Best of 2017: „›Die nächste Rezession wird ein Endspiel an den Finanzmärkten auslösen‹“

Wie immer zum Jahreswechsel ein Rückblick auf die Highlights des vergangenen Jahres, Artikel, von denen ich denke, dass es sich lohnt, sie nochmals zu lesen. Dieser Beitrag erschien erstmals im Oktober 2017 bei bto: 

Albert Edwards, geschätzt und verhöhnt zugleich als ewiger Crashguru und Begründer der Eiszeittheorie, äußert sich im Interview mit der NZZ:

  • „Wann der nächste Einbruch an den Finanzmärkten kommen wird, lässt sich nicht vorhersagen, aber für Albert Edwards steht schon heute fest, was den Börsen das Genick brechen (…) die exzessive Verschuldung amerikanischer Unternehmen (…) die Nettoverschuldung der im Russell-2000-Index zusammengefassten kleineren und mittelgroßen Gesellschaften (hat sich) seit Ende 2009 fast verfünffacht.“ – bto: Die Verschuldung der Unternehmen haben wir bei bto schon mehrfach angesprochen. In der Tat würde hier bei einem wirklichen Zinsanstieg Ungemach drohen.
  • „Früher oder später werde es in den USA zu einer Rezession kommen. Die Gewinnerwartungen und die tatsächlichen Gewinne vieler Unternehmen würden daraufhin einbrechen. Die Finanzierungskosten seien aber gegeben, und etliche Unternehmen würden unter der Zinslast einknicken (…).“ – bto: Und die Zinsen steigen, weil die Kreditausfallwahrscheinlichkeit steigt. Dann kommt es zur Zange.
  • „Keinerlei Vertrauen hat Edwards dagegen in die Fähigkeiten der Notenbanken, den Konjunkturabschwung ewig aufhalten zu können. Im Gegenteil: Der von der US-Notenbank Fed – wenn auch nur zaghaft – eingeschlagene Weg der Normalisierung der Geldpolitik berge das Risiko, die Konjunktur erst recht abzuwürgen.“ – bto: weil wir in einer hoch-geleverageden Welt keine höheren Zinsen verkraften können. Ich kann mir auch nicht denken, dass wir sie wirklich bekommen, eben wegen dieser Gefahr.
  • „Kommt es zu der angesprochenen Rezession, sieht Edwards für die Finanzmärkte und vor allem für die risikoreichen Anlageklassen schwarz. Dies vor allem, weil heute alles enorm teuer sei. Blicke man beispielsweise auf das Verhältnis von Unternehmenswert (Enterprise-Value) zum operativen Gewinn auf Stufe Ebitda, so befinde sich dieses für den globalen Aktienmarkt auf einem historischen Hoch und für die US-Börsen auf dem gleichen Niveau wie während der Tech-Blase (…).“ – bto: Das ist in der Tat ein Maß an Überbewertung, das sich nicht mehr alleine mit tiefen Zinsen erklären lässt. Ohnehin ist es logisch inkonsistent steigende Gewinne anzunehmen, wenn zugleich die Zinsen tief bleiben, signalisieren diese doch geringes Wachstum.
  • „Angesichts der hohen Bewertungen hält Edwards einen Absturz um 50 % beim US-Aktienindex S&P 500 für realistisch; Anleihen von Firmen mit einer schwächeren Bonität seien dann Giftmüll‘.“ – bto: was – das muss ich auch gestehen – aus heutiger Sicht nicht vorstellbar ist.
  • „Man müsse sich dann auf eine Situation einstellen, in der sich die US-Zinsen an jene in der Euro-Zone und in der Schweiz anglichen und das Fed nicht davor zurückschrecke, mit Helikoptergeld um sich zu schmeissen, um eine langjährige Deflation wie in Japan zu vermeiden.“ – bto: Da bin ich wiederum an Bord. In Europa erst recht.
  • „Edwards hofft zwar, dass seine Befürchtungen nicht eintreffen, rät Anlegern jedoch dazu, sich für ein solches Szenario zu wappnen. Als dafür geeignet sieht er langfristige Staatsanleihen, defensive Aktien, Liquidität und vor allem Gold.“ – bto: langweilig, aber richtig.

NZZ: „Die nächste Rezession wird ein Endspiel an den Finanzmärkten auslösen“ , vom 2. Oktober 2017

Kommentare (3) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Thomas sagte:

    Es geht doch in der kritischen Analyse doch überwiegend um die US (-Börse) und nicht das Ende der gesamten Weltwirtschaft. Dass die irgendwann crasht – so wie sie es sowieso immer tut – steht doch nicht im Widerspruch zu ihren beiden Beobachtungen/Einschätzungen, wo man Wachstum und Währungsgewinne findet…

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  2. Avatar
    FX sagte:

    Völlig schwachsinnig!

    Ähnlich wie ein Amerikaner in den 50er Jahren fürstlich für Investitionen in das aufstrebende Nachkriegsdeutschland belohnt wurde (Kurs- und Währungsgewinne, einst 4 DM für 1 USD, 20 Jahre später dann nur noch 2 DM für 1 USD) verhält es sich mit den Nullzins – Schwachwährungen der ehemaligen Industriestaaten im Vergleich zu denen der aufstrebenden Staaten:

    http://www.shibor.org/shibor/web/html/index_e.html

    (einst 11 Renminbi je Euro, heute ca. 8 Renminbi je Euro zzgl. Zinsen)

    https://www.rbi.org.in/

    (hier eher noch Schwachwährung: einst 50 Rupien je Euro, heute 75 Rupien je Euro zzgl. hoher Zinsen)

    Wobei das stürmische Wachstum und das hohe Zinsniveau dort längerfristig eine bessere Sicherheit für Investitionen bietet als hierzulande.

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  3. Avatar
    boom & bust sagte:

    Hören Sie auf mit „Endspiel“ und vergleichbarem Nonsens:

    Selbst zu Zeiten des ersten Weltkriegs, des schwarzen Freitags und des zweiten Weltkriegs gab es Personen mit Mut und Weitblick, die in den jeweiligen wirtschaftlichen Krisen große Vermögen begründeten, die teilweise noch bis heute existieren.

    Letztlich wird zukünftig eher von Asien bestimmt, was mit der Weltkonjunktur geschieht, da sich die Zentralbanken des Westens zur Aufrechterhaltung der latenten Überschuldung hier auf eine Geldpolitik zurückgezogen haben, wie sie vergleichbar in Japan bereits seit 25 Jahren existiert: jenseits von Investitionen im Aktienmarkt wird es anstatt dem Erzielen von Zinseinnahmen wichtiger, Abwertungen auszuweichen und Wechselkursgewinne zu erzielen.

    Und selbst in Japan gibt es mutige Unternehmer mit Weitblick, die die Chancen der sich entwickelnden Welt zu nutzen wissen und entsprechend ihr Vermögen mehrten wie Softbank, Uniqlo, Muji, etc.

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