„Rätsel der Geldpolitik“

Robert J. Barro, Professor für Ökonomie in Harvard diskutiert bei Project Syndicate – hier in der Übersetzung für die FINANZ und WIRTSCHAFT die aktuelle Geldpolitik. Ein „Rätsel“, wie er es sieht:

  • „Ein bemerkenswertes Merkmal der Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegszeit ist die Bändigung der Inflation (…) seit Mitte der Achtzigerjahre. Davor lag die Inflationsrate in den USA (basierend auf dem Preisindex der privaten Konsumausgaben) während der Siebzigerjahre im Schnitt bei 6,6%, und 1979 und 1980 überstieg sie 10%.“ – bto: Ist das so „bemerkenswert“? Ich finde es viel bemerkenswerter, dass die Wirtschaftsgeschichte nur wenige Perioden richtiger Inflation kennt, die meisten davon im letzten Jahrhundert, dem Zeitalter der völlig losgelösten Geldschaffung. Dies habe ich mit einer Studie der Deutschen Bank an dieser Stelle diskutiert.
  • „Unter Volcker hob das Fed die kurzfristigen Nominalzinsen schnell immer weiter an, um die Inflation um jeden Preis zu senken (…) im Juli (1981) erreichte der Zins für Tagesgelder mit 22% seinen Höchstwert. Die Politik funktionierte: Die jährliche Inflation fiel steil auf einen Durchschnittswert von lediglich 3,4% in den Jahren 1983 bis 1989. Das Fed hatte in extremer Form den später als Taylor-Prinzip (oder, passender, Volcker-Prinzip) bezeichneten Grundsatz erfüllt, wonach der Zins für Tagesgelder stärker steigt als die Inflationsrate.“ – bto: Der Preis für die erfolgreiche Bekämpfung der Inflation war kurzfristiger Schmerz. Der Preis für die Bekämpfung der Asset-Preisinflation wäre ebenfalls ein kurzfristiger Schmerz, nämlich der Margin Call. Das darf man nicht vergessen, wenn man auf die heutige Lage blickt.
  • „Seit damals hat das Fed die Geldpolitik in erster Linie über die kurzfristigen Nominalzinsen gesteuert, besonders den Satz für Tagesgelder. Als seine Macht über die kurzfristigen Kreditkosten im Gefolge der Finanzkrise von 2008 eingeschränkt war – weil der Zins für Tagesgelder sich der Nullgrenze näherte –, ergänzte das Fed sein hauptsächliches geldpolitisches Instrument durch zielgerichtete Hinweise (Forward Guidance) und die quantitative Lockerung.“ – bto: Es gibt einen entscheidenden Unterschied. Seit den 1980er-Jahren ist die Intervention immer entgegengesetzt, nämlich stimulierend und inflationsfördernd.
  • „Blieb die Inflation niedrig, weil alle glaubten, dass alles, was deutlich über dem Korridor von 1,5 bis 2% liege, eine steile Anhebung des Zinses für Tagesgelder auslösen würde? (…) Ein Aufsatz von Emi Nakamura und Jón Steinsson von 2018 im ‘Quarterly Journal of Economics’ etwa stellt fest, dass eine kontraktive geldpolitische Erschütterung – ein unerwarteter Anstieg des Satzes für Tagesgelder – die Renditen von Schatzanleihen über einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren erhöht, wobei die Wirkung nach zwei Jahren am stärksten ist. (…) Der Effekt einer kontraktiven Erschütterung auf die voraussichtliche Inflationsrate ist negativ, aber in der Größenordnung moderat und stellt sich im Wesentlichen erst nach drei bis fünf Jahren ein.“ – bto: Es soll also die glaubhafte Drohung sein, die Inflation zu bekämpfen, die diese bereits verhindert? Ich bezweifle das doch sehr.
  • „(…) eine Zinserhöhung kündigt ein höheres Wachstum an und eine Zinssenkung ein niedrigeres. (…) eine unerwartete Erhöhung des Zinses auf Tagesgelder (ist) schlecht für den Aktienmarkt, (…) eine unerwartete Zinssenkung von 50 Basispunkten den S&P 500 etwa 5% steigen lässt, obwohl das prognostizierte reale BIP-Wachstum zurückgeht. Der wahrscheinliche Grund hierfür ist der Rückgang der erwarteten realen Renditen konkurrierender Finanzinstrumente, wie etwa Schatzanleihen, im Laufe der kommenden drei bis fünf Jahre. Dieser Abzinsungseffekt übersteigt den negativen Einfluss des für die Zukunft erwarteten niedrigen realen Ertrags auf die Aktienkurse.“ – bto: Ich frage mich, wie sie das „Unerwartete“ messen wollen, folgt doch die Fed meist dem Markt, der diese Zinsentscheidungen oft vorwegnimmt.
  • „Vermutlich würde das Fed, sollte die Inflation wesentlich über den Zielkorridor von 1,5 bis 2% steigen, die Art dramatischer Erhöhungen der kurzfristigen Zinsen einleiten, die Volcker in den frühen Achtzigerjahren durchführte, und diese Änderungen hätten rasche, deutlich negative Auswirkungen auf die Inflation. In ähnlicher Weise würde das Fed, wenn die Inflation deutlich unter den Zielwert fiele und womöglich negativ würde, die Zinsen steil senken – oder, wenn sie die Nullgrenze erreichten, alternative expansive Massnahmen nutzen –, und dies hätte rasche, deutlich positive Auswirkungen auf die Inflation.“ – bto: Letzteres hat sie bewiesen, Erstes ist angesichts des hohen Leverages der Volkswirtschaften meines Erachtens pure Theorie.
  • Barro sieht das ähnlich: „Ich bin nicht zufrieden mit dieser Erklärung. Das ist, als sagte man, die Inflationsrate sei niedrig, weil sie eben niedrig sei. Zweifellos ist es ein zentraler Faktor, dass tatsächliche und erwartete Inflation beide niedrig sind – beide sind eng miteinander verbundene Zwillinge. Doch dies legt nahe, dass die der heutigen niedrigen und stabilen tatsächlichen und erwarteten Inflation zugrundeliegende Geldpolitik weiter funktionieren dürfte, bis sie das auf einmal nicht mehr tut.“ – bto: Und das wäre vermutlich der Fall, wenn das Vertrauen in das Geld verloren ginge. Dann haben wir eine Flucht, der die Fed nicht ernsthaft entgegentreten kann, weil sonst die Deflationäre Depression sofort da ist.

