FT: Zentralbanken sollten den Bürgern Geld geben

Sie werden immer lauter, die Helikopter. Wenngleich sie von vielen nicht gehört werden wollen. So machte sich SPIEGEL ONLINE erst kürzlich darüber lustig, dass solche Ideen ohne jeden Beweis echter Planungen diskutiert würden. Nun, ich denke, die FINANCIAL TIMES (FT) ist da die bessere Quelle. Und diese signalisiert eindeutig, was immer ernsthafter besprochen wird:

  • „(…) the world of central banking is entering uncharted and potentially treacherous territory. (…) In the eurozone, Switzerland, Japan and Scandinavia, official interest rates are negative. (…) this prospect may not be far away for the US, too. (…) many economists believe that the effects are counter-productive.“ – bto: Man könnte schon bei tiefen Zinsen von kontraproduktiv sprechen. Stichwort: Zombifizierung und damit immer geringeres Wachstum.
  • „When interest rates are already this low, further reductions are ineffective. (…) One option is to pass the baton to the fiscal authorities. (…) Imminent support from fiscal policy looks like wishful thinking.“ – bto: Das mag sein. Andererseits erleben wir gerade einen Durchmarsch Macrons in der EU, dass es schneller dazu kommen wird, als wir uns vorstellen können.
  • „Three novel proposals are gaining support, all of which involve giving people money. The first, which literally involves central banks posting cheques to households, is detailed in a superb new book, The Case for People’s Quantitative Easing by the economist Frances Coppola. The logic is compelling. (…) the central bank would finance the transfers by creating electronic money, as it does with QE. One problem with this common sense idea is its simplicity, which rarely appeals to economists charged with taking important decisions.“ – bto: köstlich! Inhaltlich natürlich zu 100% zutreffend. Die Idee ist richtig und sollte verfolgt werden.
  • „Another policy, already being practised by the Bank of Japan, and recently advocated by a fund manager at the investment firm, BlackRock, is that central banks consider giving money to the owners of the stock market by buying equities.“ – bto: Das habe ich schon diskutiert und halte es bekanntlich für eine ziemlich schlechte Idee.
  • „The most intriguing and practically viable idea of all is emerging from the least likely of sources, the ECB: so-called targeted long-term refinancing operations. In straightforward terms, this is a policy of dual interest rates which involves giving money to both borrowers and savers. (…) the central bank decides to reduce the interest rate that borrowers have to pay on loans and raises the interest rate households receive on their savings? The ECB’s programme provides the means to do precisely this.“ – bto: Das war mir so nicht bekannt und überzeugt mich auch nicht. Wenn man jedem Geld gibt, erzielt man gleichzeitig mehr Nachfrage und auch abnehmendes Vertrauen in den Wert des Geldes. Das wiederum sollte die Umlaufgeschwindigkeit und damit die Inflation anregen.
  • „Christine Lagarde (…) could have the best of all possible jobs — giving people money. But institutional resistance to simple, transparent and direct monetary solutions appears to be such, that in doing so, she will also face the greatest political challenge of her career.“ – bto: zurecht. Und warum? Weil ihre Handlungen eine Umverteilung nicht nur zwischen Schuldnern und Gläubigern sind, sondern auch eine zwischen verschiedenen Ländern. Und das spielt sehr wohl eine Rolle innerhalb der Eurozone!

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Central banks should consider giving people money“, 2. August 2019

7 Kommentare
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    Bill sagte:

    Was ich immer noch nicht verstehe. Da Schulden im wesentlichen die selben Guthaben gegenüberstehen, wer hat die Fantastillionen?
    Wäre es nicht besser die per Steuern erst mal wieder einzuziehen? Die Staaten hätten wieder genug Geld um per sinkenden Steuern und Sozialabgaben den 99% Luft zum entschulden zu geben und niemand müßte den Weg der Hyperinflation gehen der vor allem den Mittelstand ruiniert.

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    Gerd sagte:

    Die EZB sollte den Bürgern Geld geben – Superidee!
    Mein Vorschlag kurz skizziert ohne Gewähr für die Berechnungsgrundlage:

    Wie wäre es mit einem EU weitem Bürgergeld von sagen wir mal 400 EUR/monatl., ausgegeben von der EZB in Form einer Geldkarte für jeden EU-Bürger im Eurosystem (z. Zt. ca. 341,5 Millionen Menschen = ca. 136,6 MRD EUR/monatl.).
    In Anbetracht der Tatsache, dass die EZB jahrelang ca. 80 MRD EUR/monatl., mit fragwürdigen Konsequenzen, in die „Märkte“ gepumt hat, wirken die 56,6 MRD mehr pro Monat eigentlich nicht bedrohlich. Zumal die EZB ohnehin soviel Geld drucken kann, wie sie will.
    Einmal im Monat kann die EU-Geldkarte an jedem Geldautomaten bis auf den Wert von 400 EUR aufgeladen werden. Das heisst: wer nicht alles ausgibt bekommt weniger. Deshalb dürften in der Folge die monatlichen Kosten für die EZB geringer ausfallen. Nebenbei könnte man noch die kompletten Konsumentendaten aller EU-Bürger an Amazon, Google und Co. verkaufen :-) Das senkt nochmals die monatl. Kosten (und endlich bekommt der Konsument was für seine Daten) . Alles in Allem ist das doch eine echte „WinWin“ Situation.

