Die gefährliche Grat­wan­derung der EZB

Aufgrund der Rekord-Inflation im Euroraum sieht sich die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt gezwungen, die Zinsen anzuheben. Im Juli sollen die Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte steigen. Mutmaßlich ist es nicht der letzte Zinsschritt der Notenbank. Aber hat die Zinswende überhaupt den erwünschten Effekt? Eine Einschätzung des Cicero-Finanzexperten Daniel Stelter.

Nach nunmehr zehn Jahren der ultralockeren Geldpolitik hat die EZB erklärt, ab kommenden Monat die milliardenschweren Anleihekäufe einzustellen und die Leitzinsen in einem ersten Schritt um einen Viertelprozentpunkt zu erhöhen. Damit bleiben die Einlagenzinsen für Banken trotz einer Rekordinflation im negativen Bereich.

Inflation hat viele Erklärungen

Überhaupt die Inflation: Die EZB und ihr nahestehende Ökonomen werden nicht müde zu betonen, dass die Notenbank nichts dafür kann, wenn Lieferketten gestört, Öl knapp ist, schon gar nicht etwas für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Insofern könne die Notenbank auch wenig tun, außer eine ohnehin schon fragile Wirtschaft in die Rezession zu zwingen, um über den Umweg von Arbeitslosigkeit und Nachfragerückgang den Preisanstieg zu dämpfen. In der Tat eine Argumentation, die nicht von der Hand zu weisen ist.

Ohnehin gibt es keine einfachen Erklärungen für Inflation. Einige Ökonomen sehen Inflation immer als Folge von Kostendruck. Steigen irgendwo in der Lieferkette die Kosten, geben dies die verschiedenen Produktionsstufen weiter, bis es sich schließlich in der allgemeinen Preissteigerung niederschlägt. Andere wiederum, vor allem die Anhänger der Theorien von John Maynard Keynes, betonen die Schwankungen in der Nachfrage und setzen deshalb darauf, diese zu steuern. Weitere Ökonomen betonen, dass die Inflationsrate nicht richtig gemessen wird und vor allem die Preissteigerungen bei Vermögenswerten, vor allem Immobilien, in die Messung der Inflation einbezogen werden müssten. Nicht vergessen werden dürfen die Theorien zu den Folgen von Globalisierung und Deglobalisierung und natürlich der Demografie.

Jede dieser Inflationstheorien hat in der Vergangenheit funktioniert, aber eben nicht immer. Das gilt auch für eine Theorie, die in den letzten Jahrzehnten deutlich an Einfluss verloren hat: der Monetarismus. Kritiker der Geldmengenlehre der Inflation betonen zurecht, dass die Korrelation zwischen dem Wachstum der Geldmenge und der Inflationsrate in den letzten Jahrzehnten signifikant abgenommen hat. Bewirkte 1980 ein Anstieg der Geldmenge um 1%-Punkt noch eine Preissteigerung von 0,5%-Punkten sank der Wert auf 0,08. Dahinter stehen neben einem deutlichen Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes die Faktoren Globalisierung und Demografie und der Aspekt der deutlich gestiegenen Kreditvergabe zum Erwerb von Vermögenswerten. Die anderen Theorien waren einfach besser.

Die Notenbanken haben Mitschuld

2020 dürfte das Jahr sein, in dem der Monetarismus zu einer Renaissance ansetzte. Wer auf die Entwicklung der breiten Geldmengen achtete, konnte sehen, dass die Inflation kräftiger und nachhaltiger zurückkehrt. In der Spitze wuchs die Geldmenge M2 in den USA mit einer Jahresrate von 27,5 Prozent. In der Eurozone war es mit 11,5 Prozent deutlich weniger, aber immer noch mehr als doppelt so viel wie in den Jahren davor. Dieses Geld fachte die Nachfrage an, die in Kombination mit den unstrittigen Problemen auf der Angebotsseite zwangsläufig zu höherer Inflation führen musste. Regionen mit geringerem Wachstum der Geldmenge wie Japan und die Schweiz haben nicht zufällig auch geringere Inflationsraten.

Absehbar ist das auch am deutlichen Anstieg der Immobilienpreise. Wenn in den USA die Hauspreise innerhalb von zwölf Monaten um 18 Prozent steigen, hat das nichts mit Lieferkettenproblemen oder gestiegenen Energiepreisen zu tun. Es ist einfach die Folge von zu viel Geld, das Nachfrage schafft.

Insofern können die Notenbanken noch so sehr auf die Sonderfaktoren verweisen. Ohne die übermäßig großzügige Versorgung der Wirtschaft mit Geld hätte es diesen Inflationsschub nicht gegeben. Faktisch haben die Notenbanken den Staaten das Geld geliefert, welches diese im Zuge der Coronakrise in die Wirtschaft gepumpt haben. Dieses Geld findet seinen Weg in die Märkte und wenn die Märkte nicht liefern können, steigen die Preise.

Zu spät

Das Problem an der Rückbesinnung der EZB auf ihre eigentliche Kernaufgabe, die Sicherung der Kaufkraft des Geldes, statt der zuletzt verfolgten Ziele von Staatsfinanzierung bis zur Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel, liegt im Zeitpunkt. Nicht nur ist die Gefahr groß, dass die Inflation sich verfestigt. Genauso groß ist das Risiko, dass die Wirtschaft in die Rezession stürzt. Vergessen wir nicht, dass ein Zinsanstieg um einen Prozentpunkt, die Zinslast in der Eurozone und den USA um rund 3-Prozentpunkte vom BIP ansteigen lässt.

Insofern ist die EZB natürlich viel zu spät dran mit ihrem noch dazu überaus vorsichtigen Bremsmanöver. Der Punkt, an dem man die Wirtschaft nur leicht dämpfen musste, um den Preisanstieg und vor allem eine sich verselbstständigende Inflationsdynamik zu vermeiden, dürfte hinter uns liegen. Das Risiko einer deutlichen Bremsung der Realwirtschaft ist erheblich. Kein Wunder, dass die Börsen und Immobilienmärkte angesichts der weltweiten Verknappung an Liquidität – die US-Fed und die Bank of England haben schon vor Monaten angefangen zu straffen – den Rückwärtsgang einlegen.

Der Grat, auf dem die EZB wandert, wird immer schmaler. Strafft sie zu rasch, stürzen die Vermögensmärkte, kommen die Schuldner – nicht nur, aber vor allem auch die hoch verschuldeten Staaten der Eurozone – ins Straucheln und fällt die Wirtschaft in die Rezession. Strafft sie unzureichend, verfestigt sich die Inflation und das Vertrauen in das Geld schwindet. Mitleid haben die Notenbanker nicht verdient, haben sie uns doch in diese Situation geführt und durch ihr zögerliches Handeln die Absturzgefahr in beide Richtungen deutlich erhöht.

Daumen halten sollten wir trotzdem, dass es klappt. Im eigenen Interesse.

 cicero.com: “Der Weg aus dem Schlamassel wird zur gefährlichen Gratwanderung”, 10. Juni 2022

Kommentare (93) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    @ PW

    Entweder haben Sie meine Antwort an DT nicht richtig gelesen oder aber ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt. Für Letzteres spricht die Antwort von Christian Anders, die zwar völlig korrekt ist, aber nicht den Punkt trifft, auf den ich hinaus wollte.

    In meiner Antwort an Herrn Tischer hatte ich geschrieben:

    „Aber immerhin sind wir uns wohl einig, dass es um das Niveau geht und nicht um einzelne Preise. Damit sind Sie schon einen erheblichen Schritt weiter, als die offizielle Verwirrungs-Kommunikation der EZB, die nicht nur Zentralbank sein möchte, sondern sich auch noch zum zentralen Planungskomitee aufschwingt, wenn sie den Bürgern von Euroland verkündet:

    „Unsere Aufgabe ist, stabile Preise zu gewährleisten.“ […]

    Da fällt einem nun wirklich nichts mehr ein.“

    Sie schreiben sodann:

    „Art. 88 unseres Grundgesetzes sagt Ihnen aber etwas?“

    Aber selbstverständlich. Dort steht nämlich der gleiche Schmarrn:

    Preisstabilität!

    Preisstabilität ist ein konstituierendes Merkmal zentraler Planwirtschaften mit staatlichem Preisdiktat. Konträr hierzu das konstituierende Wesensmerkmal einer Marktwirtschaft.

    Preise haben eine Signalfunktion und passen sich den relativen Knappheitsbedingungen an. Über diese PreisANPASSUNGEN (also gerade nicht STABILITÄT) kommt es in Folge zu einer effizienten Ressourcenallokation.

    Hätten die Schreiberlinge des GG doch einfach mal im Stabilitätsgesetz von 1967 abgeschrieben. Aber das interessiert ja KEINEN; insbesondere nicht das außenwirtschaftliche Gleichgewicht. In dieser Zeit gab es doch tatsächlich noch ökonomische, juristische und linguistische Kompetenz. Dort steht klipp und klar nicht Preisstabilität, sondern an aller erster Stelle:

    „Stabilität des Preisniveaus“.

    N I V E A U ! ! !

    Dass der EZB hiermit eine Aufgabe auferlegt wurde, die sie überhaupt nicht erfüllen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt. Hierzu müsste sie über zusätzliche Instrumente verfügen, um in disinflationären oder gar deflationären Phasen gegensteuern zu können, wenn der Fiskalpakt mal wieder im Wege stehen sollte (Stichwort: Zentralbankfinanziertes Bürgergeld).

    Nun aber zu Ihren weiteren Irrungen, die insbesondere durch Hans-Werner Sinn verbreitet werden.

    „Konkret: die Europäische Zentralbank hat einen Dienstleistungsauftrag unter Vorbehalt.
    Sicherung der Preisstabilität ist im ureigentlichen Sinn: Null Prozent Inflation über den Tag, den Monat, das Jahr, die Dekade, usw.“

    Ureigentlich in wessen Sinne? Im Sinne von HWS kann es ja wohl nicht sein. Der ist zwar auch alt, aber sicherlich nicht ureigentlich uralt. Da gab es lange vor seiner Zeit kluge Menschen, die wussten, was passiert, wenn Geld nicht rostet, sondern zu einem eigenständigen Asset wird, das mangels Rostung/Inflation gehortet wird und somit dem Kreislauf entzogen wird. Das ist zugleich der WAHRE Hauptgrund, warum wir Geldwertstabilität nicht bei Null Prozent festmachen, sondern bei 2 Prozent. Auch Immobilien werden mit 2 % abgeschrieben. Bei Null Prozent landen wir im Hortungs-Erstarrungsmodus von König Midas.

    Im Mittelalter hatte man bereits verstanden, dass Geldhortung/Goldhortung zu einem Problem führt, aber man konnte es nur sehr eingeschränkt technisch lösen (Beimischung), da die Evolution des Geldsystems gerade erst begonnen hatte. Von daher hatte man sich zusätzlich auf die frühkindliche musische Prägung konzentriert, die aber wenig erfolgreich war. Johannes Beermann hatte uns hieran 2020 anlässlich der Jubiläumsveranstaltung „500 Jahre Erstprägung Taler“ erinnert: https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/-taler-taler-du-musst-wandern-geschichte-des-bargeldes-vom-taler-in-die-heutige-zeit–824616

    Aus systemischer Sicht hätt er aber besser vor dem „Glück auf“ mit dem Kinderlied enden sollen.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  2. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    @ PW

    Entweder haben Sie meinen Antwort an DT nicht richtig gelesen oder aber ich habe mich nicht klar genug ausgedrückt. Für Letzteres spricht die Antwort von Christian Anders, die zwar völlig korrekt ist, aber nicht den Punkt trifft, auf den ich hinaus wollte.

    In meiner Antwort an Herrn Tischer hatte ich geschrieben:

    „Aber immerhin sind wir uns wohl einig, dass es um das Niveau geht und nicht um einzelne Preise. Damit sind Sie schon einen erheblichen Schritt weiter, als die offizielle Verwirrungs-Kommunikation der EZB, die nicht nur Zentralbank sein möchte, sondern sich auch noch zum zentralen Planungskomitee aufschwingt, wenn sie den Bürgern von Euroland verkündet:

    „Unsere Aufgabe ist, stabile Preise zu gewährleisten.“ https://www.ecb.europa.eu/ecb/tasks/monpol/html/index.de.html

    Da fällt einem nun wirklich nichts mehr ein.“

    Sie schreiben sodann:

    „Art. 88 unseres Grundgesetzes sagt Ihnen aber etwas?“

    Aber selbstverständlich. Dort steht nämlich der gleiche Schmarrn:

    Preisstabilität!

    Preisstabilität ist ein konstituierendes Merkmal zentraler Planwirtschaften mit staatlichem Preisdiktat. Konträr hierzu das konstituierende Wesensmerkmal einer Marktwirtschaft.

    Preise haben eine Signalfunktion und passen sich den relativen Knappheitsbedingungen an. Über diese PreisANPASSUNGEN (also gerade nicht STABILITÄT) kommt es in Folge zu einer effizienten Ressourcenallokation.

    Hätten die Schreiberlinge des GG doch einfach mal im Stabilitätsgesetz von 1967 abgeschrieben. Aber das interessiert ja KEINEN; insbesondere nicht das außenwirtschaftliche Gleichgewicht. In dieser Zeit gab es doch tatsächlich noch ökonomische, juristische und linguistische Kompetenz. Dort steht klipp und klar nicht Preisstabilität, sondern an aller erster Stelle:

    „Stabilität des Preisniveaus“.

    N I V E A U ! ! !

    Dass der EZB hiermit eine Aufgabe auferlegt wurde, die sie überhaupt nicht erfüllen kann, steht auf einem ganz anderen Blatt. Hierzu müsste sie über zusätzliche Instrumente verfügen, um in disinflationären oder gar deflationären Phasen gegensteuern zu können, wenn der Fiskalpakt mal wieder im Wege stehen sollte (Stichwort: Zentralbankfinanziertes Bürgergeld).

    Nun aber zu Ihren weiteren Irrungen, die insbesondere durch Hans-Werner Sinn verbreitet werden.

    „Konkret: die Europäische Zentralbank hat einen Dienstleistungsauftrag unter Vorbehalt.
    Sicherung der Preisstabilität ist im ureigentlichen Sinn: Null Prozent Inflation über den Tag, den Monat, das Jahr, die Dekade, usw.“

    Ureigentlich in wessen Sinne? Im Sinne von HWS kann es ja wohl nicht sein. Der ist zwar auch alt, aber sicherlich nicht ureigentlich uralt. Da gab es lange vor seiner Zeit kluge Menschen, die wussten, was passiert, wenn Geld nicht rostet, sondern zu einem eigenständigen Asset wird, das mangels Rostung/Inflation gehortet wird und somit dem Kreislauf entzogen wird. Das ist zugleich der WAHRE Hauptgrund, warum wir Geldwertstabilität nicht bei Null Prozent festmachen, sondern bei 2 Prozent. Auch Immobilien werden mit 2 % abgeschrieben. Bei Null Prozent landen wir im Hortungs-Erstarrungsmodus von König Midas.