→ fuw.ch: „Rätsel der Geldpolitik“, 8. Juli 2019

28 Kommentare
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    Jens Happel sagte:

    Der negative Einfluss der Inflation wird etwas überschätzt. Bis in die 80er Jahre war die Inflation und Wachstum hoch. Die Löhne partizipierten umfänglich von den Produktivitätsfortschritten. Bis in die 80er war das Wachstum des BIP meist stärker als die Zinssätze für Staatsanleihen.

    https://makroskop.eu/2019/07/das-grosse-paradox-der-liberalismus-zerstoert-die-marktwirtschaft-2/

    Jetzt haben wir zwar niedrigste Inflation, aber die Löhne partizipieren nicht mehr im gleichen Maße von den Produktivitätsfortschritten, bzw. umgekehrt, da die Löhne nicht mehr im gleichen Maße von den Produktivitätsforschritten profitieren ist die Inflation so niedrig. Die Zinsen für Staatsanleihen liegen meist über den Wachstumsraten und die Investitionen sind kümmerlich.

    Wenn die Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik an zu hoher Inflation gescheitert ist, so ist festzustellen, dass die Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik an zu niedriger Inflation gescheitert ist.

    Und jetzte komme mir keiner, das läge nur an QE. QE ist die direkte Folge der Bankenrettung, nachdem die Banken und Finanzwirtschaft die vollen Vorzüge der Deregulierung der sogenannaten angebotsorientierten Wirtschaftspolitik erfahren hat.

    Was wir seit ein paar Jahren erleben ist das Armagedon neoliberaler globaler Angebotspolitik.

    Was wir bräuchten umd a herauszukommen ist etwas höhere Inflation und mehr Wachstum, damit Schulden und BIP wieder in ein besseres Verhältnis zueinander kommen. Hierzu müßten Kredite für Finanztransaktionen massiv heruntergefahren werden und Kredite für Investitionen hochgefahren werden. Außerdem müßte der freie Kapitalverkehr eingeschränkt werden, um die agressive Steuervermeidung der Großkonzerne einzudämmen.

    Nichts davon wird passieren.

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    Michael Stöcker sagte:

    „bto: Und das wäre vermutlich der Fall, wenn das Vertrauen in das Geld verloren ginge. Dann haben wir eine Flucht, der die Fed nicht ernsthaft entgegentreten kann, weil sonst die Deflationäre Depression sofort da ist.“

    Vertrauen spielt selbstverständlich eine sehr große Rolle. Aber dieses Vertrauen entsteht nicht allein durch die Zentralbank, sondern durch ein abgestimmtes Verhalten von Geld- UND Fiskalpolitik. Inflation OHNE eine vorherige verantwortungslose deflationäre Zerstörung von Unternehmen – und somit Produktionskapazitäten – ist kaum vorstellbar. Insofern gilt auch in der kommenden Krise: Liquidity, Liquidity, Liquidity statt liquidate, liquidate, liquidate; und das am Besten nicht via QE sondern via QE4P: https://blog.zeit.de/herdentrieb/2019/06/25/moderne-geldtheorie-mmt-nihil-novi-sub-sole_11354?sort=desc#comment-220085

    LG Michael Stöcker

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      „Inflation OHNE eine vorherige verantwortungslose deflationäre Zerstörung von Unternehmen – und somit Produktionskapazitäten – ist kaum vorstellbar. “

      Ganz im Gegenteil – das ist total einfach vorstellbar. Man braucht dafür nur genügend Spinner in politischen Entscheidungspositionen, die glauben, dass man mit Gelddrucken die Welt retten kann.

