In Wahrheit sind die Bilanzen der US-Unternehmen noch viel schlechter

Heute Morgen habe ich die Sorglosigkeit der Investoren am Beispiel der Kredite an hoch verschuldete Unternehmen beleuchtet. Ergänzend dazu der Blick auf die lausige Qualität der Bilanzen der US-Unternehmen. Mindestens 20 Prozent von ihnen werden bei einem Zinsanstieg Pleite machen. Aber Zinsanstiege gibt es ja nie wieder …

  • „SocGen’s Andrew Lapthorne explains not only why the true story of US corporate balance sheets is far worse than the average data makes it appears, but also why „US balance sheet performance is increasingly polarized“. As the SocGen strategist writes, we have been highlighting for some time now the risks associated with highly leveraged US companies, particularly among the smaller capitalisation names. Our message has been clear; US corporate leverage is abnormally high for this stage in the cycle and a handful of cash-rich mega caps are masking significant problems elsewhere.‘“ bto: Klartext: Der Durchschnitt sagt gar nichts aus, man muss sich den Median anschauen.
  • „Lapthorne picks up on a point that was brought up by the IMF back in April, when it not only warned that over 20% of US corporations are at risk of default should rates rise even modestly,  but that the generous use of an average distribution when instead median is more appropriate, is masking some substantial problems below the surface, including the risks to US corporate from rising interest costs (…).“ bto: Natürlich kann es genau deshalb keinen Zinsanstieg geben. Korrigiere: „darf“ könnte ja sein, dass es dennoch einen gibt!
  • „Lapthorne calculates that while on average interest cost as a % of EBIT remains very healthy (as you would expect with record low interest rates) once you peel away the biggest and strongest US companies, the picture is entirely different.‘ As shown in the chart below, and as Lapthorne notes, interest coverage for the smallest 50% of US companies is near record lows, at a time when interest costs are extremely depressed and when profits are at peak.‘“  bto: Wenn die kleinsten Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, rettet die keine Regierung. Das dürfte aber dem Abschwung den Weg bereiten und eine Entwicklung in eine Schulden-Deflation begünstigen.
  • Der Markt scheint das zu ahnen: „(…) over the last few weeks the beta of bad balance to good balance sheet companies has been negative. Or to put it more simply, one group has been going up whilst the other has been going down. For those still holding the weak companies, the relative performance consequence is painful, leading to further selling and further polarisation.“

Quelle: SocGen, Zero Hedge

„As Lapthorne concludes, It is difficult to envisage a scenario in which this ends well.‘“ bto: Ja, kann ich mir auch nicht vorstellen!

→ Zero Hedge: „This Doesn’t End Well‘: SocGen Explains Why US Balance Sheets Are Far Worse Than They Appear“, 13. November 2017

Kommentare (6) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Klaus Samer sagte:

    Nicht nur in den USA ein Problem: https://www.welt.de/finanzen/article170854484/Zombie-Effekt-gefaehrdet-den-Aufschwung-in-Europa.html .

    Ein schönes Beispiel ist auch Amazon das ein Umsatzriese und Gewinnzwerg ist. mit einem KGV von 301 und einem Foward P/E (wie sinnvoll das auch immer ist) von 148 , die einzige Firma die obszöner bewertet ist ist Tesla.

    Amazon hat eine Profitmarge von 1,28 % und 64 Milliarden Dollar Schulden da bleibt wenig Luft hinsichtlich steigender Zinsen bei der Refinanzierung.

    Beide Firmen erinnern mich an die Dotcomblase bei der Umsatz der neue Gewinn war.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Was mich interessieren würde, sind hier eventuelle Zinsbindungsfristen. Die gehen leider nicht daraus hervor. Wenn beispielsweise nur 10 % der Zinsbindungen im Darlehensportfolio eines Unternehmens jährlich auslaufen, dann sind ja erst mal 90 % der Darlehen im ersten Jahr eines Zinsanstiegs abgesichert. Der höhere Zins wirkt dann erst im Laufe von zehn Jahren voll. Dann sieht das naturgemäß anders aus als wenn die gesamte Finanzierung variabel verzinst ist. Ist ja im Prinzip nicht anders als bei privaten Baufinanzierungen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass die großen Läden, die sich mit Anleihen unterschiedlicher Laufzeit finanzieren, anders absichern können als die bankabhängigen kleinen. Ansonsten finde ich die Erkenntnis nicht bahnbrechend neu, dass die Bilanzqualität von Unternehmern über eine ganze Volkswirtschaft hinweg große Unterschiede aufweist. Das war in früheren Jahrzehnten auch schon so und könnte wohl problemlos auf Deutschland bzw. die DAX-Familie übertragen werden. Siemens hat ja auch eine andere Bilanzqualität als Lufthansa oder ThyssenKrupp.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >bto: Wenn die kleinsten Unternehmen in Schwierigkeiten geraten, rettet die keine Regierung.>

    Das ist auch meine Überzeugung.

    Dann wird sich auch die Hybris zeigen, nach der wir uns auf die Regierung als „Retter of last resort“ bei realwirtschaftlichen Verwerfungen verständigt haben.

    Sie wird sich vermutlich in gesellschaftlich zerstörerischen Prozessen münden, weil bei dem Untergang der kleinsten Unternehmen sehr viele Menschen betroffen sein werden – mehr als bei den wenigen großen, die dann auch in Schwierigkeiten kommen.

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      Alexander sagte:

      Die staatliche Rettung durch z.B. die Abwrackprämie zielte auf die Zulieferer, weniger die Systemhersteller. Die Nebenwirkung der Medizin war Missbrauch von zusätzlicher Marktmacht durch Systemhersteller, noch mehr Größenwahn der MA dort … mit allen Auswirkungen auf z.B. Immobilienpreise. Gestiegene Immobilienpreise drücken erneut auf die Gemeinkosten der Zulieferer (Löhne, SozVers., Mieten, Rationalisierungsdruck etc…)

      Es gibt vollkommen intakte Abwärtsspiralen, wo Deflation wütet. Die Systemhersteller zögern keine Sekunde zur Abwanderung zu zwingen.

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    Debt Equity Swap sagte:

    Was ist der Wert von (Anleihe-)Schulden für Aktienrückkäufe und fremdfinanzierte Dividenden?

    Heute, später und in einer zukünftigen Krise?

    Siehe auch die Aktienrückkäufe der Deutschen Bank AG 2007 noch zu einem Kurs um EUR 100,00:

    http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/a-458493.html

    http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/a-490159.html

    Was nützte das damals, was nützt es heute?

    Ansonsten sei nur daran erinnert, wie viele teilweise über 100 Jahre alte Kohlegruben (Peabody Energy), Ölplattformvermieter und sonstige in der Rohstoffkrise Ende 2015 insolvent wurden:

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/03/21/das-ende-der-kohle-industrie-groesster-us-konzern-vor-insolvenz/

    Alle Arten von financial engineering zur Kurspflege wurde speziell von amerikanischen Konzernen während der aktuellen Hausse seit 2009 überreichlich betrieben. Vielleicht kann hier eine Aufstellung der entsprechenden S&P 500 – Unternehmen mit rechnerisch negativem Eigenkapital aufgrund von Aktienrückkäufen veröffentlicht werden (so etwas such ich noch)?

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