„Die Idee vom Helikoptergeld“

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Auch DIE WELT berichtet über das Helikopter-Geld. Es ist wirklich ein Thema, welches in den Medien breite Resonanz findet. Hier eine gute Zusammenfassung der Möglichkeiten, Helikopter-Geld umzusetzen. Übrigens: Es gibt bereits das erste Helikopter-Geld in der Eurozone: Was sonst ist es, wenn die EZB den Banken Geld dafür bezahlt (0,4 Prozent Negativzins), wenn sie dieses Geld an Unternehmen verleihen?

  • „Was er von Helikoptergeld halte, wurde Draghi gefragt. Es sei ‚ein interessantes Konzept‘, antwortete der Notenbanker und versetzte Beobachter damit in Aufregung. (…) Die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich mit dem Konzept ‚noch nicht‘ beschäftigt, sagte Draghi, schließlich sei es sehr komplex. Aber damit machte der Notenbankchef die Sache noch schlimmer: Die Kombination aus ‚interessant‘ und ‚noch nicht‘ war genug, um eine Diskussion über das Helikoptergeld loszutreten.“ – bto: Und es wird kommen. Der Euro wird nur so eine Runde weiterkommen (aber nicht gerettet!).
  • Die EZB solle „einfach frisch gedrucktes Geld direkt an die Bürger zu verteilen – gratis und ohne Gegenleistung. Damit, so die Verfechter des Geldregens, könnte die EZB gleich zwei Ziele erreichen: Die Bürger würden das zusätzliche Geld ausgeben, und diese zusätzliche Nachfrage würde wie ein Konjunkturprogramm wirken und das Wachstum in den Krisenstaaten der Euro-Zone anschieben.“ – bto: Genau das ist die Idee.
  • „Der Geldregen für die Volkswirtschaft würde eine neue Qualität von Geldpolitik bedeuten: Schon in den vergangenen Jahren hat die EZB zwar Milliarden in das Geldsystem gepumpt – sie hat dafür allerdings Banken und anderen Institutionen Staatsanleihen und andere Wertpapiere abgekauft und in ihre Bücher genommen. Mit dem Helikoptergeld würde sich das ändern: Die EZB würde Geld drucken und an die Bürger verschenken – ohne Gegenleistung.“
  • „Variante 1: Die EZB druckt, der Staat verteilt: Wie gut diese Variante des Helikoptergeldes funktionieren würde, hängt davon ab, wie glaubhaft der Staat den Steuerzahlern vermitteln kann, dass er das Geld nicht künftig über höhere Steuern wieder zurückfordern wird. Gehen die Bürger davon aus, dass sie letztlich für das Steuergeschenk werden zahlen müssen, dürften sie einen Teil des Geldes nicht ausgeben, sondern für künftige Steuererhöhungen zurücklegen.“ – bto: In Deutschland sparen, in Spanien ausgeben, dürfte die Probleme des Euro eher vergrößern als verkleinern.
  • „Variante 2: Die EZB überweist. Beispielsweise könnte sie für jeden EU-Bürger ein Konto eröffnen und darauf einen festen Betrag zur Verfügung stellen. Durch ein Verfallsdatum könnten die Bürger gezwungen werden, das Geld schnell auszugeben. Damit die Bilanz der EZB ausgeglichen ist, könnte sie gleichzeitig virtuelle Schuldscheine in ihre Bücher nehmen, beispielsweise Anleihen, die nicht zurückgezahlt werden müssen und auf die keine Zinsen fällig werden. Anders als bei den Steuererstattungen vom Staat könnten die Bürger sicher sein, dass das Geld nicht wieder von ihnen zurückgefordert wird, und dürften einen größeren Teil des Geldes ausgeben.“ – bto: Das mag sein. Aber ob die Bürger so zwischen Staat und Notenbank unterscheiden?
  • „Variante 3: Die EZB druckt, und der Staat investiert. Näher am traditionellen keynesianischen Modell läge eine Variante, bei der die EZB Geld druckt und es direkt an den Staat überweist, der es sofort ausgibt. Auch in diesem Fall könnten die Euro-Staaten der EZB im Tausch für Geld Anleihen ausstellen, auf die keine Zinsen fällig werden und die nicht zurückgezahlt werden müssen. Das würde nur geschehen, damit die Bilanz der EZB noch die Anforderungen erfüllt.“
  • „‚Die Euro-Zone ist zwar – zusammen mit Japan – die Volkswirtschaft, die am wahrscheinlichsten das Helikoptergeld umsetzen müsste“, sagt Oxford-Economics-Volkswirt Stein. ‚Die Euro-Zone ist aber gleichzeitig auch der Wirtschaftsraum, bei dem die Wahrscheinlichkeit am geringsten ist, dass er das Konzept umsetzt.‘ Schließlich müsste die EZB sich mit 15 Finanzministerien koordinieren.“ – bto: Das denke ich auch, siehe meinen diesbezüglichen Kommentar bei WirtschaftsWoche online.

