BIS: Wir sind pleite und Geldpolitik kann das auch nicht ändern

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Die Pleite der Welt auf einen Blick. Die Zahlen der BIS machen erneut deutlich, was wir schon seit Jahren wissen:

  • Die Schulden der Welt sind sehr hoch.
  • Die Schulden wachsen überall weiter schneller als die Wirtschaft.
  • Von Sparen kann in Wahrheit keine Rede sein.

Dabei sind die Warnungen der BIS nicht neu. Schon mehrfach haben die Experten aus Basel eindringlich vor den Folgen der derzeitigen Politik gewarnt. Nochmals meine Leseempfehlung:

→ Central Banks and the Global Debt Overhang

→ Die krachende Niederlage der Notenbanker

→ Bad Advice from Basels Jeremiah

Diese Tabelle fasst die Zahlen nochmals zusammen. Allerdings werden die Schulden hier zu Marktwerten gerechnet, nicht zu den Werten, die wir sonst kennen. Dies scheint – zumindest auf dem ersten Blick – dazu zu führen, dass die Schuldenstände tiefer sind. An der Tatsache, dass die Schulden überall deutlich gewachsen sind, ändert das zunächst natürlich nichts.

Zwar liegen die Schwellenländer mit 167 Prozent Schulden/GDP noch deutlich unter unseren Werten (265) aber China ist – auch dies für Leser von bto nichts Neues – bereits auf unserem Niveau. Das Problem bei den Schwellenländern dürfte sein, dass diese generell eine geringere Schuldentragfähigkeit haben und zudem immer mehr in US-Dollar verschuldet sind: 9,6 Billionen vor allem kurz laufende und tief verzinsliche Dollarschulden dürften diese Länder haben.

Die BIS warnt zudem, dass die Finanzmärkte völlig abhängig von der Geldpolitik geworden sind. Doch diese könnte die Grundursachen unserer Krise nicht heilen, nur die Symptome unterdrücken. Die billigen Zinsen führen dabei zu immer höheren Schulden und die Zeit wird nicht genutzt, die Wirtschaft auf solide Beine zu stellen. Nun scheint die EZB die Fed als Quelle billiger Liquidität abzulösen und die Verschuldung von Ausländern in Euro wächst massiv. Doch dies muss nicht unbedingt die Stabilität erhöhen. Im Gegenteil.

Passend dazu berichtet die FINANZ und WIRTSCHAFT von einer neuen Präsentation des BIZ-Chefökonom Claudio Borio:

Die Weltwirtschaft leidet unter drei hässlichen Belastungen:

  • „Die Schulden sind zu hoch: Trotz Finanzkrise sind weltweit die Schulden von Haushalten, Unternehmen und Staaten nicht zurückgegangen“. – bto: seit Jahren Thema hier.
  • „Die Produktivität wächst zu langsam: Der Einsatz von Arbeit bringt immer weniger zusätzlichen Nutzen. Das drückt das Wirtschaftswachstum. Dieser Trend hat schon vor der Finanzkrise eingesetzt.“ – bto: 2013 war die Produktivität weltweit sogar rückläufig. Ausserdem schrumpft die Erwerbsbevölkerung für deren Alter keine Rücklagen gebildet wurden. Hat Borio bestimmt auch erwähnt und die Kollegen der FuW aus Platzgründen weggelassen.
  • „Zentralbanken und Regierungen haben wenig Spielraum, bei einer Krise zu stützen: Die Staatshaushalte sind schon hoch verschuldet, sodass sie kaum mehr Schulden aufnehmen können, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Zentralbanken können die Zinsen in vielen Ländern nicht weiter senken. Und auch für Anleihenkäufe, ein Quantitative Easing, ist kaum Platz; die Notenbankbilanzen sind in den Industrieländern schon aufgebläht.“ – bto: jedes Ponzi-Schema bricht dann zusammen, wenn mehr Leute aussteigen als einsteigen. An dem Punkt sind wir heute!

