„Trump is correct: German surplus is bad news for everybody else“

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Roger Bootle ist Chairman von Capital Economics, dem britischen Forschungsinstitut, welches den wohl einzigen brauchbaren Plan zur Auflösung des Euro vorgestellt hat. Jeden Montag schreibt er über grundlegende ökonomische Fragen im Telegraph. In dieser Woche haben es ihm die deutschen Handelsüberschüsse angetan. Es ist für Leser von bto nichts Neues, dennoch eine gute und wichtige Erinnerung daran, dass unsere Sicht auf das Thema leider völlig daneben ist.

  • „Does Donald Trump have a point on trade? (…) Germany (…) is running a surplus on its current account of over 8pc of GDP. This is what lay behind President Trump’s recent outburst at the G7 summit in Taormina, Sicily, describing German trade practices as very, very bad.“ bto: entsprechend fassungslos in unseren Medien kommentiert.
  • „The problem (…) extends beyond Germany. The workings of the single currency have turned the whole eurozone Teutonic. The eurozone’s external surplus now exceeds the combined surpluses of China and Japan. Germany and the euro are the source of the world economy’s greatest imbalance.“ bto: Und das schreibt kein Irrer …
  • Interestingly, there has been support for the German position on trade from some economists. They say that the US’s external deficit is not connected with trade practices in Germany or any other country but is rather the inevitable outcome of the imbalance between American savings and investment. In short, Americans collectively do not save enough.“ bto: was auch stimmt!
  • Of course, it is true that the US is under-saving or, if you like, over-spending. (…) Suppose that the US imposed a tariff on imports and that this had the effect of diverting demand to American-made products. Given available spare resources, this increased demand would increase American incomes and employment. Increased incomes produce increased savings. So there is a mechanism through which a change in behaviour set off by changes in competitiveness and/or policy reduces the deficiency of savings that is definitionally implied by the external deficit.“bto: Das muss auch inhaltlich nicht so falsch sein.
  • Avariant of the argument about the centrality of savings behaviour ascribes the US external deficit particularly to the US fiscal deficit (…) Those who take this view argue that if the American government reduced its spending and/or increased taxation (that is, reduced its negative saving) in order to reduce its budget deficit then, hey presto, the external deficit would also fall back.“bto: Auch das trifft zu.
  • But the consequent contraction of demand would also depress the American economy.“bto: richtig.
  • (…) Germany tends to save quite a lot and yes it produces some wonderful goods for export. But the German surplus is far from being inevitable. Over and above these factors, it arises from the interaction between tight German fiscal policy and the gains to competitiveness that have occurred to Germany as a result of being part of the single currency. The latter cannot easily be undone, unless Germany leaves the euro.“bto: Das erklärt, weshalb die Eurokrise zurzeit nur unterdrückt, aber nicht gelöst ist.
  • Germany is currently running a budget surplus that is due to grow over coming years. (…) Looser German fiscal policy would mean a lower German national saving rate and, as a result, a lower external surplus.“bto: Zudem wäre das in unserem Interesse!

bto: Der Druck in diese Richtung wird zunehmen und wir können nur hoffen, dass die Politik endlich die richtigen Schlüsse daraus zieht.

 The Telegraph: „Trump is correct: German surplus is bad news for everybody else“, 4. Juni 2016

9 Kommentare
  1. Paul Ziegler says:

    Klar, dem kann man nur zustimmen. Es ist auch so, dass z.B. Dänemark oder Holland noch größere Leistungsbilanzüberschüsse haben relativ zum BIP. Deren Wirtschaftsstruktur ist der Deutschlands eben auch ähnlich, die Länder sind nur zu klein um aufzufallen.

    Andererseits ist es auch so, dass die USA mit nahezu jedem Handelspartner ein Defizit haben. Ist jetzt die ganze Welt „bad, very bad“, oder ist einfach bloß die US-Wirtschaft bad, very bad im internationalen Wettbewerb plus der Folgen als Dollar-Finanzzentrum?
    Aber in Deutschland überkommt mich ohnehin das Gefühl, untermauert von Stastiken die auch hier immer wieder berichtet werden, dass massiver Kapitalverzehr im Gange ist, damit werden sich die Überschüsse bald in Luft auflösen, zusammen mit der gesamten Wirtschaftsstruktur.

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  2. Johannes says:

    Die Schwäche des EURO ist m.E. die Ursache. Ein EURO „kräftig“ wie die frühere DM würde dieses Problem lösen. Die südeuropäischen Euromitgliedsländer, incl. Frankreich, hingegen in den Abgrund stoßen.