    Im Mittelalter hatte man bereits verstanden, dass Geldhortung/Goldhortung zu einem Problem führt, aber man konnte es nur sehr eingeschränkt technisch lösen (Beimischung), da die Evolution des Geldsystems gerade erst begonnen hatte. Von daher hatte man sich zusätzlich auf die frühkindliche musische Prägung konzentriert, die aber wenig erfolgreich war. Johannes Beermann hatte uns hieran 2020 anlässlich der Jubiläumsveranstaltung „500 Jahre Erstprägung Taler“ erinnert: https://www.bundesbank.de/de/presse/reden/-taler-taler-du-musst-wandern-geschichte-des-bargeldes-vom-taler-in-die-heutige-zeit–824616

    Aus systemischer Sicht hätt er aber besser vor dem „Glück auf“ mit dem Kinderlied enden sollen.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  3. Alexander
    Alexander sagte:

    Entweder die Notenbanken haben Macht den Markt zu beeinflussen oder keine.

    1) haben sie keine Macht wären Anleihekäufe sinnlos und Zinspolitik uninteressant.
    2) haben sie Macht manipulieren sie die Märkte innerhalb eines beliebig definierbaren Auftrages.

    Einen Mittelweg gibt es nicht.

    Tatsächlich haben Notenbanken sehr viel Macht und sind politischen Zielen (als Auftragnehmer) unterworfen.

    Wie im Krieg schießt niemand ohne Mun und westlichen Notenbanken haben alle Munition verschossen + die Kontrolle verloren, sie laufen jetzt den Mechanismen hinterher, die sich durch vergangene Politik in Gang brachten.

    Tatsächlich herrscht Rezession, die Konsumenten sind blank + überschuldet und die Geldwertstabilität nicht gegeben (€ minus 8% in 2021), eine Auslastung der Kapazitäten nicht möglich

    Finanzmarktwelt, Fed-Chef Powell begeht nächsten Fehler
    https://youtu.be/UnvSzxjt1Aw

    @Stoertebekker

    Putin ist per Definition das BÖSE, er darf alles und natürlich auch extreme Irre an der Front einsetzen.
    Kadyrows Leute sind auch keine Kindergärtner.

    Selenskji ist per Definition Friedensnobelpreisanwärter,
    er kann unmöglich durch das Innenministerium Nazis mit Pensionsanspruch versehen.

    Kapieren Sie das oder verschwenden Sie weiter unsere Zeit?

    Antworten
    • Stoertebeker
      Stoertebeker sagte:

      @Alexander

      Warum beleidigen Sie mich? Hab ich doch auch nicht.

      Es gibt für mich KEIN gut oder böse. Wenn Sie sich meine Posts ernsthaft durchlesen, erkennen Sie das auch. Es gibt Einzelhandlungen/-aspekte, die gut oder böse sind.

      Was ich aber nicht ausstehen kann, sind unlogische Argumentationen, wenn eine hidden agenda dahinter steht. Entnazifizieren mit Nazis in den eigenen Reihen – das passt einfach nicht. Eine Region, in der sich eine eigene Sprache mit eigenen Schriftzeichen entwickelt hat, als originär einem anderen Volk/einer anderen Volksgruppe zugehörig zu bezeichnen, das passt auch nicht. Jedenfalls nicht in MEINEM Logikverständnis. Kann ja bei anderen anders sein.

      Ob Sie durch das Lesen meiner Posts IHRE Zeit verschwenden, weiß ich nicht. SIE können es aber auch einfach lassen.

      Wünsche Ihnen trotzdem einen ruhigen Fronleichnamsausklang und приятного вечера oder auch الله معك

      Antworten
      • Alexander
        Alexander sagte:

        @Stoertebekker

        Sich verletzt geben ist genau so manipulativ, als ob ich Ihre Kommentare nicht ernsthaft läse.

        Unlogisch soll die Argumentation von Putin sein eine Entnazifizieren in Ukie zu betreiben, unter Verwendung von russischen Nationalsozialisten?

        Putin hält seinen Nationalstaat mit eiserner Faust zusammen, wie die NGO Demokratisierungsversuche in Georgien oder der Konflikt in Tscheschenien bewiesen.
        Sein Vorbild macht Schule, wie man in den anderen GUS Regimen wiedererkennt.

        ( Den Wolfsgruß kennen wir von türkischen Nationalsozialisten, hier ein gekürzter link von befreudneten Chechenen die ich vor 10 Jahren ausbilden durfte, Migration vorletzten Standes
        https://youtu.be/b3M8_p7oBEM , die russischen Opfer sind echt.)

        Was Putin nicht macht ist Minderheitenrechte in dem Ausmaß zu verletzen wie das Kiew durch den Beschuß von zuletzt Donezk / Markt in dieser Woche beweist. Insofern ist der Einsatz von Tscheschenen oder Wagner ein Mittel der Wahl und keine Inkonsequenz, denn Nationalsozialist zu sein ist individelle Entscheidunge – nur Verbrechen sind zu richten.

        Noch unschöner die manipulative Darstellung durch die Tagesschau,
        youtube.com/watch?v=x6CF8K-m5KI
        für die guten Sache….

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Alexander

        Bin nicht verletzt. Bin auch nicht manipulativ. Finde nur ein “Kapieren Sie oder verschwenden Sie…” unhöflich und beleidigend. Und das sage ich dann auch. Das ist alles.

        Und es kann jeder glauben, was er mag. Ich hab nur meine Sichtweise der Dinge dargelegt. Es steht Ihnen und allen anderen offen, damit zu machen, was sie wollen.

        Это всё.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        “Bin auch nicht manipulativ.”

        Ihre sogenannten “Quellen” zu diesem Themenkomplex sind es schon – zumindest diejenigen, die Sie mir bisher gezeigt haben. Das wirft dann bei mir die Frage auf, ob Sie selbst manipulativ oder einfach nur naiv sind.

        Oder eben, was zutiefst menschlich ist, am liebsten das glauben, was Sie glauben wollen und was Ihnen beim Glauben ein gutes Gefühl verschafft und Sie sich entsprechende “Quellen” suchen, egal wie an den Haaren herbeigezogen die auch sind. Das können Sie auch gerne machen, aber mit Verstehen hat das halt nichts mehr zu tun.

  4. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    @ Dietmar Tischer

    „„gleichzeitig angenommen werden muss, dass die Steigerung in jedem Jahr erneut in ähnlichem Umfang stattfindet“ ist eine WILLKÜRLICHE Aussage, weil

    a) es nicht darum geht, dass etwas ANGENOMMEN werden muss, sondern dass etwas GEMESSEN wird – hier also eine IRRELVANTE und daher IRREFÜHRNDE Behauptung vorliegt“

    Gemessen wird immer erst ex post. Insofern muss/sollte eine ZB selbstverständlich auch Annahmen über die wahrscheinliche Entwicklung der Inflation treffen. Wie sollte sie denn sonst erfolgreiche geldpolitische Entscheidungen treffen?

    „b) „jedes Jahr“ und „ähnlicher Umfang“ durch NICHTS festgelegt ist.

    Jedes Jahr – von WIEVIEL Jahren?

    Und überhaupt Jahre:

    Sie haben doch selbst mal gesagt, dass die Periodendauer NICHT definiert ist.“

    Ja, das habe ich. Aber es geht immer um einen JAHRESvergleich (siehe auch weiter unten die Begründung von CA). Zudem macht es keinen Sinn von Inflation zu sprechen, wenn man einen Zeitraum von weniger als 3 Jahren wählt. Das ist mAn die absolute Untergrenze. Denn das ist der Zeitraum (1 – 3 Jahre), in dem die geldpolitischen Entscheidungen ihre Wirkung (nach)entfalten.

    „Statt ein ähnlicher Umfang kann es auch ein STEIGENDER oder von einem hohen Niveau aus fallender Umfang sein – selbst dann ist es noch Inflation.“

    Sehe ich genauso!

    „Die gestiegenen Energiepreise schlagen GESAMTWIRTSCHAFTLICH so sehr durch, dass wir – gemessen am Warenkorb – stark gestiegene Preise haben.

    Haben wir hier alles schon gehabt.

    Wir HABEN Inflation.“

    Ja, hatten wir schon mehrfach. Sie haben mit Ihrer Argumentation auch die übergroße Mehrheit auf Ihrer Seite. Sogar die EZB differenziert nicht zwischen Inflation (rein monetär) und anderen Gründen für höhere Preise. Das macht das Ganze aber nicht besser. Ich hatte dargelegt, warum ich eine linguistische Differenzierung für sinnvoll erachte. Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie diese Differenzierung nicht vornehmen möchten und weiterhin den emotional aufgeladenen Terminus INFLATIOOON für jede Art der Preisniveauerhöhung bevorzugen.

    Aber immerhin sind wir uns wohl einig, dass es um das Niveau geht und nicht um einzelne Preise. Damit sind Sie schon einen erheblichen Schritt weiter, als die offizielle Verwirrungs-Kommunikation der EZB, die nicht nur Zentralbank sein möchte, sondern sich auch noch zum zentralen Planungskomitee aufschwingt, wenn sie den Bürgern von Euroland verkündet:

    „Unsere Aufgabe ist, stabile Preise zu gewährleisten.“ https://www.ecb.europa.eu/ecb/tasks/monpol/html/index.de.html

    Da fällt einem nun wirklich nichts mehr ein.

    „Verlinkungen, die von M. Stöcker mit „lesenswert“ geadelt werden, sind UNANTASTBAR.“

    Niemand ist unantastbar.

    „Die Heerscharen von Ökonomen in den Zentralbanken dieser Welt arbeiten in einem System „kollektiver Fehlprogrammierung“.

    Leider ja (siehe auch Jaques weiter unten; ich würde aber neben der EZB auch die Fed und insbesondere die BoJ mit aufführen). Aber: Besserung ist in Sicht. Die alten müssen nur erst alle wegsterben, damit sich das neue/alte Wissen durchsetzen kann. Das ist allerdings noch ein langer Weg.

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Schon richtig, ETWAS müssen die Notenbanken annehmen.

      Kern sagt:

      >Inflation ist also ein Phänomen, bei welchem Preise auf breiter Front ansteigen und gleichzeitig angenommen werden muss, dass diese Steigerung jedes Jahr erneut in ähnlichem Umfang stattfindet.>

      DIESE Annahme halte ich für zu SPEZIFISCH (zu eng qualifiziert) und daher für unbrauchbar, um von Inflation reden zu können.

      Wir sind ja beide der Meinung, dass auch bei fallenden Preisen von hohem Niveau Inflation sein kann.

      Ich DIFFERENZIERE schon nach den Gründen für höhere Preise.

      Ich sage aber nicht:

      Höhere Preise sind nur DANN Inflation, wenn sie monetär verursacht sind.

      Höhere Preise SIND höherer Preise, EGAL wie sie verursacht sind, u. a. eben auch auf der Angebotsseite – aber in der „Breite“ gemessen, wie beim Warenkorb, da sind wir uns einig.

      Das ist der UNTERSCHIED zwischen MESSEN und BEGRÜNDEN von Inflation.

      Hat mit Emotionalität nichts zu tun.

      Zum ZEITRAUM:

      Ja, er müsste definiert werden.

      Ansonsten sind wir bei WILLKÜR-Interpretationen.

      Meine AUFFASSUNG, man kann auch anderer Meinung sein:

      DREI Jahre halte ich für ABSOLUT realitätsfremd mit Blick auf das VERHALTEN der Wirtschaftssubjekte.

      Sie sehen ja, was z. Z. los ist, DREI Jahren BEOBACHTUNG und nichts tun, da drehen alle durch – Konsumenten, Produzenten und die Politik.

      Auch Investitionsentscheidungen stehen dann über lange Zeit im Regen.

      Dass die WIRKUNG von geldpolitischen Maßnahmen MEHR Zeit braucht als die VERÄNDERUNG von Inflationsraten ist, denke ich, ist klar.

      Das ist eine Schwierigkeit, von der ich nicht weiß, wie sie behoben werden könnte.

      Es kommt auch darauf an, über welche Art von Inflation wir reden.

      Wenn wir tatsächlich in eine umfassende Preis-/Lohn-/Preisspirale kommen sollten – ich gehe davon aus, Gründe habe ich genannte –, dann sind wir in einer BESONDEREN Situation von Inflationsverursachung und dann MÜSSTEN auch die Notenbanken SPEZIELL agieren – und natürlich die Politik.

      Insofern:

      Ich differenziere schon beim Thema Inflation.

      Antworten
    • PW
      PW sagte:

      @Michael Stöcker

      „ „Unsere Aufgabe ist, stabile Preise zu gewährleisten.“ https://www.ecb.europa.eu/ecb/tasks/monpol/html/index.de.html

      Da fällt einem nun wirklich nichts mehr ein.“

      Art. 88 unseres Grundgesetzes sagt Ihnen aber etwas?

      Konkret: die Europäische Zentralbank hat einen Dienstleistungsauftrag unter Vorbehalt.
      Sicherung der Preisstabilität ist im ureigentlichen Sinn: Null Prozent Inflation über den Tag, den Monat, das Jahr, die Dekade, usw.
      Welche Verständnisprobleme gibt es da? Wo ist der Auftrag zur linguistischen Differenzierung? Wo ist der Auftrag Probleme mit der Preisstabilität mit der Frage nach Ursachen abzuwiegeln?

      Abschließend: wenn die Europäische Zentralbank die Aufgaben der Bundesbank für die Bundesrepublik Deutschland übernimmt, dann gilt das Ziel Preisstabilität für die Bundesrepublik Deutschland; sämtliche Anti-Fragmentierungsverrenkungen der EZB werden letztendlich in direkter Kollision zu Art. 88 unseres GG laufen.

      Antworten
      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @PW
        Einen Auftrag an einen Unfähigen zu vergeben, ist sinnlos, sogar dann, wenn es im Grundgesetz steht.

        Der Einfluss der Z.B. ist zu gering, um Preisstabilität gewährleisten zu KÖNNEN, völlig egal, was sie SOLL.

        Da kann man in Artikel reinschreiben, was man will.
        Auf die Idee, dass aus Regeln Realität entspringt, kommen nur Juristen.

        0% Inflation ist übrigens kein Ziel irgendeiner Zentralbank der ganzen Welt – Preisfrage: Wieso?

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        “0% Inflation ist übrigens kein Ziel irgendeiner Zentralbank der ganzen Welt – Preisfrage: Wieso?”

        Weil dann Schuldenmachen für Banken und Regierungen (und alle diejenigen, die vom Staat leben und Staatseinnahmen zu sich umverteilt bekommen) viel unangenehmere Konsequenzen hat.

