Das Zinsänderungs­risiko ist enorm

Keine neue Erkenntnis: → Steigende Zinsen sind Gift für Assetpreise
In diesem Beitrag zeigte ich, wie sensitiv Vermögenspreise auf Zinsänderungen reagieren. Ein wichtiges Thema, wie auch dieses Beispiel aus meinem letzten Beitrag im Heft von Cicero zeigt:

„Ein Selbstständiger, der für sein Alter vorsorgt, rechnet so: Um für eine angenommene Lebenserwartung von 90 Jahren, 25 Jahre Rentnerdasein mit einer monatlichen Rente von 5.000 Euro vorzusorgen, muss er bei einer angenommenen Verzinsung von sechs Prozent zu Beginn der Rente ein Vermögen von rund 815.000 Euro haben. Mit 90 Jahren ist es dann aufgebraucht. Er kauft eine Anleihe, die diesen Zahlungsstrom abbildet, und fühlt sich damit keineswegs reich. Sinkt das Zinsniveau – zum Beispiel, weil die Notenbank Staatsschuldenkrisen und einen Zusammenbruch der Währungsunion befürchtet – auf ein Prozent, steigt der Wert dieser Anleihe auf 1.335.000 Euro. Die laufende Auszahlung ändert sich nicht.

Auf dem Papier ist der Selbstständige deutlich reicher geworden. Die Politik schließt, es sei ein unberechtigter Reichtum entstanden, der nur endlich besteuert gehört. Dabei hat sich aus Sicht unseres Rentners nichts geändert. Wie zuvor kann er über 60.000 Euro pro Jahr verfügen und mit 90 Jahren ist das Geld aus. Beschließt die Politik nun, die Hälfte des erzielten ‘Vermögenszuwachses’, der – wie gezeigt – nur auf dem Papier besteht, zu besteuern, muss unser Selbstständiger 260.000 Euro an den Staat abliefern. Dazu verkauft er einen Teil seiner Ersparnisse. Folge: Er muss seine monatlichen Ausgaben auf 4025 Euro kürzen oder aber vor dem 85. Geburtstag sterben. Beides keine schönen Aussichten.“

Die FINANZ und WIRTSCHAFT widmet sich dem Thema der Duration erneut:

