China macht die Schwellenländer finanziell abhängig und erpressbar

China denkt strategisch. Anders als sonst bei bto wollen wir diesmal nicht besprechen, welche Probleme das Land selber hat, sondern einen Blick auf die Politik der wirtschaftlichen Machtausweitung werfen. Das Land agiert nämlich immer aggressiver als Kreditgeber, mit dem Ziel, so Einfluss in der Welt zu gewinnen, vor allem in den Seidenstraßen-Regionen. CNBC berichtet von einer Verzehnfachung der Kredite:

  • „China’s lending to other countries has surged in the past decade, causing debt levels to jump dramatically, and as much as half of such debt to developing economies is ‘hidden,’ (…) ‘hidden’ debt means that the borrowing isn’t reported to or recorded by official institutions such as the International Monetary Fund (IMF), the World Bank, or the Paris Club — a group of creditor nations.“ – bto: Warum berichtet man es nicht? Vergessen? Ich denke eher, es ist eine Strategie, vor allem wenn man den Ländern zu hohe Kredite gibt, wo klar ist, dass das nicht gut gehen kann.
  • „Between 2000 and 2017, other countries’ debt owed to China soared ten-fold, from less than $500 billion to more than $5 trillion — or from 1% of global economic output to more than 5%, according to the study from Germany-based think tank the Kiel Institute for the World Economy. ‘This has transformed China into the largest official creditor, easily surpassing the IMF or the World Bank,’ (…).“ – bto: eine eindrückliche Zahl und nur denkbar, wenn man es als strategische Überlegung der Chinesen sieht.
  • „For 50 developing countries which have borrowed from China, that debt has increased on average from less than 1% of their GDP in 2015, to more than 15% in 2017, according to estimates by the study’s researchers. (…) Estimates suggest that China now accounts for a quarter of total bank lending to emerging markets, according to the study.“ – bto: Und die Chinesen machen dies nicht einfach so, es ist ein koordiniertes Vorgehen.
  • „China has been criticized for saddling many countries with debt through its Belt and Road Initiative — a mammoth global infrastructure investment plan to build rail, road, sea and other routes stretching from China to Central Asia, Africa and Europe.“ – bto: Erst geben sie einen Kredit, bauen dann die Infrastruktur und wenn dann der Schuldner nicht zahlen kann, übernehmen sie die Infrastruktur einfach. Das könnte man auch Kolonisierung nennen.
  • „The problem of this hidden debt is particularly ‘severe’ in countries such as Venezuela, Iran and Zimbabwe, the report said. (…) many loans taken from Chinese lenders had needed to be restructured, or renegotiated. Such borrowers include Sri Lanka, Ukraine, Venezuela, Ecuador, Bangladesh and Cuba.“ – bto: sicherlich nicht ohne eine Ausweitung des Einflusses von China in diesen Ländern.
  • „China’s practice of lending to those countries also differs from other lenders such as the World Bank, (…) While the official institutions lend to developing countries at below-market interest rates, China often lends at market rates and at shorter loan periods, (…) often demands collateral that require repayment in kind, such as oil exports — adding to the opaque nature of those loans.“ – bto: Das sind klare politische und strategische Ziele.
  • „(…) debtor countries themselves have an incomplete picture on how much they have borrowed from China and under which conditions (…).“ – bto: Und sie bekommen keinen unabhängigen Rat, weil alles verdeckt abläuft.

Während wir uns über alle möglichen Nebenthemen aufregen, kann man hier langfristige und strategische Politik beobachten.

→ cnbc.com: „„About half of China’s loans to developing countries are ‘hidden,’ study finds“, 12. Juli 2019

Kommentare (18) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    asisi1 sagte:

    Die Spinner in unseren Regierungen der letzten 40 Jahre, geben lieber Entwicklungshilfe an Diktatoren in Afrika. Die kaufen sich goldene Stühle und umgeben sich mit Militär, um bloß zu verhindern das das Volk mal rebellisch wird. Aber unsere Luftnummer in Berlin zeigen nur mit dem Finger auf andere!