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      Dagobert sagte:

      @ Michael Stöcker

      Das Liquiditätsproblem ist einzige Todesursache von Unternehmen.
      Ohne Liquditätssorgen würden alle Unternehmen unendlich wachsen dürfen.
      Dieses unendliche Wachstum beherrschen zu wollen, hieße Planwirtschaft in der Konsequenz.

      Geldpolitische Planwirtschaft zur Rettung von Nachfrage hat das Bruttoanlagevermögen der dt. Autoindustrie zwischen 2000-2012 um 34% anwachsen lassen.
      Die verschiedenen Betrugsfälle der Autokonzerne und das gesellschaftspolitische Klumpenrisiko aus dem aktuellen Einbruch der Verkaufszahlen sind Folge der vergangenen geldpolitischen Entscheidungen.

      Und mehr von dieser Liquiditätsschwemme soll die Zukunft retten?

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dagobert

        „Ohne Liquditätssorgen würden alle Unternehmen unendlich wachsen dürfen.“

        Sie vergessen dabei die Rentabilität als wesentliches Korrektiv. Die Insolvenzordnung beinhaltet bekanntlich zwei Insolvenzgründe: Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Und die Überschuldung können Sie auch mit noch so viel Liquidität nicht bekämpfen.

        Was das alles mit den Betrugsfällen der Autoindustrie zu tun hat erschließt sich mir überhaupt nicht.

        LG Michael Stöcker

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        Jens Happel sagte:

        @ Michael Stöcker,

        das stimmt nicht so ganz. Das Insolvenzrecht wurde in der Bankenkrise geändert. Eine Überschuldung muss nicht zwangsläufig eine Insolvenz, bzw. ein Insolvenzverfahren bedeuten. Sofern noch Liquidität vorhanden ist und die Aussicht besteht, dass die Krise überwunden werden kann, muss nicht zwangsläufig Insolvenz angemeldet werden.

        MFG Jens Happel

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. Und die Überschuldung können Sie auch mit noch so viel Liquidität nicht bekämpfen.>

        Das ist dem Rechtssystem entsprechend richtig.

        Es ist aber mit Blick auf die Faktizität falsch.

        Denn man kann die KONSEQUENZEN der Überschuldung mit Liquidität VERMEIDEN.

        Das geschieht, ist FAKT.

        Die Banken geben immer wieder Kredite an Zombie-Unternehmen, die damit LIQUIDE sind und eben nicht Insolvenz anmelden, auch wenn sie es müssten.

        Was auch immer der Umfang dieses Handelns ist, diese Sachverhalte werden von der EZB und den obersten Regulierungsbehörden bis zur Bankfiliale GEDULDET und BEFÖRDERT.

        Würde das nicht geschehen, hätten wir die Depression.

        Wenn man die nicht will, kann man es so machen.

        Aber HERUMREDEN sollten wir nicht, sondern uns EHRLICH zum Geschehen bekennen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Dagobert

        >Die verschiedenen Betrugsfälle der Autokonzerne und das gesellschaftspolitische Klumpenrisiko aus dem aktuellen Einbruch der Verkaufszahlen sind Folge der vergangenen geldpolitischen Entscheidungen.>

        Das sind sie nicht.

        Die Betrugsfälle der Autokonzerne sind Folge einer EU-Politik, die ohne Erwägung des technisch vernünftig Machbaren – vernünftig im Sinn von für Kunden bezahlbaren Mobilitätsnutzen leisten zu können – die Grenzwerte für die CO2-Emission so verschärft hat, dass sie nicht mehr einzuhalten waren.

        Um beim zugrunde liegenden Flottenverbrauch die CO2-Emissionen einhalten zu können, forcierte die Automobilindustrie nicht nur, aber vor allem den Dieselantrieb. Auch hier wurden Grenzwerte durchgesetzt, die technologisch zu tragbaren Kosten für die Käufer nicht realisiert werden konnten.

        Um den Absatz nicht kollabieren zu lassen, wurde BETROGEN.

        Also: nicht aus Jux und Tollerei, sondern aus Notwehr sozusagen.

        Betrug ist und bleibt Betrug – hier einer der Automobilindustrie.

        Aber man muss schon die ganze Geschichte verstehen, um ihn RICHTIG einordnen zu können.

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        Horst sagte:

        „Die Banken geben immer wieder Kredite an Zombie-Unternehmen, die damit LIQUIDE sind und eben nicht Insolvenz anmelden, auch wenn sie es müssten.“

        Diese leidige Zombie-Diskussion ist nicht zu umschiffen, offensichtlich.

        Der Kreditbedarf der Unternehmen ist seit gut 20 Jahren nominal nur unwesentlich gestiegen (+15%). In Anbetracht der Bedienung neu erschlossener Märkte in Schwellenländern, einer gestiegenen Nachfrage nach Konsumgütern allgemein global halte ich diesen Wert für vernachlässigbar. Real, also inflationsbereinigt, dürfte der Kreditbedarf sogar rückläufig sein.

