“Klimaneutrales Deutschland 2045” – ohne Budget­restriktion und tech­nische Realisierbarkeit

Die Vorgänger-Studie habe ich bei bto bereits besprochen. Da war sogar von einem “Wirtschaftswunder” die Rede:

Klimaneutrales Deutsch­land soll „Wirtschafts­wunder“ aus­lösen

Mein Fazit damals:

  • Viele Zahlen: nur eine einzige mit einem Euro-Zeichen und diese auch noch von anderen übernommen.
  • Viele Behauptungen: individuelle Mobilität unverändert, solange man ÖPNV nutzt oder zu Fuß geht.
  • „Neues Wirtschaftswunder“ versprechen, aber die wirtschaftlichen Folgen nicht beachten.
  • Carbon Capture Technologien propagieren, die politisch aber rundweg abgelehnt werden.
  • Der Umbau der Wirtschaft verursacht CO2. Wenn wir neue Gebäude, Bahnlinien, Windkraftanlagen etc. bauen, verursacht das CO2 und das wird völlig ausgeblendet. Also nicht nur die Kosten werden vernachlässigt, sondern auch die Klimafolgen des Umbaus.

Hier also nun die Aktualisierung mit Blick auf das Ziel 2045 statt 2050:

Zunächst das Bild bis 2030:

Dazu dann Folgendes:

  • Bis zum Jahr 2030 können die Emissionen in der Energiewirtschaft um 207 Millionen Tonnen CO2-Äq gesenkt werden. Erreichbar wird dies in erster Linie durch einen Kohleausstieg bis zum Jahr 2030 und einen stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung. Hinzu kommt ab Ende der 2020er-Jahre die beginnende Wasserstoffnutzung in Kraftwerken und KWK- Anlagen. Es wird angenommen, dass der frühere Kohleausstieg im Kontext mit einer Verschärfung des EU-Minderungsziels auf 55 Prozent und einer Anpassung des EU ETS erfolgen wird. Die dann höheren Kosten für CO2-Zertifikate beschleunigen die Beendigung der Kohleverstromung.“ – bto: Das ist ganz wichtig und bringt den Parteien, wie wir gesehen haben, auch Punkte im DIW-Ranking. Wie genau das gelingen soll, werden wir in der Studie hoffentlich noch lesen.
  • Mit der zunehmenden Elektrifizierung in allen Sektoren steigt der Stromverbrauch bis 2030 gegenüber 2018 um 51 Terawattstunden beziehungsweise 9 Prozent. Die Erneuerbaren Energien erreichen 2030 einen Anteil von etwa 70 Prozent am Bruttostromverbrauch. Ausgebaut werden hierfür die Offshore-Windkraft auf 25 Gigawatt, die Onshore-Windkraft auf 80 Gigawatt und die Photovoltaik auf 150 Gigawatt.“ – bto: Das klingt sehr gut. Liegt allerdings weit über der bisherigen Ausbauleistung und dürfte auch mit Kosten verbunden sein.
  • In der Industrie werden in den zentralen Grundstoffindustrien zur Erreichung der Klimaziele neue Prozesse etabliert. Unterstützend wirkt dabei, dass ohnehin etwa 50 Prozent der zentralen Industrieanlagen der deutschen Grundstoffindustrie in den nächsten zehn Jahren zur Reinvestition an- stehen. Vorreiter könnte die Stahlindustrie sein. Hier können ans Ende ihrer Lebenszeit kommende Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen ersetzt werden, die vorwiegend mit Wasserstoff und kleineren Anteilen Erdgas (später Biomasse) betrieben werden.“ – bto: Diese Verfahren sind in Entwicklung und derzeit extrem teuer. Der erforderliche grüne Wasserstoff ist nicht vorhanden.
  • Zusätzliche Minderungen im Gebäudebereich werden bis 2030 erreicht durch die Veränderung der Heizungsstruktur, den Ausbau der Wärmenetze sowie eine gegenüber 2015 um etwa 50 Prozent erhöhte energetische Sanierungsrate. Wärmepumpen gewinnen beim Einbau neuer Heizungen bis Mitte der 2020er-Jahre große Marktanteile, insbesondere im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser. Im Jahr 2030 werden sechs Millionen Wärmepumpen eingesetzt. Grüne Fernwärme gewinnt in urbanen Räumen eine stärkere Bedeutung.“ – bto: Wie konkret die Sanierungsrate um 50 Prozent gesteigert wird, muss noch erklärt werden. Abgesehen von den Kosten – schlägt sich das auch in geringeren Verbräuchen nieder? Denn in der Praxis freuen sich die Bewohner, wenn es wärmer ist, der Verbrauch an Öl etc. ist also nicht gesunken.
  • Im Verkehr findet bis 2030 eine Trendwende statt. Dabei bleibt die persönliche Mobilität vollständig erhalten, aber sie verändert sich. Die Menschen fahren deutlich mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Rad, und sie gehen mehr zu Fuß. Im Jahr 2030 werden bereits 14 Millionen Elektro-Pkw (inkl. Plug-in-Hybride) im Bestand sein. Güter werden verstärkt auf der Schiene transportiert und es wird fast ein Drittel der Fahrleistung im Straßengüterverkehr über elektrische Lkw mit Batterien, Oberleitungen und Brennstoffzellen erbracht.“ – bto: Die Methodik ist diese: Man nimmt einen Verbrauch an und dann wird einfach behauptet, dass dieser durch Erneuerbare Energien gedeckt wird. Es gibt hierbei nie ein Problem. Denn es ist einfach nur eine Frage der angenommenen Erzeugungskapazitäten.
  • Mit den dargestellten Maßnahmen können von 1990 bis 2030 zwei Drittel der notwendigen THG-Einsparung bis zur Klimaneutralität erreicht werden. Für das letzte Drittel müssen die eingeschlagenen Pfade nach 2030 konsequent und zügig weiterverfolgt werden, damit das Ziel bereits 2045 erreicht werden kann. Gegenüber der Studie ‘Klimaneutrales Deutschland 2050’, die für diesen letzten Schritt einen Zeitraum von 20 Jahren ansetzte, reduziert sich die zur Verfügung stehende Zeit um ein Viertel. Maßnahmen müssen also schneller umgesetzt, neue Techniken, Antriebe und Verfahren schneller eingesetzt und die notwendige neue Infrastruktur schneller zur Verfügung gestellt werden.“ – bto: Es ist leicht, Kapazitäten anzunehmen. Es ist nicht so leicht (und vor allem nicht billig) diese zu schaffen!

Es geht also um eine noch schnellere, noch radikalere Umstellung:

  • Im Bereich der Energiewirtschaft werden Erneuerbare Energien stärker und schneller ausgebaut. Der Stromverbrauch steigt von 2030 bis 2045 vor allem durch die weitere Elektrifizierung sowie die steigende Herstellung von Wasserstoff um 50 Prozent auf etwa 1.000 Terawattstun- den. (…) Um den Strombedarf der Klimaneutralität bereits im Jahr 2045 zu decken, ist deshalb ein schnellerer und stärkerer Ausbau der Windenergie und Photovoltaik in den Jahren nach 2030 erforderlich. Die im Jahr 2045 benötigte installierte Leistung von Photovoltaikanlagen beträgt 385 Gigawatt, gegenüber dem Vergleichsjahr in der Studie ‘Klimaneutrales Deutschland 2050’ bedeutet dies eine Steigerung um 70 Gigawatt. Auch für die Windkraft sind nochmals höhere Ausbaukorridore notwendig. Für Wind an Land ist im Jahr 2045 eine Erzeugungskapazität von 145 Gigawatt erforderlich, und der Ausbau von Wind auf See auf 70 Gigawatt muss auf das Jahr 2045 vorgezogen werden.“ – bto: Und wiederum ist es einfach, diese Kapazitäten anzunehmen. Deutlich schwerer ist es, diese zu bauen – abgesehen davon, dass Kapazität nicht gleichzusetzen ist mit Erzeugung.
  • In der Industrie setzt sich der Trend hin zu Strom und Wasserstoff sowie teilweise Biomasse als Energieträger fort, sodass die Industrie bis zum Jahr 2040 weitestgehend klimaneutral ist. (…) Beschleunigt gegenüber der Studie ‘Klimaneutrales Deutschland 2050’ erfolgt die Versorgung der großen Wärmebedarfe im Industriebereich mit Biomasse. Parallel dazu nimmt auch der Ausbau des CO2-Netzes in Deutschland ab dem Jahr 2035 schneller an Fahrt auf und kann so bis zum Jahr 2045 abgeschlossen werden. Zwischen 2030 und 2040 werden industrielle CO2-Quellen mit einer Abscheidemenge von jährlich 30 Millionen Tonnen CO2 mit dem CO2-Netz erschlossen, bis 2045 steigt die jährlich eingespeicherte Menge noch einmal auf 52 Millionen Tonnen.“ – bto: Da haben wir sie, die Annahme. Und so kann man natürlich eine Studie erstellen, die „beweist“, dass es möglich wäre.

