„Eurozone house prices rise at fastest pace since financial crisis“

Heute Morgen die gute Nachricht, dass Immobilien in Deutschland noch unterbewertet sind (wer es denn glaubt!) und nun die gute Nachricht zu Europa: die Immobilienpreise steigen weiter! Die EZB-Politik wirkt also doch (irgendwie):

  • „House prices across the eurozone are rising at their fastest since before the global financial crisis, (…) Eurostat reported on Tuesday that house prices in the 19-member currency area rose 4.5 per cent in the year to the first quarter of 2018 — a level last seen in early 2007. Five countries — Latvia, Slovenia, Ireland, Portugal and Slovakia — saw double-digit price rises.“ – bto: Das ist doch mal super! Endlich geht es wieder aufwärts. Hat zwar wenig mit der Wirtschaft und mehr mit dem billigen Geld zu tun, aber was soll es!
  • „With the European Central Bank almost certain to keep its benchmark interest rate at a record low of zero for at least another year, authorities across the region have had to introduce other measures to tighten control on bank lending.“ – bto: Weil wir Geld umsonst verteilen, muss nun auch noch die Verteilung der neuen Kaufkraft planwirtschaftlich organisiert werden. Klasse Idee.
  • „In Ireland, where prices have risen 12.3 per cent over the past year, the central bank at the beginning of 2018 imposed a stricter cap on the size of loans banks can make based on borrowers’ incomes. In Portugal, where prices are up 12.2 per cent, the central bank will from July introduce a series of caps based on people’s incomes and the value of a property in proportion to the borrower’s deposit.“ – bto: Je höher die Preise steigen, desto mehr Kredit gibt es auch hier. Ist doch klar.
  • „In Latvia, Slovenia and Slovakia — which have seen house prices rise 13.7 per cent, 13.4 per cent and 11.7 per cent respectively — the authorities have already introduced constraints based on the value of the property.“ – bto: was aber auch selbstreferenziell ist.
  • „The central bank for the eurozone has repeatedly denied that the boom in real estate prices presents a threat to financial stability of the entire region and believes the risks can be contained in certain areas within the currency area.“ – bto: Das ist doch mal eine coole Aussage. Nach der Erfahrung von 2009 ff stellt sich die EZB hin und sagt, es kann nicht wieder passieren? Wow.
  • „In some member states, however, authorities have struggled to impose measures to limit mortgage lending due to a public backlash. The Dutch central bank wants to tighten the loan-to-value ratio further, requiring borrowers to put up higher deposits, but has encountered some political opposition. In the Netherlands, where prices have risen 9.3 per cent over the past year, the central bank is concerned about the financial stability risk associated with a wave of interest-only mortgages taken out over the past decade.“ – bto: Es geht den Notenbankern wie Goethes Zauberlehrling. Und nun versuchen sie irgendwie die Besen am Fliegen zu hindern. Wird nicht klappen.

ft.com (Anmeldung erforderlich): „Eurozone house prices rise at fastest pace since financial crisis“, 11 Juli 2018

Kommentare (12) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Melf Lorenzen sagte:

    Eine grundsätzliche Frage, die nur am Rande diesen Artikel betrifft, allerdings für viele weitere Leser interessant sein sollte:
    Herr Stelter, zählen Sie Aktien von Immobilienunternehmen á la Vonovia, TLG, TAG… in Ihrem langfristigem Portfolio zum Vermögenserhalt den Immobilien oder Aktien zu?

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    markus sagte:

    Wer weiss… Vielleicht sind ja die ganzen Preise gerechtfertigt. Die Notenbanken können ja durchsetzen, dass die Assetpreise nominal nie sinken werden. Dann ist eigentlich nur noch die Frage ob die Gehälter und Güterpreise ähnlich steigen oder nicht. Wenn die Eigenheimquote > 60% oder so ist, kann man das Stagnieren der Einkommen bei steigenden Immobilienpreise in einer Demokratie gut durchsetzen (bis zu einer absoluten Schmerzgrenze die aber noch entfernt ist). Die Grundbesitzer können sich dann an den billigen Diensten der Wanderarbeiter erfreuen. In Deutschland könnte es allerdings knapp werden, weil es da 50:50 steht. In anderen Ländern konnte das aber gut klappen.

