So beginnt ein Margin Call

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Margin Calls sind der Auftakt für jede Finanzkrise. Fallende Assetpreise führen zu Druck auf Investoren/Spekulanten, die ein (zu großes) Rad auf Kredit drehen. In China könnte er beginnen:

  • Fears of a clampdown on China’s swashbuckling corporate empire builders are mounting after authorities in Beijing began gathering financial intelligence on big-spending conglomerates. Banking regulators ordered lenders to report on companies that have spearheaded Chinese international expansion with hundreds of billions of pounds of debt-fuelled acquisitions in recent years.“ bto: was genau die Kriterien eines Margin Calls erfüllt!
  • „The China Banking Regulatory Commission (CBRC) requested information on exposure to Dalian Wanda, which owns Odeon Cinemas and the yacht builder Sunseeker, and Fosun, which last year acquired Wolverhampton Wanderers. HNA Group, which owns two skyscrapers at Canary Wharf in London, and Anbang, an insurer that has rapidly diversified around the world, are also in the regulator’s sights.“ bto: alles auf Kredit gekaufte Assets.
  • Die Märkte reagieren darauf völlig rational: Beijing and Hong Kong stocks linked to the companies plunged as much as 10pc as news of the probe spread. Yields on bonds issued by Chinese conglomerates to fund their expansion also jumped.“  bto: „If you panic  panic first!“ (Harry Schultz)
  • CBRC, said: Some big companies are indeed the focus of our attention on systemic risks, because a big company has big risk exposure for banks and they could transmit to other companies. bto: genau!
  • „The developments knocked Western stocks already owned by China’s conglomerates. (…) Thomas Cook, (…) Gemfields, (…) Deutsche Bank, (…) Hilton Hotels (…).“  bto: Damit fällt der Wert für alle Aktionäre …
  • „Overseas deals by Chinese companies hit a record $170bn in 2016. Unconventional financing techniques and government pressures have made some Western authorities and dealmakers wary of Chinese bidders.“  bto: Klartext: Die finanzielle Stabilität ist nicht gesichert.

bto: So können Margin Calls beginnen. Je höher die Verschuldung, desto größer die Absturzgefahr.

→ The Telegraph: „Chinese banking watchdog probes ’systemic risks‘ of debt-fuelled empire builders“, 22. Juni 2017

5 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    Mal sehen, ob der „Chinese banking watchdog“ nicht ein Schoßhündchen ist.

    Wenn ich sehe, wie italienische Banken „gerettet“ werden, um einen Bank run zu vermeiden, sage ich mir:

    Warum soll es in China anders als in Europa sein, wenn es ans Eingemachte geht?

    Schulden sind ÜBERALL Schulden und überall sind zu HOHE Schulden zu HOHE Schulden.

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  2. Wolfgang Selig says:

    Ich denke, hier empfiehlt es sich vor allem, die chinesischen Devisenreserven genau im Auge zu behalten, die ja bereits seit einiger Zeit am Abschmelzen sind. Sobald diese sich einer kritischen Grenze nähern (die ich als Außenseiter als Ziffer leider nicht kenne), dürften etliche Investoren sehr nervös werden.

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    • Dietmar Tischer says:

      Ich sehe das anders.

      Entscheidend für die Reaktionen der Investoren sind im Fall Chinas nicht so sehr die Devisenreserven.

      Es kommt vielmehr darauf an, wie sich der STAAT verhält.

      Wenn er wie im Fall Chinas über die Zentralbank verfügen kann, lässt sich ein Crash bzw. die Nervosität der Investoren auch ohne große Devisenreserven vermeiden – wenn es denn sein muss, kann die Notenbank durch „Gelddrucken“ den staatlichen bail out eigentlich insolventer Finanzinstitute finanzieren.

      Lassen Sie uns auf das schauen, was übers Wochenende mit den beiden italienischen Regionalbanken veranstaltet wurde.

      Wären sie pleite gegangen, hätten die anderen Banken Guthaben (Sparbücher, Einlagen etc.) bis zu 100.000 Euro garantieren müssen, was die Einlagensicherung der italienischen Banken 12, 5 Mrd. Euro gekostet haben würde.

      Was immer das ausgelöst haben würde, weiß man nicht.

      Regierungschef Gentiloni wollte aber nach eigenen Worten das Risiko eines „ungeordneten Zusammenbruchs“ vermeiden.

