Die Traumtänzer: Deutsche haben kaum Angst vor Jobverlust

Das Märchen vom reichen Land hat gewirkt: Die Bürger glauben fest daran, genauso wie sie trotz eines Schadens von rund 4.500 Milliarden Euro in den letzten 15 Jahren immer noch denken, sie wären gut regiert worden. Nur so kann man erklären, dass SPIEGEL ONLINE letzte Woche vermelden konnte: „Deutsche haben kaum Angst vor Jobverlust.“ Ja, das passt.

  • „Bis Mitte der Nullerjahre (war die) Sorge um die Konjunktur eng gekoppelt an die Angst vor Jobverlust. Von dieser Angst ist im Herbst 2019 kaum etwas zu spüren – obwohl die deutsche Wirtschaft deutlich schwächelt. (…) Mehr als 80 Prozent der Bundesbürger hat dennoch kaum Furcht, den Arbeitsplatz zu verlieren, 56,3 Prozent antworten sogar mit einem entschiedenen „Nein, auf keinen Fall“. Lediglich 11,6 Prozent der Befragten äußerten Sorge um den Job.“ – bto: Wen wundert es angesichts von zehn Jahren Aufschwung (dessen Faktoren billiges Geld und schwacher Euro waren und nicht die besondere Leistung unserer Regierenden) und der politisch-medialen Dauerkampagne mit Tenor „reiches Land“?

Quelle: SPIEGEL ONLINE

  • „Dabei ist den Bürgern die Konjunkturmisere deutlich bewusst: Drei von fünf erwarten, dass sich die wirtschaftliche Lage in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern wird, weniger als jeder Zwanzigste geht hingegen von einer Verbesserung aus – an dieser trüben Stimmungslage hat sich auch im Oktober nichts geändert. Nur hat sich die Sorge um die Konjunktur inzwischen völlig entkoppelt von der um den eigenen Arbeitsplatz.“ – bto: Das ist doch erstaunlich. Da steht unsere wichtigste Industrie vor der Existenzkrise, immerhin über 800.000 Arbeitsplätze hängen davon ab und weitere indirekt in mindestens gleicher Höhe. Und die Deutschen haben keine Sorge. Gut möglich, weil die Masse wie ich schon Mitte 50 ist und im Zweifel auf eine großzügige Abfindung hofft. Das dürfte eine bittere Enttäuschung geben.
  • „Deutlich mehr Sorgen als die Konjunkturschwäche bereitet den Bundesbürgern hingegen der technologische Strukturwandel in der Wirtschaft: Die Digitalisierung (und) die wachsende E-Mobilität wird vor allem für die Hunderttausenden Arbeitnehmer in der deutschen Automobilindustrie große Veränderungen bedeuten. Einerseits bietet sie Wachstumschancen. Andererseits benötigt etwa die Produktion von Elektromotoren deutlich weniger Beschäftigte als die von Verbrennungsmotoren, von der zahlreiche Unternehmen in Deutschland mitsamt ihren spezialisierten Fachkräften derzeit noch leben.“ – bto: Und trotzdem machen sich die Menschen keine Sorge um ihren persönlichen Arbeitsplatz? Weil der ohnehin vom Staat finanziert wird?
  • „Die Bundesbürger erwarten insgesamt, dass sich die Chancen und die Risiken dieses technologischen Wandels für Arbeitnehmer in etwa die Waage halten. 36 Prozent der Befragten sehen das explizit so – und etwa gleich große Teile glauben, dass die Risiken (33,2 Prozent) beziehungsweise die Chancen (29,5 Prozent) überwiegen.“ – bto: Das wiederum finde ich ein positives Ergebnis. Da waren die Angstmacher nicht erfolgreich.
  • „Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bundestag beschlossen, die Zuschüsse für die Qualifizierung von Arbeitnehmern deutlich zu erhöhen – je nach Betriebsgröße werden nun bis zu 75 Prozent des Lohns und bis zu 100 Prozent der Kursgebühren übernommen. Gezahlt werden diese Zuschüsse aus der Arbeitslosenversicherung – quasi als präventive Maßnahme auch als Reaktion auf den durch die Digitalisierung absehbaren Weiterbildungsbedarf. (…) Eine deutliche Mehrheit der Befragten unterstützt diese Idee: Exakt zwei Drittel finden es sinnvoll, mehr Geld aus der Arbeitslosenkasse dafür auszugeben, nur 16,7 Prozent sind dagegen.“ – bto: Ich bin dagegen, weil nur die Institutionen sich bereichern, die diese Trainings durchführen. Für diesen Wandel kann man nicht umschulen, schon gar nicht zentral organisiert. Ich wäre dafür, allen Bürgern Weiterbildungsgutscheine zu geben und dann ein breites Angebot zuzulassen, so wie in Singapur.

Fazit: Die Bürger ahnen noch nicht, was da auf uns zukommt.

spiegel.de: „Deutsche haben kaum Angst vor Jobverlust“, 29. Oktober 2019

Kommentare (36) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Bakwahn sagte:

    DT, Troodon,
    danke für eure Hinweise und Anmerkungen. Ich bin doch mit Tischer überall konform.

    Zu den Crashliebhabern ein paar Anmerkungen:
    Die machen sicherlich hervorragende Analysen. Aber warum stellen diese Leute genau am Krisenpunkt das Denken ein? Auch sie müssen doch mittlerweile gelernt haben, daß die „Gegenseite“ mit Hilfe der EZB reagieren wird, gemäß der Regel, daß es keine Regeln mehr gibt außer der, alle und alles zu retten; um jeden Preis!

    1.
    Mir ihren Katastrophen- und Sensationsmeldungen buhlen sie sehr erfolgreich um die knappe Resource Aufmerksamkeit. Das gehört zu ihrem Geschäftsmodell.
    2.
    Es geht ihnen auch um ihre theoretischen Modelle, die von ihnen irgendwie libidinös besetzt sind und von denen sie nicht ablassen wollen, die sie retten wollen. Sie möchten ihren geliebten Theorien zum Siege verhelfen. Sie wollen diesen bestimmten theoretischen Modellen, die sie lieben und für gut befinden, zum Durchbruch verhelfen, damit diese theoretischen Grundannahmen ihre Überlegenheit zeigen können. Nach diesen Grundsätzen führt und organisiert man eine erfolgreiche Volkswirtschaft am besten. Alles andere führt auf lange Sicht in die Zweitklassigkeit oder in den Untergang.

