2 – Ist Deutschland ein „reiches Land“? – Einkommen

Danach geht es um die Frage, ob wir ein reiches Land sind. Natürlich sind wir, verglichen mit 90 Prozent der Länder der Welt, ein „reiches Land“. Das bestreite ich keineswegs. Aber ich weise darauf hin, dass wir nicht so reich sind, wie gern erzählt wird.

Professor Bofinger erklärt, dass wir bei der Einkommensentwicklung gemeinsam mit Kanada den zweiten Platz unter den G7 nach den USA belegen, mit deutlichem Abstand zu Frankreich, Großbritannien, Japan und Italien.

Nimmt man andere Länder hinzu, stellt man fest, dass es durchaus mehr Staaten gibt, in denen mehr als hierzulande verdient wird. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt Deutschland nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit 48.111 US-Dollar auf Platz 20 in der Welt. Zweifellos ein gut wirtschaftendes Land. Vor uns rangieren neben einigen Exoten wie Katar und Brunei, die ihr Einkommen vor allem den Öl- und Gasvorkommen verdanken, wirtschaftsstarke Nationen wie Singapur (87.855 US-Dollar), die Schweiz (59.561 US-Dollar), die USA (57.436 US-Dollar) und die Niederlande (51.049 US-Dollar).

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der übrigen Länder der Eurozone befindet sich unter deutschem Niveau, so liegt Frankreich bei 42.314 US-Dollar, Italien bei 36.833 US-Dollar und Spanien bei 36.416 US-Dollar. Portugal mit 28.933 US-Dollar und Griechenland mit 26.669 US-Dollar bilden die Schlusslichter der Eurozone, befinden sich aber immer noch weit oberhalb des weltweiten Durchschnitts von 16.318 US-Dollar.[1]

Eurostat, das Statistische Amt der Europäischen Union, veröffentlicht regelmäßig eine Rangliste der EU-Staaten nach dem verfügbaren Medianeinkommen je Haushalt, also dem mittleren Einkommen nach Steuern und Abgaben. Die Rangordnung ähnelt jener nach BIP pro Kopf, ist aber angesichts der hohen Abgabenbelastung hierzulande nicht identisch. So schrumpft der Unterschied gerade im Vergleich zu den anderen Ländern der Eurozone deutlich (Angaben jeweils pro Haushalt):[2]

  • Luxemburg: 33.838 Euro,
  • Niederlande: 22.745 Euro,
  • Frankreich: 21.720 Euro,
  • Deutschland: 21.263 Euro,
  • Italien: 16.247 Euro,
  • Spanien: 13.685 Euro,
  • Portugal: 8.782 Euro,
  • Griechenland: 7.504 Euro.

Erwirtschaften wir nach BIP pro Kopf noch 14 Prozent mehr als die Franzosen, liegen wir beim verfügbaren Haushaltseinkommen zurück. Der Unterschied zu Italien ist beim Haushaltseinkommen mit 31 Prozent genauso hoch wie der Unterschied bei der Wertschöpfung pro Kopf.

Fazit: Unsere Einkommen liegen im Spitzenfeld, selbst nach Abgaben hat das Medianeinkommen der Haushalte in Deutschland ein hohes Niveau. Wir sind ein Land, in dem die Menschen im internationalen Vergleich gut verdienen.


[1]Die Daten zum kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf stammen vom IWF, zu finden unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Länder_nach_Bruttoinlandsprodukt_pro_Kopf.

[2]Letzte Daten der EU zum Median-Haushaltseinkommen finden sich unter: http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=ilc_di04&lang=en.

Kommentare (2) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Kermit der Laubfrosch sagte:

    Wieso wird in diesem Zusammenhang nicht thematisiert, dass die Entwicklung der Burttolöhne in diesem unseren Lande bereits seit Jahrzehnten massiv hinter der Entwicklung der Porudktivität zurück bleibt? Diese interne Abwertung ist einer der wesentichsten Gründe für den schlechten Zustand der Eurozone.
    Der entscheidende Punkt ist, dass die Arbeitnehmer seit Jahrzehnten um ihren fairen Anteil am Produktivitätsfortschritt betrogen werden. Selbst wenn „wir“ heute „nicht schlecht“ oder meinetwegen „gut“ verdienen (im Vergleich zu den Anderen) – es ist viel schlechter als es sein könnte. Darauf kommt es an.

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  2. Avatar
    Jonny sagte:

    Hingt der Vergleich der Medianeinkommen innerhalb der EU nicht etwas wenn man nicht auch die Lebenshaltungskosten mit einbezieht?

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