      Sicher ist, dass mit der Belastung der italienischen Einlagensicherung das hochgradig instabile italienische Bankensystem noch einmal deutlich geschwächt worden wäre.

      Um jegliche Spekulation in diese Richtung zu vermeiden, hat der Staat die uneinbringbaren Forderungen einfach übernommen mit Kosten die sich bis zu 17 Mrd. Euro belaufen können.

      Natürlich ist damit der Staatshaushalt durch diese Rettungsaktion belastet worden. Aber was soll es, wenn der italienische Staat eh schon mit mehr als 2 Billionen Euro verschuldet ist. Da ist diese Bankenrettung ein Klacks im Promillebereich.

      Kein Wunder, dass in Mailand an der Börse alles paletti ist.

      Ich bin überzeugt, dass es im Falle eines Falles genauso in China passieren wird.

      Daher glaube ich, dass die Investoren etwas anderes nervös machen wird:

      Es wäre schon die TATSACHE, DASS derartige Rettungsmaßnahmen erforderlich sind.

      Warum sollte jemand glauben, dass es nur ein EINZELFALL sei, um den es bei der Rettung gehe? Das war einmal, in Deutschland die Herstatt-Pleite in den guten alten Zeiten.

      Mit Bezug auf die italienische Bankenrettung lässt sich noch Folgendes feststellen:

      Das Ereignis ist ein erheblicher RÜCKSCHLAG für eine GEMEINSAME Einlagensicherung aller Banken der Eurozone. Die Kritik daran, dass wieder einmal eklatant Vereinbarungen gebrochen wurden und wieder die Steuerzahler die Zeche zahlen, geht quer durch die Reihen, insbesondere auch im Europaparlament. Jede deutsche Regierung wird Schwierigkeiten haben, einer derartigen Einlagensicherung zuzustimmen.

      Zum anderen kann sich keine italienische Regierung sicher sein, dass die EZB unter allen Umständen in beliebiger Höhe italienische Staatsanleihen aufkauft, wenn der Herdentrieb erhebliche Risikoaufschläge auf italienische Staatanleihen verlangt.

      Die EZB ist NICHT die italienische Zentralbank.

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      • Wolfgang Selig says:

        Das sehe ich anders. Staatswille hin oder her, entscheidend ist nicht, was die Regierung will, sondern die Bonität des Landes. Und da steht China besser da als Italien oder gar ein Land wie Venezuela, egal was deren Regierungen wollen. Und wenn die Bonität Deutschlands den Bach runtergehen sollte, ist der ganze Euroraum betroffen.

  3. Dietmar Tischer says:

    @ Wolfgang Selig

    Stimmt, die Bonität eines Landes ist entscheidend.

    Und klar, da steht China besser da als Italien oder Venezuela.

    Mein Punkt ist ein anderer, mir geht es um die HANDLUNGSFÄHIGKEIT eines Landes und darum, wie es handelt im Krisenfall.

    Ich behaupte:

    Ein Land mit eigener Währung kann seine Verschuldungskrisen, z. B. Banken betreffend, durch „Gelddrucken“ lösen.

    Es braucht dafür keine hohen Devisenreserven.

    Die Frage ist nun, wie eine Regierung in dieser Lage handelt:

    Lässt sie die Bereinigung zu durch Insolvenzen, evtl. mit Schocks für die Realwirtschaft, oder finanziert sie ein Bail-out über ihre Notenbank?

    Sie wird letzteres tun.

    Damit ist erst einmal alles gut – erst einmal.

    Für die Investoren ist ein solches Bail-out aber ein EREIGNIS, dessen Signifikanz für sie darin besteht, dass es ein Bail-out geben MUSSTE.

    Musste es ein staatliches Bail-out geben, steht es nicht gut um die Wirtschaft des Landes – EGAL wie hoch die Devisenreserven sind.

    Darauf will ich verweisen.

    In der FOLGE eines solchen Bail-outs kann zu Geldabflüssen und anderen für das Land nachteiligen Ereignissen kommen, gegen die mit hohen Devisenreserven gegengesteuert werden kann oder auch nicht, wenn man keine hat.

    Kurzum:

    Ich will überhaupt nicht herunterspielen, dass Devisenreserven eine große Bedeutung haben, sage aber, dass sie für die Ausübung von Handlungsoptionen nicht die Bedeutung haben, die Sie ihr zumessen – vorausgesetzt das betreffende Land verfügt über eine eigene Währung.

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