„Europe Is Booming, Except It’s Not“

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Wir feiern die starke Konjunktur in Europa. Endlich hat auch die Eurozone die Krise überwunden, so heißt es überall. Super-Mario hat es geschafft und wir stehen vor einer Erholung, die endlich beweisen wird, dass der Euro und die Eurozone dauerhaft Bestand haben werden. Das ist natürlich Quatsch. Wir wissen das. Deshalb heute hier ein paar Fakten um den Aufschwung einzuordnen:

  • „European GDP rose 0.6% quarter-over-quarter in Q3 2017, the eighteenth consecutive increase for the Continental (EA 19) economy. (…)  At 0.6%, that doesn’t even equal the average growth rate exhibited from either the late 1990’s or middle 2000’s. Straight away one of the so-called better quarters is already below average by historical comparison. That would suggest Europe’s economy is still struggling.“ bto: Dabei sollten wir nicht vergessen, dass man genau dasselbe auch über die US-Wirtschaft sagen kann! Dennoch gute Darstellung:

Quelle: Alhambra

  • „Because even these positive quarters are never all that positive, there can never be enough momentum let alone growth to make up for when there was clear, linear contraction. The economy shrinks and though GDP turns positive afterward, even for eighteen straight quarters, the shrinking isn’t actually concluded.“ bto: Das Chart ist eine sehr gute Beschreibung unseres Problems. Wir haben nicht zum Vorkrisen-Trend zurückgefunden und nun kommen die Folgen von Demografie, Produktivität und Krise, die das Potenzialwachstum weiter sinken lassen.

Quelle: Alhambra

  • „The gap to Europe’s pre-crisis baseline is actually substantially larger now after four and a half years of steady “growth” than at the bottom of the re-recession trough reached in Q1 2013.“ bto: Bevor jetzt alle rufen, dies liegt an der verfehlten Rettungspolitik, ich denke, es ist einfach normal, wenn man die fundamentalen Faktoren betrachtet. 
  • „From the perspective of steady growth and successful monetary policy, ECB officials might expect that inflation would start to behave according to the central bank’s target. It hasn’t, and the latest results for October 2017 suggest even more problems along these lines.“  bto: was eine sehr wichtige Nachricht ist. Wie gesagt, es kann sein, dass das mit der Inflation sich doch noch ergibt teureres Öl? , aber die fundamentalen Fakten sind auch hier eher deflationär bisher. 

Quelle: Alhambra

  • „The core rate at just 0.9% indicates more so the opposite possibility, continuing the global “conundrum.” Despite ongoing massive ECB intervention supposedly in euro “money”, these operations bear no correlation at all with inflation and therefore effective monetary conditions in the real economy. The lack of inflation continues to advise the non-linear contraction scenario described above with regard to the GDP gap.“ bto: Nun wissen wir ja, dass es vor allem um die Rettung der Eurozone und weniger um die Bekämpfung von Deflation geht.

Quelle: Alhambra

  • „The issue is, as always, monetary definitions, which in Europe, as everywhere else, is more than an academic matter. The ECB through its various LSAP’s through the years created bank reserves as a byproduct and nothing more. These are but one form of bank liability and a mostly useless and inert one at that. It is little wonder that the real economy fails to respond to what in the mainstream is wrongly characterized as “money printing”; and therefore why there continues to be expectations consistent with money printing but widespread results contrary to that process.“ bto: wie hier gezeigt, wonach QE eben kein „money printing“ ist, solange das Kreditwachstum nicht befördert wird. 

Quelle: Alhambra

  • Even though the ECB will be tapering its bond purchases, and therefore bund purchases, too, German federal yields are trading in the “wrong” direction from what QE tapering is supposed to reflect. In fact, more negative 2s is instead indicative of higher liquidity preferences, which, for the terms of this discussion, is consistent with a struggling economy unable to generate momentum (and therefore core inflation). That’s why the “yield” moves contrary to fewer ECB purchases because that factor doesn’t matter nearly as much as the other.“  bto: was eine wichtige Nachricht ist. In den USA steigen die Kurzfristzinsen, während die langlaufenden nicht so zulegen. Eine immer flachere Zinskurve gilt als Warnsignal. 