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  2. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Hier eine wie ich meine interessante Erörterung darüber, wie die Dominanz des US Dollar zu schwinden beginnt mit – weiter zu denken – der Folge, dass China mit seiner dann attraktiven Währung die heutige Position der USA einnehmen könnte, ohne andere Länder explizit abhängig zu machen und erpressen zu müssen:

    https://privatebank.jpmorgan.com/gl/en/insights/investing/is-the-dollar-s-exorbitant-privilege-coming-to-an-end

    Bemerkenswert, dass J. P. Morgan den Euro vergleichsweise als attraktiv ansieht und ihn entsprechend in seinem Currency-Basket gewichtet.

    Siehe dazu Fußnoten 3 und 4 zu verlinkten Abhandlungen.

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  3. Avatar
    Walter Roth sagte:

    Nun ja, ich habe eine Chinesin in meiner Familie.

    Und ich verfolge China seit vielen Jahren.

    Und genau darum freue ich mich darüber das ein Trump denen endlich mal den Marsch bläst.
    Die haben ihren Erfolg der letzten 30 Jahre auf unserem Wissen aufgebaut, dieses es aber zu 99% von uns gestohlen.
    Jeder Student der hier ein Praktikum absolvierte, war auch Informant der Regierung, musste einer sein….

    Und die Generäle in China sagen unter ihresgleichen oft, was die Politiker in der Regierung dort niemandem je offen erklären würden.
    Diese Leute sind Nationalistisch, Aggressiv und Arrogant …..bei sehr mangelhafter Bildung was andere Länder und Sitten anbelangt.
    Sie glauben aufgrund ihrer Erfolge, die sie auf unserem Wissen aufgebaut haben, dass sie selber nun Koryphäen sind.
    Eine überhebliche Arroganz nach aussen ist die Folge….. beim latenten Wissen das jede Krise im Inneren ihr Ende sein könnte.

    Ich kannte vor 30 Jahren eine Chinesin die hier Deutsch erlernte. Sie konnte die Sprache wirklich sehr gut und sie wollte nicht zurück.
    Sie suchte einen Freund hier….. aber der hätte sie sofort heiraten müssen, denn sonst war eine Niederlassung ( Ausweis B oder C ) nicht zu bekommen.
    Von ihr erfuhr ich wie es mit dem Stipendium vor sich ging.
    Also, penibel bemessener Tagesbetrag, Studiengebühren, Essen, Telefon, Bussfahrkarte, alles berechnet und festgelegt. Für privates oder um mal auszugehen blieb nichts übrig, ja das war nicht vorgesehen. Die sollten ja keinen gefallen an dem Leben hier finden. Zudem war für China die Schweiz extrem teuer.
    Tolles Mädel……. und ich erfuhr wirklich manches.

    Also man braucht schon einen politisch interessierten Chinesen um zu erfahren was dort gedacht wird und wo man sowas zum lesen finden kann.

    Seitdem weiss ich jedenfalls das China eine sehr grosse Gefahr für uns ist.
    Es ist nicht Russland, sondern China.

    Militärisch ist der Riese auf tönernen Füssen nicht unbedingt stark, auch wenn er wirklich Masse zusammen bringt. Da wir im Westen militärisch aber nahezu zu Nullnummern degradiert wurden, wird China eben doch zur Gefahr…..
    Unter Blinden ist der Einäugige ein König.

    Was die anrichten könnten, wenn sie zu fallen drohen…… da kann man sich manches vorstellen.

    Es ist wie mit dem Islam, auch die Muslime waren Militärisch nie erfolgreich, ausser den Osmanen.
    Nur die wurden uns gefährlich, weil sie ein organsiertes Staatswesen hatten und vor allem, weil wir uns nicht zusammenraufen konnten.
    Deren Kultur und Mentalität stand dem Erfolg immer im Wege.
    Nachdem die Osmanen keine neuen Gebiete mehr erobern konnten, Gebiete in denen sie Wissen, Arbeitskraft und Reichtum vorfanden, sanken sie zur Bedeutungslosigkeit ab, wurden zum kranken Mann am Bosporus.
    Nicht mal die Gewehre für ihre Heere fertigten sie selber, die kamen meist aus Deutschland.

