Interview im FOCUS zu den Folgen eines Krieges um die Ukraine

Am 22. Februar 2022 sprach der FOCUS mit mir über mögliche wirtschaftliche Folgen eines Krieges:

FOCUS Online: Herr Stelter, was bedeutet der Russland-Ukraine-Konflikt für die Weltwirtschaft?

Daniel Stelter: Der Konflikt trifft auf eine fragile Weltwirtschaft, die sich von der Corona-Pandemie dank massiver staatlicher Hilfen und einer Liquiditätsflutung durch die maßgeblichen Notenbanken deutlich erholt hat.

FOCUS Online: Was zu einer hohen Inflation geführt hat.

Stelter: genau. Angesichts der weiter vorhandenen Angebotsstörungen und der schon seit Jahren zu geringen Investitionen in die Erschließung neuer fossiler Energiequellen (auch aufgrund des Drucks in der Klimapolitik) hat dies zu Inflationsdruck geführt. Als Folge hat sich in den USA, Großbritannien und auch in der Eurozone der Druck auf die Notenbanken erhöht, die geldpolitischen Zügel anzuziehen.

FOCUS Online: Mit welchen Folgen?

Stelter: Da gleichzeitig der Wachstumsschub nachlässt und die schon vor Corona gegebenen Probleme wieder offen zutage treten – hohe Verschuldung, Blasenbildung an den Finanzmärkten, geringe Produktivitätsfortschritte, einsetzender demografischer Wandel – wäre ohne weiteren externen Schock das Szenario einer Stagflation und auch erheblicher Turbulenzen an den von ewig billigem Geld der Notenbanken hängenden Vermögensmärkten realistisch gewesen.

FOCUS Online: Und nun kommt ein mögliches Kriegsszenario hinzu.

Stelter: das auf diese fragile Lage trifft. Dies kann nur negativ wirken: Die Preise für Rohstoffe, vor allem Öl und Gas steigen deutlich, dies noch mehr, wenn Sanktionen ergriffen werden. Es ist zwar realistisch, dass die OPEC unter massivem Druck des Westens die Förderung ausweitet, aber dies ist nur beschränkt möglich UND dauert etwas. Bei Gas ist die Lage schwerer aufgrund der begrenzten Verlademöglichkeiten für LNG. Höhere Energiepreise treiben zunächst die Inflation weiter, wirken aber in Wahrheit rezessiv, weil die Kaufkraft sinkt. Wir werden also einen Rückfall in die Rezession erleben.

FOCUS Online: Wie werden die Notenbanken darauf reagieren?

Stelter: Die Notenbanken werden aufhören zu bremsen und eher wieder auf das Gaspedal drücken, die Staaten noch mehr Schulden machen. Im Ergebnis führt uns das noch weiter hinein in die Sackgasse aus zu hohen Schulden und (nach einem temporären Schock) weiter zu hohen Vermögenspreisen.

FOCUS Online: Wie lautet Ihr Fazit zu dem Konflikt?

Stelter: Russland trifft auf einen anfälligen Westen. Und offen ist übrigens, wie anfällig Russland wirklich für Sanktionen ist.

FOCUS Online: Wie sollen sich Anleger jetzt verhalten?

Stelter: Panik ist nie ein guter Ratgeber. Man muss aber wissen, dass die Börsen schon seit einigen Wochen angeschlagen sind. Die meisten Vermögensmärkte hängen an der Politik des billigen Geldes, das gilt für Aktien, aber auch für Immobilien! In den USA beispielsweise sind Immobilien teurer als vor der Finanzkrise!

FOCUS Online: Wenn nach Ihrer Ansicht die Notenbanken aber wieder eine expansivere Geldpolitik betreiben müssen, was passiert dann?

Stelter: Bisher sah es so aus, als würde die Politik des billigen Geldes enden, was zu Druck auf den Märkten geführt hat. Dieses Risiko dürfte sinken, was positiv wirkt auf die Preise. Umgekehrt dürfte die Welt aufgrund der steigenden Energiepreise in eine Rezession stürzen. Das wiederum ist schlecht für die Ertragskraft der Unternehmen.

FOCUS Online: Zwei Faktoren heben sich auf?

Stelter: Es stellt sich die Frage: Was wiegt schwerer? Der Rückgang der Erträge oder der fehlende weitere Anstieg der Zinsen. Vermutlich trifft der Ertragsrückgang schwerer und die Märkte bleiben unter Druck.

FOCUS Online: In der Vergangenheit hatten politische Börsen kurze Beine.