        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/6798/umfrage/kredite-an-unternehmen-und-selbstaendige/

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        Horst sagte:

        „Betrug ist und bleibt Betrug – hier einer der Automobilindustrie.
        Aber man muss schon die ganze Geschichte verstehen, um ihn RICHTIG einordnen zu können.“

        Betrug ist eine Straftat. Der Umstand, der zum Betrug geführt hat, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant. Mögliche mildernde Umstände im Fall der Automobilkonzerne wurden deshalb in der juristischen Betrachtung ausgeschlossen.

        Die Geschichte dahinter muss also nicht verstanden werden.

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        troodon sagte:

        @ Horst
        „Der Kreditbedarf der Unternehmen ist seit gut 20 Jahren nominal nur unwesentlich gestiegen (+15%)“
        Die verlinkte Grafik lautet:
        Kredite der Banken in Deutschland an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbständige von 1991 bis 2018 (in Milliarden Euro).

        Kredite ausländischer Banken sind nicht erfasst, Kredite an ausländische Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen sind ebenfalls nicht erfasst.
        Denken Sie mal an die Finanzierungskonstrukte über Luxemburg oder NL…
        Begebene Anleihen sind ebenso nicht erfasst.

        Aus meiner Sicht ist die verlinkte Tabelle für Ihre Aussage unbrauchbar

        Es dürfte auch nicht stimmen :“Real, also inflationsbereinigt, dürfte der Kreditbedarf sogar rückläufig sein.“
        Richtig ist hingegen das nach Daten des IWF die Verschuldung nichtfinanzieller Unternehmen im Verhältnis zum BIP in D seit 20 Jahren stabil ist. Nach IWF sogar stabil seit über 40 Jahren. Da das BIP real aber gewachsen ist, sind somit auch die Schulden real gewachsen.

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        Horst sagte:

        Vielen Dank für Ihre Ergänzung, wenngleich ich in Bezug auf die Aussage D.T. nicht den Dissens, sofern vorhanden (da Sie mit Verweis auf den IWF eine analoge Verbindung zum aufgezeigten Link hergestellt haben), erkenne, da Vorgenannter expressis verbis von „Banken“ spricht. Alternative Finanzierungsquellen sind durch diese Begrenzung ausgeschlossen. Richtig ist dennoch, dass die Kreditvergabe ausländischer Banken an deutsche Unternehmen via Tochtergesellschaften (?), Holding-Strukturen etc. nicht aufgeführt ist.

        „Die Banken geben immer wieder Kredite an Zombie-Unternehmen, die damit LIQUIDE sind und eben nicht Insolvenz anmelden, auch wenn sie es müssten.“

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        Horst sagte:

        „Es dürfte auch nicht stimmen :“Real, also inflationsbereinigt, dürfte der Kreditbedarf sogar rückläufig sein.“

        Nehmen Sie die amtlichen Inflationsraten aus den Jahren 1998 – 2018 und rechnen Sie diese zum Ausgangswert 1998 hinzu für den Fall: Kreditvergabe inländischer Banken an inländische Unternehmen.

        Meine Aussage beruht auf knapper Schätzung, intuitiv jedoch beschleicht mich der Eindruck, die Kreditvergabe habe real nicht zugenommen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Diese leidige Zombie-Diskussion ist nicht zu umschiffen, offensichtlich.>

        Sie ist nicht zu umschiffen, weil es Zombies GIBT und weil sie relevant sind, in welchem Ausmaß auch immer – darüber kann man streiten. Aber nicht darüber, dass es diesen Mechanismus gibt und er daher in der Systemdiskussion mitgedacht werden muss.

        Natürlich ist das eine überflüssige Bemerkung von mir, weil SIE eh schon wissen, was RELEVANT zu sein hat, beispielsweise beim Diesel-Betrug.

        >Der Umstand, der zum Betrug geführt hat, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant.>

        Wenn sie den Betrug VERSTEHEN wollen, ist der Umstand relevant.

        Dass der Betrug eine Straftat ist, ordnet ihn lediglich juristisch ein. Diese hat nichts mit dem Verständnis zu tun hat, warum es ihn gibt. Jeder Richter kann Ihnen das sagen und Ihnen auch erklären, warum Verständnis relevant ist, etwa so:

        Verstehen ist wichtig, weil es dabei nicht immer um mildernde Umstände geht, die ich im vorliegenden Fall nicht gefordert habe.

        Sondern es geht, die Tat richtig eingeordnet, IMMER auch darum, Wiederholungen zu VERMEIDEN durch – möglicherweise – auch Änderung der Bedingungen, die zu gesellschaftlich relevanten Entgleisungen wie den Diesel-Betrug geführt haben.

        Eine Gesellschaft muss die URSACHEN für bestimmtes Handeln RÜCKKOPPELN für eine bessere Gestaltung der Gesellschaft.

