Doch eine säkulare Stagnation?

Die säkulare Stagnation wird wieder Thema, jetzt, wo sich die Weltwirtschaft doch nicht so gut entwickelt, wie noch vor wenigen Monaten erwartet und erhofft. bto hat das Thema immer wieder kritisch beleuchtet:

→ „30 Jahre Stagnation der Weltwirtschaft“

→ Säkulare Stagnation – à la Eiszeit – wirklich das Problem?

→ „Unsinn über die säkulare Stagnation“

Nun fragt Martin Sandbu in der FINANCIAL TIMES (FT): „How secular is secular stagnation?“  Eine berechtigte Frage. Denn nur weil wir – bei schrumpfender Erwerbsbevölkerung, stagnierenden Produktivitätsfortschritte und enormen Schuldenlasten – weniger schnell wachsen als früher, ist „säkular“ eine ziemlich steile These. Wir könnten an allen drei negativen Punkten etwas ändern! Nun schauen wir mal auf die Argumentation:

  • „(…) Lawrence Summers further developed his thesis that rich economies are in the grip of  ‘secular stagnation’. In an article, Summers and Lukasz Rachel develop new estimates of the “natural” rate of interest — the interest rate that brings desired savings and desired investment in the economy into balance — and find that it has fallen by about 3 percentage points over the last generation.“ – bto: hier der Link zu dem Artikel → „On Falling Neutral Real Rates, Fiscal Policy, and the Risk of Secular Stagnation“. Ich finde es immer wieder interessant, dass für Summers die Verschuldung nie ein Problem ist, sondern immer nur das gestiegene Kapitalangebot durch Sparen.

Martin Wolf kommentiert ebenfalls in der FT die Studie und von dort nehmen wir zur Illustration ein paar Bilder (die einfach schöner sind, als in dem Paper von Brookings). Zunächst der Rückgang der Zinsen seit 1980. Bekannt, aber immer wieder beeindruckend anzuschauen:

Quelle: FT

  • „More astonishing, they point out that several public policy decisions (such as higher government debt) has counteracted this fall, and that without them, the ‘private’ real natural rate of interest would have fallen by as much as 7 percentage points.“ – bto: Das ist die Badewannen-Theorie in extrem. Wir haben einen sehr großen Überhang an Ersparnis und deshalb müssen wir tiefe Zinsen haben. Wenn man aber davon ausgeht, dass Geld geschaffen wird durch steigende Verschuldung und wir diese Verschuldung unproduktiv verwenden, muss es doch zu einer „säkularen Stagnation“ kommen!

Quelle: FT

  • „The most consequential question, however, is what it means for policy. Summers’s secular stagnation analysis is that equilibrium rates have come so far down that it is impossible for central bank or market interest rates to make demand match the level of potential supply, leaving the economy indefinitely underemployed. To get out of stagnation, other sources of demand have to be increased, where Summers often points to fiscal policy. (…) if the asset-wealthy are less likely to spend out of income than the asset-poor, then a net wealth tax (…) could be implemented so as to lift aggregate demand.“ – bto: Beide Empfehlungen sind vorhersehbar. Doch was ist mit der andere Seite der Medaille, der zunehmenden Verschuldung?

Sandbu zweifelt auch an dem Nutzen der Theorie der säkularen Stagnation und bringt drei Argumente:

  • „First, it may lead to policy cures that are worse than the disease. If demand is chronically too low, it is not just fiscal policy that can address this; so can a mercantilist trade policy aimed at boosting net exports. Secular stagnation quickly becomes a justification for the Trumpian fetish of seeing exporting as strength and importing as weakness, and all the bad policies such a view brings with it.“ – bto: Ja, man kämpft um Nachfrage und Länder wie Deutschland machen sich unbeliebt.
  • „Second, I am unconvinced that monetary policy cannot do more . The ‘zero lower bound’ is clearly not at zero since several central banks have lowered short-term rates below it. The idea of an ‘effective’ lower bound somewhere below, but allegedly close to, zero is a theoretical construct. Nobody has seen any sign of it, which means there is at least some further way to go for conventional policy. (…) With the 10-year Treasury yield near 3 per cent, the US economy is far from any lower bound, if one exists.“ – bto: Es werden bereits Maßnahmen diskutiert wie Bargeldsteuer etc., um die Politik auch im negativen Bereich fortsetzen zu können.
  • „Third, we must avoid confusing between stocks and flows. The arguments about chronically weak demand are ‘stock’ arguments — reasons why the level of aggregate demand is lower, and has stayed lower, than the level of supply for surprisingly long. Economic growth, however, is a matter of changes in the levels of demand and supply. A low level of demand is perfectly compatible with steady-state solid growth in which all the components of demand change by the same percentage every year. And it is not clear how secular stagnation arguments that explain why the level is low also act as arguments for why growth should be low.“ – bto: Das bedeutet auch, dass man mit anderen Instrumenten ebenfalls eine Verbesserung erzielen könnte.
  • „There are equilibrating mechanisms when the level of demand is below that of supply for some time. If it subdues price growth — and it seems to have done so — it will make for a greater real money supply over time, which should push up demand. But this could take time. Alternatively, inadequate demand levels may inhibit investment and employment, which reduces the level of supply capacity permanently (…) My own chief worry is that policymakers mistakenly take the “secular” part of stagnation so seriously that they snuff out any sign that demand is catching up with supply.“ – bto: Und was würde dann passieren? Es gäbe Inflation. Wie schön wäre das aus Sicht der Politiker, endlich gäbe es Hoffnung, die Schulden doch noch zu entwerten.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „How secular is secular stagnation?“, 13. März 2019

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Monetary policy has run its course“, 12. März 2019

28 Kommentare
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    Eva Maria Palmer sagte:

    Nochmal zum Thema Krall – kollabierende Banken und Untergang von Zombie-Unternehmen.

    Wenn dies tatsächlich nach Dr.Kralls Meinung eintreten sollte, gibt es bei der EZB einen „General-Direktor für neue Produkte“, Herrn Bindseil oder so ähnlich, von dem Herr Stöcker große Stücke hält.

    Dieser „Generaldirektor“ könnte also mit „neuen Produkten“ die Banken „retten“, so wie das schon in Griechenland, Italien, Portugal etc. gemacht wurde.

    Die „neuen Produkte“: Kauf von Staatsanleihen, OMTs, MMTs, also direkte Staatsfinanzierung wie gehabt und selbstverständlich QEs mit 1 Billion € p.a.

    Das ganze mit Helikoptern vor den notleideneden Unternehmen abgeworfen.
    Eine entzückende neue Produkt-Konzeption.

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    Eva Maria Palmer sagte:

    Frau Susanne Finke-Röpke

    Die Prognosen zum Bankencrash 2020-21 des vielgeschmähten Dr.Krall nimmt er selbst nicht so ganz ernst.

    In einem Interview erklärte er, daß er eine Flasche Schampus öffnen würde, wenn sich das Bankensterben so nicht und auch nicht in der Zeit ereignen würde.

    Tatsache aber wäre, daß seine Feststellungen von vielen maßgebenden Ökonomen und auch von der BIZ geteilt worden sind.

    Die gegenläufige Propaganda der EZB und ihrer europa-romantischen Unterstützern und Söldner, die wir auch immer lautstark hier im Forum finden, würde daran nichts ändern.

    Krall ist der einzige wirkliche Bankenkenner, dessen Prognosen ich mehr Vertrauen schenke, als allen zweifelhaften Geldtheoretikern und Unterstützern der desaströsen EZB-Enteignungs-Politik, die natürlich von unseren unfähigen Politikern zu 100% initiiert und gedeckt wird.

    Denn sonst wäre das Wahnsinnsprojekt Transfer-Union Europa mit inkompatibler Gemeinschaftswährung und der Vergemeinschaftung aller für Deutschland und den Nordländern katastrophalen volkswirtschaftlichen Schäden längst gescheitert.

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        Eva Maria Palmer sagte:

        @troodon
        Krall glaubt sicher an seine Prognosen, genauso wie ich das tue.

        Im Zusammenhang gesehen meinte er wohl, daß seine Prognose nicht auf den Tag genau eintreffen wird.

