Zur Verteilung der Einkommen in den USA

Die Verteilung von Einkommen wird immer mehr zu einem Thema. Interessant ist dabei, dass es vor allem in Deutschland diskutiert wird, ungeachtet der Tatsache, dass nach Daten der OECD die Umverteilung bei uns besonders gut funktioniert. Hier noch mal die Analyse:

Quelle: FT, OECD

Nun zu einem Land, das in dieser Analyse schlecht wegkommt. Die USA haben zwar wie wir deutlich unterschiedliche Markteinkommen, bereinigen diese aber viel weniger als wir. Deshalb lohnt der Blick auf die Daten der Einkommensentwicklung in den USA, und zwar von offizieller Quelle, dem Congressional Budget Office, CBO. Nur ein paar Abbildungen zeigen, was da passiert:

Quelle: CBO

Also zunächst das allgemein erwartete Bild. Vor der Umverteilung durch den Staat haben die Top-1-Prozent massiv dazu gewonnen, aber die anderen Einkommensgruppen wenig bis fast nichts. Hier ist sicherlich ein erhebliches Problem zu sehen.

Dann kommt – auch in den USA! – die Umverteilung:

Quelle: CBO

Da sieht man, dass die USA denen geben, die es nötig haben. Die unteren 20 Prozent der Bevölkerung bekommen immerhin 66 Prozent dazu. Das ist deutlich mehr als noch vor 35 Jahren. Klingt erst mal nicht so ungerecht.

Und auch die Steuerquoten haben sich nicht sonderlich geändert. Nach den rückläufigen Steuern der Reagan-Jahre sind wir wieder dort, wo wir schon Anfang der 1980er-Jahre waren. Nur die Last der untersten Einkommen ist gesunken:

Quelle: CBO

Da könnte man nun sagen, die USA sind so „ungerecht“ wie immer, natürlich sind die Vor-Steuereinkommen deutlich auseinandergelaufen, was sich bei gleichen Steuersätzen dennoch in einer Spreizung der verfügbaren Einkommen niederschlägt.

Das zeigt auch das CBO. In der Tat sind trotz der Umverteilung die Gini-Koeffizienten angestiegen:

Quelle: CBO

Ich muss gestehen, dass mir der Unterschied zwischen „Markteinkommen“ und „vor Transfers und Steuern“ nicht klar ist. Klar ist aber, dass trotz der Umverteilung der Trend bei allen Kurven nach oben geht.

Nun aber zum wirklichen „Knaller-Chart“, der Verteilung der Einkommen nach Umverteilung:

Quelle: CBO

Sehen Sie, was ich sehe? NACH Umverteilung hat das lowest Quintile, also die unteren 20 Prozent MEHR hinzugewonnen als die mittleren drei Quintile! Und da wundert sich noch jemand, dass Donald Trump gewählt wird? (28.5.19, 17:30 habe ich hinzugewonnen ergänzt, weil ein aufmerksamer Leser darauf hingewiesen hat, dass es ja die Veränderung von einer durchaus unterschiedlichen Ausgangslage ist.)

Ich würde gerne genau diese Abbildungen auch für Deutschland (aus verlässlicher Quelle) zeigen. Also her damit!

→ cbo.gov: „The Distribution of Household Income, 2015“, November 2018

19 Kommentare
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    Gastkommentator sagte:

    „Cumulative Growth“ ist ein Vergleichsansatz inkl. Basiseffekt, d.h. ihre Aussage „die unteren 20 Prozent haben MEHR als die mittleren drei Quintile!“ ist absoluter Humbug. Bitte Argumentationen nicht einfach so lieblos dahin schludern wie es Ihnen in den Kram passt, sonst könnten sie auch gleich Politker werden, Herr Dr. Stelter.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >Sehen Sie, was ich sehe? NACH Umverteilung hat das lowest Quintile, also die unteren 20 Prozent MEHR als die mittleren drei Quintile! Und da wundert sich noch jemand, dass Donald Trump gewählt wird?>

    Das soll heißen, dass die Mitte von den Demokraten zu Trump übergelaufen sei, weil sie verglichen mit den anderen beiden Bevölkerungsgruppen am wenigstens durch Umverteilung profitiert hat.

    Ich wäre sehr vorsichtig mit einer solchen Schlussfolgerung auf Basis nur dieser Grafiken.