    PS:
    (Das ist in aller Eile in die Tastatur getippt; ich bitte um Nachsicht.)
    Ich habe mal vor ca. 50 Jahren Samuelson gelesen und war begeistert.
    Sagt der Name Samuelsen noch was?

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      DenkBloßNix sagte:

      „Heute ist weltweit Bagehot total: Alle Staaten werden für alle Staaten, alle Notenbanken für alle Notenbanken haften, einschließlich Währungsfonds und Weltbank und vielen anderen internationalen Institutionen. Und alle Staaten werden für alle Banken geradestehen, aber auch alle Notenbanken für alle Staaten und alle Staaten für alle Notenbanken. Alle, alle, alle werden für alle, alle, alle dasein. Und alle wissen, dass keinem von allen etwas passieren darf, weil dann allen etwas zustößt.“
      ( Quelle: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=150072 )

      #wir schaffen das

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      Richard Ott sagte:

      @Bakwahn

      „Auch sie müssen doch mittlerweile gelernt haben, daß die ‚Gegenseite‘ mit Hilfe der EZB reagieren wird, gemäß der Regel, daß es keine Regeln mehr gibt außer der, alle und alles zu retten; um jeden Preis!“

      Das „Tausendjährige Reich“ wurde nach nur 12 Jahren miltärisch total besiegt und den DDR-Sozialismus, den angeblich weder Ochs und Esel aufhalten konnte, fegte eine Revolution hinweg. Und dabei wollten beide Systeme auch um jeden Preis ihr eigenes Fortbestehen sichern und hatten über ihre Untertanen eine Machtfülle, die noch viel größer war als die der EZB und des Brüsseler Apparates.

      Es kam nur jeweils der Punkt, wo das System trotzdem zusammenbrach. Dass es irgendwann geschehen muss, ist nicht schwer zu erkennen. Nur den genauen Zeitpunkt des Zusammenbruchs vorherzuagen, ist schwer. Wenn ich ein Buch verkaufen wöllte, würde ich vielleicht auch mal locker-flockig eine Jahreszahl raushauen und schauen wie viel Aufmerksamkeit das bringt.

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        Horst sagte:

        „Wenn ich ein Buch verkaufen wöllte, würde ich vielleicht auch mal locker-flockig eine Jahreszahl raushauen und schauen wie viel Aufmerksamkeit das bringt.“

        Richtig. Oder von der neuen Eiszeit in der Weltwirtschaft schwadronieren, die auch schon mal eine Million Jahre anhalten kann…

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        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Wenn ich eine Hofschranze dieses Systems hier wäre, würde ich natürlich behaupten, dass alles gerade ganz super läuft und alle Kritiker und alle pessimistischen Prognosen ins Lächerliche ziehen…

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        Horst sagte:

        Sie haben zum Tanz aufgefordert… Also, tanzen Sie…

        Bekannt sind Sie doch eher dafür, optimistische oder ausgewogene Prognosen ins Lächerliche zu ziehen…

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    Richard Ott sagte:

    Vielleicht ist das ja die Lösung, nicht nur für mögliche Jobverluste bei Konjunktureinbruch sondern gleichtzeitig auch für das mit Abstand wichtigste Problem in Deutschland – „Hass im Netz“:

    „MELDEPFLICHT FÜR HASS IM NETZ: Morddrohungen und Volksverhetzung sollen soziale Netzwerke wie Facebook künftig dem Bundeskriminalamt (BKA) melden müssen. Das gilt auch für andere schwere Vergehen wie verfassungsfeindliche Straftaten, also zum Beispiel das Verwenden von Kennzeichen verbotener Organisationen. Derzeit müssen die Anbieter solche Inhalte nur löschen. Eine neue «Zentralstelle» beim BKA soll diese Inhalte und die IP-Adressen sammeln.

    (…)
    MEHR PERSONAL: Um den Kampf gegen Rechtsextremismus zu verstärken, forderten Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt jüngst insgesamt 740 neue Stellen. Seehofer stellte sich hinter die Pläne, wollte aber keine Zahlen nennen. Er muss nun in den Haushaltsberatungen für das nötige Geld kämpfen. «Das ist bitter nötig», sagte Seehofer zum Thema Stellenaufbau.“

    https://www.westfalen-blatt.de/Ueberregional/Nachrichten/Politik/4014628-Kabinett-verabschiedet-Paket-Neun-Punkte-gegen-den-Hass

    Ich würde allerdings vorschlagen, die amerikanischen Social-Networking-Betreiber personell zu entlasten (Beamte sind auch viel teurer als Angestellte, das ist also gut für die Konjunktur) und statt eine Meldepflicht einzuführen die Überwachung im Netz zu einer staatlichen Hoheitsaufgabe zu machen, vielleicht in einem neu zu schaffenden „Ministerium für Staatssicherheit“? Da sind locker 1 Million Planstellen drin, gleich mal die Linkspartei in Thüringen fragen, wie das damals genau ging…

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    Bakwahn sagte:

    !!!Traumtänzer!!! sind nicht nur viele Deutsche, sondern Illusionisten scheinen auch etliche und eigentlich doch zumeist ernst zu nehmende Ökonomen zu sein!

    Ich befinde mich hier auf einem Board der Chaos-, Kollaps- und Untergangsfanatiker.
    Man suhlt sich in herbeifantasierten Kataklysmen, man sucht nach neuen möglichen Superhavarien und Desastern, die in der nahen Zukunft unabwendbar bevorstehen. Was ist das für eine Lust am Untergang? Woher kommt die?
    Man hat enorme Energien ins VWL-, BWL- und Ökonomiestudium gesteckt, man hat gelesen, gebüffelt und gepaukt, man hat sich lustvoll mit ökonomischen und finanztechnischen Theorien beschäftigt und diese zu seinen eigenen gemacht. Man liebt das angeeignete ökonomische Theorienrüstzeug, man identifiziert sich mit diesen Theorien, Theoremen, Hypothesen und Begrifflichkeiten.
    Ein schneller Blick aus wissenschaftstheoretischer Sicht:
    Die Ökonomie ist als eine empirisch-analytische Wissenschaft konzipiert, ökonomische Theorien präsentieren sich als hypothetisch-deduktive Zusammenhänge, die die Ableitung von empirisch gehaltvollen Gesetzteshypothesen erlauben. Das Erkenntnisinteresse, unter dem der Wirklichkeitsbereich „menschliches Wirtschaften“ konstituiert wird, dazu die Begrifflichkeiten der ökonomischen, finanztechnischen Theorien sind letztlich darauf gerichtet, Wissen von prognostischer Evidenz zu erzeugen. (So habe ich es mal vor ca. 47 Jahren im „Positivismusstreit“ bei Habermas gelesen.)
    Nun muß man entsetzt feststellen, daß diese gesamte theoretisch-begriffliche Gelehrsamkeit immer wieder versagt. Insbesondere das prognostische Potential versagt ganz offensichtlich.

