Bröckelt die Mittelschicht? – Beispiel für medialen “Spin”

In der letzten Woche wurde mal wieder das Ende der Mittelschicht ausgerufen. Morgen (12. Dezember 2021) beschäftige ich mich mit diesem Thema in meinem Podcast.

Basis war eine Studie der Bertelsmann Stiftung: → bertelsmann-stiftung.de: „Bröckelt die Mittelschicht?”, 1. Dezember 2021

Das war nicht das erste Mal in den letzten Jahren, dass mit dem vermeidlichen Schrumpfen der Mittelschicht, Schlagzeilen produziert wurden.

So war der Präsident des DIW Berlin im Mai 2016 in Medien und Talkshows omnipräsent mit seiner Aussage, dass die Mittelschicht in Deutschland

• schrumpft.
• Und nicht nur das: Es sei in der Entwicklung bei uns ähnlich schlimm wie in den USA.
• Klare Schlussfolgerung: Deutschland wird immer ungerechter.

Weniger Beachtung fand in den Medien dann ein paar Wochen später die Meldung, dass das DIW sich bei der Studie erheblich verrechnet hatte.

n-tv.de: „Gravierende Rechenfehler – DIW räumt Pannen bei Mittelstandsstudie ein”, 13. Mai 2016

  • Trotz dieses peinlichen Fehlers hielten die Forscher aber an der Aussage fest, dass die Mittelschicht seit dem Jahr 1991 geschrumpft sein.
  • Marcel Fratzscher, Präsident des in Berlin ansässigen DIW, schrieb sogar ein Buch mit dem Titel „Verteilungskampf – Warum Deutschland immer ungleicher wird“.
  • Die gewünschte Nachricht war in der Welt.
  • Egal ob sie stimmte – oder eben wie hier nicht.

Nun also die aktuelle Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Besonders deutlich vermeldete DER SPIEGEL (online) die Studie.

spiegel.de: „Das gebrochene Versprechen der sozialen Marktwirtschaft”, 1. Dezember 2021

Unter der Überschrift Das gebrochene Versprechen der sozialen Marktwirtschaft war zu lesen:

“Deutschlands sozialer Lift ist kaputt: Immer weniger Bürgerinnen und Bürgern gelingt der Aufstieg in höhere Einkommensgruppen – und zwischen den Generationen öffnet sich eine Kluft. »Die Institutionen der sozialen Marktwirtschaft sind immer weniger in der Lage, das soziale Aufstiegsversprechen tatsächlich einzulösen«, konstatiert die Bertelsmann Stiftung. Vor allem für die »untere Mitte« ist das Risiko des ökonomischen Abstiegs groß: Zwischen 2014 und 2017 rutschten 22 Prozent aus dieser Gruppe ab und waren arm oder von Armut bedroht. Zugleich haben sich die Chancen, aus der Armut den Aufstieg in die Mittelschicht zu schaffen, in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert, von 40 auf 30 Prozentpunkte.”

Das ist schon eine alarmierende Nachricht:

  • Die Marktwirtschaft bricht ihr Versprechen.
  • Aufstieg findet nicht mehr statt.
  • Für die „untere Mitte“ ist es besonders bitter, immerhin 22 Prozent rutschen ab und sind arm oder von Armut bedroht.
  • Und für Arme ist es schwerer, in die Mittelschicht aufzusteigen.

    Das sind Themen, die wir ernst nehmen müssen.

    Der SPIEGEL konzentriert sich in dem Artikel auf die Presseerklärung der Stiftung. Dort ist zunächst zu lesen, wie wichtig die Mittelschicht ist:

    “Die Mittelschicht ist ein wesentlicher Eckpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Eine breite Wohlstandsbasis hierzulande sorgt für eine starke Binnennachfrage, ist attraktiv für inländische wie ausländische Investitionen und lässt Innovationspotenziale zur Entfaltung kommen. Eine leistungsfähige Mittelschicht erbringt den Großteil des Steueraufkommens und trägt somit wesentlich zur Handlungsfähigkeit des Staates bei. (…) Eine stabile Mittelschicht sorgt für Vertrauen in demokratische Institutionen und damit auch für die Bereitschaft, sich in die Gestaltung des Systems einzubringen. Gesellschaftliche Fliehkräfte werden im Zaum gehalten. Dies ist gerade in der heutigen Zeit von enormer Bedeutung, da sich die großen Herausforderungen durch Digitalisierung, Transformation zur Nachhaltigkeit und demografischen Wandel nur mit gesellschaftlichem Zusammenhalt bewältigen lassen.”

    Dieser Analyse kann man nur zustimmen. Umso bedenklicher ist die Schlussfolgerung der Stiftung: Die deutsche Mittelschicht bröckelt.

    Es lohnt sich, die Kernnachrichten durchzugehen.

    Beginnen wir mit der Definition des Begriffs „Mittelschicht“, der gar nicht so eindeutig ist, wie die Studie erklärt:

    “(Es) bezeichnen sich etwa 73 Prozent der Menschen in Deutschland selbst als Teil der Mit- telschicht. Es ist jedoch gut dokumentiert, dass es einen „Mittelschichts-Bias“ gibt, das heißt, dass viele Menschen sich selbst als Teil der Mittelschicht begreifen, obwohl ihre sozioökonomischen Verhältnisse etwas anderes vermuten lassen. Daher kann es problematisch sein, sich bei der Untersuchung des wirtschaftlichen Wohlergehens von Mittelschichtshaushalten auf subjektive Einschätzungen des eigenen Status zu verlassen.”

    Nun könnte man natürlich sagen, dass es darauf ankommt, wie die Menschen sich selbst wahrnehmen, ist das doch vermutlich ein klareres Zeichen für das Glücksgefühl. Aber die Stiftung möchte es lieber an finanziellen Kategorien festmachen, was wiederum auch nicht falsch ist, wissen wir doch, dass finanzielle Autonomie mit mehr Zufriedenheit einhergeht:

    “In dieser Studie wird eine einkommensbasierte Definition der Mittelschicht verwendet. (…) Laut dieser Definition gehören jene Personen zur Mittelschicht, die in Haushalten mit einem verfügbaren Einkommen im Bereich von 75 bis 200 Prozent des nationalen Medians leben. Diese Spanne entsprach im Jahr 2018 einem monatlich verfügbaren Einkommen von etwa 1.500 bis 4.000 Euro im Fall einer alleinstehenden Person und von 3.000 bis 8.000 Euro im Fall eines Paares mit zwei Kindern.”

    Kann man sicherlich so machen. Und wer ist das dann konkret?

    “Die Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und in öffentlichen Dienstleistungen, das heißt in der öffentlichen Verwaltung, im Bildungssektor und im Gesundheits- und Sozialwesen, bilden das Rückgrat der Beschäftigung in der Mittelschicht. Sie repräsentieren mehr als die Hälfte (54 Prozent) aller Erwerbstätigen mit mittleren Einkommen.”

    Ganz wichtig ist hier das „verarbeitende Gewerbe“, das immerhin für 5,5 Millionen Beschäftigte in Deutschland steht. Das unterstreicht auch die Bedeutung dieses Sektors, weshalb wir vorsichtig mit dem Umbau unserer Wirtschaft vorgehen müssen, wollen wir hier nicht überproportionale Arbeitsplatzverluste riskieren.

    Und das ist vor allem deshalb wichtig, weil die Mittelschicht den Sozialstaat trägt:

    “Die deutsche Mittelschicht ist im Durchschnitt eine Nettozahlerin des Steuer- und Sozialversicherungssystems: Die Summe der auf das Einkommen gezahlten Steuern und Sozialversicherungsbeiträge übersteigt im Jahr 2018 mit 39 Prozent gegenüber 27 Prozent den Gesamtwert der erhaltenen Sozialleistungen.”

    Allerdings mit einer wichtigen Präzisierung:

    “Innerhalb der mittleren Einkommensgruppen sind nur die mittlere und obere Mitte tatsächlich Nettobeitragszahlerinnen. Haushalte in der unteren Mitte erhalten etwa 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens in Form von Transfers. Demgegenüber zahlen sie 29 Prozent an Steuern und Abgaben. Sie sind folglich Nettoempfänger des Steuer- und Sozialversicherungssystems.”

    Das ist eine wichtige Präzisierung, auf die wir genauer eingehen. Aber der Reihe nach.

    Die Kernaussage der Studie:

    Die deutsche Mittelschicht bröckelt: 1995 zählten noch 70 Prozent der Bevölkerung zur mittleren Einkommensgruppe, 2018 waren es nur noch 64 Prozent.

    • Im Prinzip die gleiche Aussage wie die des DIW vor fünf Jahren.
    • Keine Veränderung.
    •  Gegenüber dem Jahr 1995 eine Veränderung um sechs Prozent-Punkte.