        Bevor es Zentralbanken gab, hatten wir in der Zeit der Industriellen Revolution jahrzehntelang Deflation und gleichzeitig viel niedrigere Staatsquoten. Stellen Sie sich mal vor, wie viele Leute heute wieder etwas tatsächlich Nützliches arbeiten müssten, wenn wir diesen Zustand zurückbekämen. Eine schreckliche Vorstellung! ;)

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        الله معك

        Wir kommen nicht zueinander, egal was ich verlinke. Ist aber auch egal, geht weniger um Sie, es lesen ja gelegentlich noch erstaunlich viele andere mit. Für diese Mitleser jetzt noch eine Einordnung:

        Die verlinkte Webseite zur Nazi-Verehrung der Wagner-Gruppen-Führung hat eine Genehmigung von Roskomnadzor (Роскомнадзор), erzählt zB unter dem Reiter Geopolitik die Geschichte des Tschetschenienkrieges mit dem russischen Narrativ usw.

        (@R Ott hat bemängelt, dass es kein Impressum gibt, das nach europäischen Gründlichkeitskriterien [hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet @R Ott DAS wichtig ist] auch auf einer russischen, in Europa erreichbaren Webseite vorhanden sein muss, damit man sie als vertrauenswürdig einstufen kann.)

  5. Schwarzenberg
    Schwarzenberg sagte:

    Die Rendite der italienischen Staatsanleihe (10y) ist heute zeitweise bis auf 4,2 % gestiegen. Spread zum Bund bis zu 2,5 %. Dabei wurde noch nicht mal das Anleiheankaufprogramm ganz beendet. Wie lange kann dieses Trauerspiel noch gehen?

    Antworten
    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @Schwarzenberg

      Vielleicht heißt das ja nur, dass der MARKT die Zinsen determiniert. Und die EZB damit nix zu tun hat.

      Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Stoertebekker

      “Vielleicht heißt das ja nur, dass der MARKT die Zinsen determiniert. Und die EZB damit nix zu tun hat.”

      Sie sind ja heute besonders lustig. Wenn die EZB damit angeblich nix zu tun hat, wieso hat sie dann für über 4000 Milliarden Euro Staatsanleihen gekauft?

      1644 Milliarden EUR im Rahmen des “Pandemic emergency purchase programme (PEPP)”
      https://www.ecb.europa.eu/mopo/implement/pepp/html/index.en.html

      und…

      Antworten
      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        Lesen Sie unten mal Jacques. Der nächste, der ins andere Lager wechselt. Irgendwann werden es mehr und am Ende waren alle schon immer der Meinung.

        Es reicht, auf die Grafiken mit den Zahlen zu schauen. Mehr ist nicht nötig…

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        Sie werden mich auch mit dem Verweis auf Jacques nicht davon überzeugen können, dass jemand, der für über 4000 Milliarden EUR Anleihen kauft, damit nicht deren Preis (und damit deren Zins, so funktioniert das nämlich bei Anleihen – den grundlegenden Zusammenhang kennen Sie, oder?) beeinflusst.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        Ich weiß.

        Aber MICH überzeugen die Zinsverlaufskurven mehr (und die Größe des Gesamtmarktes, denn 4000 Mrd. sagen per se erst einmal gar nichts aus) als die Aussagen des Orakels O aus S im E.

        Ihnen trotzdem einen schönen katholischen Feiertag.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        Sie überzeugen ja auch schon die Fotos irgendwelcher Ohrmuscheln, wenn es darum geht, irgendjemanden als denjenigen zu identifizieren, von dem Sie sich aus weltanschaulichen Gründen unbedingt wünschen, dass er es ist…

        “(und die Größe des Gesamtmarktes, denn 4000 Mrd. sagen per se erst einmal gar nichts aus)”

        Stellen Sie sich gerade dumm oder wissen Sie tatsächlich nicht, wie groß der Markt für Staatsanleihen in der Eurozone ist?

        https://ec.europa.eu/eurostat/documents/2995521/14497745/2-22042022-BP-EN.pdf/90896015-2ac1-081a-2eef-ad8d5f2c0da1

        Die Staaten der Eurozone haben eine Gesamt-Staatsverschuldung von ungefähr 12000 Milliarden Euro, da macht das EZB-Ankaufvolumen schon einen beträchtlichen Anteil aus.

        “Ihnen trotzdem einen schönen katholischen Feiertag.”

        Inshallah begegne ich Ihnen nicht persönlich, dann wird es sicher ganz angenehm.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        Wir kommen nicht zueinander, egal was ich verlinke. Ist aber auch egal, geht weniger um Sie, es lesen ja gelegentlich noch erstaunlich viele andere mit. Für diese Mitleser jetzt noch eine Einordnung:

        Die verlinkte Webseite zur Nazi-Verehrung der Wagner-Gruppen-Führung hat eine Genehmigung von Roskomnadzor (Роскомнадзор), erzählt zB unter dem Reiter Geopolitik die Geschichte des Tschetschenienkrieges mit dem russischen Narrativ usw.

        (@R Ott hat bemängelt, dass es kein Impressum gibt, das nach europäischen Gründlichkeitskriterien [hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet @R Ott DAS wichtig ist] auch auf einer russischen, in Europa erreichbaren Webseite vorhanden sein muss, damit man sie als vertrauenswürdig einstufen kann.)

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        Nanu, spüren Sie so großen Rechtfertigungsdruck? Die peinliche Ohrmuschel-Nummer stammt aber aus der von Ihnen ebenfalls empfohlenen “Analyse” des litauischen Think Tanks, der vom britischen Außenministerium finanziert wurde, und nicht von der impressumslosen russischen Webseite.

        “Wir kommen nicht zueinander, egal was ich verlinke.”

        Falsch. Ihr Problem ist, dass Sie oft wertlosen Müll verlinken und irgendwelche unbelegten Behauptungen für substantielle Quellen halten solange die nur Ihr verschobenes Weltbild stützen.

        “Die verlinkte Webseite zur Nazi-Verehrung der Wagner-Gruppen-Führung hat eine Genehmigung von Roskomnadzor (Роскомнадзор), erzählt zB unter dem Reiter Geopolitik die Geschichte des Tschetschenienkrieges mit dem russischen Narrativ usw.”

        Ja und? Soll daraus folgen, dass sie so glaubwürdig ist, dass automatisch alles, was sie unbelegt behauptet, stimmt?

        “R Ott hat bemängelt, dass es kein Impressum gibt, das nach europäischen Gründlichkeitskriterien [hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet @R Ott DAS wichtig ist]”

        Wenn irgendjemand irgendetwas irgendwo ohne Belege behauptet, ist schon recht wichtig, zu wissen, wer das genau ist. Glauben Sie zum Beispiel auch alles, was Sie an den Wänden von öffentlichen Toiletten lesen?

        Wenn die Belege stark sind, kann ich auf ein Impressum übrigens durchaus verzichten. Wir wussten zum Beispiel lange Zeit nicht, aus welcher Quelle genau Wikileaks die ganzen Hillary-Clinton-Emails hatte. War aber auch egal, denn die Echtheit der Mails ließ sich auch über in ihnen enthaltene Verifizierungsschlüssel prüfen und das selbst Clinton-Lager hat sich sehr über den ganzen Vorgang empört, aber die Authentizität der Mails nie in Frage gestellt.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        😂😊

        Ihre Einordnung, welcher Link sinnvoll und welcher Link Müll ist, hängt von der Aussage im Link ab. Verlinken SIE die Zentralbanken ist das gut, verlinke ICH die Zentralbanken (zB FED bzgl. Definition Inflation; Australische ZB bzgl. Unsinn von QE), ist das Müll. Gebe ich Ihnen eine russische, von der russischen Gesinnungsbehörde frei gegebene Quelle und Sie finden – neben vielen russischen Interpretationen der Welt – eine, die Ihnen nicht passt – Müll. Tja, kann man nix machen. 🤷‍♀️🤷‍♂️

        Aber ich weiß ja, dass ich Sie nicht bekehren kann. Und Sie können zur Fronleichnam-Kenntnis nehmen, dass das umgekehrt auch nix wird. Ich war ja bzgl. Inflation und QE usw. im Camp, in dem Sie immer noch stehen. Die schlichte Wucht der Fakten hat mich rübergezogen.

        Trotzdem: الله معك

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?

        “Verlinken SIE die Zentralbanken ist das gut, verlinke ICH die Zentralbanken (zB FED bzgl. Definition Inflation; Australische ZB bzgl. Unsinn von QE), ist das Müll.”

        Wenn ich Quellen von den Zentralbanken verlinke, dann sind das üblicherweise die Bilanzen oder Tabellen, die einzelne Bilanzposten näher aufschlüsseln.

        Das können Sie auch für “Müll” halten, aber wenn es tatsächlich welcher wäre, dann wären die Bilanzen falsch, und die strafrechtlichen und auch wirtschaftlichen Konsequenzen davon können Sie sich sicherlich vorstellen.

        Das ist schon etwas substantiell anderes es als die auf Zentralbankwebseiten gehosteten Gelddrucker-Gesinnungsaufsätze, die Sie verlinken.

        “Gebe ich Ihnen eine russische, von der russischen Gesinnungsbehörde frei gegebene Quelle und Sie finden – neben vielen russischen Interpretationen der Welt – eine, die Ihnen nicht passt – Müll.”

        Sie glauben, die “russische Gesinnungsbehörde” prüft bei jeder einzelnen russischen Webseite ob jede auf ihr gemachte unbelegte Behauptung wahr oder falsch ist?

        “Aber ich weiß ja, dass ich Sie nicht bekehren kann.”

        Doch, theoretisch könnten Sie es sogar. Da müssen Sie mir aber deutlich Überzeugenderes bieten als vom britischen Außenministerium gesponserte Ohrmuschelfoto-Exegesen und quellenlose Behauptungen von russischen Webseiten.

        PS: Glauben Sie eigentlich, dass die Sängerin Debbie Harry ein Nazi ist? Immerhin hat ihre Band “Blondie” den gleichen Namen wie der Lieblingshund von Adolf Hitler. Soll ich mich auf der Suche nach einer russischen Webseite machen, die das “belegt”? ;)

    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Schwarzenberg

      >Wie lange kann dieses Trauerspiel noch gehen?>

      WELCHES Trauerspiel?

      Meldung heute:

      https://www.onvista.de/news/2022/06-15-ezb-haelt-wegen-bondrenditen-ausserordentliche-ratsitzung-ab-20-26000809

      Daraus:

      „Laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel beobachtet die Notenbank die Entwicklung am Anleihemarkt genau. In einem Vortrag in Paris sagte sie am Dienstag, die Geldpolitik könne und solle auf eine ungeordnete Neubewertung von Risikoaufschlägen reagieren, die die Preisstabilität bedrohe und die Maßnahmen der Notenbank durchkreuze. Nötigenfalls werde die EZB auch neue Instrumente entwickeln und einsetzen. Diese könnten unterschiedlich ausgestaltet werden und würden innerhalb des Mandats verbleiben, sagte sie.“

      Ruhig Blut, also:

      Die EZB wird für ORDNUNG bei der Neubewertung von Risikoaufschlägen sorgen.

      Selbstverständlich innerhalb des Mandats.

      KONKRETER:

      „Die EZB wird laut Notenbankdirektorin Isabel Schnabel gegen einen ungeordneten Anstieg der Finanzierungskosten stärker verschuldeter Länder der Euro-Zone einschreiten.“

      Und wortwörtlich:

      “Es besteht kein Zweifel daran, dass wir nötigenfalls neue Instrumente entwickeln und einsetzen werden, um die geldpolitische Transmission und somit unser primäres Mandat der Preisstabilität zu sichern”

      Was ist der UNTERSCHIED zwischen dem Mandat der Preisstabilität und dem Einschreiten gegen den ungeordneten Anstieg von Finanzierungskosten stärker verschuldeter Länder?

      Es gibt KEINEN.

      Alles, was die EZB tut, ist Mandat.

      Antworten
    • Jacques
      Jacques sagte:

      @Schwarzenberg:

      Der Markt nimmt die Zinsentwicklung IMMER vorweg, insofern keine Aufregung wert.
      In den USA ist die Trefferquote historisch recht hoch, sodass die Rendite der 10-Y Treasuries schon lange vorher auf dem Niveau des späteren Leitzins liegt.

      Der Markt bestimmt schon immer den Zins und nicht die Zentralbanken. Dummerweise sind die ZB selber zum Marktteilnehmer in den letzten Jahren geworden. Die Quittung dafür gibt es jetzt und man tut ganz überrascht. Die geballte Inkompetenz bei der EZB ist fast schon legendär lächerlich geworden.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Jacques

        Was hätten die Zentralbanken NICHT dummerweise grundsätzlich anders machen müssen?

      • Hinterheristmanschlaumeier
        Hinterheristmanschlaumeier sagte:

        @Hr. Tischer
        zu “Was hätten die Zentralbanken grundsätzlich anders machen müssen?”

        vielleicht:
        – den Einlagenzins nicht jahrelang ins Negative setzen (verbessert Akzeptanz bei den Buergern)?
        – die Assetpreis-Blasenbildung und deren Effekte auf zB Mieten durch (Zu?)Niedrigzins und QE nicht stoisch zu verleugnen?
        – die Geldmengenausweitungsgeschwindigkeit durch weniger umfangreiche Aufkaeufe von Staatsanleihen nicht so aufpumpen?
        – einen gewissen (weiteren) Spread in den Staatsanleihen-Zinsen zwischen Laendern zu zulassen?
        – als nicht-gewaehlte, “unabhaengige” Instution sich nicht von wenigen, grossen Regierungen vor deren Karren spannen zu lassen und unwirsch auch mal auf Reformen bei einzelnen Laendern hinzuweisen?

        – was fehlt?

        LG Joerg

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer – bin mir ob Ihrer verneinenden Fragetechnik nicht ganz sicher, ob ich auf die richtige Frage antworte, versuche es trotzdem mal:

        Sie hätten den Unsinn mit dem Aufkaufen der Staatsanleihen sein lassen sollen. Bringt – jedenfalls für die Zinsen – nämlich nix. Einfach auf die Grafiken mit den Zinsen am Markt und der EZB gucken.

        (Was Anderes war die Rettung des Euro durch Draghi. Aber das hatten wir beide auch schon und das hat nix mit Zinsen und QE zu tun.)

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        Sie haben die etwas verquollen formulierte Frage richtig verstanden.

        >Sie hätten den Unsinn mit dem Aufkaufen der Staatsanleihen sein lassen sollen.>
        Ich stimme Ihnen zu, dass QE das Zinsniveau nur sehr, sehr geringfügig beeinflusst hat.
        Und die BEGRÜNDUNG der Notenbanken für QE, nämlich die Inflation auf die ca. 2% zu bringen, war allenfalls theoretisch begründbar, praktisch jedoch wirkungslos.

        Ich bin aber nicht der Meinung, dass es Unsinn war – jedenfalls nicht kompletter Unsinn.

        Denn:

        Der Aufkauf von Wertpapieren hat die Banken in die Lage versetzt, RISIKEN zu vermindern und MEHR KREDITE zu vergeben.

        Dies ist erst einmal grundsätzlich positiv, vor allem wenn die Banken SCHWACH sind (Eigenkapitalquote und Kreditqualität).