    Es wäre für eine Erklärung der Wahl von Trump mitentscheidend, wie sich die einzelnen Quintile bezüglich der Anzahl der Menschen, die ihnen zuzuzählen sind, über die Zeit verändert haben. Wenn die Anzahl der Menschen, die einkommensmäßig der Mitte zuzurechnen sind, ABGENOMMEN haben würde, ist obige Aussage nicht schlüssig.

    Außerdem ist, wenn überhaupt, nicht nur die Umverteilung maßgebend für den Wahlsieg von Trump.

    Während die Demokraten weiter auf Umverteilung gesetzt haben, hat Trump ein VERSPRECHEN abgegeben, das speziell bei den aus der Mitte nach unten abgerutschten Menschen mitentscheidend dafür gewesen sein dürfte, dass sie ihn gewählt haben:

    Ich bringe Eure Jobs zurück.

    Übersetzt heißt das:

    Ihr Herausgefallenen steigt wieder in die Mitte auf, weil die Jobs, aus denen ihr gefallen seid, viel besser bezahlte waren als diejenigen, die ihr jetzt habt.

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      „Es wäre für eine Erklärung mitentscheidend, wie sich die einzelnen Quintile bezüglich der Anzahl der Menschen, die ihnen zuzuzählen sind, über die Zeit verändert haben.“
      Herr Tischer, ein Quintil der Bevölkerung ist immer auch ein Fünftel der Wählerschaft. Ein Fünftel bleibt ein Fünftel, unabhängig von der Zeit.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger

        Besten Dank für Ihren Hinweis.

        Ich bin heute anscheinend nicht gut drauf.

        Trotzdem überlege ich in diesem Zustand noch einmal.

        Zum einen:

        Ist ein Quintil der Bevölkerung IMMER, d. h. unabhängig von der Zeit ein Quintil der Wähler?

        Wenn das Wahlalter geändert worden ist, ist das nicht mehr der Fall.

        Denn wenn es runtergesetzt wird, kann ein größerer Anteil der Bevölkerung wählen.

        Zum anderen:

        Es geht um Einkommen nach Transfers und Besteuerung.

        Wird es das Wahlalter runtergesetzt, können mehr junge Menschen wählen.

        Es sind Wähler mit einem nach Transfers und Besteuerung vergleichsweise sehr geringem Einkommen.

        Die Anzahl der Wähler im unteren Quintil dürfte angestiegen sein gegenüber der Zeit vor der Änderung des Wahlalters.

        Das Wahlalter wurde in den USA tatsächlich geändert – 1971.

        Das liegt vor den Anfangsjahren in den Grafiken und Lichtjahre von der Wahl Trumps entfernt.

        Somit sind meine Überlegungen für die USA und die Diskussion hier irrelevant.

        Sie sind es aber nicht generell.

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    @chriwagner sagte:

    Ein interessanter Punkt in dem Kontext kam von Nassim Taleb.
    In seinem Buch – Skin in the Game – streicht er heraus, dass die Volatilität unter den Vermögenden in diesem Kontext sehr wichtig sei. Diese ist in den USA viel höher als in Europa.

    Er zitiert einen NY-Times Artikel von Mark R. Rank – „From Rags to Riches to Rags“ genau zu diesem Thema.

    „Consider that about ten percent of Americans will spend at least a year in the top one percent and more than half of all Americans will spent a year in the top ten percent[1]. This is visibly not the same for the more static –but nominally more equal –Europe. For instance, only ten percent of the wealthiest five hundred American people or dynasties were so thirty years ago; more than sixty percent of those on the French list were heirs and a third of the richest Europeans were the richest centuries ago. In Florence, it was just revealed that things are really even worse: the same handful of families have kept the wealth for five centuries.[iii]“

    http://www.nytimes.com/2014/04/20/opinion/sunday/from-rags-to-riches-to-rags.html?_r=0

    https://medium.com/incerto/inequality-and-skin-in-the-game-d8f00bc0cb46

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Sehen Sie, was ich sehe? NACH Umverteilung hat das lowest Quintile, also die unteren 20 Prozent MEHR als die mittleren drei Quintile! Und da wundert sich noch jemand, dass Donald Trump gewählt wird?“