    Der genauere Blick:

    Deutschland steht im internationalen Vergleich nicht schlecht da

    So schreibt die Stiftung:

    “Nach der oben genannten einkommensbasierten Definition gehörten 2018 etwa zwei Drittel (64 Prozent) der Menschen in Deutschland zur Mittelschicht, etwas mehr als im Durchschnitt der OECD-Länder mit 62 Prozent.”

    Quelle: Bertelsmann Stiftung

    • Das bedeutet, wir liegen auf einem Niveau mit der Schweiz, Schweden, Frankreich (jeweils 1 – 2%-Punkte mehr), aber deutlich vor UK, von den USA ganz zu schweigen.
    • Was auffällt – und darauf kommen wir noch genauer – dass wir mit zehn Prozent Einkommensarmen über den anderen Ländern liegen, die eine ähnlich große Mittelschicht aufweisen.
    • Interessant dabei auch: Schweden liegt mit elf Prozent vor uns.

     So weit, so gut. Blicken wir genauer auf den Rückgang

     Seit 2005 ist die Mittelschicht stabil – immerhin 15 Jahre

    Die Studie beschreibt Entwicklungen, die schon recht lange zurückliegen:

    “Die deutsche Mittelschicht ist kleiner als noch Mitte der 1990er Jahre. Zwischen 1995 und 2018 ist sie um 6 Prozentpunkte geschrumpft, von 70 auf 64 Prozent der Bevölkerung. Der Großteil dieses Rückgangs fand in den frühen 2000er Jahren statt, als sich die Einkommensunterschiede in Deutschland vergrößerten. Die mittlere Einkommensgruppe in Deutschland erholte sich trotz des Wachstums der Beschäftigung ab dem Jahr 2005 nicht (…).

    Das heißt im Klartext:

    • Seit 2005 ist die Mittelschicht stabil. Das sind immerhin 15 Jahre.
    • Von einem Rückgang kann keine Rede sein, man muss von einem fehlenden Wachstum sprechen.
    • Im Kern widerspricht die Analyse der oft zitierten These, dass in Deutschland immer mehr Menschen in Armut abrutschen.
    • Erste Daten weisen laut der Analyse vielmehr darauf hin, dass während der Corona-Krise vor allem Menschen mit mittlerem Einkommen dank staatlicher Hilfen überdurchschnittlich Einkommen dazugewonnen haben, während Spitzenverdiener Einbußen verkraften mussten.

    Und wenn man dann auf die Liste der OECD-Länder blickt, stellt man fest, dass vielleicht zwei bis drei Prozentpunkte mehr drin wären, und zwar vor allem durch eine kleinere Gruppe der Armen bzw. armutsgefährdeten. Die Top-Verdiener sind bei uns nicht häufiger als im nun wirklich nicht als ungerecht bekannten Frankreich.

    Kein Wachstum der Mittelschicht trotz guter Konjunktur

    Die Bertelsmann Stiftung hätte angesichts der guten Konjunktur der letzten Jahre vor Corona erwartet, dass die Mittelschicht wieder wachsen würde:

    “Die mittlere Einkommensgruppe in Deutschland erholte sich trotz des Wachstums der Beschäftigung ab dem Jahr 2005 nicht, da das verfügbare Einkommen der Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen real stagnierte.”

    Das klingt schlecht und deshalb wird es auch betont.

    • An anderer Stelle wird aber festgestellt, dass Deutschland seit 2015 einen „soliden Anstieg der verfügbaren Einkommen aller Haushalte unabhängig von ihrer Position in der Einkommensverteilung“ erlebe. Also kein Abhängen der Mittelschicht.
    • Diese positive Erkenntnis deckt sich mit dem im November erschienenen Verteilungsbericht des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Instituts (WSI). Darin war zu lesen, dass die Abstiegsängste und finanziellen Sorgen in der Mittelschicht in den vergangenen zehn Jahren stetig zurückgegangen sind, was unter anderem auf die gesunkene Arbeitslosigkeit zurückgeführt wird.

    Und witzig: Ausgerechnet das DIW, also die Kollegen von Marcel Fratzscher, haben im Frühjahr 2020 – also vor Corona – vermeldet, dass die Ungleichheit ABNIMMT. Statt zu wachsen, sinke das Verhältnis zwischen kleinen und großen Stundenlöhnen nämlich, und zwar kräftig:

    “Nach einer langen Phase des Rückgangs oder der Stagnation sind die Bruttostundenlöhne in Deutschland zwischen 2013 und 2018 im Schnitt um mehr als acht Prozent real gestiegen. Gerade das unterste Dezil, also die zehn Prozent der Beschäftigten mit den geringsten Stundenlöhnen, verzeichnete (…) einen überdurchschnittlichen Anstieg, was die Lohnungleichheit spürbar zurückgehen ließ.”

    diw.de: „Lohnschere in Deutschland schließt sich langsam – Zahl der Geringverdienenden geht zurück”, 12. Februar 2021

    Klartext: Ohne Corona hätten wir wohl ein Anwachsen der Mittelschicht gehabt. Dann hätte es allerdings auch keine Aufmerksamkeit für die Studie und die gewünschten Schlagzeilen gegeben.

    Das Problem liegt bei den unteren Einkommensgruppen

    Doch blicken wir genauer hin. Es ist nämlich nicht „die Mittelschicht“, die geschrumpft ist, sondern es sind die unteren Einkommensgruppen, wie die Studie betont:

    “Die Verkleinerung der mittleren Einkommensgruppe in den frühen 2000er Jahren spiegelt hauptsächlich eine Schrumpfung der unteren Mittelschicht wider, das heißt des Anteils der Haushalte mit einem Einkommen von 75 bis 100 Prozent des Medians; die mittlere und die obere Mittelschicht sind weitgehend stabil geblieben. In der Zwischenzeit ist der Anteil der Haushalte mit niedrigen (…) Einkommen gestiegen.”

    Wir haben also den Effekt, dass Teile der unteren Mittelschicht abgerutscht sind in die Gruppe mit geringem Einkommen. Und dieser Effekt ist durchaus deutlich:

    “Zwischen 2014 und 2017 rutschten 22 Prozent der Personen in der unteren Mittelschicht im erwerbsfähigen Alter in die untere Einkommensschicht. Für sie war das Abstiegsrisiko damit dreimal höher als im mittleren und sogar sechsmal höher als im oberen Teil der Mittelschicht.”

    Darüber, was genau passiert ist, gibt die Studie hier interessante Anhaltspunkte:

    Grund Nummer 1: Die Jugend braucht länger, um zur Mittelschicht zu gehören

    “(…) bei den 18- bis 29-Jährigen ist das Risiko, aus der Mittelschicht herauszufallen, doppelt so groß wie bei älteren Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter. (…) Die hohe Abwärts- mobilität könnte zumindest teilweise darauf zurückzuführen sein, dass viele junge Menschen einen Rückgang des (Haushalts-)Einkommens verzeichnen, wenn sie aus dem Elternhaus ausziehen.”

    Daraus folgern die Autoren, dass es

    • „vor allem für junge Menschen immer schwieriger wird, sich ihren Platz in der Mittelschicht zu sichern”.
    • Im Alter zwischen 20 und 39 Jahren hätten 71 Prozent der Babyboomer (Geburtsjahrgänge 1955 – 1964) zur Mittelschicht gehört.
    • Bei den Millennials (Anfang der 1980er- bis Mitte der 1990er-Jahre Geborene) seien es im selben Alter nur noch 61 Prozent.
    • Allerdings könnte es auch daran liegen, dass die Jüngeren heute im Schnitt länger studieren und deshalb oft erst später Geld verdienen als ihre Eltern.

    Für Letzteres spricht die folgende Aussage, die sich zwar in der Studie findet, aber nicht in den meisten Medien:

    “Gleichzeitig haben junge Menschen aber auch eine höhere Chance, in die Mittelschicht aufzusteigen. (…) Eine hohe Aufwärtsmobilität dürfte in vielen Fällen das Ergebnis eines starken Einkommenszuwachses zu Beginn des Berufseinstiegs sein.”

    Vieles spricht also dafür, dass es sich um einen zeitlichen Verzögerungseffekt handelt und man eben nicht daraus schließen kann, dass die Mittelschicht weiter schrumpft. Was sie auch nicht tut.

    Grund Nummer 2: Bildung wird wichtiger

    Die Bedeutung der Bildung hat in den letzten Jahren – wenig überraschend – zugenommen, stellt die Studie fest:

    “Personen mit niedrigem Bildungsniveau und Personen in unteren Berufsklassen haben ein größeres Risiko, aus der Mitte herauszufallen. Das Risiko, eine Position mit einem mittleren Einkommen zu verlieren, ist für ungelernte Arbeitskräfte und für Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder Abitur mit 16 und 22 Prozent etwa viermal so hoch wie für Fach- und Führungskräfte und für Personen mit Hochschulabschluss.”

    Das kann in einer zunehmend spezialisierten Welt nicht wundern. Wichtig ist aber, dass das keine Aufforderung für mehr Akademisierung sein sollte. Denn nicht nur ein Hochschulabschluss erhöht die Chancen, auch Menschen mit einem Meistertitel gehören oft zur Mittelschicht, was angesichts der demografischen Entwicklung in Zukunft wohl noch mehr zutreffen wird.