  • „Höhere (…) Zinsen wären für Anleger fatal. Denn so wie praktisch alle Vermögenswerte über Dekaden von fallenden Anleihenrenditen profitiert haben, werden sie bei einer Trendumkehr leiden, weil die Zinssensitivität massiv zugenommen hat. ‘Die globale Anlegerschaft hat eine historisch hohe Duration im Portfolio’, schreibt Morgan-Stanley-Stratege Andrew Sheets (…).“ – bto: Das ist angesichts der tiefen Zinsen eine logische Konsequenz.
  • „Am offensichtlichsten ist dies im Anleihenbereich, woher das Konzept der Duration ursprünglich stammt. Nur schon das kräftige Wachstum des globalen Obligationenmarktes der letzten Jahre bedeutet, dass das Zinsänderungsrisiko in den ­Portfolios zugenommen hat. Gemessen am Global Aggregate Bond Index des Finanzinformations­portals Bloom­berg hat sich der Marktwert ­aller ausstehenden festverzinslichen Schuldpapiere seit 2009 auf 62 Bio. $ verdoppelt. Fast 30 Prozent betrug das Wachstum in den letzten zwei Jahren.“ – bto: wobei in diesen Zahlen auch die gestiegene Verschuldung enthalten sein sollte?
  • „Die durchschnittliche Restlaufzeit aller ausstehenden Anleihen beträgt un­terdessen neun Jahre. Die Duration ist auf ein Rekordhoch von 7,4 Jahren gestiegen. Die modifizierte Duration liegt bei 6,8. Das heisst: Wenn die Zinsen 1% steigen, fällt der Wert des globalen Anleihenmarktes um fast 7%.“ – bto: Über 4000 Milliarden Dollar wären dann schon mal „weg“.
  • „Doch das zunehmende Zinsänderungs­risiko ist nicht nur ein Anleihenphänomen, sondern betrifft auch den Aktienmarkt. Denn das Gewicht der zinsempfindlichen Sektoren – wie etwa der Technologieaktien – hat deutlich zugenommen. Nach Berechnung von Morgan Stanley halten die Investoren global betrachtet 8,1 Bio. $ mehr von diesen Aktien als noch vor achtzehn Monaten.“ – bto: Viele Aktien sind ja wegen ihres Zinscharakters gesucht.
  • „Besonders hoch ist das Durationsrisiko bei Anlagen in ausserbörsliches Eigen­kapital (…). Private-Equity-Anlagen würden bei steigenden Zinsen mehr verlieren als kotierte Aktien, weil die Gelder länger gebunden seien. Die oft zitierte Illiquiditätsprämie würde in einer Duration-Baisse mit steigenden Zinsen negativ ausfallen.“
  • „Das Zinsrisiko von ­Immobilien ist schon länger bekannt und gut erforscht. In den vergangenen Wochen aber haben sich sogar Edelmetalle wie ein Long Duration Asset verhalten. Je tiefer die zehnjährigen Treasury-Renditen sanken, desto höher stieg der Goldpreis.“ – bto: und alles andere, was einen Zahlungsstrom oder zumindest eine Rückzahlung verspricht.
  • „Die Duration ist eine Sensi­ti­vitätskennzahl, die ihren Ursprung in der Bewertung von Anleihen hat. Eingeführt wurde das Konzept der Duration 1938 vom Ökonomen Frederick R. Macaulay. Sie bezeichnet die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer einer Geldanlage in einem festverzinslichen Wertpapier. Allgemeiner formuliert ist die Duration der gewichtete Mittelwert der Zeitpunkte, zu denen der Anleger Zahlungen aus einem Wertpapier erhält. Bei so niedrigen Coupons wie aktuell wird die Duration fast ausschliesslich durch den Rückzahlungstermin bestimmt, und sie weicht nur geringfügig von der Restlaufzeit ab.“ – bto: weil man die künftigen Zahlungen wenig abzinst.
  • „Die Macaulay-Duration wird in Jahren angegeben. Dividiert man sie durch 1 plus den Marktzins, erhält man die am häufigsten verwendete Form der Duration, die sogenannte modifizierte Duration. Sie gibt Auskunft darüber, wie stark der Kurs der Anleihe auf Änderungen des Zinsniveaus reagiert. Je höher die Duration, desto grösser die Zinssensitivität.“

Nun, es ist tröstlich – oder gefährlich? –, dass allgemein keine höheren Zinsen erwartet werden. Allerdings können die Realzinsen tief bleiben und weiter sinken, während die Nominalzinsen steigen. Aber da sind die Notenbanken davor, die sich ja nun auch festlegen, die kumulierte Inflation nach oben zu bekommen.

fuw.ch: „An den tiefen Zinsen hängt alles“, 20. August 2020

Kommentare (24) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    markus sagte:

    Zu den Beamten Gehältern:
    Das ist sehr unterschiedlich. Gymnasiallehrer z.B. bekommen ein ordentliches Gehalt mit sehr sehr guten Pensionszusagen. Auf das Rentenniveau kommt man als Angestellter erst in höheren Sphären (durch private Vorsorge, weil ja Rentebeiträge gedeckelt). Andererseits verdienen z.B. Polizisten erstaunlich wenig. Letzteres könnte sich aber aufgrund von Personalmangel in der Krise verbessern. Andererseits zeigt die Erfahrung der letzten Jahre, dass man die, die man wirklich braucht, in der Regel nicht so toll bezahlt.