        Keiner weiß besser als ich, daß Prognosen schwierig sind, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.

        Mein Vertrauen gilt seiner Expertise, die ich noch nie in der Substanz von einem der vielen „Finanzexperten“, meistens in unverständlicher Form und mit vielen Querverweisen,gehört habe.

        Alles was er sagt, ist stichhaltig und nachprüfbar und unterscheidet sich wohltuend von dem Geschwafel der „wissenschaftlichen“ Querverweis-Geldexperten.

        Der Meinung war auch die BIZ, die sogar den Anteil der deutschen Zombie-Unternehmen, von 10% (Krall) auf 15% angehoben hat.

        Trotzdem hoffe ich aber, daß er mal ausnahmsweise falsch liegt.

        Da muß nun der besagte EZB-Generaldirektor viele neue „Produkte“ auf den Markt bringen, um die Katastrophe abzuwenden.

        Was er tun wird, wissen wir schon, denn er hat wie so viele seiner Kritiker seine Bestseller nicht gelesen.

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    Arda Sürel sagte:

    Ich bin nicht der Überzeugung, dass die grundlegenden Kategorien, wie sie in der gegenwaertigen ökonomischen Wissenschaft z.B. in der obigen saekularen Stagnationsdiskussion verwendet werden, dem realen Gegenstandsbereich der Wirtschaft angemessen sind.

    Viel zu vieles, was mittlerweile museal sein müsste, wird noch mitgeschleppt. Die Investition wird letztendlich immer noch im Sinne des Erwerbs von Maschinen verstanden. Eine Auszahlung, wenn sie z.B. für ein Buch getaetigt wird, mag in den meisten Faellen Konsum sein. Dieselbe Auszahlung stellt jedoch eine Investition dar, wenn ein Übersetzer ein Fremdwörterbuch erwirbt. Investition und Produktivitaet wird immer noch im Sinne maschineller Produktion gedacht, aber wieviel Produktivitaet vollkommen unabhaengig von Maschinen z.B. durch intelligente organisatorische Entscheidungen freigesetzt werden kann, spielt keine Rolle. Wieviel ‚Produktivitaet‘ steckt in den Milliardensektoren Film und Fernsehen, Medien, Mode, Werbung, Kommunikation (nicht Telefonie und Informatik), Unterhaltung, Finanzwesen, Administration und Organisation etc.? Was sind die Lohnstückkosten für ein Produkt von oder mit Brad Pitt? Und wie hoch ist die Grenznachfrageelastizitaet bezüglich eines solchen Produktes vor und wie hoch nach der Bekanntwerdung des neuesten Skandals mit Angelina Jolie? Wie kann denn eine Wissenschaft (Ökonomie), die massive Teile ihres eigentlichen Gegenstandsbereiches (Dienstleistungen) in den Kernkonzepten ignoriert, ihre Aufgabe erfüllen?

    Ist Geld, dass noch nicht ausgegeben wurde, aber im Rahmen einer Woche ausgeben sein wird, gespart? Ist eine Arbeit an einer Brücke oder Strasse, die nur getaetigt wurde, um ein Budget vor einem Stichtag zu leeren, eine Investition? Waere dieselbe unproduktive Investition an einer anderen Stelle und mit einer anderen Motivation getaetigt vielleicht sogar sehr produktiv?

    Kommt denn die Nachfrage nach Gütern des deutschen Maschinenbaus wirklich aus dem Ausland oder stammt sie effektiv nicht viel eher von deutschen Banken, die die Bezahlung besagter Maschine jetzt in der Hoffnung verwirklichen, das ausgegebene Geld plus Zinsen irgendwann einmal aus dem Ausland zurück zu bekommen? Ist ein Angebot, das noch nicht auf dem Markt ist, es aber in der naechsten Minute sein kann, ein Angebot oder eben doch nicht? Wo ist das Gleichgewicht, dass doch auf Maerkten gegeben sein soll, das aber noch nie beobachtet werden konnte? Wie kann es sein, dass ein Trader auf den ach so perfekten Finanzmaerkten nach der Verarbeitung des letzten marginalen Informationsquants doch eine falsche Entscheidung treffen und ein Verkaufsangebot oberhalb des Gleichgewichtspreises abgeben kann, um dann auf seinem Angebot sitzen zu bleiben? Wie kann es sein, dass dieser Trader die grundlegende Information, dass sein Preis zu hoch ist, vor der Abgabe seines Angebotes nicht verarbeitet hat, wo doch ein effizienter Markt gegeben sein soll?