    Grund Nummer 3: Die Migration

    Kommen wir zu einem Punkt, der in den meisten Artikeln über die Studie – ARD, ZDF, MDR, taz, ZEIT ONLINE – mit keinem Wort erwähnt wird. Die Migration:

    “Migranten unterliegen einem größeren Abstiegsrisiko als in Deutschland geborene Personen. Das Risiko, aus der mittleren Einkommensgruppe herauszufallen, ist für im Ausland geborene Personen höher als für Einheimische. Unter den Einheimischen ist die Abwärtsmobilität bei denjenigen, die von zugewanderten Eltern abstammen, größer.”

    Und weiter:

    “Die Wahrscheinlichkeit, dass Zugewanderte der Mittelschicht angehören, ist geringer als Mitte der 1990er Jahre, was jedoch die veränderte Zusammensetzung der deutschen Bevölkerung mit Migrationshintergrund widerspiegeln könnte. (…) Zu Beginn des Beobachtungszeitraums, im Jahr 1995, stammten die meisten Migranten aus mittel- und osteuropäischen Ländern, der Türkei oder Italien. Die Zunahme sogenannter humanitärer Migranten ab 2015 führte zu einem Anstieg des Anteils von Immigranten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, die möglicherweise länger brauchen, um sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren und in die Mittelschicht aufzusteigen.”

    Ein politisch heikles Thema. Und auch die Studienautoren versuchen hier auf einen Sondereffekt der Migration des Jahres 2015 zu verweisen. Das stimmt aber so nicht. Denn Migration ist der entscheidende Faktor, wenn es darum geht, die Zunahme des Armutsrisikos und den zunehmenden Druck auf die unteren Einkommensgruppen zu erklären:

    • Das Problem bestand schon vor der Migrationswelle des Jahres 2015: Laut Daten des „sozioökonomischen Panels“ des DIW lag schon 2012 das Einkommen von Menschen mit Migrationshintergrund deutlich unter dem Niveau der hier lebenden Bevölkerung.
    • Besonders wenig verdienten dabei die Migranten aus „arabischen und anderen muslimischen Ländern“ mit monatlichen Nettoverdiensten von 1.153 Euro bei zugleich deutlich geringerer Erwerbsbeteiligung.
    • Herausstechend ist das erhebliche Armutsrisiko der hier lebenden 2,9 Millionen türkischstämmigen Menschen: Immerhin 36 Prozent gelten als armutsgefährdet. Jeder Zehnte von Armut bedrohte hat türkische Wurzeln.
    • Hinter dieser bestürzenden Entwicklung steht vor allem das schlechte Qualifikationsniveau der Migranten aus diesen Regionen und ihrer Nachkommen. So haben unter den heute 17- bis 45-Jährigen mit türkischen Wurzeln 40 Prozent höchstens die Hauptschule abgeschlossen; 51 Prozent haben nach der Schulzeit keinen Berufsabschluss erreicht.
    • Die Erwerbsquote von Frauen und Männern liegt zudem deutlich unter dem der übrigen Bevölkerung. Gelänge es, die türkischstämmige Bevölkerung auf das Niveau der übrigen Einwohner zu heben, ginge die allgemeine Armutsquote auf das Niveau von 2005 zurück.

    Und das spielt auch bei der Entwicklung der Armut eine Rolle:

    Bereits 2017 habe ich in einem Beitrag für das manager magazin folgende Rechnung aufgemacht:

    • Nach Daten des statistischen Bundesamtes ist die Armutsquote – definiert als weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens – in den letzten Jahren gestiegen. Von 10,8 Prozent (1995) auf 12,6 (2005) und 13,9 (2014). Dabei sind unterschiedliche Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich vom Armutsrisiko getroffen: Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund liegt das Risiko demnach bei 11,3 Prozent. Bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist das Risiko deutlich höher. Menschen mit “direktem Migrationshintergrund” haben ein Risiko von 22,2 Prozent, jene mit “indirektem” (also Nachkommen von nach Deutschland eingewanderten Menschen) immer noch ein Risiko von 16,1 Prozent.
    • Legt man die Bevölkerungsanteile im Schnitt der Jahre 2012 bis 2014 zugrunde, waren rund 6,8 Millionen Deutsche ohne Migrationshintergrund vom Armutsrisiko betroffen, 2,35 Millionen Menschen mit direktem Migrationshintergrund und 1,65 Millionen mit indirektem. 
    • Bekanntlich steigt seit Jahren der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, was zu der interessanten Erkenntnis führt, dass der Zuwachs der statistischen Armut auch viel mit der Zusammensetzung der Bevölkerung zu tun hat. Folgende Rechnung mag das verdeutlichen: Bei Annahme gleicher Armutsquoten der Bevölkerungsgruppen wie im Jahre 2014 genügt ein Anstieg des Anteils der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von 22 auf den heutigen Wert von 25,6 Prozent, um den Anstieg der Gesamt-Armutsquote seit 2005 zu erklären.

    Zwischen-Fazit zum Thema „Druck auf die unteren Einkommensgruppen“:

    Der entscheidende Einflussfaktor ist unsere Art der Migration, die auf verschiedene Weisen wirkt:

    • höhere Anzahl Unqualifizierter (Mengeneffekt)
    • Druck auf die bereits hier lebenden Menschen in den unteren Einkommensschichten (Wettbewerb)
    • Verstärken des Wertes von Qualifikation als differenzierter Faktor

    Mit Blick auf den „Rückgang der Mittelschicht“ würde ich sagen: Das von den Autoren vermisste Anwachsen der Mittelschicht seit 2005 ist nur deshalb nicht eingetreten, weil wir Zuwanderung von überwiegend gering qualifizierten Menschen haben.

    Dazu passt die bereits zitierte Aussage:

    “Zwischen 2014 und 2017 rutschten 22 Prozent der Personen in der unteren Mittelschicht im erwerbsfähigen Alter in die untere Einkommensschicht. Für sie war das Abstiegsrisiko damit dreimal höher als im mittleren und sogar sechsmal höher als im oberen Teil der Mittelschicht.”

    Der Wettbewerb ist im unteren Einkommensbereich deutlich angestiegen. Die Folge muss Lohndruck sein. Das zeigen auch Studien: In Ländern, in denen Zuwanderung Unqualifizierter stattfindet, wirkt das negativ auf die Löhne im unteren Bereich.

    Keine Rocket Science.

    Dies schlägt sich dann in einem wachsenden Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund als Empfänger von Hartz-IV-Leistungen nieder. Während bis zur Corona-Krise dank der guten Arbeitsmarktlage die Zahl der deutschen „Regelleistungsbezieher“ auf zuletzt 3,4 Millionen (5,8 Millionen im Jahr 2007) sank, stieg die Anzahl der Empfänger mit Migrationshintergrund auf zwei Millionen (1,3 Millionen im Jahr 2007). Diese erhielten 12,9 Milliarden Euro. Alleine 6,1 Milliarden Euro entfielen auf Menschen aus den acht wichtigsten Asyl-Herkunftsstaaten.

    Das sind schlechte Nachrichten für die Zukunft. Wir wissen ja, dass die Ampel-Koalition eine besonders liberale Zuwanderungspolitik betreiben möchte. Das heißt, der Druck auf die untere Mittelschicht bleibt bestehen.

    Die Mobilität hat abgenommen – oder nicht?

    Als eine wesentliche Aussage wurde in den Medien aufgegriffen, dass die soziale Mobilität abgenommen hätte. Oft im Titel, verbunden mit „gebrochenen Versprechen der sozialen Marktwirtschaft”.

    Auch dies stellt sich bei der Lektüre der Studie nicht so einfach da. Dort ist zu lesen:

    “(…) Personen, die mit einem niedrigen Einkommen leben (haben), gute Chancen, in die mittlere Einkommensgruppe aufzusteigen. Von denjenigen, die mit einem Einkommen leben, das sie als einkommensarm oder armutsgefährdet einstuft, schafft jeder Dritte über einen Zeitraum von vier Jahren den Aufstieg in die mittlere Einkommensgruppe. (…) Die Chancen von Migranten, in die mittlere Einkommensgruppe aufzusteigen, sind ähnlich wie bei in Deutschland geborenen Personen.”

    Um das zu verdeutlichen: Die Chance zum Aufstieg aus Armut ist demnach größer als die Gefahr, aus der Mittelschicht abzurutschen. 

    Dennoch haben wir auch hier wieder das Problem in der unteren Mittelschicht. Die Studie hält fest:

    “(…) das Risiko, in die Gruppe der Armutsgefährdeten oder Einkommensarmen abzurutschen (ist) für Personen in der unteren Mitte heute um etwa 4 Prozentpunkte höher als noch Ende der 1990er Jahre. Dies könnte ein Zeichen für einen im Anschluss an die Reformen des deutschen Sozialversicherungssystems in den frühen 2000er Jahren schwächer gewordenen Einkommensschutz für Arbeitnehmer und Haushalte in der unteren Mitte der Einkommensverteilung sein. Eine weitere Erklärung könnte der gestiegene Anteil von Migranten an der Gesamtbevölkerung sein, von denen viele zu den unteren Einkommensgruppen gehören.