„Daniel Stelter, Berater und Buchautor (‚Eiszeit‘), befürchtet gar, dass die Bürger das Vertrauen in die Geldordnung verlieren würden. ‚Den Menschen würde klar, dass die Notenbank nach Gutdünken einfach Geld drucken kann, und sie würden nicht mehr an die Stabilität des Euro und des Geldes an sich glauben. Sollte der Vertrauensverlust eintreten, wäre Hyperinflation die Folge.‘ Trotz dieser Bedenken hält Stelter das Helikoptergeld, verbunden mit einem Schuldenschnitt, für die vermutlich einzig verbliebene politisch durchsetzbare Möglichkeit, die wirtschaftlichen Probleme in der Euro-Zone zu lösen.“

DIE WELT: „Die Idee vom Helikoptergeld“, 21. März 2016

24 Kommentare
  1. Alsie says:

    Was halten Sie von dieser Helikoptergeldvariante ?
    http://www.zerohedge.com/news/2016-03-23/japan-goes-full-krugman-plans-un-depositable-non-cash-gift-certificate-money-drop-yo

    Die japanische Regierung will sowas wie „Geschenkgutscheine“ an die Bevölkerung verteilen.
    Aus den vergangenen Erfahrungen mit Direktgeld-Transfermodellen weiß man ja, dass die Mehrheit der Leute (grad in so unsicheren Zeiten, dessen Ausdruck ja solch unkonventionelle Maßnahmen sind) dieses Helikoptergeld einfach nur weiter zurücklegen und sparen würden. Womit es seine beabsichtigte Wirkung verliert, denn gerade diese „unproduktive Geldhortung“ ist genau das was man als „Problem“ ausgemacht hat und bekämpfen will, die Leute sollen zum Ausgeben (und damit „Wirtschaft ankurbeln“ (oder eher Inflation anheizen – die Schulden entwerten?)) ja quasi mit allen Mitteln gezwungen dazu werden.
    Durch die Gutschein-Form, die eben nur für bestimmte Waren eingelöst und nicht gespart werden können, soll dieser Effekt nun besser forciert werden können. Wird das ganze noch in Form einer elektronischen Karte umgesetzt, hat man noch bessere Kontrollfunktionen (wer/was/wann/wieviel kauft) und kann den sofortigen Konsum durch Ablaufdatum des Guthabens oder fortschreitenden Wertverlust anheizen.

    Erinnert mich erstmal sehr an die alten Essensmarken/food stamps (oder heute das EBT-System), da müsste man aus der Geschichte mal die Wirkung studieren.

    Im Artikel werden schon einige Knackpunkte angesprochen. Da Menschen ja schon immer sehr kreativ waren, solche Zwangsmaßnahmen zu umgehen, kann sich auch schnell ein „Schwarzmarkt“ entwickeln, wo solche zweckgebundenen Gutscheinkarten für echtes Geld (mit dem man dann machen kann, was man will) getauscht werden. Genauso könnte es auch eine „unbeabsichtigte“ deflationäre Wirkung auf die Löhne haben – wenn der Arbeitgeber merkt, „aha du kriegst doch quasi 500€ vom Staat geschenkt, da kann ich dir auch gleichmal 500€ weniger Gehalt zahlen müssen“. Erfahrungen aus dem „Mini/Kombi-Lohn“ Sektor gibts ja hierzulande dazu bereits. Und wie generell bei allen „unkonventionellen“ Subventionsmaßnahmen ist halt der Gewöhnungs/Abhängigkeits-Effekt (bzw moral hazard) im Spiel. Gibst du einmal in einer Krise 500€ oder so raus, gewöhnen sich die Beteiligten auch schnell daran und schreien in der nächsten kleinen Krise sofort nach 1000€ und immer so weiter. Schnell werden „unkonventionelle Maßnahmen“ zum neuen Normalzustand, und anstatt wie beabsichtigt die Krise damit zu bewältigen versumpft man noch mehr in der selbstverstärkten Krise.

    Was meinen Sie dazu ?

    Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    >‚Die Euro-Zone ist aber gleichzeitig auch der Wirtschaftsraum, bei dem die Wahrscheinlichkeit am geringsten ist, dass er das Konzept umsetzt.‘ Schließlich müsste die EZB sich mit 15 Finanzministerien koordinieren.“ – bto: Das denke ich auch …>

    Ich kann mir keinen deutschen Finanzminister vorstellen, der das gebacken kriegt gegen eine mobilisierte Öffentlichkeit, die BILLIONEN Geldvermögen hat. Öffentlichkeit sind nicht nur Reiche, sondern Menschen wie du und ich – die würden auch über die Abgeordneten einen Druck aufbauen, gegen den die Griechenland-Kredite und die bisherige Flüchtlingskrise wie ein Kindergeburtstag erscheinen würden.

    Grund:

    >„Daniel Stelter, Berater und Buchautor (‚Eiszeit‘), befürchtet gar, dass die Bürger das Vertrauen in die Geldordnung verlieren würden. ‚Den Menschen würde klar, dass die Notenbank nach Gutdünken einfach Geld drucken kann, und sie würden nicht mehr an die Stabilität des Euro und des Geldes an sich glauben.>

    So ist es – egal, wie die Notenbank tatsächlich drucken würde.

    >Trotz dieser Bedenken hält Stelter das Helikoptergeld, verbunden mit einem Schuldenschnitt, für die vermutlich einzig verbliebene politisch durchsetzbare Möglichkeit, die wirtschaftlichen Probleme in der Euro-Zone zu lösen.“>

    Wenn die Begründung mit dem Vertrauensverlust ernsthaft gemeint sein sollte, ist Helikoptergeld keine verbliebene politisch durchsetzbare Möglichkeit – noch nicht einmal eine vermutliche.

    Abe gut, ich habe mir schon manches nicht vorstellen können ¬– und dann kam es doch.

    Antworten
  3. Paul Bäumer says:

    >Trotz dieser Bedenken hält Stelter das Helikoptergeld, verbunden mit einem Schuldenschnitt, für die vermutlich einzig verbliebene politisch durchsetzbare Möglichkeit, die wirtschaftlichen Probleme in der Euro-Zone zu lösen.

