Wird Geld knapp?

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Es braut sich etwas zusammen in der Weltwirtschaft. Eigentlich nicht überraschend, wenn man mit nüchternem Blick auf unser Schuldengebäude blickt. Dabei gab es immer die Gewissheit, dass uns die Notenbanken vor allen Problemen schützen. Nun könnte es allerdings knapp werden.

Da ist zum einen der Effekt der tiefen Ölpreise, wie Zero Hedge berichtet. Früher war es so: Die Ölexporteure haben viel mehr Geld eingenommen, als sie ausgeben konnten und haben den Überschuss wieder in den Weltkapitalmärkten angelegt. Dies führte zu relativ tieferen Zinsen und tendenziell höheren Preisen für Vermögensgegenstände. Da sich die Länder oftmals sozialen Frieden durch entsprechende Wohltaten erkaufen, macht sich der tiefere Ölpreis in entsprechenden Defiziten der Staaten bemerkbar. Zwar zeigt die Geschichte, dass dann doch entsprechend gespart wird, allerdings mit einiger Verspätung. Folge: Es werden Assets verkauft. Die Zinsen könnten demnach steigen und die Preise von Aktien etc. fallen.

Schon vor einigen Wochen habe ich die Zahlen für Saudi Arabien hier verlinkt:„Saudi Arabia may go broke before the US oil industry buckles“.

Die Kapitalflucht aus China und die Notenwendigkeit die Abwertung der chinesischen Währung zu „managen“, führt derweil zu einem ähnlichen Effekt. Zero Hedge berichtet, dass die Chinesen ausländische Werte verkaufen, vor allem US-Treasuries. In diesen Werten sind auch die über Belgien gehandelten US-Treasuries im chinesischen Besitz enthalten.

Dabei kann man die Bedeutung der chinesischen Käufe für die USA nicht groß genug schätzen. Diese Abbildung, ebenfalls von Zero Hedge, zeigt, dass die chinesischen Käufe mindestens genauso bedeutend waren, wie die Käufe der US-Notenbank.

So hat China zwar noch rund 3,6 Billionen an Währungsreserven, aber immerhin auch rund zwei Billionen an „non-sticky“, will heißen schnell abzuziehenden Verbindlichkeiten. FDI steht für Direktinvestitionen in Maschinen und Anlagen, was naturgemäß nicht so leicht abzuziehen ist. Die zwei Billionen könnten aus China abfließen. Hinzu käme noch die Kapitalflucht der Inländer, die wir bereits gesehen und hier diskutiert haben.

Die Wirkung ist einfach gesagt eine Umkehrung der vorherigen Trends. Statt die Weltgeld-/Kredit-/Liquiditätsmenge weiter wachsen zu lassen, schrumpft diese. Das ist die befürchtete Schuldendeflation. Kein Wunder, dass die warnenden Stimmen zunehmen. So berichtet Ambrose Evans-Pritchard im Telegraph von einer Tagung in New York. Dort äußerten sich verschiedene Experten zur Lage in China. Generell werden die Wachstumserwartungen zurückgenommen. Vergleiche mit der Lage in Japan im Jahr 1990 werden lauter (hatten wir hier auch schon), was für eine lange Stagnation mit geringem Wachstum spricht. Gelänge dies China, „wäre es schon ein großer Erfolg“ wird der Experte zitiert.

Willem Buiter, Chefvolkswirt der Citibank, fordert die direkte Finanzierung von Konsum und Investition durch die Notenbank, um so die Situation zu retten. Das Helikoptergeld also. Dabei fürchtet er, die chinesische Führung „wäre noch nicht so weit“.

In einem anderen Beitrag führt Ambrose Evans-Pritchard hingegen aus, dass die Kreditmengen in Europa, den USA und auch China schon seit einigen Monaten wieder deutlich wachsen, die Rezession wäre somit bereits hinter uns, bzw. wir wären ihr nochmals knapp entkommen. Die Abbildung zeigt die Veränderung der Kreditnachfrage in Europa:

Capital Economics

Wir werden in den kommenden Monaten sehen, was kommt. Auf jeden Fall brauchen wir nicht den offiziellen Vorhersagen zu glauben, wie Zero Hedge erneut zeigt:

→ The Telegraph: „Citigroup braces for world recession, calls for Corbynomics QE in China“, 28. August 2015

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