    Ein Blick in Vergangenheit und Gegenwart:
    * Es sind noch alle Länder im Euroverbund.
    * Keines ist ausgeschieden; auch Griechenland nicht.
    * Kein Land ist wirtschaftlich und/oder finanziell zusammengebrochen.
    * Keine wichtige Bank im Euroland ist kollabiert.
    * Italien hat sich 2018, 2019 quasi aus der Portokasse refanziert. Das waren bzw. sind gewaltige Summen.

    Für die Zukunft:
    Banken:
    Es wird keine tiefgreifende, katastrophale Bankenkrise geben. Jedenfalls nicht so, wie sie uns die Halloween Schreckschrauben Kralle, Friedrich, Weik und jetzt sogar Otte vorhersagen.
    Banken, die in Schieflage geraten, wird durch gemeinsame Maßnahmen, Rettungsaktionen geholfen. Ich bin Laie, welche Maßnahmen das sein werden, weiß ich nicht. Aber Vergemeinschaftung der Schulden, Bankenunion, Gründung von Bad-Banks, Rettungsschirme für notleidende Banken etc. So in etwa wird es wohl laufen.
    Brexit:
    Bis jetzt habe ich mit meinen Vorhersagen, es werde keinen Brexit geben, noch immer recht behalten. Nach den für Johnson vermutlich erfolgreichen Neuwahlen wird es irgendeinen Kompromiß geben zwischen GB und der EU (die haben dann ja auch neues Personal, was Neuverhandlungen erleichtern wird); irgendwas in der Mitte zwischen einem Remain und einem Leave.
    Deutscher Arbeitsmarkt:
    Hier tummeln sich doch etliche Heinsohnfans. Daher verstehe ich nicht, warum darauf noch keiner hingewiesen hat: Ein grober, schneller Blick auf unsere Bevölkerungssituation zeigt, es werden in den nächsten ca. 15 Jahren pro Jahr viel mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, als neue hinzukommen. Von mir grob geschätzt beträgt die Differenz pro Jahr zwischen 100.000 bis 200.000.
    Damit es also zu den vorhergesagten Massenarbeitslosigkeiten kommen soll, dann muß es aber wirtschaftlich richtig reinhauen, was ich nicht glaube.
    Außerdem hat sich die deutsche Wirtschaft seit 7 Jahrzehnten als äußerst innovativ und anpassungsfähig erwiesen. Laienhaft und umgangssprachlich formuliert: Ich hoffe, daß die Umwälzungsprozesse einigermaßen gemeistert werden. Es kann schlimm kommen, aber so schlimm wie manche meinen, ganz bestimmt nicht.

    Live aus Buxtetown am Esteriver – spät! 23.15 Uhr 4.11.2019
    Felix Haller – seit 2013 alternativ

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Bakwahn

      >Ich befinde mich hier auf einem Board der Chaos-, Kollaps- und Untergangsfanatiker.>

      Nein, da befinden Sie sich nicht.

      Ich will es einmal ganz grob so fassen:

      Hier, wie anderswo auch, wird festgestellt, dass die Dinge nicht „normal“ laufen, d. h. nicht nach den bewährten Mustern der Vergangenheit.

      Das ist mit Händen zu greifen, in vielen Bereichen und auf allen Ebenen – und das nicht nur hierzulande.

      Gleichwohl ist unbestreitbar wahr:

      Es ist noch nichts so zusammengebrochen, dass keiner mehr aufsteht.

      Die Institutionen, allen voran die Zentralbanken, agieren in einer Art und Weise, die noch vor wenigen Jahren undenkbar erschien.

      Das ist mittlerweile die neue Normalität, die keinen mehr groß aufregt – genehmigt und gefeiert, weil eben nichts zusammenbricht.

      Die Wissenschaft hechelt hinterher und liefert im Nachlauf die Erklärungen.

      Die Menschen laufen mittlerweile vermehrt aus der Spur – Spaltungstendenzen und Neuwahlen fast überall, aber auch da noch kein Chaos und kein Untergang.

      Kurzum:

      Unterm Strich noch weitgehend alles unter Kontrolle, aber mit Tendenzen, die kein gutes Ende erwarten lassen.

      Selbst wenn auf Zeit gesehen immer wieder jemand ein Ass aus dem Ärmel zieht, lassen sich die REALEN Verhältnisse nicht gesund beten oder dauerhaft mit Geld zuschütten.

      Ich kann jedenfalls nicht erkennen, dass die westliche Welt sich in einem Zustand wachsender Zuversicht und nachhaltiger Wohlstandsmehrung befindet.

      Und woanders ist vieles nur anders, aber nicht besser.

      Daraus ist natürlich nicht zu schließen, dass wir demnächst sagen müssen:

      Das war es dann wohl.

      Große Besorgnis ist aber trotzdem angebracht.

      Innovation und Anpassungsfähigkeit sind zwar nach wie vor vorhanden, aber in einer sich dramatisch wandelnden Welt nicht mehr in dem Maß, als dass man Verlässlichkeit damit verbinden könnte.

      Die Ungewissheiten nehmen zu und das Risiko nachhaltiger Verwerfung steigt.

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        troodon sagte:

        @ Bakwahn, D.T.
        Thema deutscher Arbeitsmarkt:
        „Im Jahr 2025 werden nach einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) 2,9 Millionen Fachkräfte am deutschen Arbeitsmarkt fehlen. Weil die Babyboomer-Generation Zug um Zug aus dem Arbeitsleben ausscheidet, wird die Lücke 2031 mit 3,6 Millionen fehlenden Fachkräften ihren Höhepunkt erreichen und sich danach wieder ein wenig schließen.“

        Massenarbeitslosigkeit in D kann somit evtl. selbst in einer mittelschweren Wirtschaftskrise vermieden werden.
        Außer Acht gelassen wird von Bakwahn aber, dass die ganzen zukünftigen Renten auch finanziert werden müssen von dem geringer werden Teil der arbeitenden Bevölkerung zzgl. der gemeinschaftlichen Finanzierung der staatlichen Zuschüsse zur GRV, die die versicherungsfremden Leistungen (Sozialleistungen) abdecken. Mit über 6 Bio € privatem Geldvermögen kann man aber relativ lange eine schleichende, negative Entwicklung überbrücken, flankiert von einer auch langfristig expansiven Geldpolitik der EZB. Und da es in anderen europäischen Ländern nicht grundsätzlich besser aussieht und der vorhandene Lebensstandard in D recht hoch ist, kann man im „positiven“ Fall schon noch einige Jahrzehnte weiterkommen. Selbst wenn D wieder offiziell kranker Mann Europas wäre, kann es immer noch für Brot und Spiele 2.0 ausreichen. Realität ist etwas für alte Männer, virtuelle Realität matters.
        Etliche besonders leistungsbereite Mitmenschen werden zwar u.a. aufgrund hoher Steuerbelastungen auswandern. Aber auch dies dürfte sich als ein schleichender Prozess darstellen und nicht zum Systemcrash führen.