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  2. Avatar
    ruby sagte:

    Es handelt sich bei den Berechnungen um rein theoretisch fiktive Annahmen der Finanzmathematik.
    Sie sind nicht reale Geldzahlungen sondern Hirngespinnste von reinen ausgedachten zukünftigen Parametern, die zudem modelltheoretisch beschränkt und unvollständig sind.
    Darauf allgemeine Aussagen mit Prognosefähigkeit abzuleiten, scheitert an der Wirklichkeit der exakten individuellen Gegebenheiten.
    Nocheinmal:
    Kapitalendwerte, Barkapitalwerte, Zinssatzannahmen, Zeitdauerannahmen sind fiktive Rechenoperationen, denen noch nichteinmal eine Währung zugeschrieben werden kann.
    Eine Finanzplanerstellung bedient sich der Finanzmathematik, um Vorteilhaftigkeitsvergleiche anzustellen, deren Aussagen lauten: Alternative A hat diesen Betrag, diese Dauer, diesen Zinsfuß, dies Bindungsdauer im Gegensatz zu Alternativen B, C…
    Der Abgleich mit den tatsächlichen Istrealisierungen kann die Qualität der fikiven Finanzplanung verbessern – mehr als Heuristik ist da nicht drin
    https://www.lernen.net/artikel/heuristik-9472/
    Es geht letztlich darum Entscheidungen zu treffen oder sein zu lassen, quantifiziert in Illusionszahlen.

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ ruby

      > … nicht reale Geldzahlungen … modelltheoretisch beschränkt … Prognosefähigkeit … nicht einmal ein Währung zugeschrieben werden kann … Finanzplanerstellung … Illusionszahlen … >

      Sorry, Sie klopfen hier an die falsche Tür.

      Im Fallbeispiel braucht keiner eine Beratung.

      Denn der, um den es geht, hat bereits vorgesorgt.

      Vergessen Sie, was man Ihnen irgendwo eingebläut hat und buchstabieren Sie den Text einfach einmal ganz langsam durch.

      Sie sollten dann erkannt haben, dass er darlegen will, wie ein vorsorgender Kapitalanleger durch eine von ihm nicht zu verantwortende Zinssenkung NOMINAL reicher wird und ihn DARAUFHIN die Politik mit einer unterstellten Vermögensbesteuerung ärmer macht, soweit es die monatliche Verfügbarkeit über seine Ersparnis betrifft.

      Steht offensichtlich nicht in Ihren Lehrbüchern, hat schließlich etwas mit der Praxis zu tun

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  3. Avatar
    Alexander sagte:

    Wie vegiftet die Diskussion in der BRD ist, zeigt die Hälfte der Kommentare. Niemand kann mehr Zahlenbeispiele nennen ohne sofort Rechtfertigungsdruck und Gerechtigkeitsdiskussionen zu triggern.

    Damit ein „Selbstständiger“ mit 65 Jahren auf ein Nettovermögen von 815.000€ kommt muss er ganz viel richtig gemacht haben, denn in seiner Ansparphase gab es nur für die unrentable freiwillige Pflichtversicherung und Rürupkatastrophen Abzugsbeträge in der EkSt.Erklärung.

    Natürlich sind Profiteure der Vermögenspreisinflation so bevorzugt wie die Erben von Gewerbeimmobilien, was nichts am späten verdienen nach entbehrungsreichen Jahren von Unternehmensgründern ändert. Die Hausse des new market ist genauso Einzelfall gewesen, wie die Unternehmens-Wert-steigerungen inmitten der Nullzins-Anlagenotstand-Phase zuletzt.
    Betrachtet man die Mehrheit der Verrückten, die ihre Fähigkeiten unternehmerisch unter Mitarbeiter- und Produktionsmitteleinsatz riskieren, dürfte kaum einer über 800.000€ Nettovermögen verfügen. Von 6% Rendite unter den marktüblichen Risiken träumt man mehr, als man damit 25 Jahre lang kontinuierlich rechnen darf.

    Die Renditen ALLER Anleger, auch aus der Vermögenspreisinflation, hängen direkt damit zusammen, dass die Zentralbanken JETZT JEDEN JUNK retten, um den Einsturz der Kartenhauses zu verhindern.

