wenn die Protagonisten des kulturellen Bruchs selbst Opfer ihrer Entscheidungen würden – Unschuldige haben schon jetzt zu leiden.

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        Johann Schwarting sagte:

        @Alexander,

        dahinter

        „… selbstverständlich ernten wir, was wir sähen.“

        steht die Frage nach dem grundsätzlich zu betrachtenden Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt.

        Das Simulationsprinzip hat ja gemäß Jean Baudrillard das Realitätsprinzip abgelöst und damit das Subjekt in seiner tragenden Position erschüttert und verdrängt. Das tritt auf den entschiedenen Widerstand zeitgenössischer subjektzentrierter Philosophen – und vieler User und Leser des Blogs –, die von den Ideen der Aufklärung – Humanismus, Freiheit, Transparenz, Menschenrechte, souveränes Individuum, Demokratie, Fortschritt – beseelt und von ihrer Durchsetzbarkeit überzeugt sind. Alle Bestrebungen des Subjektes, die Deutungshoheit und die Macht über das Objekt zurückzugewinnen, sind zum Scheitern verurteilt. Das ist das Ergebnis der Machttheorie und des Debitismus als eine „reine Beschreibung, was sich ergibt, sofern Schulden existieren.“ Alle ökonomischen Werte beruhen auf Gewalt eines „haben müssen“ zum Termin durch die Abgabe fordernde Zentralmacht. Der Machtkreislauf des Geldes – die Ökonomie – dient dazu, die nicht-tilgbare Erstverschuldung, die aus der (Vor)finanzierung der Macht wegen des Vorher-Nachher-Problems resultierend wachsen muss, bedienbar zu halten – bis es wegen Überschuldung nicht mehr funktioniert. Das System ist aus formloser Gewalt hervorgegangen, ruht dann auf formeller/formaler rechtlicher Herrschaft und endet dann wieder in formloser Gewalt – geht unter oder wird von einem erfolgreicheren System aufgesogen.

        Es ist eben schwer zu akzeptieren, dass der Debitismus und die Simulation ihre Zyklen abspulen, egal welche Tricks die Politik anwendet.

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        Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting
        Es ist sehr schön den debitistischen Sachverhalt in so gut nachvollziehbaren Zeilen aufgeschlüsselt zu lesen. Danke!

        Absichtlich habe ich mich auf einen menschlichen Zusammenhang für wiederkehrende Zyklen entschieden, weil die debitistischen Zyklen anderen Regelmäßigkeiten unterworfen sind, wie ich meine.

        Für den Debitismus spielt Verschuldungs- und Schulddienstfähigkeit die entscheidende Rolle. Beide hängen in entwickelten Gesellschaften eng an der Produktivität und Innovation. Die Zyklen seit der Industrialisierung 1.0 (Dampfkraft) beschleunigten sich, die „Schuldfähigkeit“ wuchs rasant.

        Man kann daraus einen Innovationsdruck ableiten, aber trotzdem keine Innovation erzwingen. Es ist unmöglich zeitliche Zyklen für Innovation zu bestimmen, weil der Abstand zur Industrie 1.0 extrem kurz ist. Niemand könnte darauf Aussagen für 2030 ableiten. Alle bisherigen waren falsch (vgl. 1960er Erwartungen und Realität 2018).

        Ausbleibende Innovation, die wirksam Produktivität und Schuldfähigkeit fördert, beendet den debitistischen Durchgang. Hier bringe ich Baudrillard ins Spiel, denn man kann Innovation simulieren und daraus Verschuldungsbereitschaft induzieren. Mit ausbleibender Steigerung von Produktivität, zugleich Verlust von preislicher Wettbewerbsfähigkeit – global – , entschied sich die Politik mehr Simulation zu wagen. Der neue Markt, FANG Aktien oder die Energiewende sind reine Simulationen.

        Ich halte die Zuwanderung nicht für eine Inszenierung um Europa nach rechts zu verschieben, auch wenn Zombieunternehmer das rüstungstechnisch gerne hätten, sondern für einen Versuch tatsächlich Zeit zu gewinnen, der debitistischen Finanzierungsfalle zu entfliehen.

        Der Nachteil der baudrillardschen Simulation ist, dass ihre Nutzer auf die eigenen Lügen hereinfallen. Der scheinbare Erfolg der Energiewende (Investitionen, Arbeitsplätze, Innovation) verführte dazu. Die Grenzöffnung schien wie eine Chance und die Simulation endete für manche junge Frau durch den Moment ihres Todes (vgl. Baudrillard).

        Was mich bekümmert ist, dass die gewonnenen Jahre bis zum Ende dieses debitistischen Durchganges ungenutzt verstrichen. Das Potential ist weg, wir sitzen auf Werten und können diese zwar verpfänden, aber für was wenn die Demographie andere Maßstäbe setzt? (vgl. ernten was wir sähen)

        Attraktiv ist Europa tatsächlich für Zuwanderer und jene Mächte, die solche Völkerwanderungen zu nutzen wissen. („geht unter oder wird von einem erfolgreicheren System aufgesogen“). Heinsohn: wer die Kinder hat, dem gehört das Land <- und alles was darauf steht ;o)

        Egal aus welchen Gründen man demographische Selbstzerstörung eingeleitet hat, sind wir heute nicht einmal in der Lage für Recht und Ordnung im eignen Haus zu sorgen. Barbaren konfrontieren uns mit Tatsachen, für die unsere Simulation keine Antwort findet.

