Selbst Bill Gross versteht unser Wirtschaftssystem nicht

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Bill Gross von Pimco hat wieder einmal gutes Marketing für sein Unternehmen gemacht. Alle Zeitungen und Blogs berichten von seinen neuesten Einsichten in die Welt der Geldanlage. Kann man auch nicht verdenken, denn zum einen ist er zweifelsohne ein Meister des Fachs, und zudem müssen ja alle was zu schreiben haben. Das gilt für mich nicht, weil ich lieber einige Tage nichts schreibe, als Altbekanntes aufzuwärmen. Warum also verlinke ich seinen Beitrag trotzdem?

Es liegt an seinem Verständnis von Geld, Kredit und der Wirkung auf Assetpreise:

  • Die Preise von Finanzaktiven hängen vom Kreditwachstum ab. Gibt es viele neue Kredite, gibt es auch entsprechend höhere Preise für Wertpapiere. (Richtig: Deshalb hat das billige Geld der Fed auch die Aktienmärkte getrieben).
  • Geld und Kredit ist dabei dasselbe (sehe ich genauso). Alles, mit dem man letztlich etwas kaufen kann, ist somit Geld. (Ich würde sagen, alles ist Geld, was von einem Gläubiger als finale Tilgung akzeptiert wird. Ganz im Sinne der Eigentumsökonomik).
  • Wenn man als Investor verstehen will, in welche Richtung die Preise für Wertpapiere gehen, muss man verstehen, ob mehr oder weniger Kredit zur Verfügung steht.
  • Dann kommt er aber mit einem TAUSCH-Beispiel! Jenen, die jetzt nicht wissen, worauf ich hinaus möchte, empfehle ich die Serie zur Eigentumsökonomik auf den bto-Seiten. In seinem Fall tauscht man Eigentum an Schweinen gegen Eigentum an Marihuana. Und wenn die Schweine alle sind, fällt der Wert von Marihuana auf Null.
  • Daraus schließt er und das wieder zu Recht, dass es in unserem Wirtschaftssystem eines kontinuierlichen Wachstums an Kredit bedarf, um steigende Wertpapierpreise, aber auch weiteres Wirtschaftswachstum zu erzielen.
  • Dann bedauert er, dass das Kreditwachstum seit der Lehman-Pleite abgenommen hat: auf eine Rate von nur noch 3,5 Prozent pro Jahr von zuvor 8 bis 10 Prozent  per anno.
  • Gross empfiehlt den Lesern, vorsichtig zu sein (da ist er nicht der erste) und Pimco die Treue zu halten (klar).

Einer der erfolgreichsten Asset-Manager der Welt versteht zwar Geld, argumentiert dennoch mit Tauschgeschäften, bedauert das schwache Kreditwachstum und erwähnt mit keinem Wort die Voraussetzung für Kredit: beleihbares Eigentum. Die Wahrheit ist: Nach 30 Jahren ungezügelter Verschuldungsparty haben die potentiellen Kreditnehmer kein beleihbares Eigentum mehr oder aber sehen die wirtschaftlichen Aussichten so trübe, dass sie ihr verbliebenes Eigenkapital nicht riskieren wollen. QE der Fed hat auch nur solange eine Wirkung auf die Aktienmärkte, solange die Kreditnehmer noch beleihbares Eigentum haben und die Kurszuwächse über den Finanzierungskosten liegen. Sobald dies nicht mehr der Fall ist, platzt die Blase.