Europe is booming because Europe has to be booming. Except that it isn’t; not even close.“ bto: nett gesagt.

→ Alhambrapartners: „Europe Is Booming, Except It’s Not“, 6. November 2017

35 Kommentare
  1. Wolfgang Selig says:

    Aber ist es nicht dennoch ein gutes Zeichen, wenn die Reduzierung der Anleihenkäufe ohne den befürchteten Zinsanstieg verläuft? Gut, es spricht nicht gerade für eine boomende Konjunktur, aber sollten wir uns nicht schon damit zufrieden geben, wenn wir mal wieder eine Geldpolitik ohne QE und anderes machen können, ohne dass weltweit sofort erneut eine Vertrauenskrise um sich greift? Echte wachstumsfördernde Maßnahmen sehen außerhalb der Geldpolitik eh anders aus, z.B. durch Schuldenrestrukturierungen, Bildungsfortschritte, Abbau von Handelshemmnissen, Reduzierung der Korruption, Verbesserung der Rechtssicherheit, Innovationsförderung, moderne Einwanderungsgesetze, etc.

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  2. Dietmar Tischer says:

    Wir haben einen Aufschwung. Punkt.

    >At 0.6%, that doesn’t even equal the average growth rate exhibited from either the late 1990’s or middle 2000’s.>

    Es ist doch klar, dass die Wachstumsraten der Vergangenheit nicht mehr erreicht werden können.

    >The economy shrinks and though GDP turns positive afterward, even for eighteen straight quarters, the shrinking isn’t actually concluded.“>

    Das ist der RELEVANTE Sachverhalt, der zu Recht als Problem benannt wird:

    >bto: Das Chart ist eine sehr gute Beschreibung unseres Problems. Wir haben nicht zum Vorkrisen-Trend zurückgefunden und nun kommen die Folgen von Demografie, Produktivität und Krise, die das Potenzialwachstum weiter sinken lassen.>

    An sich wäre das kein Problem, wenn es nur darum ginge, mit etwas weniger auszukommen.

    Der dauernde Verweis auf die output-Lücke, die durch UNFUNDIERTE Extrapolation „bewiesen“ wird und bei manchen bereits zur Manie geworden ist, geht am Problem vorbei.

    Es geht zwar auch um die geringere Verfügbarkeit von Gütern und Dienstleistungen bei geringerem output, aber um noch VIEL MEHR:

    Es geht vor allem darum, dass eine hohe Verschuldung wie die in der Vergangenheit aufgebaute bei GERINGEREN Wachstumsraten das System gefährdet, weil der Schuldendienst bei geringeren Wachstumsraten nicht mehr geleistet werden kann und, um das System zu stabilisieren, die Verschuldung weiter wachsen MUSS – mit steigender Systemgefährdung.

    Der Beitrag bringt das nicht stringent auf den Punkt, wenn er darlegt, dass von einem Boom in Europa keine Rede sein kann.

    Er hätte besser darauf verwiesen, dass das Wachstum zwar begrüßenswert ist, aber seiner Ausprägung nach die Probleme nicht löst, sondern dass sie sich verschärfen.

    Das ist nach wie vor die Botschaft, auch wenn sie jetzt durch Jubelhymnen übertüncht wird.

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    • Michael Stöcker says:

      „Es ist doch klar, dass die Wachstumsraten der Vergangenheit nicht mehr erreicht werden können.“

      So ist es, Herr Tischer, nichts Reales/Nützliches auf dieser Welt wächst ins Unendliche; im Gegensatz zum Krebsgeschwür. Hier gut zu sehen im längerfristigen Kontext: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/VolkswirtschaftlicheGesamtrechnungen/ZusammenhaengePDF_0310100.pdf?__blob=publicationFile (Schaubild Seite 10). Es könnte allerdings doch um einiges besser laufen.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Wolfgang Selig says:

        Ihr Vergleich mit dem Krebsgeschwür gefällt mir. Erinnert mich an einen Naturwissenschaftler (Namen habe ich vergessen), der mal Folgendes gesagt hat: „ Wer glaubt, dass in einer endlichen Welt unendliches Wachstum möglich sei, ist entweder ein kompletter (Schimpfwort zensiert) oder ein Wirtschaftswissenschaftler.“ Hat mich als betroffener zu 2 ( und vielleicht auch zu1) anfangs irritiert, entbehrt aber nicht einer gewissen Logik.