    Auch auf die gemessene Einkommensmobilität muss sich naturgemäß die Zuwanderung in den unteren Einkommensbereich auswirken.

    Fazit

    • Die Medien in Deutschland lieben Studien anerkannter Institutionen, die eine seriös-akademische Grundlage für die eigene Weltanschauung liefern. Passen die Aussagen in das gewünschte Bild, können die Studienautoren sichergehen, dass ihnen höchste Aufmerksamkeit zuteilwird.
    • Die Journalisten müssen sich dazu nicht einmal durch die Details dieser Studien arbeiten, werden doch Presseerklärungen und knappe Zusammenfassungen gleich mitgeliefert. Diese werden dann – oft ohne groß hinterfragt zu werden – in die Welt getragen.
    • Nicht selten geben die Autoren oder Auftraggeber der Studien in Zusammenfassung und Presseerklärung den Studien einen „Spin“, der sich aus der eigentlichen Studie gar nicht ergibt.
    • All dies muss man im Hinterkopf haben, wenn wieder eine Studie in den Medien promotet wird, mit dem Ziel, bestimmte politische Entscheidungen herbeizuführen oder zu rechtfertigen.

     Das gilt besonders beim Thema der „Ungleichheit“.

    • Dabei zeigen Zahlen der OECD, dass Deutschland eines der Länder mit der geringsten Einkommensungleichheit ist und das Land mit dem geringsten Armutsrisiko. 
    • Der Anstieg des Armutsrisikos und der Druck auf die unteren Einkommen lässt sich mit dem gestiegenen Anteil der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund erklären.
    • Übrigens trägt die Zuwanderung auch zu einer höheren Ungleichheit der Vermögensverteilung bei, einfach deshalb, weil die Migranten überwiegend kein Vermögen besitzen.
    • Wir werden also, weil wir ein hilfsbereites Land sind und Menschen Asyl geben oder ihnen unabhängig von Qualifikation Zugang gewähren ein immer „ungerechteres Land“, woraus dann Rufe nach mehr Umverteilung und höheren Steuern abgeleitet werden.

    Das finde ich zumindest „befremdend“.

    Kommentare (48) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
    1. Thomas M.
      Thomas M. sagte:

      Ein Gedanke, den ich noch hatte: Um die sozioökonomische Schicht ordentlich zu bestimmen, müsste man die Kaufkraft mit einem Warenkorb bestimmen, der vor allem auch Miete/Immo-Finanzierung und Krankenkasse (ggf. sogar mit Zuzahlungen im Falle von Leistungskürzungen) – zwei sehr große Posten – enthält.

      Wenn die Wohnkosten und Krankenkassenbeiträge (Stichwort: steigende Beitragsbemessungsgrenze bei gleichen Beitragssätzen) sowie Energiepreise (Heizen, Strom) und Mobilitätskosten sukzessive schneller als Einkommen steigen (vor allem in Ballungsgebieten der Fall), führt das zu einer sozioökonomischen Umschichtung, obwohl die medianbasierte Definition der Schichten gleich bleibt.

      Das scheint mir der aktuelle Trend.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        Richtig, was den aktuellen und sehr wahrscheinlich anhaltenden Trend und NUR auf das EINKOMMEN bezogen die medianbasierten Schichten betrifft.

        Weil die sich nur wenig verändern, gibt es „keine Spaltung der Gesellschaft“ (Kanzler Scholz).

        Das ist Schönrednerei oder das Pfeifen im Walde.

        Denn die KOSTEN- und ABGABENSTEIGERUNGEN, die Sie benannt haben, sprechen eine andere Sprache.

        Am Ende des Tages entscheidet nicht eine Medianbetrachtung darüber, ob die Mittelschicht als „bröckelnd“ anzusehen ist, sondern die konkreten Lebensverhältnisse.

        Dies nicht mit zu thematisieren, ist der eigentliche „Spin“.

        Antworten
    2. Schwarzenberg
      Schwarzenberg sagte:

      Die neue Bundesregierung ist durchaus aufgeschlossen gegenüber weiterer unqualifizierter Immigration. Das ist schade, aber bei dieser Farbpalette nicht verwunderlich.
      Die Ungleichheit muss zunehmen, und zwar aufgrund der Gesetze der Mathematik. Der Zinseszinseffekt greift schließlich auch bei Aktienveranlagungen und Immobilienbeteiligungen.
      Bezüglich der Definition der Mittelschicht wäre es meines Erachtens erforderlich, zu betrachten, welches Einkommen nach Abzug von geschuldeten Wohnungsmieten übrig bleibt. Wer es nicht mehr ins Eigentum schafft, hat sicher eine schlechtere Ausgangsposition.

      Antworten
      • Namor
        Namor sagte:

        Es ist nicht nur der Zinseszins. Auch Eigenschaften werden vererbt bzw vorgelebt. Menschen mit ähnlichen Eigenschaften teilen sich Lebensräume, finden sich, vermehren sich. Hybride ist aufgrund der Gruppengröße sicher nicht zutreffend, aber hinsichtlich Assets-Kumulation oder eugenetischer Überlegungen (rein theoretisch versteht sich) spannend.

        Antworten
      • Namor
        Namor sagte:

        Immigration:
        Spannend sind hier auch Überlegungen zur Emigration. Talentierte wanderten schon vor Corona ab, eine Impfpflicht, bzw die Diskussion darüber, bzw die Nachteile als Ungeimpfte (Quarantäne bei Grenzübertritt, etc.), wird so manchen Anywhere bewegen. Vor allem diejenigen, deren Wurzeln auch in andere Länder reichen.
        Wenn bestimmte Zuwanderungsgruppen dem Impfnarrativ nicht folgen, so haben diese eine ganz andere Exitstrategie, als hier verwurzelte Querdenker. Remugration von Türken scheint doch höher als man gemeinhin meint, Corona könnte hier ein Boost auslösen, vielleicht sogar einen Ketchup-Effekt.

        Für mich vor allem interessant, bzgl Immo, die ja unter demographischen Druck geraten sollen. Emigration ist dann vielleicht ein Brandbeschleuniger.

        Antworten
        • Dr. Lucie Fischer
          Dr. Lucie Fischer sagte:

          @Namor
          ” Spannend sind hier auch Überlegungen zur Emigration”
          Globalisierung mit allen Konsequenzen verstehen:
          Die Pandemischen Notstands-Massnahmen, vorbereitet, geplant und durchgesetzt mit strategischen Plänen, zerstören die Illusion von freieren Ländern.
          In Deutschland ” seit längerem” schon ein General dabei, nicht erst seit von der neuen Bundesregierung verkündet.
          David gegen Goliath ,
          wir haben nur die Schleudern von Kreativität, wieder sind alte Heuristiken die einzige Chance zum Überleben, physisch und psychisch:
          https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lesen/LU17/1SA.17/1.-Samuel-17

        • Namor
          Namor sagte:

          @fischer
          “frei Länder”
          Bei Lichte betrachtet hat seit 1914 jedes (nennenswerte) Land den Krieg verloren, auch wenn einige sich noch heute als Sieger feiern. Die Angelsachsen haben gewonnen. Freier Handel wird vor allem dann forciert, wenn die Handelswege kontrolliert werden können. Deutschland mit seiner Erfahrung der, über den Friedensschluß hinausgehenden, Hungerblockade, weiß um seine Abhängigkeit. Alle anderen wissen um ihre auch. Freiheit ist eine inszenierte Attraktion im Menschenpark.

      • @foxxly
        @foxxly sagte:

        @ schwarzenberg
        die einwanderung ist eine win-win-situation, mindestens für zwei große interessensgruppierungen:
        – eine große gruppe verdient sich daran dumm und dämmlich
        -die andere gruppe geilt sich (fanatisch/ideologisch) an der erfolgversprechenden umvolkung auf.

        die dritte gruppe eher undefiniert, weil es die masse ist, kapiert nichts und finanziert diese fatale entwicklung, teils sogar noch gerne.

        Antworten
    3. JürgenP
      JürgenP sagte:

      Ein Blick in die Bertelsmann-Studie verrät:

      „Die Mittelschicht ist indessen ein komplexes soziales Konstrukt, für das es keine eindeutige Definition gibt. Die Indikatoren, die zur Definition und Untersuchung der Mittelschicht verwendet werden, variieren zwischen den Disziplinen, aber auch innerhalb jeder einzelnen von ihnen, ganz erheblich“.

      … komplexes soziales Konstrukt. So, so.

      Konstrukt ohne Definition. Wie konstruiert man sowas …

      Aha. „In dieser Studie wird eine einkommensbasierte Definition der Mittelschicht verwendet“.

