Klimapolitik: Heiße Luft in jeder Hinsicht

In den Wahlprogrammen der Parteien spielt der Klimaschutz eine große Rolle. Dumm nur, dass keine der Parteien, die jetzt im Bundestag sind, eine überzeugende Strategie darlegt, wie Klimaschutz gelingen kann, ohne den Wohlstand zu gefährden. Nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Glaubt man den Umfragen, spielt der Klimaschutz eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Wähler zu mobilisieren. Die Parteien räumen dem Thema breiten Raum in ihren Wahlprogrammen ein. Dabei sind drei unterschiedliche Positionierungen erkennbar:

  • Problemleugnung: Die AfD distanziert sich eindeutig von jeder Art der Klimapolitik. “Den Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung und Dekarbonisierungsmaßnahmen lehnt die AfD ab. Das Pariser Klimaabkommen vom 12.12.2015 ist zu kündigen. Deutschland muss aus allen staatlichen und privaten ‘Klimaschutz’-Organisationen austreten und ihnen jede Unterstützung entziehen. Die AfD fordert einen öffentlichen, freien Diskurs über die Ursachen von Klimaveränderungen und die verheerenden Folgen einer Dekarbonisierung. Jegliche Form der CO-Besteuerung ist abzuschaffen.” Konsequent folgert die AfD daraus unter anderem, Kohle- und Atomkraftwerke weiter laufen zu lassen.
  • Markt- und Innovationsvertrauen: Die FDP setzt auf den Markt, um Wege zur Reduktion von CO2 zu finden: „Deutschland und Europa haben sich zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 verpflichtet. Dieses Ziel wollen wir durch ein striktes CO2-Limit durch ein umfassendes Emissionshandelssystem erreichen. Den Weg dorthin überlassen wir dem Erfindergeist von Ingenieurinnen, Technikern und Wissenschaftlerinnen. So können wir Klimaschutz marktwirtschaftlich und wissenschaftlich sicher erreichen. (….) Nur der Emissionshandel garantiert eine Deckelung des Gesamtausstoßes an Klimagasen.” Darüber hinaus hat die FDP eine sehr wichtige und richtige Forderung im Programm: Wir wollen die Möglichkeit nutzen, Projekte in anderen Staaten zu finanzieren und die entsprechenden Treibhausgasreduktionen auf die eigenen Ziele anzurechnen. Artikel 6 des Pariser Abkommens sieht das ausdrücklich vor. Bislang verzichtet die EU jedoch freiwillig auf die Nutzung dieser Möglichkeit. Da es für das Klima irrelevant ist, an welcher Stelle CO2 eingespart wird, wollen wir bei höheren Zielen künftig die Möglichkeit eröffnen, diese im Sinne einer ökonomisch effizienten Klimapolitik auch über Maßnahmen nach Artikel 6 des Pariser Abkommens zu erreichen.” Ich erinnere an die über 80 Milliarden Euro, mit denen wir der Fotovoltaik weltweit zum Durchbruch verholfen haben. Einen Anteil der Millionen Tonnen von CO2, die weltweit mit Hilfe der Fotovoltaik eingespart werden, sollten wir uns zurechnen lassen – vor allem, weil diese Industrie heute fest in der Hand von chinesischen Anbietern ist. Die FDP denkt hierbei an künftige Maßnahmen wie zum Beispiel Aufforstungsprojekte, aber auch an die Modernisierung von Anlagen.
  • Beschleunigtes „Weiter-so“: CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE setzen darauf, dass der eingeschlagene Kurs fortgesetzt wird und haben nur unterschiedliche Vorstellungen vom Tempo. Das liest sich dann so:
    • UNION: Wir werden den Ausbau der Erneuerbaren Energien entscheidend voranbringen und daher deutlich schneller ausbauen, damit der stark steigende Energiebedarf gedeckt wird. Nur so wird die Energiewende in allen Bereichen gelingen, und nur so werden die Pariser Klimaziele erreicht werden.” Die UNION betont die entscheidende Herausforderung: “Wir brauchen Energiespeicher, um die Schwankungen der Erneuerbaren Energie in wind- und sonnenschwachen Zeiten auszugleichen. Wir werden die dafür notwendige Technologieentwicklung und -umsetzung weiter fördern (…).”
    • SPD:Um in Deutschland bis spätestens 2045 treibhausgasneutral leben, arbeiten und wirtschaften zu können, werden wir dafür sorgen, dass wir unseren Strom spätestens bis zum Jahr 2040 vollständig aus Erneuerbaren Energien beziehen. Unser Strombedarf wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten deutlich steigen, weil wir anstatt fossiler Energieträger deutlich mehr Strom im Verkehr und der Industrie einsetzen werden. Allein bis 2030 brauchen wir jährlich ungefähr 10 tWh Strom zusätzlich – das entspricht dem Stromverbrauch von Hamburg. Wir brauchen deshalb ein Jahrzehnt des entschlossenen Ausbaus der Erneuerbaren Energien.”
    •  GRÜNE: Wir werden das noch immer ungenügende Klimaschutzgesetz generationen- und budgetgerecht nachschärfen, jahres- und sektorenscharf ausbuchstabieren, die Rolle des Expertenrates für Klimafragen stärken und das deutsche Klimaziel 2030 auf mindestens minus 70 Prozent anheben. Unser Ziel ist es, 100 Prozent erneuerbare Energien bis 2035 zu erreichen. So kann Deutschland in 20 Jahren klimaneutral werden.” Und an anderer Stelle: “Die Vorgaben des Pariser Klimavertrages sowie den Atomausstieg wollen wir im Grundgesetz verankern und Ökologie als weiteres Grundprinzip staatlichen Handelns stärken. (…) Mit einer CO2-Bremse machen wir Klimaschutz zur Querschnittsaufgabe, indem wir Gesetze auf ihre Klimawirkung hin prüfen, die Vereinbarkeit mit den nationalen Klimaschutzzielen und dem CO2-Budget sicherstellen (…).”
    • LINKE: Wir fordern die Energiewende mit 100 % Erneuerbaren bis 2035. Wir wollen den Kohleausstieg bis spätestens 2030. Wir wollen die Energiekonzerne entmachten und eine Energiewende in Bürgerhand, in öffentlichem oder genossenschaftlichem Eigentum.” Und an anderer Stelle: “Unser Ziel ist es, dass die Industrie bis 2035 weitgehend CO2-neutral und energie-effizient produziert (…) Es dürfen keine Arbeitsplätze verlagert werden, bevor nicht neue, gleichwertige Arbeit geschaffen wurde. Umgekehrt müssen neue Industrieanlagen so ausgerichtet sein, dass bis spätestens 2040 weitgehend CO2-frei und klimaneutral produziert werden kann. (…) Die Industriekonzerne müssen verpflichtet werden, diesen Umbau in die Wege zu leiten. Bei der Finanzierung der ökologischen Modernisierung der Produktion, wollen wir die Konzerne und Aktionäre in die Pflicht zu nehmen.” Gleiches gilt auch für die Vermieter, die zusätzlich mit Mietendeckel, CO2-Steuer und Grundsteuer belastet werden – neben Vermögenssteuer und -abgabe.

UNION, SPD, GRÜNE und LINKE fordern Verbote, staatliche Regulierung, Subventionen für bestimmte Sektoren und Bereiche. Zwar betont die UNION, auf den Markt und den Emissionshandel zu setzen, jedoch liest sich das Programm – geschrieben zu Zeiten, in denen man noch fest mit einer schwarz-grünen Koalition rechnete – in weiten Teilen wie eine Diskussionsgrundlage für die Koalitionsverhandlungen. Vergessen wir nicht, dass der amtierende CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier (63) erst vor wenigen Monaten eine Garantie für das Klima und die Wirtschaft abgeben wollte, verbunden mit konkreten CO2-Einsparungen je Sektor und Jahr bis 2050 – der Traum jedes Planwirtschaftlers und exakt das, was die GRÜNEN mit aggressiveren Zielen in ihrem Programm fordern.

DIW erklärt GRÜNE als Sieger

Dennoch kann man zwischen den Programmen differenzieren. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat genau dies im Auftrag der vom GRÜNEN-Politiker Rainer Baake geleiteten Stiftung Klimaneutralität getan. Wenig überraschendes Ergebnis: Kein Parteiprogramm ist den Forschern gut genug mit Blick auf die Klimaziele, aber die GRÜNEN kommen den Vorstellungen der Stiftung am nächsten. Es lohnt sich, genauer anzuschauen, wie das DIW zu dieser Einschätzung kommt, denn es hilft zu verstehen, warum sich die deutsche Klimaschutzpolitik in eine Sackgasse manövriert.

Bei der Studie des DIW handelt es sich um eine Art Nutzwertanalyse. Es wird vorgegeben, zu welchen Aspekten der Klimapolitik sich die Parteien im Programm äußern müssen. Die Aussagen werden dann mit 0 bis 4 Punkten bewertet und die Kriterien gesamthaft nach Bedeutung gewichtet. Jeder, der mit dieser Methodik arbeitet, weiß, dass die Gewichtung entscheidende Bedeutung für das Ergebnis hat.