    Mal angenommen es wird ein bißchen Hubschraubergeld verteilt, die Punktlandung gelingt, und die Inflation erreicht die gewollten 2%, oder ein wenig mehr. Was dann? Dann müssen die Zinsen ein bißchen steigen um diese einzufangen! In dem Moment kommen die Schuldenprobleme doch mit Wucht zurück. Wenn die EZB die Geldwertstabilität ernst nimmt, müssen die Zinsen dann hoch, was die Pleite von Ländern bedeuten würde.

    Antworten
  4. SMS says:

    Was meiner Meinung nach falsch ist an dem beschriebenen Konzept des Helikoptergelds ist die Idee, dass dieses „ohne Gegenleistung“ an die Bürger gegeben werden soll. Das widerstrebt komplett dem Verständnis, das die Menschen von Geld haben: Geld gibt es nicht „umsonst“, es muss etwas dafür geleistet werden, Geld = Arbeit (beim Gelderwerb). Nur wenn dieses Verständnis gewahrt bleibt, wird auch der Glaube der Bürger – als „(normale) Bürger“ bezeichne ich hier Menschen, die sich nicht übermäßig mit Finanzthemen beschäftigen – an das Geld und dessen Wert erhalten bleiben.

    Insofern sehe ich die oben beschriebenen Varianten 1 (in seiner Reinform, ebenso wie die von meiner/m Vorkommentator/in Alsie genannten „Geschenkgutscheine“) und vor allem Variante 2 des Helikoptergelds als sehr gefährlich an. Um beim Beispiel der Variante 2 zu bleiben: Wenn jeder Bürger plötzlich ein Bankkonto hat, mit einem höheren Geldbetrag darauf, dann wird er sich zwangsläufig fragen, woher dieses Geld kommt. Auch wenn er sich bis dato – wie die meisten – wohl kaum aktiv mit Geldpolitik beschäftigt hat, so wird er dies wahrscheinlich nun auf die seinem Bildungsniveau entsprechende Art tun. Entsprechend werden auch die Nicht-Wirtschaftsmedien das Thema behandeln „müssen“, da dadurch ein großer Verständnisbedarf entstehen wird. Jetzt haben wir es u.a. durch die Flüchtlingskrise und Eurokrise ja sowieso schon mit tendenziell verunsicherten und teilweise medienskeptischen Menschen zu tun, d.h. hier wird wohl einiges an „medialer Besänftigung“ notwendig sein, damit der Bürger nicht merkt, was die eigentlichen – äußerst beunruhigenden – Gründe sind für dieses Geldgeschenk. Und genau das, dass die normalen Bürger merken, was „eigentlich“ los, sollte man unbedingt vermeiden, da es sonst sehr leicht zu den genannten negativen Auswirkungen wie Hyperinflation kommen könnte.

    Der Schein eines weiterhin „normalen“ Geldsystems muss m.M.n. auch im Falle des Helikoptergeldes unbedingt gewahrt bleiben, d.h. Geld für den Bürger gibt es – wenigstens augenscheinlich – nicht ohne Gegenleistung.
    Denkbar wäre hier etwa eine modifizierte Variante 1, bei der der Staat das Geld den Bürgern nicht bedingungslos bzw. direkt gibt sondern z.B. über folgende Wege:
    Den Firmen wird Geld zur Verfügung gestellt, um Boni an besonders fleißige Mitarbeiter auszuzahlen (durch Regeln muss sichergestellt sein, dass dies nicht das obere Management abgreift, also etwa muss es eine Begrenzung bezüglich des maximalen Jahresgehalts geben). Die Mitarbeiter sehen dieses Geld also als Belohnung für gute Arbeit an (= Gegenleistung für das Geld), fragen also nicht unbedingt nach woher dieses wirklich kommt, und als angenehmer Nebeneffekt könnte dies auch die Motivation der Mitarbeiter in den Firmen steigern.
    Eine andere Möglichkeit wäre etwa, dass der Staat jeder Familie pro Kind einen gewissen Geldbetrag auszahlt, vorgeblich um einen Anreiz zu schaffen, dass mehr Kinder geboren werden. Die Gegenleistung für den Gelderhalt wäre also auch in diesem Fall gewahrt (man setzt Kinder in die Welt, die ja später das Sozialsystem finanzieren sollen) und außerdem könnte man so auch dem demografischen Wandel etwas entgegenwirken.

    Durch Maßnahmen dieser Art könnte man m.M.n. zum einen die Konjunktur ankurbeln, aber zum anderen auch das Vertrauen in den Wert bzw. den Sinn von Geld beibehalten.

    Noch weniger riskant wäre meiner Meinung nach die oben genannte Variante 3, dass der Staat das von der EZB geschenkte Geld für Konjunkturprogramme nutzt. Hier wäre die Gefahr, dass die Bürger „den Braten riechen“ noch geringer, da es sich ja formal wirklich um „deficit spending“ handeln würde (nur dass die Kredite, die der Staat aufnimmt, nicht verzinst werden und nie zurückgezahlt werden).

    Die Tatsache, dass diese Programme diesmal direkt von der EZB gesponsert werden, würde sicherlich auch in den Medien behandelt werden, aber wohl eher in den Finanzmedien, da diese „Besonderheit“ für den normalen Bürger wohl zu unterschwellig und auch zu wenig alltagsrelevant wäre.
    Mit diesen Konjunkturprogrammen könnten vor allem in den Euro-Südländern die Stagnation durch die jahrelange Sparpolitik angegangen werden, in Deutschland hingegen könnten damit endlich die notwendigen Investitionen in Bildung und Infrastruktur vorgenommen werden.