    Auch China war nie erfolgreich.
    Nur unter ihresgleichen gabs viele Erfolge ……die mit einer Einigung im Inneren endeten, das Reich begründeten.
    Wäre Europa der Nachbar gewesen, wir hätten China aufgeteilt.
    Aber selbst die Mongolen als vergleichsweise kleines Volk, schafften es China zu schlagen.
    Der Chinese ist kein Soldat mit Eigeninitiative, war er nie, ist er auch Heute nicht.
    Das ist eine Kultur und Mentalitätsfrage.

    Die Muslime haben einen Minderwertigkeitskomplex den sie meistens mit plakativer Überheblichkeit zudecken, denn der Koran verspricht ihnen die Weltherrschaft, die Realität zeigt ihnen jedoch das sie nur Drittwelt sind.

    Bei den Chinesen ist es das selbe.
    Sie haben Geschehnisse wie den Opiumkrieg noch im Kopf und darum auch eine Minderwertigkeitserfahrung machen müssen.
    Und genau darum sind sie nach ein paar Jahrzehnten der relativen Erfolge, übermässig Überheblich.

    Trump holt die nun vielleicht wieder etwas auf den Boden der Realität zurück, und das ist sehr gut für uns.

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      Horst sagte:

      „Die haben ihren Erfolg der letzten 30 Jahre auf unserem Wissen aufgebaut, dieses es aber zu 99% von uns gestohlen.“

      Welch einseitige Perspektive:

      a. Deutsche (ergo US-amerikanische, westeuropäische) Unternehmen sind FREIWILLIG nach China aus Kostengründen (Verlagerung von Produktionsstandorten zur Gewinnmaximierung) gegangen. Dass das Pendel mit temporären Versatz zurückschlägt, hätte absehbar sein können.

      b. Über Jahrtausende war China vor dem Wiedererstarken der letzten 50 Jahre technologisch eine der führenden Wirtschaftsnationen. Kulturell war China ebenfalls führend.

      c. Auch das erste deutsche Wirtschaftswunder (ab ca. 1830 zu Beginn der Industrialisierung) wäre ohne Patent- und Verfahrensräuberei (vornehmlich aus England) NICHT möglich gewesen. Manchmal wiederholt sich Wirtschaftsgeschichte eben doch.

      Made in Germany war in der Frühzeit kein hohes Qualitätssiegel, sondern wurde von England eingeführt, um auf die Kopien aus Deutschland (dem Deutschen Bund) hinzuweisen.

      Andererseits kann auch behauptet werden: China schlägt uns (Europa, USA etc.) nun mit unseren eigenen Waffen (die wir (Europa, USA) über 300 – 400 Jahre angewendet haben, um China „klein zu halten“.

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      asisi1 sagte:

      Wenn sie hier unsere eigenes Versagen oder unseren Regierungen der letzten 40 Jahre, nun den Chinesen vorwerfen, ist es zu einfach! Es gibt immer zwei, einer der es macht und der andere der es zulässt! Durch die Sozialträumereien der etablierten Parteien ist es für Klein-und Mittelbetriebe immer schwieriger geworden hier weiter zu arbeiten. Bestes Beispiel der irre Kündigungsschutz oder die ganze Beamtenhorden. Wenn mir als Kleinbetrieb nicht mehr meine Unternehmerfreiheit gelassen wird und mir irgendwelche verbeamtete Nichtskönner Vorschriften machen, dann verkaufe ich die Firma an den meist Bietenden und das sind meistens Chinesen gewesen. Das Problem , auch für unsere Schulden , sind die politischen Sozialromantiker und das für die ganze Welt!

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    Thierry sagte:

    „China macht die Schwellenländer finanziell abhängig und erpressbar“

    Das ist doch grundsätzlich nichts neues. Jeder Kreditnehmer begibt sich in ein Abhängigkeitsverhältnis, insbesondere wenn er nicht equivalente Sicherheiten zu bieten hat.

    Es liegt also an den Schwellenländern, was sie mit den chinesischen Krediten anstellen. Falls sie damit Nahrungsmittel subventionieren, ist ihnen nicht zu helfen.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Thierry

      >Es liegt also an den Schwellenländern, was sie mit den chinesischen Krediten anstellen.>

      So ist es nicht.