    Deshalb wird seitens der EZB verhindert, dass der Euro aufwertet. Statt dessen, wird via Macron und Sympathie der großen Koalition/Bundesregierung, die Umverteilung zulasten Deutschland immer konkreter ins Auge gefasst. Wenn Deutschland schon nicht bereit ist, im großen Stil in seine eigene Infrastuktur zu investieren (hier im Blog oft als „Ausweg diskutiert), dann werden die Handelsbilanzüberschüsse Deutschlands halt in Europa verteilt. Oder ist das womöglich der Hintergrund, dass die Handelsbilanzüberschüsse gerade nicht in Deutschland investiert werden, weil sie dringend für Europa benötigt werden? Zutrauen würde ich es der Bundesregierung.

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    • Wolfgang Selig says:

      Ich denke, Sie trauen der Bundesregierung zu viel zu. So weit denkt wirtschaftspolitisch kaum einer. Vor lauter permantem „Feuerwehr“-Spielen geraten die strategischen wirtschaftlichen Fragen mangels Verständnis dafür außer Sichtweite. Und sie würden ja gerne mehr in die Infrastruktur investieren – sie können es nur nicht, weil sie es handwerklich nicht auf der Pfanne haben und sich durch unzählige Vergaberegeln und Personalsparmaßnahmen am falschen Ende in den letzen 25 Jahren selbst kastriert haben.

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      • Dietmar Tischer says:

        Ich traue der Bundesregierung zu, dass sie „strategisch-wirtschaftlich“ weit denkt.

        Sie wird sehr genau wissen, dass sie die Handelsbilanzüberschüsse nicht in Europa verteilen kann. Vor allem kann sie nicht zustimmen, dass sie institutionalisiert verteilt werden, d. h. die Verteilung festgeschrieben wird.

        Denn auch sie weiß, dass es keine Garantie für DAUERHAFTE Handelsbilanzüberschüsse gibt.

        Gibt es sie nicht mehr oder nicht mehr in diesem Maß, wären wir mit einer Festschreibung in der Bredouille.

        Sie wird auch sehr genau wissen, dass es richtig und vorteilhaft wäre, in die Infrastruktur zu investieren.

        Sie kann es aber nicht aus Gründen, die Sie genannt haben.

        Nur:

        Es gab und gibt weiterhin berechtigte Widerstände, das Personal mal da oder dort aufzustocken. Sie bekommen es nicht wieder oder nur zu hohen Kosten wieder los. Und die Vergaberegeln sind u. a. eine Folge unseres Gerechtigkeitswahns, der es allen recht machen will.

        Kurzum:

        Ja, die Bundesregierung muss permanent die Feuerwehr spielen und wo sie es nicht muss, hat sie keine großen Spielräume, viel zu bewegen.

        Jede Regierung agiert in einem Korsett, in das wir die Bürger und sie sich selbst des Machterhalts wegen geschnürt haben.

        Am Verständnis fehlt es nicht, in der Regierung sitzen keine Dummköpfe.

  3. Michael says:

    Hallo Herr Dr. Stelter,

    können Sie mir einen Lichtblick der Hoffnung geben und bestätigen/berichten das Ihr Blog von Politikern gelesen und im besten Fall mal wenigstens „einer“ aus unserem aufgeblasenen Parlament mit Ihnen Kontakt aufgenommen hat um sich das ganze einmal kompetent und unabhängig erklären zu lassen?

    Und wenn nicht, probieren Sie / haben Sie einmal probiert mit Politikern der ersten Reihe in Kontakt zu kommen?

    Ich frage nicht nach Namen!

    Viele Grüsse
    Michael

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    • Johannes says:

      „im besten Fall mal wenigstens „einer“ aus unserem aufgeblasenen Parlament mit Ihnen Kontakt aufgenommen hat um sich das ganze einmal kompetent und unabhängig erklären zu lassen?“

      Es gibt in unserem Parlament Lichtblicke – einen konnte ich aus nächster Nähe kennen und schätzen lernen. Inhaltlich können Sie hier lesen, wo er politisch positioniert ist:

      https://de-de.facebook.com/klauspeter.willsch/?_fb_noscript=1

      „Dumm“ ist nur, das die CDU ihn „kaltgestellt“ hat, als er zu deutlich und klar, die Fehler im Euro-System thematisierte…

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      • brunch68 says:

        Ich kenne Herrn Willisch nicht persönlich, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass Sie ihn schätzen lernen konnten.
        Umso ärgerlicher empfinde ich es dann, dass sich solche augenscheinlich kompetenten Personen selbst beschädigen:
        „Das Präsidium des Deutschen Bundestages stellt am 22. März 2017 gemäß der Verhaltensregeln für Mitglieder des Deutschen Bundestages fest, dass der Abgeordnete Klaus-Peter Willsch (CDU) seine Pflichten nach dem Abgeordnetengesetz verletzt hat, indem er nach mehrfachen Fristverstößen, die schriftliche Aufforderungen zur Fristeinhaltung nach sich zogen, sowie einer Ermahnung des Präsidenten die Frist zur Anzeige von Einkünften neben dem Mandat in einem weiteren Fall nicht eingehalten hat.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus-Peter_Willsch

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