    Die Deflation wurde bis jetzt nur aufgeschoben und bedroht jede Altersanlage einschl. der Beamtenpensionen.

    Würden Zinsen wieder steigen, kämen die Preisfindungen der Nullzinsphase in Bedrängnis – aber die Zinsen steigen nie mehr in diesem Geld. Ob es nach einem Deflationssturm noch zur Inflation reicht ist durch gar keinen Erfahrungswert belegt.

    Alle Überlegungen zu Vermögen sind „Zombie“, weil alle Vermögen ohne Käufernachschub keinen Marktwert haben. Den Käufernachschub kann jede Zentralbank pampern, aber nicht seine Bonität oder die Rentabilität seines Finanzierungsplanes.

    Mittlerweile gilt nicht nur „to big to fail“ sondern auch „to big to jail“; die Renditen aus krummen Geschäften unter ausgesetzter Insolvenzpflicht haben noch gar keine Fahrt aufgenommen. Unter impliziter Rettungsgarantie kann jetzt fast jeder alles riskieren.

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      Joerg sagte:

      @Alexander,

      „Die Deflation wurde bis jetzt nur aufgeschoben und bedroht jede Altersanlage einschl. der Beamtenpensionen.“

      Sie meinen Inflation (die viell. nach dem deflatorischen Schock kommt), oder?
      In der Deflation sind Geldwerte oder nominale Renten ausreichend alle Konsumwuensche zu befriedigen?!

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        Alexander sagte:

        @Joerg

        Die Pandemie wirkt mehr deflationär als Zentralbanken inflationieren können. Die Restzeit zum heißen crash hat abgenommen, die Überlegungen von Heinsohn zur Deflationsbekämpfung letzten Standes sind immer noch aktuell (vgl. MMT).
        https://finanzmarktwelt.de/gunnar-heinsohn-deflationsbekaempfung-letzten-standes-1808/

        Ein Hyperdeflationssturm bewirkt der Zerfall der EU und das Ende der Berliner Republik ähnlich dem Ende der DDR, damit fände auch die Beamtenversorgung ihr natürliches Ende.
        Geldhaltung in einem Hyperdeflationssturm könnte genauso verlustreich sein, wie in einer heftigen Inflation, weil die Genossen in Berlin nicht einfach aufgeben.

        Alle Anlageklassen einschl. Bargeld hängen an den Zentralbanken und ihren staatlichen Herren.

      • Avatar
        Joerg sagte:

        @Alexander, danke fuer den Link,

        Das ist ihre Angst/wahrsch. Szenario?:
        „Am Ende käme es doch zur Entschuldung der Zahlungsunfähigen auf Kosten der Gläubiger mit der Hyperdeflation aus den dann allfälligen Liquidierungen.“

        Die Antwort auf diese Angst steht doch schon da:
        „Mehr als ein Herausschieben des St. Nimmerleinstages [durch die Zentralbanken] geht nun einmal nicht.“
        Aber das ist doch toll? Das reicht doch ganz schoen lange?

        Also uebersetzt: Die Sorgen meiner Ur-Enkel brauchen mich nicht kuemmern, dafuer werden die Enkel schon sorgen (eine Loesung finden)?
        (So war es doch schon immer, oder denken Sie an Ihre (Ur)Grossvaeter?! Oder was hat ihr Sorgen uns gebracht???)

        Mag sein, dass wir alle Froesche im langsam waermer werdenden Wasser sind. Aber mir ist es noch nicht zu heiss!

        Wohl dem, der dann noch Huepfen kann, falls es zu heiss wird?

        LG Joerg

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @Joerg

        Der Heinsohn Aufsatz ist von 2014 und der St. Nimmerleinstag durch die Pandemie vielleicht um >10 Jahre vorverlegt worden.

        Während Berlin gerade „ALL IN“ geht, mit EU Haftungsunion schreiben Sie von Ihren Ur-Enkeln? Sind Sie aus Angst so ein Optimist?