      Denn China spielt nicht Bank nach dem Motto:

      Ich gebe einen Kredit und muss nur sehen, dass das Collateral werthaltig ist. Wenn so, verdiene ich, wie auch immer mein Schuldner den Kredit verwendet.

      Die Prämisse ist vielmehr:

      STRATEGISCHE Kreditgewährung.

      Das Mittel dafür ist:

      Kredite für die SEIDENSTRASSE (Schienen, Häfen etc. einbegriffen)

      Warum gerade für die Seidenstraße?

      Die Seidenstraße ist in zwei Richtungen für die Chinesen funktional sinnvoll.

      Erstens:

      kostengünstiger Transport der Ressourcen aus dem Land des Kreditnehmers nach China oder wohin auch immer. Der Export der Ressourcen nach China sind die „Zins- und Tilgungszahlungen“ der armen, aber rohstoffreichen Länder.

      Zweitens:

      Kostengünstiger Transport chinesischer Waren in und durch das Land des Kreditnehmers.

      Das Collateral für die Kredite ist daher nicht die finanzierte Infrastruktur „Seidenstraße“, sondern deren vertraglich vereinbarte NUTZUNG im jeweiligen Land.

      Die Durchsetzung wird durch militärische Präsenz in Reichweite sichergestellt.

      Vorteil für die Schuldnerländer:

      Sofort mehr Beschäftigung durch den Bau der Seidenstraße. Dies natürlich nicht durch Produktion der Signaltechnik für die Eisenbahnen, aber z. B. durch Beteiligung am Trassenbau.

      Eine verbesserte Infrastruktur im eigenen Land für mehr Wirtschaftswachstum.

      Die Erträge daraus, d. h. die Steuermehreinnahmen, müssten vor allem in BILDUNG investiert werden, damit das betreffende Land NICHT auf DAUER Rohstofflieferant und Käufer chinesischer Waren bleibt.

      Daher die Frage der Fragen:

      Was wird aus der ursprünglichen Win-Win-Situation?

      Emanzipation der Schuldnerländer oder eine neue Form des Kolonialismus?

      Es liegt in der Hand der Schuldnerländer, was die Antwort ist.

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      Robert Nitsch sagte:

      Das sehe ich genauso. Mir ist nicht verständlich, wieso man den Schwellenländern hier jegliche Eigenverantwortung abspricht. Die sind doch selbst schuld – buchstäblich.

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        RaS sagte:

        @ „Mir ist nicht verständlich, wieso man den Schwellenländern hier jegliche Eigenverantwortung abspricht. Die sind doch selbst schuld – buchstäblich.“

        Theoretisch schon. Praktisch?
        Kennen Sie den Film „Economic Hitmen“?
        https://www.youtube.com/watch?v=8–RiO_9I2M

        Ob China das heute ähnlich handhabt wie die USA in der Doku, weiß ich nicht.

      • Avatar
        ruby sagte:

        Airborncash 20 Milliarden in 100 Dollarscheinen als Finanzierungsauszahlung waren bisher ein volles Milkcowinvest.
        Und dies ist nur die direkte Kolonialismusshow. Die indirekte via Saudi Arabien, Pakistan gen Iran, Türkei, Syrien mit den Millionenmenschenvertreibungen und Abschlachtungen dient auch nur dazu Europa durch die Konzerne, Banken, Politiker auszuplündern.
        Lagarde im Epizentrum des Wohfahrtskerns läßt ein Schaudern zurück.
        China wird gegen die USA+EU nicht in Vorteil geraten.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Robert Nitsch

        Was hat China ANDERS gemacht, wenn es offensichtlich NICHT selbst schuld war bzw. es sich nicht mit Krediten ab Ende der 70er Jahre in Abhängigkeit begeben hat?

        Mein Tipp:

        Es war unter Mao KOMMUNISTISCH und blieb das auch danach – nominal zumindest, wenn auch nicht real.

        Kommunisten gibt man als anständiger Kapitalist keine Kredite.

        Das Risiko des Totalverlusts ist einfach zu groß.

        Einfach clever, die Schlitzaugen in Peking.

        Das ist die eine Hälfte der Erklärung.

        Probieren Sie sich doch einmal an der anderen.

