Nachtrag zur Demografie in China

Am Montag habe ich die Parallelen zwischen Japan und Europa diskutiert und in dem Zusammenhang ging es auch darum, dass China vielleicht noch deutlicher wie Japan aussieht und enden könnte. Ein wichtiger Grund dafür ist die demografische Entwicklung. Passend dazu zitiert John Authers bei Bloomberg aus einer Studie:

  • „(…) it is worth emphasizing that the scale of China’s demographic issue is underappreciated. These charts (…) from (…) Longview Economics of London demonstrate the problem clearly. First, China’s demographics are about to turn as drastically adverse as Japan’s. Its working age population has peaked and started a decline that from now on will be as steep as the one in Japan (…) far more problematic than Europe’s.“ – bto: Das muss man immer wieder  betonen. Es ist noch „schlimmer“ als Europa, aber dort setzt man auf Bildung und die homogenere Gesellschaft.

Quelle: Bloomberg

  • „(…) another uncomfortable comparison with Japan, this is Chinese corporate sector debt as a proportion of GDP, compared with Japanese history. Just because Japan engaged in a similar borrowing binge that then reversed does not of course prove that the same thing will happen in China. But it certainly qualifies as a ‘red flag’.“ – bto: wobei man dazu sagen muss, dass die Verschuldung in China falsch ausgewiesen wird.

Quelle: Bloomberg

Das zeigt Autors dann auch in einem seiner nächsten Newsletter, wo er auf Anmerkungen seiner Leser reagiert: „(…) the usual debt-to-GDP figures generally ‘vastly exaggerate the level of corporate debt by including debt from local government financing vehicles, centrally controlled state-owned enterprises (SOEs), and provincial SOEs, all of which are at least implicitly backstopped by the state.’ Making this adjustment drastically changes the composition of China’s debt.“ – bto: Das bedeutet nichts anderes, als dass die Schulden des Staates höher und die der Unternehmen geringer sind:

Quelle: Bloomberg

  • „It also makes China’s debt profile look similar to many other countries — although the speed with which the debt has grown should still, in my opinion, be cause for great concern.“ – bto: Und genau das ist der Punkt! Das Wachstum führt zu Fehlinvestitionen mit allen damit verbundenen Folgeproblemen.

Quelle: Bloomberg

Doch zurück zum Vergleich Japan/China: „Another problem for China is that the long process of urbanization, which powered its growth, has peaked. Without the huge flows of workers from the provinces eagerly powering Chinese industry and creating a middle-class marketplace, growth will be far harder. It will also grow more difficult to maintain growth in real wages, which is an important part of the Communist Party’s compact with the people (…)“ – bto: Das führt dazu, dass China alt werden könnte, bevor es reich wird.

Quelle: Bloomberg

Ob der Vergleich nun stimmt oder nicht, ist letztlich egal. Das Problem besteht darin, dass wir uns weltweit in eine Situation mit deutlich zu hohen Schulden manövrierten und auch Länder wie China bei der Party mitgemacht haben. Damit stellt sich immer dringender die Frage nach dem Endspiel.

4 Kommentare
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    Mrgalak sagte:

    Ich denke, dass selbst wenn die USA ihre Pforten weit öffnen würden (was m.E. nicht der Fall ist), der Pool der potentiellen qualifizierten Einwanderern, bedingt durch die demographische Entwicklung in Europa und Asien, immer kleiner wird. Der Markwert dieser Leute sollte sich im eigenen Land durch die demographische Entwicklung in Prinzip auch verbesseren.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Ich stelle mal – vielleicht ein wenig provokant – eine Frage in den Raum:

    Die arbeitende Bevölkerung in Japan, China und Europa geht zurück; in den USA steigt sie. Meine Frage lautet, ob sie in den USA nicht nur quantitativ, sondern auf qualitativ steigt?

    Denn wenn der Zuwachs beispielsweise v.a. aus lateinamerikanischen Flüchtlingen ohne Englischkenntnisse und mit überschaubarer Ausbildung besteht, könnte die amerikanische Demographie zahlenmäßig zwar besser aussehen als beim Rest, aber eventuell dennoch zu Produktivitätsproblemen führen.

    Hat hier jemand Daten dazu? Oder wenigstens qualitative Informationen?

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      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Mrgalak: Nein, die Frage war nicht rhetorisch gemeint.

        Aber ich hatte so eine vage Vermutung und die geht in Ihre Richtung bzgl. der H1-B-Visa. Aber Sie haben offenbar auch keine Daten, sondern nur grobe Schätzungen als Grundlage, oder? Meine Internetrecherchen waren zwiespältig, unvollständig und basierten vor allem offensichtlich nicht auf offiziellen Daten (wie z.B. der Immigrationsbehörde).

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