        Schlaue Investoren zeichnen sich durch marktferne aus und am Ende, vor dem nächsten Durchgang, werden die Bücher/Ausgänge geschlossen – dann heben sich Aktiv und Passivseite der Bilanz auf.

      • Avatar
        Joerg sagte:

        Danke, Alexander,

        „Schlaue Investoren zeichnen sich durch Marktferne aus“

        dann bin ich erstmal weiterhin lieber dumm und falle der Reichtumsillusion anheim statt schlau und weniger reich ;-)

        LG Joerg

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    Joerg sagte:

    @Herr Stelter
    Herzlichen Dank fuer all Ihre tolle Arbeit, nur eine Kleinigkeit zu:

    „Ein Selbstständiger, der für sein Alter vorsorgt, rechnet so: Um für eine angenommene Lebenserwartung von 90 Jahren, 25 Jahre Rentnerdasein mit einer monatlichen Rente von 5.000 Euro vorzusorgen, muss er bei einer angenommenen Verzinsung von sechs Prozent zu Beginn der Rente ein Vermögen von rund 815.000 Euro haben. Mit 90 Jahren ist es dann aufgebraucht. Er kauft eine Anleihe, die diesen Zahlungsstrom abbildet, und fühlt sich damit keineswegs reich.“

    Ich verstehe zwar, dass es hier im Artikel um die (ungerechte) Besteuerung der Inflation gehen soll, aber im Zuge einer „vernuenftigen“ Altersvorsorge sind hier mehrere NoGos (Beleidigungen der Denkfaehigkeit von Selbstaendigen?) inkludiert worden:
    – wer bei einer AV mit 25J Entsparen ohne Inflation rechnet ist, besten falls ahnungslos, aber eher naiv oder gar renitent oder schlimmer?
    – wer heutzutage (v.a.) auf Anleihen setzt ist, besten falls … aber eher … oder gar …
    – wer seine AV in erster Linie auf besteuerbare Kapitalfluesse setzt (statt auf thesaurierende Vehikel) ist, …

    Im Sinne der zu verbessernden Finanzbildung der Dtsch bitte ich Sie zu erwaegen, stets die Inflation in solche Rechenspielchen einzubauen und zumindest auf surreale AV-Methoden (Anleihen) warnend hinzuweisen?

    LG Joerg

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    • Avatar
      Heppi sagte:

      @Joerg
      Das Im Artikel gewählte Beispiel ist meiner Meinung nach gut geeignet, um den Sachverhalt zu beschreiben. Es geht ja nicht darum, hier eine konkrete Finanzplanung für den Beispielfall abzubilden sondern darum, die möglichen Auswirkungen eines „Vermögenszuwachses“ zu verdeutlichen. Ich glaube nicht, dass der Artikel verständlicher geworden wäre, wenn man die Inflation einbezogen hätte. Wer durch die Nichtbetrachtung der Inflation in diesem Artikel – wie Du schreibst – seine Denkfähigkeit beleidigt sieht, der wird imstande sein, diese mit wenigen Handgriffen an den richtigen Stellen selbst in die Rechnung einzubauen. Wer seine Denkfähigkeit nicht beleidigt sieht und gerne wissen möchte, wie die Inflation in eine solche Rechnung einbezogen werden kann, der kaufe sich Lehrbücher zur persönlichen Finanzplanung. Die gibt es gebraucht in einem Topzustand (in meinen Augen ungelesen) für 1-2 EUR. Das zeigt dann auch, dass die Lektüre solcher Rechnungen im Regelfall als umspannend empfunden wird. Das wiederum wird der Grund dafür sein, warum dieser Sachverhalt im Artikel nicht intensiver beleuchtet wurde.
      LG Heppi

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    Dietmar Tischer sagte:

    @ Dr. Stelter

    Was Ihre Rechnung UNBEACHTET lässt:

    Wenn das Zinsniveau von sechs auf ein Prozent sinkt, dann ist in aller Regel auch die Inflation geringer.