        Die muss geben, denn China ist ja nicht durch Kreditverweigerung zu dem geworden, was es heute darstellt.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Erst geben sie einen Kredit, bauen dann die Infrastruktur und wenn dann der Schuldner nicht zahlen kann, übernehmen sie die Infrastruktur einfach. Das könnte man auch Kolonisierung nennen.“

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    ganz so einfach dürfte es nicht sein. Horst hat nicht unrecht, wenn er glaubt, dass China kein Interesse an der Insolvenz ihrer Schuldner hat. Allerdings haben Sie wohl umgekehrt recht damit, dass die Kreditwürdigkeitsprüfung hier nicht allzu streng ausfällt und man Kreditausfälle in einem gewissen Umfang billigend in Kauf nimmt. Wie übrigens jeder große Darlehensgeber in der Geschichte.

    Eine Kolonisierung ist es aber nicht, denn dann würde man versuchen, den eigenen Bürgern dort Pfründe als „Gouverneur“ oder ähnliches zu sichern oder die politischen und kulturellen Systeme der „Kolonien“ zu zerschlagen und nach dem eigenen System zu formen. Das taten die sowjetischen Kommunisten. Das ist es aber hier nicht (nur im Inland, z.B. bei den Uiguren oder Tibetern). Es ist vielmehr ein Sammeln von Allierten bei einer Minderheitenposition im Weltsicherheitsrat bzw. unter den Atommächten und in der UNO-Vollversammlung sowie allen anderen relevanten Gremien, vom IWF bis zum IOC. Die Briten stimmen so gut wie immer mit den USA, die Franzosen meistens. Die Russen trauen den Amerikanern wenig, aber den Chinesen noch weniger, denn in den USA gibt es eine Menge russischstämmiger Leute, aber in China nicht, ganz abgesehen von der immer noch verbindenden christlichen Religion in beiden Staaten.

    Bleiben die übrigen Atommächte. Nordkorea mag China unterstützen, aber Israel steht unverrückbar auf Seiten der USA. Bleiben Pakistan und Indien. Ein eigenes Thema für sich, keine idealen Freunde der USA und gegenseitige Todfeinde. Aber deswegen beide noch lange keine Freunde Chinas, ganz im Gegenteil.

    Und was bedeutet das?

    Dass China mit der neuen Seidenstraße im Ausland innenpolitisch für künftige Ruhe sorgt: sie sichern sich Verkehrswege, Rohstoffe, Handelspartner, Abnehmer für ihre Konsumgüter und Lieferanten landwirtschaftlicher Produkte. Und sie halten sich den Rücken frei, denn selbst vermeintlich kleine Gegner können verdammt ungemütlich werden, wie die USA in Vietnam und Afghanistan erlebt haben. Denn die eigentliche innenpolitische Bewährungsprobe Chinas kommt in den nächsten Jahren erst noch. Die KPdSU hat es nach 70 Jahren zerlegt, als die letzten alten Haudegen verschwunden waren und die Wirtschaft schwächelte. Die letzten alten Haudegen des „Langen Marsch“ verschwinden jetzt gerade. Wenn China nicht den gleichen Weg gehen will, sobald die (bei bto schon mehrfach diskutierte) Wachstumsdynamik nachlässt, brauchen sie innenpolitische Erfolge. Und die gehen mit Isolation nicht mehr. Denn die nächste Generation Chinesen wird die KPC nur dulden, wenn es den Wohlstand und den Nationalstolz sichern kann. Denn die neuen Technologien und Medien, verbunden mit Wohlstand und Bildung im eigenen Land, ist für die chinesische Regierungspartei mit größeren Gefahren verbunden als für die beiden amerikanischen (ja, ich werfe Republikaner und Demokraten hier langfristig leichtfertig in einen Topf). Keiner weiß, wie lange der Wille nach nationaler Einheit und Geschlossenheit in China trotz fehlenden Mitbestimmungsrechten / Wahlrechten des Volkes anhalten wird. Aber wenn die komparativen Kostenvorteile immer mehr den Bach runter gehen (z.B. im Vergleich zu Vietnam), muss man sich etwas einfallen lassen. Und da habe ich schon Schlechteres gesehen als die neue Seidenstraße, denn die Alternative wäre ein brutales Aufrüstungsprogramm in China, was zu einem Wettrüsten mit den USA führen würde, das sie wie die Russen früher noch nicht gewinnen können.