Pimco: Most ‘Medieval, Februar 2014

11 Antworten
  1. Brigitte says:

    Sehr geehrter Herr Stelters,

    zunächst zu folgender Aussage: „Die Preise von Finanzaktiven hängen vom Kreditwachstum ab. Gibt es viele neue Kredite, gibt es auch entsprechend höhere Preise für Wertpapiere. (Richtig: deshalb hat das billige Geld der Fed auch die Aktienmärkte getrieben.“
    Dies stimmt nur teilweise. Hier sollten Sie zwischen Konsumkrediten und Investitionskrediten unterscheiden.
    Nehmen Unternehmen Kredite für ihre Investitionen auf, so erhalten sie in der Regel dieses Geld wieder über den Konsum (Abschreibungen) der dadurch hergestellten Güter wieder zurück und können den Kredit abtragen.
    Verschuldet sich der Staat oder Privat und konsumieren mit dem erhaltenen Geld, so erfahren die hergestellten Güter einer zusätzlichen (zum Arbeitnehmerentgelt) Nachfrage, welche zum einen zum Gewinn der Unternehmen führt, zum anderen die gesparten Arbeitnehmerentgelte ersetzt. Können oder möchten nun die gesparten Löhne und Gewinne nicht auf die Schuldtitel, aufgrund des Risikos bzw. der niedrigen Rendite zugreifen und Aktienbesitz erstrebenswerter halten, so wird dieses Geld vermehrt auf Aktien zugreifen.

    Insofern und weil sich die Eigentumstitel vermehrt in den Händen derer befinden, welche sich, um ihre Wünsche erfüllen zu können, nicht verschulden müssen, würde ich folgende Aussage „QE der Fed hat auch nur solange eine Wirkung auf die Aktienmärkte, solange die Kreditnehmer noch beleihbares Eigentum haben … abändern und zwar auf „Solange der Staat sich noch verschulden (Vertrauen in sein Geld) kann und für die nötigen Gewinne innerhalb der Unternehmen sorgt, … .

    Des weiteren möchte ich Sie auf die Anleihenkäufe der Zentralbanken hinweisen. Das Geld für diese Käufe befindet sich im Wirtschaftskreislauf, doch ein Zugriff auf die entsprechenden Titel ist nicht möglich. So wandert dieses Geld von einer Hand zur anderen. Je mehr davon in den Wirtschaftskreislauf gelangt und nicht absorpiert (Zentralbankeinlagen) bzw. als Bargeld gehortet wird, je höher werden die Preise steigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Brigitte

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Vielen Dank für diesen Hinweis. Man kann generell sagen, dass alle Kredite, die zu einem Mehrprodukt führen, weil der Schuldner sie ernsthaft bedienen will, gut sind. Das gilt für die von Ihnen angeführten Unternehmen, aber auch für Konsumenten (wenn diese dann Überstunden machen beispielsweise) und theoretisch sogar für den Staat. Aus der Praxis wissen wir allerdings, dass letzterer nur selten wirklich investiert und zurückzahlt. Insofern haben Sie auch recht, dass Unternehmen im heutigen Umfeld nur deshalb so hohe Gewinne machen können, weil Staaten entsprechende Defizite machen. Sonst hätten wir leztlich weniger Nachfrage. Das Problem ist nur, dass Unternehmen eben nicht investieren! Dazu einiges auf unseren Seiten.

      Was das Geld der Fed betrifft: Es gelangt eben nicht in den Wirtschaftskreislauf, weil wenig Kredite nachgefragt und genehmigt werden. Sehenswert dazu das Video „QE erklärt mit doppelter Buchführung“ auf diesen Seiten. Das frische Geld ist zunächst nur ein Aktivtausch, der dann aber indirekt die Nachfrage nach Finanzwerten treibt. Die Hauptnachfrage kommt dabei nicht sosehr von vermögenden Privatleuten – auf die Ihre Beobachtung zutrifft – sondern von Profis wie Hedge Fonds, die mit erheblichem Hebel – also Kredit – arbeiten. Sobald es sich für die nicht mehr rechnet, zum Beispiel weil die auf Kredit gekauften Assets nicht mehr im Preis steigen, besteht die Gefahr eines Crashs, weil dann alle sehr schnell aussteigen wollen.

      Herzlichst, Ihr DSt

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  2. Brigitte says:

    Wow, alle Achtung. Das war eine schnelle Antwort. :-)

    Guten Abend Herr Stelter,

    Sie schreiben, dass alle Kredite, die zu einem Mehrprodukt führen, weil der Schuldner sie ensthaft bedienen will, gut sind. Diesem „gut sind“ möchte ich widersprechen, wenn ich so an die Schulden verschiedener Staaten denke, welche wohl ihre Kredite ernsthaft bedienen wollen, es aber aufgrund fehlender/geringer Einnahmen nicht können. Letztendlich führ(t)en fehlende Einnahmen zu Ausbuchungen, den Bad Banken, der Bankenrettung durch die Staaten und den Verkauf von Staatsvermögen.