Natürlich geht das nur mit einer deutlichen Senkung des Primärenergiebedarfs:

  • Im Szenario ‘Klimaneutrales Deutschland 2050’ halbiert sich im Zeitraum von 2018 bis 2050 der Primärenergieverbrauch, also der Energiegehalt aller in Deutschland direkt oder zur Umwandlung in Sekundärenergieträger genutzten Energieträger. Der Primärenergieverbrauch geht von heute ungefähr 13.000 Petajoule (PJ) auf etwa 6.500 PJ zurück. Mit dem aktuellen Szenario wird diese Halbierung des Primärenergieverbrauchs bereits im Jahr 2045 erreicht. Die Gründe hierfür sind in beiden Szenarien sinkende Verluste bei der Energieumwandlung und der deutliche Rückgang des Endenergieverbrauchs.“ – bto: Weniger Umwandlungsverluste kann ich nachvollziehen, die deutliche Senkung des Endenergieverbrauchs ist hingegen spannend. Denn es bedeutet wohl Sparmaßnahmen.  
  • Die Erzeugung in Deutschland erfolgt im Jahr 2045 (…) vollständig klimaneutral, das Stromsystem basiert dann zu 100 Prozent auf Erneuerbaren Energien. Erneuerbare Energien inklusive Wasserkraft und Biomasse decken dann 89 Prozent des Stromverbrauchs direkt, 6 Prozent entfallen auf Gaskraftwerke, die aus Erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff als Brennstoff nutzen. Die restlichen 5 Prozent werden durch zwischengespeicherten oder importierten Strom gedeckt. Das Stromsystem wird bis zum Jahr 2045 sehr flexibel und kann auch bei hohen fluktuierenden Anteilen effizient genutzt werden. Dies wird einerseits erreicht durch einen noch schnelleren Ausbau der Batteriespeicher sowie einen intensiveren Stromhandel mit dem Ausland. Andererseits wird auch der Stromverbrauch flexibilisiert: für die Elektromobilität, für den Einsatz von Wärmepumpen und für Elektrolyseure.“ – bto: Abgesehen davon, dass dies sehr ineffizient sein wird, stellt sich die Frage, wie die Speicherung gelingen soll. Das wird hier mal so angenommen, aber die technische Frage ist ungelöst. Die große Unbekannte ist die Anpassung des Bedarfs, zum Beispiel indem man die Wärmepumpen abschalten kann.
  • Der saisonale Ausgleich erfolgt im Wesentlichen durch die Erzeugung und Rückverstromung von Wasserstoff sowie durch die Nutzung der großen Speicherkraftwerke in Skandinavien und in den Alpen. Im Vergleich zu heute können durch Stromexporte in diese Länder die Speicherstände – insbesondere im Sommer und Herbst – geschont werden und somit im Winter mehr Strom zur Verfügung stellen.“ – bto: Ich erinnere an die Dimensionen. Die Schweiz hat bekanntlich nicht genügend Kapazitäten für sich selbst:
    Die wahren Kosten der Photo­voltaik am Bei­spiel der Schweiz
  • Und natürlich spielt Wasserstoff eine ganz große Rolle: „Insgesamt ergibt sich für 2045 ein Bedarf an Wasserstoff und sonstigen synthetischen Brennstoffen und Feedstocks in Höhe von 422 Terawattstunden, von denen 326 Terawattstunden importiert werden.“ – bto: woher?
  • Im Vergleich zur Vergangenheit beschleunigt sich der Ausbau der Photovoltaik und Windenergie. In der Dekade bis 2030 beträgt der mittlere jährliche Bruttozubau 10 Gigawatt bei Photovoltaik, 4,5 Gigawatt bei Wind an Land und knapp 2 Gigawatt bei Offshore-Wind. (…) Im Vergleich zu anderen Studien ergeben sich damit für 2045 vergleichsweise niedrige Volllaststunden von 2.200 bei Onshore- Windenergie und etwa 3.700 im Offshore-Bereich. Letztere können auch nur mit einer relativ niedrigen Bebauungsdichte erreicht werden, da auch Offshore-Windparks sich untereinander durch Effekte wie Windverschattung und Wirbelbildung beeinflussen können.“ – bto: Wie viel der Fläche Deutschlands wird damit bebaut und ist das realistisch? Sind die Volllast-Stunden jetzt realistischer?