    Die Gefahr bei dieser Variante wäre wohl eher, dass man sicherstellen müsste, dass die Staaten das Geld auch wirklich zur Konjunkturförderung einsetzen, und nicht eigentlich eine Monetarisierung der Schulden vornehmen, was ja wieder den Glauben an das Geld- bzw. Kreditsystem stark in Frage stellen würde…

    Antworten
  5. Andreas Müller says:

    Wäre Helikoptergeld für alle Bürger (gleicher Betrag für jede Person vom Kind bis zum Greis) nicht tatsächlich auch ökonomisch wirksamer als der Regen billigen oder kostenlosen Kredits, der seit Jahrzehnten auf die Banken niedergeht? Hat letzterer nicht zu einer extremen Begünstigung aller finanzmarktnahen Akteure geführt und Vermögenspreise nach oben getrieben, statt die gesamtwirtschaftliche Aktivität anzuregen? Für jemanden, der geschluckt hat, dass Geld schon lange dadurch erzeugt wird, dass es willkürlich auf Papier gedruckt oder in eine Datenbank eingetragen wird, wäre der Vertrauensverlust gering. Als wichtigstes Argument gegen Helikoptergeld scheint mir der Wunsch, die Illusionen der übrigen Bürger nicht zu erschüttern, doch ein wenig dünn.
    Diese Begründung erinnert ein wenig an katholische Priester, die an Sexorgien teilnehmen und ihre heuchlerische Sonntagspredigt über die Notwendigkeit der Keuschheit damit begründen, dass sie sich um den Seelenfrieden der Menschen sorgen.

    Antworten
  6. Karl F. says:

    Die breite Zustimmung, die Helikoptergeld hier im Stelter-Blog bekommt, kann ich nicht teilen.

    Es gibt ausreichend Gründe gegen jedwede Versuche einer Inflationierung der Währung durch die EZB über sogenanntes Helikoptergeld. Der Journalist Andreas Freytag gibt ein gutes Beispiel in seinem jüngsten Kommentar in der Wirtschaftswoche (http://www.wiwo.de/politik/europa/freytagsfrage-was-wenn-die-ezb-geld-an-die-buerger-verschenkt/13367534.html).
    Ausgehend von der Annahme, jeder Bürger bekäme 1000 Euro Helikoptergeld, fasst er die Auswirkung wie folgt zusammen:
    Zitat: „Ein simples Rechenbeispiel zeigt die Logik. Das durchschnittliche Geldvermögen der deutschen Haushalte beträgt laut Berechnungen aus dem Herbst 2015 44.700 Euro. Spart eine repräsentative Bürgerin ihr Helikopter-Geld, hat sie nun 45.700 Euro Vermögen. Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent sinkt das Vermögen innerhalb eines Jahres auf 44.786 Euro; das Helikopter-Geld ist dann schon weg. Nach fünf Jahren gleichbleibender Inflation und Nullzins bleiben noch 41.309 Euro. Dies ist ein Geschäft für die EZB (als Finanzier klammer Regierungen) und keines für die Bürger. Steigt die Inflation gar dauerhaft auf fünf Prozent (wer kann schon die Inflationsrate genau vorhersagen, kommt es einmal dazu?), bleiben unser Sparerin nach fünf Jahren noch etwas über 35.000 Euro; der Verlust beträgt über 23 Prozent.
    Das simple Beispiel macht deutlich, dass das Geschenk der EZB ein unheilvolles Geschenk sein würde. Kurzfristig gäbe es einen Kaufkraftzuwachs, der mittelfristig mit erheblichen Vermögenseinbußen einherginge.“ Zitat-Ende

    Auch das Wirtschaftsleben ist kein Ponyhof. Wohlstand kann nur erwirtschaftet und nicht „erdruckt“ werden.

    Antworten
    • D. Krämer says:

      Bei der Auswirkung des Helikoptergeld mit einem durchschnittlichen Vermögen zu rechnen halte ich für eine Milchmädchenrechnung, wenn man die Vermögensverteilung in Deutschland betrachtet.
      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Verm%C3%B6gensverteilung_in_Deutschland
      Der Median liegt deutlich tiefer als der Durchschnitt, je nach dem welche Annahmen man trifft und erscheint mir bei der Diskussion das bessere Maß zu sein.

      Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Ich denke, wir müssen die „breite Zustimmung“ in den Kontext setzen. Natürlich ist jeder derartige Eingriff vonseiten des Staates heftig zu kritisieren. Nur müssen wir sehen, dass die Fehler, die uns in diese Situation überhaupt erst gebracht haben, schon vor Jahren gemacht wurden. Heute haben wir es mit einer Überschuldung zu tun, die vom Euro mit befeuert wurde. Eine Anpassung ist im Euro ebenfalls nicht leicht, wenn nicht gar unmöglich. Bleiben Pleiten, Schuldenschnitte, Besteuerung oder Inflationierung. In jedem Szenario kommt es zu einer Entwertung von Schulden und Vermögen. Jedes hat andere Vor- und Nachteile. Helikopter-Geld führt in die Richtung „Lösung über die EZB-Bilanz“, die, je nach Betrachter, inflationär wäre oder nicht. Keiner hier im Blog – denke ich – würde ernsthaft das Thema forcieren, wären wir in einer normalen Krise.