„Borio sieht die Schuld bei den Regierungen und den Notenbanken:

  • „Die Entscheidungsträger haben nicht die richtigen Schlüsse aus der Finanzkrise gezogen.“ – bto: weil sie es nicht verstehen!
  • „Sie haben zu wenig getan, um Finanzbooms einzudämmen.“ – bto: weil das wehtun würde.
  • „Sie haben zu sehr auf die Stützung der Nachfrage vertraut, um mit dem Zusammenbruch der Blase zurechtzukommen. Sie haben nicht zwischen Krisenmanagement und der Lösung der Krise unterschieden.“ – auch das aus Angst vor der Wahrheit! – denn die wäre: Schuldenschnitt, Pleite, Vermögensabgaben. UNPOPULÄR.

„Der wichtigste Chart von Borio ist der Vergleich der Konjunkturzyklen und der Finanzzyklen. Die Grafik unten zeigt die Schwankungen der jeweiligen Zyklen als standardisierte Abweichung von ihrem Trend. Beim Finanzzyklus (Financial Cycle, blaue Linie) sind es Indikatoren wie Verschuldung, Verschuldungsgrad und Hauspreise. Beim Konjunkturzyklus (Business Cycle, rote Linie) sind es Schwankungen des Bruttoinlandprodukts.“ – bto: ich finde ja, dass wir einen viel längeren Finanzzyklus durchlaufen, der seit 1982 geht.

 

BIS

Quelle: BIZ

«Zu geringe Zinsen in der Vergangenheit sind ein Grund für niedrige Zinsen heute», meint Borio. Zinsen seien nicht nur Spiegelbild von äusseren Einflüssen, sondern würden das wirtschaftliche Umfeld mitverändern.“

bto: Die Notenbanken haben uns mit ihrer asymetrischen Politik in die Krise geführt und vergrößern sie mit ihren Maßnahmen jeden Tag nur noch mehr. Nutzniesser sind Finanzsektor und Politiker. Den Schaden werden wir alle zu tragen haben und je länger es dauert, desto fundamentaler wird dieser die Grundfesten unserer Gesellschaft erschüttern!

→ FINANZ und WIRTSCHAFT, 15. September 2015

→ BIS Quarterly Review, September 2015

2 Kommentare
  1. Michael Stöcker says:

    „Cui bono?“

    Kurzfristig den 1 % sowie den cash-rich, langfristig niemandem. Warum passiert nichts? Weil wir auch im Jahre 8 der Finanzkrise noch immer ein monetäres Erkenntnisproblem haben: http://blogs.faz.net/fazit/2015/09/14/bachmanns-konferenzgefluester-5-was-heisst-hier-mainstream-6514/#comments. Auch Prof. Spahn (Monetärkeynesianer) hat kommentiert! Sehr lesenswert.

    Wir haben insbesondere ein Geldvermögenskonzentrationsproblem, welches unmittelbare Folge der Binswangerschen Wachstumsspirale ist (prolongiert über Abzahlungsgeschäfte, Kreditkarten etc.). Kein Wachstum ohne Verschuldung. Sobald allerdings die Verschuldungsgrenze erreicht ist (wegen der monetären Asymmetrien), kippt die Wachstumsspirale in eine destruktive Depressionsspirale. Binswanger hatte diese Grundproblematik klar erkannt und sauber analysiert. Als linker ‚Öko-Spinner‘ wurde/wird er aber vom Mainstream nicht ernst genommen.

    Mein Lösungsvorschlag (10 Punkteplan) basiert auf der Analyse von Binswanger. Die meisten Punkte widersprechen allerdings diametral der Politik der letzten 30 Jahre der SED (Sozichristligrünliberale Einheitspartei Deutschlands). Wer hat schon den Mumm und das Format vors Volk zu treten und die 180-Grad-Wende einzuleiten? Ohne eine breite aufgeklärte Öffentlichkeit wird hier nichts passieren. Das kann sehr lange dauern.

    Und die Parteien/Politiker haben ein noch größeres Erkenntnisproblem als unsere Ökonomen und haben keine Zeit über so grundlegende Dinge zu reflektieren (ich habe beinahe 2 Jahre gebraucht, um mein Denken vom Kopfe auf die Füße zu stellen und konnte mich Dank meiner Lehrtätigkeit voll auf diese Thematik konzentrieren).

    Kurzfristige grundlegende Veränderungen sind also leider nicht in Sicht. So nimmt das Schicksal weiter seinen verhängnisvollen Lauf.

    LG Michael Stöcker

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