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      betongold™ sagte:

      Da Immobilien bekanntermaßen weder einer technischen noch modischen Veralterung unterliegen sowie nicht vom Strukturwandel betroffen sind, ist jeder in eine Immobilie investierte Euro in kurzer Zeit zwei oder viel mehr Euro wert.

      Aus diesem Grund empfiehlt sich eine vollständige Fremdfinanzierung!

      Fragen Sie Dr. Thomas Middelhoff!

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    MT sagte:

    Wie Sie schon richtig erwähnt hatten, läßt sich mit Vergleichen auf relativer Basis ohne absoluten Bezug allerlei Unfug treiben (…“beweisen“).
    So ist seit der letzten Versteigerung eines da Vincis zu 450 Mio $ der vorherige Rekordhalter (Picasso, so um die 180 Mio $) im Nachhinein ein richtiges Schnäppchen geworden und im Verständnis der Herrn Bofinger vermutlich seinen „Preis“ auch echt „wert“….

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    Dietmar Tischer sagte:

    So ist es eben:

    Erst macht man die Verschuldung so billig wie möglich, damit die Menschen kaufen, kaufen, kaufen … und wenn sie dann richtig klotzen mit Immobilienkäufen, ist es auch wieder nicht recht.

    Dann muss man sie vor sich selbst schützen.

    Fazit:

    Der Bürger ist unverständig und tut nicht, was gut für ihn wäre und wenn er es doch einmal tut, muss man ihn wie ein kleines Kind behandeln, selbstverständlich zu seinem eigenen Schutz.

    Was sind wir eigentlich?

    So wie es sich darstellt, sind wir dumm und unmündig.

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    SB sagte:

    Manchmal trete ich einen großen Schritt zurück und frage mich dann, was eigentlich all die vielen, vielen Bürokraten den ganzen, lieben langen Tag machen und wofür ich die eigentlich brauche. Wäre es nicht viel besser, wenn es die nicht gäbe? Ich meine, die richten wesentlich mehr Unheil an, als sie Probleme lösen. Ach ja, das hat uns ja Frau Merkel kürzlich erst erklärt: „Wir Politiker wären ja arbeitslos, wenn es keine Probleme gäbe.“.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ SB

      >… und wofür ich die eigentlich brauche. Wäre es nicht viel besser, wenn es die nicht gäbe? >

      Nein, nein.

      Wenn es die nicht gäbe, hätten wir zu viele Arbeitslose.

      Zum anderen:

      Wir brauchen die Bürokraten – und zwar dringend.

      Wir brauchen sie, weil wir NICHT mehr FÄHIG sind, selbstbestimmt ein vernünftiges Leben zu führen.

      Es fehlt uns einfach an Urteilskraft.

      Deshalb haben wir eine wahnsinnsdichte Regulierung für alle Bereiche des Lebens.

      Sie müssen nichts mehr selbst entscheiden, das Amt tut’s für Sie.

      Sie müssen nur noch lernen, an welches Amt Sie sich wenden müssen und wie Sie mit diesem vorteilhaft umgehen.

      Es war ein unvergleiches Erlebnis während einer langen Zugfahrt von einem BEWUSST Asozialen – er bezeichnete sich selbst so – darüber belehrt zu werden, wie das Wellenreiten mit den Ämtern geht.

      Er sagte, dass er seiner Zeit weit voraus sei und das Modell der Zukunft lebe.

      Es gehe ihm gut dabei und er fühle sich wohl, fügte er hinzu.

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        SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        Sie gleiten mir in den letzten Tagen etwas ins Sarkastische und Zynische ab. ;–)

        … Was unter den gegebenen Umständen ihr gutes Recht ist.

