„There Is No Excuse For Janet Yellen’s Complacency“

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Laden wir nochmal nach. Wie dämlich die Aussagen von Yellen waren, ist mittlerweile geläufig. Steve Keen, Lesern von bto durchaus bekannt, ist entsetzt.:

→ „To Make America Great Again, Write Off The Private Debt“

→ „Our Dysfunctional Monetary System“

→ QE ist kein Gelddrucken – erklärt mit doppelter Buchführung

Hier sein prägnanter Kommentar:

  • „Janet Yellen has been as saying that she does not believe that there will be a run on the banking system at least as long as she lives. The only word I can use to describe this belief is delusional. bto: Da hat er wohl recht, sie hat sich damit einen festen Platz in der Geschichte gesichert. Wie der arme Wetterfrosch der den schlimmsten Sturm Großbritanniens nicht vorhergesehen hat.
  • „The only way in which her belief could be justified would be in financial crises were truly random events, caused by something outside the economy — or just by a very bad throw of the economic dice. This is indeed the perspective of mainstream “Neoclassical” economic theory (…) So what we are getting from her is not merely her own personal complacency, but the complacency of an approach to economics which has always been grounded in the beliefs that (a) capitalism is inherently stable, (b) that the financial sector can be ignored when doing macroeconomics, and (c) that the Great Depression was an anomaly that can also be ignored (…).“ bto: Und diese Ökonomen bestimmen auch heute noch den Diskurs, weshalb sie uns absichtlich immer tiefer in die Probleme reiten.
  • „Someone who would not have been deemed suitable to run the Federal Reserve, before the Global Financial Crisis of 2007-08, was the maverick American economist Hyman Minsky. Minsky began from the perspective that, to be realistic, economic theory had to answer the question: Can It — a Great Depression — happen again?“ bto: Die Thesen von Minsky sind so einleuchtend wie klar. Ich frage mich immer, weshalb die traditionellen Ökonomen es nicht verstehen (wollen).
  • Minsky argued (…) that financial crises are not random, but are a manifestation of the innate nature of capitalist economies. They can be anticipated by trends in private debt (though their precise timing can’t be determined because their occurrence depends in part on firms’ willingness to borrow, or banks’ willingness to lend terminating in response to levels and rates of growth of private debt that are too high relative to GDP). bto:  Wie auch die BIZ schaut er auf das Kreditwachstum. Zu Recht!
  • „But most conventional economists don’t know that Minsky argued this, because he could only get published in journals that most conventional economists never read.“ bto: Warum sollte man denn auch mal was dazulernen? Kommt auch in anderen Berufen vor.
  • „Janet Yellen knows who Minsky was. (…) She gave a speech there just 18 months after the crisis began, at a conference named after Minsky, in which she praised Minsky (Janet Yellen, April 16 2009, A Minsky Meltdown: Lessons for Central Bankers). She noted in it the irony of her giving such a speech, when the previous time she had spoken at the Levy Institute, she had extolled the virtues of derivatives: Just as I cannot imagine that our present system of regulation will remain unchanged forever, I cannot imagine that we will ever reach a perfect system of regulation and supervision. However, we can, and I believe will, make the system better as we strive to adapt to changing realities. bto: was zeigt, dass sie eben nicht gut vorhersehen kann.
  • „When she spoke at the Levy Institute in the Spring of 1996, she clearly had no idea of Minsky, nor of his diametrically opposed view of how financial markets operated. But Minsky was alive when she spoke, and may well have attended her talk. If he had, he would have shaken his head at the naivety of the views she expressed then. So back then she said she couldn’t imagine a perfect system of regulation, but now she can imagine a world in which another financial crisis doesn’t occur in the lifetime of her audience in London (…).“ bto: was eine echte Dummheit war, wie gesagt.

→ Forbes: „There Is No Excuse For Janet Yellen’s Complacency“, 28. Juni 2017

8 Kommentare
  1. Wolfgang Selig says:

    Ist sie so naiv oder tut sie nur so? Das ist die alles entscheidende Frage. Nach etwas Nachdenken erinnert mich das Ganze fatal an den Auftritt von Frau Merkel und Herrn Steinbrück am Beginn der Finanzkrise (zur Verhinderung eines bank run) mit der Aussage: Ihre Spareinlagen sind sicher, die Bundesregierung garantiert sie. Beide wussten damals, dass sie das erstens von Gesetzes wegen her gar nicht zusichern durften und andererseits in Wahrheit auch finanziell nicht konnten. Weiß Frau Yellen etwas von aktuellen Krisensymptomen, das sie nicht sagen will oder darf? Streut sie hier schon aus Angst vor einem bank run bewusst verbale Beruhigungspillen, weil irgendwelche ihr bekannten Ereignisse drohen (z.B. die Insolvenz einer großen Finanzinstitution in den USA?)? Warum soll jemand eine solche hanebüchene Prognose ohne Not äußern? Das macht mich offen gestanden relativ nervös.