        Beim Thema Bankencrash, bin ich bei Bakwahn. Auch hier wird sich der Niedergang weiter unaufhaltsam fortsetzen, aber es muss nicht zum Inferno kommen.

        Schwarzer Schwan und meine vorherigen Zeilen sind für die Tonne…

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        Alexander sagte:

        @troodon

        Der „competition for loosers“ konnte man in der Vergangenheit NUR dadurch entkommen, wenn man seine Einnahmen KONJUNKTURUNABHÄNGIG verlagerte.
        Das galt für Komunen an erster Stelle, wie deren Angestellte/Beamte/ÖTV, Beratungsunternehmen (U.v.d.L,…) und die Konzerne der europäischen (Teil-)Republiken

        Sehr gerne benannte man diese Transformation den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft und bewarb sich weg von Rüstung für Medizintechnik, Raum-/Luftfahrt, Umwelttechnik, alternative Energien oder den Rennsport. Alle diese Bereiche erfuhren staatlichen Schutz + direkte/indirekte Subvention+politische Preisvereinbarungen, europaweit.

        Die Störungen dieser Konjunktur wurden durch Staatsausgaben z.B. in Forschung, Innovation und die Hilfen der Zentralbanken kompensiert. Nullzins half natürlich der Bauindustrie, wie dem Konsum von Premiumfahrzeugen als Ausdruck von Erfolg durch Maschinenbau für die Fertigung von Sprunggelenken, Zahnimplantaten, Hüftknochen, Knieersatz, Windkraftgetriebe, Solarmodule, A380XX, Ariane ESA etc. pp. u.v.a.m…..die Leistungsbilanzungleichgewichte seien erwähnt, aber nicht berücksichtigt; (Entwicklungshilfen, Exportbürgschaften….)

        Aus all diesen Erfolgsgeschichten wurde Geld für Lobbyarbeit abgezweigt, um Marktvorteile zu festigen und politischen Einfluss zu sichern. So konnte es kommen, dass z.B. die Bosch Stiftung oder die Bertelsmann Stiftung den politischen Entscheidern bei der Richtungsbestimmung helfend zur Seite stehen, wie regionale IHK/HWK bei OberBürgermeistern trommeln.

        Zweifellos eine Erfolgsgeschichte, wie im Märchen.

        Nun könnte es sein, dass der Preis für KONJUNKTURUNABHÄNGIGKEIT eine andere Abhängigkeit ist und eine Zombieökonomie deutlich planwirtschaftliche Charakterzüge hat. Faule Kredite und Ausbuchung unfähiger Investoren gehör(t)en nicht zum Plan.

        Alle Angaben und Prognosen von „UNabhängigen“ Institutionen spiegeln den Bedarf auf der Basis der vergangenen Konjunkturen obiger Ökonomie wieder.

        Scheitert der Euro, scheitern seine Mitglieder und die Strukturen die man geschaffen hat, den gemeinsamen Markt nach politischem Willen zu getalten. Europaweit wie national.

        Im Falle eines crashes haben alle Unternehmen ein Vorfinanzierungsproblem, weil weder Produkte noch Mitarbeiter noch Verkaufs- wie Einkaufsstrukturen so rasch angepasst werden können, wie das Geld ausgeht…..

        Der Sowjetunion ist genau das passiert und die DDR fiel weich in den Schoß der BRD Sozialtransfergesellschaft.

        Wegen mir darf der Crash erst nach 9 x 99 Quartalen erfolgen…..aber mich frägt niemand.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        >Mit über 6 Bio € privatem Geldvermögen kann man aber relativ lange eine schleichende, negative Entwicklung überbrücken, flankiert von einer auch langfristig expansiven Geldpolitik der EZB. Und da es in anderen europäischen Ländern nicht grundsätzlich besser aussieht und der vorhandene Lebensstandard in D recht hoch ist, kann man im „positiven“ Fall schon noch einige Jahrzehnte weiterkommen. Selbst wenn D wieder offiziell kranker Mann Europas wäre, kann es immer noch für Brot und Spiele 2.0 ausreichen.>

        Das ist eine durchaus PLAUSIBLE Einschätzung.

        Ich widerspreche ihr nicht, weil ich der Meinung bin, dass national und supranational ALLES getan werden wird, um den Systemcrash zu vermeiden.

        Es ist aber auch eine sich BESCHRÄNKENDE Einschätzung.

        Denn sie bezieht nicht ein, WIE die Menschen mit dieser schleichenden, nichts desto weniger aber NEGATIVEN Entwicklung zurechtkommen.

        Überbrücken, verteilen und ausgleichen wird ein WEITERKOMMEN sichern – für wie lange aber?

        Ich weiß es nicht.

        Ich bin aber sicher, dass dies nicht ewig der Fall sein wird.

        Ich bin es, weil schon JETZT erhebliche, sich verstärkende BRÜCHE im Weiterkommen sichtbar sind (rechts-nationaler Populismus etc.)

        Heißt (lediglich Einschätzung, keine Prognose):

        Auch wenn es keinen wirtschaftlichen Systemcrash geben sollte, wird das System POLITISCH nicht Bestand haben und zwar auch dann nicht, wenn es für Brot und Spiele 2.0 inkl. ordentlichen Billigfleischs für einen Lebensstandard über Europa- und weit über Weltdurchschnitt reichen sollte.

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        Horst sagte:

        „Hier, wie anderswo auch, wird festgestellt, dass die Dinge nicht „normal“ laufen, d. h. nicht nach den bewährten Mustern der Vergangenheit.“

        Was bedeutet das? Legen Sie dar, welche die bewährten Muster der Vergangenheit sein sollen, als „Ältester“ auf diesem Blog.