Stelter: Normalerweise würde man angesichts der Geschichte dafür plädieren, ruhigen Kopf zu behalten, erholen sich Märkte doch bei einem kurzen Konflikt schnell. Heute wissen wir aber nicht, wie lange es dauert und es trifft auf eine ohnehin schon schwache Weltwirtschaft mit einigen Problemen – siehe oben. Deshalb kann es sein, dass wir deutlich mehr Risiko nach unten als Potenzial nach oben haben.

FOCUS Online: Was sollen Investoren konkret tun?

Stelter: Wenn sie ein globales Portfolio haben und diversifiziert anlegen (Aktien, Immobilien, Gold, Liquidität), tun sie am besten nichts. Wenn es sie auf dem falschen Fuß erfasst hat, weil sie zum Beispiel kein Öl haben, dann laufen sie den Entwicklungen jetzt nicht nach, sondern warten ab, bis sich die Lage etwas beruhigt. Danach sollten sie das Portfolio umbauen und mehr solide Qualitätswerte und Öl- und Rohstoffwerte im Portfolio haben.

FOCUS Online: Und wer spekulativ unterwegs ist?

Stelter: Für Risikofreudige – Russland ist ein billiger Markt und hat, was die Welt braucht: Energie und Rohstoffe. Und wenn der Westen es nicht kauft, China kauft es. Insofern mag man mit einem langen Zeithorizont russische Aktien kaufen.

focus.de: „Die Weltwirtschaft wird in eine Rezession stürzen“, 22. Februar 2022

Kommentare (26) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. weico
    weico sagte:

    @Richard Ott

    “Jaja, der schlaue Westen: “Wir bekommen zwar vielleicht dabei Hyperinflation, aber wir können unsere Staatsausgaben immer mit frisch gedrucktem Geld finanzieren!” :D :D :D”

    Wie sagt doch Habeck :
    “Am Ende ist es nur Geld”…”Wenn die Situation es erfordert, werden die nötigen Geldmittel lose gemacht.«”

    “Habeck sagte, dass die Krise zu einer Zäsur der deutschen Energiepolitik führen müsse. »Ich erwarte einen föderalen Konsens, dass wir jetzt ernst machen und nicht über Verfahren reden, um Stromnetze, Kraftwerke oder erneuerbare Energien auszubauen.« Die Bundesregierung sei bereit, dafür hohe Kosten in Kauf zu nehmen: »Am Ende ist es nur Geld. Hier geht es um die nationale Sicherheit. Wenn die Situation es erfordert, werden die nötigen Geldmittel lose gemacht.«”

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/russland-ukraine-konflikt-robert-habeck-spricht-von-massivem-landkrieg-in-europa-a-d974dd41-401c-4e1d-ba55-71da11d445c7

    Habeck will somit einfach die demokratischen Rechte vernachlässigen bzw. aushebeln und ….”jetzt ernst machen und nicht über Verfahren reden, um Stromnetze, Kraftwerke oder erneuerbare Energien auszubauen.”

    Mit solch einem “Demokratieverständnis”… fängt das SOZIALISTISCHE Pflänzchen ja bekanntlich an zu WACHSEN …

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @weico

      Tja, ein lupenreiner Sozialist und Planwirtschaftler, der grüne Genosse Habeck. Langsam dürfte es auch für die Begriffsstutzigen, von denen es in Deutschland ja viele gibt, offensichtlich werden.

      “Ich erwarte einen föderalen Konsens, dass wir jetzt ernst machen und nicht über Verfahren reden, um Stromnetze, Kraftwerke oder erneuerbare Energien auszubauen (…) Am Ende ist es nur Geld. Hier geht es um die nationale Sicherheit. Wenn die Situation es erfordert, werden die nötigen Geldmittel lose gemacht.”

      Hihi, er will also ganz ohne russische Energieimporte auskommen? Und gleichzeitig noch Atomausstieg und Kohleausstieg und Elektromobilität, alles wegen unserer durchgeknallten Kliemer-Sekte? Das wird richtig teuer.

      Dann bekommen wir tatsächlich Hyperinflation und haben am Ende -bestenfalls- ein Energieversorgungssystem, das so extrem teure Produktionskosten für grundlastfähigen Strom und “grüne” Brennstoffe hat, dass die deutsche Exportindustrie pleite geht oder aus dem Land flüchtet. Und schlimmstenfalls bekommen wir Strom- und Brennstoffrationierung wie in einem Dritte-Welt-Land.

