Systemwechsel statt Umverteilung

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Gastbeitrag von bto in der Börsen-Zeitung zu Piketty. Auszug: „Groß ist die Gefahr eines ‚Weiter-so‘. Das Schuldenproblem durch Vermögensabgaben lösen und die Grundprobleme nicht antasten. Dabei sind die Schulden nur das Symptom für die falschen Entscheide der letzten Jahre: Konsum statt Investition, Kredit statt Einkommen und Abschirmung vom weltweiten Wettbewerb, statt sich diesem zu stellen.

Gerechtigkeit beginnt bei der Schaffung gleicher Chancen und damit bei der Breitenbildung. Zudem kann moderate Umverteilung einen Beitrag für eine gleichmäßigere Vermögensverteilung leisten. Entscheidend ist jedoch eine Rückbesinnung auf wichtige ökonomische Grundsätze. Schulden sind nichts anderes als Verzicht auf künftigen Konsum. Gute Wirtschaftspolitik verzichtet deshalb auf die kurzfristige Stimulierung zugunsten von langfristig wirksamen Maßnahmen, die Bildung, Innovation, Regulierung des Nötigen und Investitionen in den Kapitalstock einer Volkswirtschaft zum Kern haben.
Auch unser Geldsystem ist zu hinterfragen. Ungebremstes Kreditwachstum führt nicht nur zu Schulden und (Schein-)Vermögen sondern, wie wir in den letzten Jahren leidvoll erlebt haben, zu existenziellen Finanzkrisen. Das Wiederaufleben der Diskussion um das Thema „Vollgeld“, auch getrieben über die dazu anstehende Volksabstimmung in der Schweiz, ist ein ermutigendes Zeichen. Selbst die Kommentatoren der Financial Times befürworten die Idee einer Unterscheidung in Geld als Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel (100 % Zentralbankgeld) und Investitionen in renditegenerierende aber dafür risikobehaftete Assets. Es bleibt zu befürchten, dass es noch (mindestens) einer weiteren Krise bedarf, bis diese grundlegende Problematik angegangen wird. Und damit bleibt auch Piketty nur ein weiterer, wenngleich sehr guter, Puzzlestein in der Diagnose der Probleme der Weltwirtschaft.“

Börsen-Zeitung: Systemwechsel statt Umverteilung, 10. Juni 2014

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