Benchmark für das DIW sind die eigenen Vorschläge für die Klimapolitik. Jene Partei, die sich in ihrem Programm am engsten an die Empfehlungen hält, muss als Gewinner vom Platz gehen. Nachdem die AfD wegen offenkundiger Weigerung, das Thema überhaupt aufzugreifen, nicht in der Studie auftaucht, ist die FDP das erste Opfer dieser Vorgehensweise. Das DIW erklärt:

Studienergebnisse legen nahe, dass ein sektorübergreifender CO2-Preis als zentrales Instrument in der Klimapolitik geeignet ist. Er ist eine wichtige, allerdings keine hinreichende Bedingung für das Erreichen der Klimaziele. Allein entfaltet die Bepreisung von CO2-Emissionen keine ausreichende Wirkung, um die notwendigen Veränderungen in der geforderten Geschwindigkeit zu erreichen. (…) Parteien sollten in ihren Wahlprogrammen daher konkrete Vorschläge machen, wie es gelingen kann, bestehende Lock-In-Situationen sowie fehlende Investitionsanreize zu überwinden und die notwendigen, tiefgreifenden Transformationsprozesse einzuläuten. Diese Vorschläge sollten auf Sektorenebene Hürden und Hemmnisse auf dem Weg zur Klimaneutralität adressieren und über reine marktwirtschaftliche Instrumente hinausgehen (…).“

Obwohl Ökonomen sich einig sind, dass ein sektorübergreifender CO2-Preis das beste Instrument ist, um die Ziele zu erreichen, erklärt das DIW, dass dem nicht so sei. Folge für die FDP: Da sie sich auf diesen Mechanismus konzentriert und ihn sogar mit einem CO2-Mengenbudget verbinden will, bleiben viele der Boxen im Raster des DIW leer, die Partei damit ohne Punkte – und die Schlagzeile war sicher: Die FDP ist schlecht für das Klima. Dabei würde ein Preis Effizienz und Effektivität sicherstellen, genau das, was uns seit Jahren bei der Klimaschutzpolitik fehlt. Übrigens: Die FDP ist die einzige Partei, die explizit regelmäßige Stresstests unserer Stromversorgung fordert, um sicherzustellen, dass wir keine Blackouts erleben müssen.

Damit haben wir nur noch die vier Parteien übrig, die sich im Kern, wie oben gezeigt, nicht groß unterscheiden. Hier kommt die Gewichtung ins Spiel. Besonders hoch wichtet das DIW den Umbau der Energieversorgung, was durchaus nachvollziehbar ist, steht der Bereich doch für fast 46 Prozent der Einsparpotenziale an CO2, wie das DIW feststellt. Die Unterpunkte bei den Aussagen zur CO2-Reduktion sind wiederum gewichtet:

  • Verzicht auf fossile Energieträger (31 %)
  • Erneuerbare Energien (31 %)
  • Ausbau der Stromnetze und Speicher (14 %)
  • Rest – Sektorenkoppelung, Wasserstoff, Wärmeversorgung (25 %)

Wer sich jetzt wundert, dass das jetzt in Summe 101 Prozent ergibt, der mag sich direkt an das DIW wenden. Ist aber so und dürfte mit einer „Rundungsdifferenz“ erklärt werden, die allerdings bei Nutzwertanalysen unüblich ist.

Doch kommen wir zurück zum Thema. Erstaunlich ist doch, dass die wirklich entscheidende Frage der Energiewende – Ausbau der Netze und Schaffen von Speichern für Zeiten, an denen keine Sonne scheint und kein Wind bläst – für die Beurteilung der Programme unmaßgeblich ist. Egal wie viele Punkte einer Partei hier zugebilligt werden, es spielt bei einer Gewichtung von 14 Prozent für das Gesamtergebnis keine Rolle.

Wer als Partei Punkte sammeln will, muss also

  • erklären, dass der Kohleausstieg bereits 2030 stattfindet. Das tun die GRÜNEN und die LINKEN, weshalb sie vier Punkte bekommen. SPD und UNION halten sich noch mit der Notwendigkeit auf, andere Energiequellen zu entwickeln, bevor man auf die Kohle verzichtet, die immerhin 27 Prozent des Stroms im ersten Halbjahr 2021 erzeugt hat. Die Folge ist jeweils nur ein Punkt, während GRÜNE und LINKE für ihre Forderung nach einem früheren Kohleausstieg vier Punkte bekommen.
  • erklären, dass Erdgas nicht oder nur kurzfristig als Ersatz für Kohle zum Einsatz kommt. Da UNION und SPD auch hier einen ausreichenden Ausbau von Erneuerbaren Energien zur Voraussetzung machen, büßen sie wieder wertvolle Punkte ein, während GRÜNE und LINKE für ihre diesbezüglichen Bekenntnisse belohnt werden.
  • mit vielen Worten beschwören, den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben. „Höheres Tempo“ bringt einen Punkt (UNION), die zusätzliche Erwähnung von Solarenergie (SPD) bringt zwei Punkte. Volle Punktzahl bekommt, wer wie GRÜNE und LINKE mit vielen Worten im Programm Seiten füllt.

Letzteres klingt dann so (GRÜNE): “Unser Ziel ist ab sofort ein jährlicher Zubau von mindestens 5 bis 6 Gigawatt (GW) Wind an Land, ab Mitte der 20er Jahre von 7 bis 8 GW, bei Wind auf See wollen wir 35 GW bis 2035. Im Bereich Solarenergie werden wir den Ausbau von beginnend 10 bis 12 GW auf 18 bis 20 GW pro Jahr steigern ab Mitte der 20er. (…) Daher beseitigen wir in einem kontinuierlichen Prozess bestehende Ausbauhemmnisse (…) In einem ersten Schritt wollen wir die Erneuerbaren Energien als zwingend für die Versorgungssicherheit definieren und dafür 2 Prozent der Fläche bundesweit nutzen. Alle Bundesländer haben hierfür ihre entsprechenden Beiträge zu leisten.”

„Zwingend für die Versorgungssicherheit“ werden die Erneuerbaren Energien allein dadurch, dass alle Grundlastkraftwerke (Kohle, Atom) abgeschaltet werden. Dass diese Vorstellung sich in der Praxis sehr schwer, wenn überhaupt, realisieren lässt, ist nicht maßgeblich, denn es sind gigantische Ziele. Zum Vergleich: Zurzeit haben wir in Deutschland insgesamt rund 55 GW Kapazität in Windanlagen am Land und 2020 wurden rund 1,2 GW gebaut. 5–6 GW wurden noch nie pro Jahr gebaut. Schon gar nicht 7–8. Abgesehen davon freue ich mich auf die Windräder auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, wenn wirklich jedes Bundesland zwei Prozent der Fläche für die Energieerzeugung nutzen soll.

Will man nach Auffassung des DIW – und der die Studie bereitwillig aufgreifenden und verbreitenden Medien – eine Klimaschutzpartei sein, muss man nicht sagen, wie es funktioniert, sondern einfach behaupten, es würde schon funktionieren. Wie ein Kapitän, der auf hoher See auf das Prinzip „Ein-Wunder-wird-geschehen“ setzt, nachdem er zur Motivation der Mannschaft, schneller zu rudern, ein Leck in das Boot geschlagen hat.

Um sich endgültig von UNION und SPD abzusetzen, mussten GRÜNE und LINKE nur noch ein frühes Verbrennerverbot (ebenfalls 2030) fordern und voll auf Elektromobilität setzen. Auch hier jeweils vier Punkte für GRÜNE und LINKE. Die SPD bekommt für ihre Forderung eines Tempolimits immerhin drei Punkte, während die FDP, die den Emissionshandel auf den Verkehr ausdehnen will, nur einen Punkt erhält. Allein diese relative Gewichtung sollte zu denken geben, ist doch der Klimaeffekt eines Tempolimits minimal und der des Emissionshandels nachgewiesen erheblich.

Die Sieger stehen damit schon fest, obwohl DIE GRÜNEN aus ideologischen Gründen jegliche Überlegungen zum Carbon Capture ablehnen. Denn diese von allen als wichtig angesehene Technologie – auch vom Thinktank Agora Energiewende, für die man UNION und FDP Punkte zusprach, ist mit durchgerechnet zwei Prozent vom Gesamtergebnis irrelevant. Gleiches gilt für die internationalen Überlegungen zum Klimaschutz, die – wie gesagt – die FDP in die Überlegungen einbringt.

DIE LINKE schnitt in diesem Vergleich so gut ab, weil sie ähnlich wie DIE GRÜNEN ein Programm aufweist, das die wirtschaftlichen Folgen komplett ausblendet. Während DIE GRÜNEN noch darauf setzen, dass ihr – unfundiertes – Versprechen „klimagerechten Wohlstand“ zu schaffen über die Risiken hinwegtäuscht, hat DIE LINKE in ihrem ganzen Programm immer dieselbe Lösung: Die Reichen und die Unternehmen sollen es bezahlen.

So wäre die Linke nach der Logik des DIW genauso wie bei der WDR “Wissenschaftssendung” Quarks auf Platz 1 gelandet, hätten die Forscher nicht teilweise die Punkte recht willkürlich verteilt und die GRÜNEN für die Länge der Ausführungen (nicht unbedingt mit mehr Inhalt) belohnt. So hat es dann für die GRÜNEN und die gewünschte Schlagzeile gereicht. (Ausführlicher nachzulesen hier.)

Übrigens: Das DIW war cleverer als Quarks. Das WDR merkte erst am Schluss, dass das Konzept der FDP überlegen ist und degradierte das Programm wegen „fehlender Glaubwürdigkeit“ von Platz 1 auf Platz 5. Das DIW stellte das bereits gleich zum Anfang sicher.

Falsche Ratgeber

Es ist müßig, sich über solche „Studien“ und deren Rezeption in den Medien zu ärgern. Das Problem ist viel größer:

  • Zum einen belohnen wir Politiker für Versprechen, nicht für die seriöse Realisierung von Maßnahmen. Die Folge ist ein Wettlauf um höhere Ziele, der dem Klima nichts bringt, aber den Standort gefährdet, weil er zu immer drastischeren Eingriffen führt.
  • Zum anderen orientiert sich die Politik an diesen Studien und denkt, dass gute Klimapolitik so funktionieren muss.