      Wie will Habeck eigentlich russische Importe von Nicht-Energie-Rohstoffen ersetzen? Genehmigen dann die Grünen aus Gründen der “nationalen Sicherheit” plötzlich neue Bergbau-Projekte in Deutschland und dem Rest der EU? Lagerstättenausbeute egal, wir drucken einfach so viel Geld wie nötig ist, um die Abbaukosten zu decken?

      Eine haarsträubende Idiotie.

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  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Baerbock:

    „Frieden und Freiheit in Europa haben kein Preisschild“.

    Wenn man einmal ökonomisch über den Tellerrand hinausblickt, heißt dies:

    Amtliche Volksverdummung.

    Welche Szenarien man auch annimmt jenseits der Kurzfristeffekte:

    Russland wird die Ukraine durch sein Drohpotenzial destabilisieren und muss dafür keinen Krieg anzetteln.

    Darunter leidend die Investitionen, Wohlstand würde eher ab als zunehmen, das Land wird perspektivisch in eine immer schwierigere Lage kommen und könnte u. a. auch durch die Abwanderung jüngerer Menschen irgendwann nicht mehr regierbar werden.

    Wie kann dennoch für mehr Investitionen gesorgt werden?

    Der Staat muss bei der Besteuerung von Unternehmen Zugeständnisse machen und wird sich vermehrt verschulden müssen.

    Der Westen muss direkt durch Transfers und auch indirekt durch Handelserleichterungen helfen.

    Die Investitionen westlicher Unternehmen müssen abgesichert werden.

    Das verlangt eine stärkere bilaterale Aufrüstung der Ukraine, nachdem ein Beitritt zur NATO ausgeschlossen ist, und es verlangt die Absicherung von Kreditausfällen.

    Das alles kostet EUR Mrd., Mrd., Mrd. …

    Natürlich alles ohne Preisschild, da dies in Nebenhaushalten bzw. in der EU untergerbracht wird.

    Kurzum:

    Der Preis wird in Europa bezahlt, die Investitionen kommen vielfach aus USA.

    Antworten
  3. weico
    weico sagte:

    Zum Thema Sanktionen:

    Verhungern werden die Russen sicherlich nicht und Erdgas/Öl haben sie ebenfalls zu genüge. Auch die Produkte-Abnehmer sind zahlreich vorhanden.

    https://www.topagrar.com/markt/news/russland-wandelt-sich-mit-aller-kraft-zum-fuehrenden-agrarexporteur-12497025.html

    Die russische “Datscha-Selbstversorgungskultur” und “Samogon” ist auch Leuten im Westen “wohlbekannt” und “Machoka/Papirossa” ist jedem Konsalik bzw. Schalamow-Leser sicherlich noch ein Begriff.

    Fazit:
    Sanktionen schaden nur den Ländern, die die Sanktionen aussprechen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ weico

      >Sanktionen schaden nur den Ländern, die die Sanktionen aussprechen.>

      „nur“ ist Falsch.

      In Leningrad, Moskau und anderen großen Städten gibt es vor allem für den BEDARF der jüngeren Menschen KEINE „Datscha-Selbstversorgungskultur“.

      Hier liegt das längerfristige Risiko für Putin.

      Denn auch in Russland gibt es einen Trend zur Verstädterung.

      Die Menschen in den Metropolen sind anders informiert, haben andere Bedarf und ticken daher anders als die auf dem Land.

      Das ist nicht nur bei uns so.

      Der UNTERSCHIED insgesamt:

      In Russland ist das Leidensniveau HÖHER, d. h. sie können eine relative Abnahme ihres Wohlstands leichter akzeptieren als die Menschen im Westen, OBWOHL ihr Wohlstandsniveau unter dem im Westen liegt.

      Antworten
  4. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Stelter: Russland trifft auf einen anfälligen Westen. Und offen ist übrigens, wie anfällig Russland wirklich für Sanktionen ist.>

    Dem anfälligen Westen bietet sich jetzt die Gelegenheit, seine „westlichen Werte“ mit einem PREISSCHILD zu versehen.

    Biden hat der amerikanischen Bevölkerung versichert, dass er sie vor Schmerzen an der Zapfsäule bewahren werde.

    Ich bin einmal gespannt, wie weit unsere Regierung und andere in Europa gehen werden, ihre Bevölkerung vor Schmerzen am Gashahn zu schützen.

    Insoweit stehen sie mit Russland im Wettbewerb der „Schmerzen für die Bevölkerung“.

    Wettbewerbsvorteil des Westens:

    Die Fiskalpolitik, die kompensieren muss, lässt sich nahezu problemlos finanzieren.