  • Essenziell für die Dekarbonisierung des Stromsektors ist ein rasches Auslaufen der Kohleverstromung. Der steigende Preis für CO2-Zertifikate in Kombination mit niedrigen Erdgaspreisen führt in diesem Szenario dazu, dass die bis dahin verbliebenen Kohlekraftwerke Ende der 2020er-Jahre wirtschaftlich unter Druck geraten und vom Netz gehen. Im Szenario KN2045 steigt bis zum Jahr 2030 die Stromerzeugung aus Erdgas von heute rund 80 Terawattstunden auf etwa 130 Terawattstunden.“ – bto: Nun, zurzeit ist Erdgas so teuer, dass es sich lohnt, mehr Kohle zu verfeuern: Zur Abwechslung Fakten zur Klimapolitik
  • Die technischen Lösungen aus dem aktuellen Szenario KN2045 entsprechen dabei denen des Szenarios KN2050, sie werden allerdings im Szenario KN2045 beschleunigt ausgebaut und um- gesetzt, um mit dem schnelleren Ausbau der Erneuerbaren Energien Schritt zu halten. So wird das Lastmanagement in der Industrie weiter ausgebaut, um den Stromverbrauch zeitlich zu verlagern. Dies ermöglicht einerseits, kurzzeitige Lastspitzen zu mindern und andererseits, Erzeugungsspitzen Erneuerbarer Energien besser zu nutzen.“ – bto: Hat man das den Gewerkschaften schon mitgeteilt, dass man nunmehr hohe zeitliche Flexibilität der Arbeitskräfte erwartet?
  • Parallel hierzu wird die Leistung an Speichern deutlich erhöht. Hierzu zählen sowohl zentrale Batteriespeicher als auch Heimspeicher in Kombination mit PV-Anlagen in Haushalten sowie den Strommarktsignalen folgende Anteile der E-Fahrzeuge und Haushalte. Dies sind beispielsweise Autos oder Wärmepumpen, die ihren Strom- beziehungsweise Wärmespeicher flexibel – gesteuert über den Strompreis und damit vom Stromangebot und vom Netzzustand – laden oder aufheizen. Diese Speicher tragen mit ihrem Potenzial zum Lastmanagement entscheidend zur Integration der erneuerbaren Stromproduktion und auch zur Reduktion der Residuallastspitzen bei.“ – bto: Wir wissen aber, dass Tätigkeiten wie Kochen ziemlich viel Leistung verlangen, weshalb es eben mit Speichern nicht möglich sein wird, Dunkelflauten etc. zu überbrücken. Das bedeutet, man könnte hier auch schreiben – ein (technisches) Wunder geschieht.
  • Strom ist 2045 der dominante Energieträger in der Industrie und baut seinen Anteil bis dahin auf etwa 53 Prozent aus. Letztendlich bleibt die zusätzliche Anwendung von Strom jedoch aufgrund der absoluten Knappheit beschränkt.“ – bto: „Absolute Knappheit“ klingt nicht nach einem Szenario mit Puffer.
  • CO2-Abscheidung und -Speicherung nimmt im Szenario KN2045 eine wichtige Rolle ein: Bereits 2030 werden – wie im Szenario KN2050 – 1,2 Millionen Tonnen CO2 an günstig gelegenen Standorten der Zementindustrie abgeschieden, abtransportiert und in geeigneten CO2-Lagerstätten im europäischen Ausland (zum Beispiel: Niederlande, Norwegen) gespeichert. Nach 2030 werden Standorte der Primärstahlerzeugung sowie die großen Chemieparks Schritt für Schritt an ein zukünftiges CO2-Netz angeschlossen. Dort wird CO2-Abscheidung gezielt mit dem Einsatz biogener Energieträger kombiniert (BECCS), um negative Emissionen zu erzielen.“ – bto: Interessanterweise wird dieser enorm wichtige Punkt im Programm der GRÜNEN nicht angesprochen und spielt in der Beurteilung der Klimaprogramme der Parteien durch das DIW keine Rolle.
  • Die deutsche Stahlindustrie steht vor der Herausforderung, die emissionsintensive Hochofenroute zu verlassen. Während innerhalb der EU in anderen Ländern auch alternative Wege beschrieben werden, konzentrieren sich die in Deutschland produzierenden Standorte inzwischen auf Direktreduktionsanlagen als neuen Weg zur Reduktion von Eisenoxid zu Roheisen (hier: Direct Reduced Iron, DRI). Im ersten Schritt können Direktreduktionsanlagen mit Erdgas betrieben werden, was bereits eine CO2-Minderung von rund 66 Prozent gegenüber der Hochofenroute ermöglicht. Mittelfristig können dann ohne signifikante Umrüstung steigende Anteile an Wasserstoff beigemischt werden – so kann fossiles Erdgas sukzessive ersetzt werden. Die voraussichtlichen Produktionskosten für DRI-Stahl auf Basis von erneuerbarem Wasserstoff liegen auch 2050 mit knapp 600 Euro pro Tonne deutlich über den heutigen Produktionskosten in der Hochofenroute (knapp 400 Euro/t).“ – bto: Dann gibt es keine deutsche Stahlindustrie mehr. Einfach deshalb, weil es an anderen Standorten deutlich günstiger sein wird, Stahl zu erzeugen. Dauerhafte Subventionen sind denkbar. Allerdings gibt es Probleme mit Handelsverträgen und auch der EU, wenn es innerhalb der EU günstigere Standorte gibt. Diese werden die Subventionen nicht tolerieren.
  • Die angestrebte Reduktion der THG-Emissionen im Gebäudesektor ist anspruchsvoll, aber erreichbar. Eine große Herausforderung ist die lange Lebensdauer der Wärmeerzeuger und der Bauteile der Gebäudehüllen. Diese hat zur Folge, dass jedes Jahr nur ein geringer Anteil des Gebäude- und Anlagenbestands ersetzt oder modernisiert wird. (…) Wie im Szenario KN2050 sind auch im Szenario KN2045 die Umstellung der Wärmeversorgung sowie die Verbesserung der Effizienz bei Gebäudehüllen und Anlagen die beiden zentralen Maßnahmen zur Erreichung des Reduktionsziels. Auch im Szenario KN2045 werden ab 2025 keine neuen Wärmeerzeuger auf Basis von Heizöl oder Gas installiert. Zusätzlich wird im Szenario KN2045 die Nutzungsdauer fossiler Wärmeerzeuger auf maximale 20 Jahre beschränkt. Als Konsequenz fallen bis 2045 die fossilen Wärmerzeuger nahezu vollständig aus der Wärmeversorgung. Demgegenüber gewinnen die elektrische Wärmepumpe und Wärmenetze stark an Bedeutung.“ – bto: Auch hier gibt es technische Fragen, die ungelöst sind. Es wird einfach angenommen, dass sich alle Gebäude ertüchtigen lassen.
  • Gemäß einer aktuellen Erhebung des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) zur Sanierungstätigkeit wurden bei Ein- und Zweifamilienhäusern (EZFH) im Zeitraum 2010 bis 2016 jährlich rund 1,4 Prozent der Altbauten energetisch saniert, bei Mehrfamilienhäusern (MFH) rund 1,6 Prozent (IWU 2018). Umgerechnet auf den gesamten Gebäudebestand, also inklusive der Gebäude mit Bau- jahr jünger als 1978, ergeben sich jährliche Sanierungsraten von rund 1 Prozent bei den EZFH und annähernd 1,4 Prozent bei den MFH. Die einzelnen Bauteile zeigen deutliche Unterschiede bei der Sanierungshäufigkeit. Vergleichsweise hoch sind im Altbau die jährlichen Modernisie- rungsraten bei den Bauteilen Fenster (circa 2,5 Prozent) und Dach-/Obergeschoss (2,3 Prozent). Bei Fassaden beträgt der Anteil hingegen nur 1,1 Prozent, bei den Böden sogar weniger als 1 Prozent. Aufgrund der geringen jährlichen Modernisierungsraten verbessern die Sanierungsmaßnahmen nur langsam die energetische Qualität des Gebäudebestands und der Raumwärmeverbrauch nimmt nur langsam ab.“ – bto: Andere Studien messen gar keinen Rückgang des Wärmeverbrauchs.
  • Im Szenario KN2045 wird die Sanierungsaktivität deutlich angehoben. Bis zum Jahr 2030 steigt sie gleich stark wie im Szenario KN2050, nach 2030 fällt der Anstieg stärker aus. Die jährlichen Sanierungsraten steigen bei EZFH auf annähernd 1,7 Prozent und bei MFH und NWG auf über 1,8 Prozent. Dabei beziehen sich die Raten jeweils auf den Gesamtbestand. Bei den NWG wird ein zu den MFH vergleichbarer Anstieg der Sanierungsrate unterstellt.“ – bto: Warum sollte jetzt plötzlich mehr saniert werden? Wer bezahlt das und vor allem, wie rechnet sich das?
  • Die Zahl der betriebenen Wärmepumpen erhöht sich von knapp 1 Millionen Anlagen im Jahr 2018 über rund 6 Millionen Anlagen im Jahr 2030 auf über 14 Millionen Anlagen im Jahr 2045. Die eingebauten Wärmepumpen werden im Zeitverlauf aufgrund von technischen Weiterentwicklungen und Optimierungen zusehends effizienter. (…) Ein zunehmender Anteil der elektrischen Wärmepumpen wird flexibel gesteuert und der Betrieb dem Angebot an fluktuierender Stromerzeugung aus Windenergie und Photovoltaik angepasst.“ – bto: Man kann also nur heizen, wenn die Sonne scheint. Hm.
  • Beim Verkehr sieht es so aus: „Das Verkehrsangebot wird er- weitert und multimodales Verkehrsverhalten erleichtert. Die Mobilitätswende führt dabei nicht zu weniger Mobilität, sondern zu einer anderen Qualität von Mobilität. Das bedeutet, dass die Verkehrsnachfrage je Einwohner in etwa konstant bleibt, aber Wege auf umweltverträgliche Verkehrsmittel verlagert und gebündelt werden. So verringern sich die Verkehrsaufwände mit dem privaten Pkw und Mobilität wird mit den Erfordernissen des Klimaschutzes in Einklang gebracht.“ – bto: Das klingt zunächst harmlos, doch was ist damit gemeint?
  • Der öffentliche Verkehr (ÖV) verdoppelt sich nahezu bis 2035 im Mittel über alle Regionen und nimmt danach weiter zu, wobei eine Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr (MIV) stattfindet. (…) Der Radverkehr wächst bis zum Jahr 2050 insgesamt um 80 Prozent (…) Der Fußverkehr wächst bis zur Mitte des Jahrhunderts um insgesamt 28 Prozent.“ – bto: Da haben wir die Umerziehung. Weil die Chinesen nicht mehr Fahrrad fahren, sind wir dran. Nein, auch ich fahre Fahrrad und ich laufe ebenso viel zu Fuß.
  • Eine Verdopplung des Schienengüterverkehrs sollte angestrebt werden (…) Bis zum Jahr 2030 werden davon 190 Mrd. tkm und bis zum Jahr 2045 220 Mrd. tkm realisiert. Notwendig dafür ist eine enge Verzahnung von Deutschlandtakt und dem Ausbau der Infrastrukturkapazitäten.“ – bto: Ich habe in der Studie nicht gesehen, dass der mit diesem Ausbau verbundene CO2-Ausstoß irgendwo berücksichtigt wurde. Und wir wissen ja: Bauen ist sehr CO2-intensiv.

In der Studie geht es dann noch um viele weitere Sektoren und Maßnahmen.