    • Michael Stöcker says:

      „Es geht vor allem darum, dass eine hohe Verschuldung wie die in der Vergangenheit aufgebaute bei GERINGEREN Wachstumsraten das System gefährdet, weil der Schuldendienst bei geringeren Wachstumsraten nicht mehr geleistet werden kann und, um das System zu stabilisieren, die Verschuldung weiter wachsen MUSS – mit steigender Systemgefährdung.“

      Die Verschuldung müsste nicht weiter wachsen, wenn wir endlich zum wahren/ursprünglichen Neoliberalismus zurückkehren würden. Warum dies nicht geschieht, hatte ich ja schon des Öfteren hier und an anderer Stelle dargelegt. Nun wurde dieses fundamentale Problem (die MPS) endlich auch medial thematisiert: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-7-november-2017-100.html.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Sie haben es nicht begriffen und werden es wohl auch nicht begreifen, wenn Sie hier einen TRÄUMER der besonderen Sorte – ein Professor aus dem Flassbeck-Umkreis – verlinken.

        Wo Elsenhans noch recht hat:

        >Mit dem Ende des „reifen“ Kapitalismus – zu definieren als immer größere Einkommen für die Masse der Bevölkerung – endet nun eine ganze Ära. Veränderte Bedürfnisstrukturen, von technischen Innovationen ausgelöste makroökonomische Konfigurationen und neue weltwirtschaftliche Bedingungen modifizieren den bisher gültigen Mechanismus …>

        Die Schlussfolgerung daraus ist bereits albern:

        >Die Sparfalle erfordert gleichwohl neue Mechanismen der Einbettung des Kapitalismus in politische und gesellschaftliche Strukturen.>

        Der Kapitalismus lässt sich nicht einbetten, sondern ist das System, in dem man sich zurechtfindet und das sich ändert mit der Art und Weise wie man sich zurechtfindet (siehe vorher).

        >Keynes und mehr noch einige Keynesianer haben deshalb das Szenario einer langfristigen Stagnation aufgrund von fehlenden Nachfragesteigerungen diskutiert und für wahrscheinlich gehalten.[15] Die Alternative dazu ist eine Politik der Reduktion der Überschüsse gegen die Bereicherungsinteressen des Kapitals und – im Bereich der Sozialversicherung – eine Leistungserbringung, die nicht noch zusätzlich die Nachfrageimpulse durch Sparen vermindert. Dies setzt für viele Bereiche, insbesondere die Zukunftsvorsorge, stärkere staatliche Intervention voraus.>

        Diese Keynesianer haben recht behalten und deshalb sind diejenigen, die mit Keynes den Kapitalismus mit expansiver Fiskalpolitik zähmen oder gar einbetten wollten, baden gegangen, d. h. sie sind abgewählt worden von denen, die davon nichts hatten.

        Die Alternative ist keine, weil sie ebenfalls scheitern wird.

        Denn die „Politik der Reduktion“ ist genauso wenig zielführend wie die „Leistungserbringung durch staatliche Investition“, um bei ABNEHMENDER Bevölkerung und einen RESSOURCENTRANSFER zur Grenzsicherung gegen unerwünschte Zuwanderung, extrem hoher, sich keinesfalls als lohnende Investition, sondern bestenfalls, wenn überhaupt als Befriedungsaktion auszahlende Integrationskosten, zunehmender Transferkosten in Eurozone und EU, um das System wenigstens oberflächlich funktionsfähig zu halten etc., etc. abzuwenden.

        Dieser Ressourcentransfer leistet bestenfalls Stabilisierung bei der „Anpassung nach unten“ – BESTENFALLS.

        Alles andere ist ILLUSIONISMUS.

        Wachen Sie endlich auf.