    Eine Denkweise, die ihre grundlegenden Kategorien wie Konsum, Sparen, Produktivitaet, Nachfrage, Angebot oder Gleichgewicht nicht den sachlichen und aktuellen Gegebenheiten entsprechend neu zu errichten vermag, ist hinfaellig.

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      DHB sagte:

      @ Arda Sürel

      Das sind eine Menge Fragen auf einmal. Aber Sie haben recht, diese prinzipiellen Fragen zu stellen. Und es ist nützlich von Zeit zu Zeit zu sagen: back to basics.

      Menschliche Arbeit, egal ob mit Muskeln, Gehirnschmalz oder Werkzeugen, erzeugt Mehrwert, zunächst für den Werkenden (sonst würde er es nicht tun), bei objektiver Betrachtung wahrscheinlich und meistens auch im Auge eines Dritten, was dessen Begehrlichkeiten weckt. Damit entsteht Wirtschaft als freiwilliger Ausstausch von Waren und Leistungen.

      Um den Handel vom Tauschgeschäft zu lösen und so richtig in Gang zu bringen, entstand Geld. Damit konnten Werte beziffert und buchhalterisch festgehalten werden, sowie zeitlich und örtlich nach Bedarf bewegt werden. Bis vor etwa 50 Jahren (das ist ungefähr ein Prozent der Zeit, seit es Geld gibt!) hatte Geld immer einen intrinsischen Wert, soll heissen einen Wert an sich, der es erlaubte, Geld auch als Wertspeicher zu halten. Seit Nixon ist das Geschichte.

      Wer Geld hat, kann es auch ausgeben, prinzipiell für Gebrauchsgüter oder Verbrauchsgüter. Letztere bezeichnen wir als Konsum, sie dienen zum alsbaldigen Bedarf für Lebenshaltung und Komfort. Erstere sind in die Zukunft gerichtet, denn wir erwerben Güter zum mittel- oder langfristigen Gebrauch, die wir sonst mieten müssten, und von denen wir erwarten, dass sie unsere Fähigkeit, mehr Güter zu erzeugen (und mehr Einnahmen zu haben), befördern. Wir versagen uns den Konsum dieser Mittel zumindest zeitweilig, um am Ende einen ‘return of investment‘ zu haben. Im Falle von Immobilien rechnen wir da mit Zeiträumen um die 30 bis 50 Jahre.

      Erst durch die Investitionsentscheidung wird aus Geld Kapital, welches durch die innewohnende Zukunftsperspektive gebunden ist. Das Hin- und Hergeschiebe von Geld in der heutigen Finanzwirtschaft hat in diesem Sinne mit Kapitalismus nichts zu tun, wird ihn vielmehr vollends zugrunderichten.

      Da ein Menschenalter vor allem früher bei weitem zu kurz war und auch heute noch oft nicht reicht, um solche in der Zukunft liegenden Vorhaben zu realisieren, wurde der Kredit erfunden, sowie die Banken, um ihn zu vermitteln. Schnell kommt man dann auch zum Zins, der ganz trivial das Risiko des Kreditgebers und seinen zeitweiligen Verzicht auf eigene Mittelverwendung kompensieren soll. Wohin sind wir geraten mit der Nullzinspolitik? Geld ist vorhanden wie Heu, will aber nicht zu Kapital werden, da die equivalenten Investitionsmöglickeiten fehlen und die fahrige Politik jegliche Investitionssicherheit nimmt.