        Eine Hommage an Wilhelm Röpke:
        In „Die Gesellschaftskrisis der Gegenwart“ und in „Civitas humana“ kritisierte er bereits in den späten 40igern und frühen 50igern den Mißbrauch und die Entartungen des Wirtschaftssystems.

        Was tun wir heute, u.a. auf diesem Blog? Das gleiche.
        Was hat sich geändert? Viel in vielerlei Hinsicht, aber auch wenig in Hinsicht auf das Wirtschafts-, Banken- und Geldsystem.
        Ergo: Die bewährten Muster sind identisch derjenigen Muster vor 50, vor 150 und 250 Jahren.

        Danke an Bakwahn für die unaufgeregten Worte und die realistische Einschätzung.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Sie haben teilweise recht.

        Nicht alle Institutionen haben sich geändert und wir haben z. B. nach wie vor die Notenbanken und das Schuldgeldsystem als System der Geldschöpfung.

        Aber einige Institutionen haben gegenüber den 50er Jahren eine andere Aufgabe.

        Ich verweise hier nur auf die EZB, die nicht nur Geldpolitik für ein Land, sondern für den Euroraum betreiben muss – und der ist DEUTLICH diversifizierter als das Spektrum der Länder in Deutschland vor der Wende.

        Auch die Situation der Staaten ist längst eine andere, beispielsweise:

        Die Verschuldung des westdeutschen Staats betrug Anfang der 70er Jahre ca. 20% des BIP. Das wurde mittlerweile mehr als verdreifacht – TROTZ Schwarzer Null.

        Man kann das alles nach oben und unten oder links oder rechts durchdeklinieren:

        Fall des Eisernen Vorhangs, Aufstieg Chinas, demografischer Wandel, zunehmende Migration und daraus folgend nationale Außen-, Wirtschafts- und Sozialpolitik etc. hat sich damit so geändert zu den 50er ff. Jahren – insbesondere auch durch SOUVERÄNITÄTSVERLUST zugunsten Brüssels –,
        dass mit Blick darauf sehr wohl gesagt werden kann: nicht mehr normal.

        Ich verbinde damit aber keine Wertung im Sinn von „früher war alles besser“.

        Denn ich habe „normal“ geschrieben.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Als Nachtrag, was ich konkret und zugleich exemplarisch als nicht „normal“ entsprechend den bewährten Mustern der Vergangenheit ansehe:

        Gestern wurde auf einer Sitzung mit Ministern und den Chefs der Automobilindustrie beschlossen, dass für E-Automobile unter EUR 40.000,- der Zuschuss zum Kaufpreis von EUR 4.000 auf EUR 6.000 erhöht wird – also um 50%.

        Das ist nicht „normal“ bezogen auf die Vergangenheit, weil:

        – eine derartige Absprache – Teilung der Subvention zwischen Staat und Herstellern – nicht als SYSTMKONFORM gegolten hätte und daher nicht erfolgt wäre.

        – es eine Absprache ist, mit der eine gesellschaftliche ZIELVORSTELLUNG an individuellen Präferenzen vorbei verwirklicht werden soll – was in der Vergangenheit undenkbar gewesen wäre.

        – diese Absprache mit sehr weitreichenden Folgen VORBEI am Parlament statt auf Basis einer Beschlussfassung des Parlaments getroffen wurde, was heißt: Der Beschluss ist durchzuwinken und wird auch durchgewinkt, weil jede Verweigerung mehrheitsgefährdende Sanktionen zu Folge hätte.

        Demgegenüber ist normal:

        Aufgrund der Wohlstandsentwicklung, des Angebots der Automobilhersteller und der Nachfrage-Präferenzen der Bevölkerung sind heute mehr Automobile pro 1000 Einwohner zugelassen als vor 50 Jahren.

        Das ist sozusagen eine evolutionäre Entwicklung, während die Entwicklung der E-Mobilität auf der Basis VÖLLIG ANDERER Wirkmechanismen vorangetrieben wird.

        Wir sind mit einer NEUEN Normalität konfrontiert, die WEITREICHENDE Folgen haben wird.

        Das ist nicht zu bestreiten, egal wie man die Maßnahmen und deren Folgen bewertet.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ D.T.
        „Auch wenn es keinen wirtschaftlichen Systemcrash geben sollte, wird das System POLITISCH nicht Bestand haben “
        Ewig logischerweise nicht, einige/viele Jahrzehnte kann es schon noch gehen.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Ich schließe nicht aus, dass das System – sich ohne Crash verändernd – noch eine lange Zeit Bestand haben kann.

        Ob es dann noch das gleiche System ist oder der evolutionäre Übergang in anderes kann offenbleiben und ist eine Frage der Kriterien bzw. der Definition.

        Es wäre möglicherweise die beste „Lösung“, wenn sie am wenigsten Leid hervorrufen würde.

        Denn bezogen auf unser gegenwärtiges Niveau weniger Wohlstand zu haben, ist kein Weltuntergang.

        Ich glaube allerdings nicht daran, dass es noch viele Jahrzehnte ohne Brüche weitergeht.

        Auch wenn ich einen Schwarzen Schwan ausblende, glaube ich nicht daran.

        Denn ich nehme nicht an, dass die Menschen – ausgehend von einem hohen Wohlstandsniveau – sich DAUERHAFT neuen Verhältnissen anpassen, wenn es eine kontinuierliche Anpassung nach unten ist und ANDERSWO Wohlstandsmehrung zu verzeichnen ist.

        Verstärkend kommt hinzu, dass wir WILLENTLICH sozusagen Sollbruchstellen produzieren, wenn wir mit der Energiewende die Wohlstandsbasis demontieren.

        Schon klar, es gibt nicht alle paar Jahre eine Französische Revolution oder einen Matrosenaufstand.

        Es gibt aber ERKENNBAR bereits einen zunehmenden Trend der Unzufriedenheit mit dem System.

        Es geht dabei nicht um marginale Unzufriedenheit, sondern um systemische, wenn dessen Stabilität „spontan“ infrage gestellt wird wie ansatzweise mit den gerade noch eingefangenen Gelbwesten in Frankreich.

        Die Möglichkeit externer Schocks nimmt ebenfalls zu.

        Wie auch immer sich China entwickeln wird, allein die Tatsache, dass es sich entwickelt, ist ein epochaler Bruch aus Sicht der westlichen Welt.

