Warum Deflation gut ist für Europa

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2015 wird ein konjunkturell gutes Jahr für die Eurozone. Dies liegt zum einen an der aufgestauten Nachfrage nach fast sieben Jahren Krise und dem billigen Geld, aber zum anderen auch an dem Verfall des Ölpreises. Alles Themen, die ich auch auf diesen Seiten angesprochen habe. Leser von bto wissen, dass ich Deflation für ein echtes Problem halte, weil sie die Schuldentragfähigkeit reduziert. Fallen die Einkommen auf breiter Front, werden die Schuldner immer weniger in der Lage sein, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Doch dieser Blick springt zu kurz, wie Daniel Gros in einem Kommentar festhält:

  • „Für die Fähigkeit zur Schuldenrückzahlung ist nicht das allgemeine Preisniveau entscheidend, sondern das Einkommen des Schuldners. Bei fallenden Ölpreisen sollte das (inflationsbereinigte) Realeinkommen der Haushalte steigen, da sie nicht so viel für Treibstoff und Brennstoffe ausgeben müssen. Niedrigere Ölpreise machen das Leben der hoch verschuldeten Haushalte in den USA oder der Peripherie der Eurozone nicht schwerer, sondern leichter. Sinkende Verbraucherpreise sollten daher als gutes Zeichen gewertet werden.“ ‒ bto: Das ist richtig. Das verfügbare Einkommen steigt. In den USA zeigen Studien, dass die Haushalte die Ersparnis nutzen, um Schulden abzubauen.
  • „Auch die meisten Produktionsunternehmen profitieren von niedrigeren Energiekosten und können so ihre Schulden besser bedienen. (…) Vielleicht nehmen die meisten der Einsparungen durch niedrigere Energiekosten zunächst die Form höherer Profite an, aber mit der Zeit könnte der Wettbewerb die Unternehmen dazu zwingen, einige dieser Mehreinnahmen als niedrigere Preise oder höhere Löhne weiterzugeben.“ ‒ bto: Dann wäre die Verbesserung der Schuldentragfähigkeit der Unternehmen allerdings temporär.
  • „Die staatlichen Einnahmen hängen nicht nur vom Konsum ab, sondern auch vom Wert der Inlandproduktion. Niedrigere Ölpreise führen zwar zu sinkenden Konsumentenpreisen, aber auch zu einer Steigerung der Produktion und des gesamten BIP.“ ‒ bto: Muss gestehen, dass ich hier nicht ganz dabei bin. Wenn die Schuldner den höheren freien  Cashflow dazu nutzen, Schulden zu tilgen, dann wächst die inländische Produktion nicht. Es kommt nicht zu der Mehrnachfrage. Kommt es zur Mehrnachfrage, werden entsprechend weniger Schulden getilgt.
  • „Die fallenden (Konsumenten-)Preise der Eurozone sollten also für alle Energieimporteure als positive Entwicklung gesehen werden.“ ‒ bto: einverstanden!

Damit ist der tiefere Ölpreis ein Konjunkturprogramm, welches zudem die extrem lockere Geldpolitik ermöglicht. Nur: McKinsey hat vorgerechnet, dass das Wachstum nicht ausreicht, um die Schulden unter Kontrolle zu bringen. Frankreich müsste 2,5 Prozent mehr wachsen, Portugal auch, von Spanien ganz zu schweigen. Und diesen Wachstumsschub erwarten selbst die größten Öl- und Euro-Optimisten nicht.

FINANZ und WIRTSCHAFT: Warum Deflation gut ist für Europa, 17. März 2015

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