Die Folgen sind fatal. Nicht hinterfragte Studien, die angeblich vorrechnen, wie die Klimaneutralität hierzulande erreicht werden kann, werden zum Maßstab der Politik. Dabei blenden sie wesentliche Aspekte komplett aus: von der technischen Realisierbarkeit, über den mit dem Umbau der Wirtschaft verbundenen CO2-Ausstoß bis zu den finanziellen und ökonomischen Folgen.Prominentes Beispiel ist die “AGORA-Studie für ein Klimaneutrales Deutschland 2050” und die Aktualisierung für das Jahr 2045.

Die Studie verspricht nichts weniger als ein neues Wirtschaftswunder. So ist zu lesen: Der Weg in die Klimaneutralität ist ein umfassendes Investitionsprogramm, vergleichbar mit dem Wirtschaftswunder in den 1950er-/60er-Jahren. Kernelemente sind dabei eine Energiewirtschaft auf Basis Erneuerbarer Energien, die weitgehende Elektrifizierung von Verkehr- und Wärme, eine smarte und effiziente Modernisierung des Gebäudebestands sowie der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft für die Industrie.“ Das ist doch eine Aussage!

Die Autoren stören sich auch nicht an dem offensichtlichen Widerspruch zwischen ihrem Versprechen eines „Wirtschaftswunders“ und dem Verzicht, die wirtschaftlichen Folgen überhaupt zu analysieren: „Die ökonomischen Effekte der Klimaschutzmaßnahmen wurden nicht explizit untersucht. (…) Es wurde angenommen, dass temporäre Wettbewerbsnachteile für Unternehmen beim Übergang zu einer klimaneutralen Produktion vermieden oder kompensiert werden.“

Wie sollen eine deutlich kleinere Automobilindustrie, sinkende Massenkaufkraft (wegen wegfallender Arbeitsplätze und unverkennbar höheren Energiekosten) und die Verwendung von knappen Investitionsmitteln für unproduktive Zwecke ein Wirtschaftswunder auslösen, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir es mit einer alternden Gesellschaft, schrumpfender Erwerbsbevölkerung, stagnierenden Produktivitätszuwächsen und Billionen Euro an ungedeckten staatlichen Verpflichtungen zu tun haben.

Auch diese Behauptung ist interessant: Der Weg zur Klimaneutralität 2050, wie er in dieser Studie beschrieben wird, stellt einen aus Kosten­sicht und unter Berücksichtigung der Umsetzbarkeit optimierten Weg dar. Hauptkriterien bei der Auswahl der Maßnahmen waren Wirtschaftlichkeit und die Wahrung der Investitionszyklen. Das ist ebenfalls nicht nachvollziehbar, weil in der Studie zwar viele Zahlen auftauchen, aber nur eine mit einem Eurozeichen dahinter. Und diese Zahl ist nicht mal berechnet, sondern aus einer Studie von Boston Consulting und Prognos für den BDI abgeschrieben. Dabei liegt es auf der Hand, dass andere Maßnahmen mit anderen Kosten verbunden sind, vor allem wenn sie zu einem früheren Zeitpunkt umgesetzt werden.

Noch interessanter ist diese Aussage: “Die Schlüsseltechnologien für Klimaneutralität sind bekannt: Es geht um den Aufbau eines komplett auf Erneuerbaren Energien basierenden Stromsystems, das 2050 mindestens 50 Prozent mehr Strom produziert als heute.” Dies sehen andere Experten deutlich anders. Die Schlüsseltechnologien, gerade bezüglich der Speicherung von Energie fehlen heute noch. So rechnen Experten von BCG vor, dass wir weltweit bis zu 210 Milliarden Dollar pro Jahrzusätzlich in Forschung und Entwicklung investieren müssten, um die Technologien zu entwickeln, die uns noch fehlen, um zu Null-CO2 zu kommen! Und diese Investitionen in Forschung und Entwicklung würden in der Tat neue Industrien, Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Die Behauptung, dass die Technik schon bekannt sei, trifft nicht zu.

Doch nicht nur an den Aussagen bezüglich der Umsetzbarkeit der Maßnahmen und der zu befürchtenden wirtschaftlichen Auswirkungen gibt es Zweifel. Auch in anderer Hinsicht hält die Studie einer kritischen Betrachtung nicht statt. Ein Team um den Professor Dr.-Ing. Holger Watter hat die Studie untersucht und stellt gravierende Mängel fest. Diese reichen von der fehlenden Berücksichtigung des CO2-Ausstoßes im Zuge des Umbaus der Wirtschaft bis zu überoptimistischen Annahmen und dem Ausschluss bestimmter alternativer Wegen zur CO2-Reduktion.

Ungeachtet dieser Kritik wird mit diesen Studien in Medien, Politik und Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, es brauche einfach nur den festen Willen, um die Klimaziele zu erreichen. Leider ist dem nicht so.

Wir brauchen einen echten Neustart

Deutschland ist wenig sonnig, dicht besiedelt und hat einen hohen Energiebedarf. Wir verfügen über die drittniedrigsten Solar- und Windressourcen der Welt im Vergleich zu unserem Gesamtenergiebedarf. Klartext: Fast nirgendwo ist es so schwer, die Versorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen, wie bei uns.

Dass dies nicht nur in der Theorie so ist, zeigt das erste Halbjahr 2021. Weil der Wind weniger blies, steuerte die Windkraft nur 22 Prozent zur Stromversorgung bei, statt 29 Prozent wie im Vorjahr. Neun Prozent entfiel auf Fotovoltaik und sechs Prozent auf Biogas. Zwölf Prozent steuerten Atom- und 27 Prozent Kohlekraftwerke bei. Also genau jene Erzeugungsquellen produzierten Energie, die wir nach Auffassung vieler Beobachter möglichst rasch vom Netz nehmen sollen.

Wir haben schon heute die höchsten Strompreise Europas. Und dies nicht trotz, sondern wegen der Erneuerbaren Energien, da diese immer einen Back-up brauchen für wind- und sonnenarme Tage. Nun schalten wir alles relevante Grundlastfähige ab und hoffen auf einen noch zu realisierenden technischen Fortschritt, um die Lücken zu schließen – oder auf Importe aus Kohle- und Atomkraftwerken der Nachbarn.

Wer hier auf ein beschleunigtes „Weiter-so“ setzt, der gefährdet die Zukunft des Landes. Wir brauchen dringend einen Neustart in der Klimapolitik. Statt alles auf eine Karte zu setzen, sollten wir verstärkt nach Möglichkeiten suchen, grüne Energie zu importieren und unsere Mittel auf Forschung und Entwicklung konzentrieren. Dann können wir nicht nur einen Beitrag leisten, um deutlich mehr als unseren Zwei-Prozent-Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß zu reduzieren, sondern wirklich die Zukunftsindustrien aufbauen, die grünen Wohlstand für morgen bedeuten. Voraussetzung ist allerdings, dass die kommende Bundesregierung erkennt, dass das Motto „Es-wird-schon-gut-gehen“ nicht zur Sicherung von Wohlstand hierzulande taugt.

Kommentare (46) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Wolfgang Selig
    Wolfgang Selig sagte:

    Ich kann es auf bto bald nicht mehr lesen: Fratzscher, Fratzscher und noch Fratzscher.

    Wann hört Herr Dr Stelter endlich auf, dem vom rotgrünen Berliner Senat und von SPD-Ministern im Bund bezahlten 300 Ideologen des DIW zur Unterstützung politischer linker Ziele Aufmerksamkeit zu schenken? Wir reden hier nicht von einem Forschungsinstitut, sondern von einer Propagandaeinrichtung. Das ist legitim, damit mich keiner falsch versteht. Niemand würde vom Deutschen Gewerkschaftsbund erwarten, eine Gesetzesänderung zur Verringerung der Zahl freigestellter Betriebsräte zu fordern.

    ABER: man muss das DIW nicht ernst nehmen. Und das wird hier ständig gemacht.

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      Kann man so sehen.

      Aber das DIW unter die Lupe zu nehmen, ZEIGT, wie – mit welcher Methodik – eine bevorzugte Politik in der ÖFFENTLICHKEIT forciert wird.

      In Wahlzeiten halte ich es für hilfreich, dies darzulegen.

      Antworten
  2. JürgenP
    JürgenP sagte:

    „Statt alles auf eine Karte zu setzen, sollten wir

    a) verstärkt nach Möglichkeiten suchen, grüne Energie zu importieren und

    b) unsere Mittel auf Forschung und

    c) Entwicklung konzentrieren“.

    Zeitfaktoren:

    zu a) ab Sonntag, 18:01 h können wir alle – gefördert aus den gestopften KFW-/ BAFA-Klimabudgets – mit dem Suchen beginnen. Auf nach Kalifornien und Australien auf den weitläufigen Restbrand- und Ruinenflächen, auf den Malediven auf Augenhöhe mit den Haiflossen (+14,5cm üNN), auf dem saftigen Grünland von Grönland in den neu zu entdeckenden Schluchten ehemaliger Gletscher oder einfach im abgeholzten Amazonasgebiet.

    zu b) Forschen = Idee + Gleichgesinnte finden (1 Jahr), Antrag stellen und bearbeiten lassen (1 Jahr), nach Programm forschen (3 Jahre (schnell), 5 Jahre (üblich)) inclusive belustigende Konferenz zur Präsentation der dürftigen Ergebnisse. Durchlaufzeit ab Sonntag 18:01 Uhr = 5 – 7 Jahre.

    zu c) Entwickeln = eAnspitzer für Bleistift 6 Monate, eFahrrad 2 Jahre, eLED-Leuchte für eFahrrad einschließlich Gesetzesänderung für Lichtkegel 4 Jahre, alles andere >7 Jahre + Markteinführung. Außer: Musk oder LiPengpong treiben die Politiker/Bosse aus den Sesseln, dann nur 5 Jahre bis zum ersten (noch schlechten) Produkt – anschließend subventionierten Patentverkauf an LiPengpong.