      • Michael Stöcker says:

        „ein Professor aus dem Flassbeck-Umkreis“

        Eine andere Reaktion hatte ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Wenn im MSM-Deutschland etwas mit F beginnt und mit lassbeck aufhört, dann dominiert der Pawlowsche Reflex und die kognitive Dissonanz verunmöglicht eine objektive Analyse. Auch ich stimme nicht mit allem überein, was auf diesen Seiten publiziert wird; manches Mal sogar grober Unfug, der einer Replik bedarf: https://makroskop.eu/2017/07/banken-im-schlaraffenland/. Aber Ihre Kritik an Elsenhans geht voll daneben.

        „Der Kapitalismus lässt sich nicht einbetten, sondern ist das System…“

        Jetzt ist aber Ihre Schlussfolgerung mehr als albern. Sie sind vermutlich auch ein Opfer jahrelanger MPS Berieselung. Die ständige Wiederholung wird dann irgendwann zum unerschütterlichen Glauben und dominiert die Ratio. Der Kapitalismus ist in das POLITISCHE System eingebettet. Es ist eine Frage, was die Politik daraus macht.

        „Diese Keynesianer haben recht behalten und deshalb sind diejenigen, die mit Keynes den Kapitalismus mit expansiver Fiskalpolitik zähmen oder gar einbetten wollten, baden gegangen, d. h. sie sind abgewählt worden von denen, die davon nichts hatten.“

        In den 70er Jahren gab es keine keynesianische Situation. Es gab einen Ölpreisschock, der zu einer Anpassung der relativen Preise geführt hat (terms of trade). Die Gewerkschaften hatten dies nicht verstanden und mit zu hohen Lohnforderungen reagiert. Ein inflationäres Phänomen gab es erst durch die zu hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften, die diese Änderung der Relativpreise nicht akzeptieren wollten (Lohn-Preis-Spirale; und siehe da, in diesem Punkt ist Flassbeck voll und ganz zuzustimmen: Die Inflation wird insbesondere über die Lohnentwicklung determiniert).

        Diese sogenannten Keynesianer waren/sind Bastard-Keynesianer, die Keynes wohl niemals richtig gelesen haben. Eine solche Relativpreisanpassung MUSS man zulassen und darf sie weder durch überzogene Lohnforderungen noch durch höhere Leitzinsen versuchen zu bekämpfen. Eine Änderung von Relativpreisen ist KEIN inflationäres Phänomen; auch dann nicht, wenn sich dadurch die nationale Kaufkraft mindert; denn woanders hat sie sich ja erhöht.

        Weil aber die Gewerkschaften überzogen hatten, hatte sodann die Bundesbank reagieren müssen. Deswegen wurde der Keynesianismus insbesondere in Deutschland fälschlicherweise in Gänze diskreditiert und abgewählt. Den Rest erledigte dann die Propagandamaschinerie der MPS.

        „Die Alternative ist keine, weil sie ebenfalls scheitern wird.“

        Von Hayek würde hier wohl mit der Anmaßung von Wissen kontern.

        „Dieser Ressourcentransfer leistet bestenfalls Stabilisierung bei der „Anpassung nach unten“ – BESTENFALLS.“

        Da bin ich ganz bei Ihnen. Allerdings: Um DIESEN Ressourcentransfer (Integrationskosten) geht es mir nicht und er sollte durch eine konsequente EU-Außen-Grenzsicherung minimiert werden. Mir geht es um die unterlassenen Investitionen in Bildung und Infrastruktur in Deutschland, die man völlig entspannt über eine neoliberale Erbschaftssteuer finanzieren könnte und somit zugleich einen Beitrag leisten würde, das fiktive Geldkapital in reales Sachkapital zu transformieren. Wahre Neoliberale müssten hier eigentlich jubeln, gelb-lackierte MPS-Libertäre kämpfen hingegen für ihre leistungslosen Erbpfründe.