    Wettbewerbsvorteil Russlands:

    Die Sanktionen sind bereits eingepreist bei der Mehrheit der Bevölkerung.

    Unterm Strich, meine Einschätzung:

    Der Westen ist in der tendenziell schwächeren Position, weil seine Bevölkerungen sehr sensibel auf Wohlstandsverluste reagieren und die Regierungen ihnen diese als Preis für „westliche Werte“ nicht vermitteln kann.

    Für unsere friedens- und wohlstandsverwöhnte Bevölkerungen sind „westliche Werte“ GEGEBEN.

    Warum sollen sie etwas kosten?

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      “Wettbewerbsvorteil des Westens: Die Fiskalpolitik, die kompensieren muss, lässt sich nahezu problemlos finanzieren.”

      Jaja, der schlaue Westen: “Wir bekommen zwar vielleicht dabei Hyperinflation, aber wir können unsere Staatsausgaben immer mit frisch gedrucktem Geld finanzieren!” :D :D :D

      “Dem anfälligen Westen bietet sich jetzt die Gelegenheit, seine „westlichen Werte“ mit einem PREISSCHILD zu versehen. ”

      Wie viel würden Sie persönlich denn bezahlen?

      So verlogen wie die angeblichen “westlichen Werte” hier mittlerweile gelebt werden, sind die mir keinen Cent mehr wert.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich werde persönlich dafür bezahlen.

        Wieviel das ist, kann ich im Augenblick nicht sagen, liegt auch nicht in meiner Hand.

        Ich finde es jedenfalls richtig und bin bereit, dafür zu bezahlen.

        Wenn Ihnen die westlichen Werte KEINEN Cent mehr wert sind, warum wollen Sie dann dafür bezahlen?

        Migrieren Sie doch dorthin, wo Werte vertreten werden, für die sie bezahlen würden.

        Warum tun Sie es nicht?

        Weil Ihnen die Werte hier sehr wohl etwas wert sind – u. a. an diesem Blog posten zu können.

        Sie sind völlig UNGLAUBWÜRDIG mit Ihrer „kein Cent mehr wert“-Aussage.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Ich finde es jedenfalls richtig und bin bereit, dafür zu bezahlen.”

        Oh, das lief für die staatstreuen Deutschen in den letzten rund 100 Jahren aber immer schlecht! So viele Entbehrungen und am Ende gab es nur den “Gold gab ich für Eisen”-Ring aus dem 1. Weltkrieg als billiges Andenken an die eigenen Überlegenheitsdünkel und das komplett wertlose “Kraft durch Freude”-Sparbuch aus dem 2. Weltkrieg.

        https://www.egerlandmuseum.de/ring_0211/

        Ich hoffe, dass es für Sie persönlich teuer wird. Vielleicht lernen Sie noch etwas daraus.

        “Wenn Ihnen die westlichen Werte KEINEN Cent mehr wert sind, warum wollen Sie dann dafür bezahlen?”

        Ich bezahle nun wirklich schon genug Steuern jedes Jahr und habe keine Lust, das nächste moralschwachsinnige deutsche Großprojekt “Wir strafen das perfide Russland indem wir unsere eigene Energieinfrastruktur und unsere eigene Industrie ruinieren” auch noch zusätzlich mit zu finanzieren.

        Sind Sie eigentlich Netto-Steuerzahler in Deutschland oder können Sie sich bei der ganzen Diskussion hier einen schlanken Fuß machen, weil das, was Sie für die “westlichen Werte” scheinbar noch zusätzlich bezahlen wollen tatsächlich gar nicht von Ihnen erwirtschaftet wird?

        “Migrieren Sie doch dorthin, wo Werte vertreten werden, für die sie bezahlen würden. Warum tun Sie es nicht?”

        Wenn ich es tue, darf ich dann mein Unternehmen und mein Vermögen einfach so mitnehmen? Oder müsste ich schon an einen Parteifunktionär verkaufen und “Reichsfluchtsteuer” zahlen?

        “Weil Ihnen die Werte hier sehr wohl etwas wert sind – u. a. an diesem Blog posten zu können.”

        Wenn ich dafür bezahlen müsste, würde ich es nicht tun. Alles hat ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das ich maximal zu akzeptieren bereit bin. Für den Standort Deutschland verschlechtert sich das seit mehreren Jahren ganz rapide.

    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @markus

      Bitteschön.