    Das wäre wesentlich gefährlicher. Und im Gegensatz zur verbrämend oft „Entwicklungshilfe“ genannten Oktroyierung westlicher Lebensstile geht es hier um Eigeninteressen, die nachhaltiger sind, weil sie Personenwechsel überdauern. Natürlich zu Lasten indigener Völker und der Natur, wie nicht anders zu erwarten war. Aber mit der Chance, dass die Partnervölker das mehrheitlich gut finden, was man von Gegenden wie Afghanistan oder Irak gegenüber den USA nicht behaupten kann.

    Und daher kann ich Ihre Schlussfolgerung nur wärmestens jedem europäischen (v.a. deutschen) Politiker empfehlen, der mal von echten Profis etwas lernen will:

    bto: „Während wir uns über alle möglichen Nebenthemen aufregen, kann man hier langfristige und strategische Politik beobachten.“ Genau so ist es, denn eine AKK, ein Habeck oder ein Kevin würden in China nicht einmal Oberbürgermeister werden können.

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  6. Avatar
    Tobias W. sagte:

    „Das Land agiert nämlich immer aggressiver als Kreditgeber, mit dem Ziel, so Einfluss in der Welt zu gewinnen, …“

    Nach derselben Logik müsste Deutschland dann massiv Einfluss in aller Welt haben?

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    • Avatar
      Alexander sagte:

      @ Tobias W.

      Gemeint sind Laufzeiten von 40 Jahren zu 0% Zins,
      Bsp: https://youtu.be/gKX32XXl5v0

      Die Burschen machen chinesische Politik, das ist richtig. Sie lasten ihre Kapazitäten aus und sichern sich Rohstoffzugang. Das Militär zum Schutz dieser Investitionen wird parallel hoch gefahren, incl. Zusammenarbeit mit Russland:
      www . youtube.com/watch?v=7dqKRBsJgpw

      Antworten
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    Arda Sürel sagte:

    Der selbe Mechanismus wurde seit dem Ende des 2. Weltkrieges und wird derzeit überall in der Welt von den USA angewandt, wird heute z.B. von der Bundesregierung als ‚Entwicklungshilfe‘ bezeichnet und dient im Falle des Baus einer Autobahn von Athen nach Saloniki (Finanziert durch die EU, Gebaut durch Firmen der finanzierenden EU-Mtigleder, geschuldet durch den griechischen Staat) natürlich nicht der Verschuldung, Erpressbar-Machung und Kolonialisierung Griechenlands und natürlich überhaupt nicht der Exportförderung eigener Industrien, sondern ist innigster Ausdruck europaeischer Solidaritaet.

    Das Ende der historischen Seidenstrasse war gleichbedeutend mit dem Übergang (zumindest in der Masse) des internationalen Fernhandels vom Land auf das Meer. Am Ende dieses Überganges nahmen die Zivilisationen des Ostens schweren Schaden.

    Man wird sehen ob die neue Seidenstrasse aehnliche aber diesmal entgegen gesetzte Auswirkungen haben wird.

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    Horst sagte:

    „Kollonisierung“ Dieser Begriff existiert nicht.

    Die errichtete Infrastruktur ist die Sicherheit für den Kredit – mit einer Kolonisation hat dieses Vorgehen daher nichts zu tun. Darüber hinaus ist China an Partnerschaften interessiert (ich kann mir nicht vorstellen, dass man insgeheim hofft, der Schuldner können den Kredit nicht bedienen, damit anschließend die Infrastruktur übernommen werden kann), nicht an Ausbeutung fremder Territorien nebst Versklavung indigener Völker (wie es die Europäer mit Beginn afrikanischen und südamerikanischen Kolonialisierung vortrefflich beherrschten).

    So sieht übrigens moderne Infrastruktur in China aus, zum Vergleich möge man einen Blick auf die Bahnhöfe in Köln oder Hamburg oder Essen oder München werfen (oder besser nicht):
    https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Bahnhof_in_Hangzhou_von_gmp_6505091.html

    In Sachen Infrastruktur täte Deutschland „NUR EIN WENIG MEHR“ China ganz gut.

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