      Weil: „Das Einkommen ist eine entscheidende Determinante des Lebensstandards der Menschen und vieler Aspekte ihres Wohlbefindens“.

      PDF-Check: Definition für „komplex“ im Kontext “komplexes soziales Konstrukt” > Fehlanzeige.

      Wenn die „Mittelschicht“ tatsächlich ein komplexes Etwas sein sollte, so ist die gewählte Methode der Reduktion auf nur einen Sachverhalt (Einkommen) vollkommen ungeeignet zur Identifikation von Vernetzungen und Ableitung von Mustern oder Einflussmöglichkeiten. Genauso gut hätte die Studie auf das Schwarze unter den Fussnägeln der Bewohner dieses Landes aufsetzen können. Dann hätten die Barfussläufer die großen Chancen zum Auf- oder Abstieg, je nach Gusto der Institution.

      Mit der blumig umschriebenen Erkenntnis, dass mehr (Aus-)Bildung zu mehr Einkommen verhelfen kann, kann man Politiker für die Installation überflüssiger Hilfsprogramme hinter die Fichte führen – weil sie diesen Quatsch aus reiner Zeitnot nicht hinterfragen (können). Das ist wohl der ganze Zweck solcher “simplifizierenden sozialen Konstrukte“ (Studien).

      Antworten
    4. Namor
      Namor sagte:

      @Alexander
      Danke!
      @Tom96
      Auch Danke, aber bitte etwas weniger kryptisch, bin ich doch ein einfach gestrickter Mensch ohne nennenswertem Finanzwissen.

      Antworten
    5. Dr. Lucie Fischer
      Dr. Lucie Fischer sagte:

      ” Schicht-Zugehörigkeit” kann sich ( vorübergehend, unstabil ) durch ” Herkunft” oder ( robuster ) durch eigene Leistung ergeben. Dynamischer Prozess , ohne Bestands-Garantie.
      In der ganzen ” Unter-Mittel-Ober-Schicht Debatte ist das Betonen des für Wohlstand erforderlichen individuellen Leistungs-Prinzips vollkommen verloren gegangen.
      ( Idee des ” bedingungslosesn Grundeinkommens” für Glück, Selbstverwirklichung/ Kreativität usw.) .
      Geradezu typisch ist der allererste Satz des frisch gewählten Gesundheitsminister Lauterbach
      ( ” Minister der Herzen”/ BILD nach Reichelt ) , er versicherte:
      ” Niemand muss befürchten, dass Gesundheitsleistungen durch Coronamassnahmen eingeschränkt werden”. ( sinngemäss)
      Das Kosten-Intransparente und dadurch bis in die Knochen korrupte Gesundheits-System ist bestens geeignet, sämtliche Illusionen aufrecht zu erhalten, der Staat sorge für alle , bezahle und garantiere alles .
      ” All-inclusive -Phantasie ” , weder Selbstverantwortung , gesunder-Lebensstil noch finanzielle Eigenbeteiligung, , doctor-hopping & doctor-shopping:
      Chipkarte 1x im Quartal genügt, man lässt sich beliebig ” krank -schreiben” ( und Ärzte beteiligen sich am Betrug ) , beantragt ” Kuren” / Ferien auf Krankenschein/ , magischer Glaube an Pillen und Medikamente, je mehr, desto wirksamer.
      NOCH magischer , weil invasiv : Injektionen/ Infusionen.
      Aktuell: ” Booster” -Hype statt klare Ansage von x -mal zu erzwingenden Wiederholungs-Injektionen , neues B- Wort, das etymologisch an BOTOX-Verjüngungs-Versprechen erinnert:
      “Booster-Pieks” abgeholt eben -mal- so -beim -shopping im Massenzentrum, verspricht Erlösung von Tod und schwerem Leid, wie dereinst die Sehnsucht nach ” Jungbrunnen” gegen Alter und Tod:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Jungbrunnen#/media/Datei:Lucas_Cranach_-_Der_Jungbrunnen_(Gem%C3%A4ldegalerie_Berlin).jpg
      Aufgabe von Eigenverantwortung und Priorität des Leistungsprinzips in allen Lebensbereichen beinhaltet die Option totalen Scheiterns , das beweist die Geschichte.
      Wer staatlichen Versprechungen glaubt, Risiken seien nicht existent, nur, weil sie ad hoc unsichtbar sind , riskiert, den Gen-pool ganz zu verlassen.

      ( Der Chef der STIKO Martens wurde aktuell zum Regierungs-Gesundheits-Berater berufen , damit verliert auch die Stiko kritische Kompetenz/ gekauft ! / , genau wie Bundesverfassungsrichter, die mit Machthabern dinnierten. )

      Antworten
    6. Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      “In dieser Studie wird eine einkommensbasierte Definition der Mittelschicht verwendet. (…) Laut dieser Definition gehören jene Personen zur Mittelschicht, die in Haushalten mit einem verfügbaren Einkommen im Bereich von 75 bis 200 Prozent des nationalen Medians leben.”

      Nach dieser Definition war der Anteil “der Mittelschicht” in der DDR übrigens viel größer als heute. Ob das jemanden auf dumme Ideen bringt? ;)

      Mit sozialistischem Gruß!

      Antworten
    7. weico
      weico sagte:

      @Alexander

      “Ungewißheit werden unerträglicher, je kleiner sie werden. Solange es nicht gelingt, jeden Einzelfall dem statistischen Durchschnitt anzunähern, bleibt ein Element an Gefahr, über welches alle Demon­strationen durchschnittlicher Sicherheit nicht hin­weghelfen können.”
      (Rolf Peter Sieferle)

      Der Sieferle ist immer wieder lesenswert. Besonders in jetzigen Zeiten.

      Schön der Kommentar von Lengsfeld zu Sieferle: ​

      “Fundamentales Merkmal der Deutschen, arbeitet Sieferle heraus, ist ihr „fundamentaler Sozialdemokratismus“, der Differenzen jeglicher Art für unerträglich hält. „Angleichung der Lebensverhältnisse“ ist die Formel dafür. Allerdings würde ich da differenzieren. Es gab ja einmal die Sozialdemokratie der bildungshungrigen Leistungswilligen, die durchaus mehr im Sinn hatten, als den Menschen zum Betreuungsobjekt und Leistungsempfänger zu degradieren. Aber die ist ebenso wie die Aristokratie im Orkus der Geschichte verschwunden.”

      https://vera-lengsfeld.de/2017/07/21/wer-selbst-denkt-ist-rechts/

      Antworten
      • LeleCastello
        LeleCastello sagte:

        Keine Ahnung wo Frau Langsfeld oder Herr Sieferle aufgewachsen sind. Aber in dem Deutschland wo ich aufgewachsen trifft das mit 100%iger Sicherheit nicht zu. Einziges fundamentales Merkmal der Deutschen das ich über die Jahre gefunden habe ist “auto-destruktivismus”. Das sehen sich auch im obigen Text: “Verteilungskampf” hat der Fratscher sein Buch genannt. Klimakampf. Alles “Kampf”? Liesst keiner mehr Geschichtsbücher?

        Antworten
        • Dr. Lucie Fischer
          Dr. Lucie Fischer sagte:

          Lele Castello
          Vielleicht lesen Sie/ informieren Sie sich/ wo und wie Rolf Peter Sieferle lebte, was er schrieb, warum er gehasst bis zum Tod wurde: Verbannung zu Lebzeiten von schäbigsten Intellektuellen, , genau wie Julian Assange aktuell.
          Frau Lengsfeld schreibt in ihrem Blog interessante Beiträge, alles ( noch ) verfügbar: carpe diem und schönen 3. Advent.

    8. weico
      weico sagte:

      “bto:Wir werden also, weil wir ein hilfsbereites Land sind und Menschen Asyl geben oder ihnen unabhängig von Qualifikation Zugang gewähren ein immer „ungerechteres Land“, woraus dann Rufe nach mehr Umverteilung und höheren Steuern abgeleitet werden.”

      Das finde ich zumindest „befremdend“.

      Als soziales und beliebtes “Jeder-kann-kommen-Einwanderungsland” ist Umverteilen halt schlicht ein MUSS, um Ungleichheit zu “glätten”.
      Früher nannte man solches schlicht Selbstschwächung/Selbstzerstörung .