        Gerade bei deliktischem Verhalten muss sie das.

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        troodon sagte:

        @ Horst
        „Nehmen Sie die amtlichen Inflationsraten aus den Jahren 1998 – 2018 und rechnen Sie diese zum Ausgangswert 1998 hinzu für den Fall: Kreditvergabe inländischer Banken an inländische Unternehmen.“
        So weit richtig, ABER das ist und bleibt trotzdem nur ein Teilbereich und ist insofern nicht maßgeblich für das Thema Zombie-Unternehmen.

        In der Eurozone insgesamt ist die Verschuldung zu BIP der nichtfinanziellen Unternehmen von Q3 2000 bis Q4 2017 von rd. 100% auf rd. 130% gestiegen, wobei sie seit Q4 2009 ungefähr stabil geblieben ist.
        https://www.euro-area-statistics.org/classic/corporates-debt-ratio-in-the-euro-area?lg=en
        Zombie Unternehmen sind m.E. schon ein relevantes Thema, wenngleich ich es nicht so dramatisch sehe wie z.B. Dr. Krall. Aber Risiken liegen hier definitiv.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Markus

        Das ist auch mein Wissen.

        Aber dadurch wird das Automobil teurer, was bei einem eh schon etwas teurerem Diesel gegenüber einem Benziner negativ zu Buche schlägt.

        Vermutlich hätten die Hersteller es dennoch verkraften können, größere Adblue-Tanks einzubauen, der Absatz wäre sicher nicht kollabiert, wie ich weiter oben geschrieben habe.

        Ich schließe nicht aus, dass die Manipulation einfach zu billig und daher zu attraktiv war, um sie nicht vorzunehmen. Und so schnell hat man sie auch nicht entdeckt, bei uns vielleicht heute noch nicht, wenn eine UNI in USA – ich meine, es war eine – den Betrug nicht aufgedeckt hätte.

        Auch wenn wir es nicht genau wissen:

        Ich bleibe dabei, dass die NOX-Manipulation nicht aus Jux und Tollerei geschehen ist, sondern weil die Grenzwerte für die Hersteller ein Problem waren.

        Damit sage ich ausdrücklich nicht, dass es keine Grenzwerte geben darf.

        Und es ändert natürlich nichts daran, dass ein Betrug ein Betrug ist und strafrechtliche Konsequenzen haben muss.

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        ikkyu sagte:

        Zur Dieselthematik:

        Es besteht technisch gesehen ein Zielkonflikt zwischen dem Kraftstoffverbrauch (= CO2 Emission), den NOx-und den Partikel-Emissionen.

        Deswegen ist es schon richtig, dass der „Betrug“ mit den Abschalteinrichtungen auch durch die realitätsfernen Abgasvorschriften der Politik befördert wurde.

        Zu den technischen Zusammenhängen:

        „Ich kann den Harnstoff erst ab 180 bis 200 Grad dosieren, darunter kommt es zu Belagsbildung und Korrosion im Abgastrakt. Aber ein Dieselmotor mit einem hohen Wirkungsgrad hat nun mal eine niedrigere Abgastemperatur. Die Hersteller haben bei der ersten Generation das letzte Promille Verbrauch rausgeholt, aber mit jedem Promille wird das Abgas kälter. „….

        Euro 5 hat noch keine Stickoxid-Nachbehandlung. Bei der Einführung dieser Norm forderte der Gesetzgeber zu Recht einen Partikelfilter für alle Dieselfahrzeuge. Die ganz große Herausforderung war: Wie bekomme ich den Ruß wieder aus dem Filter heraus?

        Möglichkeit eins: Ein Additiv auf der Basis von Cerin, das mit dem Kraftstoff vermischt wird. Der Ruß war besonders reaktiv und ist leicht verbrannt. Leider ist Cerin leicht giftig.

        Möglichkeit zwei: Wir erhitzen den Partikelfilter auf 600 Grad und halten ihn eine halbe Stunde auf diese Temperatur, dann ist der Ruß weg. Das kostet aber Kraftstoff und verursacht viele andere technische Schwierigkeiten.

        Möglichkeit drei: Den Ruß durch Stickoxide reduzieren. Euro 5-Fahrzeuge benötigen so viele Stickoxide – ganz konkret NO2 -, um den Partikelfilter vor dem Aufrußen zu schützen. ….

        Der Druck des Gesetzgebers nach einer frühen Einführung der EURO5 Norm war jedoch immens und hier war in der Tat die Anforderung der Politik nicht mit den Möglichkeiten der Technik synchron unterwegs.“

        https://www.helmholtz.de/luftfahrt_raumfahrt_und_verkehr/wieschmutzigistderdieselwirklich/

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        Dagobert sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Nachdem bisher nur angenommen wird, dass CO² für den Klimawandel verantwortlich ist, sind gesetzliche CO² Vorgaben ein schwerer Markteingriff, wenn diese technisch gar nicht erreichbar sind.

