Beginnt die Flucht aus dem Markt für Unternehmenskredite?

Bekanntlich sind die Unternehmensschulden gerade in den USA in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Auf der Suche nach Rendite haben sich die Investoren darauf gestürzt und, wie hier mehrfach diskutiert, Risiken akzeptiert ohne entsprechende Vergütung.

Nun scheint die Flucht einzusetzen. Die steigenden Zinsen wirken dabei doppelt:

  • Staatsanleihen werden attraktiver und man bekommt gute Zinsen bei besserem Risiko.
  • Da die Zinsen für Unternehmenskredite steigen, kommt es zu einer Zunahme des Ausfallrisikos, was wiederum die Zinsen zusätzlich steigen lässt. Eine Abwärtsspirale droht.

Also lohnt es sich, genauer hinzusehen. Das hat Zero Hedge gestern getan und ich habe deshalb den eigentlich für heute geplanten Beitrag verschoben. Es ist einfach zu spannend, was da gerade passiert:

  • „Blackrock’s broad bond-market ETF (AGG) suffered a nearly $2 billion outflow yesterday – the most ever (…).

Quelle: zerohedge.com

  • „(…) it appears that money is flying out of corporate debt, from the riskiest to the safest bonds, at least based on ETF flows. These are pretty huge weekly outflows among the biggest credit ETFs, and they seem to be accelerating:“ – bto: Und das hätte es in sich wegen der selbstverstärkenden Wirkung nach unten.

Quelle: zerohedge.com

  • All fixed-income ETFs have seen $5.5 billion in outflows in the past week, about 4 to 5 times worse than any other week in recent memory, according to Bloomberg Intelligence’s Eric Balchunas. The ETF flows are pretty volatile, with professional speculators contributing a lot of the volatility, said Martin Fridson, chief investment officer at Lehmann Livian Fridson Advisors. Those up and down swings have washed out over longer periods.“ – bto: Es ist eben ein anderes Umfeld. Wirklich steigende Zinsen und immer schwächere Schuldnerqualität.
  • „As Abramowicz asks, the question is: are these flows a harbinger of more pain in U.S. corporate debt as benchmark Treasury rates rise? Right now it seems like this is a growing risk, since investors aren’t getting compensated that much for the extra risk they’re taking to own corporate debt over U.S. government bonds – especially given how high corporate leverage has become (…).“ bto: Das hatten wir hier schon mehrfach. Die Unternehmen haben eine Riesen-Schuldenparty gefeiert!

Quelle: zerohedge.com

  • „As BofA notes, HYG was one of the primary casualties among risky assets last week (and that pain is continuing). For instance, its 1.4% sell-off since 1-Oct-18 represents a 3.4 sigma drawdown on a vol-adjusted basis (near historic records) (…).“ – bto: Wenn es eine Flucht gibt, dann beschleunigt sich der Prozess per Definition in Form einer Lawine. Das kann dann zum Crash führen.

Quelle: zerohedge.com

  • „HYG has done worse less than 10% of the time (using rolling 1w returns), and its move last week outperformed its typical beta vs. SPY, IWM (small caps) and LQD (IG credit) (…). In other words, the selling pressure is HY bonds is notably more aggressive for now than in the equity and IG credit markets (…).“ – bto: für mich aber ein kritischer Indikator für das, was noch am Aktienmarkt passieren kann.

Quelle: zerohedge.com

  • „But that is sparking some notably wide divergence from equity markets (…).“ – bto: was aber nur vorübergehend sein kann.

Quelle: zerohedge.com

  • „Stocks have only just begun to catch down to reality. Corporate earnings will be a problem going forward, said Noel Hebert, high-yield strategist at Bloomberg Intelligence. With tailwinds gone and with headwinds like tariffs and full valuations already, high yield will be adversely impacted — even with favorable technicals — if equities get hit.‘“bto: Das ist ja auch logisch, denn wer seine Schulden nicht bedienen kann, hat naturgemäß auch keinen hohen Aktienkurs mehr.
  • „And finally, if you’re worried enough yet that the nirvana narrative in US corporate credit is not cracking, the breadth in the US Corporate High Yield Bond market has never…ever… been worse…“ bto: Abnehmende Marktbreite ist immer ein Warnsignal!

Fazit Zero Hedge: „Yep – more new 52-weeks lows for HY bonds than in 2008!“ – bto: Klar, die Schulden sind auch viel höher!

zerohedge.com: „Alarming“ Bond ETF Outflows Spark Cracks In Credit Nirvana Narrative“, 10. Oktober 2018

3 Kommentare
  1. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Es ist einfach zu spannend, was da gerade passiert“

    Also das finde ich jetzt nicht wirklich, höchstens den exakten Zeitpunkt. War das Ganze angesichts der Notenbankpolitik der FED mit ständigen Zinserhöhungen nicht schon längst zu erwarten? Spannend finde ich eher, was passiert, wenn der politische Druck steigt. Denn Donald Trump und der Kongress werden bei steigenden Arbeitslosenzahlen und schwierigerer Staatsschuldenfinanzierung wohl nicht kommentarlos dieser FED-Führung zuschauen. Und dann wird es m.E. spannend, wohin die Reise wirklich geht. Knickt die FED ein oder nicht? Dass die höheren Staatsanleihezinsen die yield gap zu corporate bonds verkleinern, führt doch immer dazu, dass die Investoren bei relativ geringerer „Belohnung“ durch Mehrzinsen lieber das Ausfallrisiko wieder minimieren. Oder kurz gefragt: Wo ist der politische „Kipppunkt“, ab der die Geldpolitik Legislative und Exekutive richtig nervös macht? Noch sehe ich ihn nicht.

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  2. troodon sagte:

    Ergänzender Link zu einem passenden Bloomberg Artikel.
    Bemerkenswert finde ich, dass die Zu- und Abflüsse in dem High Yield Bereich extremen und sehr kurzfristigen Schwankungen unterworfen sind. Demnach hatte der HYG ETF von iShares am 1.10.2018 noch seinen historisch HÖCHSTEN Zufluss an Kapital. Da wird gezockt auf Teufel komm raus.
    Rendite von HYG inzwischen bei 6,5%, aber historisch natürlich immer noch sehr gering. Dürfte bei hochverschuldeten Unternehmen trotzdem schon deutlich die jeweiligen Aktienkurse belasten.

    https://www.bloomberg.com/news/articles/2018-10-10/junk-bond-slump-spreads-as-investors-yank-billions-from-etfs?utm_source=google&utm_medium=bd&cmpId=google

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