    Der so Vorsorgende hätte bei nominal UNVERÄNDERTER Auszahlung somit eine deutlich HÖHERE Kaufkraft.

    Der Vorsorgende steht durch die Notenbankpolitik REAL besser da als zuvor.

    Bei unveränderter Lebensweise wäre das Geld NICHT nach dem 90. Lebensjahr verbraucht.

    Kurzum:

    Bei Besteuerung seines nominal höheren Vermögens müsste er NICHT NOTWENDIGERWEISE schlechter dastehen, wenn er monatlich einen geringeren Geldbetrag zur Verfügung hat.

    Was ich damit sagen will:

    Das Gejammer, die Zinspolitik der Notenbank enteigne den deutschen Sparer, ist UNANGEBRACHT, solange bei niedrigen Zinsen auch die Inflation niedrig bleibt.

    Das ist gegenwärtig der Fall.

    Was ich damit NICHT sagen will:

    Alles Bestens, was die Geldpolitik der Notenbank betrifft.

    Sondern:

    Fragwürdig, wenn auch unvermeidlich.

    Und auch nicht meine Meinung:

    Dass der so Vorsorgende höher besteuert werden sollte, WEIL er besser dasteht nach Kaufkraft und/oder Nominalwert der Anleihe.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Ob die Notenbanken wirklich bei steigender Inflation die Real- und Nominalzinsen im Griff behalten werden, ist meines Erachtens noch nicht ausgemacht. Ab einem bestimmten Grad des Vertrauensverlustes werden andere Dinge wie z.B. Lebensmittelpreise eventuell mindestens genauso wichtig.

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Ein Selbstständiger, der für sein Alter vorsorgt, rechnet so: Um für eine angenommene Lebenserwartung von 90 Jahren, 25 Jahre Rentnerdasein mit einer monatlichen Rente von 5.000 Euro vorzusorgen, muss er bei einer angenommenen Verzinsung von sechs Prozent zu Beginn der Rente ein Vermögen von rund 815.000 Euro haben. Mit 90 Jahren ist es dann aufgebraucht. Er kauft eine Anleihe, die diesen Zahlungsstrom abbildet, und fühlt sich damit keineswegs reich. Sinkt das Zinsniveau – zum Beispiel, weil die Notenbank Staatsschuldenkrisen und einen Zusammenbruch der Währungsunion befürchtet – auf ein Prozent, steigt der Wert dieser Anleihe auf 1.335.000 Euro.“

    Nicht vergessen: Politiker, Beamte der höheren Besoldungsgruppen und die Gesinnungsjournalisten des Zwangsgebührenrundfunks bekommen auch so eine üppige Pension – aber ganz ohne dafür eine runde Million ansparen zu müssen.

    Ist doch klar, dass die das Zinsänderungsrisiko nicht interessiert.

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    • Avatar
      Horst sagte:

      Ich bin den Tränen nahe… Der arme Kerl… 5.000,00 EUR pro Monat – netto…

      Fragen wir doch einmal die Krankenschwester, die Kindergärtnerin, was ihre gesetzliche Rente bei einem Niveau von 46% nach 45 Berufsjahren ausspuckt. Die eine hat den verzogenen Nachwuchs über 5 Jahre begleitet, die andere den kranken Selbständigen im Krankenhaus versorgt (unterstelle, bis zum einem Lebensalter von 95 Jahren kommt man ohne Krankenhausaufenthalt nicht aus)…

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    • Avatar
      Christian Anders sagte:

      @R. Ott

      Der Selbstständige hat aber auch keine Rentenversicherungsbeiträge, die wie bei einem AN abgeführt werden.

      Am Ende des Tages (also wenn der Rentenfall eintritt), bekommt er was vom Kuchen der zu verteilenden Produktivität, anteilig wie der Schlüssel seiner „Anleihe“ es ihm gestattet.

      AN bekommen ab Renteneintritt vom selben Kuchen ihren Anteil, anteilig wie der Schlüssel ihrer zuvor abgeführten Abgaben es ihnen gestattet.

