„Why Japan isn’t afraid of robots“

Heute Morgen habe ich die Diskussion zum japanischen Szenario für Europa fortgesetzt. Passend dazu auch die sehr unterschiedliche Antwort der Regionen auf den demografischen Wandel. Hier Zuwanderung, dort Automatisierung. Die FT erinnert nochmals daran, weshalb Japan Robotern so viel positiver gegenübersteht:

  • „(…) we live in an age when workers and politicians in the US and Europe are terrified that automation will undermine employment — a fear that may even be contributing to the rise of populism and extremist politics. But as the hand-wringing about digitisation continues apace, it is worth looking at one country where robots do not seem to inspire quite so much fear: Japan.“ – bto: weil man da weiß, dass es die Antwort für eine überalternde Welt ist!
  • „(…) a Pew survey last year suggested that 83 per cent of Japanese people think that automation raises inequality. But they are less concerned that rising automation will make it hard for them to find a job, and an unusually high proportion think that a robot-filled economy would be far more efficient. Meanwhile, the Japanese media tend to view robots as a source of pride, not terror, since they highlight the country’s ability to innovate; indeed, with 300-plus robots per 10,000 employees, Japan has one of the highest take-ups of robots in the world.“ – bto: So gewinnt man die Zukunft!
  • „Why? One reason is that robotics is an industry where Japanese business is ahead of international competitors, creating a sense of national optimism. Another more subtle factor is that popular culture has tended to present robots as being friendly.“  – bto: bei uns hingegen Panik, Angst und Technologiefeindlichkeit.
  • „Japan’s birth rate is so low (1.43 births per woman) that its working-age population is shrinking at an alarming rate. Companies have responded by recruiting more women; (and) started to hire a few more workers from places such as China, Vietnam and the Indian subcontinent to fill positions in sectors ranging from elderly care to the development of artificial intelligence. But these measures cannot entirely plug the labour shortage, and there is still considerable hostility towards immigration. That makes automation seem less terrifying by default.“ – bto: Vor allem haben diese eine gesicherte Qualifikation.
  • „Japan’s publicly funded social safety net remains pretty robust, and there is still a high(ish) sense of social cohesion, common purpose and sacrifice. In the US, however, only about 30 per cent of the public expect the government to help with automation, while more than double that number expect the burden to fall on the individual.“ – bto: Und wir haben auch ein soziales Netz, egal, was immer erzählt wird.
  • „It will be interesting to see what happens, for example, in places such as Italy, where the birth rate is also falling sharply. (…) The key point is this: when it comes to robots, Japan may yet have an edge over other nations, not just in terms of its technology but in its attitude too; or, at least, its recognition that robots may yet enable the country to keep growing economically even as its population shrinks.“ – bto: in Deutschland mit der Angstkultur und dem dringenden Wunsch nach idiotischen Politikprogrammen statt Investitionen undenkbar.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Why Japan isn’t afraid of robots“, 12. Juni 2019

18 Kommentare
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    ikkyu sagte:

    In Deutschland und Europa werden die Arbeitsplätze nicht automatisiert sondern dekarbonisiert wegen der Klimarettung durch Einsparung von CO2.

    Die Mehrheit der deutschen Wähler hat dieser Politik der Altparteien (siehe CO2-Grenzwerte von PKW in 2030) bei der letzten Europa-Wahl auch zugestimmt.

    Der effektivste Klimaschutz ist nun mal die schnelle Verarmung der Bevölkerung und nicht die Erhöhung des Energieverbrauches durch Automatisierung.

    Diesbezüglich wird also geliefert, was bestellt wurde.

    Nachträgliches Jammern ist ein Zeichen einer durch Wohlstand hervorgerufenen Infantilität und Realitätsferne.

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        ikkyu sagte:

        @ Christiian Hu

        Zitat:
        „Es ist für mich auch nicht erkennbar, dass Arbeitsplätze „dekarbonisiert“ werden oder warum automarisierte Prozesse mehr Energie benötigen sollen (das Gegenteil ist der Fall).“

        Beim Ersetzen von manueller Arbeit durch Roboter (= Erhöhung der Anzahl der Energiesklaven) erhöht sich der Energiebedarf. Das ist Fakt.
        Man benötigt zusätzliche Energie und Rohstoffe für den Bau, den Betrieb, die Wartung und die Entsorgung der Maschine.

        Auch die zunehhmende Digitalisierung und Vernetzung wird den Energieverbrauch steigern. Zur Zeit werden bereits ca. 12% des Stromes in Deutschland von den Kommunikations- und Informationstechnologien „verbraucht“.

        Dass Arbeitsplätze in der deutschen KfZ-Industrie durch die CO2-Grenzwerte der EU oder durch den Kohleausstieg „weg-dekarbonisiert“ (Dank an Herrn Ott für die gute Erklärung!) werden, bestreitet nicht mal die Gewerkschaft.

        Zitat:
        „In diesem Artikel geht es nicht um den Klimawandel.“

        In Deutschland ist die Rettung des Klimas aber mittlerweile das bestimmende Thema in Politik und Wirtschaft.
        Deswegen sollte man imo die unterschiedlichen Automatisierungsmöglichkeiten in der japanischen Wirtschaft auch im Hinblick auf den dazu nötigen höheren Energieverbrauch diskutieren.

        Insbesondere die Sicherheit der Stromversorgung ist für IT und Automatisierung eine Grundvoraussetzung, die in Deutschland nach Abschaltung der Kern- und Kohlekraftwerke nach meiner Meinung nicht mehr gegeben sein wird.