        LG Michael Stöcker

  3. Michael says:

    „bto: Bevor jetzt alle rufen, dies liegt an der verfehlten Rettungspolitik, ich denke, es ist einfach normal, wenn man die fundamentalen Faktoren betrachtet.“

    Klar liegt es an der verfehlten Rettungspolitik. Wenn der Start nach den Regeln der österreichischem Schule handeln würde, hätten sich die Marktverwerfungen bereits 2008/2009 bereinigt und wir hätten bereits das Schlimmste hinter uns. Putin hat das die letzten Jahre eindrucksvoll gezeigt. Die westlichen Eliten, allen voran Merkel und Draghi, haben leider noch nie etwas von den Österreichern Schule gehört und orientieren sich stattdessen lieber an Keynes und regieren damit uns Stück für Stück in den Abgrund…

    Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    M. Stöcker + W. Selig

    >… nichts Reales/Nützliches auf dieser Welt wächst ins Unendliche; im Gegensatz zum Krebsgeschwür.>

    Der Vergleich gefällt mir nicht, weil er Unsinn ist.

    Auch ein Krebsgeschwür wächst nicht ins Unendliche.

    Das ist einfach mal so hingeschrieben und hat noch nicht einmal etwas mit meiner Argumentation zu tun.

    Ich hatte behauptet, dass die Wachstumsraten der Vergangenheit nicht mehr erreicht werden können, was keine Behauptung darüber ist, dass das Wachstum bis ins Unendliche weitergehen könne und auch keine darüber, dass es das Wachstum nicht mehr geben dürfe, weil man dann in Richtung unendlich wächst.

    Ihr Wissenschaftler, H. Selig, hat zwar recht, wenn er sagt, dass sein Schimpfwort die angemessene Bezeichnung für jemanden ist, der meint, in einer endlichen Welt gäbe es unendliches Wachstum.

    Seine Alternativbezeichnung „Wirschaftswissenschaftler“ wäre nur dann berechtigt, wenn Wirtschaftswissenschaftler generell, d. h. in ganz großer Mehrheit und nicht vereinzelt, diese Meinung vertreten würden.

    Das tun sie nicht.

    Mit ein paar Deppen, die es wie überall natürlich auch unter den Wirtschaftswissenschaftlern gibt, kann man nicht die Wirtschaftwissenschtler kennzeichnen.

    Insofern:

    Tut mir leid, der Gag ist keiner.

    Es ist eine pointierte Falschaussage.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Der Vergleich gefällt mir nicht, weil er Unsinn ist.
      Auch ein Krebsgeschwür wächst nicht ins Unendliche.“

      Da haben Sie selbstverständlich recht. Die meisten Vergleiche hinken; mal mehr, mal weniger.

      Mit dem Tod endet das „unendliche“ Wachstum in der Endlichkeit. Das wuchernde Krebsgeschwür ist ein krankhafter Prozess, der zum frühzeitigen Ende führt. Jede Maßlosigkeit führt in der Zeit zum abrupten Ende und leitet eine neue Entwicklungsphase ein. Diese Grundproblematik (G – Gˈ) habe ich im Essay über die monetäre Krise des Kapitalismus auf Seite 1 – 2 beschrieben: https://zinsfehler.files.wordpress.com/2016/01/die-monetaere-krise-des-kapitalismus.pdf. Meinen Lösungsvorschlag für dieses existenzielle systemische Problem haben wir oft genug diskutiert.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Wolfgang Selig says:

      Gag? Habe ich nicht als solchen verstanden. Ernsthaft, so ziemlich alle Unternehmen, Wirtschaftsforscher, Wirtschaftsjournalisten, Wirtschaftsverbände finden Wachstum ohne quantitative oder zeitliche Begrenzung gut. Ich halte das für völlig falsch. Ich denke, die Erde, aber auch nur ein einzelnes Land wie Deutschland verträgt nur eine gewisse Zahl an Personen und Fahrzeugen, eine gewisse Quote versiegelter Fläche, eine gewisse Zahl von Flughäfen usw. Aber so gut wie kein Wirtschaftswissenschaftler diskutiert ein echtes Wachstumsende. Ich halte das für einen gewaltigen Fehler. Nicht wegen mir. Aber wegen meiner Nachkommen und deren Welt. Denn irgendwann kommt es zwangsweise und trifft auf eine wachstumsfixierte Gedankenwelt. Und dann muss es schnell gehen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Ich will das Thema nicht zu Tode trampeln – das ist es nicht wert.

        Aber ein paar Bemerkungen scheinen mir doch angebracht.