        Aber natürlich:

        Die dadurch sicher begünstigte Kreditvergabe u. a. an Zombieunternehmen kann man auch negativ sehen, ebenso die dadurch günstigere Finanzierung von hoch verschuldeten Staaten.

        Unterm Strich m. A. n.:

        Ein Instrument, das eine FRAGILE Gesamtsituation STABILISIERT, aber NICHT grundsätzlich verbessert hat.

        Die Notenbanken KÖNNEN die REALWIRTSCHAFTLICHEN Probleme NICHT beheben.

        Ich würde vielmehr sagen:

        Sie können „assistieren“, WENN sie es gut machen – UND die Politik es gut macht.

        Bei der liegt das grundsätzliche Problem.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Zum Anleihekaufprogramm der EZB. Die durfte ausschließlich Investment-Grade Anleihen kaufen. Wenn die Banken die aus ihren Bilanzen nehmen, VERKUERZT sich die Bilanz und es gibt weniger Kreditvolumen. Dh für mehr Kreditvolumen hätten die Banken die Staatsanleihen nicht an die EZB durchreichen sondern in die Bilanz nehmen müssen.

        Das Bestreben der Banken ist vielmehr, dass sie irgendwelches neues Zeug “erzeugen”, das möglichst keiner versteht und dem dann (erstmal) eine hohes Rating verliehen wird, damit sie wieder neues Volumen zum Beleihen haben (siehe subprime).

        Jeder Verkauf “guter” Bilanzpositionen verringert das Kreditvolumen.

      • PW
        PW sagte:

        @Stoertebekker

        Jetzt mal eine Verständnisfrage:
        Wenn eine Geschäftsbank Staatsanleihen erwirbt, dann erscheint Zentralbankgeld auf dem Staatsbankkonto, oder? D.h. eine Bank muss Zentralbankgeld an den Staat überweisen, das sie dafür gegen Pfänder erwirbt. Die Geschäftsbank hantiert durchgehend mit Zentralbankgeld.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        “Zum Anleihekaufprogramm der EZB. Die durfte ausschließlich Investment-Grade Anleihen kaufen. Wenn die Banken die aus ihren Bilanzen nehmen, VERKUERZT sich die Bilanz und es gibt weniger Kreditvolumen. Dh für mehr Kreditvolumen hätten die Banken die Staatsanleihen nicht an die EZB durchreichen sondern in die Bilanz nehmen müssen.”

        Nein. Da verstehen Sie etwas ganz grundsätzlich falsch.

        Das ausstehende Kreditvolumen sinkt erst dann, wenn die Anleihen vom Schuldner zurückgezahlt worden sind.

        Wer sie bis dahin hält, ist dafür egal. Oder glauben Sie etwa, Anleihen lösen sich in Luft auf, nur weil sie von der EZB gekauft worden sind? Die finden Sie natürlich nach dem Kauf in der EZB-Bilanz.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Zum Anleihekaufprogramm der EZB. Die durfte ausschließlich Investment-Grade Anleihen kaufen.>

        Richtig, aber Sie wissen ja die RATINGS …

        >Wenn die Banken die aus ihren Bilanzen nehmen, VERKUERZT sich die Bilanz und es gibt weniger Kreditvolumen.>

        Dazu hat Richard Ott das Richtige gesagt.

        Entscheidend ist m. A. n. das Folgende:

        a) die Bank erhält eine Gutschrift der EZB auf ihrem Konto bei der EZB.

        Das erhöht die Bonität, weil die EZB die beste Bonität aufweist. Im Interbankenhandel wichtig.

        b) Die Bank hat weniger Risiko in der Bilanz, da Ihr BESTAND an Anleihen und AUSGEREICHTEN Krediten, die verbrieft werden können und dann handelbar sind, gesunken ist (das haben sie vermutlich gemeint mit „VERKUERZT sich die Bilanz und es gibt weniger Kreditvolumen). Die Bonität der Bank verbessert sich tendenziell jedenfalls, da jedes Wertpapier ein Wertminderungsrisiko beinhaltet, besonders natürlich in einer Rezession. Andererseits: Das Wertpapier, das verkauft worden ist, erzielt keine Erlöse.

        Die Bank kann bei gleichem Eigenkapital ERNEUT Kredite vergeben und dadurch evtl. auch ihre Geschäftspolitik ändern.

        Das kann natürlich heißen, wie Sie sagen:

        „Neues Zeug“ erzeugen, das keiner versteht und DAHER besonders ertragreich ist.

      • PW
        PW sagte:

        „a) die Bank erhält eine Gutschrift der EZB auf ihrem Konto bei der EZB.
        Das erhöht die Bonität, weil die EZB die beste Bonität aufweist. Im Interbankenhandel wichtig.“

        @Dietmar Tischer
        Können Sie das noch einmal genauer erläutern?
        Die Geschäftsbank kauft mit M0 eine Staatsanleihe, und verkauft sie die Woche später gegen M0 an die Zentralbank. Das ist imho erstmal für die Bank abseits Arbitrage ein Nullsummenspiel?
        Das M0 wird wirksam, wenn der Staat das M0 umgehend in den Geschäftsbankenkreislauf einspeist, was selbstverständlich geschieht, oder?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ PW

        Ich bin nicht der Geldspezialist, da gibt es andere hier am Blog.

        Im Prinzip ist es so:

        Die Geschäftsbank kauft eine Staatsanleihe von ihrem Guthaben an Giralgeld, das im Kreislauf von Finanzsystem+Realwirtschaft existiert und betragsmäßig auf ihren Konten ausgewiesen ist.

        Es ist in DIESEM System geschaffen worden durch Geldschöpfung (Schaffung von Giralgeld), d. h. durch einen schuldrechtlichen Vertrag zwischen Kreditgeber, d. h. einer Bank und einem Kreditnehmer, sagen wir einem Unternehmen.

        Im Prinzip ist diese Geldschöpfung unbegrenzt.

        Das Geld „liegt“ als Guthaben auf den Konten und dient dem Zahlungsverkehr.

        Der Kauf der Staatsanleihe durch die Bank ändert NICHTS am BESTEHENDEN Volumen von Giralgeld in Finanzsystem+Realwirtschaft.

        Die Bank hätte mit dem Betrag, den sie für den Kauf der Staatsanleihe ausgegeben hat, auch IT einkaufen oder ein neues Bankgebäude erstellen lassen können.

        Der Staat, der das Giralgeld auf seinem Konto gutgeschrieben bekommen hat, kauft dafür z. B. Impfstoffe zur Pandemiebekämpfung oder überweist es als Kindergeld an Familien, die damit z. B. das Fitnessstudio bezahlen.

        Die EZB hat direkt NICHTS mit der Begebung der Staatsanleihe durch den Staat und dem Kauf durch die Bank zu tun.

        Wenn die Bank die Anleihe an die EZB verkauft, verkürzt dies die Bankbilanz und verlängert die Bilanz der EZB.

        Die Bank erhält den Verkaufspreis auf einem Konto gutgeschrieben, das sie bei der EZB unterhalten muss.

        Dieses ZENTRALBANKGUTHABEN muss UNTERSCHIEDEN werden von dem Giralgeld, was durch Geldschöpfung in Finanzsystem+Realwirtschaft entstanden ist.

        Denn die Bank kann ihr Zentralbankguthaben NICHT für ZAHLUNGEN in Finanzsystem+Realwirtschaft verwenden.

        Sie kann es z. B. zur Begleichung von Schulden, die sie bei anderen Banken hat, nutzen.

        Auch Bargeld kann sie sich auszahlen lassen mit entsprechender Reduzierung ihres Zentralbankguthabens.

        Für die Bank ist der Verkauf der Staatsanleihe an die EZB WERTMÄSSIG ein Nullsummenspiel.

        In Finanzsystem+Realwirtschaft (Giralgeld) hat sich volumenmäßig NICHTS verändert durch den Verkauf der Staatsanleihe an die EZB.

        Denn wie gesagt, die Bank kann mit dem Guthaben bei der Zentralbank keine Rechnungen bezahlen.

        Insofern ist „Gelddrucken“ ein irreführender Ausdruck, wenn es darum geht, dass durch den Verkauf von Wertpapieren bei den Banken auf ihrem EBZ-Konto ein Zentralbankguthaben verbucht wird.

        Sie haben @ Störtebekker geschrieben:

        >…eine Bank muss Zentralbankgeld an den Staat überweisen, das sie dafür gegen Pfänder erwirbt.>

        Das ist nicht richtig.

        Zentralbankguthaben (auf Bankkonten bei der Zentralbank) und Guthaben auf Bankkonten (des Staates, der Unternehmen und Privatpersonen) sind Guthaben in zwei FUNKTIONAL getrennten Geldkreisläufen.

        >Die Geschäftsbank hantiert durchgehend mit Zentralbankgeld>

        Auch das ist nicht richtig.

        Sie hantiert durchgehend NICHT mit Zentralbankgeld in Finanzsystem+Realwirtschaft, vielmehr durchgehend mit Giralgeld.

        Ausgenommen davon ist BARGELD, denn dies ist Zentralbankgeld.

        Wenn ich etwas Falsches geschrieben habe, möchten mich die Experten bitte korrigieren.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Ach ja, auf dieser formalen Unterscheidung wird von den Gelddruck-Apologeten immer wieder herumgeritten. So nah dran und sie verfehlen doch den Kern der Sache.

        “Denn die Bank kann ihr Zentralbankguthaben NICHT für ZAHLUNGEN in Finanzsystem+Realwirtschaft verwenden. Sie kann es z. B. zur Begleichung von Schulden, die sie bei anderen Banken hat, nutzen. ***Auch Bargeld kann sie sich auszahlen lassen mit entsprechender Reduzierung ihres Zentralbankguthabens.***”

        Fällt Ihnen da vielleicht eine ganz praktische Methode ein, wie eine Bank Zentralbankguthaben doch für Zahlungen in der Realwirtschaft verwenden könnte und die irgendwie etwas mit Bargeld zu tun hat? ;)

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @PW

        Das Kreditvolumen, das eine Geschäftsbank ausgeben kann, hängt von Ihrer Bilanz, genauer der Qualität der in ihrem Besitz befindlichen Assets ab. Dafür gibt es Bilanzrichtlinien (Basel x, Mindesteigenkapitalanfoderungen; geprüft zB in Stresstests).

        Wenn eine Bank nun eine investment grade Anleihe aus ihrer Bilanz nimmt, ist diese “gute” Bilanzposition weg. Die Kreditvergabekapazität verringert sich. Nimmt sie im Anschluss eine gleichwertige (investment grade) Anleihe in ihr Portfolio, hat sie wieder die gleiche Kreditvergabekapazität. Nimmt sie bessere Anleihen (statt Unternehmens- zB Staatsanleihen) ins Portfolio, hat sie MEHR Kreditvergabekapazität, bei junk bonds WENIGER.

        Wenn die EZB also der Geschäftsbank Anleihen abkauft und diese danach neue Anleihen für andere Unternehmen ausgibt, vergrößert sich grundsätzlich (siehe Anmerkung @R Ott) das Gesamtkreditvolumen. ABER sie muss es in Einklang mit den Bilanzrichtlinien tun.

        Dh sie wird sich die Anleihe (hoffentlich) in irgendeiner Form vom Unternehmen besichern lassen – über Kollateral. Und das hätte sie dann auch schon VOR dem Verkauf der ersten Anleihe an die EZB tun können. Sie hätte ihre Bilanz verlängern können, wenn das Rating des in die Bilanz genommenen Assets passt.

        Die Bereitschaft der Bank, neue Kredite zu vergeben, hat also nix mit dem Aufkauf durch die EZB zu tun, sondern mit dem Willen der Bank, neue Assets in die Bilanz zu nehmen, deren Rating aber zur geforderten Bilanzstruktur passen müssen. Vergeben die Banken keine Kredite mehr, ist das also ein Ausdruck ihres Misstrauens in die Wirtschaft bzw. deren Akteure bzw. die gesamtwirtschaftliche Situation.

        PS Den Jackpot hat eine Bank geknackt, wenn sie einen Weg findet, junk Material in investment grade umzulabeln. Dann explodiert die Kreditvergabekapazität. Genau das ist beim subprime Desaster passiert (siehe auch @komol).
        PS2 Der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB war idR ein reines Provisionsgeschäft für die Geschäftsbanken. Der Staat (Bundesfinanzministerium) legt die Staatsanleihen auf, die Geschäftsbanken “platzieren” sie, genauso wie sie es für Unternehmsanleihen machen. Dh in diesem Fall, sie geben sie an die EZB weiter.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        “Wenn eine Bank nun eine investment grade Anleihe aus ihrer Bilanz nimmt, ist diese “gute” Bilanzposition weg. Die Kreditvergabekapazität verringert sich. Nimmt sie im Anschluss eine gleichwertige (investment grade) Anleihe in ihr Portfolio, hat sie wieder die gleiche Kreditvergabekapazität.”

        Nein.

        Wenn eine Bank eine Anleihe verkauft (oder zurückgezahlt bekommt), dann steigt immer ihre Kreditvergabekapazität, denn mit dem Verkauf oder der Rückzahlung von eben der Anleihe ist ja ein existierender Kredit zurückgezahlt worden. Bei einer “aus der Bilanz genommenen” Junk-Anleihe deutlich mehr als bei einer AAA-Anleihe, aber grundsätzlich steigt sie immer.

        Das ist eine zwingende Konsequenz daraus, dass Geschäftsbanken eine bestimmte Mindestquote Eigenkapital im Verhältnis zu den, wie heißt das heute so schön, “risikogewichteten Assets” in ihrer Bilanz vorhalten müssen.

        ” Der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB war idR ein reines Provisionsgeschäft für die Geschäftsbanken. Der Staat (Bundesfinanzministerium) legt die Staatsanleihen auf, die Geschäftsbanken “platzieren” sie, genauso wie sie es für Unternehmsanleihen machen. Dh in diesem Fall, sie geben sie an die EZB weiter.”

        Nein. Aber ich beginne zu verstehen, was Sie nicht begreifen.

        Die Geschäftsbanken könnten bei den existierenden Regeln zur Bankenregulierung nicht unendlich große Volumina an Staatsanleihen halten ohne entsprechend immer höheres Eigenkapital aufzunehmen (was die Bänker natürlich immer hassen und unbedingt vermeiden wollen), selbst wenn sie das wöllten, weil Staatsanleihen oft verhältnismäßig “gute” Bilanzpositionen mit niedrigem Ausfallrisiko sind.

        Unbegrenzt große Mengen Staatsanleihen aufsaugen kann nur die Zentralbank, denn für die gelten Bankregulierung und Eigenkapitalregeln ja nicht. Wäre ja auch blöd, wenn sich die Zentralbank als Bankenaufsichtsbehörde selbst dichtmachen müsste. :D :D :D

      • PW
        PW sagte:

        @Stoertebekker

        Dietmar Tischer hat den Dissens doch genau herausgearbeitet:
        >…eine Bank muss Zentralbankgeld an den Staat überweisen, das sie dafür gegen Pfänder erwirbt.>

        Das ist nicht richtig.