      Sie haben den Wert immaterieller Anlagegüter angesprochen und auch Mischformen. Abseits der notwendigerweise begrenzten abstrakten Definitionen ist beides möglich und heute vielleicht sogar überwiegend, was ich Ihnen aus eigener Erfahrung bestätigen kann. In meinem Beruf als selbständiger Beratender Ingenieur brauchte ich einen Geschäftswagen. Ein Mittelklassewagen hätte es getan (als kurzfristiges Wirtschaftsgut), aber in meiner Garage stand ein weit über 250 kmh schneller Bolide, dessen obere dreiviertel des Wertes schlichter Konsum waren (ich bin da durchaus ehrlich und sehe die Dinge realistisch), dessen Abschreibung das Finanzamt zähneknirschend zu billigen hatte. Und als ich von meinem Beruf genug hatte, verkaufte ich mein Unternehmen für zahlreiche Millionen, von denen 90 % nur immateriell in Form von know-how, eigener software und Organisation vorhanden waren.

      Kommen wir zur Gegenwart. Seit Geld grenzenlos erzeugbar ist und nichts mehr kostet, die Investionsmöglichkeiten mangels technologischer Quantensprünge und positiver Zukunftsperspektiven unterbleiben, bzw. im öffentlichen Sektor wegen genereller Überschuldung nicht wahrgenommen werden, die Produktivität wegen unqualifizierter Einwanderung und überbordender Administration sinkt, infolgedesen der wirtschaftlich aktive Teil der Bevölkerung schon in die Minderheit geraten ist, ist Zurückhaltung geboten. Wir erleben die Rückkehr zum Rentenkapitalismus und zur Goldhortung mittelalterlicher oder östlicher Potentaten. Vielleicht sollte man sich dem als kleine Privatperson vorsichtig anschliessen.

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      • Avatar
        Chris sagte:

        @DHB

        Sehr interessante Argumente. Wir befinden uns in einer ähnlichen Situation.

        Ich würde übrigens auch ein Eigenheim mit Garten im Speckgürtel einer Großstadt als Investition sehen, sofern ich dort hochwertiges Humankapital heranziehe: seelisch, geistig und körperlich auf dem höchsten zu erreichenden Niveau und über dem Durchschnitt Deutschlands in messbaren Werten, analog zur Pferde- oder Hundezucht ; )

        Die Frage ist nur was machen diese produktiven und meist auch kreativen Menschen, insbesondere die jüngeren, in der Zukunft? Das heutige Beamtentum kommt mental nicht in Frage, Großunternehmen ebenso wenig.
        Überall werden sie ausgesaugt ohne eine spätere Gegenleistung erwarten zu können. Die Frugalisten stellen für freiheitsliebende Informatiker, Ingenieure, … bereits eine Ausweichbewegung da.

        Haben Sie Ideen für die Zukunft für diese Menschen?

        Ich kann nur sagen, mache es familiär so wie wir, aber nicht wirtschaftlich, die Zeiten haben sich verändert.

        Ich würde mich über Kommentare freuen.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Arda Sürel

      Ich kann nachvollziehen, was Sie meinen.

      Glaube auch, dass vieles überdacht, in andere Zusammenhänge gebracht und wohl auch anderen Wirkmechanismen unterlegt werden müsste.

      Allerdings gehe ich nicht so weit wie Sie und unterschreibe z. B. nicht diesen Satz:

      >Ich bin nicht der Überzeugung, dass die grundlegenden Kategorien, wie sie in der gegenwaertigen ökonomischen Wissenschaft z.B. in der obigen saekularen Stagnationsdiskussion verwendet werden, dem realen Gegenstandsbereich der Wirtschaft angemessen sind.>

      Ich glaube schon, dass die grundlegenden Kategorien dem Gegenstandsbereich der Wirtschaft angemessen sind.

      Beispielsweise halte ich die Unterscheidung zwischen Konsum und Investitionen nach wie vor für richtig und unverzichtbar.

      Allerdings, und da bin ich bei Ihnen, ist zu fragen, was heut Konsum ist und vor allem, was heute Investitionen sind. Auch die Rückkoppelung des Finanzsektors auf die Realwirtschaft ist noch nicht oder noch nicht hinreichend brauchbar modelliert worden.

      Was heißt es z. B., wenn auf Basis von Runterladen zu marginalen Kosten von null „produziert“ wird?

      Ich meine nicht, dass es heißen sollte: „Kosten“ oder „Produzieren“ sind Kategorien, auf wir in der Ökonomie verzichten sollten.