    Aus welchem Grund sollte das ab Sonntag 18:01 Uhr anders laufen?

    Null, nix, narda ist zu finden in den Parteiprogrammen, um die politischen Voraussetzungen zu schaffen, um Akteure = insbes. Ingenieure/Handwerker die notwendigen FREIHEITEN und BEFÄHIGUNGNEN zu verschaffen zum Suchen/Forschen/Entwickeln von ultrakomplexen Lösungen.

    Besser alles auf eine Karte setzen. Dann geht der Absturz schneller.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @JürgenP

      “ab Sonntag, 18:01 h können wir alle – gefördert aus den gestopften KFW-/ BAFA-Klimabudgets – mit dem Suchen [von Möglichkeiten, “grüne” Energie zu importieren] beginnen. Auf nach Kalifornien und Australien auf den weitläufigen Restbrand- und Ruinenflächen”

      Ich weiß, Sie wollen polemisch sein, aber das hier ist gleich auf 2 Arten Unsinn:

      1. Wenn wir unbedingt “grüne” Energie importieren wollen, sollten wir mit der Suche an Orten beginnen, die in der Nähe von Deutschland liegen – oder die wenigstens nur durch eine direkte Seeroute von Deutschland getrennt sind. Das macht den Import deutlich einfacher. Die Amerikanische Westküste und Australien sind für uns zwei der schwierigsten Herkunftsorte auf der ganzen Welt.

      2. Hören Sie mit diesem unerträglichen Buschfeuer-Apokalypse-Geheule auf. Die Brände sind Teil des natürlichen Lebenszyklus der Natur dort, in Australien gibt es sogar Pflanzen, deren Samen kurz nach einem Feuer keimen, und zwar ausschließlich dann. Und sogar Vögel, die gelernt haben, dass es ihnen nützt, wenn sie Feuer verbreiten.

      Ein paar Wochen nach den großen Bränden Anfang 2020 in Australien sahen die Wälder dort schon wieder so aus – das wird natürlich nicht so gern in Deutschland gezeigt, weil es der Klimapropaganda nicht nützt:

      https://www.npr.org/2020/03/14/810152967/australias-fire-ravaged-forests-are-recovering-ecologists-hope-it-lasts

      Antworten
      • JürgenP
        JürgenP sagte:

        @ RO
        Zur “Suche” gehört selbstverständlich auch die gezielte “Nichtsuche”. Aber: warum man die sonnenreichen kalifornischen Hügel oder das niedergebrannte Australische Outback nicht komplett abholzen sollte, um Hydrolyse-PV drauf zu pflastern, erschließt sich mir nicht. Klar, die bergige Steppe nördlich von Athen geht auch. Aber in der Gegend haben die Chinesen bereits einen Hafen gekapert.

        Schnell suchen und “machen” (Scholz) rettet grüne Wettbewerbsvorteile.

        Übrigens: Der Geirangerfjord eignet sich hervorragend für eine 1.500m hohe Staumauer. Vorne ein paar der stinkenden Kreuzfahrer quer legen und versenken, Beton drauf, Turbine rein, Kabel verlegen, fertig ist die grüne Energie. So einfach kann es gehen mit suchen und finden.

        Absurd? Naja, dann lesen Sie mal nochmal die Parteiprogramme und zugehörige Studien. Die strotzen vor solchem Quatsch.

  3. Petersen
    Petersen sagte:

    UNION: “Wir werden den Ausbau der Erneuerbaren Energien entscheidend voranbringen und daher deutlich schneller ausbauen …”

    Ähnlich SPD …

    Die nahliegende Frage als Bürger wäre: Warum habt Ihr das denn bisher nicht getan, schliessich seid ihr Ihr die letzten 16 bzw 12 Jahre die Regierenden gewesen?

    Die Parteien halten die Wähler für dumm und mit einem schlechten Gedächtnis gesegnet.
    Und sie haben Recht.

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Petersen

      Die naheliegende Antwort der Regierenden an die Bürger wäre:
      In den letzten 16 bis 12 Jahren waren ANDERE Sachverhalte für Euch wichtiger. Deshalb haben wir diese getan.

      Ihr, Bürger, habt das ANERKANNT.

      Hättet ihr es nicht anerkannt, wären wir nicht in dieser Zeit WIEDEGEWÄHLT worden.

      Kurzum:

      Es geht für die Regierenden NICHT darum, ob die Bürger dumm sind oder es nicht sind.

      Es geht darum, ihre Interessen so umfassend und so weit wie möglich zu befriedigen, ohne das System in Instabilität zu bringen.

      Antworten
  4. weico
    weico sagte:

    Herr Stelters Wunsch, nach einem Neustart der Klimapolitik, wird wohl ein vergeblicher sein,denn..

    ..die links-grüne indoktrinierten Klimapimpfe marschieren wieder auf der Strasse und die klimapopulistischen Parteien erhoffen sich noch die letzten unentschlossenen Wähler zu “krallen” um dann eine “Klimaregierung” zu errichten.

    “Für Greta Thunberg ist Deutschland einer der größten „Klima-Schurken“”

    “Die Grünen hingegen hoffen vor dem Wahlsonntag sehr wohl noch darauf, dass der Schwung der Großdemos vom Freitag am Sonntag noch einige Unentschlossene zu ihnen herüberzieht.

    „Dies sind entscheidende Tage für den Klimaschutz. Die Bürgerinnen und Bürger haben die Möglichkeit, die Klimapolitik endlich zu ändern: mit einem kraftvollen Klimastreik und vor allem bei der Bundestagwahl“, sagte Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock WELT. „Die nächste Regierung muss eine Klimaregierung werden. Das geht nur mit starken Grünen.“

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article234005152/Fridays-for-Future-Greta-Thunberg-nennt-Deutschland-Klima-Schurken.html

    Antworten
  5. Dr. Dieter Zorn
    Dr. Dieter Zorn sagte:

    Die einfachste Möglichkeit die Klimaziele zu erreichen ist, die Kernkraftwerke am Netz zu lassen und noch vier neue zu bauen. Dann kann die Kohleverstromung langsam zurückgefahren werden…

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Dr. Dieter Zorn

      Es ist nicht die einfachste, sondern eine ganz schwierige Lösung.

      Wenn die Kernkraftwerke am Netz blieben, hätten einige große Fehler gemacht.

      Das ist unmöglich, denn in Deutschland werden keine großen Fehler gemacht.

      Und neue zu bauen?

      Sie glauben offensichtlich nicht an den „Endsieg“ in der Bekämpfung des Klimawandels?

      So geht das nicht, Sie wissen wohl nicht, was auf dem Spiel steht ;)

      Antworten
    • JürgenP
      JürgenP sagte:

      @ Dr.D.Z. “Die einfachste Möglichkeit …”
      Ihre Idee ist doch wirklich naheliegend. Dafür braucht man keine Experten. Aber die mengenlehregeschulten Entscheider sind nun mal von Kindesbeinen an konditioniert: warum einfach, wenn es auch kompliziert geht.

      Antworten
    • Dr. Dieter Zorn
      Dr. Dieter Zorn sagte:

      Danke für die Antworten. Meine Bemerkung sollte zeigen, dass es unsinnig ist, im Falschen nach der richtigen Lösung zu suchen. Das allerdings ist der Deutschen Lieblingssport. Wie kann man sich nur (schon wieder) gegen die ganze Welt stellen? Die eifrig moderne Kernkraftwerke baut und manche sogar Kohlekraftwerke. Wie kann man so verblendet (oder verblödet?) sein, im Rahmen dieser grotesken Fehlentscheidung (The Economist: „Die dümmste Klimapolitik“) nach „richtigen“ Lösungen zu suchen? Und, nachdem durch Merkels groteske Fehlentscheidung nach dem Tsunami in Japan, der real für Deutschland keine Bedeutung gehabt hat, die Grünen jetzt richtig stark sind, wird man tatsächlich diese Fehlentscheidung kurzfristig nicht korrigieren können. Wie Ulrich Beck schon 1986 sagte (Die Risikogesellschaft) sind die Entscheidungen zur Risikominimierung reflexiv, indem sie einen Rattenschwanz von weiteren Risiken nach sich ziehen und am Ende die Gesellschaft unregierbar machen. Hier: Ausstieg aus Kernergie, Erstarken der Grünen, Ausbau der Gaskraftwerke, Abhängigkeit von Russland, höchste Energiepreise, Gefährdung des Wirtschaftsstandortes. Und keiner wagt es dieser Eulenspiegelei ein Ende zu setzen. Weil die allmächtigen Medien ihn schlachten würden. Was für eine verrückte Zeit! Was für ein verrücktes Land!

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Dr. Dieter Zorn

        Man kann schon darüber streiten, ob die japanische Reaktorkatastrophe für uns real deshalb KEINE Bedeutung gehabt hat, weil der Tsunami real keine hat.

        Aber lassen wird das mal beiseite.