        Haben Sie sich eventuell die Kontaktdaten des „bewusst Assozialen“ geben lassen? Ich habe starkes Interesse daran, mich näher in das Wellenreiten mit Ämtern einweisen zu lassen. Wenn die sehr zahlreiche Zugereisten, aber auch manch Einheimischer schon so bewusst asozial sind und ohne Gegenleistung aus unserem (A)Sozialsystem leben, sehe ich es als mein gutes Recht an, wenigstens meine eingezahlten, nicht unbeträchtlichen Beiträge wieder zu „entnehmen“. Ich komme nur selbst nicht so recht drauf, wie das – zumal möglichst dauerhaft – funktionieren soll.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ SB

        Wenn ich „abgleite“, liegt das an der Hitze.

        Aber ernsthaft:

        Mit den Jahren, die ich auf dem Buckel habe, kann man schon sehen, WOHIN eine Gesellschaft MUTIERT.

        Was wir nicht bemerken, weil es im Geschehen von einem Tag zum nächsten nicht auffällt, summiert sich über die Zeit doch ganz erheblich.

        Manchmal kann man es nur mit Übertreibungen ausdrücken, aber dann kann es schon sehr erhellend sein.

        Den diesbezüglich besten Satz, über den ich seit langem gestolpert bin, habe ich bei Fleischhauer gelesen.

        Sinngemäß:

        Die MORAL ist VON den Menschen ZU den Institutionen gewandert.

        Denkt man darüber nach, sieht man die Welt mit anderen Augen.

        Und dann fragt man sich:

        WARUM ist es gekommen, wie es gekommen ist – MIT uns, nicht gegen uns?

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        SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        Die Hitze also… O.k.,… die nächsten Tage wird’s übrigens noch heißer…

        „WARUM ist es gekommen, wie es gekommen ist – MIT uns, nicht gegen uns?“

        Vielleicht deshalb: In der wohlfahrtsstaatsverwöhnten Individualgesellschaft (eigentlich ein Widerspruch in sich), ist jeder zuvorderst nur auf sich konzentriert und mit sich beschäftigt. Verhältnismäßig Wenige nutzen diesen Umstand aus und organisieren sich, um diesen Zustand für ihre Zwecke auszunutzen. Durchaus geschickt, denn die Wenigen, die tatsächlich gegen die Interessen der Mehrheit arbeiten, propagieren ihre Absichten und ihr Tun unter dem unzutreffenden Label „Wir“, das dem wohlfahrtstaatsverwöhnten Individuum suggeriert, alles was die Organisierten machen, läge (auch) in ihrem Interesse. Das „Wir“–Wording wird mit bewusst ins Gegenteil verkehrten Begriffen, die das Individuum an das Gute glauben lassen, angereichert (Solidarität, Gerechtigkeit, Toleranz, Flüchtlinge, Rettung etc.). Das Individuum ist nach jahrzehntelanger „Wir“–Gehirnwäsche dieser Matrix fest verhaftet und geht den Weg des vorgeblich Guten kritiklos mit. Irgendwann stellen einige der Individuen fest, dass der eingeschlagene Weg nicht ihren Interessen entspricht. Es scheint fast so, dass es nun schon zu spät ist, die Verhältnisse umzukehren.

        So oder so ähnlich …

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „but has encountered some political opposition“

    Das ist interessant: die Notenbankfiliale „Niederlande“ der EZB will wenigstens versuchen, Seriosität walten zu lassen, und bekommt sofort Ärger. Lassen Sie mich raten: die „political opposition“ war aus der eigenen nationalen Regierung und auch gleich noch von der parlamentarischen Opposition dazu. Ist irgendwie nicht anders als bei uns in Deutschland. Kein Pieps der Regierung gegen die EZB, die einem so schön die Staatsverschuldung verbilligt, auch wenn die eigenen Sparer damit den Bach runter gehen. Das Problem, Herr Dr. Stelter, ist nur, dass diese Zauberbesen verdammt lange fliegen können, bis die Natur sie stoppt…

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      Mrgalak sagte:

      In den Niederlanden ist es noch immer normal, 102% des Kaufwerts der Immobilie als Kredit aufzunehmen. Bis vor kurzem meistens ohne Tilgung, mittlerweile wird ein wenig getilgt, aber nach 30 Jahre Laufzeit bleibt dann noch eine hohe Restschuld.

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