      Nur weil Letzteres keine direkte Sparleistung ist, ist es mitnichten so, dass man nicht Geld „abgeben“ müsste, um später Rente zu erhalten.

      Am Ende ist alles rechte Tasche – linke Tasche, über verschiedene Wege, mal mehr oder weniger verschlungen. Den am wenigsten verschlungenen nehmen die Pensionäre – und schon meckern alle rum.
      ( Ob das Gehalt für gewisse Beamte zu hoch/niedrig ist, ist ein anderes Thema)

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      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        „Ob das Gehalt für gewisse Beamte zu hoch/niedrig ist, ist ein anderes Thema“

        Eindeutig viel zu hoch, wenn man die üppigen Pensionszusagen mit einrechnet. Die werden aber gerne vergessen, sowohl bei der Gehaltsdiskussion wie auch bei den immer beliebter werdenden Erörterungen zur Vermögensbesteuerung. Aber ich wollte eigentlich auf etwas anderes hinaus:

        „Am Ende ist alles rechte Tasche – linke Tasche, über verschiedene Wege, mal mehr oder weniger verschlungen.“

        Dass die „Wege“ zur Rente verschieden sind, macht genau den Unterschied: Politiker, Beamte und öffentlich-rechtliche Volkserziehungsjournalisten bekommen ihre Pension völlig unabhängig davon ausgezahlt, wie hoch die Zinsen sind. Die Ansprüche sind in ihrer Höhe gesetzlich festgelegt und die Zahlungen stammen aus dem allgemeinen Steueraufkommen oder aus steuerähnlichen Zwangsbeiträgen.

        Zinspolitik und deren Auswirkungen sind diesen Berufsgruppen völlig egal. Solange man die Zinspolitik irgendwie dafür benutzen kann, die Staatspleite soweit hinauszuschieben, dass das eigene Ableben früher eintritt, sind die dafür, eben das auch zu tun. „Whatever it takes.“

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        „Eindeutig viel zu hoch, wenn man die üppigen Pensionszusagen mit einrechnet.“

        Deshalb werden auch richtig gute Fachleute aller Richtungen so oft Beamte und ich finde an jeder Stelle einer Behörde, die ich nutzen muss, geballte Kompetenz vor. Die unverschämt hohen Gehälter und Pensionszusagen scheinen da echt zu ziehen.
        /ironieoff

        Ich weiß nicht genau, auf welchem Planeten sie unterwegs sind, aber bis auf Führungspositionen in Politik, ÖR oder Sonderpositionen, die es frei nicht gibt (Richter) sind Beamtenstellen gehaltstechnisch ganz weit abgeschlagen von dem, was man mit der Qualifikation als AN in der Wirtschaft erzielen kann. Man zieht die Leute gerade nicht über Gehalt und Pensionszusage, sondern Arbeitszeitgestaltung 37,5h Woche und tralalla. Entsprechende Persönlichkeiten hat man dann (oft, nicht immer!) da sitzen.

        „Zinspolitik und deren Auswirkungen sind diesen Berufsgruppen völlig egal.“

        Weil das Vermögen, dessen Rendite mal die Rente zahlen soll, nicht in ihrem Eigentum ist. Einzahlen in diesen Vermögenstopf tun Sie dennoch.

        Wenn es eine so unzumutbare Ungerechtigkeit ist, sich selbst mit Zinspolitik befassen zu müssen, wenn man 5000€ netto Rente haben will, hätte man mit seinen Fertigkeiten doch auch locker auf die dunkle Seite wechseln können? Wozu also das Gejammer?

      • Avatar
        markus sagte:

        @H:
        @CA:
        @RO:
        Es wird an allen Ecken und Enden getrickst und Macht ausgespielt. Die Reichen (Geld/Vermögen = Macht) genauso wie die aktuellen Rentner (die Menge macht’s in der Demokratie; was interessiert die, dass zukünftige Rentner unter 50% Rente bekommen).