        > … sind die Entscheidungen zur Risikominimierung reflexiv, indem sie einen Rattenschwanz von weiteren Risiken nach sich ziehen und am Ende die Gesellschaft unregierbar machen.>

        Ob am Ende die Gesellschaft unregierbar wird oder nicht, würde ich offen lassen, obwohl ich glaube, dass wir uns in diese Richtung bewegen.

        Aber RICHTIG ist:

        Risikominimierung GENERIERT neue Risiken.

        Nur:

        Die meisten Menschen sind nicht fähig, dies zu begreifen.

        Denn ihre gesamte Lebenserfahrung ist überwiegend, dass Probleme und damit Risiken immer NUR mit Blick auf das NÄCHSTE Glied in einer ihnen unbekannten Kette von Problemen zu lösen ist bzw. die damit verbundenen Risiken zu vermeiden sind.

        Es fehlt das Systemdenken.

        Die Regierungen haben es weitgehend in den meisten Fällen, können es aber der Bevölkerung nicht handlungsrelevant vermitteln.

        Beispielhaft dafür:

        Merkel hat 2013 in Davos öffentlich gesagt, dass die EU, die mit 7% der Weltbevölkerung 25% des Welt-BIP schafft, NUR dann wie bisher 50% der Sozialausgaben der Welt ausgeben KANN, wenn sie wirtschaftlich LEISTUNGSFÄHIG bleibt (im globalen Wettbewerb mit anderen, die wettbewerbsfähiger WERDEN).

        Erzählen Sie das einmal dem Mann auf der Straße und fragen Sie ihn, was er dazu meint.

  6. troodon
    troodon sagte:

    @Richard Ott
    Ich habe da heute was für Sie …

    Agorameter ist jetzt mit Klimadaten ab den 1.1.2012 und den Ausbauzielen der Agora Studie “Klimaneutrales Deutschland 2045” bis 2040 online verfügbar.
    Und jetzt nicht gleich wieder meckern, dass keine Wetter-Daten von vor 2012 zur Verfügung stehen. ;)
    Kann man mal etwas rumspielen…

    Agora sieht deutlich weniger Importbedarf, will dafür mehr Offshore Wind, teilweise außerhalb der D – AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) mehr H2 Verstromung, insgaesamt aber nochmal weniger Strombedarf ggü. den Langfristszenarien.de … Ist eben eine anderes Modell
    Wohin der Weg wirklich führt wird man sehen

    https://www.agora-energiewende.de/service/agorameter/chart/future_power_generation/21.09.2021/24.09.2021/future/2030/

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @troodon

      Schon viel besser!

      Das Problem, auf dem ich die ganze Zeit herumhacke, wird doch schon sehr schön klar, wenn wir die aktuell voreingestellten Daten (“Zukunftsjahr 2030 / Erneuerbaren-Anteil 68%”) Wetterdaten aus: 21.09.21 bis 24.09.21) belassen.

      Am 21. und 22. September ging nämlich relativ wenig Wind, und die Photovoltaik-Ausbeute war schon deshalb recht dürftig, weil Mitte September ist.

      Und was zeigt uns das Agorameter dann?

      Beispielsweise “Residuallast 22.09. 06:00 Uhr — 44,645 GW”

      Hmm, und was ist “Residuallast”?

      Laut der Webseite: “Die Differenz aus Nachfrage und Erneuerbarer Erzeugung zeigt entweder exportierte Strommengen bzw. abgeregelten Strom aus Erneuerbaren Energien (wenn die Erzeugung aus Erneuerbaren Energien größer ist als die Nachfrage), oder die Residuallast, also die Strommenge aus Importen bzw. regelbaren Kraftwerken oder Speichern (wenn die Erneuerbare Erzeugung geringer ausfällt als die Nachfrage).”

      Wo bekommt Deutschland an einem Septembermorgen früh um 6 Uhr über 44 Gigawatt Stromerzeugungsleistung her?

      Da würden mir Kohle- und Atomkraftwerke einfallen, aber die wollen wir ja blöderweise unbedingt abschaffen. Und sämtliche Gaskraftwerke in Deutschland haben nur eine installierte Leistung von ungefähr 25 GW. Da haben wir ein Problem.

      Sie können auch mal die komplette fliederfarbene “Residuallast” gedanklich über die Zeit integrieren oder sich die Fleißarbeit machen, das stundenweise aufzusummieren, dann kommen Sie ungefähr auf die benötigte Größe des Stromspeichers, mit welcher Technologie auch immer, den wir alleine für den 21. September benötigen würden, damit uns nicht das Licht ausgeht.

      Ich würde grob überschlagen, dass das ungefähr 1 Terawattstunde ist, für diesen einzigen Tag. Beziehungsweise 0,4 Terawattstunden (das sind immer noch über 4 Millionen Tesla Model S Long Range Akkus), wenn wir die 25 GW Gaskraftwerke im Volllastbetrieb ganztägig laufen lassen.

      Und der Speicher muss natürlich am Tagesanfang gefüllt sein, damit wir ihn auch tatsächlich leerfahren können.

      Und dann bräuchten wir für den 22. September nochmal ungefähr die gleiche gespeicherte Energiemenge, da sind wir schon bei 8 Millionen Teslaakkus, wenn wir die Energiespeicherroute gehen wollen.

      Antworten
      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        Gas habe ich lt. electricitymap.org rd. 30 GW. Import hatten wir teilweise im Mai diesen Jahres bereits 6 GW, keine Ahnung wie viel max. aktuell möglich ist. Bis 2030 wird da m.E. auch eher kaum etwas hinzukommen können bzgl. Netzausbau. Weiß aber nicht, ob da doch schon etwas im Bau/in Planung ist.
        Für einige Stunden Pumpspeicherwerke mit rd. 9 GW Kapazität.
        Konventionelle Reservekraftwerke (Kohle) wird man 2030 sicher auch noch haben. Einige wenige TWh Steinkohle kalkuliert selbst Agora auch noch für 2030 ein. nämlich 11 TWh.
        Für das Jahr 2030 “rechnerisch” auch bereits mit 8 TWh Strom aus H2 Verstromung. Keine Muße jetzt wieder zu suchen, welche Kapazität die da “rechnerisch” schon haben.

        Ist sicherlich nicht so, dass ich ad-hoc sagen würde: “reicht locker”, aber auch nicht “kann nie und nimmer reichen”.
        Und zur Not nimmt man Verbraucher gegen Entschädigung, wie auch jetzt schon vom Netz. Beim Ott brennt sowieso zu viel Licht ;)

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        >Und zur Not nimmt man Verbraucher gegen Entschädigung, wie auch jetzt schon vom Netz. Beim Ott brennt sowieso zu viel Licht ;)>

        Wieso gegen Entschädigung?

        Haben Sie noch nie etwas von Solidarität gehört?

        Auch beim Bezug von Energie kann man UMVERTEILEN.

        Der Zusammenhalt ist in unserer Gesellschaft erst dann endgültig hergestellt, wenn alle nichts mehr haben ;)

    • Namor
      Namor sagte:

      Nie wieder Krieg, aber dann doch, nie wieder Auschwitz.

      Nie wieder Kernkraft, bald aber, nie wieder CO2.

      Kernkraft wir in Deutschland zurückkommen. Selbst Italien diskutiert.

      Nochmal die Frage: Welche börsennotierte deutsche Firma würde vom Revival der Kernkraft profitieren?

      Danke für die Antworten von neulich.

      Antworten
      • Dr. Lucie Fischer
        Dr. Lucie Fischer sagte:

        @Namor
        Nie wieder Bio-Waffen, wird es bald heissen:
        Bedenken Sie, dass gerade ein Massenexperiment / Extinction -globale Überbevölkerung/ per Injektionen stattfindet:
        MIr wurde vor zwei Wochen physisch schlecht, als ich verstand, dass die STIKO schwangeren und stillenden Frauen / auf politischen Druck / das Genprodukt per Injektion empfohlen hat:
        bisher galt ” heiliges ” ärztliches Prinzip: ( Jeder ! Arzt weiss das! ) :
        die Entwicklung eines Foetus ist in JEDEM Schwangerschaftsstadium fragil,selbst geringste Dosen bewährter Medikamente können zu unberechenbaren intrauterinen Schäden führen. Keine Ausnahmen, einzige Massnahme : Vor-Sicht, Schonung, Schutz vor Stress ,” bösem Blick” , Schwangeren- Schutzmassnahmen in jeder Kultur.
        Beispiel Contergan, banal: kleinste homöopathische Mengen Alkohol : fetales Alkoholsyndrom,
        prominente Vertreterin =Greta, die manipulierte, wehrlose, geistig Behinderte FFF-Ikone:
        https://www.netdoktor.de/krankheiten/fetales-alkoholsyndrom/
        Auf achgut .de findet sich die aktuelle Pressemitteilung der Reutlinger Pathologen zu letalen Organschäden-Versagen nach Impfung. Vielleicht ein Trost:
        Für die Übrig-Gebliebenden nach Bio-war-fare wird der Rest-Strom vermutlich reichen.

      • Tom96
        Tom96 sagte:

        Dazu die Netzwerkstudie der Beteiligten
        https://www.disclose.tv/the-covid-network-an-analysis/
        Eine Analyse die in Tradition an Talcott Parsons System- und Akteurszusammenhänge analysiert.
        “A German IT project manager, who wishes to remain anonymous, has spent months creating an extensive and unique network document, labeled “The COVID Network Complex”. For the first time, it shows you the complex network of relationships between non-governmental organizations (NGOs), companies, documents, and people. There are 6,500 objects and over 7,200 links, including the …”

      • Namor
        Namor sagte:

        @fischer
        Meine ganz persönliche Verschwörungstheorie, damit auch mal Abwechslung in die Sache kommt:

        Das Paul Ehrlich Institut ist nicht nach dem 1854 geborenen Paul Ehrlich benannt, sondern nach dem 1932 geborenen Paul R. Ehrlich.