        Die Rede war bei Ihrem Physikprofessor von „unendlichem Wachstum“ mit Bezug auf eine endliche Welt im Kontext von Wissenschaft bzw. Wissenschaftlern.

        Ich glaube, dass es darüber zwischen ernsthaften, nachdenklichen Menschen keinen Disput gibt, somit auch keinen zwischen Natur- und Sozialwissenschaftlern.

        Es gibt aber einen, auf den Sie zu recht verweisen:

        Es ist der INTERESSENBEZOGENE Disput darüber, OB und wenn schon, dann WO einem im REALEN Leben Grenzen gezogen werden sollten, beispielsweise durch Regulierung.

        Der verständliche Widerstand, Grenzen gesetzt zu bekommen, impliziert dabei zumindest tendenziell die Idee von Unendlichkeit, wenn er kontinuierlich ausgeübt wird.

        Insofern haben Sie recht, aber wir sind dann in einem anderen, mehrdeutigen Kontext, dem der praktischen Gestaltungsmöglichkeiten – einem, in dem es in der Tat um viel geht.

      • Wolfgang Selig says:

        @Herr Tischer: auch ich möchte das Thema hier nicht unendlich diskutieren, obwohl ich es anders einschätze. Ich denke, dass es auch zwischen nachdenklichen, ernsthaften Leuten einen heftigen Disput geben wird und heute schon gäbe, wenn das Thema nicht weitgehend gedanklich ausgeblendet werden würde. Mein Vorschlag: Stellen Sie mal z.B. das Ziel einer Nettoflächenneuversiegelung von 0 Quadratmetern ab von mir aus dem Jahr 2027 in dem Bundesland oder Kanton, in dem Sie persönlich wohnen, auf wissenschaftlicher Ebene an sichtbarer Stelle zur Debatte. Dann würde ich die Reaktion abwarten. Wenn sie auch abseits der erwartbaren Aussagen der Politik anders ausfällt als von mir erwartet, schenke ich Ihnen eine Flasche Brunello oder etwas Adäquates je nach Ihrem persönlichen Geschmack. Und das meine ich gar nicht zynisch, denn es ist tatsächlich eine gewaltige gesellschaftliche Umstellung, nach Jahrtausenden der „Urbarmachung“ und „Besiedelung“ der Natur in selbst gesetzten menschlichen Obergrenzen zu denken. Fällt mir selbst jedenfalls brutal schwer innerhalb unserer Systemorganisation bei allen gedanklichen Varianten.

      • Dietmar Tischer says:

        @ Wolfgang Selig

        Ich sehe schon Ihren Punkt und gestehe gern zu, dass er der eigentlich RELEVANTE ist:

        Ein „Plus“ von null Quadratmetern, auch wenn man noch längst nicht bei unendlich ist.

        Da ist praktischer Streit vorprogrammiert und er ist aus den beiden von Ihnen skizzierten Perspektiven verständlich, wenn man sich Mikro und Makro vor Augen führt, was null heißt.

        Demgegenüber ist der REIN wissenschaftliche Kontext (Natur- vs. Sozialwissenschaftler), auf den sich Ihr ursprünglicher Verweis meinem Verständnis nach bezog, im wahrsten Sinne des Wortes akademisch, also lediglich der Rahmen für einen „Stellvertreter-Disput“ – einmal vorausgesetzt, dass kein anderes als ein Klärungsinteresse im Spiel ist.

        Ich denke, dass Sie sich dem anschließen können, so dass dazu nichts weiter zu sagen ist.

  5. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    > „ein Professor aus dem Flassbeck-Umkreis“

    Eine andere Reaktion hatte ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Wenn im MSM-Deutschland etwas mit F beginnt und mit lassbeck aufhört, dann dominiert der Pawlowsche Reflex und die kognitive Dissonanz verunmöglicht eine objektive Analyse.>

    Es wäre der Auseinandersetzung dienlich, wenn mal nichts reflexartig erwarten würden, sondern auf das eingingen, was ich behaupte.

    Ist Elsenhans ein Professor aus dem Flassbeck-Umkreis oder ist er es nicht?

    Er ist es, wenn er auf dem Flassbeck-Blog Beiträge schreiben kann.