    Wer bitte schön wundert sich denn? Unsere Medien? Die wundern sich nicht, die agitieren, denn die finden aufgrund eigenen Sendungsbewusstseins der Journalisten viel mehr Umverteilung mit extrem wenigen Ausnahmen echt toll. Sehr schön zu sehen aktuell an der Berichterstattung über die Europawahl. In ganz Europa legen die Rechtskonservativen und Nationalkonservativen zu und die Volksparteien der „Mitte“ schrumpfen. Und wie lautet die Meldung? Die Grünen in Deutschland sind ganz toll und wichtig und die AFD wächst weniger stark als erwartet, hurra (bis auf die seltsamen Ostdeutschen…)! Uns steht eine blühende Zukunft bevor!

    Grüne und bezahlbare Rezepte in auch nur einem einzigen Politikfeld? Lösungsansätze? Instrumente? Fehlanzeige. Und jetzt haben wir noch gar keine echte Krise. Interessant wird es, wenn der RN in Frankreich die Macht übernimmt und der Brexit vollzogen ist. Dann heißt es nämlich für die Deutschen in der EU auf einmal: „Berlin – allein zu Haus“. Und dann wird sich zeigen, was von den früheren Volksparteien übrig bleibt, aber auch, was die Grünen wirklich auf der Pfanne haben. Und dann wird Herr Trump auf einmal in einem neuen Licht erscheinen, wenn der erste deutsche Spitzenpolitiker unter breiter Akzeptanz der Bürger sagt: Germany first (und wohlgemerkt nicht „Germany only“).

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Sehen Sie, was ich sehe? NACH Umverteilung hat das lowest Quintile, also die unteren 20 Prozent MEHR als die mittleren drei Quintile! Und da wundert sich noch jemand, dass Donald Trump gewählt wird?“

    Ganz so extrem ist es nun wirklich nicht – der Chart zeigt ja „Cumulative *GROWTH* in Average Income by Income Group“ und keine absoluten Werte. Demzufolge hat das unterste Fünftel seit 1980 ihr Durchschnittseinkommen nach Steuern und Umverteilung um 79% *gesteigert*, die mittleren drei Fünftel nur um 46%.

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      Max Lumann sagte:

      @Richard Ott: Man sieht eben nur das, was man sehen will. Aber am Basiseffekt scheitern heute scheinbar auch gestandene Ökonomen.

      Die eigentliche Aussage des Charts ist, dass sich der Unterschied zwischen Reichen und Mittelschicht drastisch vergrößert hat. Es ist davon auszugehen, dass es 1980 bereits eine deutliche Spreizung hier gab. Nehmen wir mal konservativ an, diese lag bei 3:1, in zahlen 150.000 Dollar zu 50.000 Dollar. Dann läge das das Einkommen des höchsten Quintils heute bei ca. 300.000, dass der mittleren drei Qunitile bei ca. 75.000. Das Verhältnis wäre damit auf 4:1 gestiegen – ein massiver Anstieg! Und das ist sicher ein Grund für Trump.

      Zudem unterschätzt die Aggregation nach Quintilen die starke Schiefe INNERHALB des obersten Quintils! Das oberste Prozent hat noch deutlich extremer hinzugewonnen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Ist mir auch aufgefallen und Ihre Frage beantworte ich „intuitiv“ ohne Faktenbasis so:

        Der geringe Gini in CH, CAN und SWE dürfte wie Sie vermuten vor allem auf die geringere Ungleichheit bei den Vermögen zurückzuführen sein.

        Speziell für CAN, wo man in der Bevölkerung eine durchweg andere Einstellung und Verteilung von Vermögen als in SWE und hierzulande haben dürfte, sollte das gelten.

        Andererseits besteht ein deutlicher Unterschied zwischen CAN und US, obgleich zwischen beiden Ländern keine allzu großen Unterschiede hinsichtlich der Einstellung zu und Verteilung von Vermögen festzustellen sein dürften.

        Ich glaube, dass in CAN die Arbeitsmärkte mehr auf einen geringeren Gini hin institutionalisiert (Gewerkschaften) und reguliert (Staat) sind. Sie dürften merklich näher an europäischen Verhältnissen liegen als die in USA.