        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Paul_R._Ehrlich

        “Ehrlich war 1968 einer der Gründer von Zero Population Growth.”

      • Dr. Lucie Fischer
        Dr. Lucie Fischer sagte:

        Namor 6:36
        “Sarkasmus off”
        Der 1854 geborene Paul Ehrlich würde sich ( nur mit aktuellem Bio- Oberstufen-Wissen ausgestattet) die Augen reiben, angesichts aller staatlichen Anti-Covid- Massnahmen .
        Er würde vermutlich darauf hinweisen, dass im Falle eines wirklich toxischen Virus
        ( Ebola, z.B. oder auch militärischer- Designer-Viren,) die Bevölkerung vollkommen fehl-informiert sein würde mit Folgen :Pest-Letalität, mindestens.
        Erstaunt wäre unser Forscher auch darüber, dass mittlerweile Ratten kaum noch auf Gifte/ Köder/ Rodentizide reagieren, die -um Tage zeitverzögert- durch Gerinnungsstörungen zu inneren Blutungen und Exitus führen:
        Rattten fallen auf diese ” Tricks” nicht mehr herein.
        Nach vereinzelten Ratten-Toden zieht die Grossfamilie, Rattenkinder& Co weiter, Gift wird grossräumig gemieden.
        Vermutlich wird eine Ausrottung erst gelingen, wenn Mittel gefunden werden, die -unspezifisch- immunologische Reparatur-Mechanismen ausser Kraft setzten: das geschieht NOCH langsamer als Gerinnungsstörungen, jede Ratte stirbt dann den individuellen Tod ihrer schwächsten Stelle: Infarkt, HIrnblutung, chronische Entzündung, Krebsgeschwüre, Autoimmun-Reaktionen, lange Liste , fast unmöglich zu durchschauen, richtig heim-tückisch. Es gibt kein Antidot.
        Unfassbar und unbegreiflich wäre es für ihn, dass Forscher heute für Geld und Drittmittel käuflich scheinen: zu seiner Zeit wäre das Aufforderung zum Duell gewesen. Eine Frage der Ehre, unteilbare wissenschaftliche Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit:
        Nomen est Omen.

  7. Rolf Peter
    Rolf Peter sagte:

    „Obwohl Ökonomen sich einig sind, dass ein sektorübergreifender CO2-Preis das beste Instrument ist, um die Ziele zu erreichen, erklärt das DIW, dass dem nicht so sei.“

    Das DIW erklaert, ein CO2-Preis sei nicht hinreichend. Und damit haben sie Recht. Ich habe schon mehrmals erklärt, warum.

    Der folgende Auszug aus einem Einleitungsartikel von Stiglitz zu einer Sonderausgabe der European Econmic Review macht diesen Punkt auch klar.

    https://www8.gsb.columbia.edu/faculty/jstiglitz/sites/jstiglitz/files/Hepburn%2C%20Stern%20Stiglitz%20%282020%2C%20EER%29%20Carbon%20Pricing.pdf

    „What is the role of carbon pricing in achieving such a structural transformation? Since Pigou’s “The Economics of Wel- fare” (1920), economists have had a predilection for using pricing to correct market failures. After all, when there is a disparity between marginal private costs and marginal social costs, doesn’t it make sense to “correct” the market failure by a tax (carbon price) that equates the two? The sole role of the economist then is to calculate the marginal social costs of carbon!
    If only life were so simple. Among the many market failures are an incomplete set of risk markets, associated in part with inherent imperfections of information. And the late Marty Weitzman showed that there were circumstances where regulations (quantity restrictions) would be preferable to price interventions (Weitzman, 1974), destroying the presumption in favour of pricing.“

    Aehnlich auch Tom Krebs in dem kürzlich hier besprochenen Artikel oder Interview. Somit lässt sich die ökonomische Sicht grob so zusammenfassen:
    CO2-Preis wichtiges (vielleicht: wichtigstes) Instrument ergänzt durch
    sinnvolle Regulierungen, um die Umstrukturierung der Wirtschaft voranzubringen.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Rolf Peter

      Funktioniert beides nicht.

      Indien und China (zusammen immerhin ein Drittel der Weltbevölkerung) werden weder Energiesteuererhöhungen noch in diese Richtung gehende “sinnvolle Regulierungen” (=Verbote) für ihre Bevölkerung durchsetzen.

      Von Staaten wie Afghanistan oder gar Somalia ganz zu schweigen, in letzterem Staat gibt es nicht einmal eine funktionierende Regierung, die für das ganze Land irgendetwas durchsetzen könnte – und westliche Militärinterventionen, um das zu ändern, sind jeweils krachend gescheitert.

      Da darf man als deutscher grüner Gutmensch nicht einmal drüber nachdenken, obwohl man natürlich sonst immer betonen muss, dass der “Klimawandel” ein globales Problem sei.

      Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Rolf Peter

      >Das DIW erklaert, ein CO2-Preis sei nicht hinreichend>

      Genauer (Zitat):

      >Allein entfaltet die Bepreisung von CO2-Emissionen keine ausreichende Wirkung, um die notwendigen Veränderungen in der geforderten Geschwindigkeit zu erreichen. Grund dafür ist unter anderem, dass Konsument:innen nicht ausreichend auf Preissignale reagieren und daher ein wirksamer CO2-Preis so hoch sein müsste, dass er sich aufgrund regressiver Verteilungseffekte nur schwer durchsetzen ließe.>

      Ist die nicht ausreichende Reaktion der Verbraucher eine HINREICHENDE Begründung, um von einer ALLEINIGEN Bepreisung von CO2 abzurücken?

      Ich glaube, dass es a) diese Reaktion geben und b) dass aufgrund dieser Reaktion das Ziel in 2045/2050 NICHT erreicht würde.

      Daher bin ich der Auffassung, dass soziales VERHALTEN als Begründung des DIW trägt.

      Stiglitz bezieht sich demgegenüber auf soziale KOSTEN, was etwas anderes ist, obwohl soziales Verhalten natürlich einen Einfluss auf soziale Kosten hat.

      Zum anderen begeht Stiglitz hier den FEHLER, der seit Akerlofs lemon-Aufsatz zum Informationsdefizit beim Gebrauchtwagenverkauf ein eingeübter Fehler ist:

      Wo der Markt als Organisationsprinzip Wünsche erfüllt – mit welcher Effizienz auch immer – versagt er NICHT.

      In Bereichen, in denen er unsere Wünsche erfüllen SOLL, sie aber NICHT erfüllen KANN, überschreitet er seine funktionale Reichweite, versagt aber NICHT.

      Kurzum:

      Stiglitz redet von MARKTVERSAGEN, wo keines vorliegt, der Markt allerdings etwas leisten soll, was er seiner Funktionalität nach PRINZIPIELL nicht leisten kann.

      Aus ÖKONOMISCHER Sicht kann man daher zusammenfassen:

      CO2-Preis als Instrument für VERURSACHUNGSBEZOGEN rational gewichtete Minderung der CO2-Emissionen UND Regulierung im Format dirigistischer Eingriffe GEGEN die in Märkten realisierten Präferenzen der Verbraucher sind notwendig, um auf den PFAD zum Ziel 2045/2050 zu gelangen.

      Ob das Ziel dadurch erreicht werden kann oder nicht, ist eine ganz andere Frage.

      Antworten
  8. Susanne Finke-Röpke
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: “Voraussetzung ist allerdings, dass die kommende Bundesregierung erkennt, dass das Motto „Es-wird-schon-gut-gehen“ nicht zur Sicherung von Wohlstand hierzulande taugt.”

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter, Sie setzen implizit voraus, dass die Bundesregierung überhaupt ein Interesse am Wohlstand des Landes hat. Das habe ich bei den letzten Bundesregierungen nicht erkennen können und bei den meisten Bewerbern bei der Wahl übermorgen sehe ich da auch keine Motivation. Sie dürfen nicht von sich auf andere schließen!

    Antworten
    • Rolf Peter
      Rolf Peter sagte:

      Herr Stelter kritisiert so ziemlich alles und auch das Gegenteil davon. Parteiprogramme sind nicht dazu da, konkrete Pläne zur Verwirklichung detaillierter Ziele und Zwischenziele zu formulieren.
      Wuerden sie es dennoch tun, wuerde Herr Stelter die „Anmassung von Wissen“ kritisieren.

      Kürzlich hat er noch geschrieben, wir sollten noch keine Strategie entwickeln, weil in Zukunft alles billiger wird.

      Ganz offensichtlich handelt es beim Klimawandel um ein langfristiges Problem von einem Umfang und einer Komplexität, zu denen keine Erfahrungen bestehen. Daher werden alle (!) Loesungsvorschlaege bestenfalls mehr oder weniger unvollkommene Versuche darstellen, das Problem „irgendwie“ anzugehen.

      Herr Stelters Ausweichtaktik hilft da überhaupt nicht weiter. Er versucht halt zu bremsen, wo es geht.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Rolf Peter

        >Parteiprogramme sind nicht dazu da, konkrete Pläne zur Verwirklichung detaillierter Ziele und Zwischenziele zu formulieren.>

        Richtig.

        Parteiprogramme sind aber auch NICHT dazu da, die Gesellschaft mit UNHALTBAREN Versprechungen auf Ziele hin zu verpflichten, die NICHT erreicht werden können.

        >Ganz offensichtlich handelt es beim Klimawandel um ein langfristiges Problem von einem Umfang und einer Komplexität, zu denen keine Erfahrungen bestehen.>

        Auch richtig.