      Wohlstand wird so keiner geschaffen. Das stimmt. Es wird die Vernichtung der Wohlstandsillusion organisiert. Zum Thema Wohlstand schaffen: Dazu braucht man Erwerbsbevölkerung und Produktivität. Erstere schrumpft, Zweites stagniert oder sinkt gar. Es fehlen eine intelligente Zuwanderungspolitik, die Probleme löst, statt sie zu vergrößern, Investitionen und Bildung. Daran arbeitet keiner. Ein „Sozialpaket“ für benachteiligte Deutsche neben dem Flüchtlingsprogramm ist ein weiteres Beispiel für die Verschwendung von Ressourcen. Wenn wir Zuwanderung in unsere Sozialsysteme seit Jahrzehnten zulassen, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir zunehmende Armut haben …

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Lassen Sie uns über die „Logik“ der Situation sprechen.

        Mit Blick darauf ist nicht entscheidend, wer was macht, sondern festzustellen, dass DE FACTO nicht das getan werden kann, was zu einer Lösung, d. h. nachhaltiger Stabilisierung führt:

        >Heute haben wir es mit einer Überschuldung zu tun, die vom Euro mit befeuert wurde. Eine Anpassung ist im Euro ebenfalls nicht leicht, wenn nicht gar unmöglich. Bleiben Pleiten, Schuldenschnitte, Besteuerung….oder Inflationierung. In jedem Szenario kommt es zu einer Entwertung von Schulden und Vermögen.>

        Das wäre Schritt 1:

        Bereinigung der Schuldverhältnisse, d. h. Auflösung von rechtlich begründeten Ansprüchen und Verpflichtungen ist – ganz richtig – Entwertung. Dazu wird es in einem POLITISCH gewollten, d. h. mit einem im Konsens beschlossenen GEORNDETEN Verfahren nicht kommen, weil die Geldsparer als potenzielle Verlierer so stark sind, dass sie das verhindern können. Entscheidend: Es kommt dabei nicht darauf an, ob die Ansprüche überhaupt noch realisierbar sind, sondern darauf, ob sie aufgeben werden müssen. Das wird als Verlust bewertet (Paradebeispiel: Staatsschulden Griechenlands – definitiv nicht realisierbare Ansprüche, aber kein Schuldenschnitt).

        Heißt:

        Die Belastungen werden vorerst weiterhin mitgeschleppt. Sie verschlechtern die Situation der Eurozone, das Risiko des Zerfalls wächst vor allem in der Peripherie (Marode Banken!)

        Allerdings:

        Eine unabhängige EZB kann mit den von IHR gewollten Mitteln der Geldpolitik den Versuch unternehmen, „schleichend“ zu einer Entwertung zu kommen. Dabei muss sie aber den Systemzerfall (Eurozone) verhindern – zumindest (implizit) vorgeben, ihn zu verhindern. Wenn die EZB die einzige Institution ist, die den Zerfall verhindern kann, werden die Politiker sie gewähren lassen, auch wenn sie Risiken damit verbinden. Denn Politiker fürchten zu Recht nichts mehr, als die Kontrolle zu verlieren – und bei einem Zerfall der Eurozone würden sie die Kontrolle verlieren.

        Das ist die gegenwärtige Situation ¬ – die EZB hat eine gewisse Narrenfreiheit.

        Dennoch:

        Da die Politiker aber nicht als „unabhängige Variable“ agieren, kommt es darauf an, wie die Bevölkerungen auf die Geldpolitik reagieren. Nähmen sie deren Effekte von einer Mehrheit mit Blockierungs- bzw. Veränderungspotenzial nicht mehr hin, würde die Politiker auf die EZB einwirken – oder es kommt zum Zerfall der Eurozone durch politische Verweigerung, die Geldpolitik weiter mitzutragen (Austritt, aus welchen Gründen auch immer, z. B. durch nationalistische Regierungen).

        Mit Blick darauf:

        Bei uns wächst der Widerstand, hat aber noch nicht das Momentum, Veränderungen der Geldpolitik zu erzwingen.

        >Zum Thema Wohlstand schaffen: dazu braucht man Erwerbsbevölkerung und Produktivität. Erstere schrumpft, zweiteres stagniert oder sinkt gar. Es fehlen eine intelligente Zuwanderungspolitik die Probleme löst, statt sie zu vergrößern, Investitionen und Bildung. Daran arbeitet keiner.>

        Das wäre Schritt 2 (nicht als nachrangig zu verstehen):

        Richtig, bei uns in Deutschland arbeitet keiner daran, weil es darum geht, in Kurzfristsicht POLITISCHE Krisen zu verhindern (Flüchtlingskrise, Sicherheitskrise, politische Destabilisierung durch erstarkenden Nationalismus). Milliarden werden ausgegeben, um erklärtermaßen den „Zusammenhalt zu stärken“.

        Aber:

        Woanders arbeiten mittlerweile sogar LINKE Parteien daran, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken indem sie u. a. die Arbeitsgesetzgebung ändern (Frankreich, Italien).

        Es geht nur sehr schleppend voran und die politische Destabilisierung wächst. Das Risiko ist hoch, dass der Wettlauf zwischen Strukturreformen und Zerfall der Eurozone durch Stagnation bzw. Wohlstandsverluste für die Eurozone verloren geht. Denn Strukturreformen sind anfangs mit Wohlstandsverlusten verbunden – bei bereits hohen Wohlstandsverlusten (enorme Jugendarbeitslosigkeit). Konkret: In Spanien ist z. B. keine Regierung in Sicht. Da investiert auch niemand, eine labile Situation verschlechtert sich. Es kann alles passieren.