        Zentralbankguthaben (auf Bankkonten bei der Zentralbank) und Guthaben auf Bankkonten (des Staates, der Unternehmen und Privatpersonen) sind Guthaben in zwei FUNKTIONAL getrennten Geldkreisläufen.“

        Der Dissens: Guthaben des Staates sind Zentralbankguthaben (Konto bei der Bundesbank). Eine Geschäftsbank muss die Anleihe mit Zentralbankgeld kaufen.
        Eine Geschäftsbank kann die Anleihe nicht mit Buchgeldschöpfung finanzieren.

        Auch das Thema der getrennten Geldkreisläufe sehe ich etwas anders: das Buchgeld des Publikums ist dem Wesen nach immer nur ein Zahlungsversprechen EINER Geschäftsbank. Bei einer Überweisung an eine andere Geschäftsbank werden keine Zahlungsversprechen verschoben. Das Zahlungsversprechen wird jeweils implizit gezogen. (Bzw. in Summe täglich glattgestellt.)

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        Zu Ihrem ersten Nein – Ja, bezogen auf den zweiten zitierten Satz.
        (Kann man eben doch nicht zwischen Tür & Angel machen, gelegentlich schleicht sich leider der Schlendrian ein.)

        Was ich eigentlich sagen wollte, aber unsauber bzw. falsch formuliert habe.

        Wenn eine Bank eine Anleihe an die ZB verkauft, kann sie bei gegebener Bilanz-/EK-Struktur eine Anleihe/einen Kredit desselben Ratings in derselben Höhe wieder in die Bilanz nehmen. Bei schlechterem Rating weniger, bei besserem Rating mehr. Der Tausch (Abgabe an die ZB, Neuausgabe an Kreditnehmer) von Anleihen/Krediten desselben Ratings macht aus Risikogesichtspunkten nicht viel Sinn, bei höherem Rating kann man sich mehr einladen, bei niedrigerem Rating mehr.

        Zu Ihrem zweiten Nein – Nein.

        Aber da kommen wir nicht zusammen. Der erste Teil Ihrer Aussage ist ja richtig. Jede einzelne Bank ist natürlich durch die Mindesteigenkapitalanforderung begrenzt in der Möglichkeit, Staatsanleihen (bzw. irgendwelche Anleihen) in ihre Bilanzen zu nehmen. ABER es gibt ausreichend viele Banken (und weitere Nachfrager wie Pensionsfonds, Staaten wie u.a. China) WELTWEIT, um das ausgegebene Volumen aufzusaugen. Jedenfalls noch.

        Fazit: die Kreditvergabekapazität der Banken wird durch ihr Eigenkapital und ihre Bilanzstrukturen bestimmt. Da spielen die Mindestreserven bei der Zentralbank keine und die QE-Programme eine untergeordnete Rolle.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        3. Absatz, letztes Wort: weniger

        Glaub, ich hör besser auf für heute…

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott, @ Stoertebekker

        @ Richard Ott

        >Fällt Ihnen da vielleicht eine ganz praktische Methode ein, wie eine Bank Zentralbankguthaben doch für Zahlungen in der Realwirtschaft verwenden könnte und die irgendwie etwas mit Bargeld zu tun hat? ;)>

        Theoretisch kann die Bank sich ihr Zentralbankguthaben in Bargeld auszahlen lassen und dann ALLE ihre Rechnungen mit diesem Bargeld, soweit es reicht, bezahlen.

        THEORETISCH, aber nicht praktisch.

        Faktisch irrelevanter Einwand bezüglich der Diskussion.

        @ Richard Ott, @ Stoertebekker

        >Unbegrenzt große Mengen Staatsanleihen aufsaugen kann nur die Zentralbank, denn für die gelten Bankregulierung und Eigenkapitalregeln ja nicht.>

        Das unbegrenzte Aufsaugen ist richtig, die Begründung dafür FALSCH.

        Denn der Kauf von STAATSANLEIHEN durch die Geschäftsbanken muss bei denen NICHT mit Eigenkapital unterlegt sein.

        Hier:

        https://www.bundesbank.de/de/publikationen/forschung/research-brief/2020-36-banken-als-investoren-in-staatsanleihen-851032

        Daraus:

        „Außerdem sind sie (die europäischen Banken, D. T.) gegenüber Anleihen privater Emittenten regulatorisch begünstigt, das heißt, sie müssen nicht mit Eigenkapital hinterlegt werden, solange sie aus dem eigenen Währungsraum kommen. Bis zu zehn Prozent der Bilanzsumme mach-ten Staatsanleihen in den nationalen Bankensystemen Ende 2010 aus, als die europäische Staatsschuldenkrise bereits ein kritisches Stadium erreichte. Während der Schuldenkrise erhöhten Banken in den Peripherieländern des Euroraums ihre Bestände heimischer Staatspapiere weiter, die – auch risikobedingt – höher rentierten. Besonders betroffen von der Krise waren dabei Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Irland, die im Folgenden als „Krisenländer“ bezeichnet.“

        Das heißt nicht, dass die Geschäftsbanken UNBEGRENZTE Mengen von Staatsanleihen kaufen können, selbst wenn sie mit den Provisionen hübsches Geld verdienen.

        Vor allem können Sie NICHT neu ausgegeben kaufen und UMGEHEND an die Zentralbank verkaufen.

        Das ist untersagt, weil es MONETÄRE STAATSFINANZIERUNG wäre.

        Die EZB wird am Weg FINDEN, es dennoch zu tun, um die Eurozone zu stabilisieren.

        Siehe die Verlautbarungen zum gestrigen PANIK-Meeting der EZB.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ PW

        >Der Dissens: Guthaben des Staates sind Zentralbankguthaben (Konto bei der Bundesbank).>

        Klar, der Staat hat Konten bei der Bundesbank, genauso wie die Geschäftsbanken.

        Der Staat hat auch Konten bei den Geschäftsbanken.

        Auch die Guthaben darauf sind Guthaben des Staats, aber NICHT Zentralbankguthaben.

        Es gibt REGULATORISCHE Unterschiede, die entscheidend sind für die FUNKTIONALITÄT dessen, was jeweils mit den Guthaben auf DIESEN Konten – Konten bei der Zentralbank und Konten bei den Banken – möglich ist.

        >Eine Geschäftsbank muss die Anleihe mit Zentralbankgeld kaufen.>

        Definitiv NEIN.

        Beispielhaft:

        Die Geschäftsbank verkauft Aktien und kauft mit dem Erlös Staatsanleihen.

        Wenn Sie Recht hätten, müssten auch die ihre Aktienkäufe mit Zentralbankgeld gekauft worden sein.

        Das ist nicht der Fall.

        Zentralbanken üben GROSSEN Einfluss auf die Geschäftsbanken aus.

        Das heißt aber NICHT, dass sie ihnen das Geld für Assetkäufe zur Verfügung stellt – noch nicht einmal das für den Kauf von Staatsanleihen tut sie das.

        >Eine Geschäftsbank kann die Anleihe nicht mit Buchgeldschöpfung finanzieren.>

        Doch sie kann es – und sie tut es.

        Ich empfehle Ihnen, die Bundesbankseiten aufzurufen, in denen die Zusammenhänge erklärt werden.

        Man muss nicht alles in der Tiefe verstehen, die STRUKTURELLEN Unterschiede zwischen Zentralbankgeld und Giralgeld aber schon, um zu begreifen, was die Geldpolitik der Notenbanken bewirken kann und was sie NICHT bewirken kann.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Da haben wir uns im Thread ganz schön verzettelt, auch, weil ich nicht präzise formuliert habe. 😉

        Eigentlich wollte ich Ihnen nur sagen – wenn eine Geschäftsbank Anleihen an die Zentralbank verkauft (zB im Rahmen des Anleihekaufprogramms), dann kann sie im Anschluss zwar eine neue Anleihe/neuen Kredit begeben, aber für dieselbe Risikokategorie nur in der gleichen Höhe, für schlechteres Rating in geringerem Umfang und für besseres Rating in höherem Umfang.

        Daher ist es für die Bank von begrenztem Spaß, eine Anleihe abzugeben und eine gleich hohe in der gleichen Risikokategorie neu aufzulegen. Aus Risikogesichtspunkten ein Nullsummenspiel.

        Deshalb glaube ich eben nicht, dass QE zu (stark) erhöhter Geldschöpfung geführt hat und noch weniger, dass Banken nach Abgabe “guter” Risiken sich schlechtere in geringerem Umfang ins Portfolio geholt haben. Tendenziell sind die an einer Risikoverringerung interessiert.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Deshalb glaube ich eben nicht, dass QE zu (stark) erhöhter Geldschöpfung geführt hat>

        Sehe das auch so.

        Es kann auch gar nicht anders sein, wenn GELDSCHÖPFUNG (Schaffung von Giralgeld) etwas GRUNDSÄTZLICH anders ist als die Schaffung von Zentralbankguthaben und „Transfers“ vom einen zum anderen NICHT möglich sind.

        Und zweitens, das war ja der Ausgangspunkt der Diskussion:

        QE hat das Niveau der Langzeitzinsen nur sehr, sehr marginal beeinflusst.

        Auch da stimmen wir überein.

        Aber – und das ist die Ausnahme:

        Das Zinsniveau von Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Staaten wird die EZB deckeln.

        Siehe die Krisensitzung von gestern, wo von neuen Instrumenten die Rede ist.

        Die LEBENSLÜGE der EZB:

        Wir halten den GELDPOLITISCHEN TRANSMISSIONRIEMEN am Laufen, um die Liquiditätsversorgung zu sichern.

        Die WAHRHEIT:

        Wir SICHERN die Währungsunion vor dem Zerfall und BEGRÜNDEN dies damit, dass wir den geldpolitischen Transmissionsriemen am Laufen halten.

  6. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    Die EZB steht unter dem gleichen öffentlichen und politischen Druck wie die Fed (Politisierung der ZBen zum Schaden aller wegen kollektiver Fehlprogrammierung). Weil nur die wenigsten in der Lage sind, zwischen echter/monetärer Inflation sowie unechter/nichtmonetärer Inflation (aka temporäre Anpassung der relativen Preise) zu differenzieren, wird auf die ZBen ein durch NICHTS zu rechtfertigender Druck aufgebaut, die Zinsen zu erhöhen, OBWOHL von den Märkten/Zinsstrukturkurven ganz andere/disinflationäre Signale ausgesendet werden.

    Im Fazit der FAZ wurde zumindest die Geschichte mit den relativen Preisen endlich korrekt erläutert: https://blogs.faz.net/fazit/2022/06/10/die-wurzeln-der-inflation-2-12737/. Ansonsten irrt aber auch Patrick Welter weiter in den monetären Hierarchieebenen umher und kommt zu den falschen Schlussfolgerungen.

    Antworten
      • @ Dietmar Tischer
        @ Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Zu dem von Ihnen verlinkten Kern:

        >Inflation ist also ein Phänomen, bei welchem Preise auf breiter Front ansteigen und gleichzeitig angenommen werden muss, dass diese Steigerung jedes Jahr erneut in ähnlichem Umfang stattfindet.>

        „auf breiter Front ansteigen“ ist RICHTIG, bildet der Warenkorb für die Verbraucherpreise weitgehend ab.

        „gleichzeitig angenommen werden muss, dass die Steigerung in jedem Jahr erneut in ähnlichem Umfang stattfindet“ ist eine WILLKÜRLICHE Aussage, weil

        a) es nicht darum geht, dass etwas ANGENOMMEN werden muss, sondern dass etwas GEMESSEN wird – hier also eine IRRELVANTE und daher IRREFÜHRNDE Behauptung vorliegt

        und

        b) „jedes Jahr“ und „ähnlicher Umfang“ durch NICHTS festgelegt ist.

        Jedes Jahr – von WIEVIEL Jahren?

        Und überhaupt Jahre:

        Sie haben doch selbst mal gesagt, dass die Periodendauer NICHT definiert ist.

        Statt ein ähnlicher Umfang kann es auch ein STEIGENDER oder von einem hohen Niveau aus fallender Umfang sein – selbst dann ist es noch Inflation.

        „Nirgendwo sehen wir das Bild einer überhitzten Eurozone, in der die verfügbaren Einkommen deutlich schneller wachsen als die Produktionskapazitäten“

        Das ist richtig, schließt aber nicht aus, dass wir es mit Inflation zu tun haben.

        Die gestiegenen Energiepreise schlagen GESAMTWIRTSCHAFTLICH so sehr durch, dass wir – gemessen am Warenkorb – stark gestiegene Preise haben.

        Haben wir hier alles schon gehabt.

        Wir HABEN Inflation.

        Ich schließe aber NICHT aus, dass die Verbraucherpreise sich mittelfristig, d. h. schon ab Ende des Jahres/im 1. Quartal 2023 zurückbilden werden, weil die Kosten (Energiepreise) nicht mehr steigen.

        Und ich schließe auch NICHT aus, dass die Verbraucherpreise sehr stark sinken und damit auch die Inflation, wenn wir eine Rezession haben werden.

        Dann WAR es aber trotzdem Inflation, was wir seit einiger Zeit haben und es kann immer NOCH Inflation sein.

        Kurzum:

        >Es gibt also keinen inflationären Druck im eigentlichen Sinne des Worts>

        Das ist SCHÖNREDNEREI.

        Es gibt ihn (noch) nicht auf der Basis steigender Löhne und Preise.

        Und was diese betrifft, warten wir mal ab.

      • Thomas M.
        Thomas M. sagte:

        Dass man den “eigentlichen Sinn” des Wortes “Inflation” nicht definiert, sondern schön flutschig im eigenen Kopf behält, scheint mir auf einen Mangel an wissenschaftlicher Ausbildung bei Ökonomen zurückzugehen?!

        Ist doch gar nicht so schwer.

        Preisniveau mit Warenkorb messen.
        Zeitraum für Mittelung und Zeitabstand für Delta festlegen (Monat, Jahr, 3 Jahre etc.)
        Anstieg Preisniveau = Inflation
        Absinken Preisniveau = Deflation

        Das ist die abhängige Variable. Kann man sauber messen. Hat noch GAR NICHTS mit Ursachen für ggf. beobachtete Veränderungen zu tun.

        *DANN* kann man sich darüber streiten, was eine gemessene Inflation oder Deflation verursacht.

        Aktuell plausibel für Verbraucherpreise: angebotsseitige Verteuerung durch Energiepreisanstieg und Lieferkettenstörungen. Die Geldmengenausweitung als eine *weitere* Ursache für Inflation ist zumindest für die USA nicht unplausibel, wenn man sich die Mrd. Helikoptergeld während der Pandemie anschaut.

        Was niedrige oder hohe Inflation ist, ist eine Wertung. 8% von 0-2% kommend auf ein Jahr betrachtet ist meinem Empfinden nach ganz schön steil. Sofern es im nächsten Jahr nicht -8% Inflation gibt oder die Löhne um 8% steigen, müssen Arbeitnehmer faktisch einen Monat “umsonst” arbeiten verglichen mit 2021 und zuvor bzw. rund einen Monat zusätzlich arbeiten, um die gleiche Kaufkraft zu erwirtschaften.