        Alles ins allem:

        Wir spekulieren, was die Zukunft betrifft, aber die Spekulation drängt sich auf.

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    Groundhog sagte:

    Gestern hab ich mich mit einem jungen ingenieur aus der Autozuliefererindustrie unterhalten. Zitat: „ich mache mir da keine Gedanken ich bin bei der IG metall und daher quasi unkündbar“. Das ist eine Erkenntnis die mir neu ist.

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      Richard Ott sagte:

      @Groundhog

      Diese Einschätzung wird sich ändern, wenn der Stellenabbau konkret umgesetzt wird. Es geht schon los:

      „Der Autozulieferer Bosch will an seinen Standorten Schwieberdingen und Feuerbach 1.600 Arbeitsplätze streichen. In den kommenden beiden Jahren je 800. Das hat ein Sprecher dem SWR bestätigt. (…) Die IG Metall Stuttgart und die IG Metall Baden-Württemberg reagierten ‚bestürzt‘ auf die Ankündigung.“

      https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/weltweit-groesster-autozulieferer,bosch-stellenabbau-100.html

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        troodon sagte:

        Hashtag #futschi auf Twitter ist zu empfehlen, um die Entwicklung zu verfolgen. Abbau Industriearbeitsplätze wird weitergehen. Zukünftige AN müssen halt „was mit Pflege oder Lehrer“ werden. So lange noch etwas geerbt wird, wird man zukünftig als Einzelner auch mit spürbar weniger Industriearbeitsplätzen recht gut über die Runden kommen.

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        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Lehrer? Na dann viel Spaß. Eher empfehlenswert ist Sozialarbeiter mit Spezialisierung „Kampf gegen Rechts“, dafür gibt es nahezu unbegrenzt staatliche Fördermittel und die Klienten sind weniger aggressiv.

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    Thomas M. sagte:

    „Die Traumtänzer?“ – oder auch nicht. Die Jobangst müsste man doch splitten nach Art der Beschäftigung. Ich hab genug Leute im Bekanntenkreis, die sich ziemlich genau 0 Sorgen machen müssen. Ob das nun rund 50% sind, weiß ich nicht. Aber man kann im Geiste ja mal die Jobs durchgehen, die im freien Markt sind und bei Auftragseinbrüchen wackeln oder die direkt oder indirekt über Steuern und Sozialabgaben finanziert werden und damit (scheinbar oder tatsächlich?) konjunkturrobust sind. Damit meine ich nicht einmal nur Beamte. Angestellte bei der Stadt oder Arbeitende im Gesundheitssystem machen sich bestimmt auch keine Sorge, dass die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen ausbleibt.

    Das alleine wäre schon eine interessante Analyse!

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    Dietmar Tischer sagte:

    Es kann nicht verwundern, dass die Deutschen kaum Angst vor Jobverlust haben.

    Der oder ein Schaden von 4500 Milliarden Euro sind doch nicht der Maßstab für Deutschland, sondern die Erfahrung, dass es immer geklappt hat:

    In der Lehman-Krise haben Merkel und Steinbrück den Leuten erklärt, dass ihr Geld sicher sei.

    Das war glatt gelogen, macht aber nichts.

    Wenn kaum etwas verloren wurde, muss das wahr gewesen sein.

    Danach hat ein wirtschaftlicher Abschwung von immerhin 5,5 % kaum Spuren hinterlassen.

    Unter anderem wurde die Verschrottung von Automobilen gefördert und Kurzarbeitergeld ausgeglichen.

    Und auch jetzt ist Geld für alles da:

    Heute wird beredet und womöglich beschlossen, dass über die nächsten Jahre eine Mio. Ladestationen installiert werden – da winken viele neue Jobs.

    Zuschüsse für die Qualifizierung von Arbeitnehmern:

    Kein Problem, wenn etwas beschlossen wird, ist es auch bezahlbar.

    Das war noch nie anders in Deutschland.

    Dass Qualifizierung auch eine BRINGSCHULD ist, war vorgestern.

    Wenn Arbeitgeber und Staat finanzieren, ist ein Depp, wer aus der eigenen Tasche dafür bezahlt.

    Das machen nur bekloppte Chinesen, die an den angelsächsischen Eliteuniversitäten Schlange stehen, um ihre vielen Dollar los zu werden.

    Ach ja, auch noch das:

    Wenn es mal eng würde, gibt es immer noch jede Menge Jobs in den boomenden Servicebranchen.

    Siehe USA:

    Die geringste Arbeitslosenquote seit Menschengedenken.

    Da darf man sich doch auch einmal einen außergewöhnlichen Präsidenten genehmigen.

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      Herr Tischer, ich glaube, das Geheimnis liegt in der Tat in der Servicebranche. Dort lassen sich jederzeit die phantasievollsten Jobs erzeugen.
      Durch den technischen Fortschritt, die Industrialisierung fast aller Bereiche von der Güterproduktion bis zur Landwirtschaft, die Automatisierung und damit Abschaffung der Hausarbeit, die zentralisierte Beaufsichtigung der Kinder in der Kita, die Billigimporte aus Asien etc. etc. genügt heute die Arbeitskraft von ca. 10% der Bevölkerung um allen die hier leben ein gutes Auskommen zu ermöglichen. Die restlichen 90% können sich dann gegenseitig eine Pizza bringen oder als Diversity Managerin oder Genderforscherin ihre Zeit verbringen. Bezahlt werden diese Dienstleistungen mit frisch gedrucktem Geld und sind somit krisensicher. Solange die 10% der echt arbeitenden nicht rebellieren, brauchen sich die 90% in den überflüssigen Jobs keine Sorgen zu machen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger

        Völlig richtig, der Kapitalismus ist mittlerweile so produktiv, dass die Güter- und Nahrungsmittelproduktion praktisch nebenbei oder im Ausland erfolgen kann.

        Daher also Migration der Jobs zu den Dienstleistungen.

        Wenn man z. B. nicht Osteuropäer im deutschen Pflegedienst oder Investmentbanker ist, gibt es da aber ein Problem – die vergleichsweise geringe Bezahlung.

        Damit stehen wir vor zwei gravierenden Herausforderungen:

        Tendenziell ungleiche Arbeitseinkommen und Finanzierung unseres aufgepumpten Sozialstaats.

        Da niemand ausgegrenzt werden darf – es wäre hierzulande sofort Diskriminierung! – , müssen alle einen Job haben und sei es einen BS-Job.

        Ich sehe es wie Sie:

        An der Finanzierung wird das nicht scheitern.