      Kurzum, die Fragen sind neu, vielfältig und sie beziehen sich auf die neue Unübersichtlichkeit.

      Sie sind aber nicht automatisch welche, die ökonomische Kategorien entwerten.

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      Richard Ott sagte:

      @markus

      „Wenn man die Vermögen durch eine Vermögenssteuer herunter fährt, schrumpfen doch auch die Schulden.“

      Nicht zwangsläufig. Ich weiß schon, jetzt kommt wieder die alte Leier dass Schulden keine Rolle spielen weil jedem Euro Schulden irgendwo spiegelbildlich 1 Euro Vermögen gegenüber stehen, und so weiter…

      Dabei wird aber gerne vergessen, dass es auch eine Menge Vermögenswerte gibt, denen gar keine Schulden gegenüber stehen. Wenn ich eine Goldmünze in der Tasche habe (oder meinetwegen einen Keller voller Kartoffeln), dann gibt es keine Gegenpartei, die für meinen Vermögensposten einen gegenläufigen Posten Schulden hat. Das stimmt natürlich nicht mehr, sobald ich zur Bank gehe und die Gegenstände als Sicherheit für einen Kredit abtrete.

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        markus sagte:

        Wenn Gesamtweltvermoegen > Gesamtweltschulden gilt, wie sie behaupten, dann kann man doch trotzdem über eine Vermögenssteuer alles Vermögen bis auf das Gold abschmelzen, dem keine Schulden gegenüber stehen. So gesehen verstehe ich den Kommentar von Herrn Dr. Stelzer nicht, das bei einer Vermögenssteuer die Schulden nicht berücksichtigt werden.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @markus

        Es ist nicht nur das (unbeliehene) Gold, sondern viel mehr. Wenn Sie ein abgezahltes Haus oder ein abgezahltes Auto besitzen, dann haben sie auch Vermögen, dem keine Schulden gegenüberstehen. Selbst der Inhalt von Ihrem Kühlschrank gehört zu dieser Kategorie.

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        Richard Ott sagte:

        @markus

        Nein, aber es zeigt, dass die Situation komplizierter ist als Sie glauben und eine Vermögenssteuer noch viel mehr Effekte hätte als den, den Sie sich so gerne wünschen. Los geht es halt schon damit, dass der Begriff von „Vermögen“ viel weiter ist als das, was Sie sich ursprünglich darunter vorgestellt hatten. Oder wollen Sie jegliches unbeliehenes Sachvermögen von einer Vermögenssteuer ausnehmen?

        Davon abgesehen: Vermögen und spiegelbildlich zu ihnen gehörende Schulden kann man auch noch durch einen anderen, viel marktwirtschaftlicheren und effizienteren Prozess schumpfen lassen: Insolvenz.

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    Ondoron sagte:

    Na ja, es heißt schließlich VolkswirtschaftsLEHRE. Das ist keine Wissenschaft. Da können sich die Konstruktivisten richtig ausmären. Und das wirklich Schöne daran ist, dass wirklich jeder Quatsch salonfähig wird, wenn er richtig propagandistisch begleitet wird.

    Eigentlich ist eine Währungsreform fällig.

    Antworten
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    Eva Maria Palmer sagte:

    Was ist zur Zeit mit der säkularen Stagnation los?

    In diesem Forum haben Finanzfachleute nicht so gerne gehört, daß ich eine fast fanatische Anhängerin der blanken Edelmetalle bin.

    Als „Zukunfts-Expertin“ wäre ich schlecht beraten, alles nur auf den Golddukaten zu setzen.
    Immerhin kommen viele Klienten gerade mit diesen Fragen zu mir, denn alle haben Angst.

    Deswegen habe ich mir die ETFs von Black Rock näher betrachtet.
    Die Black Rock ETF- Aktienindizes des MSCI World sind inden letzten 3 Monaten um bis zu 18% gestiegen, MSCI und der um die Schwellenländer erweiterte MSCI All Countries immerhin noch um 12%.
    Im Vergleich dazu sehen die EMs bescheiden aus.

    Ich muß das zugeben.