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        Michael Stöcker sagte:

        Es gibt in der Schweiz keinen ausgeprägten Niedriglohnsektor: https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/arbeitsentgelt-in-der-schweiz-_4000-franken-als-marke-fuer-fairen-mindestlohn/44128172

        Ich weiß, dass man in Zürich an der Kasse zwischen 4.500 bis 5.000 Franken verdient. Und die Abzüge für einen Alleinstehenden ohne Kinder betragen dann ca. 700 EUR. Es verbleiben also ca. 3.800 CHF für einen Geringverdiener. Schon bei zwei Kindern ist das Nettogehalt Dank Familienzulage um ca. 145 CHF höher als das Brutto. Wer selber rechen möchte: Die ETH hat dazu einen Lohnrechner.

        LG Michael Stöcker

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        Dietmar Tischer sagte:

        In der Schweiz liegen die Dinge doch anders als ich oben angenommen habe.

        Hier eine Studie:

        https://www.ubscenter.uzh.ch/assets/publicpapers/PP6_Verteilung_von_Einkommen_und_Vermoegen.pdf

        Daraus:

        „ … die Vermögenskonzentration in der Schweiz zu den höchsten weltweit gehört, wo den reichsten 1% rund 40% des Gesamtvermögens gehören – rund doppelt so viel, wie dies etwa in Frankreich oder England der Fall ist. Das Ausmass überrascht, weist die Schweiz doch eine ausgeglichenere Einkommensverteilung auf. Ein Grund ist die Attraktivität der Schweiz für Topverdiener und multinationale Unternehmen, was sich schon in den hohen Anteilen der Top-0,1% und Top-0,01% der Einkommen äussert. Dies manifestiert sich in sehr hohen Vermögensanteilen dieser international erfolgreichen Personen.

        „ Gleichzeitig kann eine hohe Vermögenskonzentration wiederum zu Einkommensungleichheit beitragen, da Vermögenswerte in der Regel Kapitaleinkommen generieren. Diese fallen zum Beispiel in Form von Zinsen und Dividenden an und werden zum Einkommen dazugerechnet.“

        „Andererseits … fällt die Vermögenskonzentration deutlich, wenn die steuerbefreiten Vermögen aus der Pensionskasse und der freiwilligen Vorsorge mitberücksichtigt werden. Das reichste Prozent verfügt noch über etwas mehr als 25% der Vermögen, womit die Schweiz im internationalen Vergleich von einer Spitzenposition ins Mittelfeld der Vermögenskonzentration rücken würde.“

        „ … es der Schweiz mit dem guten Bildungsgrad breiter Bevölkerungsteile und der damit verbundenen hohen Arbeitsmarktpartizipation gelungen ist, sowohl sehr hohe als auch im Vergleich zu anderen Industrieländern für breite Schichten relativ ausgeglichene Einkommen zu erzielen.“

        Also:

        Der sehr geringe Gini bei Markeinkommen in CH ist VOR ALLEM einem relativ ausgeglichenem und hohem Arbeitseinkommen geschuldet. Die Vermögenskonzentration, ob nun weit überdurchschnittlich oder nur durchschnittlich, schlägt mit daraus erzielten Einkommen nicht so durch, dass der Gini abdriftet in Richtung SWE und CAN und schon gar nicht Deutschland und USA.

        Auf dieser GÜNSTIGEN Basis nach Markteinkommen musste nicht mehr viel durch Steuern und Transfers umverteilt werden, um beim Gini der verfügbaren Einkommen mit vorn zu liegen. CH schafft das mit der GERINGSTEN Umverteilung (kürzesten Verbindung) lt. Grafik.

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        troodon sagte:

        @ M.S.
        „Es gibt in der Schweiz keinen ausgeprägten Niedriglohnsektor“
        @ D.T.
        „„ … es der Schweiz mit dem guten Bildungsgrad breiter Bevölkerungsteile und der damit verbundenen hohen Arbeitsmarktpartizipation gelungen ist, sowohl sehr hohe als auch im Vergleich zu anderen Industrieländern für breite Schichten relativ ausgeglichene Einkommen zu erzielen.“

        Dies als mittelfristige Zielsetzung erscheint mir für D ebenfalls deutlich wünschenswerter, als die aktuelle Situation mit der Notwendigkeit der hohen Umverteilung.
        Womit wir wieder beim Thema Bildung/Qualifizierung wären…

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