    1. Die EU-Bürger werden die EU lieben und keiner will mehr austreten.
    2. Die EU-Binnenwirtschaft wird konsequent stimuliert.
    3. Die Staaten haben auch was davon (sie kassieren die Mehrwertsteuer).
    4. Vielleicht schaffen wir mit dieser Geldschwemme auch 5% Inflation (für die Entschuldung).
    5. Herr Draghi bzw. Madame Legarde bekommen den Friedensnobelpreis.
    6. Und wir kommen der „bargellosen Gesellschaft“ einen gewaltigen Schritt näher :-)

    Die Liste der positiven Effekte ließe sich bestimmt noch fortsetzen und die negativen Effekte werden, wie in den zurückliegenden Jahren, einfach ignoriert.

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    Ondoron sagte:

    Helikoptergeld zeigt, dass die Geldplanwirtschaftler am Ende sind. Geldsozialismus am Ende, wenngleich die 0,01% der Profiteure, die alles in der Hand haben, bis zum Ende weitermachen.

    Schön, wenn es nützliche Idioten gibt, die das Konzept Helikoptergeld helfen, propagandistisch im Mainstream – oder auch in angeblich unabhängigen Medien – zu verankern. Da kann man sich doch nur noch herzlich bedanken!

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    Dietmar Tischer sagte:

    >“Christine Lagarde (…) could have the best of all possible jobs — giving people money. But institutional resistance to simple, transparent and direct monetary solutions appears to be such, that in doing so, she will also face the greatest political challenge of her career.”>

    INSTITUTIONAL resistance?

    Welche Institution(en) soll(en) dies denn sein?

    Die Regierungen ganz bestimmt nicht, die werden dankbar wegschauen oder das Geldausteilen sogar fordern, solange das System dadurch stabilisiert wird.

    Der Wiederstand wird aus Teilen der europäischen Bevölkerung kommen, vornehmlich der deutschen, aber nicht nur der, was die Spaltung weiter vertieft.

    Abgesehen davon:

    Die FT ist wieder einmal so schlau, dass sie einfach übersieht, was die BEREITS praktizierte Negativzins-Politik der EZB auslöst.

    Wenn eine genügend große Zahl von Banken und Sparkassen die Kosten an die Geldsparer weitergibt, wird die AfD dieses Thema im „Namen des deutschen Sparers“ auf die Agenda hieven – als GESAMTDEUTSCHES Problem.

    Ich bin mal gespannt, was die anderen Parteien dazu zu sagen haben.

    Dann schlägt auch für Weidmann und die Deutsche Bundesbank die Stunde der Wahrheit.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Wenn eine genügend große Zahl von Banken und Sparkassen die Kosten an die Geldsparer weitergibt, wird die AfD dieses Thema im ‚Namen des deutschen Sparers‘ auf die Agenda hieven – als GESAMTDEUTSCHES Problem.“

      Das wird super lustig. Negativzinsen klaglos hinzunehmen wird dann nämlich von unseren Gesinnungsjournalisten als ein Zeichen der eigenen „Haltung“ im „Kampf gegen Rechts“ geframed, und außerdem als tätiger Akt „europäischer Solidarität“.

      Mal sehen, wie viele Deutschen sich das immer noch gefallen lassen, wenn es so offensichtlich an die eigenen Sparbücher geht.

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    Skeptiker sagte:

    Schon bei QE müsste sich der Bürger doch vorkommen wie eine Stopfgans. Die Folgen sind auch zu sehen: hohe Assetpreise bzw. Leberverfettung. Jetzt wird mit den Helikoptern noch eine Schippe draufgelgt. Warum ist das eine Tierquälerei und das andere eine geniale neue Politik? Und wo sind die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens – letztendlich ist es das?

    Geld lässt sich bequem in jeder gewünschten Menge drucken. Leider lässt sich Vernunft nicht so einfach drucken. Wie wäre es, die Arbeitnehmer einfach aus dem Nichts zu drucken, insbesondere dann, wenn sich vorher durch Roboter ersetzt wurde? Irgendwie alles absurd. Mal sehen, was die letzte Patrone sein wird.

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