    Wenn Arbeitnehmer Überstunden machen, so erhalten sie hierfür zwar mehr Geld, doch wenn sie dieses Geld zur Abtragung ihrer Schulden einsetzen (ähnlich dem sparen), so fehlt dieses Geld den Unternehmen als Rücklauf (Konsum). Damit Arbeitnehmer ihre Schulden begleichen können, ohne dass es zu einem verminderten Konsum kommt, benötigen sie zusätzliche Quellen, wie z.B. Dividenden- oder Zinseingänge. Doch wieviele verschuldete Menschen und Staaten haben diese? Im Falle einer Abbezahlung von Schulden durch eingehendes Gehalt springt ein neuer Schuldner für einen Altschuldner ein und konsumiert anstatt diesem.
    Gleiches gilt übrigens für den Staat. Gelder, welcher er von den Unternehmen als Steuern erhält, sollte er wieder an diese zurückfließen lassen. Ihm bleiben lediglich ein paar Steuerarten, wie die Grundsteuer übrig, um mit dieser seine Schulden tilgen zu können, ohne die Unternehmen mangels fehlenden Konsums zu schädigen.

    Letztendlich kann durch die Verschuldung der Konsumenten/des Staates/des Auslandes Gewinn innerhalb der Unternehmen entstehen bzw. anstelle des gesparten Lohns zum Konsum eingesetzt werden. Hierzu schreiben Sie auch korrekt, dass wir letztendlich weniger Nachfrage hätten, wenn der Staat sich nicht verschulden würde.

    Damit der Staat seine Schulden zurückzahlen könnte, müsste er also einen großen Teil der Gewinne wegbesteuern. Doch damit würde er den Unternehmen die Antriebskraft entziehen. Würde der Staat selbst Gewinn erwirtschaften, könnte er diesen entweder zur Abbezahlung seiner Verschuldung oder zur Zahlung der anfallenden Kosten verwenden. Doch deutet der Abbau/Verkauf der Staatsbetriebe darauf hin, dass dies wohl nicht gewünscht ist.

    Bezüglich dem Hinweis auf die fehlenden Investitionen werde ich mir die entsprechenden Seiten am Wochenende durchlesen.

    Zu ihren Worten: „Was das Geld der Fed betrifft: es gelangt eben nicht in den Wirtschaftskreisluf weil wenig Kredite nachgefragt und genehmigt werden“. Soweit mir bekannt ist, betreibt die Fed eine monitäre Staatsfinanzierung. Dies bedeutet in meinen Augen, dass sie Staatsanleihen direkt vom Staat erhält/aufkauft und diesem „frisch gedrucktes Geld“ zur Verfügung stellt. Dieses Geld gelangt dann über den Konsum und den Investitionen des Staates direkt in den Wirtschaftskreislauf, kann aber aufgrund der fehlenden Papiere (im Besitz der FED) nur über eine Geldeinlage bei der FED absorpiert werden.

    Damit Banken Hedge Fonds Kredite geben, benötigen diese auch hier adäquate Sicherheiten. So kann ich mir gut vorstellen, dass derzeit viel „überflüssiges“ Geld von Vermögenden in diese Fonds fließt, in den Glauben eine sichere und renditeeinbringende Lösung für das auf dem Bankkonto ruhende Geld gefunden zu haben. So werden sich wohl die geldgebenden Banken insoweit absichern, dass zunächst, im Falle eines Crashs, die Gelder der Vermögenden rasiert werden, bevor sie an`s ausbuchen gehen müssen/sollten.

    Auch hier werde ich mir das Video „QE .. “ zur Gemüte führen. Darf ich Sie im Gegenzug bitten, folgende Aufstellung zu studieren?
    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=293226

    Mit freundlichen Grüßen

    Brigitte

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Danke für die erneut sehr ausführliche Stellungnahme. In der Tat hat unser Wirtschaftssystem als Ganzes sehr viel von einem Kettenbriefsystem. Und sobald wir an der Verschuldungskapazität angelangt sind, stockt es, und es kommt zur Krise.
      Die Fed kauft in der Tat Staatsanleihen auf. Bis jetzt hat sie diese am Markt gekauft. Natürlich ist es über einen Umweg eine Staatsfinanzierung, und zeitweise waren die Beträge recht ähnlich zur Neuverschuldung. Letztlich verdrängt sie damit aber private Finanzierung, und diese Gelder suchen dann anderweitig Rendite an der Börse oder in den Schwellenländern. Zumindest solange die Party andauert.