        Diese Diskussion zu führen wäre ebenso wichtig (gewesen) wie der Umstand, dass man durch Profitmaximierung die Qualität der Fahrzeuge abgesenkt hat.

        Meine Behauptung über einen Zusammenhang zur Geldpolitik kommt daher, dass BWL so funktioniert. Man steigert den Absatz bis jede Grenze ausgereizt ist, parallel senkt man die Zuliefererkosten u.a. durch Absenkung der Qualität, bis auch diese Grenze ausgereizt ist.

        Diese Macht gegen Lieferanten, Kunden und Staat (Irrglaube straffrei betrügen zu dürfen) kommt von einer Wachstumsgeschichte, die ohne EZB Politik niemals (!) erfolgt wäre. (vgl. https://de.reuters.com/article/deutschland-volkswagen-financial-service-idDEBEE82E06H20120315 )

        Man hat den Absatz mehr als verdoppelt und die Geschäftsführungen der vorangegenenen Dekaden wie dumme Jungens aussehen lassen…für Warnungen und Selbstkritik gar es keinen Raum mehr, obwohl man Erfahrungen gehabt hätte. (dito Bankenlandschaft bis 2008/09)

      • Avatar
        Dagobert sagte:

        @ Michael Stöcker

        Einen NegativZinsAnhänger von Rendite schreiben zu sehen, macht Freude.

        Ihnen ist die Abwärtspirale klar, wenn die Rendite=Zins gegen Null läuft und man über den Einkauf (Globalisierung), Löhne und Qualität Kosten sparen muss?
        Die Anteilseigner interessiert es null, dass der Kapitalertrag=0 ist. Sie wollen Gewinn sehen und tauschen das Management so lange durch, bis Gewinn entsteht, egal zu welchem Preis.

        Wegen der „Competition for Loosers“ (Thiel Zitat v. Stöcker) und der mangelnden Marktmacht von 99.6% der KMUnternehmen ohne Zentralbankzugang, kann der Einkauf seine abhängigen Zulieferer in Zombies verwandeln. Man kämpft sich von einer Finanzierungslinie zu nächsten….und die Häuslefinanzierungen sind wichtiges Motiv für die Hausbank das Unternehmen am Leben zu lassen. Von Korrektiv durch Rendite sind diese Firmen schon 20 Jahre entfernt.

        Die Zuliefererstränge hören nicht bei Bosch auf, sondern beginnen dort erst.

        Durch Haftungsbegrenzung ist es diesen Zombiestrukturen längst egal geworden, wenn es morgen vorbei ist – heute noch wurde das Gehalt überwiesen.

        Den Zusammenhang zwischen EZB Politik und Autoabsatz bitte aus der Antwort an Dietmar Tischer, speziell die Reuters Meldung als Beleg.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        Danke für die Konkretisierung der Dieselthematik-/problematik durch die technischen Verweise.

        >Deswegen ist es schon richtig, dass der „Betrug“ mit den Abschalteinrichtungen auch durch die realitätsfernen Abgasvorschriften der Politik befördert wurde.>

        Stimme zu, wobei ich statt „Betrug“ eben Betrug sagen würde.

        Auf der Basis der aufgezeigten bekannten Zusammenhänge komme ich zu dem Schluss:

        Es ist einfach nur traurig, dass die Automobilindustrie, wenigstens die deutsche, nicht der Öffentlichkeit erklärt hatte, dass die Kunden die FOLGEN dieser Politik zu tragen haben, etwa so:

        Die Automobile werden aufgrund der Regulierung TEURER trotz aller Anstrengungen und Auslotung aller technischen Möglichkeiten, über die wir verfügen.

        Genauso lauwarm Diess von VW zur E-Mobilität:

        „Wir werden E-Autos bauen, aber ich hoffe die Politik, weiß, was sie tut.“

        Hier muss Klartext geredet werden und der Bevölkerung müsste gesagt werden, dass sich viele Menschen nach heutigen Erkenntnissen kein E-Automobil werden leisten können.

        Ich weiß ja, dass in der Automobilindustrie wie in anderen Branchen auch kein Unternehmen eine heißt Kartoffel anfassen will.

        Dennoch halte ich es für ausgesprochen DUMM, sich widerstandslos von der Politik den schwarzen Peter zuspielen zu lassen.

        Die Politik hat das RECHT zu regulieren, muss aber auch für die FOLGEN verantwortlich sein, wenn sie die Realitäten außer Acht lässt.

        Wie gesagt, zu diesen Folgen sollte nicht Betrug gehören, aber eben teurere Automobile.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Dagobert

        Dank für die Verlinkung von reuters.

        Die Feststellungen, die dort getroffen werden von VW mit Blick auf die Nutzung der Finanzierungsfazilitäten, die durch die EZB bereitgestellt werden, verweisen darauf, wie fragwürdig die Position von M. Stöcker, dass auch in der kommend Krise gelten müsse, ist:

        > Liquidity, Liquidity, Liquidity statt liquidate, liquidate, liquidate;>

        Denn es ist ein großer Irrtum zu glauben, dass durch Fiskalpolitik und Bürgergeld der Absatz ewig weiter angekurbelt werden könne, sei es die Automobilindustrie oder andere Branchen betreffend.