        “Ist keine Inflation im eigentlichen Sinn” ist methodische Huddelei. Sauber und m.V.n. gemeint ist: Die gemessene Inflation geht nicht auf die Ausweitung der Geldmenge zurück, sondern ist produktionsseitig bedingt (cost push inflation). Insofern kann man die Leitzinserhöhung auch kritisch sehen; aber wer nur ‘nen Hammer hat… der muss halt hämmern.

        Lassen Sie uns einmal in einem Jahr schauen, wie “transitory” die Inflation in der Rückschau war.

      • @ Dietmar Tischer
        @ Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        Aber, aber, was schreiben Sie denn da:

        Verlinkungen, die von M. Stöcker mit „lesenswert“ geadelt werden, sind UNANTASTBAR.

        Wer J. Snider versteht, kann zwischen echter und unechter Inflation unterscheiden und weiß daher:

        Die Heerscharen von Ökonomen in den Zentralbanken dieser Welt arbeiten in einem System „kollektiver Fehlprogrammierung“.

        So hat der liebe Gott eben die ökonomische Weisheit verteilt 😉

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @Thomas M.

        So sollte man es machen.

        Dann braucht man aber noch eine andere Definition: Die für „transitory“.
        Denn das hängt ja davon ab, wie viele Zeitabstände Delta t (dt) mit einem Mittelungszeitraum ™ von derselben Größe hintereinander vergehen, und dabei eine Inflation zeigen oder nicht.

        Bei einem einmaligen Preisschock von sagen wir 10%, bei dem man jeden Monat als Mittelungszeitraum mit einem dt von einem Jahr (also 12 mal tm ) anguckt, hat man 12 einzelne Monate lang jeweils 10%*, im Jahr darauf fällt es plötzlich auf Null und ist weg.

        *(wenn im Vorjahr die Preise sich gar nicht entwickelt hätten, Vereinfachung)

        Ich hab schon mal argumentiert, dass diese Betrachtung zwar mathematisch korrekt ist, ich sie aber für nicht sonderlich sinnvoll halte. In meinem breiteren Umfeld wird sie auch wenig verstanden und missgedeutet. Die sprachliche Aufbereitung durch die Medien tut ihr Übriges zur Verwirrung.

        Wenn dt und tm gleich sind, sehe ich was ANDERES, nämlich die Entwicklung. Das ist das, was man sich anguckt, wenn man die Jahresmittelinflationen bezogen auf die Vorjahre angibt (dt = tm).
        Und das ist WAS ANDERES als das, was man sieht, wenn man die Monatsinflationen mit einem dt von einem Jahr angibt (was aktuell gemacht wird).

        Wenn dann die Medien berichten: Alles WIRD teurer und dann die 8% einblenden ist das missverständlich am Rand der Falschheit. Alles IST teurer GEWORDEN und evtl. schon länger wieder stabil – was man an DIESEN Zahlen gar nicht sehen kann, sondern nur an anderen sehen könnte.

        Und dann will ich gerade den Medien Solches vorwerfen und stelle fest, dass die Profession mit ihren Professoren dieser Wissenschaft das selber nicht klar gezogen kriegt.

        Lächerlich!

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        “Dass man den “eigentlichen Sinn” des Wortes “Inflation” nicht definiert, sondern schön flutschig im eigenen Kopf behält, scheint mir auf einen Mangel an wissenschaftlicher Ausbildung bei Ökonomen zurückzugehen?!”

        Das überrascht Sie? In den Sozialwissenschaften völlig üblich.

        Die heutigen Feminist*innen können nicht einmal mehr definieren, was eigentlich eine “Frau” ist – aber das hält xie nicht davon ab, dauernd ganz viele teure Maßnahmen zur “Frauenförderung” vorzuschlagen. :D

        Solche festen Definitionen stören auch nur, denn es geht immer situativ darum, bestimmte Maßnahmen zu rechtfertigen, die zur Umverteilung zugunsten der eigenen Klientel führen. Viele Ökonomen arbeiten für Banken, Staaten oder andere Organisationen, die derzeit hoch verschuldet sind oder sich als Interessenvertreter der aktuellen Rentnergeneration in den OCED-Ländern fühlen – da ist doch offensichtlich, dass die sich alle im Moment schön hohe Inflation wünschen und originelle Methoden vorschlagen um die existierende Inflation möglichst wegzudefinieren.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Thomas M.

        Das wäre in der Tat ein Weg, der dem aktuellen Chaos Struktur gäbe.

        Allerdings bleibt als Problem, die Geldmengenausweitung als Ursache isolieren zu können, um dann mit dem “Hammer” draufhauen zu können. Ohne diese Isolierung ist jede diesbezügliche Aktion der Zentralbanken ja unmöglich. Und damit ein Pfeiler deren Existenz zerbröselt.

        (Es hilft leider auch nicht, dass selbst die FED zu unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Definitionen unterwegs ist.)

        https://www.clevelandfed.org/en/newsroom-and-events/publications/economic-commentary/economic-commentary-archives/2008-economic-commentaries/ec-20080601-rising-relative-prices-or-inflation-why-knowing-the-difference-matters.aspx

  7. Gnomae
    Gnomae sagte:

    “Aufgrund der Rekord-Inflation im Euroraum sieht sich die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt gezwungen, die Zinsen anzuheben. Im Juli sollen die Leitzinsen um jeweils 25 Basispunkte steigen.”

    Das heißt also im Klartext, dass sich die Zinsen weiterhin im rechtswidrigen, da negativen Bereich bewegen werden. Zinsanhebung ist hier bereits erheblicher Euphemismus.

    Mit Ihrer Zinspolitik macht die EZB eigentlich Währungspolitik. Ein totaler Fehlschlag, weil dadurch Importe (vor allem Öl, Gas, andere Rohstoffe) teurer werden, also die Bürger weiterhin eine hohe Inflation tragen müssen.

    Beim Benzinpreis regen sich die Politiker auf, bei der EZB nicht. Es sollte umgekehrt sein, ein Aufreger bei den Negativzinsen und den Bezinpreis nicht regulieren.

    Antworten
    • Christoph Gniatkowski
      Christoph Gniatkowski sagte:

      Auf den Bürger oder Wähler wird bei Politik/EZB doch nicht geschaut. Anders ist es nicht zu erklären. Die Zinsen wurde seit 10 Jahren praktisch nicht nennenswert erhöht. Die Verschuldung ist höher. Die Sanktionen schaden nur den Bürgern in Europa und besonders der Mittelklasse. Öl muss jetzt teurer eingekauft werden mit längeren Transportwegen. Mit Realpolitik im Sinne des Bürgers hat dies absolut nichts zu tun. Es wird nich besser, sondern wesentlich schlechter in Europa.

      Antworten
    • @ Dietmar Tischer
      @ Dietmar Tischer sagte:

      @ Gnomae

      >Mit Ihrer Zinspolitik macht die EZB eigentlich Währungspolitik. Ein totaler Fehlschlag, weil dadurch Importe (vor allem Öl, Gas, andere Rohstoffe) teurer werden, also die Bürger weiterhin eine hohe Inflation tragen müssen.>

      Sie macht nicht eigentlich, sondern TATSÄCHLICH Währungspolitik.

      Würde sie den Leitzins NICHT wie angekündigt demnächst erhöhen, würde der Euro gegenüber dem USD weiter an Wert VERLIEREN und dadurch die IMPORTE verteuern, was AUCH zur Inflation beiträgt.

      Kurzum:

      Die BEABSICHTIGTE Zinspolitik trägt insoweit zur Minderung der Inflation bei.

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Sie macht nicht eigentlich, sondern TATSÄCHLICH Währungspolitik.“

        Das ist auch nur so ein Mythos, der auf der Idee des Zinsdifferentials gründet. Tatsächlich ändern Zinserhöhungen der EZB aktuell NICHTS an einem starken Dollar, da die Hauptursache für die Aufwertung des Dollars nicht im Zinsdifferential zu suchen ist, sondern in der GLOBALEN Dollar Knappheit wegen GLOBALER Kreditkontraktion. Lyn Alden hat es in dem verlinkten Beitrag auf den Punkt gebracht:

        „The credit-based global financial system we have constructed and participated in over the past century has to continually grow or die. It’s like a game of musical chairs that we have to keep adding people and chairs to in order for it to never stop.”

        Kurzum:

        Die BEABSICHTIGTE Zinspolitik trägt insoweit zu einer HOMÖOPATHISCHEN Minderung der Preissteigerung bei.

      • @ Dietmar Tischer
        @ Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stoecker

        >Tatsächlich ändern Zinserhöhungen der EZB aktuell NICHTS an einem starken Dollar, da die Hauptursache für die Aufwertung des Dollars nicht im Zinsdifferential zu suchen ist, sondern in der GLOBALEN Dollar Knappheit wegen GLOBALER Kreditkontraktion.>

        SIE können zwischen Haupt- und Nebenursachen unterscheiden.

        Natürlich.

        Die ÄNDERUNG des Leitzinses durch die EZB BEWIRKT Änderungen in der RELATIVEN Bewertung des Euro zum Dollar und anderen Währungen.
        Dies hat Auswirkungen auf die Inflation.

        Wenn Sie dies abstreiten, machen Sie sich lächerlich.

        Dass es auch andere Wirkungen auf Währungen gibt, im vorliegenden Fall ganz sicher durch die Zinspolitik der Fed, widerspricht dem nicht.

        Und dass die Zinspolitik der Fed oder der EZB die Parität so ändern könne, dass damit die Inflation gebändigt wird, hat niemand behauptet.

        Was das Zitat der von Lyn Alden soll, verstehe ich nicht.

        Sie spricht über das GLOBALE FINANZSYSTEM, zu dem AUCH die Notenbanken gehören.

        Über das GLOBALE Finanzsystem inkl. Notenbanken zu reden macht KEINEN Sinn, wenn wir NUR die Wirkung der Notenbanken betrachten.

  8. Christoph Gniatkowski
    Christoph Gniatkowski sagte:

    Die EZB kann die Zinsen nicht erhöhen und QE einstellen. Der Zug ist abgefahren. Die Renditen in Südeuropa haben sich innerhalb von 3 Monaten verdoppelt. Die EZB kauft die meisten Anleihen dieser Länder. Welcher Investor kauft italienische 10Y mit 4%, wenn er US10Y mit 3,3% bekommt? Wir sind hier wohl im Endspiel. Die EZB wird weiter Monetarisieren und der EUR wird bald sein Ende finden. Inflation wird bleiben. Vielleicht erhöhen die 25/50 Punkte, es kommt zum Crash und es geht mit den Zinsen wieder runter..

    Antworten
    • @ Dietmar Tischer
      @ Dietmar Tischer sagte:

      @ Christoph Gniatkowski

      >Welcher Investor kauft italienische 10Y mit 4%, wenn er US10Y mit 3,3% bekommt? Wir sind hier wohl im Endspiel.>

      Wir sind (noch) nicht im Endspiel.

      Die Leitzinserhöhung der EZB verteuert die NEUVERSCHULDUNG des italienischen Staats.

      Wenn sie sich nicht verteuern würde, dann kaufte an den Märkten keiner italienische Staatsanleihen und der italienische Staat könnte sich nicht finanzieren durch Neuverschuldung.

      Verteuern sich aber die Neuverschuldung des italienischen Staats, kann er sich der höheren Kosten wegen nicht hinreichend neu verschulden.

      Wie wird das Problem gelöst?

      Wie bisher – wie Sie selbst sagen:

      >Die EZB kauft die meisten Anleihen dieser Länder.>

      Sie wird sie VERMEHRT kaufen, auch wenn sie QE einstellt.

      Kurzum:

      Die MÄRKTE werden bei der Preissetzung weitgehend ausgeschaltet.

      Antworten
    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @Ch Gniatkowski

      Es kauft genau der europ. Investor Italien 4y statt US 10y, der beim Wechselkurs zum USD die 1,22 von vor ziemlich genau einem Jahr nicht vergessen hat.

      Was nützen 0,7% mehr Nominalzins, wenn die Währung auch locker wieder 10% südwärts gehen kann.

      Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Stoertebekker

      Ja, und? “Die Märkte” haben auch vor genau 2 Jahren keine Wirecard-Pleite erwartet. Ein paar Tage später kam sie trotzdem…

      Antworten
      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        Echt? Hat (fast) keiner den Betrug vorhergesehen?

        Selbstverständlich können Märkte auch irren – aber in jedem Fall seltener als einzelne Auguren.

        Dachte, dass hier im Forum genau die Märkte gegenüber dem allwissenden Staat hochgehalten werden. Aber von Ihnen offenbar immer nur, wenn’s passt. Dass Sie zum Verteidiger der allwissenden Zentralbanken werden, hätte ich auch nicht erwartet.

        PS Richten Sie Ihre Investitionsstrategie doch an ner galoppierenden Inflation aus. Ich werde es nicht tun.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        >Echt? Hat (fast) keiner den Betrug vorhergesehen?
        Schauen Sie sich den Wirecard-Chart vom Juni 2020 an, dann sehen Sie, was ich meine.

        “Dachte, dass hier im Forum genau die Märkte gegenüber dem allwissenden Staat hochgehalten werden. Aber von Ihnen offenbar immer nur, wenn’s passt. Dass Sie zum Verteidiger der allwissenden Zentralbanken werden, hätte ich auch nicht erwartet.”

        Was wollen Sie mir damit sagen? Als Polemik ist das ein bisschen lasch, als ernsthafte Argumentation ist es ein bisschen primitiv, wenn Sie ernsthaft vom “allwissenden Staat” und der “allwissenden Zentralbank” schreiben. Zumal die Anleihenpreise an “Den Märkten” bekanntlich jahrelang massiv von den Zentralbanken beeinflusst wurden; das EZB-Anleihenkaufprogramm läuft sogar jetzt noch weiter und stellt seine Neukäufe erst zum 01. Juli 2022 ein.

        Ich kann übrigens staatliche Planwirtschaft ablehnen und gleichzeitig akzeptieren, dass sich “Die Märkte” ziemlich oft irren, die sind genauso fehlbar wie die Menschen, die an ihnen agieren. Sie sind nur immer noch klüger als die sozialistischen Funktionäre in der Staatlichen Plankommission – was allerdings nicht besonders schwierig ist.

        PS Bin gerade voll in Kürbis-Futures investiert. Die gehen im Sommer und Frühherbst immer richtig hoch, man muss nur den Ausstiegszeitpunkt gut timen… ;)

      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ Stoertebekker

        >> “PS Richten Sie Ihre Investitionsstrategie doch an ner galoppierenden Inflation aus. Ich werde es nicht tun.”