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  2. Lutz Gerwig says:

    Es kann natürlich sein, dass Yellen als Überzeugungstäterin spricht, was beruhigt:

    Die Rente ist sicher (Blüm)
    Ihre Einlagen sind zu 100% sicher (Merkel und Steinbrück)

    Und der urmenschliche Hang zum Selbstbetrug stärkt das eigene Weltbild, strahlt Vertrauen in die Masse der Schäfchen hinaus aus und bewirkt, vielleicht, dass aus dem Wasser wieder Wein wird.

    Wer sich selbst von Lügen überzeugt, zeigt auch anderen weniger Anzeichen des Lügens. Wer das alles selbst glaubt, reisst Unreflektierte zum Thema mit.

    Wie viel davon bewusst und wie viel unbewusst läuft, entzieht sich unserer Kenntnis, solange wir diesen Führern der neuen Zeit nicht ausführlich selbst begegnen.

    Narzissmus zeichnet sich auch dadurch aus, dass die Kunst der Verführung anderer zu eigenen Zwecken besonders ausgeprägt ist.

    Hat nicht eine amerikanische Studie, im HBR veröffentlicht, gezeigt, wie viel besser Top-Führungskräfte lügen können als andere? Das hat die Autorin selbst erschreckt.

    Frau Yellen ist in einer politischen Funktion, nicht in einer, in der ihre volkswirtschaftlichen Fähigkeiten im Vordergrund stünden. Sie tut, wofür sie eingestellt wurde.

    Erwarten wir von ihr oder von Frau Lagarde etwa die Wahrheit?

    Machen Sie weiter, die Widersprüche aufzudecken, für die interessierten Kreise Ihrer Leser ist das wichtig, dass jemand von Fähigkeiten und Hartnäckigkeit wie Ihnen den Schattenwald der Geisterführer dieser Zeit abgrast und zeigt, mit wieviel Heu die Leute mit Geldpositionen noch mehr Kohle für ihresgleichen zu alchimieren imstande sind. Für die ist es bisher auch immer gutgegangen.

    (Minsky-Aussagen waren schon in meinem Studium schwer zu finden, wenn man nicht nach ihnen suchte. Das gilt auch für Drucker oder Malik. Bedeutende Außenseiter, aber eben Außenseiter. Das klassische MBA-Denken wollte die nicht, St. Gallen ist nicht Berkely oder Harvard.)

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    • Dietmar Tischer says:

      >Frau Yellen ist in einer politischen Funktion, nicht in einer, in der ihre volkswirtschaftlichen Fähigkeiten im Vordergrund stünden. Sie tut, wofür sie eingestellt wurde.>

      So ist es.

      >Erwarten wir von ihr oder von Frau Lagarde etwa die Wahrheit?>

      Natürlich nicht.

      Wenn Frau Lagarde die Wahrheit sagen würde, müsste sie u. a. klipp und klar darlegen, dass nach Auffassung des IWF die Schuldentragfähigkeit Griechenlands nicht gegeben ist und so lange das so bleibt, sich der IWF nicht mehr an der Kreditgewährung für dieses Land beteiligen werde.
      Mit dieser Aussage hätte Schäuble vor der Wahl gestanden, entweder aufgrund seines dem Bundestag gegebenen Versprechens, dass die FINANZIELLE Beteiligung des IWF eine Bedingung für die deutsche Kreditgewährung ist, diese zu verweigern oder er müsst einem Schuldenschnitt zustimmen.

      Damit sind Probleme für Schäuble, Griechenland und die Eurozone verbunden.

      Da Lagarde die an sich schon schwierige Lage nicht eskalieren lassen wollte, hat taktiert statt die Wahrheit zu sagen.