    Damit ist meine Behauptung gerechtfertigt.

    Ansonsten gehe ich mit ZITATEN auf ihn ein.

    >„Der Kapitalismus lässt sich nicht einbetten, sondern ist das System…“
    Jetzt ist aber Ihre Schlussfolgerung mehr als albern. Sie sind vermutlich auch ein Opfer jahrelanger MPS Berieselung. Die ständige Wiederholung wird dann irgendwann zum unerschütterlichen Glauben und dominiert die Ratio.>

    Was soll das?

    Nichts, es ist reflexartiger Unsinn.

    >Der Kapitalismus ist in das POLITISCHE System eingebettet. Es ist eine Frage, was die Politik daraus macht.>

    Endlich mal eine Gegenrede zu meiner Behauptung.

    Hat lange gedauert, aber Bravo!

    Die Politik bzw. Menschen, die Macht haben, können den Kapitalismus nicht umbetten (wie auf einem Friedhof), weil er nicht eingebettet ist.

    Sie können ihn ABSCHAFFEN – durch eine Revolution z. B.

    Das ist aber etwas anderes.

    Sie können ihn auch VERÄNDERN, indem sie an Stellschrauben drehen, z. B. bei der Besteuerung, mit Umverteilung oder durch Regulierung.

    Dabei können sie so WEIT gehen, dass der Kapitalismus sich FUNDAMENTAL verändert, z. B. durch eine extrem hohe Staatsquote, was zwar formal immer noch Kapitalismus ist mit den ihn kennzeichnenden Merkmalen Vertragsfreiheit, privates Eigentum und Markt etc. Der Staat ist dann aber das übermächtige Wirtschaftssubjekt, während es noch eine kleine unbedeutende privatwirtschaftliche Spielecke gibt.

    Das ist denkbar – daher linke Träumer, die das Umbetten nennen, weil es sich mit diesem Begriff gut verkaufen lässt –, wird aber NIE und NIMMER Realität werden.

    Der Grund:

    Auf dem Weg dahin werden die Leistungsträger der Gesellschaft sowie das Kapital nicht in Schockstarre verfallen und mit großen Kinderaugen zuschauen, was sich da so Wunderbares tut. Sondern Sie werden HANDELN und diese sich fundamental verändernde Gesellschaft VERLASSEN. Einfach mal Heinsohn lesen und zur Kenntnis nehmen, wo überall investiert wird, seit die Globalisierung auf Hochtouren läuft.

    Das wird so sein, weil die fundamentale Veränderung auf DEREN KOSTEN vollzogen wird und durch die Aus- und Abwanderung eben keine Veränderung sein kann, die mehr Wohlstand schafft, der natürlich auch problemlos bzw. problemloser zu verteilen wäre.

    Die Folge ist vielmehr eine VERARMUNG der Gesellschaft, die so viel Widerstand gegen die Veränderer generieren wird, dass diese mehrheitlich weggefegt werden solange es noch zivil zugeht in dieser Gesellschaft.

    Weil das so ist, wird es NIE zu einer Umbettung des Kapitalismus kommen,

    Soviel nur mal zum Verständnis, WAS der Kapitalismus aus der Politik MACHT inkl. „Alternativen“ à la Elsenhans.

    Das funktioniert übrigens auch über Mauern hinweg, wie uns der Untergang der DDR gelehrt hat.

    Und jetzt noch zu Keynes:

    Natürlich, es waren die Umstände, der Ölpreisschock and all that jazz.

    Lesen Sie Ihre Referenz Blanchard, die Sie hier verlinkt haben.

    Bei 10:40 sagt sein Chart:

    “The Keynes approach has failed/need for a new approach”.

    Blanchard sagt, dass es der Keynessche ANSATZ war, der gescheitert ist und nicht wie von Ihnen vorgeschobene, „Bastard-Keynesianer“ bzw. der Umstand überzogen handelnder Gewerkschaften.

    Warum sollte man es dennoch noch einmal mit einem erneuten Keynesschen Ansatz probieren (was die zweite Feststellung von Blanchard im Zitat ist, die mit der ersten nichts zu tun hat).

    Ganz einfach, weil man NICHTS anderes mehr hat, um Nachfrage zu generieren.