        Fazit:

        Eine zielführend GEWOLLTE Lösung ist politisch nicht möglich.

        Es gibt eine lange Eiszeit, die durch schleichende Wohlstandsverluste gekennzeichnet ist und irgendwann einmal durch Verweigerung der bzw. einiger Bevölkerungen beendet wird.

        Oder es gibt eine nur noch kurze Eiszeit, weil die Wohlstandsverluste schon so groß sind, dass die Verweigerung in absehbarer Zeit bevorsteht.

        Es geht im Grunde nur noch um den Zeitfaktor und den unmittelbaren Anlass.

        Fundamental ist systembedingt nichts zu ändern.

        Auch systembedingte Sanktionen werden nicht ewig helfen, das System im Modus der Eiszeit zu halten.

        Beispiel Brexit für die EU:

        Diesmal mag es noch helfen, den Leuten zu sagen, wenn ihr den Brexit wollt, dann schaut in dieses tiefe finstere Loch. Wollt ihr euch dort wiederfinden? Wenn es weiter abwärts geht – und nichts spricht dafür, dass sich das ändert – werden sich die Leute irgendwann im tiefen Loch wiederfinden WOLLEN.

      • Michael Stöcker says:

        Ja, es ist keine normale Krise. Aber: Auch ohne den Euro hätten wir in Deutschland massive Probleme, die sich schon gegen Ende der 80er Jahre abgezeichnet hatten. Diese Probleme wurden dann zuerst durch die Aufschuldungsprozesse im Rahmen der Wiedervereinigung überdeckt und anschließend durch die Aufschuldungsprozesse insbesondere Südeuropas. Ohne den Euro wären wir schon viel früher in eine disinflationäre Abwärtsspirale geraten und das Thema Helikoptergeld wäre vermutlich schon viel früher auf die Agenda gesetzt worden.

        Helikoptergeld nur im Konnex einer Eurorettung ist zu kurz gesprungen und überdeckt das Problem hinter dem Problem. Bislang ist mir nur Prof. Binswanger bekannt, der die monetäre Grundproblematik in gesättigten Märkten hinreichend beschrieben hatte:
        http://postwachstumsoekonomie.org/Binswanger-Vortrag-OL.pdf. Binswanger (Doktorvater von Ackermann) wurde/wird vom Mainstream leider nicht ernst genommen und/oder verstanden. Wie denn auch, wenn deren Modelle das Thema Geld bislang weitestgehend ignorieren. Von daher gibt es leider auch keine sachliche Debatte in den Medien.

        LG Michael Stöcker

  7. Andreas Müller says:

    @ Karl F.
    „Bei einer Inflationsrate von 2 Prozent sinkt das Vermögen innerhalb eines Jahres auf 44.786 Euro; das Helikopter-Geld ist dann schon weg.“
    Billige Rechnung, billiger Trick. Wenn man eine Inflationsrate von 2% reinsteckt, kommen Verluste bei unverzinstem Geldvermögen heraus, klar, aber auch ohne jedes Helikoptergeld. WÄRE die EZB mit der Inflationsrate im Ziel, würde Helikoptergeld die Inflation treiben: auch klar, aber eher nicht Realität.
    Das Helikoptergeld soll ja gegen die Deflation wirken und wird es wahrscheinlich auch, WENN es eine Deflation gibt. Die Bevölkerung in südeuropäischen Krisenregionen könnte sich etwas dafür kaufen, was sie offensichtlich dringend braucht. Ich habe von einer Sizilianerin gehört, die für ihre Enkel in Deutschland daheim ein Mitbringsel zu Weihnachten kaufen wollte: die Verkäufer haben sich wie die Geier auf sie gestürzt, wie sie es bei allen Kunden tun, weil es kaum welche gibt. Niemand kauft, weil sich niemand etwas leisten kann. Es soll viel schlimmer sein, als man hierzulande erfährt. Viele Deutsche könnten sich auch etwas leisten, was sie sonst nicht können. Leute, die sich immer etwas leisten konnten, würden sich ein wenig ärgern, weil es plötzlich viele andere auch wieder könnten, auch klar, aber unwichtig. Potenziell schädlich wäre, dass es die Motivation zum Arbeiten senken würde, aber wenn zuviel Kapazität und zu wenig Käufer da sind, wäre das ja evtl. positiv.
    Die Frage ist doch, wie es sich makroökonomisch auf 1-5 Jahre auswirken würde, insbesondere im Vergleich zu dem vielen billigen Kredit (an Banken), der wohl nicht gut gewirkt hat. Was sind die Alternativen? Druck zu Lohnerhöhungen in Deutschland? Währungsreform? Zu Beginn der D-Mark-Währungsreform hat es übrigens auch Helikoptergeld für jeden gegeben. Es hieß nur nicht so und war einmalig.

    Antworten
    • Karl F. says:

      @Andreas Müller
      Etwas enttäuscht bin ich übr die Formulierung „billiger Trick“. Die Berechnung über den Wertverlust bei Inflationierung ist entweder richtig oder falsch. Hier gibt es nichts zu „tricksen“. Streiten kann man über die Annahmen Freytags. Er geht davon aus, dass sich die Inflation irgendwann verselbsständigt, dass es nicht die heilige Zahl der EZB von 2%, sondern über mehrere Jahre hinweg mehr sein wird (5%), und dann zerschmilzt der Geldwert wie Schnee in der Frühjahrssonne.