        Denn Gelddrucken kostet nichts.

        Mit kommt das vor, als wären wir mit kollektiver Verblendung auf einer Pilgerfahrt ins gelobte Land.

        Unfassbar, schlimmer als im Mittelalter.

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    ruby sagte:

    Martin North hat mit DFA in „Walk the World“ gerade die neuesten Schuldenstände vorgestellt.
    Die globalistische Elite braucht nicht hoffen wieder verantwortungslos davon zu kommen, wenn die virtuellen Vermögenstürme eingestürzt sind.
    https://www.zerohedge.com/markets/feds-liquidity-response-too-little-too-late-was-always-plan
    Die Entgrenzung der Staatsverschuldung ist in der Wirklichkeit gefangen.
    Was Traumtänzer für Melodien hören, spielt keine Rolle in diesem Set. Es wirkt bizarr, wie die Selbstzentriertheit der „modernen“ Alternativen meint, sie könne etwas produktives Wirtschaften leisten. Sie wirken wie Schattenmenschen der Sonnenkönige und die Verabschiedung vom Haushaltrecht leuchtet im Dunckel als Erlösung.

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      Alexander sagte:

      „Das Wirtschaftsklima in Europa auf dem niedrigsten Stand seit Frühjahr 2013“, heute eine Ifo Meldung die geflissentlich überhört wird…

      https://www.ifo.de/node/48813

      Es wird so sein, dass der Treibstoff für die hochfliegenden Träume ausgeht und das finde ich gut so. Auf die Erklärbären aus der Scheibenwelt der Aktienanalysten kommen schwere Tage zu, die Bewertungen für Privatanleger so schön zu schwätzen, dass alle weiter träumen…

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      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Alexander
        FALLS langfristig realer Nullzins oder realer Negativzins besteht, kann der Ballon der Aktienmärkte noch DEUTLICH weiter aufgeblasen werden. Bei langfristigem Nullzins KANN auch ein durchschnittliches KGV bei Aktien von 20 oder 25 als spottbillig angesehen werden. Niedriges, reales Wirtschaftswachstum, so dass die Inflationsrate nicht in ungewollte Höhen schießt, ist weiter das Goldilocks Szenario für die Aktienmärkte.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @troodon

        Wenn Sie nur einmal ihre Perspektive von der Anlegersicht auf die realwirtschaft Investoren wechseln würden.

        Die Merhheit der Menschen der BRD lebt von Realwirtschaft, d.h. finanzierten Anlagen, Gebäuden, Maschinen die für ihre Arbeitsplätze alternativlos sind. Selbst abgeleitete Einkommen (Dienstleistung Sozialsystem) hängen davon ab.

        Negative Zinsen für die Kalkulation eines Produktpreises, sind ein mehrfaches Problem.
        – habe ich 5 Jahre alte Immobilien höher finanziert, bin ich teurer als der Konkurrent mit neuem Gebäude zu Null/Negativzins dito. Produktionsmittel aller Art. Der Wettbewerber ohne Eigentum ist im Vorteil, weil er günstiger ist und sich zu Null refinanziert.
        – wozu soll ein Unternehmen noch Gewinn erwirtschaften wollen, wenn dieser Gewinn nicht erhalten bleibt? Nicht einmal zu Zwecken der Steuerzahlung lohnt die Ersparnis, weil ich die Steuerzahlungsmittel zu Null leihen kann.

        Sie selbt können im Nullzinszeitalter morgen ein Unternehmen mit 100.000 Mitarbeitern starten und das Betriebskapital leihen. Vielleicht sind Sie so bescheiden wie die Ingenieurdienstleister in meiner Nachbarschaft und begnügen sich mit 1000 Leuten…..so geschehen in meiner Boomtown. Expertisen über die Machbarkeit werden den businessplänen einfach angehängt….wer würde neue Arbeitsplätze verhindern wollen?

        Oder man kauft Reservegrundstücke mit 60.000qm² und spekuliert auf den Vermögenspreisgewinn, ohne dass jemand Einspruch einlegen würde. Das Geld wird sofort durch die Gemeinden konsumiert, so geschehen in meiner Boomtown durch ehemalige Hochrisiko-Aktienemmitenten vom „neuen Markt“….

        Nullzins macht Eigentumsökonomik obsolet. Wozu Eigentum als Pfand geben, wenn der Ausfall ausbleibt weil alles jederzeit zu Null gerettet wird?

        Nullzins hebt alle Wachstumsgrenzen auf, niemals genug Wohnraum für die Einwanderer des grenzenlosen Arbeitskräftehungers entgrenzter Ökonomien.

        Bei Nullzins gibt es keine Zuviel- oder Fehlproduktion, weil man Preise jederzeit senken kann um sich zu Null erneut zu finanzieren, Pfand interessiert nicht wo politischer Wille herrscht.

        Einzige Grenze für diese Ökonomie ist der politische Wille, dh. was man den Cobolden erlaubt während der Öko-Strom durchs Netz kreist bis ein Verbraucher sein handy laden will……..

        Ist Ihnen klar warum die politische Klasse mit soviel Genuß dem Lauf der Dinge nachhilft mit erfundenem CO² Quatsch und dt. Schlüsselindustrien angreift?

        Zentralbanken und Utopisten im Verbund machen Ihnen keine Angst? Machtergreifung und Abschaffung von Eigentum in einem Handstreich…aber das Problem ist die Angst vom kleinen Mann in einer Bücherei…

        Wo lebt ihr alle eigentlich?

        #Dimensionslosigkeit

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Alexander
        „Wenn Sie nur einmal ihre Perspektive von der Anlegersicht auf die realwirtschaft Investoren wechseln würden.“

        Das mache ich selbstverständlich auch. Ich denke nicht, dass wir in dieser grundsätzlichen Sicht extrem weit auseinander liegen. Was uns unterscheidet, dürfte der Zeitrahmen sein, den es braucht, bis das System komplett von innen zerfressen wurde. Da bin ich weniger pessimistisch als andere hier im Blog. Und schränke diese Sichtweise zusätzlich noch ein, denn ein schwarzer Schwan kann den Niedergang dramatisch beschleunigen. Da dürfen Sie mir auch gerne vorwerfen, dies sei nichts Halbes und nichts Ganzes. Für mich gibt es aber eben nicht nur schwarz und weiß, sondern unendlich viele Grautöne.

        Da Sie aber von „Aktienanalysten“ schrieben, habe ich darauf mit einer entsprechenden Aussage reagiert.