      Vielen Dank für Ihr Interesse,

      DSt

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  3. aristo says:

    Und damit ist doch klar, worin wir uns befinden. In einer Vermögenskrise!

    Es gibt keine solventen Schuldner mehr! Dann müssen jetzt Bürgen (Bürger) her. Das Volkseigentum ist nun dran.

    Privatisieren auf Deubel komm raus. Damit ist die letzte Spirale der Krise eingeläutet. Die Euro-Länder werden ein Elend erfahren, wie man es selbst in der dunkelsten Zeit nicht kannte.

    Hungertote, Unruhen, Massenaufstände…Das klinkt wie Fiktion, wird aber Realität werden, wenn sich nichts grundlegend ändert.

    Wer betreut dann noch die Atomkraftwerke? Ich bin schon ein alter Mann, ich werde dieses Chaos wohl nicht mehr erleben. Die Generation 30+ ist nun dran. Macht was draus und zwar schnell.

    Antworten
  4. Brigitte says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    mir ging es bei meinem Schreiben weniger um das bekannte Kettenbriefsystem, sondern um aufzuzeigen, dass es verschuldeten Menschen/Staaten (insgesamt) kaum möglich ist, ihre Verschuldung zurückzufahren ohne dabei das wirtschaftliche Leben zum Erliegen zu bringen.

    Unternehmen benötigen die Verschuldung von Privat, Staat und/oder Ausland, da sie sonst kaum (Auflösung bestehender Guthaben) noch Gewinne erwirtschaften können.

    Damit sich das Wirtschaftssystem und damit die Verschuldung der Staaten stabilisieren, ist es zwingend notwendig, dass Menschen ihre hauptsächlichen Bedürfnisse durch eigene Einkommen stillen können, der Staat auf seiner Kostenseite entlastet wird, sowie eigene Einkommen erwirtschaften und, welche er zusätzlich zu den erhaltenen Steuern, in das Wirtschaftssystem geben kann. So wäre es für diesen gerade jetzt angebracht, systemrelevante Unternehmen zu kaufen und zu halten, statt Sachvermögen zu Schleuderpreisen zu verscherbeln.

    Müsste ich mich beim Kauf eines Auto`s entscheiden, ob ich das Auto A zuzüglich Umsatzsteuer oder das Auto B ohne Umsatzsteuer kaufe, so würde ich wohl das Auto B erwerben, da es mich günstiger kommt. So geht es auch den Unternehmen, welche die anfallende Arbeit immer öfters von Maschinen ausführen lassen. Da die Arbeit der Investitionen nicht besteuert wird, hingegen die Arbeit der Menschen schon, können die Maschinen günstiger arbeiten als die Menschen. Hinzu kommt, dass keine Belastung der Investitionen und Kosten durch die Umsatzsteuer (Rückvergütung/Verrechnung) statt findet, während die Arbeitnehmer diese Kosten aus ihrem Lohn bezahlen sollten.

    Da die Arbeitnehmer diesem Konkurrenzdruck nicht standhalten können, verlieren immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz und können ihre Forderungen nach mehr Lohn, Arbeitszeitverkürzungen, etc. nicht mehr durchsetzen. Auf der anderen Seite wird der Staat mit steigenden Sozialkosten belastet, welche er über die hereinkommenden Steuergelder kaum auffangen kann. Doch nicht nur der Staat und die Menschen werden durch das fehlgeleitete Steuersystem belastet, auch den Unternehmen fehlt es an zahlungskräftigen Konsumenten, was zur Folge hat, dass der Staat für zusätzliche Gelder im Wirtschaftskreislauf zu sorgen hat (Abwrackprämie), die Qualität der hergestellten Produkte sich immer mehr verschlechtert, aber auch viele Betriebe, aufgrund fehlender Rückläufe von Geldern, aufgeben müssen.