      Der neuste deutsche “Sozialwahnsinn” ist auch in vielen Tageszeitungen der Schweiz zu lesen:

      “In Deutschland gilt der Weg vom Bett zum PC jetzt als Arbeitsweg”
      https://www.20min.ch/story/in-deutschland-gilt-der-weg-vom-bett-zum-pc-jetzt-als-arbeitsweg-652270241124

      Antworten
      • Carsten Pabst
        Carsten Pabst sagte:

        @Weico
        Wo ist da der Sozialwahnsinn?
        Wäre es versicherungsrechtlich besser gewesen, er hätte sich erst einen Kaffee in der Küche gemacht und wäre dann gestürzt? Oder er hätte die Haustür verlassen auf dem Weg zu seiner Gartenhütte, da dort der Arbeitsplatz liegt. Dann wäre es ein RICHTIGER Wegeunfall? Auch die Berufswelt ist im Wandel, gerade in der Corona- Zeit. Und mir als Arbeitgeber wäre sehr daran gelegen, wenn gute Mitarbeiter von mir auch im Home- Office ordentlich versichert sind. Das Problem sind doch nicht die Versicherten, dass Problem sind die beamtenähnlichen Verhältnisse in den Berufsgenossenschaften, die sich selbst verwalten und den Unternehmern das Leben mit immer aberwitzigeren Vorschriften schwer machen. Auch wenn das dauerhafte einschlagen auf Deutschland ja anscheinend ihr Hobby ist, dann bitte an der richtigen Stelle.
        Freundliche Grüße
        Carsten Pabst

        Antworten
        • Alexander
          Alexander sagte:

          @Carsten Papst

          ” Nur ein Deutscher konnte auf die Idee kommen, den Zustand der Herde, die bis ins Letzte sozial-, kranken-, hausrat-, unfall- und feuerversichert ist, mit dem Begriff einer »Risikoge­sellschaft« zu belegen.
          Wo wird man älter, wo sind die Verhältnisse stabiler, wo ist der Rettungsdienst schneller zur Stelle, wo sind die Netze dichter ge­spannt als in der Risikogesellschaft? Die Reste an
          Ungewißheit werden unerträglicher, je kleiner sie werden. Solange es nicht gelingt, jeden Einzelfall dem statistischen Durchschnitt anzunähern, bleibt ein Element an Gefahr, über welches alle Demon­strationen durchschnittlicher Sicherheit nicht hin­weghelfen können.”
          (Rolf Peter Sieferle)

          Gilt für den deutschsprachigen Raum und ist das Sehnsuchtsziel aller Zuwanderer, weil niemand den Spaten sieht, der dafür beständig graben muss.

          Dass sich die Rentabilität im Zuge der Geldpolitik verringert,
          dass sich die Demographie entsprechend der Geldpolitik anpasst,
          dass sich das Hühnervolk allmählich vor Angst in die Disfunktion rettet, verwundert nur Außenstehende.

          Glückliche Gewinner von GeldAnlageBlasen sind dem Trend zwar vorübergehend entronnen, aber nicht endgültig – denn wer dem mainstream glaubt ist gerade >>all in << und zahlt am Ende den höchsten Preis.

        • weico
          weico sagte:

          @Carsten Pabst

          “Und mir als Arbeitgeber wäre sehr daran gelegen, wenn gute Mitarbeiter von mir auch im Home- Office ordentlich versichert sind.”

          Andere Länder andere Sitten…!

          Ein Büro-Mitarbeiter im Homeoffice, der seinem Arbeitgeber einen “Arbeitsunfall” meldet, würde in der Schweiz (nach der Genesung) schlicht die Kündigung erhalten.

          Nicht umsonst ist das liberale Arbeitsrecht/Kündigungsrecht, ein wichtiger Erfolgsfaktor der Schweiz.

        • Namor
          Namor sagte:

          @alexander 11:29

          Dazu: “Glückliche Gewinner von GeldAnlageBlasen sind dem Trend zwar vorübergehend entronnen, aber nicht endgültig – denn wer dem mainstream glaubt ist gerade >>all in << und zahlt am Ende den höchsten Preis."

        • Alexander
          Alexander sagte:

          @Namor

          Auch der Mittelstand unterliegt Veränderungen, die m.E.n mit Geldpolitik direkt zuammenhängen. Der Abstieg mit Scheitern dieser Blasen ist programmiert, sobald sich herausstellt dass Fähigkeiten nicht universell rentabel sind.

          Kurzum, erziele ich ohne Schwierigkeiten dieselben Einnahmen, wenn mein Arbeitgeber und seine Konkurrenten pleite gehen?

          Ja / Nein.

          So geschehen mit dem Mittelstand der Alt BRD und nach Ende der DDR.

        • Tom96
          Tom96 sagte:

          @ Namor
          Unternehmer (mit Eigenkapitalverzinsungsnotwendigkeit) versus Rentiers, die in der unipolaren Dollarsphäre (und ich sehe den EUR als Subsidiary ohne jeglichen Freiheitsgrad!) einfach global floateten bis die Flieger in first class als fly office der Firmenjet-society fast in Echtzeit zu den Standorten bzw, Handelsplätzen düsten, shopping für die Begleitung all inclusive.
          Oder, wenn Wettbewerb zu Markentransfers in Branchenclustern für Kapitalanlagesammelstellen mutierte, sie können auch die Fußball”verein”investments all over the world nehmen und fragen who owns the creditability of the money that is payed?

        • Carsten Pabst
          Carsten Pabst sagte:

          @Weico 11:34
          Na Ihre Sitten sind doch auch ganz nett:
          https://www.myjob.ch/ratgeber/artikel/933/ein-unfall-im-home-office-wer-muss-zahlen
          Also dann ist das DEUTSCHE BEISPIEL, an denen sich ja so gerne abarbeiten, auch nicht viel dramatischer. Wäre der DEUTSCHE auf die Toilette gegangen, wäre er in der Schweiz versichert gewesen. Es kommt also immer auf den Fall an, dass kann man nicht pauschalisieren und wird dann notfalls vor Gericht entschieden.
          Nur werden sich aufgrund der vermehrten Home- Office- Arbeitsplätze solche Fälle in Zukunft erhöhen und dazu bedarf es Regelungen.

          “Ein Büro-Mitarbeiter im Homeoffice, der seinem Arbeitgeber einen “Arbeitsunfall” meldet, würde in der Schweiz (nach der Genesung) schlicht die Kündigung erhalten.”

          Es ist in meinen Augen schlichtweg Quatsch, was Sie hier von sich geben. Auch in der Schweiz legt man auf gute Mitarbeiter wert und feuert sie nicht einfach.

          Ich frage mich bei Ihnen immer, ob Sie auch alles Glauben, was sie hier von sich geben.
          Aber man muss seine Feindbilder ja aufrecht halten.

          Und bei meiner Kernaussage bleibe ich: Das Problem sind nicht die Arbeiter, die nach einem Unfall ordentlich versorgt werden wollen, sondern der aufgeblähte Apparat der Berufsgenossenschaften, die auch ohne Kunden den Tag mit neuen Vorschriften und Erlassen verbringen können und den Unternehmen das Leben schwer machen. Das wird in der Schweiz wohl nicht anders sein.
          Im Gegensatz zu Ihnen behaupte ich aber nicht, es genau zu wissen. Ich bin nicht so ein Schweiz- Experte wie Sie für die Bundesrepublik.
          Freundliche Grüße
          Carsten Pabst

        • weico
          weico sagte:

          @Carsten Pabst

          “Es ist in meinen Augen schlichtweg Quatsch, was Sie hier von sich geben. Auch in der Schweiz legt man auf gute Mitarbeiter wert und feuert sie nicht einfach.”

          Als wohlfahrtsgeschädigter Deutscher dürfen Sie Dies ruhig glauben .

          Mit der Schweizer Realität ,in der Arbeitswelt, hat es aber NICHTS zu tun.

        • Thomas M.
          Thomas M. sagte:

          Sozialwahnsinn???

          Es ging bei der ganzen Sache nicht darum, *ob* gezahlt wird, sondern nur darum *wer* zahlt. Wenn der Weg zum Schreibtisch im Home Office per definitionem nun zum Arbeitsweg gehört, dann ist es halt ein Wegeunfall. Damit ist geklärt, wer zahlt. Und gut ist. Auch wenn es dem Laien kurios anmuten mag, so ist das doch normale juristische Logik.

        • Christian Anders
          Christian Anders sagte:

          @Thomas M.

          Danke, wollte gerade schon wieder zur Tastatur greifen um den Captain Obvious zu geben in einem Blog namens beyond the… aber lassen wir das, in der Schweiz scheint selbst das Offensichtliche geheimnisvoll bis wahnsinnig.

          Ich bestelle mir bei Herrn Pabst so eine therapeutische Bohle, in die ich dann hundert mal „don‘t feed the troll“ reinschnitze.

        • Carsten Pabst
          Carsten Pabst sagte:

          Hallo Herr Anders,
          dem Wunsch komme ich doch gerne nach:
          https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-anzeige/ein-therapeutisches-brett-bohle/1958991223-84-4807
          Wie in der Anzeige erwähnt, ich versende auch in die Schweiz. Schnitzen soll ja beruhigen.
          Von Schweizern nehme ich als wohlfahrtsgeschädigter Deutscher aber nur stahlharte Devisen in Form von Franken.
          Ihnen schenke ich die Bohle. Wenn Sie mal in Limburg sind, kommen Sie gerne rein :–)
          Beste Grüße und ein frohes Fest
          Carsten Pabst

        • Thomas M.
          Thomas M. sagte:

          @Hr. Pabst: Sagen Sie doch mal bescheid, ob das noch gekauft wurde – klasse. Ich muss aber gestehen, ich hatte zuvor eine Bowle vor Augen… Gut, dass Sie noch Brett dazugeschrieben haben, jetzt macht auch der Kommentar zum Reinschnitzen Sinn 😅

        • weico
          weico sagte:

          @Carsten Pabst

          “Wie in der Anzeige erwähnt, ich versende auch in die Schweiz. Schnitzen soll ja beruhigen.
          Von Schweizern nehme ich als wohlfahrtsgeschädigter Deutscher aber nur stahlharte Devisen in Form von Franken.”