    Jetzt aber muß ich das werte Forum fragen, wieso trotz der säkularen Stagnation die Weltbörsen derart steigen.
    Sind das übertriebene Kaufsignale aufgrund der letztjährigen Verluste oder steht die ganze Welt incl. der Schwellenländer nicht so schlecht da, wie man denkt.

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Frau Palmer

      Das scheint mir ein grundsätzliches Missverständnis zu sein. Mit den „Golddukaten“ (bitte keine echten historischen Dukaten kaufen, die sind relativ zum Goldgehalt viel zu teuer, das ist dann wirklich nur für Münzexperten insteressant) können Sie fast nie fette Jahresrenditen einfahren. Wenn Sie sowas wollen, müssen Sie schon auf dem aktuell hoch volatilen Palladium-Markt mitzocken.

      Sehen Sie die Beimischung von Gold, falls Sie eine Anhängerin davon sind, stattdessen als Versicherung gegen einen kompletten Vermögensverlust bei einer schweren Wirtschafts- oder Finanzkrise. Eine stagnierende Wertentwicklung von Gold so wie jetzt während die Aktien steigen (nachdem es in Q4-2018 genau so steil bergab ging wie jetzt bergauf, das darf man auch nicht vergessen…) ist dann quasi die zu zahlende Versicherungsprämie. Früher hieß es noch, dass Gold schlecht sei weil es keine Zinsen zahle, aber das ist ja dank Nullzinspolitik der Notenbanken kein schlagendes Argument mehr – ob man die Begleitumstände nun „säkulare Stagnation“ nennt oder nicht.

      PS: Fanatismus ist nie gut. Erst recht nicht in Finanzfragen.

      Antworten
    • Avatar
      Eva Maria Palmer sagte:

      Vielen Dank lb. Herr Ott.

      Mit „Golddukaten“ meine ich natürlich Krüger Rand, Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker.

      Immerhin haben sich meine ersten Goldkäufen vor etlichen Jahren mit 8% rentiert.
      Also kaum schlechter als der MSCI Weltindex.

      Wenn bei den in meinem Beitrag erwähnten Black Rock-Index-ETFs die Steigerung so weitergeht, werde ich wohl auch diese Papiere kaufen.

      Aber ich komme zurück auf meine Frage:
      Wieso steigen die Indexe der Weltbörsen um fast 18% wenn wir uns in säkularer Stagnation befinden?

      Vielleicht sind nur wir depperten Euro-Romantiker und die überkauften Amis gefährdet?

      Antworten
      • Avatar
        troodon sagte:

        @ EMP
        Wenig spricht unter langfristigen Aspekten gegen eine VermögensBEIMISCHUNG von einem MSCI World ETF. Bedenken Sie aber die hohe Gewichtung der US Aktien.
        Dazu evtl. noch einmal die aufgeführten Links im folgenden Post beachten:
        https://think-beyondtheobvious.com/stelter-in-den-medien/die-rezession-ist-keine-gute-nachricht/#comment-65543

        Der Ansatz „Wenn bei den in meinem Beitrag erwähnten Black Rock-Index-ETFs die Steigerung so weitergeht, werde ich wohl auch diese Papiere kaufen.“ ist aber mehr als fragwürdig. Wer teuer kauft, hat kaum Chancen auf besonders attraktive Renditen…
        Dies gilt insbesondere dann, wenn die längerfristig zu erwartenden Durchschnittsrenditen geringer sind, als in der Vergangenheit. Und dies dürfte für den MSCI World gelten. Zumindest real. Zudem müssen Sie sich auf heftige und häufigere Kursrückschläge einstellen. The trend is your friend, until it ends.

        „Die Black Rock ETF- Aktienindizes des MSCI World sind inden letzten 3 Monaten um bis zu 18% gestiegen, … wieso trotz der säkularen Stagnation die Weltbörsen derart steigen.“
        Weil es nicht ungewöhnlich ist, dass sich die Börsen auf kürzere Sicht einen Sche… um mögliche fundamentale Langfristentwicklungen (z.B. säkulare Stagnation) kümmern. Angst+Gier und die Entwicklung der Geldmenge sind die wesentlichen Treiber der Börsen. Das gilt aber nicht erst seit heute…

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