    Um diese Missere zu beenden, möchte ich Sie auf folgende Möglichkeit hinweisen. Diese muss allerdings behutsam vorgenommen werden, damit sich alle Teilnehmer am Wirtschaftskreislauf darauf einstellen können.

    – Abschaffung der derzeitigen Besteuerung des Arbeitnehmerentgelts, des Gewinns und der Umsatzsteuer

    – Einführung einer prozentual einheitlichen Besteuerung der Arbeitnehmerentgelte, jeglichen Gewinn und der Abschreibungen

    – auslaufende Anleihen von hoch verschuldenten Staaten (ab einem bestimmten Prozentsatz des BIP) werden gesammelt in einem Pott

    – dieser Pott wird durch eine Sondersteuer auf jeglichen Gewinn (einheitliche Berechnungsgrundlage) abgetragen

    – Gelder, die in Staaten fließen, welche sich nicht beteiligen wollen, werden ebenfalls mit einer Sondersteuer belegt

    – Aufkauf kränkelnder, systemrelevanter Unternehmen durch Staaten und deren Weiterführung durch diesen

    So möchte ich erreichen, dass die Nachfrage nach Arbeitnehmern steigt und diese ihre Forderungen bis zu einem gewissen Grade (Kosten für eine Investition) durchsetzen können. Aufgrund der stärkeren Nachfrage (höhere Löhne, weniger Arbeitslose/Zuzahlungen, ..) nach Arbeitnehmern erwarte ich mir eine spürbare Entlastung der Staaten, was dazu führen wird, dass der anfangs errechnete, prozentual einheitliche Steuersatz gesenkt werden kann. Über eigene Gewinne, aber auch über Steuereingänge aus der Grundsteuer, Grunderwerbssteuer, Erbschaftssteuer oder Spekulationssteuer können Gelder zur Entstehung von Gewinn in den Unternehmen vom Staat in den Wirtschaftskreislauf gegeben werden. Der Gewinn, welcher die Vermögen in den letzten Jahren mehrte, im Gegenzug allerdings auch die Verschuldung der Staaten, wird zur Bereinigung der jetzigen Verschuldung der Staaten herangezogen.

    Hier gäbe es noch eine Menge zu schreiben, z.B. führt eine Besteuerung der Abschreibungen zu längerlebigen Produkten, da auch nur diese auf einen längeren Zeitraum hin abgeschrieben werden können. Doch möchte ich nun zu Ende kommen und freue mich jetzt schon über ihre Aufmerksamkeit.

    Können Sie mir bitte zu folgender Aussage „Die Fed kauft in der Tat Staatsanleihen auf. Bis jetzt hat sie diese am Markt gekauft.“ einen oder mehrer Links zur Verfügung stellen. Gerne würde ich dieser Sache etwas näher nachgehen. Danke.

    Mit freundlichen Grüßen

    Brigitte

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  5. Enrico says:

    Werter Herr Stelter, werte Brigitte,

    es ist äußerst interessant dieser Diskussion zu folgen. An Ideen scheint es jedenfalls nicht zu mangeln, da die zahlreichen „Baustellen“, die durch das jahrelange Fortschreiten eines wachstumsbasierten Wirtschaftssystems so offensichtlich werden und somit jede Einzelne fast schon nach einer Sonderlösung schreit. Tatsächlich ist das gesamte Wirtschaftsgefüge so komplex und (global) vernetzt, dass nur noch mit sehr weitreichenden und grundlegenden Reformen diese Verschuldungskrise (die definitiv auch eine Vermögenskrise ist, wie aristo oben herausstellte) überwunden werden kann.
    In den meisten Fällen müssen wir alle jedoch bei uns selber anfangen unser Verhalten zu ändern. Sich bewusst zu machen, dass in so gut wie jedem industriell hergestellten Produkt eine Menge (fossile) Energie und endliche Ressourcen stecken, ist der wichtigste aller Schritte. Eine ressourcen-basierte Wirtschaft würde hier einen schonenderen Umgang mit eben diesen Ressourcen bevorzugen und daher schon allein auf unlogischen Wachstum durch Mehrkonsum verzichten. Ich persönlich zum Beispiel habe noch immer kein Smartphone, da ich die Dinge, die diese Geräte so „smart“ machen, an meinem PC zu Hause genauso gut machen kann. Außerdem ist es mir ein inniges Bedürfnis nicht ständig von diesem Gerät mit all seinen „virtuellen Realitäten“ von der mich umgebenden Wirklichkeit ablenken zu lassen. Wenn es jemand zur Arbeit benutzt ist das alles schön und gut. Aber es genügt schon sich in der Bahn oder im Zug (ja, ich habe auch kein eigenes Auto, denn es gibt ja schon so viele Transportmittel) umzuschauen, um zu sehen wie die Technik unseren Alltag außerhalb der Arbeit bereits verändert hat.
    Und das alles nur weil Zentralbanken – zumindest bis 2009 – das Kreditsystem derart gestalteten, dass von 100 geliehen Dollars bei 1% Zins eben 101 Dollar irgendwann zurückgezahlt werden sollte. Eigentlich ist es die Aufgabe der FED (und anderer Zentralbanken), die Geldmenge zu kontrollieren. Aber was passiert ist, dass dieser 1 Dollar, der durch Zins „entsteht“ und zunächst gar nicht existierte eben irgendwann neu geschaffen – also gedruckt – werden muss. Die Geldmenge wird nicht kontrolliert sondern sukzessive erhöht. Wie sind leider an einem Punkt, wo sowohl die Geldmenge als auch die Renditeansprüche so enorm hoch sind, dass es kaum noch Anlagemöglichkeiten im Sinne von innovationsschaffenden Investitionen für alle gibt. Also wandert das Kapital in den Finanzmarkt, der sich immer mehr von der Realwirtschaft abkoppelt (siehe Barclays: Mitarbeiter werden entlassen, aber die Boni erhöht).
    Man könnte von 100sten ins 1000ste gehen. Wir können aber auch einfach nur anfangen uns von diesem erdrückenden Wachstumsmodell zu verabschieden und uns auf ein tragfähigeres Fundament aufzustellen.

    Für alle!

    Enrico

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Sehr geehrter Enrico,

      Wir haben es in der Tat mit einer viel breiteren Problemlage zu tun. Nun würde ich prinzipiell jedem frei stellen, ob er Smartphone und Auto nutzt und welchen Konsum er möchte. Was aber problematisch ist, ist ein System, welches in der Tat zu ewigem Wachstum verdammt. Wie in einem Ponzi-Schema (dazu findet sich auch etwas auf der bto-Seite) ist eine immerwährende Steigerung von Schulden und Einkommen notwendig, um das System am Laufen zu halten. Zusätzlich verstärkt natürlich durch unsere Politik, die dazu neigt, Kosten auf nachfolgende Generationen zu verlagern. Jedes Ponzi-Schema platzt, sobald weniger Neue in das System eintreten als zeitgleich austreten. Doch genau dies wird in den kommenden Jahren der Fall sein und erhebliche Konsequenzen für uns alle haben. Dies spricht dringend für Reformen.

      Andererseits haben wir auch gesehen, dass das „kapitalistische“ System (nicht das sich davon immer mehr entfernende System des Finanzkapitalismus) den anderen Wirtschaftsformen überlegen ist. Im Sozialismus hatte man weder die Produktvielfalt noch die ökologische Nachhaltigkeit. Deshalb bleibe ich ein Anhänger des Systems, welches aber klarer Rahmensetzungen und vor allem auch der Internalisierung von Kosten bedarf. Ich weiß, dass dies nicht auf die Zustimmung aller Leser dieser Seiten trifft. Denke aber, wir sollten eine solche „Systemdiskussion“ offensiv führen – und vor allem die drängenden Probleme zügig und entschlossen angehen.

      Danke für Ihr Interesse an meiner Seite.

      DSt

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    • Brigitte says:

      Hallo Enrico,

      mit Sonderlösungen für jede einzelne Baustelle könnte die Krankheit (Verteilung der Gelder hin zu Wenigen) nicht gelöst werden. Doch sollten wir dort mit Änderungen ansetzen, wo es dem jetzigen System möglich war, diese Verteilung zuzulassen.