        Aber nicht VOLLSTÄNDIG richtig.

        Das Problem kann bei WACHSENDER Weltbevölkerung und den PRÄFERENZEN von Menschen in Staaten, über die wir nicht bestimmen können, NICHT gelöst werden.

        Warum blenden Sie das aus oder glauben Sie wirklich, dass es in der Zeitspanne, in der es gelöst werden MÜSSTE, gelöst werden kann?

        Ich würde gern etwas dazu hören von Ihnen.

    • Rolf Peter
      Rolf Peter sagte:

      „Sie dürfen nicht von sich auf andere schließen!“

      Herr Stelters Wohlstandskonzept lässt sich auf das Wachstum des BIP als „harte Größe“, die den „tatsächlichen“ Wohlstand misst, reduzieren.
      Selbst, wenn er ins Schwarze trifft, schiesst er damit sozusagen auf die falsche Zielscheibe.
      Ein Politiker hat ein wesentlich komplexeres Problem zu lösen bzw. zu „managen“, denn lösen im eigentlichen Sinne kann man es nicht.
      Erstens lässt sich Wohlstand nicht auf das BIP reduzieren, und das gilt in Zukunft noch mehr als heute, und zweitens ist überhaupt nicht klar, was der Wohlstand eines Landes eigentlich ist. Gibt es überhaupt so etwas wie den Wohlstand eines Landes oder das nationale Interesse?

      Antworten
      • Hans Severin
        Hans Severin sagte:

        @-Rolf Peters Gibt es überhaupt so etwas wie den Wohlstand…

        Sehr gute Frage. Wohlstand heißt im Englischen “prosperity” und “prosperous” als Mensch zu sein bezieht sich nicht nur auf materielles Wohlergehen. Da kommt dann auch die Sinnfrage ins Spiel. Nur nach materiellem Reichtum zu streben führt leicht zu Verdruß, denn auch die Erfüllung a l l e r Wünsche schafft keinen inneren Frieden, sondern zur Auflösung aller Ordnung, wie wir das gerade erleben.
        Abgesehen davon, gibt es kein Ende der Wünsche, denn der “Wunschmacher” produziert postwendend neue.

        Ohne Anbindung an etwas “Höherem” werden die Menschen orientierungslos und unzufrieden. Passend dazu aus meiner momentanen Lektüre der freundlichen Belehrung:

        Bemüh dich nicht um Leibes Wahrung,
        Der Schöpfer ist´s, der dich erquickt.
        Die Brüste strömen ihre Nahrung,
        Sobald ein Kind die Welt erblickt.

        und weiter

        Der, der die Schwäne weiß gemacht
        Und grün die Papageien,
        Den Pfauen gab der Farben Pracht,
        Sorgt auch für dein Gedeihn.

        und passend zu diesem Blog:

        Das Geld bringt Schmerzen, geht´s dahin,
        Und Leiden bringt es beim Erringen,
        Im Glück betört es deinen Sinn.
        Wie sollten Schätze Freude bringen?

    • Hans Severin
      Hans Severin sagte:

      In “Die freundliche Belehrung” heißt es passend dazu:

      Der König sei ein wackrer Kapitän,
      Die Untertanen wackre Steuersleute,
      Sonst muss das Vaterland zu Grunde gehn,
      Wird, wie ein Schiff, des wilden Meeres Beute.

      Setzen wir darauf, dass genug Menschen- egal ob als “Kapitän” oder als “Steuersleute” zur Besinnung kommen. Wenn nur 5 % der Menschen, die zur Wahl gehen um für das “Gute” zu stimmen, egal für welche Partei, dieses “Gute” jeden Tag praktizieren und leben würden, würde es reichen um eine Wende zu ermöglichen.

      Antworten
  9. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Zuerst einmal:

    Es ist dem Artikel hoch anzurechnen, die Parteiprogramme so unter die Lupe zu nehmen und sie messerscharf auf ihre Tauglichkeit für die Gestaltung des Landes zu prüfen.

    Nicht minder verdienstvoll ist es, die „Wissenschaft“ auf den Prüfstand zu stellen, etwa die Studie des DIW betreffend.

    Die Beurteilung ist angebracht:

    Parteiprogramme und Gefälligkeitsgutachten sind ein DESASTER – unwürdig und letztlich verachtend, derartige Auswürfe an vernünftige Menschen zu adressieren.

    Wer auf WIRKUNG schielt, tut es und wird nach Lage der Dinge bei einer weitgehend uninformierten Bevölkerung durchaus Erfolge einfahren.

    Das gesagt, ist als zweitens hinzuzufügen:

    Es ist nicht hinnehmbar – insbesondere auch nicht bei dem Anspruch, der mit der Kritik gesetzt wird – von einem „echten Neustart“ für die Klimapolitik zu sprechen, wenn es den NICHT geben kann.

    Ich hatte es schon einmal gesagt und wiederhole es – in dem Punkt mit Zustimmung zu R. Ott:

    Wenn die Lösung bei uns nicht möglich ist, kann man sie nicht einfach ins Ausland schieben und durch Import realisieren wollen.

    Die Aussage:

    >Statt alles auf eine Karte zu setzen, sollten wir verstärkt nach Möglichkeiten suchen, grüne Energie zu importieren und unsere Mittel auf Forschung und Entwicklung konzentrieren.>

    ist IRREFÜHREND, weil NICHT haltbar.

    Denn weder mit importierter grüner Energie, noch mit Forschung und Entwicklung ist die Klimawende aufzuhalten – schon die Plausibilität spricht dafür, dass es so ist.

    Es dennoch tun zu wollen wie vorgeschlagen, setzt auch ALLES auf EINE Karte – und ebenfalls auf eine falsche.

    Wir brauchen gesellschaftlichen MUT, der Realität ins Auge zu schauen.

    Der gesamte Wahlkampf zeigt, dass wir ihn nicht aufbringen.

    Das ist das wahre VERSAGEN, für das wir teuer bezahlen werden.

    Antworten
  10. weico
    weico sagte:

    Aus Angst vor Linksrutsch? Deutsche Millionäre verlagern Vermögen in die Schweiz
    09.20 Uhr: Vor der Bundestagswahl flüchten reiche Deutsche laut Bankern und Steueranwälten mit ihrem Vermögen offenbar verstärkt in die Schweiz. Hintergrund: Sollten die Sozialdemokraten, Linke und Grüne an die Macht kommen, könnte die Wiedereinführung einer Vermögensteuer und eine Verschärfung der Erbschaftsteuer auf der politischen Agenda stehen. »Für die Superreichen ist das ein heißes Eisen«, sagt ein in Deutschland ansässiger und in der Schweiz tätiger Steueranwalt. »Unternehmerfamilien sind höchst beunruhigt.«
    Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der in Basel ansässigen Bank der Zentralbanken, zeigen, dass die Einlagen deutscher Haushalte und Unternehmen bei Banken in der Schweiz allein im ersten Quartal 2021 um fast fünf Milliarden Dollar auf 37,5 Milliarden Dollar gestiegen sind, wobei Aktien, Anleihen oder Finanzprodukte nicht berücksichtigt sind. Insidern zufolge halten die Zuflüsse an. Ein erfahrener Kundenberater einer großen Schweizer Bank, der hauptsächlich mit Deutschen zu tun hat, sagte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge: »Ich habe in den letzten drei Monaten überdurchschnittlich viele Neugeldzuflüsse verbucht.«

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-2021-im-news-update-fridays-for-future-ruft-zu-klimastreik-in-mehr-als-400-deutschen-staedten-auf-a-67a39d40-f301-4605-9ab7-5f6972d7cb05

    Die “Reichsfluchtsteuer” bzw. moderner Ausgedrückt die “Wegzugsbesteuerung” wird 2022 ja ebenfalls verschärft und die GRÜNEN-Pläne einer Besteuerung nach Nationalität , steht ja ebenfalls noch im Raum..!

    Es gibt aber auch Stimmen die sagen, die Flucht sei wegen der steigenden Inflation bzw der. Energiepreise. Ups..

    Antworten
  11. weico
    weico sagte:

    “bto:Wir haben schon heute die höchsten Strompreise Europas. Und dies nicht trotz, sondern wegen der Erneuerbaren Energien, da diese immer einen Back-up brauchen für wind- und sonnenarme Tage. Nun schalten wir alles relevante Grundlastfähige ab und hoffen auf einen noch zu realisierenden technischen Fortschritt, um die Lücken zu schließen – oder auf Importe aus Kohle- und Atomkraftwerken der Nachbarn.

    Wer hier auf ein beschleunigtes „Weiter-so“ setzt, der gefährdet die Zukunft des Landes. Wir brauchen dringend einen Neustart in der Klimapolitik.”

    Die Altparteien setzen auf ein “Weiter-so” und von einem Neustart ist absolut NICHTS zu sehen.
    Nach den Wahlprognosen zu urteilen, wird es mit der “Weiter-so-Energiewende” …. bald so richtig losgehen !
    Der Gesamttenor der Altparteien: “Wir haben viel zulange gewartet…jetzt erst recht und zwar schnell….!”

    Das kommende Energie- und Energiekostendilemma, müssen sich die ehemals bürgerlichen Parteien selber zuschreiben und mitverantworten . Sie liessen sich schlicht vom medialen Klimahype “vergrünen” und sind tief ins “linke Fahrwasser” abgedriftet !

    Der ehemalige Chefredaktor der “Welt” und heutige Chefredaktor und Verleger der “Weltwoche”, Roger Köppel, bringt das EIGENTLICHE Problem Deutschlands …aus Schweizer Sicht …TREFFEND auf den Punkt.