        Der Renditewettbewerb ist seit langem schon ein KOSTENWETTBEWERB und die Notenbanken setzen in diesem Wettbewerb ganz wesentlich die FINANZIERUNGKONDITIONEN, sei es im Absatz oder in Produktion (Kapazitätsaufbau, um Skaleneffekte nutzen zu können), oder …

        Ich stimme Ihnen voll zu, wenn sie über die Großunternehmen sagen:

        >Diese Macht gegen Lieferanten, Kunden und Staat (Irrglaube straffrei betrügen zu dürfen) kommt von einer Wachstumsgeschichte, die ohne EZB Politik niemals (!) erfolgt wäre.>

        Die Behauptung von M. Stöcker am anderen Thread, dass die EZB auf den langfristigen Trend zu niedrigen Zinsen nur reaktiv agiere, OHNE damit einen Einfluss auf die Zinsen und REALWIRTSCHAFTLICHE Sachverhalte zu haben, etwa die Assetinflation, höhere Staatsverschuldung und die Entstehung von Zombieunternehmen, ist schlichtweg FALSCH.

        Das gesagt zum Punkt:

        Sie haben in DIESES Thema den Dieselbetrug eingeführt.

        Ich denke nach wie vor, dass das ein anderes Thema ist, auch wenn es einen übergeordneten Gesamtzusammenhang gibt.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dagobert

        „Einen NegativZinsAnhänger von Rendite schreiben zu sehen, macht Freude.“

        Irrtum, lieber Dagobert. Ich bin und war NIEMALS ein „NegativZinsAnhänger“. Warum? Das hatte ich bereits 2013 im Herdentrieb dargelegt: „Negative Zinsen sind Kokolores. Die Banken haben kein Liquiditätsproblem, sondern ein Rentabilitätsproblem. Da wären Strafzinsen kontraproduktiv.“ https://blog.zeit.de/herdentrieb/2013/11/07/draghi-coup_6741?sort=asc&comments_page=2#comment-103728. Nicht ganz zufällig hat die Fed auch den IOER eingeführt. Dank dieser Subvention geht es den amerikanischen Banken deutlich besser als den europäischen.

        „Den Zusammenhang zwischen EZB Politik und Autoabsatz bitte aus der Antwort an Dietmar Tischer, speziell die Reuters Meldung als Beleg.“

        Ursprünglich hatten Sie einen Kausalzusammenhang zwischen den geldpolitischen Entscheidungen und Dieselgate behauptet. Jetzt argumentieren Sie mit Absatzahlen. Das ist etwas völlig anderes. Darüber kann man sehr wohl diskutieren. Und ja, das niedrige Zinsniveau verbilligt durchaus die Finanzierung und erhöht somit den Absatz. Aber das alles ist eine realwirtschaftliche Geschichte und hat nichts mit QE zu tun.

        2012 flammte die Eurokrise auf, die unter anderem durch die fundamentale Fehlentscheidung von Trichet befeuert wurde. Daraufhin gab es die Dicke Bertha, bei der sich die Banken mit Liquidität vorsorglich vollgesogen haben. Auch die VW-Bank hat zugeschlagen, da der Interbankenmarkt immer noch nicht normal gearbeitet hat. Mit einer Absatzfinanzierung hat das aber alles nichts zu tun. Die Tagesgeldkonditionen lagen damals bei ca. 2 %. Von der EZB gab es das Ganze hingegen für 1 %; und das OHNE Risiko für 3 Jahre.

        LG Michael Stöcker

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      >Inflation OHNE eine vorherige verantwortungslose deflationäre Zerstörung von Unternehmen – und somit Produktionskapazitäten – ist kaum vorstellbar.>

      Das ist wieder einmal eine Ihrer Kurzschluss-Behauptungen.

      Denn die Zerstörung von Unternehmen ist nicht gleichbedeutend mit der Zerstörung von PRODUKTIONSKAPAZITÄTEN.

      Die Sachwerte BLEIBEN funktional taugliche Sachen, allerdings mit anderer Bewertung, vermutlich anderen Eigentümern etc.

      Das Problem ist allerdings, wie man NACH einer Depression mit vermutlich chaotischen gesellschaftlichen Verhältnissen die Wirtschaft wieder in einen geordneten Modus bringt.

      Das ist DIE Prämisse, von der man in Ihrem Sinne argumentieren kann.

      Ist eine Depression VERANTWORTUNGSLOS, weil das RISIKO, keine geordneten Verhältnisse schaffen zu können, zu GROSS ist?

      Darüber sollte diskutiert werden.

      Ihre Schlagwort-Alternative Liquidity/liquidate sind dafür nicht hilfreich.