      Auch wird man hinterfragen dürfen, was eigentlich passiert, wenn der erste Helikoptergeld-Schub, der für die von Ihnen angeführte enkelbeglückte Sizilianerin natürlich ein schönes Geschenk ist, nicht funktioniert. Dann wird wohl weiter „abgeworfen“ aus dem Helikopter, oder? Wenn man sich die politische Mannschaft ansieht, die uns europaweit regiert, wird immer weiter das Geld vermehrt werden, weil man an keine Reformen und keinen Schuldenschnitt machen will. Meine Meinung Ist (und Meinung heißt für mich, dass ich natürlich auch falsch liegen kann): Das wird die Eurowährung sukzessive zerstören. Die Leidtragenden werden aber Menschen wie Ihre sizilianische Oma sein, die „kleinen Leute“ eben, deren kleine Ersparnisse, deren vielleicht winzige private Altersversorgung wertmäßig nach einigen Jahren zerblasen werden. Und wenn wir in die Geschichte sehen, es läuft doch immer nach demselben Schema ab.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Wenn man sich die politische Mannschaft ansieht, die uns europaweit regiert, wird immer weiter das Geld vermehrt werden, weil man an keine Reformen und keinen Schuldenschnitt machen will.>

        So ist es – verständlicherweise, weil die Bevölkerungen jede Regierung sofort abwählen würde, die erforderliche Reformen und Schuldenschnitte durchführte.

        >Die Leidtragenden werden aber Menschen wie Ihre sizilianische Oma sein, die „kleinen Leute“ eben, deren kleine Ersparnisse, deren vielleicht winzige private Altersversorgung wertmäßig nach einigen Jahren zerblasen werden.>

        Es geht nicht vorrangig um die Ersparnisse der „kleinen Leute“.

        Es geht darum, dass die JUNGEN nicht in Brot und Arbeit kommen – bei welcher Bezahlung auch immer – und daher sich nicht die Kompetenzen aneignen können, um ein hinreichend großes BSP zu schaffen, dass ihnen und auch der sizilianischen Oma ein hinreichen auskömmliches Leben zu gewährleisten.

        Geld ist natürlich wichtig.

        Aber Geld – auch Helikoptergeld – schafft nicht per se bzw. durch dadurch ausgelöste Nachfrage die Wettbewerbsfähigkeit, die in einer globalen Welt für die Schaffung von Wohlstand erforderlich ist.

        Bestenfalls, vielleicht:

        Wenn dosiert eingesetzt, könnte Helikoptergeld möglicherweise ein Mittel sein, den Abstieg sozialverträglich zu gestalten.

        Dies würde ich c. p. als positiv bewerten.

      • Andreas Müller says:

        „…dass es nicht die heilige Zahl der EZB von 2%, sondern über mehrere Jahre hinweg mehr sein wird (5%),…“
        In Deutschland müsste die Inflation tatsächlich weit über 2% liegen, die 5% sind so falsch nicht. Das Problem dabei ist, dass es eine deutsche Öffentlichkeit gibt, die sich nur für die in Deutschland gefühlte Inflation interessiert und eine italienische, die nur die eigene Deflation sieht. Die Währungsunion war deshalb ein kapitaler Fehler. Hier ein von mir übersetzter Text (von 1995), der das Unterfangen mit dem Marxismus-Leninismus vergleicht:
        https://hintermbusch.wordpress.com/2016/02/10/erfindung-europas-vorwort-zur-2-auflage/
        Der Fehler ist gemacht worden, und nicht von den Südeuropäern allein. Es gibt nur zwei konstruktive Wege: einvernehmliche Auflösung der Währungsunion oder eine faire Lastenteilung innerhalb des Euro. Zu Letzteren kann zum Beispiel auch ein deutsche (Lohn-)Inflationsrate von 5% gehören, ja. Aber alle Versuche unter deutscher Führung, die Lasten vordergründig allein auf die Schuldner in Südeuropa abzuladen, ihnen neue (Not-)Kredite drauf zu packen und sie zu Austerität zu zwingen, sind ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und außerdem zum Scheitern verurteilt. Deutschland hängt so oder so mit drin und wird irgendwann eine Rechnung bekommen. Das vertuscht zu haben, ist das große Verbrechen der Regierung Merkel und der deutschen Medien. Das ist alles lange bekannt, nur nicht in Deutschland:
        http://blogs.telegraph.co.uk/finance/ambroseevans-pritchard/100013600/germany-is-the-ultimate-victim-of-emu/

    • Dietmar Tischer says:

      „Wenn“ verweist meinem Sprachverständnis nach genauso auf eine Bedingung wie „Falls“ – ich sehe keinen Unterschied.

      Ihr Verweis darauf, dass irgendwann nicht mehr dosiert werden könnte, ist richtig.

      ERSTE Überlegung, also vor allem Technischen und allen Überlegungen zu den Effekten bei dieser oder jener Dosierung, MUSS daher sein:

      WELCHE Instanz garantiert, dass möglicherweise auftretende stark negative Effekte dazu führen, das Experiment Helikoptergeld abzubrechen statt es verstärkt fortzuführen nach dem Motto „Es funktioniert schon, man muss nur die Dosis erhöhen“.

      Keine Instanz garantiert das, weil es keine gibt – wenn/falls die Notenbank UNABHÄNGIG ist.

      Die Befürworter von Helikoptergeld nehmen erkennbar folgende Position ein:

      Es braucht keine derartige Instanz zu geben, weil Helikoptergeld funktioniert, es also ÜBERFLÜSSIG ist, eine Garantie zu fordern.