Erneut taucht in der Studie nichts auf zu den Themen:

  • CO2-Ausstoß durch den Umbau.
  • Technische Machbarkeit – Speicherung, Wasserstoff, Flächenbedarf.
  • Kosten des Umbaus.
  • Wer die Kosten tragen soll.
  • Wie viel der Industrie wir dann noch haben.

Es ist nichts anderes als ein großes Excel-Sheet mit Energiebedarfen und -quellen, die stimmig gemacht wurden, ohne sie auf die Realisierbarkeit in der echten Welt – der Welt mit Budgetrestriktionen, des Wettbewerbs abzugleichen sowie mit anderen Aufgaben der Staaten.

Doch das ist nur eine einfache Kritik. Morgen kommt an dieser Stelle die Kritik der Ingenieure.

agora-verkehrswende.de (PDF): „Klimaneutrales Deutschland 2045″

Kommentare (43) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Thomas M.
    Thomas M. sagte:

    Da es sich um ein staatliches und stattliches Großprojekt handelt, sollte man die beschriebene zeitliche Planung entsprechend … kalibrieren.

    Wenn’s so gut fluppt wie beim BER, ist das ca. 2095 umgesetzt.

    In der Zwischenzeit werden bestimmt auch noch die technische Details und die Finanzierung gelöst ;)

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  2. Susanne Finke-Röpke
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Liebe Mitforisten,
    entspannen Sie sich bitte. Sobald die ersten Blackouts der alten Generation den Fernseher und der jungen das WLAN vermiesen, ändern sich die Wahlpräferenzen binnen 4 Wochen radikal.

    So etwas überlebt keine Klimakoalition, egal ob Ampel, R2G oder Jamaika. Bitte locker bleiben, nie in den letzten 75 Jahren gab es eine naivere Generation, die erst einmal mit der Realität und den Naturgesetzen der Physik konfrontiert werden muss.

    Mich beschäftigt das gar nicht. Die Quote der echten Umweltschützer war immer schon unter 10%. Keine Chance gegen Pauschalurlaub, Champions League und Streamingdienste. Von den Präferenzen der Neubürger will ich gar nicht erst anfangen…

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    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Schon richtig.

      Es gibt aber ein FUNDAMENTALES Problem, das m. A. n. die Ablauf als einen etwas unbestimmteren kennzeichnet:

      Eine nicht zu unterschätzende Fraktion der Klimaaktivisten wird beim ersten Blackout sagen, dass nicht prinzipielle UNMÖGLICHKEIT vorliege, hinreichend erneuerbare Energie zu produzieren, sondern, dass zu WENIG getan wurde und daher deutlich zugelegt werden müsse.

      Das wird schon jetzt gepredigt, wie die Möchtegernkanzlerin demonstriert:

      Die Koalition hat NICHTS getan, es darf kein Weiter so geben.

      NICHTS getan angesichts der Abermilliarden, die bereits für das Abenteuer ausgegeben wurden – das läuft durch in der Diskussion, keiner greift da ein.

      Wenn die Sache holprig wird, kann man sich gleichwohl aufs Holzen einstellen.

      Es wird erst einmal hässlich.

      Aber, völlig richtig, dann gibt es die Absetzbewegung.

      Da wird zwar taktiert werden wegen des Problems der Schuldzuweisung, aber die Stimmung in der Bevölkerung ist ausschlaggebend.

      Und dafür ist wiederum ausschlaggebend:

      Eine Überzahl älterer Menschen, denen SICHERHEIT über alles geht und die, wenn es ungemütlich und undurchsichtig wird, den Stecker zieht.

      Ich denke, dass man damit rechnen kann.

      Wenn es nicht um so viel verfehlter Allokation, Unsummen Geldes und vielleicht kaum heilbare gesellschaftliche Spaltung ginge, würde ich an Stelle von Entspannung sogar sagen:

      Tiefenentspannt bleiben.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Eine nicht zu unterschätzende Fraktion der Klimaaktivisten wird beim ersten Blackout sagen, dass nicht prinzipielle UNMÖGLICHKEIT vorliege, hinreichend erneuerbare Energie zu produzieren, sondern, dass zu WENIG getan wurde und daher deutlich zugelegt werden müsse.”

        Im leider zum Fanatismus neigenden Deutschland ein sehr wahrscheinliches Szenario. Das war bei einem anderen höchst umstrittenen Großprojekt auch schon 1943 die kommunikative Strategie der damaligen deutschen Regierung…

        “Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Klimaschutz? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als wir ihn uns heute überhaupt noch vorstellen können?”

        https://www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_de&dokument=0200_goe&object=translation

      • troodon
        troodon sagte:

        @Dietmar Tischer
        ” dass zu WENIG getan wurde und daher deutlich zugelegt werden müsse.”
        Das war doch gar keine richtige Energiewende :)

  3. JürgenP
    JürgenP sagte:

    „Maßnahmen müssen also schneller umgesetzt, neue Techniken, Antriebe und Verfahren schneller eingesetzt und die notwendige neue Infrastruktur schneller zur Verfügung gestellt werden“.

    „Schneller“ scheint ein gewichtiges Argument zum Weltretten zu sein.

    Hat irgendeiner dieser Studienfunktionäre eine auch nur simple „neue Technik“ in die normierte Welt der allgemein anerkannten Regeln der Technik gesetzt.

    Nein. Unmöglich.

    Denn sonst wüssten Sie, dass in diesem Lande alles was sich außerhalb der Normen und Regelwerke bewegt, nicht nur nicht schneller zu realisieren ist, sondern von auch von Claim-Interessen bestehender Industrien mit allen Mitteln blockiert werden, wenn es gegen die finanziellen Interessen geht. In diesem Land läuft gar nichts schneller, es sei denn, Typ wie Jobs oder Musk jagen die Bedenkenträger vor sich her – mit viel Geld im Rücken.

    Auf “schneller” zu setzen ohne irgendwelche realen Vorstellungen der Umsetzung ist bodenlos naiv.

    Ausnahme: eine Mikrobe schlägt zu. Dann kann alles sehr schnell gehen.

    Antworten
  4. JürgenP
    JürgenP sagte:

    Wunschtraum zur Weltrettung: „Die Zahl der betriebenen Wärmepumpen erhöht sich von knapp 1 Millionen Anlagen im Jahr 2018 über rund 6 Millionen Anlagen im Jahr 2030 auf über 14 Millionen Anlagen im Jahr 2045“.

    Wunschdenken, damit das Weltretten funktioniert: „Ein zunehmender Anteil der elektrischen Wärmepumpen wird flexibel gesteuert und der Betrieb dem Angebot an fluktuierender Stromerzeugung aus Windenergie und Photovoltaik angepasst“.

    Realität mit der keiner gerechnet hat: Mikrobiologie im Trinkwasser.

    ***
    Stand: 11.12.2020
    Mitteilung des Umweltbundesamtes: Kollisionsregel Trinkwasserverordnung und Gebäudeenergiegesetz – Mindesttemperatur von erwärmtem Trinkwasser aus Großanlagen zur Trinkwassererwärmung

    Mitteilung des Umweltbundesamtes nach Anhörung der Trinkwasserkommission

    Die Temperatur von erwärmtem Trinkwasser hat Einfluss auf die Vermehrung von Legionellen. Nach Fertigstellung eines Gebäudes ist die Temperatur neben dem Verbrauch der einzig verbleibende Faktor, der direkt beeinflusst werden kann. Zur Vermeidung einer Vermehrung von Legionellen in Trinkwasser-Installationen von Gebäuden fordert das DVGW-Arbeitsblatt W 551i, als allgemein anerkannte Regel der Technik in Systemen mit zentraler Trinkwassererwärmung, Mindesttemperaturen für das erwärmte Trinkwasser. Am Austritt des Trinkwassererwärmers in einer Großanlage nach § 3 Nummer 12 TrinkwV muss danach eine Temperatur von 60 °C dauerhaft eingehalten werden.

    Zusätzlich DARF die Warmwassertemperatur im gesamten Zirkulationssystem eine Temperatur von 55 °C in einer Großanlage NICHT unterschreiten.
    ***

    jur: „Darf nicht“ > >> „flexible Steuerung einer Wärmepumpe“ = Vorsätzliche Gefährdung menschlicher Gesundheit durch Legionellen beim Lebensmitteln Nr. 1 Trinkwasser.