    Weltwoche Daily Deutschland, 24.09.2021
    https://www.youtube.com/watch?v=41blc6LZgis

    Antworten
  12. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    bto: “Statt alles auf eine Karte zu setzen, sollten wir verstärkt nach Möglichkeiten suchen, grüne Energie zu importieren”

    Jetzt geht das hier auch schon los, die naive Hoffnung auf nennenswerte “grüne” Energieimporte, die sich von irgendwoher ganz durch Zauberei materialisieren sollen, damit man noch ein paar Jahre hinauszögern kann, bis man es zugeben muss, dass der ganze “Klimaneutralitätsplan” schwachsinnig und unrealisierbar ist.

    Aber gut, ich kenne eine ganz simple Möglichkeit, “grüne Energie” sogar aus unseren Nachbarländern zu importieren – was den großen Vorteil hat, dass wir nicht mit durchgeknallten Wüstenislamisten in Schutzgeldverhandlungen über Solarfelder in der Sahara eintreten müssen.

    Atomstrom aus Frankreich und Tschechien. Garantiert 100% “CO2-frei”.

    Anruf bei EDF und ČEZ genügt.

    Antworten
    • Lele Castello
      Lele Castello sagte:

      Ich frage mich sowieso schon länger, wieso ich keinen Strom in Frankreich kaufen darf. Schliesslich bin ich EU Bürger und Eurobonds gibts jetzt auch. Die Roaminggebühren wurden ja auch abgeschafft.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Lele Castello

        Bei der Errichtung eines europäischen Binnenmarktes für Strom gibt es gleich mehrere Probleme:

        Strom lässt sich nicht verlustfrei über so große Entfernungen transportieren wie sie durch die flächenmäßige Ausdehnung der EU eigentlich nötig wären. Da hilft auch nicht das Hochtransformieren auf Hochspannung, bei tausende Kilometer langen Stromleitungen haben Sie trotzdem erhebliche Leitungsverluste. Wir bräuchten schon Supraleiter als Stromleitungen damit das ginge, aber das funktioniert nur im Labormaßstab, nicht im großtechnischen Alltag. (erzählen Sie das aber bloß nicht denjenigen, die vom Import großer Mengen “grünen Stromes” für Deutschland träumen, die werden dann ganz schnell pampig…)

        Die Stromnetze sind größtenteils so zugeschnitten, dass eine Netzgrenze mit einer Staatsgrenze zusammenfällt.

        Strom in Deutschland ist massiv mit Steuern und Abgaben belegt, womit wiederum die Erzeugung von Strom aus “erneuerbaren Quellen” subventioniert wird, die im deutschen Stromnetz auch noch eine Einspeisegarantie genießen. Was passiert mit diesem nationalen Regulierungsrahmen in einem europäischen Binnenmarkt? Wird der auf die ganze EU ausgeweitet? Die anderen Länder würden massiv protestieren. Oder wird er abgeschafft? Dann drehen die Klimahüpfkids und die Subventionsempfänger aus der deutschen Grünklientel durch. Bleibt er nur für in Deutschland produzierten Strom bestehen? Dann wird den niemand mehr kaufen wollen, von einigen Hardcore-Grünvegan-Ideologen mal abgesehen.

        Ich würde mir sofort tschechischen Atomstrom kaufen, wenn ich könnte. Ist doch klar, dass mich der gründeutsche Abzocker- und Ideologenstaat das nicht einfach so machen lässt, da muss ich schon komplett hinter die Grenze ziehen, solange noch keine neue Mauer steht: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/151260/umfrage/strompreise-fuer-industriekunden-in-europa/

      • Lele Castello
        Lele Castello sagte:

        @Richard Ott
        Soweit ist das nicht. Wenn ich über den Rhein schaue so 10-12 km bis zum Fr. Strommast. Ich würde dann meinen CO2 Fussabdruck erheblich verringern. Laut der Karte von weico https://app.electricitymap.org/zone/DE
        sind das gerade 276-54 = 222g spez. Co2 Emissionen. Das lässt sich bestimmt umrechnen in CO2 Zertifikate. Die lass ich mir dann, weil ich so ein vorbildlicher deutscher Co2 Sparer bin, von der neuen Bundesregierung geben.

    • weico
      weico sagte:

      @Richard Ott

      “Atomstrom aus Frankreich und Tschechien. Garantiert 100% “CO2-frei”.
      Anruf bei EDF und ČEZ genügt.”

      Sie werden sicherlich sehr gerne liefern, wenn sie können!
      Natürlich zu einem angemessenen Preis bzw. sonstigen politischen Gefälligkeiten/Vergünstigungen. Ups..

      Antworten
    • Dr. Lucie Fischer
      Dr. Lucie Fischer sagte:

      @Richard Ott
      Grosser Irrtum zu glauben, Frankreich könne oder wolle im Ernstfall Energie exportieren:
      in Lokalblättern wird hier seit Monaten auf zu erwartende Engpässe mit ev. notwendigen
      ” Stromzuteilungen” hingewiesen, mit wechselnden Begründugen: meist werden dringende Wartungsarbeiten benannt.
      Vor ca 5 Jahren ( finde die Quelle nicht mehr ) machte ein statement von damals Präsident Hollande in der FAZ Furore, wo er ausschloss, dass die Force der Frappe im Angriffsfall Deutschland verteidigen würde:
      Frankreich first, da sind sich hier aber alle einig.
      Illusionen führen zum Ruin, ein gutes Gewissen hilft beim Versagen, vielleicht.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Doc Fischer

        “Grosser Irrtum zu glauben, Frankreich könne oder wolle im Ernstfall Energie exportieren:
        in Lokalblättern wird hier seit Monaten auf zu erwartende Engpässe mit ev. notwendigen
        ” Stromzuteilungen” hingewiesen, mit wechselnden Begründugen: meist werden dringende Wartungsarbeiten benannt.”

        Oh je. Sind die “Wartungsarbeiten” auch schon für die Wintermonate angekündigt?

        “Vor ca 5 Jahren ( finde die Quelle nicht mehr ) machte ein statement von damals Präsident Hollande in der FAZ Furore, wo er ausschloss, dass die Force der Frappe im Angriffsfall Deutschland verteidigen würde:”

        Ach, das ist wieder diese imperiale französische Sicht, die moderne deutsche Neurosen einfach nicht nachvollziehen kann.

        Glauben Sie, Deutschland wöllte im Zustand seiner derzeitigen Degeneration überhaupt, dass Frankreich Atomwaffen einsetzt, um es militärisch zu verteidigen? Wissen Sie nicht, wie viel gefährliches CO2 bei so einer Atombombenexplosion freigesetzt wird?

        Soweit ich mich erinnern kann, hat Mitterand Kohl in den 1990ern ernsthaft angeboten, Deutschland im Rahmen einer engen Militärallianz auch mit französischen Atomwaffen zu verteidigen, was Deutschland de facto in den Rang einer Atommacht erhoben hätte, ohne selbst Atomwaffen zu besitzen. Schon damals lehnte Kohl ab, wahrscheinlich nicht nur aus Angst vor der Atomdebatte sondern auch aus Vasallentreue zu den USA. Hätten wir das französische Angebot damals angenommen, wäre die Geschichte der EU und vor allem der Eurozone sicher komplett anders verlaufen.

    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Richard Ott:

      Darauf wird es auch hinauslaufen, aber erst nach den ersten beiden längeren Blackouts. Im Moment sind außer einzelnen auch im Inland bekannten ausländischen Klimaschützern wie Bill Gates oder Greta Thunberg weite Teile der deutschen Bevölkerung gegen Kernenergie eingestellt. Ausnahme ist die AFD, die wegen ihrer Migrationspolitik und Klimathesen aber als rechtsextrem gilt; der Rest des selbst ernannten “demokratischen Spektrums” ist dagegen. Ohne “Aufwacherlebnisse”, sprich Stromausfälle, ist eine Änderung der Einstellung nicht zu erwarten. Die kommen aber irgendwann. Das wird allerdings in der grünen Partei erhebliche Kontroversen nach sich ziehen, wenn die Realität die Harmonie stört und die grüne Jugend auf WLAN und Tiefkühltruhen nicht verzichten mag.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        >Ohne “Aufwacherlebnisse”, sprich Stromausfälle, ist eine Änderung der Einstellung nicht zu erwarten.>

        Stromausfälle ist ein Szenario, was nicht auszuschließen ist, aber mit allen verfügbaren Möglichkeiten
        auszuschließen versucht werden wird, weil die Politik die verheerende Wirkung auf die Bevölkerung richtig einzuschätzen vermag.

        Ereigneten sie sich dennoch, wird von „Schaltfehlern“ geredet werden, als ob nur mal der Elektriker kommen müsste, um einen Lichtschalter zu tauschen.

        Denn Systemfehler darf es grundsätzlich nicht geben beim Kampf gegen den Klimawandel.

        Ein anderes Szenario, m. A. n. genauso wirksam ist der „Abschied von der Träumerei“ durch negative Konsequenzen der Energiewende, etwa dank Bepreisung und/oder Verschmutzungszertifikaten stark steigende Preise, zunehmender Arbeitslosigkeit, Eingriffe in die Lebensgestaltung (keine Dachterrasse mehr, stattdessen Solarpanele) etc.

        Wenn der Widerstand in der Öffentlichkeit wächst, die Umfrageergebnisse wie ein Stein fallen und die Parteibasis unruhig wird, können Koalitionen ganz schnell kippen.
        Ich würde derartige politische Mechanismen jedenfalls nicht unterschätzen.

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