        Ich wäre da nicht so kühn. Zwar fühle ich mich nicht mehr unmittelbar betroffen, doch ich will warnen. Es muss ja nicht gleich eine galoppierende Inflation sein, aber die Zeichen – nachhaltig teurere Rohstoffe, eine zum Selbstmord entschlossene Ukraine, ein wahrscheinlich scharfer Engpass auf den Agrarmärkten, ein nie gesehener Liquiditätsübehang, Rückbau der Globalisierung, … reicht’s? – deuten auf einen gründlichen Umschlag bei den ‘termes of trade’, was in den wirtschaftlichen Folgen ziemlich auf dasselbe hinausläuft. Warum also lang darüber rätseln?

        Also Gegenparteirisiken abbauen (ich habe keine mehr ausser für ein bißchen cash), die Finanzmärkte hinter sich lassen (schon seit zwei Jahren), den Bankensektor meiden (ganz ohne geht es leider noch nicht), zuschauen wie es von selber mehr wird, und segeln gehen. Nächste Woche werde ich 86 Jahre jung und lese bto zur Erheiterung.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Bauer

        Sehe die Entwicklungen ja ähnlich wie Sie. Allerdings haben wir zunächst mal zwei unterschiedliche Denkweisen

        a) mit 86 kann man sich eher aus dem Finanzmarkt verabschieden als knappe 30 Jahre früher. Immer.

        b) mit 86 hätte ich kein Interesse daran, dass “mein” Berg noch größer wird. Bin bereits heute ok, persönliche Freiheit und sinnvollen Zeitvertreib gegen ein Abschmelzen des Bergs zu tauschen. (Allerdings schon lieber durch mich kontrolliert als durch unkontrollierte Umstände.)

        Tja, und dann ist die Frage, was tun. Bin ohnehin seit einer unternehmerischen Nahtoderfahrung in 2009 gezielt breit aufgestellt (neben Aktien & Mischdepots auch physische Edelmetalle/Immobilien/USD/CHF. Und seit jüngerem auch gezielt wieder Do-it-yourself-Fertigkeiten.)

        Und dann beobachte ich, dass meine China-Aktien gerade wieder kommen, für meine russischen ADR mir ein Tausch auf die Verwahrung in Russland angeboten wird (ohne Info, was passiert, wenn ich das nicht mache – wird wohl auf Enteignung hinauslaufen). Bayer schwankt mit den Gerichtsentscheiden, Bayer/BASF/Eon zahlen ganz ordentliche Dividende.

        Sehe nicht, warum ich das ändern sollte. Wenn die Globalisierung deutlich zurückdreht und China sich mit Zero-Covid selbst vernichtet, dürften deutsche Schwergewichte attraktiver werden (Chemie ist für alles nötig), wenn Hunger droht, sind die paar verbliebenen Crop-Science-Kandidaten nicht so schlecht, wenn die Energie tatsächlich knapp wird, fahren die alten Energiekonzerne wieder nach vorn. usw. Das Problem ist wie immer – die Glaskugel hilft leider nicht. Aber etwas cash für sich konkretisierende Chancen sollte schon noch bleiben.

        Jetzt panisch alles in alle möglichen Asset-Klassen ggfs. noch im Ausland zu schaufeln, halte ich dann doch für Unsinn. Enteignungen in schwierigen Zeiten sind ja nicht nur im Osten vorgekommen, das drohende europ. “Besitzregister”, die Grundsteuerreform usw. usw. sind für den, der noch länger durchhalten will, ja nun auch nicht unbedingt ein Garant für ruhigen Schlaf. Und wenn der Staat über die Besteuerung von Übergewinn (was für ein Wort🤦‍♂️) nachdenkt, ist ihm leider noch viel mehr zuzutrauen.

        Daher – ich gehe zwar nicht segeln, aber genieße den Sommer am Wasser, gehe jagen, werde immer besser bei der Fleischverarbeitung, fordere den Geist mit Blockchain und momentan etwas Quantencomputing (Einführung), helfe dem Einen oder Anderen Startup bei unternehmerischen Themen, lese u.a. bto auf der Suche nach neuen Impulsen (stichele gelegentlich auch ein wenig) und hoffe darauf, auch mit 86 noch ausreichend Freude am Leben zu haben – bei ausreichend großem Berg für vielleicht eine weitere Dekade.

        Also – Ruhe bewahren, vom Sentiment nicht anstecken lassen, beobachten und eigentlich immer counter-zyklisch agieren. Also jetzt genau (zusätzlich zur langfristigen Streuung) das tun, was man bei Null Inflation tun würde. Ich hab nur leider immer weniger Lust und Spaß, mich mit dem Thema zu beschäftigen – dafür gibt es zu viel Anderes, was ich gern noch schaffen würde.

        (Gold hab ich gekauft, als keiner über Inflation geredet hat. Wohnung in Berlin, als der Mietendeckel in Kraft war. Unser Wohnhaus in top Wohnlage in der abflauenden Finanzkrise 2009. Usw.)

      • weico
        weico sagte:

        @Bauer

        “…eine zum Selbstmord entschlossene Ukraine..”

        Da die Ukraine ja grosszügige Hilfe zum Selbstmord bekommt, sollte man es eher ….. Beihilfe zur Selbsttötung bzw. assistierter Suizid …benennen .

        Das Ziel ist zwar das gleiche, aber bekanntlich ist ja …”der Weg ist das Ziel” !

  9. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >… ist die EZB natürlich viel zu spät dran mit ihrem noch dazu überaus vorsichtigen Bremsmanöver. Der Punkt, an dem man die Wirtschaft nur leicht dämpfen musste, um den Preisanstieg und vor allem eine sich verselbstständigende Inflationsdynamik zu vermeiden, dürfte hinter uns liegen.>

    Zwei Aussagen, daher zwei Kommentierungen:

    zu a)

    Die Notenbanken/EZB haben den Zeitpunkt verpasst, an dem sie die Inflation mit nur leichter Dämpfung der Wirtschaft hätte bekämpfen können.

    Das ist eine Aussage, die NICHT belastbar zu begründen ist mit Blick auf die Vergangenheit.

    Wir hatten die Finanzkrise, danach sich hoch verschuldende Staaten und die Euro-Krisen (Griechenland, steigende Spreads für Staatsanleihen von Peripheriestaaten mit Draghis „whatever it takes …“-Versprechen, das ein VERSPRECHEN war, für GENÜGEND Liquidität zu sorgen, damit die Eurozone nicht kollabieren würde).

    Später kam die Pandemie hinzu.

    Ohne Zweifel, die EZB hätte „leicht dämpfen“ können.

    Was unter den aufgeführten Umständen die FOLGEN gewesen wären, steht in den Sternen, würde jedoch angesichts der SCHWACHEN Wachstumsraten unweigerlich mit STEIGENDEN Risiken verbunden gewesen sein.

    Die wären ganz sicher NICHT leicht zu nehmen gewesen.

    Die Behauptung beinhaltet allerdings eine RELATIVE Wahrheit, denn

    zu b)

    Es ist in der Tat höchst FRAGLICH, ob eine sich VERSELBSTÄNDIGENDE Inflationsdynamik noch zu vermeiden ist DURCH die Notenbanken.

    Dafür, dass sie NICHT zu vermeiden ist, spricht:

    a) dass die Friedensdividende, die auf globaler KOSTENSENKUNG ausgerichteter Arbeitsteilung basiert, nicht so wie bisher eingestrichen werden wird angesichts der erkennbaren RISIKEN, die damit verbunden sind

    und

    b) dass der demografische Faktor, der INFLATIONSTREIBEND ist, sich nicht außer Kraft setzen lässt

    und

    c) dass durch die gesellschaftliche Transformation, i. e. die Energiewende mit Folgen, zumindest Friktionskosten, aber absehbar auch dauerhaft höhere, die INFLATION treibende Kosten, generiert werden.

    Dies alles deutet darauf hin, dass die INFLATIONSDYNAMIK ein STRUKTURELLES Problem ist, das sich NICHT durch Geldpolitik, d. h. letztlich Beeinflussung der Zinssätze für realwirtschaftliche Investitionen der Privatwirtschaft und des Staats LÖSEN lässt.

    Insofern:

    Wenn es zu der INFLATIONSDYNAMIK kommen, für die ich Gründe genannt habe, dann liegt die URSACHE dafür NICHT in der vermeintlichen oder tatsächlichen zu späten Änderung der Geldpolitik der Notenbanken.

    Die Notenbanken haben über die Bedingungen, die sie mit ihrer Geldpolitik für die Kredite der Banken setzen, sehr wohl Einfluss auf die REALWIRTSCHAFTLICHE Entwicklung.

    Sie können aber damit NICHT DIREKT realwirtschaftliche STRUKTURVERÄNDERUNGEN bewirken.

    Der Cicero-Artikel ist daher oberflächlich.

    Denn statt auf die FUNDAMENTALEN Inflationsprobleme zu verweisen, wird wieder einmal ein SCHULDIGER gesucht.

    Es gibt keinen dankbareren als die Notenbanken und speziell die EZB.

    Daher:

    Ihnen ALLES in die Schuhe schieben.

    Dankbare Leser werden sich bestätigt fühlen.

    Antworten
  10. komol
    komol sagte:

    Die Wirkung der Geldpolitik der letzten mind. 13 Jahre auf die Inflation zu negieren ist doppelt falsch. Erstens hatten wir wie gesagt eine Inflation der Vermögenspreise. Zweitens zeigt das wieder einmal nur das mechanistische und eben Pfadabhängigkeiten und Evolution nicht berücksichtigende Denken der Mainstream-Ökonomik. Der wirtschaftshistorische Hauptgrund für die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 war technischer Wandel (Letztfolge des Gramm-Leach-Bliley Acts (der Folge des Telecommunication Acts von 1996 war) über den Dotcom-Crash bis zur Subprime-Krise (der Immobilienmarkt war hier nur das Hauptträgermedium um die Suchkosten für neue Internettechnologien externalisieren zu können)). Um dort rein zu kommen, wurde sich massiv verschuldet, und dies eben, wie gesagt, versucht invisibilisiert (durch Leverage) anderen reinzuschieben (über saving glut v.a. aus den USA nach weltweit). Mit dem Gelddrucken wurde dann die Kernschmelze verhindert (wie gezielt die Nicht-Rettung von Lehman war sei dahingestellt, es musste früher oder später so kommen – besser Lehman als AIG, weil dann hätte es richtig gekracht, denn das Schattenbankensystem kommt nicht an den Tresen der ZB), und es wurde dann über 10 Jahre genutzt um die versunkenen Kosten weltweit abzubauen. Stichwort: Minsky-Moment, wo alle durch eine Tür müssen, und deshalb kam es nie zur Verbraucherpreisinflation. Es stand immer auf der Schneide: Inflation vs. Deflation – eher deflationärer Druck bei Verbraucherpreisen und inflationärer bei Vermögenspreisen bzw. Investititionsgütern. Jetzt müssen sich beide Preiskategorien wieder annähern – und die Corona-Krise war dafür m. E. nur ein nützliches Vehikel um dies einzuleiten (natürlich im Sinne der Selbstorganisation der Märkte und der Wirtschaft gedacht). Dass hier noch einmal “nachgedruckt” wurde bzw. werden musste spielte bei Summen und Zeiträumen die vorher gedruckt wurden insgesamt keine zu überbewertende Rolle. Umso schwachmatiger ist es nun jedoch, was die Notenbanken machen. Sie sollten die Kaufprogramme stoppen – das ist richtig -, aber auf keinen Fall die Zinsen erhöhen, weil sie dann, wenn sie nicht Richtung 10 % erhöhen, wahrscheinlich ihre Glaubwürdigkeit einbüsen und keiner mehr da ist, der den wirtschaftshistorischen Wandel, den die Finanz- und Wirtschaftskrise ausdrückte, managen kann. Denn die angesprochenen versunkenen Suchkosten müssen am Ende die Staaten übernehmen und später über die Effizienzsteigerungen, welche die neuen Technologien mitbringen werden, abbauen. Wenn aber jetzt für neue Staatsanleihen massive Zinsen gezahlt werden müssen, kann man das nicht weiter tun, und kommt auch noch mit den immer weiter steigenden Kosten für die alten nicht zurande. Man kann nur hoffen, dass die Notenbanken ihre Glaubwürdigkeit nur deshalb nicht voll oder eben nur teilweise einbüßen, weil bislang noch nicht einmal wirklich verstanden wurde, wo die wahren Gründe dafür lagen, dass es zu den Ereignissen (also der Dotcom- und Finanz- und Wirtschaftskrise) kam, die das Gelddrucken auslösten, und das ist technischer Wandel (der ja auch in neokeynesianischen Wachstumsmodellen (Solow etc.), oder bei Schumpeter (österr. Schule) etc. den entscheidenden Faktor bildet, nur aber eben bei der Debatte um den Monetarismus und die Gründe für Finanzkrisen (1929 – 1932 war der Grund tlw. auch eine stark kommunikationsfördernde Technologie – die Kommerzialisierung des Automobils – , und die neue Sozialtechnologie namens Demokratie in Dtl. ..) gar nicht reflektiert wird). Dass gerade Kommunikationstechnologien so einschlagen ist deshalb nicht verwunderlich, weil die Grundelemente der Gesellschaft eben gerade Kommunikationen sind (siehe Luhmann, tlw. auch Habermas).

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @komol

      “Der wirtschaftshistorische Hauptgrund für die Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 war technischer Wandel (Letztfolge des Gramm-Leach-Bliley Acts (der Folge des Telecommunication Acts von 1996 war) über den Dotcom-Crash bis zur Subprime-Krise (der Immobilienmarkt war hier nur das Hauptträgermedium um die Suchkosten für neue Internettechnologien externalisieren zu können)”

      Das ist eine steile These – zumal die USA über Organisationen wie DARPA sowieso das komplette staatliche Verschuldungspotential nutzen konnten, um die Entwicklung neuer Technologien zu finanzieren. Wie sollen die Zahlungsströme in Ihrem Erklärungsansatz denn genau gewesen sein? Die Immobilienbesitzer nahmen auf unbeliehene Immobilien neue Hypotheken auf und damit wurden dann Internet-Startups finanziert?? So stellen Sie sich das vor?

      Es ist viel simpler: Die leichte Vergabe von Immobilenkrediten auch an amerikanische Haushalte mit schlechter Bonität war in den 2000er Jahren ein wichtiges politisches Ziel der US-Regierung.

      Aber nicht damit die dann an der NASDAQ spekulieren konnten, sondern zum eigentlichen Zweck eines Immobilienkredits: Geld für den Bau oder Kauf einer Immobilie bereitzustellen.