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    • jobi says:

      Es ist der Narzissmus und die Hybris der Moderne, die meint, dass sich altmodische Primärtugenden einfach durch Finanzinnovationen ersetzen lassen. Ein kollektiver Irrtum, der in einer globalen Welt zu einer epochalen Bedrohung wachsen konnte.
      Die ehemals unabhängige Wissenschaft ist dabei zur Ersatzreligion verkommen. Aber auch die „Unreflektierten“ trifft eine erhebliche Mitschuld – glaubt man doch vor allem das, was man glauben möchte.

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      • Dietmar Tischer says:

        Hybris oder nicht:

        Finanzinnovationen und Geldpolitik sowie – vermehrt ins Spiel gebracht – die Fiskalpolitik sind der VERZWEIFELTE Versuch, über Nachfragestimulierung die Angebotsseite stabil zu halten.

        Zu glauben, dass dies GELINGT, ist auch m. A. n. ein kollektiver Irrtum.

        Nur wenige, wie etwa Minsky, sind ihm nicht verfallen.

        Sie sind Außenseite, die IM System als bedeutungslos gelten.

  3. Dietmar Tischer says:

    In der Tat, Keen ist brillant:

    Indem er die jüngsten Aussagen mit denen von 2009 konfrontiert, zeigt er, wie oberflächlich und inkonsistent Yellen agiert.

    Es ist verständlich, dass Yellen 1996 keine Ahnung von Minsky hatte.

    In 2009 hätte sie aber eine haben müssen, in der Konferenz ging es ja ausdrücklich um den Minsky Meltdown.

    Warum hat sie damals nicht gesagt, WAS getan werden MÜSSTE – insbesondere auch von den Notenbanken –, um den meltdown zu vermeiden (einmal vorausgesetzt, dass er damals zu vermeiden gewesen wäre)?

    Sie hat es nicht gesagt, weil es nicht ihre AUFGABE ist, es zu sagen.

    Wer wie Sie eine herausragende Position in einer maßgebenden Institution innehat, ist VERPFLICHTET dafür zu sorgen, dass das nächste Ereignis nicht zu einem ungünstigeren Zustand führt verglichen mit dem bestehenden.

    Um diese Verpflichtung zu erfüllen, muss er das dafür relevante Instrumentarium kennen, beherrschen und einsetzen, aber nicht über die Kernschmelze am Horizont reden.

    Über ihre Verpflichtung hinaus gehende Erkenntnisse sind AUSZUBLENDEN.

    Was man in dieser Position NICHT sein DARF:

    Ein WISSENSCHAFTLER, der über den Tellerrand schaut und sich daher mit bestimmten Mechanismen auseinandersetzen muss, die im vorliegenden Fall von Minsky bereits aufgezeigt waren und das institutionell vorgegebene Agieren infrage stellen.

    Denn Wissenschaftler – wenn sie denn dem Anspruch gerecht werden wollen – sind UNABHÄNGIG, weil nur dem Erkenntnisgewinn verpflichtet.

    Yellen ist in diesem Sinn nicht unabhängig, denn sie ist den OPERATIVEN Möglichkeiten ihrer Institution verpflichtet.

    Wer zwar wissenschaftlich ausgebildet ist, aber wie Yellen in einer institutionell exponierten Position tätig ist, kann NICHT mit wissenschaftlichem SELBSTVERSTÄNDNIS tätig sein.

    Das ist generell so, gilt u. a. auch für Politiker und das militärische Spitzenpersonal.

    Beispiel Merkel:

    Sie hat in „kleinem Kreis“ vorgerechnet, dass Europa heute etwa 7% der Weltbevölkerung hat, etwa 25% des globalen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet und damit 50% der weltweiten Sozialkosten erwirtschaften muss.

    Sie hat daraus geschlossen, dass Europa viel mehr investieren müsste als tut, um auch nur annähernd dieses Verhältnis zu halten.

    Es geschieht nicht, und – da sie recht hat – ist es nicht zu halten.

    Das ist der „Merkel Meltdown“.

    Kann Merkel als BUNDESKANZLERIN der Bevölkerung erklären, dass die Zukunft verglichen mit diesen Zahlen düster aussieht?

    Das kann sie nicht, weil es ihr Job ist an der Spitze der Institution REGIERUNG, das Land so lange stabil zu halten wie sie Bundeskanzlerin ist.

    Dieser Job SCHLIESST aus, die Bevölkerung mit ABSICHT zu verunsichern und dadurch möglicherweise die Gesellschaft zu destabilisieren – dies auch dann, wenn die ERKENNTNISSE wie im vorliegenden Fall längerfristig UNVERMEIDLICH auf Destabilisierung verweisen.

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