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      Horst sagte:

      „Also: nicht aus Jux und Tollerei, sondern aus Notwehr sozusagen.“

      Notwehr ist ein mildernder Umstand. Daraus folgt, das Verhalten der Automobilkonzerne zu rechtfertigen oder herunterzuspielen (kleiner zu reden), weil die EU Grenzwerte vorgeschrieben hat, die aus ingenieurtechnischer Sicht zu diesem Zeitpunkt nicht umzusetzen waren.

      Die Automobilkonzerne hätten die Option gehabt, einzugestehen, NICHT über das Know-How zu verfügen, um die politisch induzierten Vorgaben umzusetzen.

      Sie haben sich für den Betrug entschieden. Meine Meinung ist, Unternehmen werden sich auch in Zukunft wieder für den Betrug entscheiden in vergleichbaren Situation.

      Es ist nicht so, dass es an Beispielen mangelt.

      Daher ist das Verständnis der Hintergründe, die zum Betrug geführt haben zwar interessant, für denjenigen, der sich dafür interessiert, aber insgesamt nicht relevant, da der von Ihnen beschriebene Mechanismus dadurch nicht ausgeschaltet wird.

      Wirtschaftsbetrug aus Jux und Dollerei ist ausgeschlossen, es ging und geht immer um das Durchsetzen monetärer Ziele.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Notwehr ist ein mildernder Umstand.>

        Ist es, aus JURISTISCHER Sicht.

        Ich argumentiere aber nicht aus juristischer Sicht und habe auch gesagt „aus Notwehr SOZUSAGEN“, was heißt:

        Aus ihrer Sicht waren die Unternehmen unter Druck – als Erklärung dafür, dass es einen Grund gegeben haben muss, wenn das Handeln eben nicht Jux und Tollerei gewesen sein soll.

        Unter Druck zu sein, muss nicht heißen, dass sie das Problem technisch nicht lösen konnten.

        Sie hätten es lösen können, wie Sie weiter oben @ Markus lesen können.

        Insofern ist Ihre Aussage zwar nicht falsch, aber neben der Sache:

        >Die Automobilkonzerne hätten die Option gehabt, einzugestehen, NICHT über das Know-How zu verfügen, um die politisch induzierten Vorgaben umzusetzen.>

        Richtig ist vielmehr:

        Sie hätten die Option gehabt, einzugestehen, dass die Diesel zu teuer werden, wenn sie die politisch induzierten Vorgaben umsetzen würden.

        Diese Option ist natürlich lächerlich, denn jeder hätte zurecht sagen können „ zu teuer“ ist nicht mein, sondern euer Problem.

        >Meine Meinung ist, Unternehmen werden sich auch in Zukunft wieder für den Betrug entscheiden in vergleichbaren Situation …
        … Daher ist das Verständnis der Hintergründe, die zum Betrug geführt haben zwar interessant, für denjenigen, der sich dafür interessiert, aber insgesamt nicht relevant, da der von Ihnen beschriebene Mechanismus dadurch nicht ausgeschaltet wird.>

        Die Schlussfolgerung ist nicht angebracht.

        Sie wäre es, wenn nach derartigen Betrugsfällen die REGULIERUNG geändert worden wäre und TROTZDEM immer wieder betrogen worden wäre.

        Das ist etwas anderes als wie Sie zu meinen, auch wenn Sie es nicht genau so gesagt haben:

        Es wird IMMER betrogen, egal ob wir darauf mit Regulierung reagieren oder nicht. Also müssen wir nicht die Hintergründe des Betrugs wissen, um (auch) daraufhin zu regulieren.

        Ihre Einstellung kann man haben, sie wird auch praktiziert, hauptsächlich in Asien und Afrika, glaube ich.

        Eine aufgeklärte, zivile Gesellschaft versucht hingegen, kriminelles Handeln PRÄVENTIV zu verhindern, anstatt nur hinterher zu bestrafen.

        Es wird nicht immer und vielleicht in vielen Fällen nicht gelingen.

        Es ist dennoch geboten, es zu tun.

        Denn eine aufgeklärte Gesellschaft geht davon aus, dass Menschen EINSICHTSFÄHIG sind und ihr Handeln ändern können.

        Auch in Unternehmen entscheiden immer Menschen, also gilt Prävention auch für sie.

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    Richard Ott sagte:

    „Das ist, als sagte man, die Inflationsrate sei niedrig, weil sie eben niedrig sei. Zweifellos ist es ein zentraler Faktor, dass tatsächliche und erwartete Inflation beide niedrig sind – beide sind eng miteinander verbundene Zwillinge. Doch dies legt nahe, dass die der heutigen niedrigen und stabilen tatsächlichen und erwarteten Inflation zugrundeliegende Geldpolitik weiter funktionieren dürfte, bis sie das auf einmal nicht mehr tut.“

    Das ist so ähnlich wie bei Angela Merkel: Weil sie in den Meinungsumfragen so beliebt ist, wird sie von vielen Leuten gewählt. ;)

    Wenn der Vertrauensverlust kommt, wird er plötzlich und wie ein Erdrutsch geschehen.

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