      George W. Bush hat das ganze in einer viel beachteten und später als Menetekel betrachteten Rede im Jahr 2002 sogar mit dem “Amerikanischen Traum” in Verbindung gebracht, hier eine der Schüsselstellen:

      “I want to thank you for your determination to help close the minority homeownership gap. It’s an incredibly important initiative for this country. See, America is a good and generous country. It’s a great place. Part of it was to make sure that the dream, the American Dream, the ability to come from anywhere in our society and say, I own this home, is a reality — can be achievable for anybody, regardless of their status, regardless of their — of whether or not they — whether or not they think the dream is meant for them. ”
      https://georgewbush-whitehouse.archives.gov/news/releases/2002/10/20021015-7.html

      Damit wirklich *JEDER* (“anybody, regardless of their status”) ein Hausbesitzer werden kann, müssen Häuser entweder so billig in Bau und Unterhaltung sein, dass sie sich auch jeder leisten kann – was sie bekanntlich schon lange nicht mehr sind. Oder jeder, auch die Unqualifizierten, muss einfach an eine Hausfinanzierung kommen. Eine Weile funktioniert das tatsächlich, aber nur in Märkten mit stetig steigenden Immobilienpreisen und wenn Banken die Kredite aus ihren Büchern verbriefen können und es an den Kapitalmärkten genug Wahnsinnige gibt, die auch verbriefte Immobilienkredite an Bonitätsschwache gerne kaufen, sodass die Banken immer neue Kredite vermitteln können.

      “Dass gerade Kommunikationstechnologien so einschlagen ist deshalb nicht verwunderlich, weil die Grundelemente der Gesellschaft eben gerade Kommunikationen sind (siehe Luhmann, tlw. auch Habermas).”

      Soziologengeschwätz.

      Antworten
      • jobi
        jobi sagte:

        @Herr Ott

        Ursachen der Subprime-Krise gut zusammen gefasst !

        Kommunikationstechnologien hatten ihren Anteil, weil dadurch auch die Bankbeamten unserer Landesbanken von den tollen Anlagemöglichkeiten erfuhren. 🤣

      • komol
        komol sagte:

        Die Geschäftsbanken wollten auch am Techboom teilhaben – aber nicht nur über Fremdkapital sondern v.a. i.S. von Eigenkapital (Stichwort: Investmentbanking). Hier wurde der Glass-Steagal Act von 1932 erstmals richtig aufgebrochen (die Citi-Bank klagte und am Ende machte das Gesetz 99 sogar ein Linker klar: Clinton (der übrigens heute noch sagt, dass der Act keine Ursache für die Finanzkrise gewesen sei, sogar ganz im Gegenteil). Zudem ging es Ende der 1990er um eine Art Stunde im Bankensektor, denn das Tech-Ding war nich nur eines der größten Gewinnchancen der Geschichte, sondern bahnte sich an, die ganze Wirtschaft umzukrempeln, v.a. auch das Nervensystem der Wirtschaft selbst (man bedenke: Banken handeln mit Risiken und brauchen dafür als Grundlage Informationen (was wäre, wenn man das Verhalten von Milliarden Menschen für bestimmte Situationen, Produkte etc. abschätzen könnte :-)?..). Zudem denke ich, dass es auch eine nationale wettbewerbspolitische Strategie der USA im Ganzen war (mit Erfolg: die fünf größten Techs mit massiver Markapitsalisierung sind heute US-Firmen (und schon damals war Amazon mehr Wert als bspw. der ganze russische Index)). Das es, wenn es so war, auch und v.a. politisch clever war, zeigt das ganze NSA-Ding der 00er Jahre bis heute. Die Amis sind halt nicht nur klüger als wir, sie ziehen solche Sachen eben auch durch!

        Das ganze lief m. W. wie folgt: Nachdem der Markt vollgeblasen war, v.a. aufgrund der Torschlusspanik der ehemaligen Geschäftsbanken, stürzte er ein (Dotcom-Crash). Die Rolle von 9/11 möchte ich jetzt nich eingehen – aber klar war, dass dann gedruckt wird ;-) Wie auch immer, es kam zum Drucken (die Monetarimustheorie dazu stand seit den 1960er/70ern bereit und man wußte, dass man diesmal im Vergleich zu den 1930ern was machen würde bzw. machen muss), und, das ist hochinteressant, auch zu Lockerungen am Immobilienmarkt (Busch 2002 und 2005 (nach Clinton 1994 erstmals wieder bzw. seit den 1950ern massiv)). Fanni und Freddi konnten nun mehr Risiko gehen (also Armen Hauskredite ausgeben). Die ehemaligen GBs, aber auch IBs kauften die von Fanni und Freddi ausgegebenen Kredite mit Geld vom Tresen der ZB (kurzgeld) ab, bündelten bzw. poolten sie über eigene Zweckgesellschaften (ABS etc.), verkauften sie (dafür war die saving glut aus Asien und Naher Osten super) in alle Welt, d. h. machten daraus langgeld, zahlten das wenigere (weil die Papiere i. H. auf ihr Risiko (welches v.a. systemisch war) extrem überteuert waren) kurzgeld immer wieder schön an die ZB zurück, und erreichten durch dieses verdeckte Leveraging eigene Mittel, die sie über FK oder Investmentbanking, aber v.a. i.S. von eigenen FuK-Mitteln in ihre eigene Zukunft investierten. So kann man es kurzum sagen, obwohl es noch bisschen komplexer war, weil hier v.a. eine Verrückung des Schattenbankensystem stattfand, also dort, wo die berüchtigten CDS ausgegeben und gehandelt wurden (oft auch im OTC-Handel). Hinzu kam – ohne das hier dazu einordnen zu wollen -, dass die Busch-Kriege finanziert werden mussten, und man da auch nochmal Möglichkeiten hatte, das Bilanzleveraging über zusätzliche Staatsanleihen zu verschleiern. Mit den freien Mitteln erreichte man am Ende eben, dass man nun mind. die fünf stärksten Techs hat, die Suchkosten dafür aber schön in alle Welt verteilt wurden. Der Subprime-Markt war also nur das Trägermedium bzw. Spielfeld dieses ganzen Spiels – und deshalb ist es falsch, hier von einer konventionellen Immobilienblase sprechen zu wollen).

      • komol
        komol sagte:

        Der Gramm-Leach-Bliley Act und somit die Kommerzialisierung der Internettechnologien seit etwa Mitte der 1990er Jahre führte sozusagen zu einer epochalen Komplexitätssteigerung der bzw. auf den Finanz- und Kapitalmärkten. Hier stürzten sich in der ersten Phase aber fast alle nur auf ein Thema: Securization. Wie eine Art Lock-In-Zwang. Das Volumen war so riesig dass es spätestens seit Ende 2004 auffiel – Bernanki reagierte und 2007 kamen die ersten Schwierigkeiten hervor. Wenn es das AIG-Problem nicht gegeben hätte, hätte man auch Lehman noch gerettet. Aber langfristig wäre das Gleiche irgendwann passiert. Von Tiefe, Breite, Länge und Volumen her war diese Komplexitätssteigerung noch krasser als jene, welche sich durch die Auflösung des Bretton-Woods-Systems Anfang der 1979er Jahre ergab. Übrigens war auch hier der Grund technischer Wandel. Ebenso wie Ende der 1990er drängte die Washingtoner Finanzlobby darauf bzw. schlug hier riesige Gesamtvorteile im nationalen Sinne vor. Dort war es die Einführung des PCs in der Finanzbranche (und wir wissen, dass die Devisenmarkt am Schwierigsten zu berechnen ist, aber die massivesten Volumen trägt), also eine Art Vorspiel im gesamten Prozess der Digitalisierung der Sphäre des Ökonomischen – so würden es zumindest Soziologen beurteilen.

        @Ott: Und seien sie froh, dass wir Leute wie Luhmann oder Habermas haben bzw. hatten, denn das ist das einzige intellektuelle Gebiet, auf dem wir den Amis noch voraus sind (ich meine hier v.a. die soziologische Systemtheorie) und ich hoffe, dass uns das bei der anstehenden Technopoiese zugute kommen wird. Wenn wir den semantischen Zugang zu diesem geschaffenen unsichtbaren und weltweit umspannenden Megacomputer namens Internet als GANZES als erstes erreichen, kann uns der meilenweite technologische Vorsprung der Amis auf diesem Gebiet egal sein – wenn nicht, dann gute Nacht (für die ganze Welt außerhalb der USA – außer natürlich China).

      • komol
        komol sagte:

        ps: @Ott – Bedenken Sie, dass die Amis unsere Verhaltensweisen vorausberechnen können (und uns beinahe besser kennen als wir uns selbst), wir denen ihre aber nicht (vom Thema abhören usw. ganz zu Schweigen (Gruß Obama an Merkel Zwinker :-)). Machts jetzt klick? Gab es in der Geschichte zwischen Völkern schon einmal eine derartige Wucht der Asymmetrie??

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott, @ komol

        Sicher hat es auch Hintergründiges gegeben.

        Bei der BANKENREGULIERUNG z. B., dass die Banken anders als zuvor nicht nur in „ihrem“ Einzelstaat, sondern auch in anderen Bundesstaaten Kredite für Immobilienerwerb vergeben konnten und – dazu gibt es auch empirische Studien – RISIKOREICHER bei der Kreditvergabe vorgegangen sind. Neukundengewinnung kostet eben etwas.

        Ein wesentlicher Treiber der Immobilienkrise war auch die KREDITVERGABE der Banken, die NICHTS mit Gelddrucken zu tun hatte:

        Wenn eine Immobilie durch den Boom HÖHER bewertet wurde, bekam der Besitzer OHNE weiteren Bonitätsnachweis einen Kredit im Volumen der Höherbewertung für beliebige Nutzung, also auch für KONSUM.

        Außerdem:

        Immobilienbesitzer MUSSTEN in aller Regel NICHT mit ihrem sonstigen Vermögen für die Kreditschulden haften – ein Anreiz, das Risiko geringer einzuschätzen.

        Das große Geschäft machten die Kreditvermittler.

        Der Immobilienboom war für sie ein PROVISIONSMONSTER.

        Und EINDEUTIG:

        Es war POLITISCH gewollt.

        Die great moderation, d. h. der Globalisierungsdruck auf die Löhne erlaubte auf breiter Basis KEINE individuelle Wohlstandsmehrung durch Einkommenserhöhungen.

        Daher musste eine andere „Wohlstandsmehrung“ her – auf dem KONSTRUKT einer nachhaltig UNREALISTISCHEN Vermögenssteigerung.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @komol

        “Und seien sie froh, dass wir Leute wie Luhmann oder Habermas haben bzw. hatten, denn das ist das einzige intellektuelle Gebiet, auf dem wir den Amis noch voraus sind (ich meine hier v.a. die soziologische Systemtheorie)”

        Hahahahaha.

        “und ich hoffe, dass uns das bei der anstehenden Technopoiese zugute kommen wird.”

        Lassen Sie mich raten, Sie sind selbst Spezialist für soziologische Systemtheorie?

        Es wäre sehr schön, wenn Sie komplizierte abstrakte Konzepte wie “Technopoiese” definieren könnten, wenn Sie die in die Diskussion einführen möchten – vorausgesetzt, Sie wissen selbst, was Sie damit eigentlich sagen wollen und spielen nicht nur Bullshit-Bingo.

        “Wenn wir den semantischen Zugang zu diesem geschaffenen unsichtbaren und weltweit umspannenden Megacomputer namens Internet als GANZES als erstes erreichen, kann uns der meilenweite technologische Vorsprung der Amis auf diesem Gebiet egal sein ”

        Das Internet ist weder “unsichtbar” noch ist es ein “Megacomputer”, sondern es ist ein Computernetzwerk.

        Sie haben doch früher auch nicht ein Knäuel aus Telefonkabeln (ebenfalls nicht unsichtbar) zusammengewurstelt und dann gesagt, dass sei ein “Megatelefon”, oder? Naja, an soziologischen Instituten könnte ich mir sowas tatächlich vorstellen…

      • komol
        komol sagte:

        Vielleicht wäre es sinnvoller, darüber nachzudenken, wie das Spiel seit 2008/09 weiterging – auch und v.a. um abschätzen zu können, was jetzt, wo die ZBs Anstalten machen, ihre Politik zu ändern, passieren wird bzw. könnte.

        Hier gibt es sicherlich viele Aspekte, die eine Rolle spielen, aber eines ist klar: das Ding ist schon lange voll auf Staatsebene. Man kann es bspw. als dumme Verschwörungstheorie sehen, aber dass das Virus vielleicht doch aus einem Labor in China kam, ist vor diesem Hintergrund nicht ganz soo abwegig. China hat den Amis in der saving glut mehrere Bio Dollar geliehen und will dies irgendwann auch ma zurück haben (weiß garni ob die wissen, wie sie da ausgenommen wurden – schätze ja!)… Wenn man bedenkt, dass sich die Märkte 2020 halbiert hatten, und man, wenn man die Lock-Down-Dominanz hat (wie jetzt immernoch: siehe Null-Covid-Strategie; 100erte Schiffe vor Shanghai), unten als erstes wieder einsteigen kann und sein Vermögen innerhalb eines halben bis ganzen Jahres verdoppelt, würden das viele machen – v.a. wenn ich sowieso einen schönen Staatskapitalismus mit Vollkontrolle habe :-) So könnten die ihren Lock-Down noch jahrelang durchziehen und den Westen schön mit Inflation vollbomben (bei dem Wort muss man auch mal bedenken was der Putin damit zu tun hat). Den im Wohnblock vor Hunger und Einsamkeit schreienden Chinesen sagen die Bullen dort nur: Hör auf dich so zu haben, wir werden bald Krieg mit den Amis ham und du machst hier wegen dem bissl so ein Aufstand (wahrer Bericht von Ulf Röller vom ZDF aus Peking).

  11. Christoph Gniatkowski
    Christoph Gniatkowski sagte:

    die ital. 10J-Anleihen liegen heute bei 4%. Wie weit kann die EZB überhaupt die Zinsen bei diesen Schulden erhöhen? Ist eine Zinserhöhung überhaupt realistisch ?

    Antworten
  12. Stefan Bohle
    Stefan Bohle sagte:

    sicher ist: die Fehlfunktionen der Eurozone werden in nächster Zeit wieder sehr viel deutlicher hervortreten und die Möglichkeiten zur Eindämmung der Fliehkräfte werden schwinden. Wann wird der Blitz einschlagen? und wo genau? wer weiß das schon, aber die Gewitterwolken sind da.

    Antworten
  13. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    “Der Grat, auf dem die EZB wandert, wird immer schmaler. Strafft sie zu rasch, stürzen die Vermögensmärkte, kommen die Schuldner – nicht nur, aber vor allem auch die hoch verschuldeten Staaten der Eurozone – ins Straucheln und fällt die Wirtschaft in die Rezession.”

    Kein Problem, dann legt die Regierung neue, mit Gelddrucken finanzierte, Hilfsprogramme für alle Betroffenen auf. Die EZB könnte ja mal ausprobieren, was passiert, wenn sie gleichzeitig die Leitzinsen erhöht und trotzdem im Billionenvolumen jedes Jahr Eurozonen-Staatsanleihen aufkauft. :D :D :D

    Antworten
    • jobi
      jobi sagte:

      “Die EZB könnte ja mal ausprobieren, was passiert, wenn sie gleichzeitig die Leitzinsen erhöht und trotzdem im Billionenvolumen jedes Jahr Eurozonen-Staatsanleihen aufkauft”

      Inflation, Zinsspreads, Eurokurs –
      letztlich wird ihr nichts anderes übrig bleiben.

      Antworten

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