„Derivatives market is short of a $3.7tn lifeboat“

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Der weltweite Markt für Derivative wird auf über 600 Billionen US-Dollar geschätzt. Eigentlich hätte ich gedacht, dass dieser seit 2009 geschrumpft und sicherer geworden ist. Dieser Artikel in der FINANCIAL TIMES hat mich eines Besseren belehrt und zudem klargemacht, dass wir auf einen neuen Eisberg zufahren, ohne Schiff und Rettungswege verbessert zu haben. Auslöser könnten Kapitalverkehrskontrollen eines führenden Industrielandes sein. Interessant:

  • „For institutions that use derivatives, collateral put up by their counterparties provides the same reassurance lifeboats do on a ship. Unfortunately, for all the post-crisis reforms, it would appear that we are a couple of trillion dollars short of the collateral lifeboats we would need as we head into the iceberg.“ bto: Das wusste ich nicht. Mehrere Billionen US-Dollar fehlen an Sicherheiten für Derivate. Das bedeutet, im Falle einer neuen Finanzkrise fehlen dem System Billionen und die Panik ist riesig. Zudem scheint der Autor den nächsten Eisberg schon zu erwarten.
  • „Regulators and central bankers are beginning to realise that the risks posed by OTC derivatives may have remained just about as large as they were back in 2009. According to data compiled by Manmohan Singh, an IMF official who has written extensively on financial plumbing risks, the global OTC derivatives market has been undercollateralised by $3tn-$4tn since 2009.“ bto: also auf dem Niveau von 2009. Kein Fortschritt durch die Regulierung.
  • „That is a much smaller number than the $600tn or so that is the estimated notional value of outstanding OTC contracts, but one that is a much more significant measure of systemic risk. (…) These are the numbers that really count, because that is the amount for which the banks are at risk after they net out all the offsetting. bto: O. k., es sind nur ein paar Billionen und nicht die 600 Billionen, die in Summe zurzeit gerade ausstehend sind. Tut doch gut, dass es nur so wenig ist … Allerdings muss man sich schon fragen, wie viele der 600 Billionen wirklich realwirtschaftlich sinnvoll sind, zum Beispiel, weil eine Firma die Verkäufe absichert oder den Wechselkurs. Drei Billionen?
  • „According to the most recent Bank for International Settlements statistics, the global OTC market’s under-collateralisation was about $3.69tn at the end of the first half of 2016. (…) the casino survived, because it was too useful for too many well-connected institutions who carved out exemptions from the collateral rules for their transactions.“ bto: Sie haben es eben nicht gemacht, weil es so viele Lobbyisten gibt.
  • „Regulators like to put pressure on market participants, and lawyers like to bill hours, but nobody wants a systemic shock. After all, where would everyone find the collateral they needed to close that multitrillion-size hole? Also, regulators themselves are beginning to come to a collective realisation that central clearing of derivatives risk is not as economic a solution as everyone thought in 2009. (…) So maybe regulators should rethink this whole magic standard, centrally cleared contract concept they have been pushing for the past eight years.“ bto: O. k., es ist also auch teuer, so, wie man es machen wollte. Da stellt sich doch die Frage, ob man das Kasino nicht kleiner machen sollte inklusive Konkursrisiko für die Spieler? Ich denke ja.
  • „(…) we will be looking for yet another one-size-fits-all solution to an overleveraged global financial structure very soon. The shock will not come from some dodgy hedge fund. It could come from the sudden imposition of controls on capital flows by a major developed country. Then all that non-existent collateral will be sorely missed.“ bto: Das ist nun wirklich spannend. Denn der Autor erwartet a) recht bald einen neuen Crash/ein neues Problem im Finanzsystem und b) dass dieser durch Kapitalverkehrskontrollen „eines führenden Industrielandes“ ausgelöst werden könnte. Das ist nun wirklich eine starke Aussage. Denkbar ist es allemal, man denke nur an Frankreich nach einem Wahlsieg Le Pens.

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Derivatives market is short of a $3.7tn lifeboat“, 10. Februar 2017

2 Antworten
  1. Wolfgang Selig says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter, ich denke, wir sind uns einig, dass die USA und Großbritannien aufgrund des Einflusses der Finanzindustrie nicht gemeint sein dürften, aber wäre Italien nicht genauso realistisch wie Frankreich? Kapitalverkehrskontrollen machen richtig Sinn bei einer Währungsumstellung, die ja von Marine le Pen gefordert wird. Aber die wirtschaftliche Situation würde das ja in Italien noch eher hergeben als in Frankreich. Und G7-Mitglied ist Italien ebenfalls. Klingt auf jeden Fall hochgefährlich.

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