Uber als Beispiel für die Exzesse am Kapitalmarkt

In der letzten Woche habe ich mich in meinem Kommentar bei der WirtschaftsWoche kritisch zu den IPOs der letzten Monate geäußert:

→ Und sofort erstirbt das Gelächter

Dass ich mit dieser Skepsis keineswegs alleine dastehe zeigt dieser Kommentar in der FT, der sich sehr kritisch mit dem Börsenprospekt von Uber auseinandersetzt. Die Highlights:

  • „Last week, Uber told investors that it hopes to raise $9.5 to $10bn in its upcoming initial public offering at a price that could value the ride-hailing company at more than $90bn.“ – bto: Das ist die bekannte Tatsache, wobei wohl eher mehr als 100 Milliarden angestrebt werden für ein Unternehmen, das noch nie Gewinne gemacht hat.
  • „The 431-page updated prospectus (…) left many serious professional investors wondering why a company that loses $3bn annually would be worth that much. The information that financial analysts would need simply wasn’t in there.“ – bto: natürlich nicht. Man verkauft ja auch eine Idee, nicht schnöde Zahlen!
  • „The prospectus for Microsoft’s landmark 1986 IPO was 52 pages and provided plenty of clarity about Microsoft’s business and how to value it. Compare Uber’s IPO to Microsoft’s and it’s easy to see why fast-growing, innovative companies and their big-money backers prefer to find each other in private deals rather than on stock exchanges.“ – bto: Ja, aber man muss am Ende an die Börse, weil man nur so den Exit aus dem Ponzi-Schema realisieren kann.
  • When historical financial statements don’t show a path to profitability — as Uber’s absolutely don’t — investors need either reasonable projections of future profitability, or detailed historical operating metrics so they can make their own forecasts.“ – bto: Nur, wenn man diese formuliert, kommt man wohl nicht in die gewünschte Größenordnung.
  • „Predicting Uber’s future revenue and profits is far from rocket science with the right metrics (….)“ Aber: „The key details of these new businesses? Undisclosed.“ – bto: Ich denke nicht, dass das eine Folge der Regulierung ist. Es ist vielmehr eine Strategie, um ein Geschäft besser verkaufen zu können.
  • Microsoft provided 4.5 years of financials in its prospectus showing healthy profits in every year, and a growing operating margin that had expanded to 33 per cent. By contrast Uber lost $3bn in 2018 and its losses appear to be growing. You didn’t need a model to see Microsoft’s path to profitability. It had already arrived.“ – bto: weshalb sie so offen alles zeigen konnten.
  • „(…) IPO investors (…) have to rely on the prospectus to explain how the company is going to make money, and right now they are flying blind despite the many pages of platitudes and gobbledegook that Uber’s underwriters have provided.“ – bto: zugeschüttet mit Worten, ohne die entscheidenden Fakten zu nennen.
  • „Don’t take this to mean that Uber’s proposition conclusively doesn’t make sense — smart investors who do have all the data have already put billions into the company. Then again, some of them are cashing out.“ – bto: Insider sind keine Wohltäter. Nicht vergessen.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Uber’s enormous, vague IPO prospectus is an outrage“, 30. April 2019

2 Kommentare
  1. Avatar
    Thomas M. sagte:

    In irgendeinem Investment-Newsletter gab es mal die klare Ansage: Von IPOs solle man als Privatanleger tunlichst die Finger lassen. Die meisten wären Minusgeschäfte; die Statistik wäre eindeutig. IPO seien der Moment, wo die Gründer und Insider auschecken, um maximalen Gewinn einzustreichen. Warum sollten sie verkaufen, wenn sie sich sicher seien, dass die Firma in 1, 2 oder 3 Jahren noch viel mehr wert sein dürfte?

    >Insider sind keine Wohltäter. Nicht vergessen.

    So isses! Caveat emptor gilt auch und gerade an der Börse.

    Und hier ein paar Zahlen zur IPOs.
    https://news.crunchbase.com/news/over-80-of-2018-ipos-are-unprofitable-setting-new-record/

    Fazit: IPO abwarten, auf die Watchlist und gucken, ob’s tatsächlich ein Stern oder nur eine Sternschnuppe ist…

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