      Letztendlich ist es allerdings nicht der Zins an sich, welcher Probleme bereit, sondern abzüglich der Kosten der darin liegende Gewinn, welcher hauptsächlich (Auflösung von Guthaben) erst durch die Neuverschuldung des Schuldners entstehen kann. So sorgt auch der Gewinn der Unternehmen zu einer Neuverschuldung, in der jetzigen Zeit vor allem der Staaten. Dieser Gewinn wird oftmals dazu verwendet, sich potenzielle Schuldtitel zu kaufen. So wandern diese vermehrt in die Hände Weniger, während der Großteil der Menschen kaum mehr über die Möglichkeit einer Verschuldung verfügt, geschweige denn, diese auch wieder abtragen kann. So kann letztendlich lediglich der Staat sich verschulden und mit den erhaltenen Geldern für den nötigen zusätzlichen Konsum sorgen, damit Gewinne innerhalb der Unternehmen entstehen können. Doch auch diesem sind Grenzen (Rating) gesetzt.

      Damit die Zinsen von schwankenden Staaten „bezahlbar“ blieben/bleiben, kaufte die EZB, aber auch andere Zentralbanken deren Anleihen auf. So gelangte zwar Geld über die Ausgabe der Anleihen in den Markt, doch kann (möchte) dieses Geld nicht mehr als Anlage auf diese Anleihen zugreifen. Durch den Ankauf sanken die Zinsen auf Anleihen aus Griechenland, … . So trifft nun eine steigende Nachfrage nach einer geeigneten Anlagemöglichkeit auf ein verringertes Angebot. Ruht das Geld nicht unter dem Kopfkissen, so befindet es sich bei Banken (Einlage bei der Zentralbank), welche ebenfalls kaum geeignete Anlagemöglichkeiten finden. Glaubwürdige Schuldner kommen in den Genuss sinkender Zinsbelastungen, was sich auf die Zinszahlungen auf Bankguthaben negativ durchschlägt.

      Erhält ein Unternehmen einen Kredit von der Bank, so schreibt sich die Bank im Aktiven eine Forderung gut, während sie auf der Passivseite eine Verbindlichkeit (Sichteinlage) verbucht. Für diesen Vorgang benötigt sie kein Zentralbankgeld, erhöht aber die Geldmenge. Verlässt nun dieses Geld die Bank A und wandert zur Bank B, so benötigt die Bank A auch hier kaum/kein Zentralbankgeld, da über verschiedene Systeme (Clearing, ..) eingehende und ausgehende Zahlungen miteinander verrechnet werden. Am Tagesende findet vereinfachent dargelegt, eine Belastung/Gutschrift des Saldos statt.

      So ist es wohl Herrn Draghi, welcher die Banken auffordert/nötigt (Negativzins auf Zentralbankeinlagen) Gelder an Unternehmen zu verleihen, wohl nicht bewusst, dass zur Auflösung der Zentralbankguthaben deutscher Banken (gesamt) zwingend (Target) ein Kredit an Personen in Griechenland, etc. nötig ist.

      Wie ich im obigen Beitrag an Herrn Selter schrieb, würde eine Besteuerung der Abschreibungen, aufgrund höherer Kosten für die Unternehmen, zu langlebigeren Investitionsgütern führen. Diese wären dann auch wieder reparaturfähig und werden nicht gleich weggeworfen. Aufgrund höhere Einkommen ist es den Menschen wieder möglich, ebenfalls auf diese Güter (Auto, Computer, ..) zuzugreifen, aber auch hochwertigere Güter zu konsumieren. Ich denke, dies wäre ein Schritt für viele Menschen in eine wieder lebenswerte Zukunft.

