Warren Buffetts Börsenindikator auf rot

Vorgestern habe ich an dieser Stelle erneut auf die Bewertung an den US-Märkten geblickt. Ergänzend dazu die Bewertung mit dem Haupt-Blasen-Indikator von Warren Buffet. Zunächst in der FT:

  • „At the latest count, according to Thomson Reuters, S&P 500 companies are on course for 23.3 per cent earnings growth compared with a year ago, on the back of an 8.7 per cent growth in revenues. (…) As share prices are lower than they were 12 months ago, short-term valuations now look considerably more reasonable. The prospective earnings multiple on the S&P 500, as calculated by Bloomberg, has dropped from 20 to 17.5 so far this year, bringing it back to where it was at the beginning of 2015.“ – bto: Das spricht in der Tat für eine Entspannung.
  • „And there is nothing narrow about this, despite the perception that the market is unhealthily dominated by the Faang-leading internet groups (Facebook, Apple, Amazon, Netflix and Google). All the major 11 economic sectors have seen the Street’s estimates rise over the past month while only utilities have failed to increase revenues.“ – bto: Damit ist es ein breiter Aufschwung, getragen von den guten Gewinnen. Das habe ich ja auch in einer der letzten Kolumnen für die WirtschaftsWoche diskutiert.
  • Dann jedoch dieser Hinweis: „We often hear how the Nasdaq is not as expensive as it was in the late 1990s tech boom and it isn’t. However, when we compare the Nasdaq’s market cap to say global GDP levels, it is off the scale. For all their innovation, they cannot escape the reality of limited demand.“ – bto: Das bedeutet natürlich, dass letztlich auch die Bewertungen aus der Realwirtschaft gefüttert werden müssen.
  • As a proportion of US GDP, the Nasdaq Composite index is indeed now bigger than it was at the peak of the dotcom boom in 2000, suggesting that there are limits to how far the combined market cap of the Faangs can go.“ – bto: was sich auch mit der Erfahrung der langfristigen Konvergenz zum Durchschnitt deckt. Niemand kann ewig wachsen, niemand ewig Überrenditen erwirtschaften.
  • „If performance compared with expectation is what matters most (which it does in the short term), then this is a truly historic quarter. The proportion of S&P 500 companies beating their forecasts (which were optimistic) is on course for a post-crisis record, at 81 per cent according to Thomson Reuters. But the pattern of positive surprises is a strictly US phenomenon and owes at least something to continuing difficulties in calibrating the effects of the tax change.“ – bto: Ohne den Steuereffekt, auch das haben wir bereits gesehen, sieht es nicht so gut aus. Von hier aus wird es auf jeden Fall schwerer.

Schauen wir genauer auf das Verhältnis von NASDAQ zu BIP: „Warren Buffett’s favorite indicator is telling us that stocks are more overvalued right now than they have ever been before in American history. (…) the Buffett Indicator, while it’s not a flawless indicator, does tend to peak during hot stock markets and bottom during weak markets. And as a general rule, if the indicator falls below 80%-90% or so, it has historically signaled that stocks are cheap. On the other hand, levels significantly higher than 100% can indicate stocks are expensive.“ – bto: Wenn man davon ausgeht, dass Aktienwerte letztlich durch die Gewinne getragen werden und Gewinne nur einen bestimmten Teil des BIP ausmachen können, ist es eine stimmige Überlegung.

  • For context, the Buffett indicator peaked at about 145% right before the dot-com bubble burst and reached nearly 110% before the financial crisis. So where are we today?“ – bto: Hoch, kann man da nur sagen.

Quelle: Advisor Perspectives, Zero Hedge

  • „Right now we are at almost 149 percent, (…) the total market cap to GDP ratio has never been higher. It’s even higher than the 145% peak we saw during the dot-com bubble.“ – bto: superteuer.
  • „(…) it does seem like Buffett himself is paying attention and agrees that the market is generally expensive. After all, the lack of attractive investment opportunities has resulted in Berkshire Hathaway accumulating nearly $110 billion of cash and equivalents on its balance sheet. Plus, Buffett has specifically cited valuation when discussing the absence of major acquisitions lately.“ – bto: Denn bekanntlich liegt im Einkauf der Gewinn.

ft.com (Anmeldung erforderlich): „Stocks are priced for perfection but are vulnerable to shocks“, 1. August 2018

zerohedge.com: „Buffett’s Favorite Indicator Exposes A Stock Market More Primed For A Crash Than Ever Before“, 2. August 2018