        Hier ein Beispiel für die Schäden bei einem nur kurzen und lokal beschränkten Stromausfall:

        https://www.donaukurier.de/lokales/eichstaett/DKmobil-Nach-dem-Blackout-Schaden-an-IT-Geraeten-der-Uni-enorm;art575,4222897

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        Christian Hu sagte:

        Ein automatisierter Prozess benötigt immer weniger Energie als ein manueller. Es sei denn Sie gehen davon aus, dass Menschen keine Energie benötigen.

        Energie ist nicht gleich Strom.

        Für 1000 Überweisungen braucht ein Algorithmus wenige Watt. Manfred aus der Abteilung Inlandszahlungsverkehr würde als energetischen Input mal mindestens ein Frühstück und ein Mittagessen benötigen, wenn er es denn an einem Tag schafft

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        ikkyu sagte:

        @ Christian Hu

        Zitat:
        „Ein automatisierter Prozess benötigt immer weniger Energie als ein manueller. Es sei denn Sie gehen davon aus, dass Menschen keine Energie benötigen.“

        Das stimmt so pauschal nicht.

        Es ist vielmehr so, dass bei den aktuell noch günstigen Energie- und Rohstoffpeisen die Automatisierung von Produktionsprozessen in vielen Fällen kostengünstiger (Effizienz + Qualität + Steuerbelastung) ist als die manuelle Arbeit von Menschen.

        Billige Produktion bedeutet aber auch mehr Konsum und das bedeutet mehr Energieverbrauch und Abfall.

        Zudem bewirkt der Rebound Effekt, dass eventuelle energetische Effizienzgewinne nur zu einem kleinen Teil realisiert werden können.

        Bei Ihrer Betrachtung gehen Sie auch fälschlicherweise davon aus, dass der durch Automatisierung arbeitslos gewordene Mensch keine Energie mehr benötigt.
        Aber wie kommen Sie denn darauf?

        In der Realität ist es doch eher so:

        Wenn sich jemand aus Bequemlichkeit z.B. ein automatisches Garagentor (oder ein „Smart Home“) installieren lässt, erhöht das den Energieverbrauch und die Entropieabgabe an die Umwelt.

        Die modernen Menschen werden dann fett oder gehen ins Fitness-Studie, um die mangelende Bewegung zu kompensieren.
        Der Energiebedarf nimmt nicht ab.

        Der Ökonom Nicholas Georgescu-Roegen hat diesen Sachverhalt mit Bezug auf den 2. Hauptsatz der Thermodyamik so beschrieben:

        Um die für ihr Überleben notwendige niedrige Entropie (konzentrierte Energie/Materie) zu gewinnen, müssen die Menschen in ihrer Umwelt immer mehr (!) zerstreute Energie/Materie erzeugen: „Die populäre wirtschaftliche Maxime ,Es gibt nichts umsonst’ sollte daher ersetzt werden durch den Satz ‚Es gibt nichts, außer zu einem weit höheren Preis an niedriger Entropie.‘“

        „Der Wirtschaftsprozeß besteht aus einer kontinuierlichen Umwandlung von niedriger in hohe Entropie, also in nicht wiederverwertbaren Abfall, oder, um einen geläufigen Begriff zu verwenden, in Umweltverschmutzung.“

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    aDietmar Tischer sagte:

    >… it is worth looking at one country where robots do not seem to inspire quite so much fear: Japan.“ – bto: weil man da weiß, dass es die Antwort für eine überalternde Welt ist!>

    Wir wissen es BESSER, haben es schon immer besser gewusst, was DIE Antwort zu sein hat.

    In den Teil der überalternden Welt, die Deutschland heißt, werden Menschen aus allen Teilen Europas kommen. Sie werden dankbar sein für die Pflegeleistungen, die sie hierzulande erbringen können und die ihnen mehr Einkommen verschaffen als in ihren verfallenden Heimatländern.

    Und unsere älteren Menschen werden es zu schätzen wissen, dass ihnen Menschen und nicht der Roboter den Hintern abwischt, auch wenn sie das – verglichen mit ihrem Arbeitsleben – in relativer Armut erleben.

    Das passt dann auch zusammen mit einer arbeitenden Bevölkerung, die sich nicht so sehr mit der Entwicklung von Algorithmen herumschlagen will (und dazu auch weitgehend nicht fähig ist), sondern lieber im Öffentlichen Dienst verwaltet und notfalls auch im Stadtpark den Rasen klein hält.

    Es kommt nicht auf die „richtigen“ Antworten an, sondern dass es gesellschaftlich „passt“.

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    Horst sagte:

    „bto: in Deutschland mit der Angstkultur und dem dringenden Wunsch nach idiotischen Politikprogrammen statt Investitionen undenkbar.“

    Zu dieser „Angstkultur“ (Deflation, Rationalisierung der Arbeitskräfte, Nullzins durch verfehlte EZB-Politik, Scheitern des EURO etc. pp.), Herr Stelter, tragen auch Blogs wie dieser beim unbedarften, wenig informierten Leser bei.

    Insofern kann behauptet werden: Die Geister, die Ihr alle gerufen habt. Dass in der Folge „idiotische“ Politikprogramme (auch darüber (die Idiotie) ließe sich in Gänze streiten; dass sie mitunter umgesetzt werden in Abhängigkeit der Perspektive und Betroffenheit, bestreite ich nicht – war es jemals anders?) umgesetzt werden, da diese einer offensichtlichen mehrheitlichen Gesamtgemengelage (Enteignungen) entspringen, darf daher nicht verwundern.

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