          Schenken Sie es ruhig dem CO2-Klimaretter !

          In der Schweiz herrscht kein Bedarf für Käferholz aus dem Taunus. :) :)

        • Carsten Pabst
          Carsten Pabst sagte:

          @weico
          Na klar schenk ich dem CO2- Klimaretter die Bohle. Wir armen Deutschen halten zusammen.
          Und jetzt machen Sie mal nicht einen auf dicke Hose. So gut sieht es bei Ihnen mit Käferholz auch nicht aus:
          https://www.srf.ch/sendungen/me-biodiversitaet/der-nachhaltigste-weihnachtsbaum-waere-einer-aus-dem-wald
          Noch ein Tip vom Deutschen: Wenn es mal nix wird mit dem Tannenbaum, ein abgekehrter alter Besen mit Lametta mach auch viel her!
          Beste Grüße und besinnliches Fest.
          Carsten Pabst

        • weico
          weico sagte:

          @Carsten Pabst

          “Und jetzt machen Sie mal nicht einen auf dicke Hose. So gut sieht es bei Ihnen mit Käferholz auch nicht aus”

          Gerade DARUM … brauchen wir auch kein Käferholz aus ihren heimatlichen Wäldern !

          “Noch ein Tip vom Deutschen: Wenn es mal nix wird mit dem Tannenbaum, ein abgekehrter alter Besen mit Lametta mach auch viel her!”

          Mag ja in/für Sambia ein richtiger “Hingucker” bzw. “Tipp” sein…aber in der Schweiz herrscht mehrheitlich doch ein etwas anderer weihnachtlicher Geschmack .

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @die Freunde der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung

        Sie übersehen das Wesentliche.

        “Wäre es versicherungsrechtlich besser gewesen, er hätte sich erst einen Kaffee in der Küche gemacht und wäre dann gestürzt?”

        Früh morgens Kaffee kochen ist eben *nicht* von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt, die kümmert sich nur um Unfälle auf dem “Arbeitsweg”, auch wenn der nur von Wohnzimmer zu Arbeitszimmer reicht.

        Wenn Sie zu Ihrem Privatvergnügen nach dem Aufstehen und damit vor Antreten des Arbeitsweges einen Kaffee kochen und dabei stürzen, dann brauchen Sie eine private Unfallversicherung, beziehungsweise Arbeitsunfähigkeitsversicherung etc. wenn dieser Sturz langfristige Gesundheitsfolgen hat.

        Die gesetzliche Unfallversicherung wird ganz genaue Untersuchungen darüber anstellen, wo und wann genau der Wegeunfall stattfand, und zu welchem Zweck genau der Weg angetreten wurde. Da lauern fiese Fallen.

        Muss man wissen. So funktioniert Deutschland, zumindest für die schon länger hier Lebenden. ;)

        Antworten
        • Carsten Pabst
          Carsten Pabst sagte:

          Sehr geehrter Herr Ott,
          wer sagt denn Kaffee kochen und DABEI stürzen? Er kann auch nach dem Kochen auf dem Weg ins Untergeschoss stürzen. Aber keine Haarspalterei. Wie in meiner Antwort an Weico geschrieben: Das Home- Office wird viele neue Unfälle und evtl. anschließende Gerichtsurteile mit sich bringen und es werden neue Regelungen gefunden werden müssen.
          Freundliche Grüße
          Carsten Pabst

        • Richard Ott
          Richard Ott sagte:

          @Carsten Pabst

          “wer sagt denn Kaffee kochen und DABEI stürzen? Er kann auch nach dem Kochen auf dem Weg ins Untergeschoss stürzen.”

          Dann wird die gesetzliche Unfallversicherung prüfen, ob das Tragen der Kaffeetasse die Wahrscheinlichkeit für den Sturz erhöht hat oder gar wesentliche Ursache für den Sturz (Vielleicht war der Kaffee in der Tasse so heiß, dass der Stürzende sie plötzlich ganz schnell irgendwo abstellen wollte und deshalb das Gleichgewicht verlor?) war und so mindestens eine Teilschuld des Verunfallten gegeben war.

          “Aber keine Haarspalterei.”

          Doch. Genau die betreibt die Berufsgenossenschaft.

          Das ist heute auch schon so. Wenn Sie auf dem Arbeitsweg einen kleinen Umweg machen um sich ein Stück Kuchen für die Frühstückspause zu kaufen oder einen Kaffee zu holen, dann ist das kein Wegeunfall mehr und die gesetzliche Unfallversicherung zahlt gar nichts!

          Der Teufel steckt hier wirklich im Detail, und diese Details können im Schadensfall locker fünf- oder gar sechsstellige Beträge kosten:

          “Bereits der Parkplatz eines Supermarktes zählt zum unversicherten Bereich. Mit Urteil vom 02.12.2008 hat das Bundessozialgericht (Az. B 2 U 17/07 R) entschieden, dass die Unterbrechung eines Arbeitsweges zum Einkauf von Äpfeln nicht unfallversichert ist; dies gilt auch dann, wenn die Äpfel während der Arbeitszeit gegessen werden sollen und damit dem Erhalt der Arbeitskraft dienen”

          https://sozialversicherung-kompetent.de/unfallversicherung-leistungsrecht/927-wegeunfall.html

          Noch viel mehr Beispiele auf der verlinkten Seite.

        • Dr. Lucie Fischer
          Dr. Lucie Fischer sagte:

          @Richard Ott
          Und solche Diskussionen werden vollkommen hinfällig, wenn es z.B. ” plötzlich” Hochwasser gibt, der ” Staat” wieder komplett versagt, die Verantwortlichen schweigen, sich ” früh-pensionieren/ krankschreiben”/ lassen-
          wenn es um Leben und Tod geht, entfällt deutsches Regelwerk, künstliche , ärgerliche Luxusprobleme.
          Wie viele Regulierungsbehörden müssten längst ersatzlos gestrichen werden?
          #Abpfiff# ! ( z.B. RKI )

        • Thomas M.
          Thomas M. sagte:

          @Hr. Ott

          >Bereits der Parkplatz eines Supermarktes zählt zum unversicherten Bereich. Mit Urteil vom 02.12.2008 hat das Bundessozialgericht (Az. B 2 U 17/07 R) entschieden, dass die Unterbrechung eines Arbeitsweges zum Einkauf von Äpfeln nicht unfallversichert ist; dies gilt auch dann, wenn die Äpfel während der Arbeitszeit gegessen werden sollen und damit dem Erhalt der Arbeitskraft dienen

          Ich staune immer wieder über die Tiefe Ihres Wissens zu solch kuriosen Themen. Es sei denn, Sie arbeiten sich pro Post neu ein ins Thema – oder war der Äpfel-kaufende Mitarbeiter etwa von Ihnen ;)

          Bei uns haben Kolleginnen schon pragmatisch Obst für die Firma eingekauft und uns die Rechnung gegeben… ich muss gestehen, ich hatte mir keine Gedanken gemacht, was das versicherungsrechtlich bedeuten könnte. Ei ei ei.

        • Richard Ott
          Richard Ott sagte:

          @Thomas M.

          “Ich staune immer wieder über die Tiefe Ihres Wissens zu solch kuriosen Themen. Es sei denn, Sie arbeiten sich pro Post neu ein ins Thema – oder war der Äpfel-kaufende Mitarbeiter etwa von Ihnen ;)”

          Das wusste ich auch so, hatte allerdings nicht das Aktenzeichen von dem Urteil parat. Die für meine Branche zuständige Berufsgenossenschaft schickt mir als Geschäftsführer regelmäßig eine Zeitung zu, in der genau solche Dinge drin stehen.

          “Bei uns haben Kolleginnen schon pragmatisch Obst für die Firma eingekauft und uns die Rechnung gegeben… ich muss gestehen, ich hatte mir keine Gedanken gemacht, was das versicherungsrechtlich bedeuten könnte.”

          Ohne jetzt eine sozialversicherungsrechtliche Beratung ersetzen zu wollen: Vermutlich erlischt da der Versicherungsschutz, außer der Obstkauf hat eine klare betriebliche Veranlassung und erfolgt auf betriebliche Weisung. Arbeiten Sie in einer Branche, die irgendwas mit Obst zu tun hat? Ein für mich unklarer Grenzfall wäre es, wenn jemand während der Arbeitszeit zum Obstkaufen geschickt wird damit die Früchte dann bei einer betrieblichen Besprechung verschnabuliert werden, das landet dann vermutlich tatsächlich vorm Sozialgericht, falls soetwas nicht auch schon einmal entschieden wurde…

          von weiter oben:
          “Damit ist geklärt, wer zahlt. Und gut ist.”