        Europa ist wie eine reife Frucht, neues Wachstum braucht frisches Personal welches bestehende Werte gerne neuen Kreisläufen zuführen darf…..denn Geld ist auch ein Versprechen auf zukünftige Leistung….

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        Johann Schwarting sagte:

        @Alexander

        Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre anerkennenden Worte und für die mir vielen unbekannten neuen Zusammenhänge, die Sie in einer sehr wortgewandten Sprache vermitteln.

        Baudrillard, der den Debitismus nicht kannte, erklärt und beschreibt in seinem Werk die Textwerdung des Menschen und das letztendliche Verschwinden der Menschlichkeit. Der debitistische Zwang zur Erstverschuldung – zur Vorfinanzierung der Macht – wäre dann in seinen Worten ‚das perfekte Verbrechen‘. Was unternehmen wir Menschen nicht alles, um diese Tatsache zu dissimulieren und unbewusst zu halten.

        Infolge des ursprünglichen Lautes des Zwingherrn sind die Sprache und damit das Denken der Menschen gefangen und gefesselt in den Strukturen der Zentralmacht, die als die erste Folge nach der Potenzialverleihung durch die Gefolgschaft zu verstehen ist. Es gibt kein Entrinnen. Zukunft und Vergangenheit sind möglicherweise nur mentale Konstruktionen des Bewusstseins in der Gegenwart – vielleicht wird die erste nicht von ihr und sie selbst nicht durch die zweite bestimmt.

        Es geht um das ‚Illudere‘ und die Bereitschaft, Bisheriges infrage zu stellen – ‚des Ins-Spiel-Bringens‘ – weg von den Orgien der Kommunikation und der ewigen Suche nach Sinn. Das Denken und die Suche nach der Wahrheit sind nur der Drang zur Enthüllung in den Wissenschaften, weil sie alles zeigen oder berechnen und keine Geheimnisse zurückhalten.

        Baudrillard geht es mit den Konzepten wie Verführung, Illusion, Transparenz und fatale Strategien um die Verteidigung des Geheimnisses gegen die Transparenz. Baudrillard: „Die Vorstellung eines Sinns selbst ist krank.“ In den Worten F. Blask: „Einzig die Verführung, die keine Wahrheit erlangt, sondern nur Spiele des Scheins inszenieren will, fungiert als ein wirksames Prinzip gegen die Fallen der Produktion und der Sinngebung.“ Und ich ergänze – gegen die Fallen des Debitismus.

        „Wir Modernen glauben nicht mehr an die Illusion der Welt, sondern an ihre Realität – was natürlich die schlimmste aller Illusionen ist.“ (Baudrillard: Illusion, Desillusion, Ästhetik, In: Illusion und Simulation)

        Ist das Durchschreiten der ‚Goldenen Tür‘ zur Überwindung des Bisherigen durch kreatives Handeln in der Gestaltung von etwas Neuem im Rahmen der System-Gebundenheit überhaupt möglich? Wir müssen uns durch das Handeln selbst ‚auf’s Spiel‘ setzen.

        Danke für den gemeinsamen Aufenthalt im Phasenraum des Denkens und für die Resonanz der Wellen unseres Bewusstseins.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        Der Debitismus lässt Neulinge hoffnungslos mit der Erkenntnis zurück, dass alles Eigentum eine Illusion ist.

        Gewöhnt man sich an den Gedanken eröffnet sich individuell eine seltene Freiheit, d.h. die Erkenntnis dass Eigentum gar nicht „mein“ Problem ist, sondern das des Zwingherrn.

        Eigentum ist nichts wert, es sei denn jemand bewirtschaftet es erfolgreich in seiner Illusion. Zerbricht diese Simulation durch Enteignung, Zwangshypothek, krasse Besteuerung oder zerstörerischen Neid der Gesellschaft, zerbricht auch die Grundlage von Besteuerung. Vom Eigentum selbst kann man nicht leben und der Markt für Eigentum muss gesund sein, oder Eigentum ist nichts wert.

        Wer die Phasen des Debitismus versteht, richtet sich ein und zieht sich zurück. Renditeloses Risiko ist nicht Grundlage von Schulddientsengagement.

        Ich kenne keinen „freien“ Unternehmer, der noch zappelt. Das wertvollste ist nicht Eigentum sondern Zeit. Mit meiner Zeit weis ich besseres anzustellen, als sie dem Zwingherrn und seinen Strukturen zu schenken.

        Ayn Rand schrieb zurecht das Buch „attlas shrugged“ – „Der Streik“ und genau dort sehe ich unsere Gesellschaften angekommen.

