Garantie für maue Renditen

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Nichts entscheidet so sehr über den Anlageerfolg, wie die Bewertung zum Zeitpunkt des Kaufes. Daran habe ich immer und immer wieder an dieser Stelle erinnert. Dabei ist schon lange klar, dass das heutige Bewertungsniveau von Aktien, namentlich in den USA, keine großen Erträge mehr verspricht. Im Gegenteil, es spricht viel für enttäuschende Renditen. So auch das Ergebnis dieser Analyse.

Zunächst die Feststellung, dass die Bewertungsniveaus eine Vorhersagekraft haben, wenn man einen längeren Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren betrachtet. Konkret ergeben sich folgende Korrelationen:

  • Shiller P/E: – 84.7 Prozent Korrelation mit den tatsächlichen nachfolgenden zwölf Jahresrenditen des S&P 500
  • Tobin’s Q: – 84.6 Prozent Korrelation
  • Marktkapitalisierung der Nicht-Finanzunternehmen/BIP: – 87.6 Prozent
  • Margin-geglättetes CAPE: – 90.7 Prozent
  • Marktkapitalisierung der Nicht-Finanzunternehmen/Bruttowertschöpfung (Gross Value Added, GVA): – 91.9 Prozent

Die Abbildung zeigt als Beispiel die Marktkapitalisierung der Nicht-Finanzunternehmen/Bruttowertschöpfung seit 1947. Sie zeigt, und das würden die anderen Kenngrößen auch tun, dass die derzeitige Bewertung über dem Niveau von 1929 und 1937 liegt. (bto: Ist es nicht interessant, dass 1937, nur acht Jahre nach dem Crash, die Bewertung wieder so hoch lag? 2008 plus acht = 2016?) Nur im Jahr 2000 war es noch schlimmer.

 

Von heutigen Bewertungsniveaus aus – roter Strich – sind auch die kommenden realen Renditen negativ:

Den kompletten Beitrag vom Dezember 2016 finden Sie hier: → Erwartete Renditen: negativ – egal, wie man es betrachtet

Die FINANZ und WIRTSCHAFT geht in der Analyse den entscheidenden Schritt weiter. Es trifft ja nicht nur den US-Aktienmarkt, sondern faktisch alle Assetmärkte weltweit:

  • Die Kurse der Vermögenswerte scheinen immer weniger mit der Realität zu tun zu haben. Ob für Aktien, Obligationen oder Immobilien – Gratisgeld oder sogar Negativzinsen rechtfertigen fast jeden Preis.“ – bto: Man muss sich nur bewusst sein, dass es von dem Niveau aus nicht mehr viel Ertrag bringt. 
  • Die Notenbanken sind zum ultimativen Käufer geworden. In vielen Ländern hält die Zentralbank über ein Drittel aller ausstehenden Staatsanleihen. Weil auch andere Investoren, sei es aus regulatorischen Gründen oder als Trittbrettfahrer, weiter Staatsanleihen kauften, wurden die Kurse nach oben getrieben. Die Renditen, die sich invers zum Kurs verhalten, sackten immer tiefer in den Keller.“ – bto: und zwar auf allen Märkten.
  • Besonders gross ist die Abweichung vom fairen Zins in der Eurozone, wo die EZB nach wie vor monatlich für 60 Mrd. € Anleihen kauft. In Deutschland etwa beträgt das nominale Wirtschaftswachstum derzeit fast 4 %, während die zehnjährige Bundesanleihe  immer noch nur 0,5 % rentiert.“ – bto: satt bei eher 4.
  • Kaskadenähnlich ist die Liquiditätsflut auch an den Aktien- und den Immobilienmärkten angekommen. Sie gewinnen im Tiefzinsumfeld an Attraktivität. Durch den niedrigeren Abdiskontierungssatz sind künftige Dividenden und Mieterträge mehr wert.“

Alles wird teurer, ist das Fazit, das mit einem interessanten Chart belegt wird:

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

Übersetzt heißt dies: Selbst ohne Crash sind keine Renditen mehr zu erhoffen.

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Finanzmärkte ohne Bodenhaftung“, 13. Juli 2017

5 Antworten
  1. SMS says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    das ist wirlich eine sehr gute, knappe Analyse der aktuellen Situation.
    Nur was ist die Konsequenz daraus, wenn man als Anleger noch unterinvestiert ist? Sich etwa ganz aus Aktien fernhalten? Dafür dann das Geld auf dem Tagesgeldkonto schrumpfen lassen?

    Beste Grüße
    SMS

    Antworten
  2. Michael Stöcker says:

    „Besonders gross ist die Abweichung vom fairen Zins in der Eurozone“

    Was bitte schön ist ein fairer Zins? Es gibt lediglich Schätzungen zum natürlichen Zins. Aufgabe der ZB ist es, den Geldzins an den natürlichen (=fairen?) Zins anzupassen.

    Zum Thema Henne oder Ei: Die Zentralbanken handeln IMMER reaktiv. Siehe hierzu auch diese Diskussion mit Braunberger: http://blogs.faz.net/fazit/2017/06/28/niedrige-inflation-und-hohe-schulden-druecken-den-zins-8866/#comment-6809 (auch als Teilantwort an mg; später eventuell noch mehr dazu).