    §§ 178 und 179 StGB regeln die vorsätzliche oder fahrlässige Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Der Zweck dieser Regelungen liegt in der Epidemiebekämpfung und soll die Gesundheit der Bevölkerung schützen. Die gegenständliche Krankheit muss dabei anzeige- oder meldepflichtig sein.

    Fazit: Keine einzige Wärmepumpe in Großanlagen wird flexibel gesteuert oder gar abgeschaltet nach dem deutschen Infektionsschutz- und Strafrecht. Ausgenommen sind selbstverständlich die Einfamilienhausbesitzer als WP-Betreiber, die schon jetzt ihre eigene Gesundheit oder die der Familienmitglieder riskieren dürfen nach Belieben.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @JürgenP

      Ließe sich das Problem nicht ganz einfach dadurch lösen, dass Trinkwassererwärmung in der Haustechnik komplett verboten wird?

      Jedes Verbot ist ja immer auch ein Innovationstreiber… wenn wir zum Beispiel Extrakte aus Chilischoten (Capsaicinoide) in unser Duschgel mischen, fühlt sich das morgendliche Duschen auch mit Kaltwasser im Winter auf der Haut schön heiß an (aber bitte nur mit Schutzbrille, sonst brennt es in den Augen).

      Ich sehe den nächsten Gewinnerslogan der Grünen, besonders bei jungen Frauen aus der Generation Greta, schon vor mir: “Kalt duschen fürs Kliemer”

      Antworten
      • JürgenP
        JürgenP sagte:

        Tja, Herr Ott, wozu der deutsche Erfindergeist unter Druck immer noch fähig ist. Chili auf die Haut schmieren, um mit Kaltwasser zu duschen, das gehört in die “Höhle des Löwen”.

        Nun kommt das “Aber”: während Sie für den Vorschlag aus dem Studio direkt in die Anstalt gefahren werden, bekommt der Bewerber mit dem PetaTerraGigaBatteriespeicher (Entwicklungsvorstufe I) den Zuschlag für seine Idee, und eine paar Millionen Investment, um das Ding noch schnell zu Ende zu entwickeln.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @JürgenP

        “Tja, Herr Ott, wozu der deutsche Erfindergeist unter Druck immer noch fähig ist. Chili auf die Haut schmieren, um mit Kaltwasser zu duschen, das gehört in die ‘Höhle des Löwen’.”

        Ich bin leider nicht fernsehtauglich genug für so einen Auftritt, aber wenn ich eine junge Frau mit Greta-Zöpfchen im Badeanzug die Präsentation machen lasse (“Uhh, das kribbelt schon, ohne dass ich überhaupt an Robert Habeck denke!”), dann werden sich Judith Williams und der Maschi eine regelrechte Bieterschlacht liefern.

        1 Million Euro für 5% Anteile, na wie wärs?

  5. Axel Braun
    Axel Braun sagte:

    Auch hier wird wieder das Thema ‘Batteriespeicher’ als Lösung angesehen. Rechnen wie mal nach:

    Wir verbrauchen im Schnitt 15kWh am Tag, im Winter tendenziell mehr, im Sommer weniger. Wenn ich eine Dunkelflaute von 10 Tagen überbrücken muss (was eher zu knapp gerechnet ist, siehe [1]) brauche ich also 150 kWh Speicher. Da man eine Batterie nicht komplett leer fahren sollte, plus etwas Sicherheit (Winter!) gehen wir also von 300 kWh Speicherbedarf aus.

    Aktuell würden das rund 30.000€ an Batteriekosten sein, plus Leistungselektronik, Montage etc. Nimmt man hingegen den Tesla Megapack [2], steigen die Kosten auf rund 90.000€ (incl. Elektronik)

    Nur mal als Größenordnung – zum aktuellen Strompreis sind 30.000€ die Stromrechnung für rund 25 Jahre. Ob die Akkus so lange halten darf bezweifelt werden. Eine Investition, die sich wohl nie amortisiert……und ein Scenario (Batteriespeicher als Lösung), welches einfach nicht realistisch ist.

    [1] https://www.econstor.eu/bitstream/10419/236723/1/Ruhnau-and-Qvist-2021-Storage-requirements-in-a-100-renewable-electricity-system-EconStor.pdf
    [2] https://www.golem.de/news/energiespeicher-tesla-verraet-preis-fuer-megapack-akku-mit-3-mwh-2107-158452.html

    Antworten
    • troodon
      troodon sagte:

      @Axel Braun
      “Auch hier wird wieder das Thema ‘Batteriespeicher’ als Lösung angesehen.”
      Batteriespeicher sind nicht DIE Lösung, sie sind ein KLEINER Teil der Lösung.

      Bei Dunkelflaute von mehreren Tagen wird der teure H2 Strom erzeugt:
      “6 Prozent entfallen auf Gaskraftwerke, die aus Erneuerbaren Energien erzeugten Wasserstoff als Brennstoff nutzen”
      Ob die 6% ausreichen ist dann eine andere Frage, die sich erst im laufe der nächsten Jahre klären wird.

      Die Langfristszenarien kommen übrigens sogar auf noch geringeren Bedarf von nur rd. 4%,
      42 TWh im Jahr 2050 für Strom aus gespeichertem H2
      https://enertile-explorer.isi.fraunhofer.de:8443/open-view/6701/608ceda1b4d97bea1532ebdc5dfcedda

      Klar darf man da skeptisch sein, ob das ausreicht. Deshalb “nach vorne irren”.

      Antworten
  6. Rolf Peter
    Rolf Peter sagte:

    Laut Studie beschreibt sie ein Szenario und Strategien. Mit anderen Worten, die Studie formuliert Teilziele, die erreicht werden müssen, bzw. Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, wenn Klimaneutralität erreicht werden soll.

    Die Studie kann und will nicht im Detail beschreiben, wie diese Teilziele und Voraussetzungen erreicht werden. Sie zeigt auf, in welche Richtung geforscht und entwickelt werden muss, um Klimaneutralität zu erreichen.
    Im Grunde kritisiert Herr Stelter, dass die Studie einem Anspruch nicht gerecht wird, den sie selbst nicht an sich stellt.

    Auch klar, unterstelle ich jetzt mal, wuerde die Studie ins Detail gehen, wuerde er „Anmassung von Wissen“ kritisieren.

    Vor kurzem hat er CCS noch als Tabu besprochen; hier spielt es inzwischen eine wichtige Rolle. Auch diese Technologie ist weit von der grosstechnischen Anwendung entfernt. Trotzdem ist Herr Stelter ein grosser Fan davon.

    Irgendwie kommt mir das so vor: Hauptsache kritisieren und verschleppen; Massnahmen verschieben (Technologie und Wachstum werden es schon richten) und die anderen (Afrikaner, Asiaten) sollen schonmal bei sich anfangen. Wir sind ja so klein.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Rolf Peter

      “Hauptsache kritisieren und verschleppen; Massnahmen verschieben (Technologie und Wachstum werden es schon richten) und die anderen (Afrikaner, Asiaten) sollen schonmal bei sich anfangen. Wir sind ja so klein.”

      Naive Gesundbeterei. Wenn unser “Klimaneutralitäts-Plan” nur mit gigantischen Importen aus dem Ausland funktionieren kann, und sie ihn trotzdem toll finden, dann machen SIE sich genau das zueigen, was Sie bei Stelter kritisieren.

      Ich habe eine Frage an Sie zum Zitat, das der Stoertebekker in der “Studie” gefunden hat:

      “Insgesamt ergibt sich für 2045 ein Bedarf an Wasserstoff und sonstigen synthetischen Brennstoffen und Feedstocks in Höhe von 422 Terawattstunden, von denen 326 Terawattstunden importiert werden.”

      Woher sollen diese ganzen Importe kommen?

      Antworten
      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        “Wenn unser “Klimaneutralitäts-Plan” nur mit gigantischen Importen aus dem Ausland funktionieren kann und sie ihn trotzdem toll finden,… ”
        Auch zur Zeit importieren wir nun einmal reichlich Energie nach D…

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Ja, klar. Aber dann brauchen wir unbedingt “grüne” Energieimporte beziehungsweise die Importe “grüner” energiereicher Rohstoffe, sonst ist die “Klimaneutralität” nach diesem Plan zum Scheitern verurteilt.

        Wer sollen also die zugehörigen “grünen” Exporteure sein?