        „Die Merhheit der Menschen der BRD lebt von Realwirtschaft…“
        Ja klar, trotzdem bleibe ich -als wahrscheinlichste Variante- bei dem Szenario einer schleichend negativen Entwicklung, die noch einige Jahrzehnte ohne Systemcrash ablaufen KANN und der Mehrheit der Bürger in D einen immer noch hohen Wohlstand bescheren kann, gerade im Vergleich zu anderen Ländern.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @ troodon

        Bis zur Zahl Null für Geldausleihung stimme ich Ihnen zu. Ab Nullzins ist Eigentumsökonomie offline, damit Risiko/Preisfindung/Angebot/Nachfrage der Planwirtschaft unterworfen, weil niemand mehr stürzen darf ohne das System zu gefährden.

        Bis Null habe ich mich darüber aufgeregt, welche m.E.n. verheerenden Signale an die Gesellschaft gesandt wurden, betrifft Ausbildungsangstrenung und Vernachlässigung interkulturellen Wissenstransfers…..wg. Unrentabiliät von Schlüsselqualifikationen..

        Ab Null stellt sich die gesamte Gesellschaft auf Sofortrente um.

        Man kann darüber streiten wie lange so ein Zustand noch lebenswerten Wohlstand bieten mag, reißt die Strähne ab gibt es kein zurück, weil alle Grundlagen für Wohlstand (Rechtssicherheit, Bildung, Eigentum) zerstört sind.

        Wiederaufbau ohne „human Ressources“ ist ausgeschlossen und die Welt brauchte „deutsche Zombies“ niemals, nur „deutsche skills“.

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    Zweifler sagte:

    Obwohl von Natur aus Pessimist, will ich die Sache mal optimistisch sehen: In den letzten Tagen haben sich zwei Trends unübersehbar gedreht: Man will wieder weg vom Handelskrieg und vom Brexit. Besonders zweiterer ist ziemlich unwahrscheinlich geworden, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen.
    Weiters setzt sich unter Ökonomen und anderen Experten die Erkenntnis durch, daß die Notenbanken noch sehr, sehr lange nicht mit ihrem Latein am Ende sein werden (zur Not kauft die EZB auch verrostete Fahrräder, bemerkte kürzlich Robert Halver). Die unmittelbare Katastrophe scheinen die Mitfünfziger also vorläufig nicht befürchten zu müssen, die großzügige Abfindung wird zwar nicht vom Arbeitgeber kommen, dafür aber wohl vom Hubschrauber.
    Auf die Gefahr hin, als naiv zu gelten, als Mitfünfziger und erst recht als Endsechziger(mein Fall) würde ich nicht unmittelbar in Panik verfallen, im Gegenteil, das Ganze kann sich noch sehr, sehr lange hinziehen (siehe Japan), bevor es zusammenbricht, wenn es das überhaupt jemals tun wird.
    Seit der Finanzkrise wird gewarnt und an der Börse viel versäumt.

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      Elektroheini sagte:

      „…als Mitfünfziger … würde ich nicht unmittelbar in Panik verfallen, im Gegenteil, das Ganze kann sich noch sehr, sehr lange hinziehen (siehe Japan), bevor es zusammenbricht, wenn es das überhaupt jemals tun wird.“
      Ja, und nicht nur das!
      Als Mittfünfziger weis man, dass bei Entlassungen erstmal die unverheirateten Jungster dran sind. Außerdem hat man doch schon die 35 Jahre Beitragszahlung als Eintrittskarte für die Rente mit 63 im Sack. Die paar Jahre sitzt man auf einer Backe ab. Selbst wenn da anderthalb oder 2 Jahre ALG notwendig sind, rückt die 63 mit jedem Morgen einen Tag näher. Ja, 63 gibt ein bissche weniger Rente, aber mit der 63 fallen z.B. schlagartig die Peldelzeiten (und Kosten) weg. Wenn es finanziell eng wird und 63-Rentner nicht abwechselnd Nudeln und Pellkartoffeln mag, dann trägt 63-Rentner jeden Morgen die Zeitung aus und hat im Endeffekt nicht weniger als vorher zur Verfügung.

      Ganz ehrlich, selbst hier glaubt doch kaum jemand ernsthaft daran, das morgen (oder nächstes Jahr) unser „System“ zusammenbricht!
      Und alles was weniger gravierend ist als ein totaler Zusammenbruche, bringt den Mittfünfziger nur näher an die 63.

      Der Mittfünfziger ist in Wirklichkeit derjenige, der sich am ehesten zurücklehnen kann.

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      • Avatar
        Alexander sagte:

        @Zweifler & Elektroheini

        Sie haben das Problem schön eingegrenzt und plausibel gemacht. Ich verstehe darin den Grund für die Wahlergebnisse seit dem Einlageversprechen durch Steinbrück/Merkel. Jede Kohorte rechnet sich ihre Egomismen aus und handelt rational, wenn man Veränderung verhindert. Diese Form von Konservativismus ist halsbrecherisch für unseren Kulturraum, weil man nicht straffrei Lösungen behindert.

        Behindert werden nicht nur politische Lösungen sondern auch die Richtungswechsel bei den Konzernen, bspweise die Entscheidung Grenzwerte zu manipulieren oder zu kuschen, wenn Rückgrat gefragt gewesen wäre.

        Treffen wird es auf jeden Fall die Richtigen, weil man systemisch investiert bleibt bis die Musik aufhört zu spielen.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Fazit: Die Bürger ahnen noch nicht, was da auf uns zukommt.“

    Ahnen vielleicht schon, aber sie verdrängen es still auf Besserung hoffend, weil sie mit der Fülle an Informationen nicht klar kommen. Die meisten Leute fahren auf Sicht nach dem Motto: jetzt schauen wir mal, was kommt, und bis dahin leben wir weiter wie bisher.

    Ein klassisches Elitenversagen seitens der Politik und der Medien, aber auch der typische Nachteil jeder Demokratie. Denn viele Leute halten Organisationen wie ihre Lebensversicherung, ihre Rentenversicherung, ihre Krankenversicherung, ihr Bankkonto oder ihre Betriebsrente für bombensicher. Das liegt daran, dass ihnen einschlägige negative Erfahrungen fehlen. Das wird sich ändern.

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    • Avatar
      jobi sagte:

      Viele haben eine dumpfe Ahnung, verstehen aber die Zusammenhänge nicht.
      Und deshalb bleibt ihnen nichts anderes übrig, als zu glauben, was ihnen erzählt wird.

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