      Falls es Sie interessiert, hier die OSZE-Webseite, wo jeden Tag der neueste Tagesbericht zum Download abgelegt wird, die höchst informative Heatmap mit allen beobachteten das Minsker Abkommen verletztenden militärischen Aktivitäten ist immer weit am Anfang des Dokuments und eine detailliertere Landkarte mit mehr eingetragenen Siedlungen auf der letzten Seite.

      https://www.osce.org/ukraine-smm/reports

      Im neuesten Tagesbericht für den 21. Februar genau das gleiche Bild, offensichtlich beschießt irgendjemand Stellungen der Separatistenrepubliken und zivile Einrichtungen über die ganze Kontaktlinie hinweg. Das werden kaum die Russen oder die Separatisten selbst sein, aber wenn eben diese OSZE-Berichte in unseren Medien beschrieben werden, dann klingt das verblüffenderweise plötzlich so:

      [aus dem “Ukrainekonflikt-Liveticker” von WELT]
      “10:48 Uhr – OSZE: Mehr als 1000 Explosionen in Ostukraine binnen 24 Stunden

      Im Konfliktgebiet in der Ostukraine haben internationale Beobachter erneut mehr als 1000 Explosionen registriert. Besonders betroffen war nach einem Bericht der Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Region Luhansk mit 1224 „Verstößen gegen den Waffenstillstand“, darunter 1149 Explosionen. In der Region Donezk lag die Zahl bei 703 Verstößen, darunter 332 Explosionen, wie die OSZE in der Ukraine mitteilte. Die Zahlen sind seit Tagen hoch. Die Beobachter besichtigten nach eigenen Angaben zerstörte Gebäude auf dem von ukrainischen Behörden kontrollierten Teil der Region.”

      Das ist nicht einmal sachlich falsch, aber es verschweigt eben die für die Beurteilung entscheidend wichtige Information, dass ein Großteil der Explosionen “in der Region Luhansk” und “in der Region Donetsk” IN DEN SEPARATISTENGEBIETEN auf deren Seite der Kontaktlinie beobachtet wurden und daraus folgt, dass die ukrainischen Regierungstruppen den im Minsker Abkommen vereinbarten Waffenstillstand permanent brechen.

      So geht professionelles Proaganda-Framing.

      Antworten
  5. Zweifler
    Zweifler sagte:

    „… bis sich die Lage etwas beruhigt. Danach sollten sie das Portfolio umbauen und mehr solide Qualitätswerte und Öl- und Rohstoffwerte im Portfolio haben…“

    Öl? Wenn sich die Lage beruhigt, kann Öl und Gas wieder billiger werden. Ok, dann kauft man zwar billig aber was ganz und gar nicht „Grünes“ (emotionslos, unabhängig von irgend einer persönlichen Einstellung) Ob das langfristig gutgeht?

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Zweifler

      Jaa, Öl. Öl-, Gas- und Rohstoffaktien liefen in letzter Zeit super, schon weil die Zentralbanken es einfach nicht schaffen, die Produkte dieser Konzerne zu drucken.

      “Ok, dann kauft man zwar billig aber was ganz und gar nicht „Grünes“ (emotionslos, unabhängig von irgend einer persönlichen Einstellung) Ob das langfristig gutgeht?”

      Na, glauben Sie, dass China, Indien und Afrika “langfristig” (sagen wir mal, zu ihren Lebzeiten, dann passt es gut zum persönlichen Anlagehorizont bei einem Aktieninvestment) kein Erdöl und kein Erdgas mehr verbrauchen werden?

      Antworten
  6. Wolfgang Selig
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: “Insofern mag man mit einem langen Zeithorizont russische Aktien kaufen.”

    Davon rate ich dringend ab, wenn man nicht in Russland selbst Aktien kaufen kann. Die an westlichen Börsen gehandelten ADR-Scheine, die russische Aktien nur replizieren, sind in höchstem Maße von Sanktionen gefährdet, da russische Energiekonzeren durchgängig der Staatsführung treu folgen. Für Leute, die die echten Aktien kaufen können, sieht dies anders aus, aber das dürften auf diesem Portal die allerwenigstens sein, z.B. die mit Wohnsitz und Depotbank in Russland.

    bto: “Heute wissen wir aber nicht, wie lange es dauert” Putin hat mit seiner Rede nicht nur das Existenzrecht der Ukraine, sondern auch das Selbstbestimmungsrecht anderer Länder wie z.B. das der baltischen Staaten in Frage gestellt. Es wäre ein Wunder, wenn die politischen Probleme jetzt aufhören würden.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Selig

      “Putin hat mit seiner Rede nicht nur das Existenzrecht der Ukraine, sondern auch das Selbstbestimmungsrecht anderer Länder wie z.B. das der baltischen Staaten in Frage gestellt.”