      Das ist angesichts der Tatsache, dass Helikoptergeld noch nie richtig erprobt wurde, nichts weiter als ein GLAUBENSBEKENNTNIS.

      Antworten
  8. Johannes says:

    Entscheidend für die „Lösung“ der Krise und ein „Abkürzen“ bzw. Vermeiden der Eiszeit, sind die Parteien (hier sind nicht nur politische Gruppierungen mit gemeint), die die Macht dazu haben, die Verhältnisse zu ändern. Macht haben m.E. (in absteigender Reihenfolge):

    – Regierungen
    – politische Gruppierungen/Parteien
    – Lobbygruppen/Wirtschaftsverbände/Gewerkschaften/NGO´s
    – „der Wähler“

    Unsere früher (50er bis 80er Jahre) recht „homogene“ Gesellschaft ist inzwischen in eine fein ausbalancierte Interessengemeinschaft fragmentiert worden: Junge, Ältere, Alte, Arbeiter, Angestellte, Minijober, „hauptamtliche ALG II Bezieher (sage ich ohne jede Häme, sondern mit großer Sorge), Renter an der Armutsgrenze, Renter deutlich über der Armutsgrenze, Unternehmer, Selbstständige, „Flüchtlinge“ (gleich welcher Herkunft und ohne weitere Wertung), usw. …

    Diese Fragmentierung verhindert konstruktive Lösungen nicht nur – sie macht sie m.E. unmöglich.

    Stellen wir uns somit auf die Eiszeit ein.

    Antworten
  9. Dietmar Tischer says:

    Was die Fragmentierung anlangt, haben Sie Recht.

    Es gibt sie und sie spiegelt sich in der Parteienlandschaft. Ehemals hatten wir 3 Parteien, jetzt sind es 6, die den Willen des Volkes in dem Maß repräsentieren, dass sie Koalitionen und Regieren direkt oder indirekt mitbestimmen.

    Hier zum Hintergrund in den entwickelten westlichen Gesellschaften, der Korrelation ökonomischer Entwicklung nach WKII, die im Wesentlichen durch Schrumpfung des industriellen Sektors bzw. die Globalisierung gekennzeichnet ist, und dem Anstieg der politischen Volatilität:

    http://www.the-american-interest.com/2016/03/08/globalization-and-political-instability/

    Verständlich, dass die Bindungen an die Parteien abgenommen haben, d. h. vor allem die Gewerkschaften und die Kirchen, speziell die katholische, haben ihre Vermittlerrolle in Deutschland weitgehend verloren. Die SPD als Volkspartei – nach den letzten Landtagswahlen ist das ein Witz, ein freilich erschreckender, wenn sich die Führung dieser Partei diesen Status in Selbstsuggestion zuschreibt. Kurzum: zunehmende Destabilisierung.

    Dennoch:

    Sie verkennen den Wirkmechanismus in Demokratien.

    Ob mehr oder weniger Interessen von den Regierenden, sagen wir der Bundesregierung berücksichtigt werden müssen, spielt zwar eine Rolle für die Entscheidungsfindung der Regierung, d. h. die Ausdifferenzierung von Entscheidungen, ändert aber nichts daran, dass sie GEGEN Fundamentalwiderstände letztlich nichts durchsetzen kann – egal, ob die in Parteien organisiert sind oder nicht. Daran ändert auch nichts, dass sie DIE „Macht hat“.

    Aktuelles Beispiel:

    CDU/CSU und SPD sind aus humanitären Gründen für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen. Sie werden mit Sicherheit davon abrücken, wenn Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung in hinreichender Mehrheit – jenseits sonstiger Partikularinteressen – der Meinung ist, es sei genug. Entsprechende Tendenzen im Regierungshandeln sind erkennbar, auch wenn das nicht so ausgesprochen wird.

    Würden die Regierenden es nicht tun, destabilisierten sie das bestehende System.

    Das wollen sie zu Recht nicht.

    Genauso ist es mit den deutschen Geldsparern. Auch die verhindern m. A. n., dass die Bundesregierung – in welcher Parteienkonstellation auch immer – eine explizit vereinbarte und als gewollt erklärte Entschuldungslösung anstreben wird.

    Interessanter für die Entwicklung sind die schleichenden Tendenzen, die mit VERSCHLEIERUNG kommunikativ „angetestet“ und auch vorangetrieben werden:

    Dazu gehören die Diskussionen um die Abschaffung des Bargelds und Helikoptergeld. Selbst wenn alle Fachleute und die Regierungen deren Einführung für ein besseres Funktionieren der Währungsunion als notwendig erachten würden, sind sie zumindest HEUTE in Deutschland nicht durchsetzbar. Technische Funktionalität genügt nicht für die Realisierung.

    Spannend wird es bei der Einlagensicherung. Hier besteht ein starkes Bestreben, das europäische Bankensystem durch Sozialisierung der Haftungsrisiken zu stabilisieren. Das wird hierzulande unter Fachleuten diskutiert, ist aber hinsichtlich der Konsequenzen noch nicht bei den Bankkunden angekommen. Da das Thema relativ abstrakt ist, kann man es evtl. durchsetzen. Ich bin mir nicht sicher, wie das ausgeht. Die Karte Zypern könnte man jedenfalls als warnendes Beispiel immer ziehen. Es käme auch sehr darauf an, wie das Thema in welcher Situation medial aufbereitet würde.

    Kommt die Einlagensicherung durch, ist eine NEUE Basis für TRANSFERS in der Währungsunion geschaffen. Dann muss man neu bewerten, was noch alles möglich erscheint oder möglich ist.

    Antworten

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.