      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        Es wird doch klar gesagt, dass es nur europäisch klappt. :)

        Und in den LFZ nimmt man sogar an, dass in FRA per 2050 Strom noch zu rd 25% aus AKW stammt.;)
        Es würde mich nicht wundern, wenn das mehr wird.
        Wie viel es sein wird, wird letztlich vom Verlauf der D Energiewende abhängen.
        Um uns herum wird man zusehen, wie das Experiment verläuft und dann sein Schlüsse ziehen.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Jaja, unsere “Klimaneutralität” funktioniert nur dann, wenn der Rest Europas, der jetzt insgesamt ebenfalls ein Netto-Energieimporteur ist, irgendwie zum “grünen” Energieexporteur wird.

        Scheint ja total einfach zu sein, das zu realisieren – außer für Deutschland, da funktioniert die “Klimaneutralität” nur mit riesigen “grünen” Energieimporten.

        Erschreckend ist, dass so ein hirnverbrannter Schwachsinn bei den Grünen und Grünen-nahen Organisationen als seriöser Plan durchgeht und die dann glauben, es sei alles ausgerechnet.

      • troodon
        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        Durchgerechnet ist es schon. ;)
        An der realen Umsetzung kann es aber, aus den verschiedensten Gründen, sehr wohl scheitern.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Ja, alles ganz toll ausgerechnet und optimiert, nur vollkommen realitätsfern. Das erinnert mich an den Witz, in dem ein Mathematiker eine möglichst große Fläche mit Maschendraht umzäunen soll, und sich dann selbst in den Zaun einwickelt und dabei ruft “Ich bin außen!”

    • weico
      weico sagte:

      @Rolf Peter

      “Die Studie kann und will nicht im Detail beschreiben, wie diese Teilziele und Voraussetzungen erreicht werden. Sie zeigt auf, in welche Richtung geforscht und entwickelt werden muss, um Klimaneutralität zu erreichen.”

      Die Studie ist ein schönes Beispiel, wie “Klimapopulisten” eine Studie mit theoretischen Wunschzahlen als “wissenschaftliche Studie” verfassen und die “Klimajünger” ,Politiker und Medien diese dann als “Realität” betrachten und einfach “nachbeten”.

      Kritiker dieser Studie ,verschiedene Prof. und Dr., halten die Agora-Studie für….. “Wert-los”.

      Zitat :
      “Fehlt in einer Energiewendestudie auch nur eine dieser vier Bilanzen, ist sie im Wortsinne
      „Wert-los“ und damit untauglich für die Politikberatung.”

      https://holgerwatter.files.wordpress.com/2021/09/2021-09-01-sammelmappe_agora.pdf

      Antworten
      • troodon
        troodon sagte:

        @weico
        Eine Studie ist ein Studie und kein Prognose, erst recht keine Wahrheit.
        Wer das verwechselt ist selbst schuld.

        “Es ist nichts anderes als ein großes Excel-Sheet mit Energiebedarfen und -quellen, die stimmig gemacht wurden, ohne sie auf die Realisierbarkeit in der echten Welt – der Welt mit Budgetrestriktionen, des Wettbewerbs abzugleichen sowie mit anderen Aufgaben der Staaten.”
        So ist es.
        Und es besteht die nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass die Politiker aus verschiedensten Gründen an der Umsetzung scheitern.
        Nur ohne Studie wäre es noch schwieriger. Irgendein Szenario muss man schon haben…

    • JürgenP
      JürgenP sagte:

      @Rolf Peter
      „[Die Studie] zeigt auf, in welche Richtung geforscht und entwickelt werden muss, um Klimaneutralität zu erreichen“. (…) „Irgendwie kommt mir das so vor: Hauptsache kritisieren und verschleppen; Massnahmen verschieben“.

      Die Studie zeigt den wichtigsten Teil der zur Umsetzung der Zielsetzungen nicht auf: das Forschen und Entwicklung der Methoden, die benötigt werden, um deklarierte Ziele tatsächlich erreichen zu können.

      Was will man nicht alles ändern, anpassen, neu entwickeln, beschleunigen, abschaffen usw.usw.usw. – und bedenkt in grandioser Naivität nicht ansatzweise, dass die Tools dazu auf breiter Front fehlen.

      Tools? Ja, das sind erfahrungsbasierte Werkszeuge für simultanes Transformieren von alten zu neuen Systemen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft. Es ist nicht so wie 1989, als auf ein ruiniertes System einfach ein vorhandenes drauf gesetzt werden konnte (mit gerade noch tolerierbaren Reibungsverlusten). Ein kopierbares System gibt es diesmal nicht.

      Kritik an dieser von allen guten Geistern verlassenen Herangehensweise ist zwingend.

      Antworten
  7. weico
    weico sagte:

    @foxxly

    “war es nicht schon mehrfach in unserer geschichte der fall, dass das volk entsprechend manipuliert wurde, um bestimmte dinge zu erreichen; – nach dem motto: “wollt ihr den totalen krieg”
    anschließend die parolen “bis zum endsieg””

    Warum aber gerade in DEUTSCHLAND die “grossen Masse ” dem KLIMA-POPULISMUS so völlig verfallen ist und an die KLIMARETTUNG glaubt …..wäre eine “Studie” wert.
    Wird sicherlich Studien geben, alleine schon wegen der “Schuldfrage” …wenn das ganze Klimawendedebakel dann zusammenbricht !

    Schön zum Thema “Krisen” , der wunderbar (zu)treffende Beitrag von Deborah Ryszka.
    Um die Leser nicht zu “gefährden” (Sie schreibt ja auch auf der “rechtslastigen” Webseite “Achgut” ) Diesmal aus dem katholischen Blatt “Die Tagespost” :

    Aus dem Artikel:

    “Weder Rechts- noch Linkspopulisten spalten das Land, sondern Dummheit und Unbildung, oder die massenkonsumorientierte Ausbildung als billiges Produkt. Wie Gustave LeBon wusste, die Masse besitzt weder Vernunft, Triebkontrolle oder ein hohes Bildungsniveau. Daher zerstört sie notgedrungen das Bestehende. Grundlos und ohne vernünftige Alternativen. Das ist die eigentliche Krise unserer Zeit.”

    https://www.die-tagespost.de/kultur/feuilleton/verbildete-dummheit-fuehrt-zu-krisenlust-mit-feenstaub-art-221008

    Antworten
    • foxxly
      foxxly sagte:

      @ weico
      diese erforschung ist und wäre weiter hoch interessant, das “warum der deutsche”.
      neben vielen anderen ergebnissen denke ich, dass der deutsche mit seiner mentalität zu mehr und guter leistung, alles perfekt zu machen, etc. keinen blick mehr macht, was umsich geschied.
      daraus könnte auch die unterwürfigkeit mit bedingt sein.

      er vertieft sich im detail und verliert den gesamtzusammenhang.
      er schafft die komplexität und verliert dann das wesentliche.

      jedenfalls nutzen diese eigenschaft machthaber anderer länder.
      wenn dann noch der deutsche große fehler macht, dann hat man ihn ewig im zaume mit der schuldenlast, was er angestellt hat.
      und so schuftet er brav weiter, mehr für andere, als für sich selber.

      diese geschichte scheint sich gerade mit der zuwanderung zu wiederholen.

      Antworten
  8. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    „Im Szenario ‘Klimaneutrales Deutschland 2050’ halbiert sich im Zeitraum von 2018 bis 2050 der Primärenergieverbrauch, also der Energiegehalt aller in Deutschland direkt oder zur Umwandlung in Sekundärenergieträger genutzten Energieträger. (…) Die Gründe hierfür sind in beiden Szenarien sinkende Verluste bei der Energieumwandlung und der deutliche Rückgang des Endenergieverbrauchs.“ – bto: Weniger Umwandlungsverluste kann ich nachvollziehen, die deutliche Senkung des Endenergieverbrauchs ist hingegen spannend. Denn es bedeutet wohl Sparmaßnahmen.

    Da wir dank Stoertebekkers Hinweisen auf die Studie vom Verband der Chemieindustrie ja schon detailliert über diese Branche diskutiert hatten, möchte ich explizit auf die Seiten 56-60 in dem verlinkten PDF verweisen (in den Fußnoten abweichend als Seiten 46 bis 51 nummeriert).