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        In welcher Fantasiewelt leben Sie denn?

        Unser Staatswesen ist längst so weit degeneriert, dass die höheren Beamtenebenen nach Parteibuch und Gehorsam besetzt werden und nicht nach Kompetenz. Wenn Sie dann auch noch die Beamtenbezüge erhöhen, dann ziehen Sie dadurch noch mehr verkrachte Existenzen und Freaks an als jetzt schon in der CDU und SPD sind!

        Wie das mal enden wird, sehen Sie im Libanon. Da ist der Staatsapparat so unfähig, dass in ganzer Stadtteil in der Hauptstadt in die Luft fliegt, weil niemanden interessiert, was mit einer Schiffsladung Ammoniumnitrat passiert. Aber die Beamten sind sehr schön divers, jede Volksgruppe und Religion ist über die Parteien repräsentiert und die Inkompetenz gerecht verteilt.

        Bevor Sie nach Verbesserungsvorschlägen fragen: Meiner Meinung nach würde nur helfen, die oberen Beamtenränge radikal zu rasieren (und die sie protegierenden Parteien abzuwählen) und mit den gesparten Ressourcen einfache Beamte einzustellen, die auch tatsächlich Arbeit erledigen und nicht nur Schwätzer und Versorgungssuchende mit Parteibuch sind.

        „Weil das Vermögen, dessen Rendite mal die Rente zahlen soll, nicht in ihrem Eigentum ist. Einzahlen in diesen Vermögenstopf tun Sie dennoch.“

        Wer zahlt ein? Meinen Sie mich?

        „Wenn es eine so unzumutbare Ungerechtigkeit ist, sich selbst mit Zinspolitik befassen zu müssen, wenn man 5000€ netto Rente haben will, hätte man mit seinen Fertigkeiten doch auch locker auf die dunkle Seite wechseln können?“

        Wollen Sie mir sagen, ich hätte eine Beamtenlaufbahn einschlagen sollen anstatt mich zu beschweren?

        Sie müssten mich eigentlich mittlerweile gut genug kennen um sich vorstellen zu können, dass das ganz übel eskaliert wäre.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        Ach, die Globalisten-Bänker-Zeitung hat schon alles und jeden in den Himmel gehoben und in den Boden gerammt, einschließlich ganzer Länder und Kontinente. (Außer natürlich diesen schrecklichen Orangehaarigen, naja, Sie wissen schon – der ist natürlich immer der Böse.)

        Nach einer Weile wird die Masche von denen langweilig.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >AN bekommen ab Renteneintritt vom selben Kuchen ihren Anteil, anteilig wie der Schlüssel ihrer zuvor abgeführten Abgaben es ihnen gestattet.>

        Ganz so ist es nicht.

        NICHT „anteilig wie der SCHLÜSSEL …“, sondern „anteilig wie die GESELLSCHAFT es bei Berücksichtigung des Schlüssels …“ WILL.

        Die Renten der AN werden mit z. Z. etwa EUR 100 Mrd. aus dem Staatshaushalt bezuschusst und bei der GRUNDRENTE ist der Zuschuss bezogen auf die abgeführten Abgaben besonders hoch.

        Ich finde übrigens das Gejammer auch nicht angebracht.

        Wer zum Staat geht, bekommt einen SICHEREN Job, der auch in den oberen Etagen nicht sonderlich gut bezahlt wird verglichen mit denen in der Wirtschaft.

        Wer als Selbständiger tätig ist, geht ins RISIKO und sollte einen anerkannten Anspruch darauf haben, mehr verdienen zu dürfen und daher auch höhere Ersparnisse bilden zu können.

        Die AN sind in der Mitte zwischen Risiko und Sicherheit.

        Wenn man Rentenansprüche vergleicht, muss man m. A. n. FAIRERWEISE die mehr oder minder freiwillig getroffene ENTSCHEIDUNG für das ARBEITSLEBEN mit berücksichtigen.

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