      Haben westliche Staaten wie zum Beispiel Deutschland das Existenzrecht und das Selbstbestimmungsrecht Serbiens 2008 in Frage gestellt, als sie Februar 2008 die Unabhängigkeitserklärung des Kosovo anerkannten?

      Oder ist es etwas völlig anderes, wenn Putin das gleiche macht wie der Westen, weil Putin ja angeblich verschlagen und böse ist und wir im Westen moralisch und gut? ;)

      Antworten
      • Wolfgang Selig
        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Ott:

        Ich denke, Ihre Frage zu Serbien kann man sowohl mit ja als auch mit nein beantworten. Ich würde nie behaupten, dass der Westen immer nur die Guten und der Osten immer nur die Bösen repräsentiert. Wie immer bei solchen Themen lässt sich ohne Sprachkenntnisse, Kontakte vor Ort, vertieftem historischen Wissen und 1.000 Kilometer entfernt im Fernsehsessel nur schwer ein eigenes Urteil bilden.

        Die Frage stellt sich wohl auch in Bezug auf Katalonien und Spanien oder Schottland und Großbritannien, Südtirol und Italien oder beim Baskenland. Und wahrscheinlich noch in vielen Regionen, von den ich nicht genügend weiß.

        Wann ist eine Region groß genug, um ein eigener Staat zu sein? Warum soll Kosovo kein eigener Staat sein und Monaco, Andorra und San Marino schon? Was hindert die Schweiz an der Übernahme Liechtensteins und Italien beim Vatikanstaat?

        Um es extrem zu formulieren: Wer entscheidet darüber, ob drei Familien auf der Nordsee auf ihren Halligen nicht einen eigenen Staat ausrufen dürfen oder nicht? Die kleinste Minderheit ist das Individuum, was ist damit?

        Was ich damit sagen will, ist: Sie finden keine Lösung, die allgemeingültig passt, nach dem Motto: Alle Gemeinschaften ab 100.000 Einwohner dürfen sich Nationalstaat nennen, wenn sie sich in einer Abstimmung gemeinsam dafür aussprechen. Es ist und bleibt ein ständig fließender Prozess mit Meinungsbildung, Abstimmungen, Migration, und ja, auch kriegerischen Auseinandersetzungen. So war es schon immer und wird es wohl leider auf absehbare Zeit auch bleiben. Die friedliche Trennung der Tschechoslowakei in Tschechien und die Slowakei ist leider die historische Ausnahme, genauso wie die deutsche Wiedervereinigung. Jemen, Korea, Taiwan, Bosnien-Herzegowina, die Westsahara, Timor, der Südsudan, Myanmar, Kashmir, Afghanistan, Syrien, die Kurdengebiete, Zypern und andere beweisen seit Jahren, dass die Auseinandersetzung eher der Normalfall ist.

        Immer wieder interessant dazu:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Krieg

      • weico
        weico sagte:

        @Wolfgang Selig

        “Immer wieder interessant dazu:
        https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Krieg

        Interessant ist besonders ein Blick auf die verschiedenen Karten, die schön aufzeigen, wie ..”Deutschland”… zersplittert war und zusammen mit einem grossen Teil Europas noch in der “Grenz-und Nationenfindungsphase” steckte, als andere Nationen schon (z.T. seit Jahrhunderten) ihre Grenzen gefunden haben ….und Demokratien waren.

    • Thomas M.
      Thomas M. sagte:

      @Hr. Selig: Waren ADRs von größeren Ländern wie z.B. Russland schon einmal von Sanktionen betroffen? Ich hab auf die Schnelle nichts gefunden… es erscheint schlüssig; aber vielleicht sind Aktien auch ausgeklammert bei diesen geopolitischen Manövern, weil der Sanktions-Hebel in diesem Falle nicht groß ist (Amis halten nicht so viele russische ADR) und die Gegensanktion mehr Schaden anrichten würde?

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        “Ich hab auf die Schnelle nichts gefunden… es erscheint schlüssig; aber vielleicht sind Aktien auch ausgeklammert bei diesen geopolitischen Manövern”

        ADRs sind aber rechtlich gesehen keine Aktien, sondern Zertifikate, wie das der Name “American Depositary Receipt” schon vermuten lässt. Da gibt es also einen Emittenten und eine Depotbank, und wenn die US-Regierung irgendwo in dem rechtlichen Beziehungsgeflecht reingrätschen will um den bösen Russen “den Zugang zum westlichen Finanzsystem zu erschweren”, dann könnte es echt kompliziert werden. Ich persönlich halte mich von Zertifikaten aller Art genau deswegen fern, weil ich mich nicht mit solchen Rechtsfragen beschäftigen will und viel lieber direkte Eigentumsrechte halte.