    Das kann man verstehen.

    Aber dann muss man das auch sagen und nicht wie Sie herumeiern und Ausreden erfinden, warum der Keynessche Ansatz gescheitert ist in der Vergangenheit.

    Also einfach noch einmal probieren, ist doch Teil der Umbettungsalternative.

    Und dass die Gewerkschaften nicht noch einmal den Blödsinn machen zu überziehen, ist ganz sicher auch ein Teil der Umbettungsalternative und die Bundesbank ist dann auch ganz sicher in den richtigen Händen.

    Leute wie Elsenhans und Sie schaffen das.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Ist Elsenhans ein Professor aus dem Flassbeck-Umkreis oder ist er es nicht?

      Er ist es, wenn er auf dem Flassbeck-Blog Beiträge schreiben kann.“

      Für eine Falsifikation dieser Aussage reicht ein Gegenbeispiel, von dem ich mit absoluter Sicherheit weiß, dass er nicht zum „Flassbeck-Umkreis“ gehört: https://makroskop.eu/author/michael-stoecker/. Ob Elsenhans dennoch zum „Flassbeck-Umkreis“ gehört, ist damit selbstverständlich nicht auszuschließen.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Selbstverständlich gehören auch Sie zum „Flassbeck-Umkreis“, wenn Sie auf dem Flassbeck-Blog publizieren.

        Was denn sonst?

        „Umkreis“ hat nichts mit GLEICHEN Ansichten, Überzeugungen etc. zu tun.

        Es besteht eine gewisse Affinität, man schätzt sich und findet es grundsätzlich beiderseitig positiv, wenn jemand wie Sie bei Flassbeck publiziert:

        Er, weil er Sie als Bereicherung für seinen Blog ansieht und Sie, weil Sie Ihrer Überzeugung(en) den Lesern des Flassbeck-Blogs nahebringen können.

        Jedenfalls eint die Überzeugung, dass massive Eingriffe des Staats – Stichwort „Umbettung“ – notwendig seien, Sie, Elsenhans und Flassbeck.

        Warum wollen Sie sich davon distanzieren?

      • Michael Stöcker says:

        „Selbstverständlich gehören auch Sie zum „Flassbeck-Umkreis“, wenn Sie auf dem Flassbeck-Blog publizieren.“

        Ich habe dort eine Replik geschrieben auf einen unsäglich dümmlichen Beitrag von Peter Glaser zum Thema Geldschöpfung. Wenn es Sie interessieren sollte, dann können Sie mich ja gerne anschreiben und ich lasse Ihnen den Text zukommen. Mit Sympathien für Flassbeck hat das nun wirklich nichts zu tun. Der entscheidende Denkfehler von Flassbeck ist mAn, dass er NUR makroökonomisch denken kann und die mikroökonomische/betriebliche Ebene dabei völlig ausblendet. Vielleicht erinnern sie sich ja noch an meinen Kommentar hierzu im Herdentrieb von vor 4 Jahren: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2013/10/30/die-eurokrise-muss-nicht-immer-weitergehen_6680?sort=desc&comments_page=3#comment-102736.

        Nach Ihrer Definition gehört dann wohl auch Sarah Wagenknecht zum „Umkreis“ des Handelsblatts, weil dort schon mal einen Gastbeitrag von ihr veröffentlicht wurde. Oder doch eher zum „Umkreis“ der AfD wegen der Flüchtlingspolitik oder aber gar zum Umkreis der FDP wegen ihrer Sympathien für Ludwig Ehrhard!?

        LG Michael Stöcker

    • Michael Stöcker says:

      „Also einfach noch einmal probieren, ist doch Teil der Umbettungsalternative.“

      Ja einfach noch einmal probieren. Oder um mit Larry Summers & Co. zu sprechen: Helicopter-Money is Fiscal Policy: https://www.moneyandbanking.com/commentary/2016/6/27/a-primer-on-helicopter-money. Aber in Europa nicht nur wegen Art. 123 AEUV bitte als QE4P. Die Trumps dieser Welt können ja gerne weiter auf die Senkung von Unternehmenssteuern setzen.

      LG Michael Stöcker

      Antworten

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