    Eigentlich ist die Masche der Studienersteller ganz simpel. Wenn die Rechnung nicht aufgeht, wird angenommen, dass sich von irgendwoher “grüne” energiereiche Rohstoffe in gigantischen Mengen, hier zum Beispiel für die Chemieindustrie, importieren lassen:

    “Im Jahr 2045 werden 68 Terawattstunden erneuerbarer Strom aus heimischer Produktion direkt
    genutzt, sowie 18 Terawattstunden Strom für die Erzeugung von 12 Terawattstunden grünem
    Wasserstoff aufgewendet. Darüber hinaus werden 22 Terawattstunden Wasserstoff importiert,
    für dessen Herstellung mittels Elektrolyse 35 Terawattstunden erneuerbaren Stroms aufgewen-
    det werden. Für die Herstellung von importiertem grünen Naphtha und Methanol werden weitere
    97 Terawattstunden erneuerbarer Strom benötigt. Auch die Pyrolyse der importierten Pyrolysepro-
    dukte erfordert erneuerbaren Strom (1 Terawattstunde). Insgesamt benötigt die Chemieindustrie
    somit im Jahr 2045 219Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen (im In- und Ausland).”

    Wo die Importe wohl herkommen werden?

    Und noch ein lustiges Detail: Die glauben ernsthaft, die Chemieindustrie könnte im Jahr 2050 ungefähr 50 Terawattstunden ihres Energiebedarfes pro Jahr aus “fester Biomasse” decken. Das sind eine Menge Holzschnitzel!

    Da wird Kesselheizer wieder ein Beruf mit Zukunft, vielleicht etwas für Migranten und für gescheiterte Grünen–Wahlkreiskandidat*innen?

    Antworten
    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @R Ott

      Dass Sie sich das immer wieder im Detail antun – meine Hochachtung. Hab beim Durchflippen unter Wasserstoff (S. 108, solange hält keiner durch) noch was Hübsches gefunden, das Ihre obige Schlussfolgerung bestätigt:

      “Insgesamt ergibt sich für 2045 ein Bedarf an Wasserstoff und sonstigen synthetischen Brennstof-
      fen und Feedstocks in Höhe von 422 Terawattstunden, von denen 326 Terawattstunden impor-
      tiert werden.”

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        “Die gehen insgesamt von weniger H2 Bedarf aus als Agora und sind der Auffassung, dass dieser Bedarf innerhalb Europas für D gedeckt werden kann.”

        Die vom “Langfristszenarien”-Orakel haben auch eine eine hübsche Landkarte, in der sie eingezeichnet haben, wie die sich das dann in Europa vorstellen, auf Seite 39 in diesem Dokument:

        https://www.langfristszenarien.de/enertile-explorer-wAssets/docs/LFS3_Executive_Summary_2021_05_19_v19.pdf

        Mir ist nicht ganz klar, was beispielsweise “Ausnutzung Potential PV Freifläche” genau bedeutet und ob dafür beispielsweise auch jetzt als Ackerland oder Naturschutzgebiet genutzte “Freiflächen” zugebaut werden sollen oder nur Grünland oder nur Brachland, aber der Flächenbedarf ist in jedem Fall gigantisch.

        Und bei der “Ausnutzung Potential Windenergie” fällt mir auf, dass laut dieser Modellrechnungen je nach Szenario das Windenergiepotential beispielsweise vom britischen, irischen, nordfranzösischen, deutschen und polnischen Festland “voll” (0.9-1) ausgenutzt werden soll, auch in den eher windschwachen Gebieten wie Franken, das der Offshore-Gebiete in der Nordsee aber nicht, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Aber vielleicht hat auch nur irgendein Praktikant fix die Karten erstellt und einer sagte dann “Geil, die nehmen wir mit in unsere Präsentation rein, Politiker mögen immer bunte Karten”.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        keine Ahnung, wie die “Potential” genau definieren. Ist mir auch egal :)

        Es reicht doch zu lesen (sie hatten das schon mal zitiert, meine ich jedenfalls) :
        “Die Akzeptanz für starken Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa ist zentral”
        UND EUROPA…
        “Schönes” Erpressungspotential, wenn man in D schon mittendrin im Umbau ist und z.B. um H2 Produktion In GB und Spanien inkl. Export betteln muss. Senkt dann wenigstens den D Exportüberschuss mit der Eurozone. und GB.

        Wir sind ein reiches Land… und haben zur Not NordStream 2.
        Aber dann haben wir vorher wirklich alles versucht ;)

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @troodon

        Die Diskussion, ob wir über H2, PV, Wind, Ammoniak usw. reden, lenkt eigentlich nur ab. Es geht doch um wine GESAMTmenge an Energie, die schön in TWh umgerechnet wurde.

        Und da sagen sowohl der VCI als auch diese Grünenstudie ganz ehrlich „wir kriegen das in D nicht hin“. (Auch nicht mit so abenteuerlichen Szenarien wie Landwirtschaft UNTER flächendeckenden PV-Anlagen. Auch nicht bei insgesamt geringerer Produktion von Alltagsschrott. Usw.)

        So, und mit dieser Einsicht könnten wir als Gesellschaft ja nochmal von vorn anfangen und diskutieren, was wir eigentlich wollen (man könnte grundsätzlich auf langlebende Güter stattSchrott/Lumpen umstellen, Mobilität anders definieren usw.) Und dann schauen wir, wieviel Energie wir brauchen und dann, wie die heutigen CO2-Schleudern abgebaut werden sollten.

        Aber das wird alles nix. Geht schon damit los, dass jeder auf 50+qm/Person wohnen will. Da passt viel Müll in die Hütte…

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ stoertebekker 08:14
        das größte problem der zukunft, dürfte das wachstum sein.
        unser kreditgeldsystem erzwing ein wachstum, und zwar stets mehr, als 1 jahr davor.

        es ist kaum vorstellbar, dass der umbau der wirtschaft und gesellschaft bereits soviel wachstum produziert, wie die kreditkosten steigen und gewinner erwartet werden.
        zumal die regenrative apparatur zur energiegewinnung extrem aufwendig, extrem teuer wird, – und mit seiner energielieferung nur ein bruchteil der erfordernis, decken wird, bzw. viel zu langsam steigen wird.

        ich denke, dass die umsetzung in dieser vorgegebenen zeit völlig unrealistisch sein wird.

        das einzig, was riesigen wachstum generiert, sind dann die kredite.
        all deren kosten sollten dann auch noch durch die noch zu schaffenen regenerativen anlagen zusätzlich generiert werden.

        dass das kreditgeldsystem nur eine begrenze lebensdauer hat, sollte mittlerweile jeden klar sein.
        jede krise wird stets mit riesigen neuen krediten kaschiert und sogut wie nicht gelöst.
        NEIN, mann mit krediten keine krisen lösen, weil anschließend die belastungen noch sehr viel größer werden, als zuvor.
        wachstum istgleich kredit plus die zinssumme!
        dabei wird nur mit einem teil des kredits, ein wachstum produziert. dies verstärkt die disfunktionalität des geld- und wirtschaftssystem.

        dieser politische klima-wahn erzwingt ein eine starke konsumreduzierung; – damit kommt eine wachstums-bedingte wirtschaft auch nicht zu recht.

        corona-, klima- krisen etc. werden einen umbau der gesellschaft erzwingen, um dieses wirtschaftssystem noch eine zeitlang zu erhalten. dabei wird die masse der menschen deren eigentum per gesetz beraubt werden.
        in der tat, werden wir in wenigen jahren nahzu nicht mehr besitzen und vielleicht als sklave glücklich sein.
        dies alles, wenn die entwicklung ohne externe störungen, fortgeschrieben werden kann.

        wahrscheinlich ist, dass die entwicklung kredit, wirtschaft und gesellschaft, in den kommenden jahren, die großen veränderungen und verwerfungen nicht mehr aushält und irgendwie implodiert.

        ich bin mir sicher: die maßgeblichen eliten aus der hochfinanz, wissen um diese problematik. sie haben den weiteren weg länst geplant.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Stoertebekker
        „wir kriegen das in D nicht hin“
        Jetzt kommt von mir wieder, dass wir in D auch aktuell sehr stark von Energieimporten abhängig sind.