8 Kommentare
  1. Wolfgang Selig sagte:

    Wie wäre es mal mit einem Indikator bezogen auf die durchschnittliche Verzinsung von Fremdkapital? Wenn ich mit 3 % Dividendenrendite und 1 % Darlehenszinsen Wertpapiere fremdfinanziere, bin ich entspannter als in den frühen 90ern mit 6 % Dividendenrendite bei 9 % Darlehenszinsen. Eine Betrachtung ohne Einbeziehung der Zinsen macht für mich keinen Sinn. Sagte schon André Kostolany: „Ka Geld, ka Musik“, sprich, ohne Liquidität keine Hausse. Buffet hofft m.E. auf eine Einstiegsgelegenheit, die sich z.B. durch politische Ereignisse oder Marktfehlbewertungen bestimmter Werte ergeben, um dann aber im großen Stil liquide zu sein. Hat er schön öfter so gemacht, z.B. mit dem Erwerb einer Eisenbahngesellschaft.

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      • Wolfgang Selig sagte:

        @Markus: im Regelfall wird die Dividendenrendite sinken. Wenn ich jetzt mal ohne Im- und Exporte (Gross NATIONAL Product) eine reine Binnenbetrachtung der obigen Aussagen mache, muss die Dividendenrendite ja aus der Volkswirtschaft erwirtschaftet werden. Je kleiner die Volkswirtschaft im Verhältnis zum dividendenberechtigten Kapital, um so geringer sollte tendenziell die Rendite ausfallen.

        Aber mir ging es bei meinem Beitrag um etwas anderes. In einer Welt, in der eine Verzinsung von 6 % bei Anleihen oder Dividendenrenditen der Normalfall wäre, wäre die aktuelle Marktkapitalisierung und damit das Kursniveau eine Blase. Aber wir leben nicht mehr in einer solchen Welt. Die Aktionäre sind mit geringeren Renditen zufrieden, weil die Anleiherenditen noch niedriger oder sogar negativ sind. Vielleicht müssen wir uns einfach daran gewöhnen, dass der Buffetindikator in einer Welt niedrigen Bevölkerungswachstums, niedrigen Wirtschaftswachstums und damit niedriger Zinsen dauerhaft hoch bleibt, weil die Alternativanlage noch schlechter wäre. Dann wäre es keine Börsenblase, sondern eine eventuell jahrzehntelang andauernde „Normalbewertung“. Ich weiß nicht, ob das so sein wird, aber ich möchte es auch nicht ausschließen. Daher bin ich etwas skeptisch, wenn bto sagt „superteuer“.

      • troodon sagte:

        Eine kleine Anmerkung an Hr. Stelter:

        „Schauen wir genauer auf das Verhältnis von NASDAQ zu BIP“

        Die Grafik stellt den Wilshire 5000 und nicht den Nasdaq Index dar… Ändert aber nichts an der grundsätzlichen Intention der Aussage.

        Ansonsten stimme ich Wolfgang Selig zu. Die Zinshöhe sollte bei der Beurteilung von „superteuer“ mit einbezogen werden.

        “ Die Aktionäre sind mit geringeren Renditen zufrieden, weil die Anleiherenditen noch niedriger oder sogar negativ sind. “

        Das ist genau auch meine Aussage, geringere Renditen für die Zukunft als in der Vergangenheit und „dafür“ zusätzlich noch größere kurzfristige Kursschwankungen , die eine erwartete Jahresrendite auch einmal an einem Tag vernichten kann. Markttiming ist deshalb aktuell viel wichtiger als es früher war.

    • Unser Auftrag besteht darin, den Menschen in Europa zu dienen, indem wir den Wert des Euro erhalten sagte:

      Ja, sicher, aber sehen Sie sich die durchschnittlichen Kurszuwächse von > + 20% p.a. und zum Teil viel mehr (z. B. Nasdaq) von 1995 bis 1999 an und vergleichen dies mit den mäßigen Kurszuwächsen während der letzten Jahre international.

      In Japan läuft es seit den Null- und Niedrigzinsen ab Mitte der 90er Jahre wirtschaftlich nicht mehr, vergleichbar nun auch hier hier in Europa, wo man mit der schädlichen Einheitswährung Euro ganz Südeuropa in einen „failed state“ verwandelt hat, weshalb wegen der latenten Überschuldung die Zinsen nie mehr steigen dürfen.

      Genau dies – vergleichbar wie in Japan – ist der „Preis“ für den künstlich erzwungenen Boom bzw. Exzesse (1 Mio. leerstehende Wohnungen in Spanien) davor.

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