        „Stellen Sie sich vor, daß Sie Atlas sehen, den Riesen, der die Welt auf den Schultern trägt. Sie sehen ihn da stehen, Blut rinnt ihm über die Brust, seine Knie knicken ein, seine Arme zittern, versuchen aber, die Weltkugel mit letzter Kraft hochzuhalten, doch je mehr er sich müht, desto schwerer lastet die Welt auf seinen Schultern. Wenn Sie ihn so vor sich sehen: Was raten Sie ihm? Die Welt abzuwerfen.“

        Debitismus ist die Lehre vom Zwang über den Zwingherrn.
        Debitismus ist Freiheit für alle, die keinen Wert auf Zwang legen.

        Nichts erwarten, nichts fürchten, frei sein.

      • Avatar
        Johann Schwarting sagte:

        @Alexander

        Ihre Beiträge sind sehr lesenswert – der Debitimus ist letztendlich ein philosophischer Deutungsversuch der Wirklichkeit. So

        „Wer die Phasen des Debitismus versteht, richtet sich ein und zieht sich zurück.“

        ist es – Sie beschreiben vor allem die saturierte Endphase des debitistischen Durchganges. Das Prinzip ‚Rückzug und Wiederkehr‘, über das ich anhand der Lebensentwürfe von Carles de Gaulle und Wilhelm Kaisen im Gelben berichtet hatte, steht auch im Zusammenhang mit der Biographie von Carl Friedrich Gauß. Weil er das ‚Geschrei der Boeoter scheue‘ – der anderen Gelehrten –, veröffentlichte er nur einen Bruchteil seiner Entdeckungen.

        „Ich kenne keinen „freien“ Unternehmer, der noch zappelt. Das wertvollste ist nicht Eigentum, sondern Zeit. Mit meiner Zeit weis ich besseres anzustellen, als sie dem Zwingherrn und seinen Strukturen zu schenken.“

        Karl Ludwig Schweisfurth hat auch eine Form der Repudiation von Eigentum vorgenommen – was auch für uns gilt: in der Stadt mit den vielen Rädern und deren Umgebung benutze ich vorwiegend das Fahrrad, teuren Konsum müssen wir uns auch nicht leisten, die Bankkonten sind uns auch irgendwie egal und nur der Zwingherr will dauernd zusätzliches Geld – wir sind eben saturiert. Die Sätze

        „Debitismus ist die Lehre vom Zwang über den Zwingherrn. Debitismus ist Freiheit für alle, die keinen Wert auf Zwang legen.“

        haben mit den entsprechenden Auslegungen des ‚Subjekt/Objekt‘-Verhältnisses einerseits zum Schisma des jetzt vorwiegend subjektorientierten GelbenForums und andererseits zum Rückzug bekannter objektorientierter Debitisten innerhalb des Forums selbst geführt. Alte Verhaltensweisen und Ansichten habe ich verlernt. Im Vergleich zu früheren Jahren bin ich zu größerer Offenheit bereit, um zu verstehen, was vor sich geht. Gemäß Baudrillard bleibt uns nach der ‚Imitation‘, der ‚Produktion‘ und der ‚Simulation‘ nur noch die ‚4. Ordnung der Simulakren‘. Die Verführung mittels der Sprache ist ein Spiel: Die Spielregel ersetzt das Gesetz, die Illusion ersetzt die Simulation, die Ironie und der Spott ersetzen die Kommunikation. Das Ziel ist: ‚Illudere – Uns auf’s Spiel setzen lernen!‘

        http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=456266

        „Unsere Hinterfragung hingegen kann niemals falsch sein.“

        Die Realität, die die Abbildung der Wirklichkeit im Gehirn ist, ist eine Simulation.

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        Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        >Rückzug bekannter objektorientierter Debitisten
        Ich vermisse von den Leuten positive Ansätze. Leben ohne Hoffnung macht keine Freude und hoffnungslos wirkten manche Aussagen.

        Mein Ansatz ist einfach. Raus aus der Simulation/Illusion. Die eigenen Sinne nutzen und Grenzerfahrungen finden.

        Heute wundert mich nicht mehr, warum alle Propheten sämtlicher Religionen aus solchen Grenzerfahrungen „göttliche Eingebungen zu haben glaubten“.

        Wer tatsächlich einige Zeit damit zubringt in diese unsere Zivilisation zurück zu kehren, kann den Affenzirkus gar nicht mehr ernst nehmen.

        Keiner der mir bekannten Debitisten hat gezeigt, wie er/sie mir ihrer Angst umgehen und Angst ist es, was uns lähmt – wenn Tatsachen den Zwingherrn in die Enge treiben.

        „Haben die wirklichen Dinge oder die eingebildeten Dinge
        mehr zum menschlichen Glück beigetragen?“
        Nietzsche, Morgenröte. Gedanken über die moralischen Vorurteile

    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      „Da sich der Index für die BRD zwischen 2017-2030 steigert, stellt also auch Gunnar Heinsohn ein gestiegenes Potential für Gewalt in Buntland fest.“

      Oh nein! Der Untergang von Buntland! Dann hätten wir ja 2030 (0,75) fast so schlimme Verhältnisse wie heute die Schweiz (0,77) :)

      LG Michael Stöcker

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