          Wenn kein gesetzlicher Unfallversicherungsschutz besteht und der Betroffene keine private Unfall- oder Arbeitsunfähigkeitsversicherung hat, bezahlt (zumindest nach der gesetzlichen Lohnfortzahlungsdauer im Krankheitsfall, also maximal 6 Monate) wahrscheinlich GAR NIEMAND.

          Das kann im Worst-Case richtig teuer werden – wenn der Gestürzte im Rollstuhl landet und seinen Beruf auf Dauer nicht mehr ausüben kann, sind das über ein ganzes Arbeitsleben potentiell Einkommensverluste in Millionen-Höhe.

          In den nächsten Jahren wird das ein echtes Problem – der Haushalt ist ein verblüffend gefährlicher Ort, und bei Home-Office-Beschäftigten kommen bisher keine Inspektoren der Berufsgenossenschaft vorbei, um den Arbeitsschutz oder die “Sicherheit des Arbeitsweges” zu prüfen. Das wird darauf hinauslaufen, dass die Berufsgenossenschaft entweder generell eine bestimmte Bandbreite von Haushaltsunfällen mit versichert (zum Beispiel auf der Treppe stürzen, sich in der Küche den Finger abhacken hingegen nicht) -was unfair gegenüber den Leuten wäre, die gar nicht im Home-Office arbeiten können- oder aber die Berufsgenossenschaft kommt tatsächlich zur Arbeitsschutzüberwachung im Home-Office vorbei, was ich auch bizarr aber irgendwie sehr deutsch fände.

        • Thomas M.
          Thomas M. sagte:

          @Hr. Ott:

          Ich hatte beim schnellen Schreiben nur die unmittelbaren Behandlungskosten im Kopf (Krankenkasse vs. gesetzliche Unfallversicherung); Sie haben natürlich recht hinsichtlich evtl. Folgekosten.

          Das Obst wurde übrigens m.W. auf dem Weg zur Arbeit oder zurück nach Hause gekauft. Wahrscheinlich aber kombiniert mit privaten Einkäufen. Komplizierte Sache… zum Glück ist nix passiert und das Beweismaterial ist schon weg .)

          >oder aber die Berufsgenossenschaft kommt tatsächlich zur Arbeitsschutzüberwachung im Home-Office vorbei, was ich auch bizarr aber irgendwie sehr deutsch fände.

          Sagen wir’s so: Ich würde mich nicht wundern, wenn’s so kommt! Es folgt einer gewissen Logik und es geht um potenziell viel Geld aufgrund der wahrscheinlicheren Unfälle zuhause. Vielleicht gibt’s aber vorher noch die Dokumentationspflicht für Betriebe inkl. Begehung beim Mitarbeiter. Die freuen sich bestimmt, wenn man sagt: Räum mal um, ist so zu gefährlich. Fehlt dann nur noch Helmpflicht beim Begehen von steilen Treppen während der Arbeitszeit…

        • Richard Ott
          Richard Ott sagte:

          @Thomas M.

          Tja, wenn auf dem Obstkauf-Beleg noch irgendwas anderes stehen würde, was man auch im Büro braucht (eine Rolle Klebeband vielleicht, oder ein paar Briefumschläge), dann fällt die Argumentation bei einem Unfall gegenüber der Berufsgenossenschaft schon viel leichter…

          “Vielleicht gibt’s aber vorher noch die Dokumentationspflicht für Betriebe inkl. Begehung beim Mitarbeiter. Die freuen sich bestimmt, wenn man sagt: Räum mal um, ist so zu gefährlich. Fehlt dann nur noch Helmpflicht beim Begehen von steilen Treppen während der Arbeitszeit…”

          Die Deutschen mit ihrer Neigung zur Maximal-Sicherheitslösung wollen das bestimmt. Selbstverständlich müssen dann alle gefährlichen Treppen auch zu Hause mit dekorativen Sicherheitsmarkierungen und Gefahrenhinweisschildern ausgestattet werden, und dass die auch tatsächlich dort hängen bleiben, wird natürlich auch regelmäßig kontrolliert.

          Glauben Sie eigentlich, Herr Stöcker arbeitet im Home-Office? Wenn der Bericht aus der Bild-Zeitung stimmt und er in seinem Haus tatsächlich in der Küche einen Wasserhahn hat, aus dem kochendes Wasser kommt, dann wird die Berufsgenossenschaft umfangreiche Umbaumaßnahmen fordern und das Wasser sicherheitshalber erstmal abdrehen. ;)

        • Thomas M.
          Thomas M. sagte:

          @Hr. Ott

          Puh, wenn man tiefer einsteigt, entdeckt man immer weitere Gefahren. Ich schätze mal, dass die Kochend-Wasser-Armatur eine Sicherung hat, damit man sich nicht unfreiwillig die Hand blanchiert. Ansonsten kann man vielleicht auch sagen “ich war nicht im Home Office, sondern im Mobile Office und war auf dem Weg ins Bistro”. Dann wird die Verbrühung vielleicht zum Wegeunfall?!

          Ein Wunder, dass wir noch am Leben sind! Schönen dritten Advent – hoffentlich mit echter Kerze und nicht LED-Funzel :)

        • weico
          weico sagte:

          @Bauer

          “… und der Weg zur Toilette? Schliesslich muss auch der Heimwerker einmal.”

          Wie Sie aus den Antworten von Hr. Pabst sehen, kann man Dies sicherlich “regeln” :
          “Das Home- Office wird viele neue Unfälle und evtl. anschließende Gerichtsurteile mit sich bringen und es werden neue Regelungen gefunden werden müssen.”

          Nebenbei:
          Müsste Hr. Pabst in der freien Marktwirtschaft bestehen und nicht im geschützten Rahmen als “Ausbildungsleiter der Bauhandwerkswerksinnung” …. würde sein “Weltbild” womöglich etwas anders aussehen.

        • Carsten Pabst
          Carsten Pabst sagte:

          @Weico
          Na ich spiele wenigstens mit offenem Visier. Und wie kommen Sie darauf, dass ich im geschützten Bereich bin? Habe schließlich jeden Tag mit Lehrlingen zu tun. Und somit auch sehr oft mit der Berufsgenossenschaft. Die muss mir keiner erklären. Ich habe natürlich ganz vergessen, das ich ja angestellt bin! Wie kann ich es wagen, ihre Ansichten in Frage zu stellen! Deshalb lasse ich es und unterhalte mich am Montag mit einer Bohle. Ist gewinnbringender.
          Beste Grüße
          Carsten Pabst

        • weico
          weico sagte:

          @Carsten Pabst

          “Deshalb lasse ich es und unterhalte mich am Montag mit einer Bohle. Ist gewinnbringender.”

          Schon klar…
          …die Bohle stellt ja auch nicht Ihre “Wohlfahrtsträume” in Frage !

    9. @foxxly
      @foxxly sagte:

      @ wo bitte bleiben in diesen studien die wirklichen ursachen dieser entwicklung?
      großes schweigen darüber!
      über den rest kann man endlos diskutieren und streiten, und bringen auch keine reale abhilfe.

      fakt ist, dass dieses kreditgeldsystem die realwirtschaft zunehmend auszerrt.
      nun ist auch vermehrt die mittelschicht betroffen.
      wobei es darin noch riesige unterschiede gibt:

      so manches handwerks-unternehmen kann sich vielleicht nur noch alle zwei jahre eine neue ETW von seinen gewinnen kaufen, welch eine einschränkung!
      andere sind deutlich schlechter drann und haben es in ganzen berufsleben nur auf zwei ETW geschafft.

      die gute konjunktur der letzten 20 jahre hat kaum großen zuwachs bei dem mittelstand gebracht (und erstrecht nicht darunter!)
      der gewinnzuwachst ging weit überproportional an die gehoben und reichen im lande.
      ist ja auch nicht anders zu erwarten.
      nur diejenigen sind verwundert, welche die systemische umverteilung nicht verstanden haben, oder aus bestimmten gründen gegen diesen fakt opponieren müssen.

      diese systemische umverteilung hat eine geschwindigkeit erreicht, die durch die politik selbst bei guten willen, nicht mehr zu bremsen ist.

      die diskussion über zb.bildung und zuwanderung (sind durchaus ein großes problem!), sind eigentlich nur eine ablenkung von der wirklichen ursache, dem geldsystem. zb.
      wenn leistung stets eine kreditschuld ist und wachstum grenzelos ist, kann niemals eine lösung kommen, von denen problemen welche wir mit recht beklagen.

      die reale fragestellung muss deshalb lauten:
      wie kann erreicht werden, dass die realwirtschaft nicht ausgezerrt wird und den wachstumsgewinn selber behalten kann?

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