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Lieber mg,

      hier nun noch ein paar Anmerkungen dazu, ob die ZBen aktiv agieren oder aber passiv reagieren. Sie schreiben:

      „Nach hiesigem Kenntnisstand heben die Zentralbanken die kurzfristigen Referenz-Zinssätze mit dem klar definierten Ziel, eine Geldentwertung die Fahrt aufnimmt abzubremsen, aktiv an.“

      Wenn die Geldentwertung Fahrt aufnimmt, dann handelt die ZB REAKTIV auf dieses Ereignis. Die Realwirtschaft dominiert die Geldpolitik und nicht vice versa. Es scheint also nur so, als ob die ZB agieren würde. Tatsächlich reagiert sie aber nur passiv auf Überhitzungstendenzen in der Realwirtschaft. Damit ist sie selbstverständlich auch ein Akteur am Markt, der über höhere Leitzinsen einen Teil der Wachstumsgewinne einstreicht und an den Fiskus abführt.

      „Soweit ich die Kritiker der Notenbankpolitik richtig verstanden habe, waren die Zinssenkungungszyklen der NB während der letzen 30 Jahre zu aggressiv und haben, begünstigt durch eine neo-merkantilistische Politik zunächst der Japaner dann der Chinesen, einen Schuldenberg sondergleichen zur Folge gehabt.“

      Ja, so wird die Story erzählt, aber es ist und bleibt eine Story. Wer keine Staatsschulden möchte, der sollte fiskalisch gegensteuern. Wenn nicht, dann verbleibt für immer mehr vergangenes Nichts (aka Staatsschulden) immer weniger Zins übrig.

      Was die privaten Schulden anbelangt: Das will der Finanzsektor so. Das ist zusätzliches Geschäft; und nur damit können zusätzliche Gewinne gemacht werden und die irrealen Renditevorstellungen temporär realisiert werden. Barzahler sind bei Autohäusern äußerst unbeliebt. Ebenso diejenigen, die ihre Kreditkartenschulden auch tatsächlich am Monatsende begleichen: https://www.youtube.com/watch?v=Sb6ucR222EE

      Es ist ein durch und durch parasitär angelegtes System und das Wirtstier fühlt sich zumeist auch noch gut dabei. Ganz nach dem alten Werbeslogan: VISA, die Freiheit nehm ich DIR.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Desweiteren schreiben Sie, lieber mg:

      „Mit den vielen verschiedenen QE-Programmen wurde vor allem nach 2008 Nachfrage nach langfristigen Staatsanleihen erzeugt und damit deren Preise getrieben. Was, wie Sie wissen, sinkende Langfristzinssätze entspricht.“

      War jemand gezwungen zu verkaufen? Die MÄRKTE haben sich für diese Form der Liquidität ganz freiwillig entschieden. Der Spatz in der Hand (Zentralbankgeld) war ihnen dann doch wichtiger als die Taube auf dem Dach (Peripheriebonds); zumal somit kurzfristig die Bilanzen aufgehübscht werden konnten, was wiederum für die Boni gut war. Aber auch hier ist die ZB lediglich der Empfehlung von Knut Wicksell gefolgt.

      „Wenn man nun den Zins als Preis für das Leihen von Geld…“

      Und genau das ist der Fehler: Banken verleihen kein Geld. Banken erzeugen im Wettbewerb mit anderen Banken neue zusätzliche Schuldverhältnisse. Die Ersparnisse der Bürger sind hierfür nicht nötig; sie sind sozusagen der „Restmüll“ eines Kreditgeldsystems, mit dem insbesondere am ZLB keiner mehr was anzufangen weiß. Siehe hierzu auch das gestrige Interview mit Bofinger bei Braunberger/FAZIT sowie meine Kommentare vor Ort.

      Irgendwann gibt es aber keine guten Schuldner mehr. Damit gehen die Margen immer weiter nach unten. Das ist bei den Banken nicht anders als bei anderen Unternehmen, die im Wettbewerb um ihre Kunden stehen. Wenn sich die Gewinne aber immer weiter wegkonkurrieren oder aber Marktsättigung eintritt, dann muss eben die Marketingabteilung nachhelfen oder aber die (Un)Rechtsabteilung (LIBOR-Skandal etc.). Aber auch da ist irgendwann die Oberkante erreicht. Was bleibt: Eine Absenkung der Bonitätsstandards: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/banken-in-europa-lockern-standards-fuer-kredite-15112064.html. Damit steigen aber die Anforderungen an die Risikorückstellungen und für die Geldsparer bleibt wieder nichts übrig.

      Ist das nun manipulative, unnatürliche oder gar konstruktivistische Zinspolitik? Die Austrians hyperventilieren und schreien – ohne ihre eigene Theorie mal konsequent zu Ende zu denken – in religiöser Inbrunst lauthals: JAAA!!! So bleibt Ihnen nur die Rolle der Klageweiber, die unter Anrufung des Heiligen Thorsten den monetären Restmüll bejammern.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  3. michael says:

    Die Analyse ist nachvollziehbar. Wenn ich konkret überlege komme ich zu anderen Ergebnissen:

    Ich habe kürzlich Roche Aktien erworben. Dies aus folgenden Gründen:

    -Der Kursverlauf geht seit 2 Jahren seitwärts und dies bei steigenden Konzernumsätzen.
    -Die Branche ist relativ sicher ggü. Wirtschaftsabschwüngen und auch zukunftssicher.
    -Ich bekomme ca. 3% Dividendenrendite
    -Die Dividende wird jährlich erhöht

    Ist meine Analyse nun falsch ?

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