        “Deutschlands Importabhängigkeit von Energierohstoffen hat im langfristigen Vergleich kaum abgenommen. Sie betrug 2018 knapp 71% (2000: 72,6%).”
        https://www.dbresearch.de/servlet/reweb2.ReWEB;REWEBJSESSIONID=CFE270828D1933446422F22B2BDF6FFD?rwsite=RPS_DE-PROD&rwobj=ReDisplay.Start.class&document=PROD0000000000501777

        Wir haben es also bisher auch nicht hinbekommen und leben trotzdem gut ;)
        Zukünftig sollte die Abhängigkeit eher kleiner werden.
        Es ist und bleibt aber eine Operation am offenen Herzen !

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Wie sollen europäische Industrieländer so viel “grüne” Energie und so viel “grüne” energiereiche Rohstoffe produzieren um noch einen riesigen Überschuss an uns zu exportieren, wenn Deutschland es offensichtlich als Industrieland nicht selbst hinbekommen kann, seinen “grünen” Energiebedarf selbst zu decken?

        Wir können auch tolle Pläne machen, dass wir in Zukunft ganz viele Containerschiffe aus der Schweiz kaufen werden – das Problem ist nur, dass die Schweiz keine produziert, weil die keine Werften haben.

        Verstehen Sie das Problem?

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @troodon 13:00

        Das ist alles ok für mich. Für mich ist nicht ok, dass was Anderes suggeriert wird. Ich bin weder für die eine noch die andere Seite. Ich wünsche mir schlicht TRANSPARENZ in der Diskussion entlang ALLER FAKTEN. Und das ist beidseitig (!) nicht gegeben.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        D hat nun einmal viel Industrie, benötigt viel Strom.
        Dieses Thema haben andere Länder nicht in dem Umfang und könnten tatsächlich Strom nach D exportieren.
        Z.B. Spanien, GB und sicher auch andere haben das Potential.
        Problem, wie bereits geschrieben, wollen/machen die das ? Ohne die Stromimporte scheitert in D die Energiewende.

        @Stoertebekker
        “Ich wünsche mir schlicht TRANSPARENZ in der Diskussion entlang ALLER FAKTEN. Und das ist beidseitig (!) nicht gegeben.”
        Vollkommen d’accord.
        Und in den politischen Parteien fehlt ganz offensichtlich die Kompetenz zu diesem Thema auf bestimmten Ebenen.
        Ein gefundenes Fressen für teure Beraterverträge.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        “D hat nun einmal viel Industrie, benötigt viel Strom.
        Dieses Thema haben andere Länder nicht in dem Umfang und könnten tatsächlich Strom nach D exportieren. Z.B. Spanien, GB und sicher auch andere haben das Potential.
        Problem, wie bereits geschrieben, wollen/machen die das ? Ohne die Stromimporte scheitert in D die Energiewende.”

        Tja, wenn die auch “Energiewende” nach unserer Strategie-Blaupause machen wollen, dann brauchen sie aber auch Stromimporte!

        Spanien hat selbst einen Industrieanteil von ungefähr 22% an seiner Wirtschaftsleistung (Deutschland ungefähr 28%). Wenn die ein Industrieland bleiben wollen, dann müssen sie auch den “grünen” Strom produzieren, um ihre eigene Industrie zu versorgen.

        Oder ist der “Kampf gegen den Klimawandel” jetzt plötzlich kein globales Problem mehr und die anderen Länder können gerne ihre Stromversorgung fürs eigene Land so belassen, wie sie ist, solange sie schön “grünen” Strom nach Deutschland exportieren?

        Die ganze Strategie ist hirnrissig und beruht auf Wunschdenken.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        Ist schwierig keine Posts zu verpassen…

        Spanien hat ca 40% mehr Fläche als D und sicher auch besseres Potential für PV und Wind. Stromverbrauch nur rd. die Hälfte von D.
        Stromüberproduktion wäre dort kein Problem, wenn man möchte. Wird man?

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        “Spanien hat ca 40% mehr Fläche als D und sicher auch besseres Potential für PV und Wind.”

        Für PV definitiv ja, für Wind ist das Potential insgesamt deutlich schlechter als in Deutschland, sowohl an Land wie auch Offshore:

        http://www.forwind.de/de/presse/news/forscher-berechnen-windreichste-gegenden-europas/

        Einfach mal irgendwo Windkraftanlagen aufstellen, funktioniert nicht. Je niedriger die mittlere Windgeschwindigkeit ist, desto niedriger ist der Ertrag. Und der ist in Spanien an den meisten Standorten im Land viel schlechter als Ihr Wunschdenken-Gefühl Ihnen weismachen will.

        “Stromüberproduktion wäre dort kein Problem, wenn man möchte. Wird man?”

        Und was machen Sie dann mit dem ganzen spanischen Solarstrom im Sommer? Ihn auf Hochspannung transformieren, durch mehrere tausend Kilometer Stromnetz mit entsprechenden Leitungsverlusten nach Deutschland zu schicken – und zwar genau dann, wenn höchstwahrscheinlich auch in Frankreich und Italien und Portugal und Griechenland viel Solarstrom erzeugt wird, weil die Sonne sehr oft gleichzeitig in den genannten Ländern scheint? Und dann kommt er in Deutschland an, wo wir zum gleichen Zeitpunkt vermutlich sowieso eine Überproduktion aus “erneuerbarem” Strom haben?

        Eigentlich bräuchten wir aus Spanien Stromlieferungen an windarmen Tagen im Winter, die Spanier müssten also irgendeine Methode finden, um den Strom zu speichern, je längerfristiger, desto besser, was wohl nur mit der Umwandlung in einen energiereichen Stoff und die spätere Rückumwandlung in Strom plausibel darstellbar ist, vom Wirkungsgrad und den Kosten wollen wir noch gar nicht reden.

        Jetzt stellen Sie sich mal vor, Spanien macht selbst “Energiewende” mit hauptsächlich PV. Wann werden die am wenigsten Strom für ihren *eigenen* Bedarf haben? An windarmen Tagen (und Nächten) im Winter.

        Und ausgerechnet dann sollen die an uns exportieren?

        Träumen Sie weiter.

      • troodon
        troodon sagte:

        Ach Herr Ott,
        “Träumen Sie weiter”
        Schlechten Tag gehabt ?

        Gegenfrage: Meinen sie das Potenzial für Wind in Spanien (und Portugal) wäre schon ausgeschöpft ?
        Könnte aus Ihrer Sicht Spanien mehr Strom produzieren als es selbst verbraucht?

        Natürlich müsste das europäische Stromnetzt massiv ausgebaut werden zzgl H2 Produktion In Spanien.
        Soll ich jetzt schon wieder den Disclaimer schreiben? Wird langweilig.

        Immer nur auf dem Status quo zu beharren ist nicht wirklich hilfreich. Lassen Sie es uns beenden. Sie brauchen nicht mehr antworten.
        Und zum Windpotential in Spanien können Sie hier was lesen :
        https://diglib.tugraz.at/download.php?id=5a1df0872530a&location=browse

        Wir werden dass Thema noch die nächsten Jahre haben. Kein Grund also hier weiterzuschreiben.

  9. foxxly
    foxxly sagte:

    die entscheidene frage zur klima-wandel-politik muss lauten: wer profitiert wirtschaftlich/finanziell davon?
    damit ergeben sich die interessenslagen.
    kann dann noch eine) halbwegs) objektivität (soweit überhaupt möglich) in dem ganzen geschachere, möglich sein?

    war es nicht schon mehrfach in unserer geschichte der fall, dass das volk entsprechend manipuliert wurde, um bestimmte dinge zu erreichen; – nach dem motto: “wollt ihr den totalen krieg”
    anschließend die parolen “bis zum endsieg”

    oder der weltweite kampf gegen den terrorismus: dazu wa der inside-job: zerstörung der duble-türme in new york, notwendig.
    oder der irak-krieg: “babys aus den brutkästen in kuweit” ….. alles gelogen!

    oder aktuell die corona-pandemie und klima;…….. demokratie-umbau zu wirtschaftsdiktaturen. (=voll im gange)

    und vieles mehr!

    wer hier noch gutgläubig ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
    beweist aber, dass die indoktrination der menschen genausogut funktioniert, wie im dritten reich.

    anderer seits können nahezu keine systemveränderte wahlergebnisse rauskommen, weil eben diese manipulationen perfekt funktionieren.
    ändern wird/kann sich erst etwas, wenn das kind(volk) im brunnen liegt.

    die interessen der finanz-macht steuert unser schicksal, gepaart mit unserer kollektiven dummheit!

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