      Brigitte

      PS: Wer profitiert von diesem Wachstumsmodell – die Arbeitnehmerentgelte, die Abschreibungen und/oder die Gewinne

      Antworten
  6. Enrico says:

    Prinzipiell bin ich auch gegen die Einschränkung persönliche Entscheidungen zu treffen, sei es bei Konsum oder anderen Dingen des alltäglichen Lebens. Allerdings macht die Sichtweise auf Ursache und Wirkung den kleinen aber feinen Unterschied. Denn: Gerade durch den o.g. Wachstumszwang gibt es meiner Meinung nach viele Produkte, die dann gekauft werden MÜSSEN, um eben jenes System am Laufen zu halten.
    Ich vertrete daher den Standpunkt, dass heutzutage eher Angebote geschaffen werden und somit erst Nachfrage erzeugt wird. Dadurch ist der letztendliche Konsum keine freie Entscheidung mehr, sondern wird zu einem zwangsähnlichen Fehlverhalten.
    1.) Beispiel Handykauf bzw. –vertrag: Ich brauche eigentlich gar kein Handy kaufen, da ich nach Ablauf eines Vertrags bzw. mit Abschluss eines neuen Vertrags einfach ein Telefon „kostenlos“ dazu bekomme. Mein altes funktioniert aber noch. „Egal, kostet ja nix“ – so wahrscheinlich die gängige Entscheidungsfindung. Dazu gibt es noch jedes Mal ein neues Ladegerät, weil jede Marke seine eigene Größe hat – anstatt altbewährt DIN-Normen zu nutzen oder in diesem Fall erst mal zu schaffen.
    2.) Beispiel Einkauf im Supermarkt: Man schleppt unzähligen Müll mit nach Hause, den aber keiner wirklich haben will und der definitiv vermeidbar wäre. Und dabei rede ich nicht vom Produkt selber, sondern von dem ganzen Verpackungsdrumherum.
    Irgendjemand produziert dieses ganze (unsinnige, weil ressourcenverschwendende) Zeug aber. Zusätzlich gibt es noch überall bunte Leuchtreklame, die uns alles schmackhaft macht und selbst kleine Geschäfte lassen über Nacht ihre Produkte im Schaufenster leuchten. Und da man sich schnell an solche Dinge gewöhnt, wird sich nur mal kurz darüber beschwert und ein paar Minuten später ist man schon wieder mit anderen Dingen beschäftigt … oder von seinem App abgelenkt.

    Der Konsument spielt aber mit seinem Kaufverhalten eine enorm wichtige Rolle. Leider höre ich viel zu oft Leute sagen, dass „ich allein da nichts ausrichten kann“. Wenn sich aber die Konsumenten wieder ins Bewusstsein rufen würden, eben doch etwas ausrichten zu können, dann würde auch die „goldene “ Marktregel wieder greifen. Allerdings sind wir weit entfernt von Angebot und Nachfrage abhängigen Produktionszyklen. Stattdessen wird konsumieren was gerade da ist und eben nicht gewartet bis das Produkt unseren Vorstellungen entspricht. Denn, wir haben ja keine Zeit. Auch hier gibt es aber eine Verdrehung von Ursache und Wirkung. In Wirklichkeit konsumieren wir nicht mehr die Produkte, sondern die Produkte uns – und unsere Zeit, diesen wunderbaren, aber sensiblen Planeten zu genießen und lebenswerter für alle zu machen.

    Daher danke an Sie, Herr Stelter, für diese Seite und den Versuch wenigstens einige Ursachen für die aktuell zu beobachtenden Verwerfungen kritisch zu beleuchten.

    Enrico

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Danke für Ihre Anmerkungen! Sicherlich werden Bedürfnisse geweckt, an die man vorher nicht gedacht hat. Persönlich muss ich gestehen, dass mir die eine oder andere „Spielerei“ durchaus Freude bereitet. Was das Thema Verpackung und Ladegeräte betrifft, kann ich Ihnen nur von Herzen zustimmen. Oft lasse ich die Verpackung gleich im Laden. Damit ist die Erzeugung zwar nicht rückgängig gemacht – wenn es aber viele machen, wächst der Anreiz von Handel und Produzenten, die Verpackung zu reduzieren. Generell müssen halt die „externen Kosten“ unseres Wirtschaftens mehr internalisiert werden. Nicht leicht in einer globalsierten Welt, wo jene, die nicht internalisieren einen Kostenvorteil haben.

      Danke für Ihr Interesse an meiner Seite,

      DSt

      Antworten

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