        Gegen das Szenario spricht, dass ein Herumpfuschen in ADRs den Finanzplatz USA schwer beschädigen würde (besonders die Chinesen würden das sehr genau beobachten) und vor allen Dingen, dass die Amerikaner aus offensichtlichen Gründen gerne Sanktionen vorschlagen, die den Europäern wirtschaftlich schaden, nicht jedoch den USA selbst. Die USA importiert ja weiterhin Rohöl aus Russland, obwohl Deutschland auf keinen Fall Nordstream 2 in Betrieb nehmen darf…

        Sie wissen ja, westliche Werte haben ihren Preis – zumindest für Europa. :D

      • Thomas M.
        Thomas M. sagte:

        @Hr. Ott:

        >Gegen das Szenario spricht, dass ein Herumpfuschen in ADRs den Finanzplatz USA schwer beschädigen würde […]

        Stimmt – und man träfe damit ja weniger Russland direkt, sondern zuerst einmal die oberen 1% und womöglich auch noch Pension-Funds, die in ADRs anlegen. Vielleicht käme vorher erst mal der “Klassiker”: Man darf keine neuen kaufen, bestehende bleiben aber im Depot liegen.

      • Wolfgang Selig
        Wolfgang Selig sagte:

        @Thomas M.: Nicht dass ich wüsste, aber die Russen hatten während des Sozialismus keine Aktien. ADRs Daher stellt sich die Frage jetzt völlig neu. Ich persönlich würde nicht gegen die US-Regierung wetten wollen. Wer überlegt, die Russen von SWIFT abzuklemmen, würde wohl auch vor so etwas nicht zwingend halt machen, unabhängig davon, wie man den ganzen Konflikt politisch bewertet.

        Zum Einstieg: https://de.wikipedia.org/wiki/American_Depositary_Receipt

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        “und man träfe damit ja weniger Russland direkt, sondern zuerst einmal die oberen 1% und womöglich auch noch Pension-Funds, die in ADRs anlegen.”

        In den USA haben 60% der Bevölkerung Aktien beziehungsweise irgendwelche in Aktien investierte Fonds, nicht nur das obere 1%.

        “Vielleicht käme vorher erst mal der “Klassiker”: Man darf keine neuen kaufen, bestehende bleiben aber im Depot liegen.”

        Wahrscheinlicher ist, dass man die betroffenen ADRs dann in den USA gar nicht mehr *handeln* kann, was effektiv einem Delisting gleichkommt – es sei denn, irgendein anderer Börsenplatz auf der Welt übernimmt das Listing, was wiederum grundsätzliche Hürden im örtlichen Wertpapiergesetz haben könnte, die nicht so leicht zu überwinden sind.

        Eventuell mal wieder ein Fall für die Börse Hamburg? Vielleicht würde es ja helfen, die ADRs in einem neuen Zertifikat zu verpacken, das dann nach deutschen Richtlinien über Finanzprodukte reguliert wird, quasi ein ADR²? ;) Aber was macht die Börse Hamburg, wenn sie dann selbst zum Ziel von US-Sanktionen wird?

        Vorbild sind vielleicht die Sanktionen der US-Regierung gegen Aktiengesellschaften, die angeblich zum chinesischen militärisch-industriellen Komplex gehören:

        “Similar to the prior order, the restriction on purchasing and selling publicly traded securities covers derivatives and securities designed to provide investment exposure to such securities. The new FAQs explain that this includes warrants, American depositary receipts (ADRs), global depositary receipts (GDRs), exchange-traded funds (ETFs), index funds, and mutual funds.5 The restrictions will apply irrespective of the CMIC securities’ share of the underlying index fund, ETF, or derivative thereof.”

        https://www.nortonrosefulbright.com/en/knowledge/publications/2d19bb99/us-expands-sanctions-targeting-investments-in-securities-of-chinese-military-companies

        Da ist es ja für einen Nicht-US-Investor (also einen, der weder amerikanischer Staatsbürger, noch irgendjemand ist, der sich gerade in den USA aufhält) noch relativ einfach, wenn die Börse in Hong Kong das Listing für die ADRs übernimmt. Die lassen sich auch nicht von US-Sanktionen beeindrucken. Da die russischen Finanzmärkte für internationale Investoren viel weniger offen sind, wäre das bei analogen Sanktionen ein viel größeres Problem.

