„Fed plan to reverse QE is fraught with danger“

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Die US-Wirtschaft zeigt Ermüdungserscheinungen, das politische Risiko ist so hoch wie lange nicht mehr. Die Börsen steigen zwar noch (getrieben von wenigen Werten) und die Anleihenrenditen sinken wieder (als käme nun doch eher die Deflation) und die US-Notenbank Fed erhöht die Zinsen. Begeht sie damit einen „historischen“ Fehler, wie einige meinen? Der Telegraph ist besorgt:

  • Die Fed hat nicht nur die Zinsen erhöht, sie will auch die Bilanz reduzieren: „Under this double-barrelled tightening, the Fed will start selling its $4.4 trillion bond portfolio before interest rates have returned to anything like normal levels, and before it has built up a safety buffer against a fresh shock. (…) The process will be gradual. It starts at $10bn a month and rises in steps each quarter until reaching $50bn a month.“ bto: worin ein besonderes Risiko liegen kann.
  • This could prove one of the most fateful decisions of modern economic history. Whether or not the Fed has judged this correctly will shape the future of capitalism, and with it the prospects for Western liberal democracy.“ bto: Das klingt sehr alarmierend, dürfte aber leider stimmen. Wenn wir eine erneute Krise bekommen, könnte das in der Tat zu einem massiven Glaubensverlust in unsere Wirtschaftsordnung führen.
  • Ben Bernanke, der frühere Notenbankpräsident (der das alles gekauft hat!), warnt öffentlich vor einem Abbau der Bilanz: „(he) told them to leave QE alone until the short-term interest rate is well away from zero. The Fed should let the economy grow into the $4.4 trillion portfolio over time. He adduced a long list of arguments for why a big balance sheet makes the financial system safer.“ bto: Naja, ganz so weit würde ich nicht gehen.
  • Der Grund für den Versuch der Fed, die Zinsen zu erhöhen, kennen wir (weil hier schon diskutiert): „It typically takes about 500 basis points of Fed cuts to fight bad recessions. It was even worse after the Lehman crash in 2008. The Fed ran out of ammunition after 475 points and had to flood the system with liquidity through QE. The total was, in synthetic terms, 850 points of loosening.“ bto: 8,75 Prozentpunkte tiefere Zinsen als heute? Deshalb erwarten Beobachter wie Albert Edwards in der kommenden Rezession deutlich negative Zinsen in den USA (von uns ganz zu schweigen…)
  • One ex-Fed official said: It is going to be pretty unpleasant if we hit a crisis with only four rate cuts to play with and no QE. The whole universe of asset prices is built on the assumption there will always be a ‘Fed put’ and bond yields will never be allowed to rise. bto: Daran hängen alle Vermögenswerte. Alle! Noch deutlicher kann die Warnung nicht ausfallen.
  • „(…) quantitative tightening would compound the monetary squeeze just as big banks were already having to boost their loss-absorbing capital to 16pc of risk-weighted assets under the Basel rules. The two effects will both dampen money creation, he said: If the Fed really goes ahead with this, there will be trouble three to six months later. The US economy could tank in 2018. bto: Es verstärkt also die Abschwächung des Kreditimpulses, die wir letzte Woche besprochen haben.
  • Events may intrude before asset sales even begin. Markets think the deflationary forces are so powerful that the Fed will have to abandon any form of monetary tightening before long. Yields on 10-year US Treasuries are down almost 50 points since March, to 2.15pc. The Trump reflation trade has been washed out of credit markets. Ten-year break­even Treasury inflation-protected securities, or TIPS, used to track inflation expectations, are at 169 basis points from a 2017 high of 208.“ bto: Das ist eine spannende Frage: Wenn der „reflation trade“ zu Ende ist, bedeutet dies nicht auch gleich entsprechende Korrekturen an den Börsen?
  • The Fed’s working assumption is that inflation must soon take off given that unemployment has dropped through the so-called NAIRU floor, short for non-accelerating inflation rate of unemployment, to a 16-year low of 4.3pc. The counter-argument is that globalisation has entirely changed the mechanics of the US labour market.“ bto: Ich denke, es ist noch mehr die Folge der technologischen Revolution, die inhärent deflationär wirkt.
  • Natürlich wird am Ende noch Hoffnung gemacht: „The Fed Put still exists. What has changed is the trigger point. Janet Yellen will blink only once the S&P 500 index of US equities has dropped by 5pc to 10pc. Whether it will be too late by then is anybody’s guess.“  bto: Was für ein krankes System, wo es nur noch um Vermögenswerte geht und nicht mehr um die Realwirtschaft. Wir haben uns in eine Sackgasse manövriert.

→ The Telegraph: „Fed plan to reverse QE is fraught with danger“, 18. Juni 2017

2 Kommentare
  1. Wolfgang Selig says:

    bto: „Begeht sie damit einen „historischen“ Fehler, wie einige meinen?“ Ich denke nicht. Sie versucht jetzt auszutesten, wie weit sie zur „Normalität“ zurückkehren kann, ohne dass die Wirtschaft zusammenbricht. Weil sie weiß, dass sie keinen Handlungsspielraum hat, wenn die nächste Rezession kommt und die Zinsen bei 0 sind und QE am Laufen ist. Und warum auch nicht? Die Arbeitslosigkeit ist auf einem guten Weg und ein Rückgang der Vermögenswerte trifft jetzt nicht die Falschen. Nur bei einer Aussage würde ich Ihnen widersprechen:
    bto: „Daran hängen alle Vermögenswerte. Alle! Noch deutlicher kann die Warnung nicht ausfallen.“ Die Ausnahme ist Bargeld. Nicht umsonst hat die Munich Re inzwischen größere Mengen eingelagert und nicht umsonst schimpfen etliche Leute über die Abschaffung der 500 € – Scheine. Ein großer Tresor mit großen Scheinen egal welcher Währung würde hier tatsächlich kurzfristig vor Kursverlusten schützen. Ist politisch nicht gewollt, aber mit gewissen Einschränkungen machbar.

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    • Dietmar Tischer says:

      Auch ich glaube nicht, dass die Fed einen Fehler begeht.

      Man kann es auch so sehen:

      Inflation ist nicht nur Inflation bei Konsumgütern, auch bei Vermögenswerten kann es Inflation geben.

      Und die gibt es.

      Wenn die Fed dafür sorgen muss, dass die Inflation nicht ausufert, muss sie jetzt gegen die Inflation der Vermögenswerte vorgehen.

      Ich glaube auch, dass Bargeld KURZFRISTIG vor Kursverlusten schützen kann.

      Längerfristig aber wohl nicht.

      Zum Hintergrund:

      >The counter-argument is that globalisation has entirely changed the mechanics of the US labour market.“ – bto: Ich denke, es ist noch mehr die Folge der technologischen Revolution, die inhärent deflationär wirkt.>

      Ich bin überzeugt, dass das counter-argument in die richtige Richtung weist.

      Globalisierung und technologischer Wandel – mit fortschreitender Digitalisierung die technologische Revolution – sind entscheidende, sich verstärkende Ursachen.

      Mit dem Abbau von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe wurden viele neue Arbeitsplätze in USA in schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs geschaffen.

      Auch wenn die Löhne leicht steigen, kann bei fallender Lohnsumme keine Inflation der Konsumentenpreise entstehen.

      Die Philips-Kurve ist jedenfalls tot.

      Ein guter Überblick hier:

      https://www.oecd.org/g20/topics/employment-and-social-policy/The-Labour-Share-in-G20-Economies.pdf

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