        @Herr Selig

        “Ich persönlich würde nicht gegen die US-Regierung wetten wollen.”

        Ich langfristig schon. Die sind auf dem absteigenden Ast und machen es nicht mehr unbegrenzt lange. Sie sehen ja schon, wie konfus und erratisch die USA mittlerweile agieren und wie das Land im Inneren immer weiter degeneriert.

        “Wer überlegt, die Russen von SWIFT abzuklemmen, würde wohl auch vor so etwas nicht zwingend halt machen, unabhängig davon, wie man den ganzen Konflikt politisch bewertet.”

        Wenn Russland von SWIFT abgeklemmt ist, können übrigens auch russische Dividenden nicht mehr überwiesen werden…

  7. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    bto: “Für Risikofreudige – Russland ist ein billiger Markt und hat, was die Welt braucht: Energie und Rohstoffe. Und wenn der Westen es nicht kauft, China kauft es. Insofern mag man mit einem langen Zeithorizont russische Aktien kaufen.”

    Russische Aktien also solche sind definitiv ein solideres Investment als US-Staatsanleihen. Es gibt nur ein Problem: Außerhalb Russlands gibt es keinen direkten Weg, in sie zu investieren. Das geht für einen Anleger aus Deutschland nur über ADRs oder Derivate oder Fonds – und die sind alle potentielle Ziele für Sanktionen, wenn der Emittent eine Bank oder Investmentgesellschaft aus den USA oder irgendein Befehlsempfänger vom Vasallenkontinent Europa ist.

    Vielleicht lieber die andere Seite bespielen und in Europa produzierende Industriewerte verkaufen und dafür in US-Frackinggas long gehen? ;) Oder kann ich irgendwie ins Gasbusiness von Joe Biden und seinem hochbegabten Gasmarkt- und Ukraine-Experten-Sohn Hunter Biden in der Ukraine mit einsteigen?

    PS: Die Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ostukraine zeichnen übrigens ein völlig anderes Bild als die NATO-Kriegspropaganda in unserem Staatsfunk:

    https://www.osce.org/files/2022-02-20-21%20Daily%20Report_ENG.pdf?itok=82567

    Es gab letztes Wochenende deutlich mehr Waffenstillstandsverletzungen und Explosionen wie in der Region üblich, ungefähr vier- bis fünfmal so viel militärische Aktivität wie die OSZE-Beobachter in den letzten Wochen und Monaten üblicherweise gesehen haben. (Diagramme Seite 2)

    Und auf Seite 3 ist auch eine hochinteressante Karte. Die meisten Granateneinschläge und Explosionen für 19. und 20. Februar (also das Wochenende direkt vor dem Tag an dem die Separatistenrepubliken von Russland anerkannt wurden) sind im Separatistengebiet eingezeichnet. Wie ist das zu erklären, wenn laut unserer US- und NATO-Propaganda die Separatisten die Aggressoren sind die Berichte über Angriffe der Ukrainischen Regierungstruppen angeblich immer böse Propagandalügen von Putin sind? Sollen wir vielleicht glauben, dass die mit tausenden Granaten ihre eigenen Stellungen beschossen haben?

    Der Westen lügt.

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    • weico
      weico sagte:

      “Stelter: Russland trifft auf einen anfälligen Westen. Und offen ist übrigens, wie anfällig Russland wirklich für Sanktionen ist.”

      Sanktionen sind ein Segen für ein Rohstoff-Land wie Russland !

      Sogar der Landwirtschaft hat es damals sehr geholfen ,als 2014 Agrar-Sanktionen über Russland verhängt wurden. Sanktionen sind schlicht kontraproduktiv.

      Russland ist sogar so attraktiv für Schweizer Bauern geworden, dass es mehrere Dokumentationen im Schweizer Fernsehen gegeben hat, die über das erfolgreiche Leben von Schweizer Bauern in “den weiten Russlands” berichteten. Auf youtube problemlos zu finden.

      Nebenbei:
      Der Deutsche Stefan Dürr (Ekosem-Agrar) ist da natürlich noch eine bzw. mehrere Nummer(n) grösser, als die Schweizer…

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    • Namor
      Namor sagte:

      Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.

      Wie lange muss die Türkei eigentlich noch, ohne Kriegserklärung und völkerechtswidrig, in Nordsyrien stationiert bleiben, um sich das Gebiet als Teil der Türkei “anerkennen” lassen zu können. (War das jetzt richtiges Deutsch?!)

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